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            <title type="main">Samstag, der  7. April 1973 bis Donnerstag, der 12. April 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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(Rumänien-Reise)</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_02">Der Botschafter <rs type="person" ref="#per__140766">Sautter</rs> hatte vom Aussenamt angeblich nicht die Geneh<lb break="no"/>migung erhalten, mich an der Grenze zu erwarten. Der Handelsdelegierte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139677">Oresic</rs> ist wenigstens bis Cluj mir entgegengekommen. Wahrscheinlich eine<lb/>
der grössten Protokollverletzungen, die man sich vorstellen kann. Umso<lb/>
mehr bin ich anschliessend überrascht, als mir der österr. Botschafter<lb/>
mitteilt, dass er trotzdem er acht Monate bereits in Bukarest ist, noch<lb/>
immer keine Gelegenheit gehabt hatte, mit Minister <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> den Vorsitzenden<lb/>
der österr.-rum. Gemischten Kommission, zu sprechen. Er gibt mir frei<lb break="no"/>mütig zu, dass dies erst möglich war durch meinen Besuch. <rs type="person" ref="#per__140766">Sautter</rs> selbst<lb/>
ist seinerzeit Sekretär beim Kanzler <rs type="person" ref="#per__97439">Figl</rs> gewesen und ist ungeheuer<lb/>
erfreut, dass durch meine Anwesenheit er endlich einmal ein bisschen<lb/>
ins Spiel kommt. Hier hat Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__98097">Wodak</rs>, wenn er tatsächlich verhindert<lb/>
hat, dass <rs type="person" ref="#per__140766">Sautter</rs> sich aktiver schon bei meiner Einreise einschaltet,<lb/>
einen wirklichen Fehler gemacht. Übereinstimmend wird mir nämlich<lb/>
mitgeteilt, dass in Rumänien, wahrscheinlich so wie in allen Oststaaten,<lb/>
überhaupt nur auf Ministerebene irgendetwas zu erreichen ist, resp.<lb/>
eventuelle Tore geöffnet werden können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_03">Imponierend war für mich der ungeheure Eindruck der Industrialisierung.<lb/>
Die Rumänen errichten Werke mit x-tausenden Arbeitern, ohne dass sie<lb/>
eigentlich einen gewachsenen Arbeiterstock dafür haben. Sie suchen sich<lb/>
dann aus dem ganzen Land Facharbeiter zusammen. Natürlich ist das<lb/>
Prestige ein Grund, wie z.B. bei der Errichtung einer Automobilfabrik<lb/>
Sie behaupten zwar 85 %<lb/>
<pb n="15-0455" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0455.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Die Aussprache mit Vizeministerpräsidenten und Außenhandels<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__140304">Ion Patan</rs> auf 3/4 Stunden begrenzt, da er eine west<lb break="no"/>europäische Delegation von Unternehmern betreuen mußte, die auch<lb/>
Staatspräsidenten <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs> vormittags besuchte. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> wollte<lb/>
zuerst nach angeblichen Wunsch der Rumänen dies in einem ganz<lb/>
kleinen Kreis durchführen, doch stellte sich dann Gott sei Dank<lb/>
heraus, daß die Rumänen gar nicht einen solchen wert darauf legten.<lb/>
Deshalb mußte ich mich bei irgendwelche Kollegen vorm Kopf stoßen<lb/>
und das war deshalb unsere ganze Delegation sowie Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140766">Sautter</rs> anwesend. <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> bedankte sich über die Zollpräferenzen<lb/>
d.h. das Österreich sie Rumänien gewährt. Ich replizierte sofort,<lb/>
daß aber die rumänischen Unternehmer jetzt die 30 %ige Zoll<lb break="no"/>senkung dafür benützen, um ihre Preise zu erhöhen und damit der<lb/>
Effekt verloren geht, wenn sie auf österreichischem Markt damit<lb/>
wieder konkurrenzunfähig werden. Die Kontingent der Aufstockung<lb/>
