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            <title type="main">Donnerstag, der 10. Mai 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_01">Donnerstag, 10. Mai 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_02">Im Unterausschuss des Handelsausschusses wegen der Gewerbeordnung ent<lb break="no"/>spann sich gleich bei Beginn eines grosse und lange Diskussion, wie die<lb/>
nächsten Tage, wo bereits Sitzungen reserviert werden, Verschiebungen<lb/>
oder gar Absagen erfolgen könnten. Immer wieder haben einzelne Abge<lb break="no"/>ordnete der ÖVP aber auch der FPÖ erklärt, dass sie zu diesen und jenen<lb/>
Termine, obwohl seinerzeit diese Termine einvernehmlich reserviert wurden,<lb/>
keine Zeit hätten. Natprlich musste letzten Endes auch die soz. SEite<lb/>
Vorsitzender ist <rs type="person" ref="#per__97758">Müller</rs>, da <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> scheinbar krank war oder zumindestens<lb/>
abwesend, der ÖVP nachgehen. Zur grössten VErwunderung hat sich dann im<lb/>
Laufe der Diskussion herausgestellt, dass wir abends wider erwarten bereits<lb/>
mit dem erstenDurchgang durch die ganze Gewerbeordnung fertig waren.<lb/>
Die hauptsächlichste Arbeit beginnt allerdings erst jetzt beim zweiten<lb/>
Durchgang. Alle offene und strittigen Punkte sind jetzt zu verhnadeln.<lb/>
Die ÖVP, die bereits mit den landw. Genossenschaften sehr weit in ihrer<lb/>
eigenen <choice><choice><sic>Melingungsbildung</sic><corr>Meinungsbildung?</corr></choice></choice> vorwärtsgekommen ist, braucht noch, wie sie<lb/>
sagt, ein ganz kleines Stückerl, und dann hat sie auch dieses Problem<lb/>
intern gelöst. Dann erst wird man der SPÖ-Seite die VOrschläge des ÖVP-<lb/>
Klubs präsentieren. DArüber hinaus haben wir auch veile offene Punkte<lb/>
in die zweite Runde gegeben, damit man gegen die ÖVP abe auch gegen die<lb/>
FPÖ etwas zum Abtauschen hat. Zum Glück habe ich seinerzeit durchge<lb break="no"/>setzt, dass die Experten laufend die offenen Probleme behandeln und<lb/>
vor allem einmal FOrmulierungen finden, die bereits jetzt für die gante<lb/>
Gewerbeordnung vorliegen. Zum Schluss habe ich auch noch verlangt, das<lb/>
in der zweiten Lesung, wenn man so sagen darf, keine allgemeinen Diskus<lb break="no"/>sionen mehr stattfinden sollten, sondernwirklich nur auf Grund von kon<lb break="no"/>kretenVorschlägen und konkreten Formulierungen, die schriftlich vorgelegt<lb/>
werden müssen, diskutiert werden sollten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte,ironisch, a-ler<lb/>
dings hat er dies sehr ernst gemeint, dass mir ein solcher Vorschlag als<lb/>
Minister eigentlich nicht zusteht, sondern dass dies Afugabe der soz. Spre<lb break="no"/>cher wäre. IN diesem Fall erklärte ich, dass ich an Stelle von <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs><lb/>
jetzt als Abgeordneter und nicht als Minister gesprochen habe. Interessant<lb/>
war, dass bis jetzt bei den Sitzungen weder Experten ausser ZS <rs type="person" ref="#per__98000">Swoboda</rs><lb/>
vom Freien Wirtschaftsverband und Senatsrat <rs type="person" ref="#per__146990">Leitner</rs> vn Wien, weder <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs><lb/>
noch <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, noch <rs type="person" ref="#per__137217">Mrkwitschka</rs> jemals an einer Sitzung teilgenommen haben.<lb/>
Auch die soz. Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs>, <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs>, <rs type="person" ref="#per__137298">Egg</rs> und <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> waren wenn über<lb break="no"/>haupt nur ganz sporadisch anwesend. Aber auch die ÖVP-Abgeordneten haben<lb/>
weitestgehend geschwänzt. Ich behaupte allerdings, dass dies zum schnellen<lb/>
Abschluss der Gewerbeordnung nur förderlich ist. Am meisten hat bis<lb/>
<pb n="16-0538" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-10_0538.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jetzt der Rechtsanwalt Dr. <rs type="person" ref="#per__149124">Rabor</rs>, der für die FPÖ als Experte<lb/>
