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            <title type="main">Donnerstag, der 26. April 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band15_1973-04-26</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_01">Donnerstag, 26. April 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_02">Bezirkssekretäre des ÖGB haben eine Schulung im Hueber-Haus. Was mich<lb/>
überrascht hat, war, dass sie in der Diskussion überhaupt keine heissen<lb/>
Eisen angriffen, obwohl ich sie ausdrücklich dazu aufforderte. Sie dis<lb break="no"/>kutierten im Prinzip nur örtliche Probleme in ihrem Bereich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_03">Auch bei der Fraktion der Wiener Gebietskrankenkasse, wo ich ein Referat<lb/>
bei der Betriebsveraammlung hielt, eine verhältnismässige ruhige Diskussion.<lb/>
wo sich ein einziger Redner meldete, obwohl ich auch dort in meinen Aus<lb break="no"/>führungen fast provozierend eine harte Diskussion wünschte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_04">Auch im Parteivorstand war nach dem Referat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine verhältnismässig<lb/>
ruhige und flaue Diskussion, es ist eine richtige Wandlung in der Partei<lb/>
in den letzten Jahrzehnten vor sich gegangen. Wahrscheinlich spielt doch eine<lb/>
grosse Rolle, dass im Prinzip und im einzelnen die Mitglieder und die<lb/>
Funktionäre mit dieser Entwicklung nur zufrieden sind. So schlecht ist<lb/>
nämlich die Situation nicht, wie sie von der Opposition oder vom Gegner dar<lb break="no"/>gestellt wird.Wenn dann trotzdem bei den Wahlen schlechte Ergebnisse<lb/>
zu verzeichnen sind, so handelt es sich wahrscheinlich um immer grössere<lb/>
werdende Anzahl von Wechselwählern, die auf örtliche Ereignisse und ganz<lb/>
besonders auf Beeinflussung von Massenmedien Konsequenzen ziehen. So<lb/>
behauptet es zumindestens <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vertritt diese These.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_05">Im Parteivorstand berichtet <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs>, dass in die Verbund an Stelle von <rs type="person" ref="#per__97718">Marek</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> und der derzeitige Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> im Aufsichtsrat<lb/>
versetzt wird. Bei der ÖDK wird <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> nach Wunsch der Kärnten Aufsichts<lb break="no"/>ratsvorsitzender. In der ERP-Fachkommission für den Fremdenverkehr wird an<lb/>
Stelle des Landesrat <rs type="person" ref="#per__135197">Enge</rs>, der in Pension gegangen ist, LR <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> nominiert.<lb/>
Die Verkehrspolitische Konferenz, die <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> vorsieht und <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> eben<lb break="no"/>falls betraut, wird das Verkerhsprogramm jetzt beschliessen. Die Humanpoliti<lb break="no"/>sche Konferenz wird unter <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> wieder aktiviert. Wenn ich mir vorstelle,<lb/>
wie in der Oppositionszeit diese Konferenzen, sei es also die ökonomische<lb/>
oder die anderen, eine ungeheure Aktivität und Entfaltung entwickelt haben<lb/>
so ist die jetzige Bewegung auf diesem Sektor nur als flau zu bezeichnen.<lb/>
Sicherlich ist dies darauf zurückzuführen, dass eben führende Genossen heu<lb break="no"/>te keine Zeit mehr haben, sich im Detail und mit entsprechendem Elan daran<lb/>
zu beteiligen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_06">Über das Krankenanstaltengesetz entwickelt sich eine sehr lange Diskussion.<lb/>
Hier zeigt sich, dass sobald viele Mitglieder des Parteivorstandes und das<lb/>
<pb n="15-0478" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-26_0478.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sind die Ländervertreter und die Sozialpolitiker, von einer Materie<lb/>
betroffen sind, sie dann sofort entsprechend aktiv werden. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs><lb/>