für den Export begrüßte er von rumänischer Seite sehr, ich er<lb break="no"/>widerte daß wir ihm für 1973 und 74 die zweifachen Kontingente<lb/>
eingeräumt hatten und ab 1.1.1975 die Liberalisierung. Dieser<lb/>
Liberalisierung meinte er müßte GATT-konform vorgehen, ich wies<lb/>
darauf hin dass wir heute einen Vertrag unterzeichnen werden,<lb/>
wonach auch, bilateral auch in Hinkunft alle Schwierigkeiten<lb/>
und Probleme vorerst bereinigt werden müssen. Ähnliche Verträge<lb/>
haben wir mit Polen und Ungarn und er akzeptierte dass wir selbst<lb break="no"/>verständlich zuerst auf bilateraler Basis unsere Schwierigkeiten<lb/>
beseitigen sollten. Um das Handelsdefizit auszugleichen sie denken<lb/>
noch immer schrecklich bilateral, schlug ich vor, daß die Betriebe<lb/>
aktiver am österreichischen Markt in Erscheinung treten müssen.<lb/>
Insbesondere wies ich darauf hin, daß auf Kooperationsbasis<lb/>
weitere Anstrengungen gemacht werden müßten. Da sie eine Plan<lb break="no"/>wirtschaft sind, ersuchte ich daß doch die rumänische Seite uns<lb/>
langfristige Informationen über ihre Investitionen geben sollten<lb/>
u. zwar benötige der österreichische Unternehmer ganz konkrete<lb/>
Angaben, welche Investitionen gemacht werden, damit er ent<lb break="no"/>sprechende Offerte legen könnte. <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> stimmte mir zu und ver<lb break="no"/>sprach für diese Idee sich einzusetzen. Die speziellen Firmen<lb break="no"/>wünsche für Plasser und Theurer, Vereinigte Bandfabriken, Miba<lb/>
Gleitlager AG, Slama und insbesondere Voith AG. die eine<lb/>
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möchte stehe ich feststellen, daß man rumänischerseits zwar<lb/>
Verständnis für unsere Firmen aber in Wirklichkeit bis jetzt<lb/>
keine konkreten Zusagen machen konnte außer bei Miba einer Lizenz<lb break="no"/>vergabe für Gleitlager. Voith hat gegen die Finnen und Italiener<lb/>
kaum eine Chance. Die Frage ob weil Italien mit Polen kooperiert<lb/>
und dadurch einen 14 %igen rumänischen Anteil über einen Ost<lb break="no"/>blockstaat abwickeln kann, spielt nach Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs><lb/>
keine Rolle. Ausschließlich ist nur der Preis den die Rumänen<lb/>
bezahlen müßten das einzige Entscheidungskriterium. Ganz genau<lb/>
dürfte diese Behauptung von <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> aber nicht stimmen, denn er<lb/>
verwies darauf, daß die Finnen jetzt politische Bedingungen<lb/>
stellen, daß sie unbedingt diese Papieranlage bekommen. Deshalb<lb/>
wird das ganze neuerdings überprüft. <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> erklärte sich bereit<lb/>
auch die Vertreter von Voith zu empfangen. Habe mit den Voith-<lb/>
Leuten Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs>, mit der VÖEST Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
mit DDSG. <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs> und mit Schiffswerft Korneuburg<lb/>
Dkfm. <rs type="person" ref="#per__141654">Schwartz</rs> gesprochen und sie auf die neuen Möglichkeiten<lb/>
auf Grund der Informationen, die wir jetzt über die Investitionen<lb/>
bekommen sollen aufmerksam gemacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte wegen Voith ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
bitten Detailinformationen den Firmen zu<lb/>
geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_05">Bezüglich der Schillingfakturierung die wir ebenfalls in einem<lb/>
Abkommen beschlossen haben, wird von österreichischer Seite<lb/>
gewünscht, daß darüberhinaus die Banken die Bezahlungen der<lb/>
Rechnungen zeitgerecht durchführen. <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> gab zu, daß sie eine<lb/>
zeitlang die Rechnungen nur verzögert überwiesen haben. Dies<lb/>
