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            <title type="main">Dienstag, der  8. Mai 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_01">Dienstag, 8. Mai 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_02">Im Ministerrat gab <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auch den Bericht über die beabsichtigte<lb/>
Stellungnahme der Nationalbank zu dem Blockfloaten. Diskussion gab es<lb/>
natrülich auch hier überhaupt keine. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte mit, dass er am<lb/>
Donnerstag, den 17. Mai von 18 – 20 Uhr einen Cocktail-Empfang für<lb/>
die Gäste (500) der WIPO geben wird. DArüber hinaus teilte er mit, dass<lb/>
eine ausserordentliche wirtschaftspolitische Aussprache über die<lb/>
Stabilisierungsprobleme und eine Länder- und Gemeinden-Aussprache über<lb/>
die Mitwirkung dieser nächste Woche abgeführt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_03">Bei der Klubsitzung hat mich <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> gefragt, ob tatsächlich alle<lb/>
die Massnahmen, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> angekündigt hätte und vor allem ob wirklich<lb/>
jetzt eine ao. wirtschaftspolitische Aussprache anberaumt wurde, da man<lb/>
mit dem ÖGB darüber keinerlei Kontakt aufgenommen hatte. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dürfte seh<lb/>
verstimmt sein, denn <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> meinte, es sei fraglich, ob der ÖGB<lb/>
überhaupt daran teilnimmt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_04">Vor der Sitzung hat <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> eine Aufstellung verteilt, aus der ersichtlich<lb/>
ist, dass wir zwar nicht 5.000 Wohnungen pro Jahr mehr gebaut haben, im<lb/>
Gegenteil im Jahre 1969 waren es 49.000 und im Jahre 1970 nur mehr 44.000<lb/>
ebenso 1971 44.000. Wohl aber wurden, dann 1972 50.270 Wohnungen nach vor<lb break="no"/>läufiger Schätzung fertiggestellt. Die wichtigsten Ziffern erscheint<lb/>
mir aber, dass es geglückt ist 28.000 1969 ebenso 1970 28.600 und im<lb/>
Jahre 1971 27.500 geförderten Wohnungen, d.h. Zusicherungen, dass diese<lb/>
Wohnungen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden können, sind 1972<lb/>
immerhin 41.100 Wohnungen gefördert worden resp. Zusicherungen gegeben.<lb/>
Daraus könnte man ableiten, dass wir sehr wohl unsere Verpflichtung resp.<lb/>
Regierungserklärung erfüllt haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Diese einfachen Ziffern zeigen, die Methode<lb/>
wie auch ich glaube, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Informationen<lb/>
wünscht. Ich selbst strebe nämlich ebenfalls eine<lb/>
so einfache Zusammenstellung immer wieder an. Nicht<lb/>
ist sinnloser als ellenlange Erklärungen wie und<lb/>
weshalb es so ist, resp. wie sich eine solche Zahl<lb/>
erstellt, bzw. welche Vorbehalte wahrscienlich bei<lb/>
jeder einzelnen Zahl zu machen wären.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_06">Die Bauernaussprache dauerte wieder stundenlang. Das INteresse der Presse<lb/>
lässt mekrlich nach. Es waren nur mehr 1 oder 2 Redakteure anwesend.<lb/>
Konkret wurde hie einer VOrbesprechung festgehalten, dass nur Zusicherung<lb/>
bezüglich der AIK-Kreditauflockerung gegeben werden. In der ersten Phase<lb/>
<pb n="16-0524" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-08_0524.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werden 784 Mill. freigegeben und zwar ab Mai, die allerdings,wie<lb/>
die Bauern selbst zugaben, bereits längst ausgegebne sind und nur mehr<lb/>
die Zwischenfinanzierung abgedeckt werden könnte. Die zweite Etappe mit<lb/>
416 Mill. S, darüber wird aber noch im konkereten verhandelt. Die dritte<lb/>
Etappe – 200 Mill. S – die derzeit gebunden snd, dürften nicht bereits<lb/>
jetzt freigegeben werden sondern hier wird man sich in der Diskussion<lb/>
bei der allgemeinen Freigabe der Bindungen noch zu unterhalten haben.<lb/>
Betreffend der Treibstoffkosten hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den Bauern zugesichert,<lb/>