will mit diesem Krankenanstaltengesetz auf Bestimmungen des Human-<lb/>
Programmes verwirklichen. Die Ländervertreter erklären, dass vorerst<lb/>
aber die finanzielle Bedeckung der Aufwände gesichert werden müsste,<lb/>
da sie ausserstande sind, dies zusätzlich zu den jetzigen defiziäten<lb/>
Spitälern noch zu übernehmen. Da der Finanzminister nicht anwesend ist<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erst verhältnismässig sehr spät in die Diskussion eingreift,<lb/>
kommt es nach langer Debatte erst zu einem Beschluss, nämlich dass wie<lb break="no"/>der nichts geschieht. Eine Kommission, die man bereits gestern im<lb/>
Präsidium besprochen hat, soll nun Lösungsmöglichkeiten suchen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beginnt in seinem Referat, nachdem dieses Problem im Präsidium<lb/>
vorher schon sehr hart diskutiert wurde, wie mir mitgeteilt wird,<lb/>
dass wir in der Propaganda nicht den Fehler machen dürfen, uns jetzt<lb/>
bereits als die Zeit der absoluten Mehrheit sei vorüber, usw. und es<lb/>
müssten andere Alternativen gesucht werden, äusserst ungünstig sei.<lb/>
Die örtlichen Wahlen, die er durch spezifische Umstände erklärt, dürften<lb/>
nicht dazu führen, dass auf Bundesebene man bereits nervös und durch<lb/>
nichts begründet kapituliert wird. Die Massenmedien haben hier einen<lb/>
verheerenden Einfluss. In Graz z.B. hätte jetzt die Untersuchung er<lb break="no"/>geben, dass ein Drittel der Leser SPÖ-Wähler und Funktionäre Mitglieder<lb/>
von uns sind. Die Zeitungsförderung, die er mit dem Herausgeberverband<lb/>
vereinbart hat und wo bis zu Hunderttausend Schilling jede Zeitung und<lb/>
Zeitschrift bekommen konnte als Sockelfinanzierung, wird von der Kronen<lb break="no"/>zeitung nun neuerdings entschieden abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__140061">Slavik</rs>, der dies behandelt<lb/>
hat, ist derzeit aus der Kronenzeitung entlassen und <rs type="person" ref="#per__139510">Sassmann</rs> als Vertre<lb/>
ter der Zeitungsherausgeber wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verständigt, dass nur<lb/>
eine einstimmige Lösung mit allen Zeitungen akzeptiert werden könnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> selbst hat in kleinem Kreis die Behauptung ausgestellt, dass<lb/>
diese Zeitungsförderung nur von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> initiiert wird, damit diese<lb/>
im Kielwasser dieser Unterstützung dann die Parteifinanzierung geregelt<lb/>
werden sollte. Die ÖVP hat mit den Parteispenden, die sie von der<lb/>
Industrie bekommt, eine gute Finanzierungsbasis. Diese Parteispenden<lb/>
gehen über Vereine zur Förderung der Privatwirtschaft wie z.B. in<lb/>
Vorarlberg oder über andere Vereine und werden von der Steuer abgesetzt.<lb/>
Die ÖVP soll dafür 30 Mill. S im Jahr bekommen, im Wahljahr seien es<lb/>
sogar bis zu 60 Mill. S und die Freiheitliche ca. 10 Mill. von der<lb/>
Industrie. Diese Regelung geht auf die Finanzministerzeit <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs><lb/>
zurück und soll nun von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> neu überprüft und überdacht werden.</p><pb n="15-0479" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-26_0479.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_08">In der ORF-Frage soll jetzt untersucht werden, ob es zweckmässig ist<lb/>
wie in Deutschland und in der Schweiz, dass ein Intendant für Fernseh<lb break="no"/>programm und ein Rundfunkprogramm gemeinsam verantwortlich ist. Durch<lb/>
die Trennung der verschiedensten Stationen sollten nicht nur Kon<lb break="no"/>trastprogramme sondern auch objektivere Berichterstattung gewährleistet<lb/>
sein.. Ich bin mir nicht ganz klar, ob nicht eine solche Lösung durch<lb/>
verhältnismässig mehr Geld kosten wird als wenn sie zentral geleitet<lb/>
wird. Wenn man hier einen anderen Masstab finden könnte, um die<lb/>
objektive Berichterstattung zu gewährleisten, die sicherlich notwendig<lb/>