dürfte auf Devisenschwierigkeiten zurückzuführen sein. In Hin<lb break="no"/>kunft versprach er wird er die Fälle überprüfen und sich vor<lb break="no"/>legen lassen, wo es Verzögerungen gibt. Die Rechnung des Anteils<lb/>
an Kosten für die Benützung des Eisernen Tores wurde die Be<lb break="no"/>rechnungsbasis die die Rumänen und andere Oststaaten 1963 wünschen<lb/>
abgelehnt. Damals hat die DDSG noch einen 11 %igen Anteil in<lb/>
der Zwischenzeit ist er bis 73 auf 4 % gefallen. <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs> hat es<lb/>
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abzugeben. Ebenso wurde der Wunsch von mir deponiert, daß die<lb/>
AUA sich an Charterflügen mit Touristen an die Schwarzmeer<lb break="no"/>küste beteiligen will. Dem Straßengüterverkehr wurde durch die<lb/>
österreichische Mehrwertsteuer eine gewisse Verbilligung der<lb/>
Transporte der Rumänen durch Österreich erreicht und wir er<lb break="no"/>suchten auf Reziprozitätsbasis das ebenfalls ein rumänisches<lb/>
Entgegenkommen auf österreichischen Transporten in Rumänien<lb/>
angezeigt wäre. Österreichische Textilausstellung im Juni 73<lb/>
in Bukarest möge bestmöglichst unterstützt werden, was man mir<lb/>
zusagte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_07">Die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs>, den Vorsitzenden der Rumänisch-Öster<lb break="no"/>reichisch-Gemischten Kommission, Maschinenbauminister der mir<lb/>
unerklärlicherweise vom rumänischen Staatsrat den Auftrag be<lb break="no"/>kommen hat diese Kommission immer zu präsentieren und nicht der<lb/>
Außenhandelsminister verlief in ähnlicher Besprechung wie die<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__140304">Patan</rs>. <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> machte nur noch einen zusätzlichen Vorschlag<lb/>
daß er sehr gerne sehen würde, wenn ein Unternehmer-Delegation<lb/>
nach Rumänien kommen könnte. Da ich wußte, daß die Handelskammer<lb/>
solche Besuche längst beabsichtigt, habe ich mich erklärt daß<lb/>
wir dies bereits vorbereiten sondern daß ich den Wunsch von ihm<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> weitergeben werde. Damit hat <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> einen<lb/>
Erfolg wenn eine solche Delegation zustande kommt. <rs type="person" ref="#per__139677">Oresic</rs> der<lb/>
Handelsdelegierte verwies nur darauf, daß die Unternehmer kaum<lb/>
Interesse haben nach Rumänien zu fahren, weil sie dort riesig<lb/>
viel Arbeitsaufwand haben und dann in seltensten Fällen tat<lb break="no"/>sächlich einen Geschäftsabschluß zustande bringen. Ich hoffe aber<lb/>
daß es durch die neuen Informationsmöglichkeiten über die In<lb break="no"/>vestitionen von seiten der österreichischen Unternehmen mehr<lb/>
Interesse gibt. Ich habe auch bei meinem Telefonat mit den öster<lb break="no"/>reichischen Unternehmungen auf diesen Punkt besonders hinge<lb break="no"/>wiesen. <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> glaubt, daß Österreich ohneweiters mit Rumänien<lb/>
gemeinsam auf Drittmärkten kooperieren könnte. Derzeit liefern<lb/>
sie nach China drei Kraftwerke, nach Afrika Bergbauanlagen und<lb/>
Erdölanlagen, in jedem Fall wäre eine Kooperation von ihrem<lb/>
Standpunkt mit österreichischen Firmen sehr interessant.</p><pb n="15-0458" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0458.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_08">Die Firma Kohmaier möchte eine Kooperation mit Kapitalbeteiligung<lb/>
als ein "joint venture" mit 49 % machen, die Rumänen sind daran<lb/>
sehr interessiert. Auch mit Registrierkassen von Anker, eine<lb/>
Kupferstranggußanlage, Schienenbau, legierte Bleche und Rohr<lb break="no"/>material, Kunststoffmaschinen und Vestopneumatik. Die rumänische<lb/>
Seite sowie die anderen Oststaaten für die Kooperationslieferungen<lb/>
