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            <title type="main">Dienstag, der 29. Mai 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_01">Dienstag, 29. Mai 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_02">Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> hat als Präsidialist die Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>,<lb/>
dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139515">Dworak</rs> als Sektionsleiterstellvertreter der OB, der<lb/>
nicht nur ein Problem nicht lösen konnte sondern darüber hinaus auch noc<lb/>
vorzeitig den Dienst verliess und damit die Unterlagen nicht lieferte,<lb/>
wie er sich ausdrückte sehr stark gerügt und festgehalten, dass die<lb/>
Mehrleistungsdienstzulage nicht in der von ihm gewünschten und in<lb/>
Aussicht gestellten Höhe bekommen wird. Allerdings ist ihm in einem<lb/>
Nebensatz entrutscht, dass insbesondere auch das Bundeskanzleramt<lb/>
eine Zustimmung verweigert hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_03">Der Personalvertreter Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmaier</rs> hat wegen der Ministerchauffeure<lb/>
die auf Grund der neuen Regelung weniger bekommen würden als bisher,<lb/>
interveniert. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> hat mitgeteilt, dass er so wie auch die anderen<lb/>
Ministerien diesbezügliche Lösungen sucht. Das Finanzministerium soll<lb/>
den Chauffeure 2.500.- S zusätzliches Pauschale bezahlen. Dies ist<lb/>
wieder ein so typischer Fall, in der Regierungsvorbesprechung wurde<lb/>
festgehalten, dass die Chauffeure nicht schlechtergestellt werden<lb/>
können als bisher, die beabsichtigte Abstimmung untereinander ist<lb/>
aber unterblieben und jetzt hat jeder Minister die Möglichkeit nach<lb/>
seinem Gutdünken eine Lösung zu finden. Das Finanzministerium dürfte<lb/>
hier wieder mit "gutem BEispiel" vorangegangen sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_04">IN der Klubsitzung gab es über das Referat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> keine Diskussion.<lb/>
Dabei hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gerade die letzte Entwicklung herausgestrichen. ER<lb/>
meinte, der grösste Fehler ist, wenn die Regierung hart ist, BEschlüsse<lb/>
fasst und dann bei der Durchführung umfällt wie die italienische Re<lb break="no"/>gierung. Zum Sternwarteparkproblem führte er aus, erstens wurde damit<lb/>
die direkte Demokratie bestätigt, zweitens die Mehrheit wird respektiert<lb/>
drittens die Wiener Kleingärtner haben gegen uns entschieden auch<lb/>
dann, wenn sie Sozialisten waren. Viertens in Hinkunft müsste man ver<lb break="no"/>zichten, Kindergärten, Schulen usw. zu bauen, weil genau diese Gebäude<lb/>
gehören dorthin, wo jetzt schon Bäume stehen.Fünftens erstmalig hat<lb/>
eine Regierung die Bevölkerung gefragt, das hat weder die VP-Regierung<lb/>
noch ein ÖVP-LH getan. Folgen musste die ÖVP zur KEnntnis nehmen,<lb/>
in Vorarlberg, wo sie bekanntlicherweise an der Autobahntrasse in<lb/>
Bregenz gescheitert ist. Der grösste Fehler ist, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die<lb/>
Autorität vorzukehren und nicht die Bevölkerung zu fragen. Sechstens<lb/>
ein Bodenrecht muss kommen, das kein Kompromiss merh mit der ÖVP<lb/>
verzögern sollte. Moder führt-e dazu aus, dass ein Bodenbeschaffungs<lb break="no"/><pb n="16-0634" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0634.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und Stadterneuerungsrecht kommen muss, wo die Gemeinden das REcht haben<lb/>
in den Verkehrswert einzutreten, Eintrittsrecht der Gemeinde also.<lb/>
Die Verordnung soll geregelt werden, dass dieser Wert aber ein Jahr<lb/>