ist, sollte man eine solche Lösung unbedingt suchen. Wie sehr im<lb/>
Rundfunk manipuliert werden kann, hat gerade die Horizont-Sendung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gezeigt. In dieser Sendung, wo sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wirklich einmalig<lb/>
auf die Linie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> zurückgezogen hat, er hat nicht einmal mehr<lb/>
die grosse Koalition verlangt, sondern ausdrücklich erklärt, dass<lb/>
von Gewerkschaftsseite ihm jede Lösung recht sei, wurde durch eine<lb/>
Vorausmeldung des ORF über die APA eine vollkommen entstellte Dar<lb break="no"/>stellung gegeben. Auf Grund dieser Meldungen haben die Zeitungen,<lb/>
ohne die Sendung gesehen zu haben, sofort Head-Lines mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> kriti<lb break="no"/>siert <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> für die grosse Koalition, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>: Regierung arbeite<lb/>
zu langsam, usw. darauf gemacht. Genau das Gegenteil ist aber aus<lb/>
der Sendung herauszuhören. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war natürlich über diese Head-Lines<lb/>
in der Regierungsvorbepsrechung sehr verärgert. Zum Glück haben es<lb/>
viele Regierungsmitglieder gesehen und sich sofort eingeschaltet<lb/>
und den wahren Sachverhalt geschildert. Für mich ist dieses Phäno<lb break="no"/>men ohne weiters erklärlich und ich sagte auch, dass der Gegner natür<lb break="no"/>lich grosses Interesse hat, zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> oder zwischen<lb/>
Partei und Gewerkschaftsbund entsprechende Gegensätze aufzubauen.<lb/>
Vor allem aber wird er natürlich jede Gelegenheit nützen, um diffe<lb break="no"/>rente Auffassungen aufzubauschen. Dass dem Rundfunk und einigen<lb/>
Zeitungen dafür jedes Mittel recht ist, ist der beste Beweis für<lb/>
dieses Problem. Wenn dann eine gewisse nervliche Anspannung dazu<lb break="no"/>kommt, dann kann so etwas wirklich ins Auge gehen. Die Angelegen<lb break="no"/>heit wurde dann durch eine Erklärung des Parteivorstandes, die sowohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> leicht akzeptieren konnten, so hoffe ich zuminde<lb/>
stens – aus der Welt geschaffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_09">Eine neue furchtbare der sogenannten unabhängigen Zeitungen wird<lb/>
jetzt die Beurteilung der einzelnen Regierungsmitglieder. Dieses<lb/>
Problem wurde zwar nirgends diskutiert, aber <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> selbst<lb/>
sagte mir, dass ihm das furchtbar peinlich ist, als er jetzt an die<lb/>
Spitze gesetzt wird. Auch mir persönlich behagt es gar nicht, wenn<lb/>
man bei den Zensuren vor andere Minister, die sich genauso plagen,<lb/>
<pb n="15-0480" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-26_0480.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und einsetzten, besser abschneidet. Ich bin nämlich überzeugt, dass<lb/>
es hier auch nicht nach objektiven Masstäben möglich ist, wirklich eine<lb/>
Klassifizierung vorzunehmen. Es gibt Umstände, die einem hinauftreiben<lb/>
und genau so Umstände, die einem zurückwerfen, ohne dass man deswegen<lb/>
gut oder schlechter gegenüber anderen Ministern dastehen müsste und<lb/>
sollte. Ein typisches Beispiel: Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und Arch. <rs type="person" ref="#per__137167">Ursprunger</rs><lb/>
berichteten mir über die Entwicklung im Rauristal. Wir konnten uns mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__137167">Ursprunger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich sofort einigen, dass das Tal die<lb/>
Priorität 1 bei allen Aktionen, die wir im Hause machen, bekommt. Die<lb/>
Laufzeit der Kredite kann nicht von 5 auf 10 Jahre verlängert werden,<lb/>
doch wird im Einzelfall jedem Kreditwerber zugesichert, dass wir idividuelle<lb/>
Verlängerung auf 10 Jahre in Aussicht stellen, wie wir dies auch bei allen<lb/>
anderen Fällen schon getan haben. Für die ERP-Fremdenvekehrskommission<lb/>
