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            <title type="main">Dienstag, der 27. März 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_01">Dienstag, 27. März 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_02">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__146064">Velani</rs> von der AGIP, und Dr. <rs type="person" ref="#per__130458"><sic>Mauritio de Vito Discicelli</sic></rs><lb/>
ein herrlich klingernder Name beschwerten sich bei mir, dass die ÖMV<lb/>
die Verarbeitungsprodukte-Auslieferung sperrte. Agip müsste 14.000 t<lb/>
Heizöl pro Jahr übernehmen, kann diese Menge aber nicht absetzen.<lb/>
Deshalb wurde einvernehmlich festgelegt, sie auf 10.000 t zu reduzieren<lb/>
Im April soll nun Agip 1.000 t zum Raffinerieabgabepreis von 713 S<lb/>
übernehmen. Agip hat nun gefordert, dass dieser Preis auf 690.-S<lb/>
reduziert wird. Die ÖMV erklärte, dass dies nicht möglich sei und<lb/>
sperrte deshalb ihre anderen Zusatzmengen von Benzin, da in Italien<lb/>
die Zöllner streikten und vor allem aber auch durch ständige Unruhen<lb/>
in den Betrieben der Agip in Italien können keine Ersatzlieferungen<lb/>
nach Österreich kommen. Ich habe mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> am Nachmittag<lb/>
über dieses Problem gesprochen und <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärt mir, dass die Ange<lb break="no"/>legenheit erledigt ist. Auch die anderen internationalen Gesellschaften<lb/>
stimmen mit der ÖMV überein, dass eine Bevorzugung von Agip-Austria<lb/>
durch die ÖMV nicht möglich sei. Damit habe ich die versprochene Inter<lb break="no"/>vention durchgeführt und werde telefonisch den Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__146064">Velani</rs><lb/>
verständigen. Dieser hat sich nämlich schon gewundert, dass es in<lb/>
Österreich möglich ist, in so kurzer Frist einen Termin beim Minister<lb/>
zu bekommen udn wird sich natürlich noch viel mehr wundern, dass<lb/>
ich so schnell auf seinen Wunsch reagiert habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Besser als ein Telefongespräch ist es, ihn<lb/>
ins Parlament zum Unterausschuss zu bestellen,<lb/>
damit ich ihm pesönlich die Information über<lb/>
meine Intervention geben kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_04">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat KAD-Direktor für NÖ <rs type="person" ref="#per__147704">Pachutzky</rs> vorgestellt. Bei<lb/>
dieser Gelegenehit erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass sehr wohl <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> bei den<lb/>
Vorspachen im oö-bayrischen Grenzraum mit der Handelskammer und zwar<lb/>
mit der Bezirksstelle Kontakt genommen hat. Richtig ist, dass die Han<lb break="no"/>delskammer Oberösterreich nicht kontaktiert wurde, dass aber jetzt alles<lb/>
erledigt sei, wie mir <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> telefonisch mitteilte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ersuchte,<lb/>
dass wenn wir in NÖ diese Betriebsbesuche machen, wir vorher mit der<lb/>
Kammer Einvernehmen herstellen sollten. <rs type="person" ref="#per__147704">Pachutzky</rs> teilte mir mit,<lb/>
dass er bereits Material eines VOrtrags über die Möglichkeit der<lb/>
Unterstützung der Unternehmer an der "toten " Grenze unserer Abtei<lb break="no"/>lung G bereits auf deren Anforderung zur VErfügung gestellt hat. ICh<lb/>
behauptete also, dass bereits jetzt sehr gute Kontakte zwischen<lb/>
<pb n="15-0401" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-27_0401.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Handelskammer NÖ und Präs. G bestehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Man soll aktive Handelskammermenschen wie den<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147704">Pachutzky</rs> nicht nur zur Lieferung von UNterlagen<lb/>