bevor er sozusagen aktuell wird, festgesetzt werdenmuss, damit die<lb/>
Gemeinden nicht Spekulationspreise bezahlen müssen, Die Gemeinden be<lb break="no"/>kommen auch ein Vorkaufsrecht. wobei allerdings die Preise für die<lb/>
Grundstücke gergelt werden müssen. Zu diesem Vorschlag, da es sich um<lb/>
eine Preisbestimmung handelt, müsste auf alle Fälle die ÖVP zustimmen,<lb/>
da dafür eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist. An diese Ausführungen<lb/>
hätte sich müssen meiner Meinung nach eine riesige Diskussion entzünden.<lb/>
Schliesslich und endlich spüren nicht nur die Wiener Abgeordneten sondern<lb/>
auch die Bundesländerabgeordneten, dass hier Probleme anstehen und vor<lb/>
allem ein Zustand jetzt herrscht, der eine Diskussion nicht nur notwendig<lb/>
machen sondern sogar zur Pflicht macht. Trotzdem schweigtman, d.h. man<lb/>
resigniert wahrscheinlich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_05">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> festgehalten, dass die<lb/>
Ausgaben für Auslandsreisen von 36 Mill. im Jahre 1969 auf 68 Mill.<lb/>
im Jahre 1972 gestiegen sind. Dies sei unvertretbar. Für das Jahr 1973<lb/>
seien 50 Mill. präliminiert, doch ist er überzeugt, dass die einzelnen<lb/>
Ministerien diese Ansätze wesentlich überschreiten. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> wurde ge<lb break="no"/>fragt, ob es richtig ist, dass er eine Bundesheergesetznovelle soweit<lb/>
vorbereitet und durchboxen will,,dass eine Längerdienung, die jetzt<lb/>
auf freiwilliger Basis erfolgen soll, durch Gesetz erzwingen will.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> hat dies bestritten, insbeosndere die Behauptung, dass er<lb/>
keine freiwillige Werbung für dieses Durchdienen macht, sondern darauf<lb/>
hingewiesen, dass die Bereitschaftsbataillone 35 – 70 % Meldungen zum<lb/>
Durchdienen haben. Er wird Ende des Monats Juni einen Bericht machen,<lb/>
dann kann er einen genauen Überblick geben, wie die einzelnen Bereit<lb break="no"/>schaftsbataillone aussehen werden. Keine Werbung nimmt er nur dort vor,<lb/>
wo die Leute in die Landwehrverbände nachrücken sollen. Was er braucht,<lb/>
sind Mechaniker, Fernmeldeleute und KFZ-Fahrer, denn die müsste er sonst<lb/>
um schweres GEld als Dienstposten systemisieren. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtet über<lb/>
die Budgeterstellung 1974, er Beabsichtigt eine Dreiteilungg, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> mir schon unter strengst vertraulich mitgeteilt hat. Erstens<lb/>
ein fixes Grundbudget zu erstellen. zweitens sollte dann ein Budget<lb/>
insAuge gefasst werden, wo die Einzelmassnahmen, die man eben noch<lb/>
durchführen kann, wenn es die budgetäre Lage erlaubt, aufscheinen.<lb/>
Drittens sei das Konjunkturausgleichsbudget, das allerdings nur optische<lb/>
Bedetuung hat wie in den vergangen Jahren. Die neue Dreiteilung glaubt<lb/>
er, ist deshalb zielführend, weil wir bis jetzt immer von den beschlossenen<lb/>
<pb n="16-0635" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0635.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Normalbudgets 15 %-ige Bindung, die dann im Herbst in eine Kürzung<lb/>
weitestgehend umgewandelt wurde, gemahct haben. DIes ist in der Optik<lb/>
sehr schlecht und gibt der Opposition die Möglichkeit, die Regierung<lb/>
zu attackieren, dass sie keine entsprechenden budgetären Massnahmen<lb/>
macht. Das Grundbudget soll auf einem nominellen 12 %-igen BNP-Wachs<lb break="no"/>tum aufgebaut sein und ein gemildertes Defizit, d.h. ein geringeres<lb/>
als der heurige Jahr haben. Natürlich muss er bei einer solchen Kon<lb break="no"/>zeption die einzelnen Ansätze der Ministerien hart kürzen. Durch<lb/>