darüber wird man verhandeln. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> schlägt vor , den Punktewert, derzeit<lb/>
105.- S um 10 S zu erhöhen, was ca. 37 Mill. S den Finanzminister kosten<lb/>
Würde. Die Bauern verbrauchen 330.000 Tonnen Diesel, im Durchschnitt<lb/>
120 1 pro ha. Insgesamt werden die 40 Groschen Mehrpreis<lb/>
eine BElastung von 170 Mill. S bringen. Bei den kleineren Betrieben<lb/>
soll sich die Erhöhung des Punktewertes eine 50 %-ige Abgeltung aus<lb break="no"/>wirken, bei den Grossbetrieben maximal 25 %. Bei der Erledigung der<lb/>
Preisanträge hat <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> in der Vorbesprechung mitgeteilt, dass er mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> übereingekommen ist, die amtlichen Fleischpreisregelungen bleiben<lb/>
sollen. Damit müsste er jetzt eine Erhöhung dieser offiziellen Preise<lb/>
vornehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte auch, dass wenn man schon irgendwo eine Preis<lb break="no"/>regelung hat, man diese nicht aufgeben dürfe. Der Weizenpreis wird in<lb/>
der Preiskommission normal abgehandelt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_07">Hier hatte mir <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> im Institut und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> nachher telefonisch mitge<lb break="no"/>teilt, dass er ein eigenes Konzept entwicklet. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> hat im FM vorge<lb break="no"/>schlagen, man soll die Weizenpreisstützung aufgeben, dieses GEld für den<lb/>
Roggenzuschuss verwenden und den Weizenpreis damit aus der Preisregelung<lb/>
herausnehmen resp. keinen Weizenerzeuger und Weiterverarbeitungspreis<lb/>
merh festsetzen. Die Arbeiterkammer ist nicht gewillt, einer Weizen<lb break="no"/>preiserhöhung im amtlichen Preisverfahren zuzustimmen. Eine Erhöhung<lb/>
wäre dann bei diesem System auch gar nicht ntowendig, da sich ja<lb/>
ca. die Mühle 50 Groschen Weizenabgabe ersparen würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_08">Eine lange Debatte entspann sich natürlich über dne Milchkrisengroschen.<lb/>
Hier drängten alle Landeshauptleute – <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> und alle ÖVP-<lb/>
Nationalräte sowie der allgemeine Bauernverband, aber auch der Arbeits<lb break="no"/>bauernbund , Von den Freiheitlichen ganz zu schweigen – dass er unbedingt<lb/>
reduziert werden muss. Da verschiednee Auffassungen über die ANlieferung<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> festgestellt wurden, hat sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aus der<lb/>
Situation herausgezogen, indem er erklärte, die beiden sollten jetzt<lb/>
die Ziffern abstimmen und es würde im nächsten Ministerrat neuerdings<lb/>
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der letzten Versammlung angenommen, dass die Zusage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, dieses<lb/>
Problem wird in Linz bei der Regierungsklausur besprochen, dass dort<lb/>
eine Aufhebung zumindestens aber eine REduzierung des Milchkrisengroschens<lb/>
erfolgen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt fest und steif bei der Vorbesprechung, er<lb/>
denkt nicht daran eine REduzierung jetzt vorzunehmen. Da ich aebr bereits<lb/>
ERfahrungen mit den Stützungen im Zuge der EG-Verhandlungen habe, äussere<lb/>
ich mich natürlich bei deisen Verhanldungen üehraupt nicht mehr, soferne<lb/>
ich nicht zitiert oder gefragt werde. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> verlangt unbedingt, dass<lb/>
zwischen den Parteien die Auslegungsdifferenz über die Heranziehung der<lb/>
§-9-Mittel für Stützungen, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> durchgeführtghat und die nach Auf<lb break="no"/>fassung <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> entgegen die VEreinbarungen, die er bei den EG-Verhand<lb break="no"/>lungen als BEgleitmassnahmen abgeschlossen hat, eine Parteienbespre<lb break="no"/>chung dies klären sollte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> der einen Monat zurückliegenden Brief<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> in dieser Angelegenheit noch nicht beantowrtet hat, sagte<lb/>