sondern auch zur VErbindung für Firmen nützen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_06">Im Ministerrat wurde bie unserem VOrtrag über EFTA-Abkommen, Edel<lb break="no"/>metallpunzierung vom Verfassungsdienst beeinsprucht, dass die ERläu<lb break="no"/>ternden Bemerkungen nicht im Einvernehmen mit ihm erfolgten und eine<lb/>
gefährliche Formulierung enthielten. Obwohl natürlich ERläuternden<lb/>
Bemerkungen vollkommen gesetzlich bedeutungslos sind, habe ich vor<lb break="no"/>geschlagen, auf 8 Tage den Antrag zurückzustellen. Bei der Sektions<lb break="no"/>leiterbesprechung hat dann <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> auf meinen BEricht hin, dass der<lb/>
Verfassungsdienst Einspruch erhebt und <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> erklärte, man hätte<lb/>
mit ihm Kontakt gehabt, treffend behauptet, dass eben im Verfassungs<lb break="no"/>dienst, wenn <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> weggeht, <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs>, der sehr konservativ ist<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>, der liberaler sein soll, miteinander ganz schön streiten<lb/>
werden. Dies ist für uns die Gelegenheit, wie ich ergänzte, uns von<lb/>
den FEsseln des Verfassungsdienstes weitestgehend zu befreien.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_07">Die Überreichung von Höchstauszeichnungen an <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> sowie<lb/>
einige Hofratstiteln und sonstige Ernennungen im Patentamt habe ich<lb/>
auf VOrschlag von <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> getrennt durchgeführt und nicht gewartet,<lb/>
bis wir wieder Unternehmer auszeichnen. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> verweist nämlich mit<lb/>
Recht darauf, dass selbst noch so bedeutende Wirtschaftler niemals<lb/>
so hohe Auszeichnungen erreichen können wie Beamte und deshalb<lb/>
wahrscheinlich sehr neidisch und vielleicht sogar auch noch mit<lb/>
Recht sarkastisch über diese Vorgangsweise denken. Die Beamten haben<lb/>
sich eben bei de ERststellung der Rangordnungen für Orden am höchsten<lb/>
eingestuft. Bei dieser GElegenheit wiederholte ich die alte Story,<lb/>
dass ich durch das Haus auf <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> aufmerksam wurde, obwohl dies<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> vielleicht ein bisschen peinlich ist, muss man dies glaube<lb/>
ich immer wieder bie jeder Gelegenheit erzählen, um dem Vorwurf<lb/>
man setzt nur Sozialisten in leitenden Postionen, formell entgegen<lb break="no"/>zutreten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_08">Im Institut nahm <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> wegen der GATT-Kündigung von landwirtschaft<lb break="no"/>lichen Verarbeitsungsprodukten nicht mehr die starre Haltung ein,<lb/>
dass nur Teigwaren gekündigt werden dürften. Er dürfte, so wie <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy<lb/>
Lachs</rs>, fürchten, dass ich vielleicht zu viel der Landwirtschaft<lb/>
nachgebe, die alle landw. Verarbeitungsprodukte, die GATT-mässige<lb/>
Zollsätze begunden haben, aufkündigen möchte. Da wir jetzt ein<lb/>
<pb n="15-0402" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-27_0402.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>neues Abschöpfungssystem eingefhrt haben. Hier müsste man ver<lb break="no"/>suchen, einen vernünftigen Mittelweg zu gehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte einen Detailvorschlag ausarbeiten<lb/>
lassen, dernur die wirklich notwendigsten Kündi<lb break="no"/>gungen vorsieht und vorher mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
absprechen und dann bei eienr Besprechung unter<lb/>
meinem VOrsitz als Kompromiss einstimmig ver<lb break="no"/>suchen durchzusetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_10">Bei der Fraktionsbesprechung für den Unterausschuss Gewerbeordnung<lb/>
hat der FWV neuerdings einige Forderungen wegen der Einstufung<lb/>
von Gewerbebetrieben in handwerkliche resp. in gebundene Gewerbe.<lb/>