nominiert wurde, insbesondere die Wünsche der Freien Berufe und ganz<lb/>
besonders der RA-Kammer vertreten und bei jedem Paragraphen fast BEdenken<lb/>
oder Änderungswünsche geäussert. Wenn es mir nicht gelungen wäre, am<lb/>
Anfang die Expertenrunde durchzusetzen, bin ich überzeugt, würden wir heute<lb/>
noch nicht annähernd so weit sein. Ich wollte natürlich sofort anschliessen<lb/>
für die reservierten Termine der nächsten Woche die zweite Runde einläuten<lb/>
hier aber haben mir alle einen Strich durch die REchnung gemacht und er<lb break="no"/>klrt, man bräuchte Zeit, um sich zu überlegen, wie in welche Punkte für<lb/>
jede einzelne GRuppe von Entscheidung sind und welche man abtauschen<lb/>
könnte. Das Ganze nennt man dann schöpferische Pause. In Wirklichkeit<lb/>
wird jetzt nichts als ein Kuhhandel beginnen. Allerdings, so hoffe ich,<lb/>
wird es sich dabei nicht um wirklich grundsätzliche Probleme handeln,<lb/>
über diese bin ich überzeugt, müsste es gelingen eine einvernehmliche<lb/>
Lösung zu erzielen. Trotzdem war es für mich interessant und typisch,<lb/>
wie die einzelnen Lobbies agieren und wie nicht nur die ÖVP-Seite<lb/>
sondern sogar auch usnere von der FPÖ ganz zu schweigen, immer wieder<lb/>
dne Lobbies teilweise nachgegeben haben. Letztn Endes wird gar nicemand<lb/>
dann mehr feststellen können, wlche Üerlegung in dem einen oder anderen<lb/>
Fall z.B. warum die Tapezierer sich dann doch durchgesetzt haben und<lb/>
Maler nicht spelieren,dürfen, zu einer solchen Entscheidung geführt haben.<lb/>
Ein anderes Beispiel, es haben die Beamten der Landesregierung seit je her<lb/>
gerne die Genehmigung für Lagerung von Öl in zweiter Instanz, d.h. bei<lb/>
sich behalten und sich deshalb auch schwer dagegen, dass in Hinkunft die<lb/>
Tankstellengenehmigungen, wo gleicheztig Öllagerung vorgenommen wird,<lb/>
in die ernste Instanz kommen sollte. Abgesehen aber von so Kleinigikeiten<lb/>
die naütrlich für dne einezlnen Fall oder für die einzelne Gruppe schon<lb/>
grössere BEduetung haben, wird es aber gelingen, eine einvernehmlich und<lb/>
wie ich glaube doch modernere Gewerbeordnung zustandezubringen. Allerdings<lb/>
wäre es ideal, wenn wir sehr bald endgültig fertig wären, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist<lb/>
bestrebt, unter allen Umständen die Beschlussfassung erst im Herbst 1973<lb/>
vorzunehmen. MIr wäre es recht, wenn es noch gelänge, im Juli eine<lb/>
endgültige Genehmigung d.h. Beschlussfassung zu erreichen. Nicht zuletzt<lb/>
werden wir anschliessend eine lange Zeit brauchen, um die Duchrführungs<lb break="no"/>verordnungen erlassen zu können. Die Legisvakanz wird daher mindetens<lb/>
6 Monate betragen müssen. Zweckmässig wäre es aber keinesfalls, wenn<lb/>
wri die neue Gewerbeordnung erst im Jahre 1975 wirksam hätten, denn<lb/>
durch die Umstellung werden sich doch in dem einen oder anderen Fall<lb/>
Unzulänglichkeiten herausstellen. Dies in einem <choice><choice><sic>Wahlkhar</sic><corr>Wahljahr?</corr></choice></choice> ist nicht<lb/>
gerade sehr günstig.</p><pb n="16-0539" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-10_0539.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_03">Kreisky hat LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> eingeladen, er ist mit <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> und <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs>, seinen<lb/>
Stellevertretern, gekommen, um die Probleme NÖ zu besprchen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat einleitend darauf hingewiesen, dass im ERP-Sonderprogramm jetzt<lb/>
200 Mill. vorgesehen sind. 100 Mill so wie bisher für die Kohlenge<lb break="no"/>biete, 100 Mill. für die tote Grenze. Darüber hinaus hatte er sich<lb/>
bereiterklärt, in der Kommunalkredit AG Vorrang dieser toten Grenze<lb/>
einzuräumen. Derzeit ist der Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs>, wechselt aber<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ab. Aus dieser Kommunalkredit AG kennt er <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> sehr genau<lb/>