eine Aussprache zu.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_09">Über die sozialpolitischen Foderungen, Angleichung von Zuschussrenten<lb/>
an Bauernpension wird <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> eine Spezialsitzung Ende Mai abhalten.<lb/>
Als nach stundenlangen VErhandlungen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann vorgeschlagen hat, es<lb/>
soll jetzt nachdem in den Spezialkomitees BEsprechungen stattgefundne haben,<lb/>
die nächste Sitzung der Bauern am 25. Mai um 10 UHr stattfinden, wollte<lb/>
zuerst <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> überhaupt nicht darauf einsteigen. Er meinte, dass mna<lb/>
jetzt die konkretenVErhanldungen abwarten müsse, damit man dann endgültige<lb/>
Beschlüsse fassen könne. Zu miener grössten VErwunderung ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf<lb/>
diesen VOrschlag nicht eingegangen, sondern aht darauf bestandne, dass wir<lb/>
jetzt bereits eine nächste Sitzung mit den Bauern vereinbaren. Sein Grund<lb break="no"/>konzept besteht darin, durhc ständiges VErhandeln und ständiges Reden, die<lb/>
Möglichketi der Bauern, Aktionen zu setzen, zu konterkarieren. Wie lange<lb/>
allerdings diese geduldig noch verhandeln, wobei sie allerdings, das muss<lb/>
ich zugeben, doch Stück für STück erreichen, steht auf einem anderen Blatt.<lb/>
Bis jetzt ist es den Bauern nämlich sehr wohl geglückt mit der Verhand<lb break="no"/>lungstaktik, resp. mit der Methode, die Regierung unter Druck zu setzen,<lb/>
ein Stück nach dem anderen tatsächlich zuj erreichen. Allerindgs nicht<lb/>
in dem Ausmass wie sie sich dies vorstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_10">Bei der Sitzung fragte mich LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, ob ich auch zur Eröffnung des<lb/>
Seminarhotels am Sachsengang, Grossenzersdorf gehe. Ich erklärte, dass<lb/>
ich sogar die Eröffnungsansprache halte müsste. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> teilte mir mit,<lb/>
dass die Landesregierung beschlossen hätte, in Seuchengebieten und Gross<lb break="no"/>enzersdorf gehört dazu, überhaupt keinerlei Veranstaltungen mehr durch<lb break="no"/><pb n="16-0526" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-08_0526.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zuführen. Ich wusste dies nicht und habe deshalb sofort <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> angerufen,<lb/>
damit er mich dort entschuldigt, da ich nicht bereit bin, gegen die notwen<lb break="no"/>digen Massnahmen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche aufzutreten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> teilte mir dann mit, dass Wohl <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> erst heute vormittag abge<lb break="no"/>sagt hat, dafür aber den Landesrat <rs type="person" ref="#per__114522">Schneider</rs> schicken wird. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
sofort erklärt, dass ich trotzdem an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen<lb/>
werde. Wenn dann ein Vertreter der Landesregierung doch- daran teilnimmt,<lb/>
wird dies eine gute Gelegenheit sein, für <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, resp. gegebenenfalls<lb/>
für die Arbeiterzeitung aif die Doppelgesichtigkeit der d. nö. LR hinzu<lb break="no"/>weisen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, der ich die Situation erklärte, war sehr froh, dass<lb/>
ich mich an dieser Festsitzung nicht beteilige.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Ich glaube, dies sollte sie oder die AZ propagandi<lb break="no"/>stisch nützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_12">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs> und der Handelsrat sowie ein dritten Mann, den ich nicht<lb/>
kannte hatten eine unverbindliche Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114560">Tschach</rs> über den DDR-Vertrag. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> wollte und ich habe dies sbelbstver<lb break="no"/>ständlich sofort getan, dass ich jetzt schon mit den Vertretern der DDR<lb/>