soll für die Reservierung für ein Hotel, das 50 Mill. S kostet, versucht<lb/>
werden, bis zu 20 Mill. zu erreichen. Der Verein des Tales wird<lb/>
jetzt von einer Beratungsstelle für den Fremdenverkehr, d.h. mit Wifi-<lb/>
Mitteln seine Mitglieder beraten. Das Budget des Vereines von 300.000 S<lb/>
wird von der Hälfte der Gemeinde und zur Hälfte vom Handelsministerium,<lb/>
wenn die budgetäre Lage es ermöglicht, finanziert. Dazu wird aller<lb break="no"/>dings von <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> versucht werden, nicht generell 150.000 S<lb/>
zuzusagen, dagegen habe ich mich ganz entschieden ausgesprochen, son<lb break="no"/>dern ähnlich wie in Fulpmes oder in Zwettl eine bestimmte Zweckbestimmung<lb/>
und Zweckwidmung von Zweckzuschüssen im einzelnen vereinbart. Ich habe<lb/>
nämlich sonst grosse Angst, dass ein gefährliches Präjudiz für die an<lb break="no"/>deren 2.000 Gemeinden, die eventuell in Frage kommen, geschaffen wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137167">Ursprunger</rs> war mit dieser Lösung sehr einverstanden und unterstreicht immer<lb/>
wieder, wie expeditiv wir arbeiten, gegenüber dem Landwirtschaftsministe<lb break="no"/>rium. Andereseits hat mir <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> unter vier Augen dann ohne einzelne<lb/>
Namen und konkrete Angaben zu machen, gesagt, dass er weiss, dass im<lb/>
Landwirtschaftsministerium dies sabotiert und boykottiert wird. Daran<lb/>
ist aber wieder <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gar nicht schuld, sondern er selbst kann sich<lb/>
eben oder auf seine Beamten noch auf sonst jemanden scheinbar verlassen.<lb/>
Auch <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> musste mir gegenüber zugeben, dass hier nicht mir offenen<lb/>
Karten drüber gespielt wird. <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> wieder sagt mir, dass<lb/>
er keinerlei konkrete Massnahmen setzen kann, weil er sonst wieder<lb/>
von anderen Stellen desavouiert wird. Das Endergebnis aus dieser Situa<lb break="no"/>tion dürfte sein, dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> jetzt wieder einmal beschuldigt wird und<lb/>
man zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> laufen wird und diese Beschuldigung nicht nur zu erheben<lb/>
sondern an Fakten nachzuweisen, dass er nichts macht. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat aber<lb/>
selbst in meiner Anwesenheit schon einige Mal erklärt, man solle ihm<lb/>
ein konkretes Projekt überreichen und er wird dann dafür sorgen, dass<lb/>
dieses ausgereifte konkrete Projekt tatsächlich so schnell wie möglich<lb/>
in seinem Ministerium behandelt und genehmigt wird. Auf landwirtschaft<lb break="no"/><pb n="15-0481" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-26_0481.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lichem Sektor ist <rs type="person" ref="#per__139874">Loitfellner</rs>, ein Allgemeiner-Bauernverbändler, tätig<lb/>
der auf der einen Seite immer wieder <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und andere Stellen der<lb/>
SPÖ informiert und Forderungen stellt, ohne eigentlich natürlich mit dem<lb/>
Landwirtschaftsminister kooperieren zu wollen. Er hat sicherlich auch schon<lb/>
etliche Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> gehabt, aber immer wieder dort so unerhörte<lb/>
Forderungen und nebulose Projekte verlangt, dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wahrscheinlich<lb/>
in den seltensten Fällen ihm wirklich entgegenkommen konnte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> an<lb break="no"/>dererseits möchte das Agrarmonopol des Bauernbundes und der Landwirtschaft<lb/>
kammer brechen. Zu diesem Zweck glaubt er hat er bereits einen grossen<lb/>
Erfolg errungen, das bei der der letzten Aussprache nicht nur die<lb/>
Bauernbündler sondern auch der allgemeine Bauernverband, die freiheit<lb break="no"/>lichen Bauern, und der Arbeitsbauernbund anwesend waren. Ich decke zwar<lb/>
die Meinung keinesfalls, dass damit eine grosser Erfolg erzielt wurde,<lb/>
