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            <title type="main">Montag, der 21. Mai 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band16_1973-05-21</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_01">Montag, 21. Mai 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_02">Beim jour fixe erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass wir für das Institut für Form<lb break="no"/>gebung kein Geld mehr haben. Nach längerer Diskussion akzeptiert er<lb/>
aber, dass sie nocheinaml im Präsidium über den Fall sprechen werden,<lb/>
der Handelskammer kann es doch auf die 150.000 S nicht ankommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> möchte auch die von <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> jetzt mitgeteilten Essen, die die<lb/>
Handelskammer bezahlt – für die DDR-Delegation und für den Empfang<lb/>
in <choice><choice><sic>TReint</sic><corr>Trient?</corr></choice></choice>-Accordino, den dirtten Fall habe ich vergessen – nur einen<lb/>
Teil übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte dann, ich könnte dann die Essen gemeinsam<lb/>
mit der Handelskammer veranstaltet deklarieren. Dies lehne ich entschie<lb break="no"/>den ab, da die Handelskammer meistens dann selbst ein Essen gibt. Letz<lb break="no"/>ten Endes sehen sie ein, dass es keinen anderen Ausweg gibt als zu be<lb break="no"/>zahlen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möhcte das nur auf das Jahr 1973 beschränken, im Jahre<lb/>
1974 meint er, müsste ich wesentlich grössere Budgetmittel bekommen.<lb/>
Da ich erkläre, einen solchen Antrag nicht zu stellen, die Reprä<lb break="no"/>sentationskosten werden von mir nicht erhöht, findet er sich damit<lb/>
ab, auch in Hinkunft diese Ausgaben zu begleichen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> er<lb break="no"/>sucht nur, dass er zeitgerecht von <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> verständigt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte veranlasse, dass sobald bekannt wird,<lb/>
dass eine Delegation zu uns kommt, die Han<lb break="no"/>delskammer verständigt wird, welche Empfänge<lb/>
resp. Essen sie bezahlen muss- Mussil möchte</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_04"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte, dass für das EGKS-Gesetz in der Bundeskommission neben<lb/>
dem Richter anstelle von vier Beamten Interessensvertretungen treten.<lb/>
Ich setze ihm die Aufgaben dieser Kommission auseinander, worauf er<lb/>
dann befürchtet, dass die Arbeiterkammer sofort für höhere Bestrafung<lb/>
eintreten wird und Abstand nimmt. Seine FOrderung, dass der Verwaltungs<lb break="no"/>gerichtshof als Berufungsinstanz eingeschaltet wird, wurde bereits<lb/>
akzeptiert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_05">In der Bürges wurde festgestellt und ihm mitgeteilt, dass durch die<lb/>
Kreditrestriktionen 25 – 33 % der vorjährigen Anträge nur einlangen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint deshalb, wir könnten nun die Banksicherheit wie sie bis<lb/>
zur Beanstantung durch den Rechnungshof gewesen ist, wieder einführen.<lb/>
Dazu erkläre ich mich nicht zuständig und auch nicht bereit. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
wird diesbezüglich mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> reden. Die Handelskammer akzeptiert<lb/>
nach längerem Widerstand, dass <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> von der Arbeiterkammer in den<lb/>
Bürges-Aufsichtsrat beufen wird. Damit könnte auch vonSeiten des<lb/>
Wirtschaftsbundes <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> ohne dass <rs type="person" ref="#per__114965">Dorn</rs> von der HK abberufen wird, hinein<lb/>
kommen.</p><pb n="16-0585" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0585.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_06">Im Gewerbestrukturverbesserungsgesetz wird die Abwanderungsgebiete mit<lb/>
1.7.1973 in die Richtlinien aufgenommen. Im Unterausschuss sollte eine<lb/>
