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            <title type="main">Freitag, der 25. Mai 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_01">Freitag, 25. Mai 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_02">Das Referat von Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gliedert sich glaube ich so wie alle seine<lb/>
Ausführungen in zwei Teile. Den ersten Teil liest er aus irgendwelchen<lb/>
UNterlagen, den zweiten TEil, wo er frei spricht, wird er wesentlich<lb/>
natürlicher und schneidet Probleme an, die alle interssieren. Ich glaube,<lb/>
er hat dieselbe Schwiergikeit wie ich bei Referaten. Ununterbrochen kann<lb/>
man nicht nur frei sprechen, d.h nur Ideen bringen, die man bereits<lb/>
wirklich im Detail beherrscht und deshalb sucht er sich irgendwelceh<lb/>
<choice><choice><sic>Goastriders</sic><corr>Ghostwriters</corr></choice></choice> – <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> und vor allem auch Sozialpolitiker, viel<lb break="no"/>leicht auch Mitarbeiter aus seinem Pressebüro – die ihm dann zukunfts<lb break="no"/>weisende, wie ich aber glaube nichtssagende und vor allem für die Arbeiter<lb break="no"/>delegierten bei einem Kongress vielleicht sogar schwer verständliche<lb/>
Ausführungen aufsetzen. Kommt er dann aber auf die aktuellen Probleme,<lb/>
bemerkt man sofort, dass die Leute dies besser verstehen und dann auch<lb/>
in der Diskussion dazu Stellung nehmen. Zuerst schien es, als ob auch<lb/>
wir kaum eine Diskussion zustandebringen,damals hat sich nur 5 Diskussions<lb break="no"/>redner. <rs type="person" ref="#per__112944">Jakubetz</rs> ein Bäcker, wollte wissen, ob das Stabilisierungsabkom<lb break="no"/>men tatsächlich verlängert wird. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> verwies darauf, dass während des<lb/>
Stabilisierungsabkommens 48 Kollektivverträge abgeschlossen wurden. Eine<lb/>
unveränderte VErlängerung kommt überhaupt nicht in Frage, und die ORgane<lb/>
werden sich mit den VOrschlägen noch zu beschäftigen haben. Auf alle Fäl<lb break="no"/>le klingt dies ein bisschen anders als bis jetzt Lachs immer mitgeteilt<lb/>
hat, der erklärte, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> unter gar keinen Umständen daran denkt, ir<lb break="no"/>gendwelche VEreinbarungen zu unterschreiben. <rs type="person" ref="#per__118212">Suko</rs>, Landesobmann Salzburg<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__139689">Cmager</rs>, BRO Göss, beide Brauer, gingen natürlich auf die Brauerei<lb break="no"/>verhandlungen ein.Auch hier hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> zwar nicht widersprochen, abe doch<lb/>
vorsichtig angedeutet, dass das starke Industrieunternehmer hoffen, über d:<lb/>
Preise dann die Löhne sofort wieder abgegolten zu bekommen. <rs type="person">Nowotny</rs>,<lb/>
Konsum, und <rs type="person" ref="#per__147028">Marschall</rs> haben gesellschaftspolitische Probleme angeschnitten</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_03">Wider Erwarten gab es dann über die BErichte des Vortages weder des<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blümel's</rs> Zentralvorstandsbericht, noch über die FAchberichte irgendeine<lb/>
Diskussion. Trotz dreimaliger Auffoderung durch den Vorsitzenden meldete<lb/>
sich niemand. Daraus kann man schliessen, dass zu den BErichten wirklich<lb/>
nichts gesagt werden kann, oder dass doch auch eine gewisse Lehtargie<lb/>
zu verzeichnen ist. Da wir in der Tagesordnug fortschreitten mussten,<lb/>