das zweite sollte dann eventuelle Einzelmassnahmen möglich sein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprach von einem additiven Budget. Diese neue Budgetkonzep<lb break="no"/>tion, darüber müssen wir uns im Handelsministerium vollkommen klar<lb/>
sein. birgt die grosse GEfahr, dass wir mit unseren Aktionen wieder<lb/>
nur ganz knapp budgetär gedeckt werden, wenn überhaupt;an eine Ausweitu<lb/>
ist daher nicht zu denken. Wir müssen deshalb alle BEstrebungen, jetzt<lb/>
schon Ausgaben zu tätigen, die auch für das Jahr 1974 wirken, mit<lb/>
grösster Vorsicht behandelt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte den einzelnen Abteilungen insbesondere<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, Budgetabteilung, grösste Zurück<lb break="no"/>haltung bei Ausgaben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_07"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> berichtete mir von der EFTA-Tagung und hat genau das<lb break="no"/>selbe festgestellt wie auch ich, wie ich das letzte Mal in Genf<lb/>
war. Um 16 Uhr an demselben Tag war das Programm fertig und man<lb/>
hätte enden können. Da aber die EFTA-Tagung immer zwei Tage dauern<lb/>
muss, u.a. gibt es ja den berühmten EFTA-Empfang am Abend mit Essen,<lb/>
Tanzen und sonstigen Blödeleien, musste die Sitzng dann bis zum<lb/>
nächsten Tag mittags mit GEwalt hinausgezogen werden. Das einzig wirk<lb break="no"/>liche Problem war,dass Island eine harte Resolution gegen die Fischerei<lb break="no"/>vorstösse der Engländer wollte. Man hat sich dann aer auf einigermassen<lb/>
akzeptabels Kommunique geeinigt, ohne dass man die Engländer als ehem.<lb/>
EFTA-Mitglieder sehr verärgert. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat eigentlich angenommen<lb/>
dass ich über die Tagung bereits von unseren TEilnehmern informiert bin<lb/>
ICh eigentlich ehrlich gestanden auch. Scheinbar herrscht im Aussen<lb break="no"/>ministerium, dass sofort mündlich ein kurzer BEricht erfolgt, während<lb/>
bei uns diese blöde Einrichtung existiert, dass ein ellenlanger<lb/>
schriftlicher BEricht eingereicht wird, Ich habe schon hunderte Male<lb/>
ersucht, man sollte in so einem Fall das Telefon benützen, oder<lb/>
ganz kurz mir persönlich eine erste Information geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Vie-lleicht könnte man dies doch einmal er<lb break="no"/>reichen.</p><pb n="16-0636" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0636.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_09">Im Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> unter mündlichen BErichten dann darauf<lb/>
hingewiesen, dass ein Neuner-Posten Dr. <rs type="person" ref="#per__137895">Weiss</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>, ich glaube im Innen<lb break="no"/>ministerium dem Bundeskanzleramt gehört und der ihn, wenn er ausläfut<lb/>
dort unbedingt zurückbraucht, da er an den Verfassungsdienst gebunden<lb/>
ist. Ein zweiter Neuner-Posten hat <rs type="person" ref="#per__146139">Bruckner</rs> Im Unterrichtsministerium<lb/>
der ebenfalls dem BKA gehört, interssanterweise eigentlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
der ihn allerdings nicht beanspruchen will.Doch auch hier möchte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass er nach Auslauf, <rs type="person" ref="#per__146139">Bruckner</rs> hat seinerzeit erklärt, nur<lb/>
zwei Jahre würde er ihn brauchen, diese sind längst abgelaufen,<lb/>
ans BKA zurückfallen müsste. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann eine Formulierung der<lb/>
Sternwartepark-Ergebnisse und der KOnsequenzen daraus, die er in<lb/>
der Vorbesprechung schon hart attackiert hat, umstilisiert. Unter<lb/>