Zollerleichterungen wünschen, mußte ich das Protokoll das bereits<lb/>
vorbereitet war, noch ein wenig ergänzen. Wir einigten uns dann<lb/>
auf den Text, daß die österreichische Seite wird diese Probleme<lb/>
mit Aufmerksamkeit "in positivem Sinne" dies war die gewünschte<lb/>
Einfügung verfolgen. Darüberhinaus wünscht Rumänien auch ein<lb/>
Doppelbesteuerungsabkommen das wahrscheinlich keine allzu großen<lb/>
Schwierigkeiten machen wird. Die Zollermäßigung und. die Doppel<lb break="no"/>besteuerung resortiert aber im Finanzministerium und ich konnte<lb/>
deshalb keine bindenden Zusagen machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_09">Die Aussprache bei <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs> die letzten Endes dann doch zu<lb break="no"/>stande kam, obwohl er den nächsten Tag zu einem Staatsbesuch<lb/>
flog, war gekennzeichnet, daß <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs> auf die neutrale Haltung<lb/>
Österreichs besonders zu sprechen kam. Er meinte bei einem<lb/>
Nebensatz immer wird es nicht gehen daß man sich nur neutral<lb/>
verhält. Ich selbst replizierte sofort daß Österreich eine<lb/>
aktive Neutralitätspolitik verfolgt siehe die Sicherheitskon<lb break="no"/>ferenz und die Mitwirkung jetzt im Sicherheitsrat. Ich wußte<lb/>
das alles was in Rumänien geschieht die Zustimmung <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs><lb/>
haben muß, habe ich auf die Kooperationsmöglichkeit und ganz<lb/>
besonders auf die Wünsche österreichischerseits hingewiesen,<lb/>
daß wir die Investitionsvorhaben bekommen sollten damit sich<lb/>
unsere Unternehmer darauf einstellen, die ja nicht planwirt<lb break="no"/>schaftlich ausgerichtet sind. <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs> hat auf Grund der Vor<lb break="no"/>mittags-Besprechung mit den west-europäischen Unternehmern<lb/>
mir gegenüber sofort behauptet daß er dort feststellen konnte,<lb/>
daß die Unternehmer sehr wohl planwirtschaftlich vorgehen. Er<lb/>
hat hier wahrscheinlich nicht genügend unterschieden, daß jedes<lb/>
Unternehmen seinen eigenen Plan selbstverständlich hat, der<lb/>
aber nirgends von einem Staat oder einer staatlichen Stelle<lb/>
zusammengefaßt wird. <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs> selbst unterstrich daß er<lb/>
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für Schwermaschinen sich vorstellen könnte daß sehr konkret<lb/>
mit Österreich verhandelt wird. Darüberhinaus möchte er den<lb/>
Donau-Ausbau Konstanza soll eine neue Hafenausrüstung erhalten<lb/>
und gegebenenfalls sogar gemeinsamen Betrieb der Donauschiff<lb break="no"/>fahrt zur Debatte als Wunsch stehen. Im Laufe der vierzigminütigen<lb/>
Verhandlung angeblich waren nur 20 Minuten vorgesehen kamen wir<lb/>
dann auch die konkreten Wünsche Österreichs zu sprechen und<lb/>
letzten Endes hat er dann den <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> den Auftrag gegeben, die<lb/>
gewünschten Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Da auch Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__140766">Sautter</rs> und der rumänische Botschafter <rs type="person" ref="#per__139685">Anui</rs> anwesend<lb/>
waren, konnte ich diese Zusage als bedeutenden Erfolg buchen,<lb/>
weil ja jetzt unser Wunsch rumänischerseits offiziell sanktioniert<lb/>
ist. Folge davon war, daß am nächsten Tag <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> sofort vor der<lb/>
Unterzeichnung noch eine Aussprache im kleinsten Kreis wünschte.<lb/>
Dieser Gelegenheit hat er fünf Punkte dargelegt. 1. <rs type="person" ref="#per__118307">Ceausescu</rs><lb/>
hat mir mitgeteilt die Hydroelektrik und die Schwermaschinen<lb break="no"/><lb/>
ausrüstung, er könnte sich vorstellen daß<lb/>
die VÖEST die er einmal besucht hat und wo er einen Anlagenbau<lb/>