Kontakt aufnehme, <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs> selbst hat mir versichert, dass er bestrebt sein<lb/>
wird, einen Vertrag so schnell wie möglich abzuschliessen. Ich liess<lb/>
keinen Zweifel, dass wir in der Frage der Sicherung eine escape-Klausel<lb/>
wie dies auch bei anderen Ostverträgen der Fall ist, erwarten. Dies<lb/>
gilt ganz besonders, dass die Handelskammer und auch Industrie grosse<lb/>
Bedenken und Ängste wegen der Entwicklung zwischen der DDR und Österreich<lb/>
haben. Wenn Österreich nämlich liberalisiert, erwartet die Industriellenver<lb break="no"/>einigung und ganz besonders auch die Handelskammer, dass dann die Waren<lb/>
aus der DDR die österr. Unternehmer in Grund und Boden konkurrenzieren<lb/>
werdne. Dies aber nicht mit normalen und fairen Mathoden sondern eben mit<lb/>
Dumping. Ic habe niemals geblaubt, dass dies wirklich eintreten wird,<lb/>
doch habe ich erreicht, dass in allen Ostverträgen entsprechende Schutz<lb break="no"/>klauseln aufgenommen wurden. Eine solche müssen wir auch im DDR-Vertrag<lb/>
erreichen. Bezpglich der Lieferung von Waren Österreichs in die DDR wer<lb break="no"/>den versucht, eine bessere Formulierugn zu erreichen. Eine Garantie,<lb/>
dass wenn eine Wirtschaftskrise in Österreich ausbringt, trotz Liberali<lb break="no"/>sierung die DDR alle ihre Waren, die sie anbietet auch tatsächlich ver<lb break="no"/>kaufen kann, kann natürlich österreichischerseits nicht ggegeben werden.<lb/>
Diese Entwiclung resp. Möglichkeit möchte aber Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs> auch<lb/>
noch irgendwie berücksichtigt haben.</p><pb n="16-0527" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-08_0527.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_13">Durch die Aussrpache kam ich in den Klub zu spät und habe nur mehr<lb/>
einen GRossteil der Diskussion zum Referat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gehört. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat, wie <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ihn bei der letzten Regierungsbesprechung ersuchte, über<lb/>
dei Linzer Tagung referiert. Äusserungen von <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> über die mangelnde<lb/>
Einsatzmöglichkeit des Bundesheeres, die er insbesondere in der Südost-<lb/>
Tagespost gegeben hat, dann eine Erklärung, dass <rs type="person" ref="#per__97752">Mondl</rs> ihn missverstanden<lb/>
hat, bringen den <rs type="person" ref="#per__126405">Klug</rs> schön langsam gegen <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> auf. Dies gilt aber<lb/>
auch für andere Probleme, die eben nicht im Klub oder mit den davon be<lb break="no"/>troffenen Genossen von den Ministern eingehend mit ihnen besprochen wurde.<lb/>
Ich glaube, ich komme deshalb verhältnismässig so gut weg, weil ich<lb/>
erstens eine nicht besonderes Aktivität im Parlament entwickle und zweitens<lb/>
doch mit den Betroffenen vorher engsten Kontakt halte. Differente Auf<lb break="no"/>fasssungen, die es dann z.B. in der Gewerbeordnung gibt, können dadurch<lb/>
leicht bereinigt werden. Bis jetzt zumindestens bin ich weder von der<lb/>
ÖVP-Seite noch von der FPÖ-Seite geschweige denn von unseren eigenen<lb/>
Genossen desavoiert resp. angegriffen worden. Wie lange dieser Zustand<lb/>
anhält, kann ich natürlich auch nicht voraussehen, bemühen werde ich<lb/>
mich auf alle Fälle, den Zustand aber zu erhalten. Manchmal komme ich<lb/>
mir aber so vor, wie im Krieg, wo der einzelne oft versucht hat, ohne<lb/>
auf die Interessen der anderen allzu sehr Rücksicht zu nehmen,seine<lb/>
eigene Haut zu retten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_14">Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__137387">Kapaun</rs> von Erdberg hat mich angerufen und mitgeteilt<lb/>
hat, dass er gehört hat, dass heute abend die Sektionsleiter über die<lb/>
Besetzung des Bezirksvorstehers und der Gemeinderäte für die nächsten<lb/>
Wahlen entscheiden werden. Er selbst hat schärfstens dagegen protestiert,<lb/>