anderem war dort zuerst vorgesehen, dass das Wissenschaftsministerium<lb/>
die Prüfung der Möglichkeit einer teilweisen Öffnung des GEländes vera<lb/>
lassen. Ebenso war eine weiche Formulierung über ein anderes Grundstück<lb/>
vorgesehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aärgerte sich über den selbst von ihm vorgelegten<lb/>
Ministerratsvortrag und hat eben jetzt eine schärfere Formulierug<lb/>
verlangt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_10">Über die Reise-Kostensteigerung auf 58 Mill. meinte er, dass<lb/>
maximal eine 10 %-ige Steigerung möglich gewesen wäre. Sollten die<lb/>
Minister nicht rigoros einschränken, besteht die GEfahr, dass das<lb/>
Komitee, das seinerzeit beim BKA bestand, wieder aktiviert wird<lb/>
Ich bin zwar überzeugt, dass dann auch nicht weniger gereist wird,<lb/>
aber mehr bürokratischer Kram im Inland anfällt, da in diesem<lb/>
Komitee dann doch neuerdings abgestimmt und verhandelt weren muss.<lb/>
Für viele Beamte eine neue zusätzliche Tätigkeit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_11">Auf einen Bericht <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> über die langandauernden VErhandluge<lb/>
der internationalen Organisationen, insbesondere Untergliederungen<lb/>
der UNO, z.B. der FAQ meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, es sollte eine Initatitve<lb/>
Österreichs erfolgen,dass die internationalen Organisationen nicht<lb/>
mehr so lange Tagungen und Kongresse veranstalten. Durchschnittlich<lb/>
beträgt nämlich jede mindestens 6 Wochen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_12">Eine wirklich rigorose Einschränkung der Reisen-Tätigkeit der Beamten<lb/>
könnte meiner Meinung nach nur durch eine andere gesetzliche Regelung<lb/>
der Bezüge bei solchen Reisen resp. der Budgetansätze für diese Reisen<lb/>
erzielt werden. Die Beamten werden ansonsten immer wieder WEge finden,<lb/>
um ihre Reiselust und die damit verbundnen höheren Einkommen zu er<lb break="no"/><pb n="16-0637" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0637.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reichen. Wenn es gelänge, den Neidkomplex der nichtreisenden Beamten<lb/>
zu mobilisieren und dies ist verhältnimässig leicht mölgich, dann<lb/>
kann im eigenen Ministerium eine gewisse Zurückhaltung erreicht werden.<lb/>
Reisen sollten eine gewisse Anerkennung für besondere Leistung sein,<lb/>
heute fällt es durch einen Zufall in gewissen Abteilungen an<lb/>
und wird natürlich dort rigoros unter Hinweis auf die Dienstobliegen<lb break="no"/>heiten durchgeführt. Dabei ist es lustig zu beobachten wie ein<lb/>
Ministerium das andere, d.h. einer Beamtengruppe der anderen Beamten<lb break="no"/>gruppe diese Möglichekitverschafft.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_13">Direktor <rs type="person" ref="#per__141056">Schreiber</rs>, dermit Präs. <rs type="person" ref="#per__97406">Ebert</rs> diese Schuhfabrik und den<lb/>
Schuhhandel betreibt, möchtenun mit der ungarischen Firma Savaria,<lb/>
35 km von seiner Fabrik in Steinberg, nämlich in Szombathely, Arbeits<lb break="no"/>kräfte gegen Devisen einführen. Ihm schwebt vor, 50 – <choice><choice><sic>80</sic><corr>70?</corr></choice></choice> im Endausbau<lb/>
ungarische Schuharbeiter in Steinberg zu beschäftigen. Es handelt<lb/>
sich dabei um eine Art passive Lohnveredelung. Der VErtrag sollte<lb/>
zwischen dem Komitatpräsidenten Dr. <rs type="person" ref="#per__146974">Kunda</rs> und dem LH <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> unterzeichnet<lb/>
werden. Da angeblich eine entsprechende staatliche Regelung notwendig<lb/>