Arbeitsgruppe gebildet werden, wo die Arbeiterkammer prüft, ob die Vor<lb break="no"/>aussetzungen in jedem einzelnen Fall gegeben sind. Die AK hat eigent<lb break="no"/>lich dies nur als Ausweichlösung, falls <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> nicht in den Aufsichtsrat<lb/>
aufgenommen wird, vorgeschlagen. Da ich nicht weiss, ob die noch<lb/>
darauf besteht, schlage ich vor, dieses Problem sollte von den Präsident<lb/>
der Interessensvertretungen besprochen werdn. Ich selbst werde dann<lb/>
jeden VOrschlag, den sie gegebenenfalls erstatten, akzeptieren. Bezüg<lb break="no"/>lich der Aussiedlung von städtischen GEbieten in Industriezonen schlägt<lb/>
die Handelskammer letzten Endes vor, dass nicht auf behördliche Ver<lb break="no"/>fügung sondern auf Intervention der Behörden bereits der Tatbestand<lb/>
gegeben sein soll. Dagegen hätte ich eigentlich nichts einzuwenden.<lb/>
Ich erkläre aber dass dies noch zwischen den Interessensvertretungen<lb/>
besprochen und veneinbart werden sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_07">Bezüglich der GATT-Kündigung gibt es nur eine Einigung über Teigwaren,<lb/>
die von der HK geforderte Marmelade und Schokolade und andere Produkte<lb/>
wurde seinerzeit nicht paktiert. Die Arbeiterkammer , erklärte ich,<lb/>
besteht nun auf diese seinerzeitige Vereinbarung. Eine schriftliche Fi<lb break="no"/>xierung wurde zwar nicht vorgenommen, doch stehe ich auf dem STand<lb break="no"/>punkt, dass eben nur Teigwaren einvernehmlich festgelegt wurden. Die<lb/>
anderen Produkte müssten erst im Verhandungswege versucht werden zu<lb/>
erreichen, was allerdings die Arbeiterkammer bisher strikte abgelehnt<lb/>
hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_08">Für die Gewerbeforschung möchte die Handelskammer, dass ich 750.000 S<lb/>
bereitstelle, ich erkläre, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__134312">Walzer</rs> gestern bei der IFABO-<lb/>
Eröffnung gesprochen habe und Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__134312">Walzer</rs>, der Obmann der Gewerbe<lb break="no"/>sektion mit vorgeschlagen hat, ich solle ihm irgendeinen BEtrag nennen,<lb/>
den REst wird er versuchen, von wo anders zu finanzieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte denselben BEtrag wie für 1972 – soweit es<lb/>
die budgetäre Sitation erlaubt, eventuelle nach<lb/>
Aufhebung der Bindungen festlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_10">BEzüglich der Gew.O-Verhandlungen im Unterausschuss meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass<lb/>
sie sehr expeditiv vorwärtsgehen. Die technischen Büros würden den<lb/>
Befähigungsnachweis der Baumeister zu erbringen haben und dann die<lb/>
Baumeisterarbeiten durchführen dürfen. Das bedeutet, dass die Ingenieur<lb break="no"/>kammer – <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs> – dagegen remonstrieren werden. Bezüglich der<lb/>
<pb n="16-0586" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0586.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Abgrenzung zwischen Tapezieren und Maler hat die SPÖ sich vorbehalten,<lb/>
eine endgültige Stellungnahme abzugeben. Die Handelskammer wird sich<lb/>
diesem VOrschlag abschliessen. Bezüglich HOtelwagen, d.h. die Genehmi<lb break="no"/>gung, dass Hoteliers und Gast- und Schankbetriebe ihre Kunden von der Bahn<lb/>
abholen können und sie eventuell auch sonst transportieren können, möchte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass dies im Gelegenheitsverkehrsgesetz geregelt wird. Jetzt<lb/>
sollte es auf gar keinen Fall ein Nebenrecht des Gast- und Schank<lb break="no"/>gewerbes werden, als Kompromiss könnte er sich vorstellen, dass die<lb/>
Handelskammer zustimmt, wenn es sich um über 5 km Entfernungen handelt,<lb/>
die der Hotelier zu befördern hat. Ich erkläre im Interesse des Fremden<lb break="no"/>verkehrs, dass eine solche Regleung vollkommen unakzeptabel ist. DIe<lb/>
Gast- und Schankgewerbebetriebe kriegen jetzt eine stakre Konkurrenz durch<lb/>
die Aufhebung des Lokalbedarfes, es ist deshalb undenkbar, dass man ihnen<lb/>
dieses eigentlich seit JAhrzehnten,vielleicht entgegen das Gesetz, ausge<lb break="no"/>führte Recht strittig macht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_11">Bezüglich des Preisgesetzes, wo auch Dr. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> zugezogen wurde, meint<lb/>