gesehen hat dafür in Frage käme. Falls es Schwierigkeiten geben<lb/>
sollte, sollte man sich sofort an ihm persönlich wenden, er<lb/>
wird dies alles aus der Welt schaffen. Dem österreichischen<lb/>
Botschafter, der bis jetzt kaum Möglichkeiten gehabt hat mit ihm<lb/>
in Kontakt zu kommen, gibt dies eine ganz neue Plattform. <rs type="person" ref="#per__139677">Oresic</rs><lb/>
der Handelsdelegierte, wurde von mir in den Details informiert und<lb/>
wird auch in Hinkunft diese Zusagen nützen, um konkrete Geschäfte<lb/>
besser plazieren zu können. 2. Die Donaukooperation meinte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> müßte sich oder könnte sich auch auf den Bau von Fluß<lb break="no"/>schiffen erstrecken sowie den gemeinsamen Transport von Aus<lb break="no"/>rüstungen respektive Rohstoffen an der Donau. Hier wollte <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs><lb/>
sofort eine rumänisch-österreichisch gemeinsames Komitee er<lb break="no"/>richten d.h. eine neue Kommission schaffen. Ich selbst habe ihm<lb/>
vorgeschlagen, daß wir österreichischerseits zuerst den Umfang<lb/>
dieser Möglichkeiten prüfen sollten und ihm dann die konkreten<lb/>
Vorschläge bezüglich einer Kooperation von DDSG und vor allem<lb/>
von Schiffsbau machen werden.</p><pb n="15-0460" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0460.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_10">3. Die komplette Liste von Projekten wird jetzt von <rs type="person" ref="#per__149274">Skornea</rs><lb/>
das ist <choice><choice><sic>Kriter</sic><corr>?</corr></choice></choice> des Außenhandelsministers im Sektor der <choice><choice><sic>Metallogie,</sic><corr>Metallurgie</corr></choice></choice><lb/>
Chemie , Maschinenbau und Energetik, in kürzester Frist ausge<lb break="no"/>arbeitet und uns übergeben. Meinen Wunsch, daß dies sehr kon<lb break="no"/>krete Angaben sein müßten wird weitestgehend Rechnung getragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> hätte gerne noch daß dann auch die finanzielle Führung<lb/>
dieser Aufträge durch entsprechende Kreditgewährung respektive<lb/>
Kredittransaktionen gesichert werden sollte. Hier erklärte ich,<lb/>
daß die Betriebe sicherlich Überlegungen anstellen werden, wie<lb/>
sie die finanzielle Deckung erreichen können. Für uns in Öster<lb break="no"/>reich gibt es dafür die Österreichische Kontrollbank, die im<lb/>
Einvernehmen mit unseren Exportgesellschaften solche Überlegungen<lb/>
anstellen werden. Konkrete Zusagen, daß der österreichische<lb/>
Staat entsprechende Kreditsubventionen gibt, habe ich nicht gemacht.<lb/>
Ganz im Gegenteil solche für unwahrscheinlich hingestellt.<lb/>
4. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Besuch wurde von <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> erstmalig jetzt in dieser<lb/>
kleinen Gesprächsrunde urgiert. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor Abfahrt<lb/>
noch gesprochen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mir mitgeteilt, daß er heuer<lb/>
unmöglich aber im nächsten Jahr versuchen wird Rumänien den<lb/>
versprochenen Besuch zu machen. Da Außenminister <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
noch heuer Rumänien besucht, erklärte ich, daß er dann vielleicht<lb/>
schon konkretere Termine nennen kann. 5. Unternehmerbesuche<lb/>
die ich ihm zugesichert habe, daß ich mich bemühen werde, daß<lb/>
welche nach Rumänien kommen, würden auf Gegenseitigkeit beruhen<lb/>
d.h. es würde auch eine rumänische Uhternehmerdelegation auf<lb/>
Einladung der Handelskammer nach Wien kommen. <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> bedankte<lb/>
sich dann noch zum Schluß, daß ich ihm in diesen Punkten so<lb/>
entgegen gekommen bin, was für mich furchtbar leicht war, weil<lb/>
sie ja keinerlei konkrete Zusagen beinhaltet. Der Nachteil bei<lb/>