ist. Ich habe <rs type="person" ref="#per__141056">Schreiber</rs> an <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> verwiesen, der klären soll, ob<lb/>
tatsächlich eine solche Regelung auf staatlicher Basis notwendig ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: BItte mit Sozialministerium ebenfalls dieses<lb/>
Problem klären.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_15">Konsul <rs type="person" ref="#per__149337">Weiss</rs> von Arabia kam, um mich ausschliesslich gegen die Ver<lb break="no"/>leihung von Auszeichnungen gem. § 58 Gew.O., d.h. Führung des Staats<lb break="no"/>wappens, an die Firma Jacobs auszusprechen. Ich habe nur eine genaue<lb/>
Prüfung zugesagt. Ob, wie er sich ausdrückt ausländische Unternehmungen<lb/>
was in diesem FAll falsch ist, denn es ist eine österreichische Unter<lb break="no"/>nehmung, eine solche Auszeichnung bekommen soll. Bei Arabia handelt<lb/>
es sich um gar nichts anderes als um Konkurrenzmanöver gegen eine<lb/>
progressive Firma, die durhc bessere Werbung, vielleicht auch besseren<lb/>
Kaffee einen immer görsseren Umsatzanteil erwirbt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_16">Der Innungsmeister der Fotografen <rs type="person" ref="#per__149277">Simonis</rs> und Prof. <rs type="person" ref="#per__147382">Mutschlechner</rs>,<lb/>
Direktor de graph. Lehr- und Versuchsanstalt wollen für Europhot,<lb/>
eine Ausstellung der europäischen Berufsphotographen 150.000 S<lb/>
Subvention. Der Kongress wird ca. 1 Mill. S kosten und die 150.000<lb/>
fehlen immer noch. Ich erklärte, dass ich dafür diese Mittel nicht<lb/>
habe, dass ich aber bereit bin, mich an Firmen zu wenden, damit diese<lb/>
sie unterstützen. Aus einem VErsehen hat dann <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> gemeint, dass<lb/>
ich grossen Wert darauf lege, die Gelder doch irgendwo aufzutrei<lb break="no"/>ben und ihnen 40.000 S Druckkostenbeiträg inAussicht gestellt.</p><pb n="16-0638" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0638.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Versuchenwir, den ganzen BEtrag irgendwelchen<lb/>
Firmen durch entsprechende Empfehlungsschreiben<lb/>
zu überwälzen. Ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
dass dieser Kongress der vier Tage dauert, so<lb/>
viel kostet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_18">Die Schuhindustrie, Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__145572">Harunder</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__146669">Leopold</rs>, der Sekretär<lb/>
sowie Direktor <rs type="person" ref="#per__98111">Zimburg</rs> von Semperit, überreichten mir die Schuhstudie.<lb/>
Sie bedanken sich vielmals für die Initiative, da damit die Schuhindustrie<lb/>
eine Studie zur Hand hat, die zeigt, dass sie keinesfalls zum Zugrunde<lb break="no"/>gehen verurteil-t ist. Andererseits wurden Schwächen aufgzeigt, die<lb/>
sie jetzt abstellen wollen. Nach Italien liegt Österreich anzweiter<lb/>
Stelle in Europa. Derzeit werden 40 % der Produktion exportiert und<lb/>
die Kapitaldecke ist sehr knapp. Insbesonderehoffen sie, dass es doch<lb/>
jetzt bald gelingt, die Exportförderungsrefinanzierung der österr.<lb/>
Kontrollbank befriedigend zu lösen. Ich habe wunschgemäss von <rs type="person" ref="#per__141056">Schreiber</rs><lb/>
auch sein Problem des passiven Veredlungsverkehrs zur Sprache gebracht.<lb/>
Die Schuhindustrie wird sich dieses Problem sehr eingehend überlegen.<lb/>
kennt aber noch nicht die Details. Interessant war, dass die Kredit<lb break="no"/>massnahmen von den Unternehmern als eine sozialistische Politik aufge<lb break="no"/>fasst werden, um besonderen die Klein- und Mittelbetriebe härter zu<lb/>
treffen als die Grossbetriebe. Hier konnte ich insoferne entgegentreten<lb/>