dass man die Gewerkschaft unberücksichtigtlässt und erklärt, dass diese<lb/>
unter allen Umständen für den derzeitigen Bezirksvorsteher <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> ein<lb break="no"/>tritt. Mein Hinweis, dass <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> vor längerer Zeit schon erklärt hat,<lb/>
dass er nach dieser Periode seine Funktion zurücklegen möchte, akzep<lb break="no"/>tierte <rs type="person" ref="#per__137387">Kapaun</rs> nicht und erklärte, dann müsste man eben mit aller Vehemenz<lb/>
an ihn herantreten und von ihm verlangen, dass er weiter die Funktion ais<lb break="no"/>übt. Ebenso protestierte er schärfenst, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> jetzt an Stelle von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> im Wiener Ausschuss auftritt.Angeblich, so berichtet er, hätte<lb/>
man <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> mitgeteilt, dass eben jetzt <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> für ihn dorthingeht, ohne<lb/>
ihn eigentlich zu fragen, ob er damit einverstanden sei. Ich habe <rs type="person" ref="#per__137387">Kapaun</rs><lb/>
auseinandergesetzt, dass er falsch informiert wurde, das übrigend aber<lb/>
auch die endgültigen BEschlüsse im Vorstand, dies ist das einzige Be<lb break="no"/>schlussgremium und in dem Bezirksausschuss, aber vor allem in der dafür<lb/>
zuständigen Bezirkskonferenz die endgütligen Beschlüsse gefasst werden.</p><pb n="16-0528" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-08_0528.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_15">Befriedigt war er von dieser Aussprache nicht, obwohl ich ihm ver<lb break="no"/>sicherte, seine Meinung den Sektionsleitern mitzuteilen, was ich<lb/>
natürlich dann auch tat. Der leider abwesend <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> hat in einem<lb/>
Brief festgehalten, dass er vorschlägt, die Gemeinderäte <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs>, <rs type="person" ref="#per__116994">Seeböck</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__112037">Tischler</rs> und an vierter Stelle <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> zu nominieren. Über diesen<lb/>
Vorschlag gab es eigentlich keine Diskussion, ausser dass man erklärt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> sollteals Stadtrat noch einmal antreten, um ihre Aktion insbeson<lb break="no"/>dere Die Stadt des Kindes fertigzubauen aber als Gemeinderat unmittelbar<lb/>
nach der Wahl dann verzichten. Damit hofft <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs>, der diesen Vor<lb break="no"/>schlag gemacht hat, dass der Bezirk ein Stadtratsmandat bei nachträgliche<lb/>
Ausscheiden erhalten könnte. Ob diese REchnung aufgeht, weiss ich nicht<lb/>
in der Vorgangsweise bin ich abr selbstverständlich auch einverstanden<lb/>
gewesen. Eine lange Diskussion entspann sich über die zu- nominierenden<lb/>
Bezirksvorsteher. Hier haben seinerzeit, als die Sektionsleiter sich<lb/>
benachteiligt fühlten, Verhandlungen ausserhalb der Partei in einem<lb/>
ad hoc gegründeten Sektionsleiterklub stattgefunden. Da ich eine solche<lb/>
Entwicklung damals schon nicht für gut gefunden habe, war ich eben<lb/>
jetzt bereit, bevor irgendwelche Gremien, sei es auch nur das Präsidium<lb/>
über dieses Problem diskutieren, dass wenn die Sektionsleiter eine<lb/>
solche Aussprache wünschen, wir eine solche auch durchführen sollten.<lb/>
Nach stundenlanger Debatte wurde dann doch mehrheitlich <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs> als<lb/>
Bezirksvorsteher vor <rs type="person" ref="#per__146037">Hlatny</rs> und <rs type="person" ref="#per__144759">Rewitzky</rs> vorgeschlagen und in<lb/>
geheimer Abstimmung gewählt. Dies – so wurde allgemein festgehalten –<lb/>
ist aber nur eine INformationsabstimmung für das Präsidium, Vorstand,<lb/>
Bezirksausschuss und Bezirkskonferenz. Was mich bei dieser Debatte<lb/>
neuerdings erschütterte, war, dass wieder der Gegensatz zwiwchen der<lb/>
soz. Fraktion der Gewerkschaften und der Partei deutlich zum Durchbruch<lb/>