da natürlich der Bauernbund und die Landwirtschaftskammern nach wie<lb/>
vor ungeheuer stark sind.Richtig ist allerdings, dass wenn es gelänge,<lb/>
die finanziellen Mittel der Landwirtschaftskammer und die Verteilung derselben<lb/>
wegzunehmen, dass dann eine ganz andere Situation entstehen würde.<lb/>
In diesem Fall aber müsste nicht wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubt eine eigene Vertei<lb break="no"/>lerorganisation geschaffen werden, denn dies dauert etliche Monaten um<lb/>
nicht zu sagen Jahre, sondern man müsste wahrscheinlich überhaupt<lb/>
eine andere Agrarpolitik kreieren. Derzeit schwebt <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vor, es soll<lb/>
anstelle der Landwirtschaftskammern und der Länder, die die Mittel jetzt<lb/>
teilweise verteilen eine eigene Organisation ähnlich der Bürges geschaffen<lb/>
werden. In diesem Fall vergisst man, dass auch bei der Bürges die Banken<lb/>
und Sparkassen die einreichenden Stellen sind. Auch jetzt ist es so<lb/>
dass über die Raiffeisenkassen die Sparkassen, die Volksbanken und einem<lb/>
vierten Kreditinstitut die Anträge eingereicht werden können. die Bauern<lb/>
sind nur mit den Raiffeisenkassen entweder freiwillig oder vielleicht auch<lb/>
sogar gezwungen so verbunden, dass nur von dieser der grösste Teil der<lb/>
Anträge kommt. Ob dies in Hinkunft, wenn eine eigene Organisation geschaffen<lb/>
wird, geändert werden kann, bezweifle ich. Es lässt sich meiner Meinung<lb/>
nach formell eben eine Agrarpolitik und eine Subventionspolitik<lb/>
kaum wesentlich ändern. Wenn man hier eine Änderung hätte durchführen wollen<lb/>
oder noch durchführen will, dann muss man das ganze System versuchen, auf<lb/>
den Kopf zu stellen. In der Diskussion über die Marktordnungen die jetzt be<lb break="no"/>ginnen sollen, wird sich herausstellen, ob tatsächlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine solche<lb/>
generelle Regelung wünscht und durchzieht. Wenn es dann um die konkrete Fr<lb/>
gen gehen wird, fürchte ich, wird man sich letzten Endes dann doch nicht<lb/>
dazu aufraffen. Wanke hat immer grosse Angst gehabt, dass ich das Landwirt<lb/>
schaftsministerium bekommen hätte, dass dann die Traktorenaufmärsche der<lb/>
Bauern mich ungeheuer belastet hätten. Ich habe vor dieser Möglichkeit<lb/>
niemals Angst gehabt. Was mich aber wirklich damals schon sehr nach<lb break="no"/><pb n="15-0482" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-26_0482.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>denklich gestimmt hat resp. hätte, wäre gewesen, ob ich tatsächlich<lb/>
imstande wäre, die Agrarpolitik grundlegend zu ändern. Ich zweifle<lb/>
nämlich heute mehr denn je, ob es mir geglückt wäre, eine Änderung der<lb/>
ganzen Marktordnungen gegen die Bauernschaft durchzusetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-26_10"/></div>
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               <occupation>Architekt</occupation>
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               <persName><surname>Werner</surname><forename>Erich</forename></persName>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <persName type="label">Marsch, Fritz</persName>
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               <persName type="label">Reichl, Hermann</persName>
               <persName><surname>Reichl</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation>oö. SPÖ-LR, AR-Vors. Ennskraftwerke</occupation>
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               <persName type="label">Sassmann, Hanns (Medienunternehmer)</persName>
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                  (Medienunternehmer)</forename></persName>
               <occupation>GD Styria-Verlag, Präs. Verb. öst. Zeitungsherausgeber</occupation>
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               <persName type="label">Würzl, Anton</persName>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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