dieser, sie könnten nicht dann in der nächsten Woche bei den wirtschafts<lb break="no"/>politischen BEsprechngen von entsprechenden Vorschlägen des Minister<lb break="no"/>komitees überrascht werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> stellt neuerdings fest, dass die<lb/>
ganzen Wirtschaftsgesetze bis zum 31. Dezember 1974 bei den EG-Verhandlun<lb break="no"/>gen vereinbart wurden. Schon allein aus dieser Überlegung bleibt uns kein<lb/>
anderer WEg als das Preisbestimmungsgesetz entsprechend zu novellieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_12">Mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs>, der hofft, eventuell – wie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> angeduetet hat – eine<lb/>
Gruppe bei uns zu bekommen, stelle ich klar, dass eine solche Möglichkeit<lb/>
nicht besteht. Wohl wird er als Oberste Preisbehörde so wie seinerzeit<lb/>
auch im Innenministerium neben <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs>-Abteilung, der die fachressort<lb break="no"/>mässige BEhandlung hat, als eigene ABteilung in der Sektion II installier<lb/>
mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, den Vertretern der AK und ÖGB <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, bespre<lb break="no"/>chen wir die Möglichkeit der Novellierung des Preisbestimmungsgesetzes.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ist aus juristischen GRünden sehr skeptisch, dass wir eine gute<lb/>
und praktikable und vor allem einmal eine rechtlich einwandfreie Lösung<lb/>
finden. Da wir für dne nächsten Tag Verbändebesprechung unbedingt eine<lb/>
Konzeption bruachen, wird zumindestens eine Punktatidn erwogen. Der ÖGB<lb/>
wird, da <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sich zu keiner anderen Lösung sich bis ejtzt durchge<lb break="no"/>rungen hat, andereerseits aber auch nicht <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> total<lb/>
desavoiert werden sollen, das seinerzeitige Papier, welches <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
fraktionell büergeben wurde, auch bei der Verbändebesprechung dieses<lb/>
Konzept präsentieren. Das grosse Unglück ist meiner Meinung nach, dass<lb/>
<pb n="16-0587" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0587.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>weder in der AK noch im ÖGB auch nicht in der Bundesregierung so eine<lb/>
überragende STellung hat oder in der KOnzeption so bestechend ist, dass<lb/>
er alle diese gegensätzlichen AUffassungen entweder zum Schweigen oder<lb/>
womöglich zur ZUstimmung für eben das grosse Konzept gewinnen kann. DAbei<lb/>
müsste dieses Konzept nicht eine grösse Lösung sein, sindern nur ein von<lb/>
allen akzeptierter VOrschlag.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_13">Die Konsumgenossenschaften sind bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erschienen, nicht wegen der<lb/>
Vorschläge der ÖVP zur Gewerbeordnung sondern weil sie vor längerer ZEit<lb/>
nach Aussagen <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeisters</rs> bereits seit 15 Jahren immer wieder ihre VOr<lb break="no"/>schläge den Regierungen präsentieren und bis jetzt noch nie erfüllt bekom<lb break="no"/>men ahben. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, der Obmann des Konsumverbandes, erwähnt erstens das<lb/>
Genossenschaftsgesetz, zweites die steuerliche Regelung, hier erwarten<lb/>
sie, dass die Rückvergütung bleibt und steuerliche VOrtele, die andere<lb/>
bekommen, ebenfalls der Konsumgenossenschaft zugutekommen, drittens die<lb/>
Zentralkasse, die Vollkonzession bekommen müsste, viertens bei Subventionen<lb/>
sie besser behandelt werden, <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat für GÖC-Weinkeller 11,8 Mill. AIK-<lb/>
Kredit und für eine Fleischfabrik in Graz 15 Mill. AIR-Kredit in Aus<lb break="no"/>sicht gestellt. Für die Futtermittel TAGA gibt es keine endgültige Ent<lb break="no"/>scheidung, weil das erst geprüft wird. Fünftens möchten die Genossen<lb break="no"/>schaften auch in Entwicklungsgebieten durch entsprechende UNterstützung<lb/>
