<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19730404.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730403.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730405.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Mittwoch, der  4. April 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band15_1973-04-04</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1973-04-04">Mittwoch, 4. April 1973</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2016-10-18">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band15/">
      <body>
         <pb n="15-0438" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0438.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_01">Mittwoch, 4. April 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_02">Die ÖVP hatte sich vorgenommen, bei einer dringlichen Anfrage über<lb/>
das verfassungsmässig richtige Zustandekommen des Krankenpflege<lb break="no"/>gesetzes die Demokratiefeindlichkeit der SPÖ insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
zu diskutieren. Während früher bei dringlichen Anfragen unsere Redner<lb/>
nur vereinzelt in Erscheinung traten, wurde jetzt die neue Taktik<lb/>
angewendet, d.h. alle nur verfügbaren Redner zu allen Problemen, die<lb/>
irgendwo angeschnitten wurden, ja selbst eigene Probleme anzuschneiden<lb/>
in die Debatte geschickt. Dadurch wurde die zweite Sitzung, die im<lb/>
11.15 Uhr beginnen sollte, erst um 1/4 11 Uhr begonnen. Alle waren<lb/>
natürlich sehr ermüdet und wollten ihre Züge erreichen. Ich verbrei<lb break="no"/>tete folgenden Gag, man soll sich nicht aufregen, wir haben sowieso<lb/>
eine Stunde eingespart, denn die zweite Sitzung hätte doch erst um<lb/>
1/4 12 Uhr beginnen sollen und wir haben doch jetzt schon um 1/4 11<lb/>
begonnen. Die Überlegung, dass die ÖVP sich jetzt durch diese Tat<lb break="no"/>sache, dass wir in Hinkunft auch bereit sind, die Sitzungen zu dehnen,<lb/>
sich von dieser Taktik abbringen lassen, glaube ich wird nicht auf<lb break="no"/>gehen. Trotzdem halte ich es für richtig, dass man sich nicht ununter<lb break="no"/>brochen von dringlichen Anfragen attackieren lässt und selbst darauf<lb/>
nur mit einigen Rednern antwortet. Der Vorteil, der dringlichen Anfrage<lb/>
ist, dass jeder Redner nur 20 Minuten sprechen darf.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_03">Bis die zweite Fragestunde begann und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der die erste und<lb/>
einzige einzige Frage hatte, warum die von ihm berufenen für die<lb/>
Rundfunkkommission teilweise ablehnte, sich mit <rs type="person" ref="#per__97472">Glaser</rs> in eine<lb/>
Viertelstundendebatte verstrickte, <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> sich furchtbar aufge<lb break="no"/>regt, dass eben solange Anfragebeantwortungen dauern, die eigenen<lb/>
Leute dann wieder schrien, dass die Fragenden so abweichten und<lb/>
lange brauchen, sodass zu mitternächtlicher Stunde eine sehr ge<lb break="no"/>spannte Situation war. Ich selbst antworte prinzipiell immer<lb/>
kurz, was glaube ich taktisch richtiger ist, weil man eventuelles<lb/>
Pulver nicht bei der ersten Frage schon verschiesst. Bis jetzt ist<lb/>
diese Kurz-Antwort noch sehr beliebt, ich bin mir allerdings nicht<lb/>
ganz sicher, ob nicht früher oder später einer dagegen protestieren<lb/>
wird, dass sie nicht genauer beantwortet wird. Dann kann ich aller<lb break="no"/>dings darauf hinweisen, dass sich doch das Haus immer aufregt über die<lb/>
langatmigen Beantwortungen. Ausserdem sind die Themen, die ich<lb/>
gefragt wurde, äusserst uninteressant. Der Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__145852">Pelikan</rs><lb/>
glaubt mit der Preisbestimmung d. h. mit der Bestellung von ÖGB-<lb/>
Datenverarbeitung mich ins Bockshorn jagen zu können. Er stellte<lb/>
sogar die gewagte Behauptung auf, dass diese Institution deshalb<lb/>
<pb n="15-0439" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0439.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ein so billiges Offert gelegt hat, damit sie an die Daten heran<lb break="no"/>kommt. Das ist so lächerlich, dass ihn glaube ich nicht einmal seine<lb/>