kam. Die Sektionsleiter meinen, dass sofern ein Mann wie ich sowohl<lb/>
in der Partei als auch in der Gewerkschaft mitarbeiten, dagegen gar<lb/>
nichts einzuwenden sie. Sie sagen aber, es gibt doch Dutzende von<lb/>
Funktionären, die die Partei nur als Sprungbrett betrachten, ohne<lb/>
dort mitzuarbeiten und sich auf Grund der Stärke der soz. Gew.Fraktion<lb/>
die entsprechenden Positionen sichern. Ihc glaube nicht, dass dies<lb/>
tatsächlichn- in grösserenm Ausmass der Fall ist. Meistens sind mittlere<lb/>
und Spitzenfunktionäre sowohl in der Partei als auch in der Gewerkschaft<lb/>
tätig. Vereinzelt kann es vorkommen, dass tatsächlich der eine oder<lb/>
andere nur in einer Organistion arbeitet. In den unteren Funktionen<lb/>
und Funktionärskreisen aber herrscht scheinbar die Meinung vor, dass<lb/>
die Gewerkschaft nur das Geld gibt und deshalb die Positionen automaitsch<lb/>
zu kriegen hat, die die Gewerkschaftsfraktion, wie ich zugeben muss,<lb/>
auch tatsächlich einnimmt. Dies ist aber in erster Linie auf die Mitarbei<lb/>
<pb n="16-0529" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-05-08_0529.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dieser Genossen und vielleicht erst in zweiter Linie auf eine finan<lb break="no"/>zielle Unterstützung zurückzuführen. Da ich in der Gewerkschaft eben<lb break="no"/>falls arbeite,kann ich feststellen, dass man dort wieder genau der gegen<lb break="no"/>teiligen Meinung ist. Dort sagt man wieder, dass die Gewerkschafts<lb break="no"/>funktionäre sich abstrampeln müssen und die Partei nur von aussen ver<lb break="no"/>sucht, die Probleme zu betrachten und die Arbeit der Gewerkschaft über<lb break="no"/>lässt. Dieser emotionell differenten Auffassung, die cih seit Jahrzehn<lb break="no"/>ten beobachtne kann, kann man nichts anderes entgegensetzen als eine<lb/>
entsprechnede Mitarbeiter mittlerer und höherer Funktionäre in beiden<lb/>
Organisationen. Wenn allerdings einmal dieser emotionsgeladene Zu<lb break="no"/>stand von einer SEite dazu benützt wird, um gegen die andere Seite<lb/>
Stimmung zu machen, dann muss ich zugeben, ist dies ein phantastisches<lb/>
Exerzierfeld, wie man eine Partei und eine Gewerkschaftsbewegung<lb/>
auseinanderbringen kann. Die gefühlsmässige Voraussetzungen sind seit<lb/>
Jahrzehnten gegeben. Die-s ist allerdings auch kein neuer Zustand,<lb/>
denn der Ausspruch <rs type="person" ref="#per__131768">Viktor Adlers</rs>, dass die Partei und die Gewerkschaft<lb/>
siamesische Zwillinge sind, ist auch nicht entstanden aus einer rein<lb/>
theoretischen Überlegung sondern aus einem Konflikt, den es damals<lb/>
auch schon gegebne aht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Hier wäre es des Schweisses der Edelsten wert,<lb/>
eine Lösung für den Abbau dieser Gegensätze zu<lb/>
finden, hier liegt nämlich die schwächste Stelle<lb/>
in unserer ganzen Konzeption.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-05-08_17"/></div>
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            <head>Entwurf Bundesvorstandsaussendung betr. Wirtschaftslage mit hs. Notizen, 3.3.1973</head>
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            <head>hs. Notizen</head>
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            <head>"1. Beilage zur Schnellinformation vom 21. Februar 1973" (hs. Notizen Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 70. Ministerratssitzung, 8.5.1973</head>
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               <occupation>SP Wien-Landstraße, ZBO Tabakregie</occupation>
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               <occupation>[1971, SPÖ Landstraße, Gewerkschaftsvertreter, Tehma ist die
                  Nationalratsliste; wohl kaum Heinz Kapaun gemeint, der zu dieser Zeit im Bgld.?;
                  Vorname ev. Franz?]</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Jacobi, Maria</persName>
               <persName><surname>Jacobi</surname><forename>Maria</forename></persName>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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