und meint,, wenn er dort Schwierigkeiten machen würde, würde er hatl in<lb/>
anderen Wünschen sich sturstellen. Er nimmt an, dass <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> als Nieder<lb break="no"/>österreicher und er auch dem toten Grenzgebiet Vorrang geben wird.<lb/>
Niederösterreich hat eine Entwicklungsgesellschaft gegründet, ähnlich<lb/>
wie der Bund dies mit den Gemeinden bei Aichfeld-Murboden getan hat und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat angeboten, dass man auf Wunsch von Bundesseite dieser Ent<lb break="no"/>wicklungsgesellschaft beitreten würde Fehlinvestitionen wie dies z.B.<lb/>
auf bayrischer SEite im GEbiet von der Gemeinde Hof geschehen ist,<lb/>
wie ihm Staatssekretär <rs type="person">Schönhorn</rs> mitgeteilt hat, sollten aber vermieden<lb/>
werden. Das Büro für Raumplanung hat in seinem HAus für die Grenzgebiete<lb/>
CSSR, Ungarn und Jugoslawien eine Diskussionsgrundlage ausgearbeitet,<lb/>
die er auch der ÖROK zur VErfügung stellen möchten. Die Nebenbahnen,<lb/>
die sich als <choice><choice><sic>umweltfreudig</sic><corr>umweltfreundlich</corr></choice></choice> herausgestellt haben, dürften nicht aufge<lb break="no"/>lassen werdne und auch der Donauraumausbau würde fortschreiten und dann<lb/>
die Nebenbahnen dringendst notwendig machen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann <rs type="person" ref="#per__114573">Lenert</rs>,<lb/>
er war für Sozialminister <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erschienen, mich und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
aufgefordert zu sagen, was die einzelnen Ministerien beigetragen haben.<lb/>
Zum GLück hatte ich sehr brauchbare UNterlagen von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> bekommen und<lb/>
habe daher auf usnere Aktivitäten hingewiesen, ohne allerdings konkrete<lb/>
Projekte zu nennen. Alle anderen Minister haben sich genauso verhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_04"><rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> selbst hat dann darauf hingewiesen, dass sie ein Gesetz beschlos<lb break="no"/>sen haben, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hatte es mir beigelegt gehabt, dass sie 20.000 S<lb/>
pro Arbeitsplatz bezahlen. Er hat den Bund eingeladen, ebenfalls dort<lb/>
wo das Land 20.000 S gibt denselben BEtrag zu geben, dann würde ein<lb/>
noch grösserer Anreiz für Investitionen in diesem Gebiet entstehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> hat allerdings dann in seinem Beitrag erwidert, dass die Firma<lb/>
Weidinger in Dietmanns Investitionen für 300 Beschäftigten durchgeführt<lb/>
hat und derzeit nur 80 Beschäftigte bekommt. Ich glaube nämlich, dass<lb/>
wirklich eine objektive Untersuchung ergeben würde, dass eine solche<lb/>
Investitionstätigkeit in grossem Umfang in gewissen Gebieten gar nicht<lb/>
mehr zielführend ist, weil keine Arbeitskräfte zur VErfügung stehen.</p><pb n="16-0540" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-10_0540.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_05"><rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> hat dann noch viel Blabla aber wenig konkrete Forderungen gestellt<lb/>
Er meinte, dass die Landesregierung die Industrieflächen sich sichert,<lb/>
dass der E+E-Fonds siene GRenze von mindestens 2,5 Mill, wo er erst<lb/>
kreditiert, herabsetzen sollte, ich habe sofort darauf verwiesen, dann<lb/>
soll sich diese Firma bei der Gewerbestruktur melden, der Fremdenverkehr<lb/>
soll die Bäder und Freizeiteinrichtungen ausbauen und der Bund hier<lb/>
grössere Unterstützung gewähren usw. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> dagegen hat wirklich drei<lb/>
konkrete Vorschläge gemacht. Der Bund soll der Industrieansiedlungs<lb break="no"/>gesellschaft den das Land gegründet hat beitreten. Dies will sicherlich<lb/>