eigenen Freunde in einem solchen Kampf unterstützen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Ich glaube aber, dass man diese Polemik auch pro<lb break="no"/>pagandistisch auswerten sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_05">Vertreter des Lebensmittelkleinhandels unter Führung von Komm.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112013">Zach</rs> und in weitere Folge ist sogar auch Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dazugestossen,<lb/>
waren sehr erstaunt, dass ich gar nicht beabsichtigte, die Verordnung<lb/>
über das runde Gewicht, d.h. die Zweitauszeichnung des Preises pro kg<lb/>
zu erlassen, ohne mit ihnen gesprochen zu haben. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beschwerte<lb/>
sich zu Recht, dass wir eigentlich alle unsere Aktivitäten auf konsumenten<lb break="no"/>politischem Gebiet mit dem Beirat resp. mit dem Rechtsausschuss bis jetzt<lb/>
abgesprochen hatten. In einem Brief hatte ich ihm aber schon vorher<lb/>
zugesichert, das ich bereit bin, natürlich den Rechtsausschuss des Kon<lb break="no"/>sumentenbeirates, der Vorsitzende ist Dr. <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs>, von der Handels<lb break="no"/>kammer einzuschalten. Wichtig erschien mir, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zum ersten Mal<lb/>
erklärte, dass er für die Zusammenfassung aller Preisgesetze und die<lb/>
Preisbildung betreffenden Gesetze in ein Gesetz eingetreten ist, ja dass<lb/>
dies eigentlich sein Gedanke war. Ich hatte bei allen Besprechungen mit<lb/>
der Presse niemals behauptet, dass diese Idee von mir ist, was ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auch sofort jetzt erklärte. Mit dieser offiziellen Erklärung aber<lb/>
hat er sich endgültig identifiziert und ich habe deshalb sofort Ing. <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs><lb/>
ersucht, sie soll diese Details besonders im Protokoll vermerken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Diese Protokollstelle wird von uns von grösster Be<lb break="no"/>deutung sein. Bitte sie dir vorlegen lassen, bevor<lb/>
sie im Akt festgehalten wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_07">Durch reinen Zufall war ich informiert, dass diese Auszeichnungsvorschrift<lb/>
in der Schweiz und in der BRD schon gehandhabt wird. Dadurch konnte ich<lb/>
darauf verweisen, dass wir eben nicht als letzter Staat in Europa sondern<lb/>
doch im Gleichschritt mit den anderen Staaten diese für die Konsumenten<lb/>
wichtige Vergleichbarkeit der Preise auch regeln müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> intervenierten, das ich die Verhandlungen in Rumä<lb break="no"/>nien weiterführen sollte und keinesfalls einen Vertrag unterzeichne,<lb/>
der wie von rumänischer Seite gewünscht auch die GATT-Regelung, wenn<lb/>
es zu differenten Auffassungen über die Liberalisierung kommt und vor<lb/>
allem auch bei Entliberalisierungsmassnahmen sei ich expressis verbis<lb/>
verpflichtet. Wenn Rumänien dem GATT beitritt, bleibt sowieso meiner<lb/>
Meinung nach ihm unbenommen, auch auf Grund der Formulierung, die die<lb/>
<pb n="15-0440" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0440.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Handelskammer vorschlägt, tatsächlich spielen werden. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs><lb/>
hat aber wieder aus Vorsichtsgründen einen Verweis auf die Verfah<lb break="no"/>rensvorschriften ganz entschieden abgelehnt. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nur<lb/>
versprochen, ich werde mit <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> bei der Unter<lb break="no"/>zeichnung des Gaswerk-Vertrages von Integral mit der CSSR, wo ich<lb/>
ihn treffe, abschliessende Gespräche führen. Dies habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97474">Gleiss<lb break="no"/>ner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> dann auch tatsächlich gemacht, ohne mich endgültig zu<lb/>
binden, ob ich unterschreibe oder doch nur paraphiere, wenn es not<lb break="no"/>wendig ist, entsprechende Verhandlungen noch zu führen. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> hat<lb/>
dann in einem Telefongespräch geklärt, dass die rumänische Seite<lb/>
doch akzeptiert, nachdem er angeblich die Rumänen hat wissen lassen,<lb/>
dass unsere Formulierung bereits im Ministerrat gewesen ist und<lb/>
von dort ich ermächtigt wurde, nur diesen Text zu unterschreiben.<lb/>
Wenn dies wirklich der Fall war, dann hat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> ganz gut geblufft.<lb/>