habe ich vor 1/2 12 Uhr mein Referat, das erst am späten Nachmittag be<lb break="no"/>absichtigt war, begonnen. Ich habe natürlich allein schon um eine Dis<lb break="no"/>kussion dann auf alle Fälle zu entfachen, sehr provokant referiert.</p><pb n="16-0613" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-25_0613.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_04">Da ich über unsere Lohnpolitik in Hinkunft sehr detaillierte Stel<lb break="no"/>lungnahme bgabe, war ich sehr froh, dass überhaupt niemand von der<lb/>
Presse auch nicht vom ÖGB-Pressedienst anwesend war. Der hat nämlich<lb/>
erst gerechnet, dass am späten Nachmittag das Referat erfolgen wird.<lb/>
Ich glaube aber, dass es notwendig und zweckmässig war, unseren<lb/>
Verbandstag klaren Wein einzuschenken, was wir in Hinkunft auf dem<lb/>
lohnpolitischen GEbiet tun sollen. Mit unserer Kollektivvertrags<lb break="no"/>politik liegen wir seit Jahren an der Spitze. Da die anderen Gewerk<lb break="no"/>schaften Kollektivvertragslöhne auf den einen Seite aber Ist-Löhne<lb/>
auf der anderen Seite haben und diese sogar meistens vereinbaren,<lb/>
spielen die KV-Löhne nicht die Rolle wie bei uns. Andereseits<lb/>
kommen wir mit unserne KV-Löhnen in ein optisch schlechtes Licht. Alle<lb/>
anderen sehen mit scheelen Augen auf die hohen Spitzen-KV-Löhne der<lb/>
Lebensmittelarbeiter. Dahe habe ich vor Jahren schon vorgeschlagen,<lb/>
wir sollten zu einer Basislohnberechnung gehen. Die Idee war,<lb/>
dass wir eben für die Molkereien, die Brauereien und für andere<lb/>
Basislöhne festlegen, und darauf dnn Zuschläge entweder im Kollek<lb break="no"/>tivvertrag oder in Betriebsvereinbarungen durch dne Betriebsrat für<lb/>
Facharbeiter, qualifizierte Arbeiter, Chauffeure usw. festle<lb break="no"/>gen. Der grosse Vorteil dieser Basislohnberechnung wäre, dass Männer<lb/>
und Frauen-Löhne gleich sind. In Wikrlichkeit,d as hab e ich aber<lb/>
so detaillirt noch nicht ausgeführt, ist auch dann die Möglichekit,<lb/>
dass Arbeitsplätze qulifiziert werden und es dann ganz gleich ist<lb/>
ob ein Facharbeiter oder ein Angelernter dort arbeitet, es muss der<lb/>
Unternehmer für die Leistung des Arbeitsplatzes entsprechenden Lohn<lb/>
bezhlen. Da die Gewerkschaft vor Jahren diesen Plan abgelehnt hat,<lb/>
jetzt aber die Brauer selbst, ohne dass ich auch nur den geringsten<lb/>
Einfluss darauf genommenhätte , mir dieser Idee neu gekommen sind,<lb/>
halte ich die Zeit für reif, dass wir auch bei anderen Gruppen,<lb/>
wo wir stark genug sind, dieses System durchsetzen. Deshalb war es not<lb break="no"/>wendig, es am Gewerkschaftstag vorzutragen und zu diskutieren. Es<lb/>
meldeten sich dann auch zu meinem Referat 21 Diskussionsredner. Eine<lb/>
erstaunlich hohe Zahl und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der micherst im letzten Moment be<lb break="no"/>merkte, der sich die ganze Diskussion anhörte, war sehr überrascht<lb/>
über das hohe Niveau und die sachliche Art wie diese geführt wurde.<lb/>
Am meisten beindruckt hat mich ein Diskussionsbeitrag des Kollegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133673">Benczak</rs> von der Gewerkschaftlichen Einheit. Er ist slowenischer<lb/>
Abstammung und kann daher mit unseren Gastarbeitern sprechen. Er<lb/>
sagt, es ist ein Skandal, wie diese Menschen ausgebeutet werden.<lb/>
Die Behörde behandelt sie schlecht, beim Arzt werden sie als zweite<lb/>
Garnitur betrachtet und beim Einkuaf werden sie übernommen.</p><pb n="16-0614" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-25_0614.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_05">Jugoslawe ist aber nicht Jugoslawe, sie sind durch religiöse,<lb/>
durch landmannschaftliche und nationale Differnezen sehr stark<lb/>
verschieden. Er schlug vor, dass man diesen Menschen doch irgend<lb/>