die ÖVP nicht. Mit Hilfe der Arbeitsmarktförderung sollten Umschulungs<lb break="no"/>tätigkeiten und Aktivitäten in Nö Grenzraum entwickelt werden, Konkret<lb/>
wünscht er, dass in 24 Betrieben, die über 100 Beschäfigte haben, ins<lb break="no"/>gesamte sind es 12000 Beschäftigte in diesem GEbiet, konkrete UNter<lb break="no"/>suchungen über Investitionswünsche, Arbeitsmarktlage usw. da Handels<lb break="no"/>ministerium mit der Landesregierung uNd der Handelskammer durchführen<lb/>
sollte. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> bereits vor der Sitzung zugesagt, dass <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs><lb/>
von uns, den er genau kennt und von dem er sehr beeindruckt war, Diese<lb/>
Arbeit sofort in Angriff nehmen wird, sobald er mit den oö. Arbeiten<lb/>
fertig ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> wird die Liste schicken, bitte sich mit<lb/>
ihm ins Einvernehmen setzen und <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> so schnell<lb/>
wie möglich, vielleicht mit <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> zu dieser umfang<lb break="no"/>reichen Arbeit ansetzen. Vorsichtig aber bei konkre<lb break="no"/>ten Zusagen von Krediten oder sonstige Unterstützun<lb break="no"/>gen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_07">Interessant waren die Ausführung des Stellvertreters <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs>, der auch<lb/>
für die Raumplanung usw. zuständig ist. Er meinte, dass in den Grenz<lb break="no"/>gebieten in den letzten zehn Jahren 7 % abgewandert. TRotzdem sind<lb/>
nach Aussage von <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> in Zwettl 800 in Horn 350 und in anderen Ge<lb break="no"/>bieten Arbeitskräfte frei. Ingsgesamt wurden zwar in dem Grenzbe<lb break="no"/>zirk in der letzten ZEit 1.200 Dauerarbeitsplätze geschaffen. Derzeit<lb/>
sind in Poysdorf Verhandlungen mit der Firma Gebauer imGange,<lb/>
die eine Fabrik mit 300 Beschäftigten, allerdings mit einer zusätzlichen<lb/>
Sonderunterstützung von 6 Mill. in Zwettl die Firma ERGE und in<lb/>
anderen GEbieten Ansiedlungen erfolgen sollen. Insgesamt wurden und<lb/>
werden 200 Mill. 3 dafür vom Lande aufgebracht. Im Finanzausgleichsge<lb break="no"/>setz wurde NÖ dadurch benachteiligt, dass bis jetzt 27,8 % und in<lb/>
Hinkunft nur mehr 19 % bekommen wird. Dies bedeutet von 6 – 7 Mill. 8<lb/>
weniger. Die Schulen müssten in dieser Gegend schnell errichtet werden<lb/>
dies trifft ganz besonders für die Kindergärtnerschule in Mistelbach<lb/>
und in der HTL in Hollabrunn sowie im Horner Bezirk zu.</p><pb n="16-0541" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-10_0541.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_08">Die Spitäler müssten kurfristig jetzt endgültig vom Bund mitsaniert<lb/>
werden. Bis 1977 wird da Land 1 Mia und die Gemeinden 500 Mill. aufzu<lb break="no"/>bringen haben. Davon bedarf St. Pölten 400, Zwettl 250 und auch Waidhofen<lb/>
und Mistelbach entsprechende Zuschüsse. Wenn für die Bergbaugebiete 300<lb/>
Mill. S Bergbauernförderung Sonderprogramm zur Verfügung gestellt werde<lb/>
dann müsstne auch dieses Programm die Bauern an der GRenze einbezogen<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97703">Ludwig</rs> hat also einen allumfassenden VOrschlag, wenn man sie<lb/>
sagen will, ein grosses Sanierungskonzept für NÖ der Bundesregierung<lb/>
mitgeteilt. Letzten Endes aber wurden keinerlei konkrete Beschlüsse<lb/>
gefasst, sondern so wie immer <rs type="person" ref="#per__114644">Kolpacher</rs> von Büro <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__146294">Fiedelbauer</rs><lb/>
von der NÖ Landesregierung beauftragt, übe die Einzelwünsche weiter<lb/>
Kontakt zu halten und nach vier Wochen einen konkreten Vorschlag dann<lb/>
zu unterbreiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann die soz. Minister und LH-Stellv. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> zu sich gebe<lb break="no"/>ten undum zu erklären, warum er jetzt ganz besonders für die Nieder<lb break="no"/>österreicher eintritt. Er fürchtet nun, dass er als nö. Abgeordneter<lb/>