den rumänisch-österreichischen Verhandlungen liegt primär darin<lb/>
und das haben mir alle Firmen bestätigt, daß man ungeheuer viel<lb/>
Zeit aufwenden muß, um dann letzten Endes</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_11">das er mich bei den rumänischen Besuch beeindruckt hat, ist der<lb/>
Mut mit den die rumänische Seite Investitionen in Angriff nimmt.<lb/>
Sie stellt auf die grüne Wiese Fabriken die überhaupt keinen<lb/>
Grundstock an Arbeitern besitzen. Wir besichtigten einige Werke<lb/>
wo tausende Beschäftigte sind die aus dem ganzen Land zusammen<lb break="no"/><pb n="15-0461" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0461.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>geholt werden. Die Autofabrik, die Dacia eine Renaultpro<lb break="no"/>duktion herstellt, hat 13.000 Beschäftigte mit 2.000 Berufs<lb break="no"/>schülern. Die Investitionen betragen 400 mio. Lei pro Jahr, an<lb break="no"/>geblich beträgt der Anteil 85% rumänische Produktion. Als ich<lb/>
mir das Auto das man mir zur Probefahrt zur Verfügung stellte<lb/>
genauer ansah, konnte ich feststellen, daß sehr viele Teile von<lb/>
Renault eingebaut wurden. Sicherlich mehr als 15%. Derzeit<lb/>
werden 47.000 im Jahr erzeugt und 4980 sollen es schon 150.000<lb/>
sein. Die Löhne sind überall im Lande gleich, sie betragen<lb/>
1.400 bis maximal 2.000 Lei, die Ingenieure erhalten das doppelte,<lb/>
Hilfsarbeiter entsprechend weniger. Generatorenwerke in Bukarest<lb/>
hat 6.000 Beschäftigte, die Werkzeugmaschinen die übergroße<lb/>
Bearbeiten für Generatoren erzeugen wurden aus der Bundesrepublik<lb/>
Deutschland geliefert. Im Werk selbst wurden 4 Milliarden Lei<lb/>
investiert die in 7 Jahren amortisiert werden müssen. Die Lohn<lb break="no"/>tangente beträgt in diesem Werk angeblich 12 %. Die Verrechnungs<lb break="no"/>modalitäten die ich immer wieder klären wollte bereiteten die<lb/>
größten Schwierigkeiten. Insbesondere interessierte mich wie diese<lb/>
Gemischten rumänisch-österreichischen Gesellschaften funktio<lb break="no"/>nieren sollen. Zuerst haben wir angenommen, daß diese Gesell<lb break="no"/>schaften am rumänischen Markt zu den von Rumänen festgesetzten<lb/>
Preisen liefern könnten, die sind nämlich wahrscheinlich in den<lb/>
meisten Fällen wesentlich höher als die Weltmarktpreise. Dieser<lb/>
Vorschlag wurde aber rumänischerseits nicht akzeptiert sondern<lb/>
man stellt sich vor, daß diese Gemischten Gesellschaften ganz<lb/>
selbständig in Rumänien agieren und ihre Produkte zu Weltmarkt<lb break="no"/>preisen auch den rumänischen Handelsstellen anbieten müssen. Ich<lb/>
hatte am letzten Tag Gelegenheit mit dem Gen.Dir. von INDEPENDENTA<lb/>
dies ist das Werk, die die Kooperation mit <rs type="person" ref="#per__145324">Kohmaier</rs> machen will,<lb/>
zu verhandeln, dieser steht auf dem Standpunkt soweit er dafür<lb/>
zuständig ist, daß insbesondere die technischen Probleme leicht<lb/>
gelöst werden können. Nach seiner Auffassung ist auch die Ver<lb break="no"/>handlung sehr weit fortgeschritten. Über die finanziellen Ab<lb break="no"/>wicklungen hat er nur allgemeine vage Vorstellungen, indem er<lb/>
erklärt der Gewinn kann leicht transferiert werden, auf Dritt<lb break="no"/>märkten könnte man Ketten leicht absetzen und in rumänischer<lb/>
<pb n="15-0462" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0462.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Sicht würde die Kettenproduktion wesentlich vergrößert, da derzeit<lb/>
nur 400 Beschäftigte in seinen wiedertausende Beschäftigte um<lb break="no"/>fassenden Werk derzeit nur mit der Kettenfertigung befaßt sind.<lb/>
Großer Vorteil solcher Kooperationen liegt insbesondere auf dem<lb/>