als ich erklärt habe, die Handelskammer hat ganz entschieden eine Selek<lb break="no"/>tion abgelehn.t Deshalb trifft die Veranwortung für di Kreditrestriktion<lb/>
im Einzelfall das Kreditinstitut und nicht die soz. Regierung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_19">Ich habe für den Finanzminister und teilweise für den Verkehrsmini<lb break="no"/>ster auf der Regierungsbank gesessen. Interessant für mich wr, dass<lb/>
ein Katastrophenfonds, die ÖVP hart wegen der Bindung attackierte. Zu<lb/>
meiner grössten VErwunderung hat dann der soz. Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__136683">Wielandner</rs><lb/>
erklärt, dass die Bindung aufgehoben ist und sogar um 30 Mill. S mehr<lb/>
für Lawinenverbauungen verwendet werden können. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, den ich<lb/>
nachher fragte, meinte, so hätte die Vereinbarung nicht gelautet, son–<lb/>
dern er wollte nur, dass jetzt so gearbeitet wird, als gäbe es keine<lb/>
Bindung, damit, wenn das GEld dann aus sein sollte, er die notwendigen<lb/>
Massnahmen treffen wird. Durch die Ankündigung im Parlament ist er<lb/>
natrülich jetzt weitgehend präjudiziert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_20">Um den Streit, wie weit § 7-Mittel de Milchwirtschaft zur Milchstützung<lb/>
herangezogen werden konnten, musste das Verhandlugnskomitee der ÖVP<lb/>
mit der Bundesregierung, dass seinerzeit der EWG-Begleitmassnahmen be<lb break="no"/>schlossen hat, wieder zusammentreten. Die ÖVP möchte durch eine geschickt<lb/>
Auslegung, die allerdings glaube ich wirklich nicht hält, verhindern,<lb/>
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Indisem Fall könnte man nämlich sofrt den Milchkrisengroschen senken.<lb/>
Nach einem stundenlangen Hekmek, die Juristen könnten natürlich hier<lb/>
die iene wie die andere Auslegung irgendwie begründen, unterbrach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
die Sitzung. Anschliessend daran meitne er, dass man der Bauernschaft<lb/>
hier nur dann Rechnung tragen würde, in einem späteren Zeitpunkt, wenn<lb/>
die Bauernschaft auch der Bundesregierung irgendwo entgegenkommt. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> dürften auf keinen FAll einen ERfolg nach Hause bringen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stellte dann die Frage, ob im Zusammenhang mit dem Preisbestimmung<lb/>
gesezt und dessen Novellierung, die er unbedingteinbringen möchte, die<lb/>
Bauernschaft damit gekauft werden könnte. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte mit REcht, dass<lb/>
dies ein sehr teurer Kaufpreis.sei. Andereseits kann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> damit die<lb/>
ÖVP sehr spalten, weil natürlich die Bauern sehr wohl für eine Preisrege<lb break="no"/>lungsänderung eintreten werden, wenn sie dafür eine bessere REgelung über<lb/>
den § 7 bekommen In diesem Fall würden sie bessergestellt werden als sei<lb break="no"/>nerzeit unter <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>. Ich glaube nicht, dass die ÖVP ein solches<lb/>
Geschäft machen kann, möglich ist aber, dass tatsächlich die Handelskammer<lb/>
vergewaltigt wird. Dann wollte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> allerdings die Zusicherung, dass<lb/>
diese gesetzliche Novelle eine wirksame Handhabung gegen den Preisauftrieb<lb/>
gibt. Eine solche Erklärung kann naütrlich nieamnd abgeben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_21"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat einen BRieg gesucht nd zu diesem Zeitpunkt dann auch bekommen,<lb/>
wo er den Obmann der Wiener Organisation <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> vorschlägt und dies<lb/>