1974, wo Landtagswahlen sind, hart attackiert werden wird. Man wird ihm<lb/>
vorwerfen, dass er Milliarden Schilling für das Arlbergtunnelprojekt<lb/>
Milliarden Schilling für die anderen Bundesländer, letzten Endes aber<lb/>
immer nur für die westlichen aufgebracht hat, und sich überhaupt nicht<lb/>
um sein eigenes Land, nämlich NÖ, gekümmert hat. Dem will er nun<lb/>
entgehen, indem er eben auch dokumentiert, dass er für NÖ etwas macht.<lb/>
Er ersuchte die Minister inständig, dass sie ihn in dieser Situation<lb/>
unterstützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_10">ICh bin sehr gespannt, wie lange es dauern wird , bis endlich dann einmal<lb/>
die Wiener aufstehen und sich gegen die Bevorzugung der Bundesländer aus<lb/>
sprechen. Die von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geübte Methode, schwerpunktmässig einzelne<lb/>
GEbiete zu bevorzugen, begonnen hat dies mit Vorarlberg, weil wir<lb/>
dort in Bregenz den Bürgermeister gegen die Mehrheitspartei der ÖVP<lb/>
durchsetzen konnten, und hat sich letzten Endes so ziemlich alle<lb/>
westlichen Bundesländer erstreckt. Jetzt soll auch in NÖ Aktivität<lb/>
entfaltet werden. Dies hat er auch letzten Endes <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> zugesagt, weil<lb/>
er im Rahmen der ÖROK nur grosse Schwierigkeiten hat und weitere er<lb break="no"/>wartet. Andererseits hat die Steiermark mit Aichfeld-Murboden eine ge<lb break="no"/>wisse Bevirzugung erhalten, die allerdings sich auch nicht als Vorteil<lb/>
für die Bundespolitik durchsetzt. Die Steirer spielen dies ganz bewusst<lb/>
herunter und erklären, dass es sich her um selbstverständliche Leistunge<lb/>
handelt, die sowieso erfolgen hätten müssen. Ich persönlich glabue ja, d<lb/>
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nergaitv sich niederschlägt : Alle, die nicht daran teilhaben können,<lb/>
sind verärgert, die die es erreicht haben, sagen dann es war ja selbst<lb break="no"/>verständlich und stellen nur weitere Forderungen. Im FAlle der Landes<lb break="no"/>regierungen und Landeshauptleute hätte man sie gegenseitig ausspielen<lb/>
müssen, indem man ihnen vorschlägt: bitte sehr, so und so viele BEträge<lb/>
stehen zur VErfügung, wenn ihr euch im konkreten selbst einigt. Damit<lb/>
der Bund stärker in ERscheinung tritt, hätte er dann können die geeinigte<lb/>
Ziffern nicht mit dem Land gemeinsam sondern selbständig und für eigene<lb/>
Projekte vergeben können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-10_11">Beim 3. Bezirk im Blumenschmuck von den Gemeindemietern orgnaisiert,<lb/>
und bei de Fa. Persil abgewickelt, hat mir Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__116375">Lobner</rs>, der sehr<lb/>
verörgert war, dass er gestern nicht anwesend war, dann später seine<lb/>
GEschäfsfüphrung vorgestellt. <rs type="person" ref="#per__116375">Lobner</rs> hat jetzt einen Mann aus der BRD,<lb/>
ich habe es an der Aussprache erkannt, vielleicht ein vom Henkel-Konzern<lb/>
geschickter. Auf alle Fälle habe ich sie aufmerksam gemacht, dass von<lb/>
Seiten der Umweltschützer und auch der Konsumenten, weitere WÜnsche an<lb/>
die Waschmittelindustrie herangetragen werden. Ich habe ihnen verspro<lb break="no"/>chen, dass wir uns vorzeitig über die Probleme sehr genau unterhalten<lb/>
sollen, damit wir Lösungen finden, die für den Umweltschutz erträglich<lb/>
und daher als Mindestforderung erfüllt werden müssen, andererseits<lb/>
aber natürlich auch die Waschmittelindustrie nicht vor finanzielle<lb/>
unlösbare Aufgabenn stellen. Klar warne wir uns alle, dass der Umwelt<lb break="no"/>schutz Geld ksoten wird und dass dieser letzten Endes auch vonden<lb/>
Konsumenten wird getragen werden müssen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Czettel, Hans</persName>
               <persName><surname>Czettel</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <occupation>SC Sozialministerium</occupation>
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