So möchten sie unbedingt, dass das Gremium Marktfieranten bestehen<lb/>
bleibt. Dort haben sie eine starke Position und stellen sogar den<lb/>
Vorsteher. Da es mir ganz egal ist, wieviele Fachgruppen existieren,<lb/>
stehe ich auf dem STandpunkt, man sollte den Wünschen des Freien<lb/>
Wirtschaftsverbandes weitestgehend entgegenkommen. Wenn mir dann<lb/>
einmal der Vorwurf gemacht wird, dass viel zu viele handwerkliche<lb/>
oder gebundene Gewerbe es noch gibt, kann man immer entgegnen,<lb/>
dass damit die Sicherheit für den Konsumenten gegeben ist, dass<lb/>
durch die Meisterprüfung oder durch den Befähigungsnachweis bei<lb/>
gebundenen Gewerben die fachliche Ausbildung garantiert ist.<lb/>
Da die Gewerkschaften selbst auch nicht im einzelnen und im konkrten<lb/>
Fall eine wirkliche Liberalisierung wünschen, sondern höchstens der<lb/>
ÖGB eine liberalere Haltung einnimmt, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> aber gar nie zu den<lb/>
Unterausschuss-Sitzungen kommt, glaube ich, dass wir hier Kompromisse<lb/>
schliessen sollten. Bei den VErhandlungen im Unterausschuss stellte<lb/>
sich dann auch heraus, dass die ÖVP gewisse Forderungen hatte. Sie<lb/>
möchte z.B. dass nicht die Musikinstrumentenerzeuger zusammengefasst<lb/>
werden. Es solte so wie jetzt bei Holzinstrumenten und bei Blechin<lb break="no"/>strumenten-Erzeugern getrennt bleiben. Die Verhanldungen schleppen<lb/>
sich sehr dahin und da <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht anwesend sein konnte, hatte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs>, der VOrsitzende, sogar vorgeschlagen, wir sollten die<lb/>
Sitzung abberufen. Damit war ich nicht einverstandne, sondern er<lb break="no"/>klärte, man sollte halt nicht strittige Paragraphe durchdnehmen.<lb/>
Die Handelskammer-Experten aber auch die ÖVP ist überzeugt, dass<lb/>
wir sehr bald mit der Gewerbeordnung durch sind wenn erst die<lb/>
strittigen Paragraphen hinter uns liegen. Ich glaube dies nicht<lb/>
ganz, da inWirklichkeit dann erst die schweren Auseinandersetzung<lb/>
über zurüclgestellt Paragraphe kommen werden. Dies allerdings werde<lb/>
ich veranlassen, dass nicht mehr im Unterausschuss, sondern bereits<lb/>
<pb n="15-0403" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-27_0403.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>als zweite Runde im Handelsausschuss verhandelt wird. Dort sitzen<lb/>
nämlich noch mehr Abgeordnete, die eigentlich sicherlich dann mit der<lb/>
Materie bald fertig sein wollen und dort kann man gegebenenfalls dann<lb/>
eine Terminisierung vorsehen. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs>, den ich abends beim Empfang für<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137149">Rippon</rs> getroffen habe, hat gegenüber <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> bemerkt, dass wenn die Bauern<lb break="no"/>schaft ihm nur einen BRuchteil so entgegengekommen wäre wie mir, dann<lb/>
wäre die Gewerbeordnung auch unter seiner Ägyde bereits Gesetz geworden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> selst nimmt an, dass mit 1.1.1975 die Gewerbeordnung in Kraft<lb/>
tritt- Die lange VErhanlunge hat einenVorteil, dass wenn es wirklich<lb/>
dann zu einem einstimmigen BEschluss kommt, ja selbst, wenn es zu einer<lb/>
MEhrheitsabstimmung kommen sollte, ich darauf hinweisen kann, dass ich<lb/>
durch jahrelange intensivste VErhandlungen zuerst im Ministerium mit<lb/>
der Handelskammer, dann im Parlament mit den Klubs doch versucht habe,<lb/>
die alte Taktik nämlich alles daran zu setzen, um einstimmige BEschlsse<lb/>
in wichtigen Materien herbeizuführen, von mir demonstriert wurde. Dies<lb/>
entspricht meinem Stil bezügich der österr. Politik, ich gebe zu, ist<lb/>
aber sehr zeitraubend und nervenaufreibend.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_11"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> berichtet mir auf meinen Wunsch über den letzten STand der Ver<lb break="no"/>handlungen betreffend der Gasleitung Monfalcone/Süddeutschland und<lb/>