sich ausbreiten und sechstens möchten sie im ERP-Programm mit ihren Struk<lb break="no"/>turarbeiten insbesondere in der Handelssparte berücksichtigt werdne.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_14">In der DIskussion erklärt <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeister</rs>, dass die Konsumgenossenschaft keine<lb/>
Gleichstellung mit Kapitalgesellschaften wünscht. Die Konsumgenossen<lb break="no"/>schaft verzichtet auf die Organschaft Schachtelbegünstigung, gespaltenen<lb/>
Körperschaftssteuersatz usw. Sie wollen aber eine Möglicheit aus für<lb/>
ihre Mitglieder Spartätigkeit durchführen zu dürfen, auch noch Kreditge<lb break="no"/>währung und dies auch für Nicht-Mitglieder, dass das Warengeschäft auch auf<lb/>
Nichtmitglieder ausgedehnt wird, verspricht <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> im Genossenschaftsgesetz.<lb/>
Die Verbandsangestellten, Dr. <rs type="person" ref="#per__148066">Pecha</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__126949">Partik</rs> von der GÖC haben<lb/>
ihre Meinung bezüglich der steuerlichen BEgünstigung geändert. Sie sind<lb/>
angeblich bereit, jetzt auf die Kapitalgesellschaftsvorteile zu ver<lb break="no"/>zichten. Allerdings nur, wenn auch die alndw. Genossenschaften dasselbe tun<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird jetzt VErhandlungen diesbzepgöich aufnehmen. Die Genossen<lb break="no"/>schaften möchten dies gerne bis Juli erledigt, weil sie zu diesem Zeit<lb break="no"/>punkt ihre Verbandstage resp. Vollversammlungen haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> drückt sehr<lb/>
darauf, doch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> müsste dies erst prüfen.</p><pb n="16-0588" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0588.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_15">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass die Angriffs<lb break="no"/>taktik des ÖAAB bezüglich Lehrer und Richter sich jetzt verschärfen<lb/>
wird. Auch die nö. Landesbeamten haben einen Solidaritätsstreik ange<lb break="no"/>kündigt. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> teilt mit, dass z.B. Richter, die in der VP-Zeit noch<lb/>
5.700.- S haben, jetzt mit 26 Jahren <choice><choice><sic>9.281.-</sic><corr>9.201.-?</corr></choice></choice> S bekommen. Trotzdem<lb/>
sind sie unzufrieden und möchten Massnahmen ergreifen. <rs type="person" ref="#per__146172">Detlef Hartleb</rs><lb/>
von der Südost-Tagespost hat in einem Artikel geschrieben, dass den<lb/>
Eisenbahnern das MAul gestopft werden soll und die Rotzigkeit des<lb/>
Finanzministers suw. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ihn klagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_16">Bei der Bauernaussprache am 25. Mai, an der ich nicht teilnehmen kann,<lb/>
weil ich Verbandstag habe, wird bezüglich Dieselöl neben der AIK-Lösung<lb/>
eine entsprechende Entlastung vorgeschlagen. Beim Milchkrisengroschen<lb/>
kann es keine Senkung geben, da auch trotzn der Erhöhung noch 76 Mill.<lb/>
Defizit im Jahre 1973 entstehen. Durch die Maul- und Klauenseuche<lb/>
soll ein Sonderkredit von 50 Mill. S den Bauern gegeben werden. Im ersten<lb/>
JAhr zins- und tilgungsfrei, dann nach AIK-Konditionen. Für die Keulung<lb/>
wird als Entschädigung ausser dem Sachwert noch ein 20 %-iger ZUschlag<lb/>
für VErluste gegeben, die 20 Mill. S kosten werden. Die Akkontierung<lb/>
von derzeit 50 % soll auch erhöht werden. DIese Maul- und Klauenseuche-<lb/>
Aktion wird in einem eigenen Budgetüberschreitungsgesetz unverzüglich<lb/>
im nächsten Ministerrat beschlossen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_17">Die Bundestheater haben einen Budgetabgang von 700 Mill. S zu erwarten,<lb/>
obwohl nur 600 präliminiert sind. Dies soll in der schlechten BErechnung<lb/>
des Pensionsaufwandes, aber auch durch ERhöhung von 40 Mill. durch<lb/>
Sachaufwand bedingt sein. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte hier noch BEsprechungen<lb/>
führen, um das Defizit herabzusetzen. Im Dienstpostenplan müssten noch<lb/>
1.600 Postler, im Unterrichtministerium 754 ahuptschlich Lehrer und<lb/>