Auf alle Fälle ist die Handelskammer sehr zufrieden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_09">Die Direktion und die Betriebsräte der Firma Dynamit-Nobel aus St.<lb/>
Lamprecht haben meinen Vorschlag, wenn die Jugoslawen tatsächlich das<lb/>
Dynamit 1 kg 13.- S gegen den österreichischen Preis von 18.- S liefern,<lb/>
das Antimarktstörungsgesetz anzuwenden, akzeptiert. Die Direktion<lb/>
sieht keine Möglichkeit, dadurch die Importe tatsächlich zu verhindern.<lb/>
Die Jugoslawen verkaufen derzeit bei einem Inlandsbedarf von 6.000 t<lb/>
immerhin 500. Da die Fixkosten mit 63 Mill. derzeit auf die 6.000 t<lb/>
umgelegt sind, ergibt sich, wenn Einfuhren getätigt werden, eine wesent<lb break="no"/>liche Verschlechterung des Betriebsergebnisses. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> versprach ihnen,<lb/>
dass wir Konsultationen aufnehmen mit den Jugoslawen, um ihre Einfuhr<lb break="no"/>politik zu bremsen. Da Österreich an einer eigenen Sprengstoffproduk<lb break="no"/>tion aus Neutralistätsgründen und insbesondere das Verteidigungsministe<lb break="no"/>rium und Innenministerium daran interssiert sein müsste, empfahl ich<lb/>
den Betriebsräten, sich mit dem Innenministerium ins Einvernehmen zu<lb/>
setzen, ob nicht doch das Sprengmittelgesetz zu ihrem Schutz herange<lb break="no"/>zogen werden kann. Aus aussenhandelspolitischen Gründen kann ich<lb/>
die Einfuhr kaum verhindern. Der interessanteste Teil: <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> erzählt<lb/>
mir, dass die Handelskammer die Sprengstoffe als Liberalisierungs<lb break="no"/>position für die Oststaaten-Verhandlungen vorgeschlagen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_10">Der Bürgermeister von Pöls, <rs type="person" ref="#per__140765">Gall</rs>, und ein deutscher Genosse, der dort<lb/>
64 Häuser mit 34 Mill. S errichtet hat, wollen auch eine Türenfabrik<lb/>
errichten. Insgesamt sollen 35 Arbeiter aus dem Kohlenbergwerk<lb/>
Fohnsdorf dafür gewonnen werden. Derzeit arbeiten Pölser in Fohnsdorf.</p><pb n="15-0441" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0441.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_11">Die Firma will 12 Mill. S investieren, möchte aber auch<lb/>
österreichische Unternehmen daran beteiligen, da sie das Argu<lb break="no"/>ment der Überfremdung des Gebietes befürchtet. Hier erklärte ich<lb/>
mich sofort bereit, alle diesbezüglichen Angriffe auf mich zu<lb/>
lenken, da ich auf dem Standpunkt stehe, das wir in Aichfeld-<lb/>
Murboden-Raum jede Initiative von Unternehmen unterstützen müssen.<lb/>
Derzeit erhalten die Tischler dort 22.- S und die Firma ist bereit<lb/>
35.- S pro Stunde zu bezahlen. Ich empfahl ihnen, sich sofort mit<lb/>
dem Landesarbeitsamt <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> in Verbindung zu setzen, der die Um<lb break="no"/>schulung von Bergarbeitern auf Facharbeiter durchführt. Die Gesell<lb break="no"/>schaft möchte jetzt für die 64 Häuser über unsere deutsche Zweig<lb break="no"/>stelle der Fremdenverkehrswerbung ihre Offerte, nämlich den Urlaub<lb/>
in diesen Appartmenthäuser zu verbringen, vertreiben. Die Zweigstel<lb break="no"/>lenleitung in Frankfurt hat ihnen schon positiv geantwortet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte dieses Projekt: Ferien in Appartement<lb break="no"/>häuser zu propagieren, da durch bewiesen wird<lb/>
dass Appartmenthäuser auch zweckmässig ein<lb break="no"/>gesetzt werden können. Für uns könnte dies<lb/>
ein Nachweis von Fremdenverkehrsaktivität<lb/>
im Aichfeld-Murboden-Raum werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_13">Die Hauptschwierigkeit ergibt sich, dass jetzt die OeNB keinerlei<lb/>
deutsches Kapital nach Österreich bis 31. Mai zumindestens herein<lb/>
lässt. Dadurch kommt die Gesellschaft in Geldschwierigkeiten. Hier<lb/>
konnte ich ihnen keine offizielle Auskunft und Unterstützung zu<lb break="no"/>sagen. Inoffiziell haben wir uns aber dahingehend geeinigt, dass<lb/>
andere Firmen auch mit Hilfe österreichischer Exporteure, die unter<lb break="no"/>fakturieren oder durch Hereinbringen von DM mit der Aktentasche<lb/>
diese Bestimmung der Nationalbank unterlaufen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_14">Der Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs> und <rs type="person" ref="#per__116696">Huber</rs> von der ÖVP, beide Tiroler wollten<lb/>