vor allem der von der ÖMV beabsichtigten Gaspolitik. Die ÖMV hat sich<lb/>
nun endgültig dazu durchgerungen, dass die Austro-Ferngas die Mengen<lb/>
aus Algerien kauft und damit eigentlich als zweiter Importeur von Gas<lb/>
nach Österreich in ERscheinung tritt. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> selbst entschuldigte dieses<lb/>
versagen der ÖMV vom Standpunkt des GEsehäftsbetriebes, dass eben auch<lb/>
ZNAM und Ruhrgas zuerst kein INteresse an dem Algerien-Gas gezeigt haben.<lb/>
Er glaubt noch immer, dass die Gleitklausel von 2 % zu teuer ist, seiner<lb/>
Berechnung nach wird das algerische Gas auf 65 Groschen zu stehen<lb/>
kommen gegenüber 35 Groschen des russischen Gases Hier ist aber eine fal<lb break="no"/>sche BErdchnung resp. Preisüberlegung. Die SU wird wahrscheinlich 1975<lb/>
wenn die ersten korrigierten Preisverhandlungen mit ihr geführt werden<lb/>
müssen, sicherlich nicht mehr um 35 Groschen oder einem ähnlichen Preis<lb/>
das sowj. Gas zur VErfügung stellen. Ich habe Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der sich<lb/>
erkundigte, wann und wo ich mit Minister <rs type="person" ref="#per__97598">Jaumann</rs> von Bayern zusammen<lb break="no"/>komme, aufgefordet, er soll klären, ob <rs type="person" ref="#per__97598">Jaumann</rs> etwas dagegen hat, wenn<lb/>
er als Kontrahent der Ruhrgas und SNAM die die Leitung nach Süd<lb break="no"/>deutschland bauen, bei der Besprechung anwesend ist.</p><pb n="15-0404" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-27_0404.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_12">In der ÖGB-Fraktion hat <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> mich aufgefordert vorher<lb/>
ich sollte überdie wirtschaftliche Lage referieren. ICh habe<lb/>
dies glaube ich so provokant gemaht, dass sich daran eine<lb/>
umfangrecieh DIskussion mit einem Dutzend Diskussionsrednern<lb/>
anschloss. Dies war seit Jahren nicht mehr der Fall. Die Wahl<lb break="no"/>niederlagen lösen jetzt in Gremien, wo man früher über Probleme<lb/>
kaum diskutiert hat, auf elle Fälle eine grössere Akvität aus.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, dass der Informationsmangel in der Partei ver<lb break="no"/>heerend sein. Er glaubt, dass in den Gewerkschaften dies wesent<lb break="no"/>lich besser ist. Er meinte sogar, dass man um die Kernschichten<lb/>
nämlich die Arbeiter und Angestellte nicht als Wählerzu verlieren,<lb/>
noch stärker die Gewerkschafter insbesondre die Sekretäre ein<lb break="no"/>setzen müsste.Hier glaube ich überschätzt er den Apparat des ÖGB<lb/>
resp. der einzelnen Gewerkschaften. NAtürlich kommen Sekretäre<lb/>
doch öfters in die Betriebe als Politiker. TRotzdem ist die<lb/>
Aktivität auch der Gewerkschaftssekretäre verhältnismässig sehr<lb/>
gering. NIemand hat die unangenehme Arbeit genr und sucht deshalb<lb/>
irgendwelceh Ausreden, um Betriebsbesuche oder gar VErsammlungen<lb/>
auf ein Minimum zu reduzieren Im Verhältnis zu dem mittleren<lb/>
Management der Partei, also Landtagsabgeordneten oder SEkretäre ist<lb/>
dies natürlich noch bedeutend mehr. Trotzdem wäre es ein grosser<lb/>
Fehler, die Aktivität der Gewerkschaften zu überschätzen und<lb/>
die Schuld des Informationsmangels ausschlesslich den Partei<lb break="no"/>stellen anzulasten. Ich bin aber überzeugt dass mir fortschreitende<lb/>
Wahlniederlagen diese uralte Diskussion wer mehr aktiv ist,<lb/>
die Gewerkschaftsfraktion ioder die Partei, die bis in die letzte<lb/>
Sektion immer wieder durchschlägt wieder aufflammen wird. Selbst<lb/>
in den Sektionen gibt es immer die Diskussion, dass die Partei<lb break="no"/>funktionäre sagen, die Gewerkschaft kümmert sich nichtum die Partei<lb break="no"/>arbeit und andererseits die Gewerkschaftsfraktion erklärt, dasss<lb/>
die Partei sich nicht um die Betriebe kümmert. Tatsächlich ist,<lb/>
dass es viele Tausende Funktionäre der Partei gibt, die gleich<lb break="no"/>zeitig gewerkschaftlich aktiv tätig sind und umgekehrt. Richtig<lb/>