verhältnismäßig tiefen Lohnniveau.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_12">Auch Hausbesuche ergaben für mich den Eindruck daß eine unge<lb break="no"/>heure Anzahl von Menschen versucht, irgendwie ihr Geld loszuwerden.<lb/>
wahrscheinlich wird wie jeden Oststaat auch hier mit der Hilfe<lb/>
von Schwarzmarktgeschäften und sonstigen Gelegenheitsverdiensten<lb/>
das Familieneinkommen wesentlich aufgebessert. Der rumänische<lb/>
Staat verkauft einen Teil der erzeugten Autos im Inland, 70.000<lb/>
Lei kostet ein Dacia auf den man allerdings jahrelang warten<lb/>
muß. In diesem Preis ist eine 5 %ige Handelsspanne inbegriffen<lb/>
wo aber auch die Serviceleistung und Garantieleistung beinhaltet<lb/>
ist. Gegenüber diesen verhältnismäßig hohen inländischen Preis<lb/>
steht EXportpreis von 1.700 Dollar, trotzdem liefern sie Autos<lb/>
ins Ausland anstelle den inländischen Markt einigermaßen besser<lb/>
zu beschicken. Kraftfahrzeugsteuer muß man 150 Lei pro Jahr<lb/>
zahlen, das Superbenzin kostet 2,50 Lei. 20 Zigaretten kosten<lb/>
von 1,80 bis 8 Lei, ausländische Zigaretten Kent z.B. 20 Lei,<lb/>
Milch kostet 2,20 Brot 2,25 ein Guglhupf 4 Lei Butter 40 Lei<lb/>
Fleisch 10 bis 29 Lei, Geflügel 17 bis 25 Lei, Schmalz 14 Lei<lb/>
und 1 Ei 1 Lei jahreszeitlich verschieden. Eine Eigentumswohnung<lb/>
die man kaufen kann, kostet ca. 68.000 Lei für 2 Zimmer und<lb/>
100 Lei Betriebskosten pro Monat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_13">Neu für mich und überraschend war, daß die Arbeiter für die<lb/>
Planerfüllung Prämien bis zum Höchstausmaß von drei Monats<lb break="no"/>löhnen bekommen können. In Wirklichkeit wird dies aber nirgends<lb/>
ausbezahlt aber 1 1/2 bis 2 sind gang und gäbe. Die Ministerien<lb/>
bekommen ebenfalls solche Prämien wenn sie die Planerfüllung<lb/>
zustande bringen, wenn dagegen Pläne nicht erfüllt werden und<lb/>
wenn es gar vielleicht schuldhafte Nichterfüllung nachgewiesen<lb/>
werden kann, kann es vorkommen, daß bis zu 20 % der Monats<lb break="no"/>löhne gekürzt werden, in diesem Fall bekommt er nicht nur keine<lb/>
Prämie sondern muß noch eine Kürzung seines Monatslohnes in<lb/>
<pb n="15-0463" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-07_1973-04-12_0463.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Kauf nehmen, dies ist wahrscheinlich mit einer der Gründe warum<lb/>
unter allen Umständen versucht wird Planerfüllung auf Kosten der<lb/>
Qualität oder sonstiger Ausweichmöglichkeiten zu gewährleisten.<lb/>
Der größte Mangel ist die Überbürokratisierung. Durch ständige<lb/>
Kontrollen von den verschiedensten Stellen unter einer ewigen<lb/>
Kontrolle der Kontrollore kommt es dazu,daß selbst jetzt Ceausescu<lb/>
erklärt hat, es müßten nun mindestens ein Drittel von den Büro<lb break="no"/>kraten in den Ministerien und Generaldirektionen aufs Land in<lb/>
die produktive Produktion. Die Bürokratie versucht dem so zu ent<lb break="no"/>gehen, daß sie eine Rückstufung durchführt, die Vizeminister und<lb/>
Generaldirektoren werden nur Abteilungsleiter und Direktoren<lb/>
und dadurch kommt es zu einer formellen Einigung des übersetzten<lb/>
Verwaltungsapparates. Die Folge davon ist daß an der Ende der<lb/>
Kette einer oder der andere übrig bleibt meistens ältere Ange<lb break="no"/>stellte die dann aufs Land müssen. Ich weiß nicht wie weit in<lb/>
Oststaaten diese Systeme auf lange Frist gesehen wirklich produk<lb break="no"/>tiver sind als unsere Wirtschaftsordnung. Kurzfristig auf alle<lb/>
Fälle zeigen sie ungeheuren Mut in dem sie ganz große Projekte<lb/>
angehen, wie weit diese allerdings rentabel abgewickelt werden<lb/>
konnte ich nicht feststellen, dies bezweifle ich auch.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-07_14"/></div>
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            <head>TB Koppe, 7.–12.4.1973</head>
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