im Wissenschaftsministerium 200 Wissenschaftler angestellt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_18"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> berichtet, dass die neue Piste nur 30.000 Menschen belästigen<lb/>
wird in Schwechat, zum UNterschied von der jetztigen, wo 700.000 lärm<lb break="no"/>belästigt werden . <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat nämlich wiede-r jemanden getrofen,<lb/>
der sich als alter Parteigenosse darüber beschwerte hat, dass er in<lb/>
der Anflugschneise sich ein Häusel erichtet hat, weil er dort<lb/>
gehofft hat, Ruhe zu haben. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> berichtet, dass er als Oberste<lb/>
Flugbehörde auf ANtrag der Hafenbetriebsgesellschaft entscheiden muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_19"><rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat bereits vor der Vorbesprechung mir mitgeteilt, dass er zur<lb/>
Tagung der österr.-poln. Gem.Kommission Min.Rat Dr. <rs type="person">Pertusini</rs> entsenden wi<lb/>
<pb n="16-0589" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0589.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Ich habe mich dagegen nicht gewehrt, sondern nur gewünscht, dass er<lb/>
diesbezügliche Vorschläge im Ministerrat macht. Unsere Wunschänderung<lb/>
bezgülich der Jugendlichenbeschäftigungsgesetzes wird vom Sozialmini<lb break="no"/>ster akzeptiert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_20">Betreffend das Ausschreibungsgesetz wird festgehalten, in Hinkunft müssen<lb/>
ja alle Dienststellen, die mehr als 50 Beschäftigte haben, aus militäri<lb break="no"/>schen Sicherheitsgründen beim Bundesheer Abstand genommen werden kann.<lb/>
Wenn wir diese Änderung nicht beschliessen, müsste <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> jeden<lb/>
Bataillonskommandanten aber auch Abhörspezialisten, soweit sie in<lb/>
grösseren Einheiten beschäftigt sind, ausschreiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_21">Betreffend die Grenzlandförderung für das Waldviertel ersucht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
in einer fraktionellen BEsprechung die Minister, die davon betroffen<lb/>
sind, entsprechendes zu veranlassen. Um den Investitionsbedarf festzu<lb break="no"/>stellen, soll das Handelsministerium Erhebungen pflegen. Da ich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> diesbezügliche Vereinbarungen schon getroffen habe, kann ich<lb/>
die Firmen, die <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> vorschlägt bekanntgeben und erkläre, dass wir<lb/>
solche Erhebungen unverzüglich in Angriff nehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte sofort <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> mit der Liste vertraut machen<lb/>
und Erhebungen einleiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_23">Betreffend Investorenwerbung haben wir keine Möglichkeit, nach dem<lb/>
Waldviertel besonderes Investoren zu lenken. Fremdenverkehrsmässig<lb/>
kann ich infolge mangelnder Mittel keine konkreten VOrscläge machen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte es gerne gesehen, wenn ich 10 Mill. oder einen sonstigen<lb/>
Betrag dafür bereitgestellt hätte. <rs type="person" ref="#per__115644">Knapp</rs> berichtet, dass sein<lb/>
Vis-a-vis <rs type="person" ref="#per__149278">Silberbauer</rs> von der nö. Landesregierung, weniger für Einzel<lb break="no"/>projekte als für die Fremdenverkehrsinfrastruktur wie Bäder, Sportan<lb break="no"/>lagen usw. Interesse zeigt. Er meint auch, dass keine Fremdenverkehrs<lb break="no"/>mentalität in NÖ vorhanden wäre und die beste Lösung einen Tiroler<lb/>
Hotelier als Musterbetrieb in das Waldviertel zu verpflanzen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint gleich, dass kaum sich jemand dazu bereitfinden würde. Wir<lb/>
kommen aber überein, dass die nö. Landesregierung entsprechende Fremden<lb break="no"/>verkehrsprojekte vorschlagen soll, an denen sich dann der Bund gegebenen<lb break="no"/>falls beteiligt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_24">Der Bund möchte sich auch an der Entwicklungsgesellschaft beteiligen,<lb/>