von mir eine bindende Zusage, dass ich mich bei der ÖMV verwende,<lb/>
dass sie bei der Gas-Pipeline, womöglich mit 26 % beteiligt werden.<lb/>
Ich habe ihnen erklärt, dass ich darauf keinen Einfluss habe und<lb/>
auch nehmen will, wohl aber mich dafür einsetze, dass das europäi<lb break="no"/>sche Gasverbundnetz geschaffen wird. Sie müssten mit der ÖMV die<lb/>
entsprechenden Verhandlungen führen. Ich selbst fungiere in dieser<lb/>
Frage nur als Schiedsrichter zwischen ÖMV , Austroferngas und<lb/>
gegebenenfalls anderen Landesgesellschaften. Ich erklärte nur<lb/>
dezidiert, dass unter meiner Ministerschaft keinesfalls eine Lösung<lb/>
wie sie bei der TAL, wo die österreichischen Stellen überhaupt<lb/>
<pb n="15-0442" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0442.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht beteiligt sind, und keinerlei Einfluss haben, nicht<lb/>
zustandekommen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_15">Die wirtschaftspolitische Aussprache der Paritätischen Kommission<lb/>
verlief routinemässig. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> stellte einen formellen Antrag<lb/>
dass in Hinkunft die Referate vom Wirtschaftsforschugnsinstitut,<lb/>
Prof. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, FM – <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, und Notenbank – Präsident <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs>, einen<lb/>
Tag vorher schriftlich abgegeben werden soll. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat dies sehr<lb/>
geschickt abgewehrt, indem er erklärte, das ist einmal schon der<lb/>
Fall gewesen und dann hat er das Referat von <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> bereits in<lb/>
der Früh in der Zeitung gelesen, bevor es noch hier gehalten wurde.<lb/>
Unter diesen Umständen bräuchte er dann gar nicht zu Sitzungen kom<lb break="no"/>men.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_16"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat dann in der Diskussion <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> darauf aufmerksam ge<lb break="no"/>macht, dass wenn er auf die 3 % Reallohnerhöhung pro Jahr beharrt,<lb/>
es zu hohen Lohnsteigerungsraten kommen wird. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat dann<lb/>
sogar noch ergänzt, dass dies Mindestlohnsteigerungs-Reallohnraten<lb/>
sein müssten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte darauf, dass zumindestens unter Real<lb break="no"/>lohn nur die Brutto-Lohnerhöhung minus den Lebenshaltungskosten<lb break="no"/>steigerungen zu verstehen ist. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat darauf beantwortet,<lb/>
dies gilt nur wenn gleichzeitig eine Senkung Steuer von Seiten des<lb/>
Finanzministers erfolgt. Wenn und wo das nicht der Fall ist,<lb/>
müssten auch die Unternehmer die Progression der Steuer auf<lb/>
sich nehmen. In diesem Fall meinte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, würden bis zu 20 %<lb/>
Lohnerhöhungen bei 16 Monate Laufzeit kommen. Hier dürfte durch<lb/>
die harten Attacken, die jetzt von Seiten der Betriebsräte und vor<lb/>
allem der Mitglieder der Gewerkschaft erfolgen, bereit sein, zu.<lb/>
mindestens gegen die Unternehmerschaft gewendet nicht mehr so<lb/>
sehr auf die Lohnbremse zu steigen. Wie sich sein Verhalten<lb/>
allerdings gegenüber den Gewerkschaften und deren Wünsche, ins<lb break="no"/>besondere der Lebensmittelarbeitergewerkschaft gestalten wird,<lb/>
möchte ich auf Grund dieser Diskussion noch nicht endgültig<lb/>
sagen. Ich glaube, dass er die alte <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs>-Taktik anwendet, gegenüber<lb/>
den Unternehmern anzukündigen, dass grössere Lohnbewegungen unver<lb break="no"/>meidlich sind und dann innergewerkschaftlich doch auf Vernunft und<lb/>
einigermassen verantwortungsmögliche Prozentsätze zu drängen.</p><pb n="15-0443" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0443.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_17">Vor der Paritätischen Kommission hat Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> mir vor<lb break="no"/>geschlagen, dass wir nachdem jetzt die ÖMV und die internationalen<lb/>
Gesellschaften bereit wären, ein Tankstellenkonzept zu akzeptieren,<lb/>
eine entsprechende Regelung erreichen sollten. Die Internationalen<lb/>