welche Chancen geben muss, auch wieder Kontakt mit ihren anderen<lb/>
Kollegen, die nicht unmittelbar im Betrieb arbeiten, und vor allem<lb/>
einmal mit ihrer Heimat zu geben. Er meinte, man sollte Zeitungen für<lb/>
sie organisieren, Filme in ihrer Sprache zeigen und vor allem<lb/>
Sprachkurse einführen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte prüfe einmal, wie weti man nicht wirklich<lb/>
Zeitungen, die ja nicht unbedingt politischen<lb/>
Inhalts sien müssen, aus Jugoslawien billig<lb/>
beschaffen könnte und vor allem einmal Filme,<lb/>
DIE WIR DANN In Betrieben vorführen könnten.<lb/>
Der ÖGB hat doch genügend Vorführapparate.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-25_07">Zum UNterschied, wo nach den Berichten überhaupt keine DIskussion<lb/>
zustandekam, gab es über mein REferat 3 1/2 Stunden Diskussion,<lb/>
wobei auch einige Diskussionbeiträge sich mit den Anträgen zum<lb/>
Gewerkschaftstag beschäfigten. Die ganze Form eines solchen Gewerk<lb break="no"/>schaftstages ist ziemlich erstarrt! Die ANträge, die in den Orts<lb break="no"/>gruppen oder Landeskonferenzen vielleicht auch in einzelnen Betrie<lb break="no"/>ben gefasst werden, müssen und werden erst vom Zentralvorstand, resp.<lb/>
Gesamtvorstand behandelt und dem Gewerkschaftstag vorgelegt. Die An<lb break="no"/>tragsprüfungskommission prüft dann ziemlich genau und ich habe<lb/>
noch keinen Kongress weder bei usn noch im Gewerkschaftskongress,<lb/>
dass Anträge wirklich zu Kampfabstimmungen geführt hätten Meistens<lb/>
gelingt es der Antragsprüfungskommission, einenAusgleich zu finden<lb/>
und Umformulierungen zur errreichen, die danneinstimmig angenommen<lb/>
werden. Ich glaube, dsss diese Art der Kongressabwicklung auch stark<lb/>
überholt ist und reformbedürftig ist. Zum Unterschied vom Ge<lb break="no"/>werkschaftskongress werden ja unsere Gewerkschaftstage sehr disziplini<lb/>
abgewickelt. Von den etwas über 100 Delegierten – ich glaube 104 –<lb/>
waren 98 anwesend und die immer im Saal. Die einzigen,die sich<lb/>
sofort verabsichedeten nach der ERöffnung waren die Honorationen,<lb/>
verständlich, sie haben mehr zu tun und können daher nicht an allen<lb/>
Kongressen, die ganze Zeit anwesend sien. Hierhaben wir bei uns in<lb/>
der Luga aber ein besseres System, wir delegieren zu anderen Gewerk<lb break="no"/>schaftstagen prinzipiell nur Leute, die Zeit haben und die sind<lb/>
auch dann tatsächlich die ganze Zeit über anwesend und bringen dann<lb/>
entsprechende BErichte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals<lb/>
von den Lebensmittelarbeitern bei einem Kongress mich hätte delegieren<lb/>
lassen. Wederins Ausland noch im Inland. Auch hier müsste man neue<lb/>
Formen finden, um die Delegationen zu den einzelnen Gewerkschafts<lb break="no"/><pb n="16-0615" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-25_0615.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tagen zu ändern. Ich glaube, wenneine Organisation einmal diesen Schritt<lb/>
macht, wird es zwar eine riesige Verärgerung geben und vielleicht sogar<lb/>
auch geheime und offene harte Angriffe, aber dann würde sich die Vernunft<lb/>
durchsetzen. WEnn einmal dieses Gewerkschaftsprotokoll durchbrochen würde,<lb/>
müsste sich dies nur auf die finanziellen Aufwendungen der einzelnen Ge<lb break="no"/>werkschaften und auch die Effektivität der tatsächlich zu bearbeiteten<lb/>
SAchprobeleme nur günstig auswirken, Da sind wir aber glaube ich noch<lb/>
sher weit entfernt.</p></div>
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               <occupation>BR Gösser Brauerei [1972; so nicht gefunden]</occupation>
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