bereits im Jänner 1972, dass er so wie in die Gewerkschaftsfraktion auch 1<lb/>
in Wiener Ausschuss kommen möhcte, um über die Bundesprobleme zu refe<lb break="no"/>rieren und zu diskutieren. Diese Brief blieb bis jetzt unbeantwortet<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> beschwert sich angeblich, dass er von nichts weiss und deshalb<lb/>
den Bezirksobleuten immer wieder versichern muss, dass Wien von allen<lb/>
Bundesmassnahmen zu spät erfährt und vor allem nicht konsultiert wird.<lb/>
Dies dürfte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Abgeordneten Dr. <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs>, 2. Bezirk, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, 5. Be<lb break="no"/>zirk, und vom 15. Bezirk <rs type="person" ref="#per__109290">Hans Mayr</rs> mitgeteilt haben. Überhaupt herrscht<lb/>
jetzt eine hektische Unruhe in den Wiener Abgeordnetenkreis. Ununterbrochen<lb/>
kommt jemand, auch dann, wenn man ihn gar nicht will und gar nicht frägt<lb/>
und erzählt, welche Massnahmen jeder Bezirk für die Landeskonferenz<lb/>
am Samstag trifft oder treffen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_22">In unserer Bezirkskonferenz, die eine Berichtskonferenz war, hat es<lb/>
eigentlich keine grossen UNruhen gegeben. In der Diskussion hat nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139729">Wolfik</rs> auf die Benachteiligung der Landstrasse hingewiesen. <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> als<lb/>
Referent er sollt eigentlich nur die BEgrüssungsansprache der Landesorgani<lb break="no"/>sation überbringen, hat aber dann auf unseren Wunsch über die kommunalen<lb/>
Probleme berichtet, kam daher verhältnismässig sehr gut weg.</p><pb n="16-0640" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-29_0640.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_23">Entweder sind unsree Genossen schon so müde und wollen über dieses<lb/>
Problem nicht diskutieren, oder sie stehen auf dem Standpunkt, die<lb/>
werden auf alle Fälle am Samstag Konsequenzen ziehen. <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> selbst hat<lb/>
serh objektiv berichtet und ich hab dann in der ZUsammenfassung auch<lb/>
auf die politische Seite dieser ganzen Probleme hingewiesen. Ich glaube<lb/>
nämlich wirklich, dass es eine Katastrophe wird, wnn in Hinkunft die<lb/>
Massenmedien, wenn sihc ein Politiker irgendwelche Schwächen zuschulden<lb/>
kommen kässt, oder auch nur zeigt oder gegen Angriffe, die seine<lb/>
Schwäche oder eine Schwäche darstellen sollen, nicht auftreten<lb/>
kann, da ihm die Massenmedien fehlen,von diesen abgeschossen werden kann<lb/>
und wird. Man sagt nicht zu unrecht, jetzt verlost die Kronenzeitung<lb/>
Häuser und der Kurier, in Hinkunft werden sie dann auch Nationalrats<lb break="no"/>mandate, d.h. politische Funtkionen verlosen. Eine schauderhafte Zukunfts<lb break="no"/>persoektive. Ich glaube, dass auch in Hinkunft kaum mehr sich jemand<lb/>
finden wird, der als Politiker eine solche Aufgabe wird erfüllen wollen.<lb/>
ICh selbst bin in dieser Hinsicht der deprimiert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-29_24"/></div>
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            <head>Tagesprogramm, 29.5.1973</head>
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            <head>Tagesordnung 73. Ministerratssitzung, 29.5.1973</head>
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            <head>Vortrag BK an den MR betr. Sternwartepark-Volksbefragung</head>
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               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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