offerieren, dass sie für jede Tankstelle, die sie errichten, einein<lb break="no"/>halb Tankstellen schliessen. In Wirklichkeit machen sie nichts an<lb break="no"/>deres als eine Verlagerung der unrentablen kleinen auf günstigere<lb/>
Punkte, wo sie grössere Tankstellen errichten werden. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs><lb/>
meinte nun, wenn dieses System spielen sollte, müssten wir eine<lb/>
Verordnung versuchen, wonach auf Gebieten, wo Tankstellen aufge<lb break="no"/>lassen wurden, keine auch sogenannte "weisse" Tankstellen, d.h.<lb/>
Firmen, die ausserhalb der Internationalen und der ÖMV Benzin ver<lb break="no"/>kaufen, errichtet werden dürfen. Dies würde die Ausdehnungsmöglichkeit<lb/>
von diesen, nicht den offiziellen Preisen sich unterwerfenden Frauen-<lb/>
Tankstellen sehr beeinträchtigen. Ich habe deshalb sofort erklärt,<lb/>
dass mir eine solche Vorgangsweise unmöglich erscheint. Andererseits<lb/>
aber gebe ich zu, dass wir jetzt sehr konkret endlich mit den inter<lb break="no"/>nationalen Gesellschaften und der ÖMV Verhandlungen über das Tank<lb break="no"/>stellenkonzept führen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-04-04_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte eine Konzeption, die auch die AK und der<lb/>
ÖGB akzeptieren können, in fraktioneller Weise<lb/>
vorbesprechen.</p></div>
      <div type="back"><pb n="15_0437_09" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0437-09.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 4.4.1973</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
         <pb n="15_0437_10" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-04-04_0437-10.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__112625">
               <persName type="label">Keimel, Otto</persName>
               <persName><surname>Keimel</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112013">
               <persName type="label">Zach, Franz</persName>
               <persName><surname>Zach</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>KR, Bundesgremialvorsteher Lebensmittelkleinhandel</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97637">
               <persName type="label">Kloss, Hans</persName>
               <persName><surname>Kloss</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97937">
               <persName type="label">Seidel, Hans</persName>
               <persName><surname>Seidel</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97426">
               <persName type="label">Fälbl, Maximilian</persName>
               <persName><surname>Fälbl</surname><forename>Maximilian</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__116696">
               <persName type="label">Huber, Hubert</persName>
               <persName><surname>Huber</surname><forename>Hubert</forename></persName>
               <occupation>ÖVP NR</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112946">
               <persName type="label">Schleifer, Kurt</persName>
               <persName><surname>Schleifer</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97775">
               <persName type="label">Nemschak, Franz</persName>
               <persName><surname>Nemschak</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118586963</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97472">
               <persName type="label">Glaser, Karl</persName>
               <persName><surname>Glaser</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97474">
               <persName type="label">Gleißner, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gleißner</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112567">
               <persName type="label">Christian, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Christian</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>HK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112589">
               <persName type="label">Zeillinger, Gustav</persName>
               <persName><surname>Zeillinger</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>FPÖ-NR-Abg., Volksanwalt</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97363">
               <persName type="label">Böhm, Johann</persName>
               <persName><surname>Böhm</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>erster ÖGB-Präs.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>