was allerdings wieder da Land nicht will. Das Land selbst möchte nur,<lb/>
dass sowie das Land selbst 10 – 20.000 S je Arbeitsplatz gezahlt hat,<lb/>
auch der Bund einen solchen BEtrag zuschieswen sollte. Dies wird aber von<lb/>
und abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schlägt vor, es soll ein Regionalver<lb break="no"/><pb n="16-0590" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0590.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kehrsverbund vorgeschlagen werden. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> meint, dass von den<lb/>
nö. 40 Nebenbahnen ungefähr 15 geschlossen werden müssten. Ein<lb/>
solcher Verkehrsverbund wird viel GEld kosten und die Wiener und<lb/>
Niederösterreicher, aber auch die Bundesbahn konnten sich bis jetzt<lb/>
nicht darauf einigen. Vom ERP sollte ein Sonderprogramm gestartet<lb/>
werden, der Wunsch, den E+E-Fonds mit Höchstgrenze von 2,5 Mill. S<lb/>
auf 1,5 Mill. zu senken, wird mit dem Hinweis, dass im Gewerbestruktur<lb break="no"/>verbesserungsgesetz bis 2,5 Mill. Zinsenzuschüsse gegeben werden,<lb/>
abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> wird für die Ausbildung und Umschulung, insbesindere<lb/>
für die Errichtung von Schulungszentrum in Sigmundsherberg und Zwettl<lb/>
die notwendigen Mittel bereitstellen, wenn tatsächlich Arbeitskräfte<lb/>
zur Umschulung dort zur VErfügung stehen. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> selbst könnte, nachdem<lb/>
sich sehr veile Niederöstereicher sich für die Gendarmerie melden,<lb/>
in Zwettl eine Gendarmerieschule installieren. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wird in der<lb/>
Wasserwirtschaft von einer Gesamtbausumme von 432 Mill. für diese<lb/>
GEbiet 200 Mill. bereitstellen. Ebenso sollen für Strassen 130 Mill.<lb/>
verbaut werden. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> ist bereit, in der Automation über 100<lb/>
km wo eine höhere Telefongebühr zu bezahlen wäre, gerade für diese<lb/>
GEbiete eigentlich entgegen dem Gesetz eine begünstigte REgelung vor<lb break="no"/>zuschlagen und auch durchzuführen, wie er es derzeit bereits tut.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_25">Heute hat es sogar zwei Journalistenbesprechungen gegebne, einmal<lb/>
unser normales Frühstück, wo insbesindere die EGKS-Problematik, aber<lb/>
noch viel mehr die Anfragen bezüglich des Baupreisindexes eine Rolle<lb/>
Spielten, und am Nachmittag dann die Motorjournalisten. Hier stellte<lb/>
sich heraus, dass dies eine richtige Pressekonferenz war, wo viele<lb/>
Leute eingeladen wurden, deshalb z.B. auch die Gendarmerie mit<lb/>
zwei Generälen glaube ich vertreteb war, die Fahrschulen mit<lb/>
Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__139882">Rainer</rs>, das Kuratorium für Verkehrssicherheit mit Dir. <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs><lb/>
und dann vielleicht ein halbes Dutzend wirkliche Journalisten.<lb/>
WEnn die, die ich nicht gekannt habe, wirklich alle Journalisten waren<lb/>
Ich habe erklärt, dass wir jederzeit bereit sind, auch zwischendurch,<lb/>
wenn sie es wünschen, für die Motorjournalisten eine eigene BEspre<lb break="no"/>chung abzuhalten. An unserer Frühstückrunde sollte sich aber nichts<lb/>
ändern. Dort kommen zwar nur die Innenpolitiker und meistens sogar<lb/>
nur die Wirtschaftsredakteure, aber die sind auch interessanter und<lb/>
haben grössere Möglichkeitne zu schreiben resp. in ihren Zeitungen<lb/>
entsprechende Spalten zu bekommen. Trotzdem glaube ich, wäre es<lb/>
zweckmässig, auch mit anderen Journalisten wie z.B. Motorsportjourna<lb break="no"/>listen einen etnsprechenden Kontakt zu halten.</p><pb n="16-0591" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-21_0591.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-21_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Überleg Dir, ob wir nicht noch andere GRuppen<lb/>
auch gelegentlich durch besondere Pressebesprechung<lb/>
einladen resp. beeinflussen sollten.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 21.5.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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