ist aber, dass viele Zehntausende Funktionäre entweder in einer<lb/>
Organisation arbeiten und von der anderen nichts wissen wollen,<lb/>
dort maximal als Mitglieder eingeschriegben sind. Da die Gewerk<lb break="no"/>schaftsarbeit aber grösstenteils während der Arbeitszeit erfolgt,<lb/>
haben die Parteifunktionäre mit recht mir gegenüber zumindestens<lb/>
war dies überzeugend auf den VOrteil der Gewerkschafter hingewiesen<lb/>
<pb n="15-0405" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-27_0405.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Darübe rhinaus stehen natürlich den Gewerkschaftern grössere<lb/>
Geldmittel zur VErfügung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_13">Bei unserer Mandatar-Sitzung im dritten Bezirk berichtete ich selbst<lb break="no"/>verständlich und analysierte den Wahlausgang in Kärnten. Dabei kam das<lb/>
Problem des "Vom hohen Ross heruntersteigen" sehr deutlich zur Aus<lb break="no"/>sprache. Bezgl. der Bürgerinitiativen befürchtet unsere Gewerkschafts<lb break="no"/>fraktion, <rs type="person" ref="#per__137387">Kapaun</rs>, aber auch einige Sektionsleiter, dass wegen der<lb/>
Schlachthausgasse in kürzester ZEit eine solche zu erwarten ist.<lb/>
Ich ersuchtesofort den Bezirksvorsteher <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> und die soz. Be<lb break="no"/>zirksrätefraktion, sich dieses Problems so anzunehmen, dass wir<lb/>
auf alle Fälle in diese Bürgerinitiative einsteigen sollten, damit<lb/>
nicht alle Bürgerinitiativen gegen die Gemeinde losgehen, der<lb/>
Sektionsleiter von Erdberg ht mit REcht erklrt, dass er dieses<lb/>
Problem schon einige Male in der Gemeinde zur Sprache gebracht<lb/>
hat, dort aber niemals auf positives Echo gestossen ist, müsste<lb/>
man wirklich versuchen, die Bürokratie im Rathaus früher zur<lb/>
Arbeit zu bringen, als wie dann, wenn Bürgerinitiativen sie dazu<lb/>
bringen. <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> flüsterte mir, dass ihr <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs> zugesichert hat,<lb/>
dass dieses Problem in kürzester Zeit in Angriff genommen wird.<lb/>
Sie meint, amn sollte vielleicht auf alle Fälle zumindestens<lb/>
jetzt ein Tafel aufstellen. Andererseits hat ein anderer Sektions<lb break="no"/>leiter, nämlich <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> darauf hingewiesen, dass eine Unterschrif<lb break="no"/>tenaktion von 80 UNterschriften im Rathaus seit Jahren liegt und<lb/>
nicht einmal eine Antwort geschickt wurde und die Gemeinde eh<lb/>
bisshen zu entlasten hat <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> mich aufmerksam gemacht, dass in<lb/>
der ersten Republik der Schwarzenbergpark frie zugänglich war.<lb/>
Jetzt muss man der Schwarzenbergschen Güterverwaltung für den<lb/>
Schlüssel zum Tor glaube ich 120.- S bezahlen. Ich habe dies dem<lb/>
Mandatarklub mitgeteilt, damit manüberlegt, ob wir nicht auch hier<lb/>
eine Bürgerinitiative starten sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-27_14"/></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 65. Ministerratssitzung, 27.3.1973</head>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
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               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Schipper, Hans</persName>
               <persName><surname>Schipper</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Heller, Kurt</persName>
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               <occupation>Olympisches Komitee</occupation>
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               <persName type="label">Seitler, Franz</persName>
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               <occupation>BV Landstraße bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Rippon, Geoffrey</persName>
               <persName><surname>Rippon</surname><forename>Geoffrey</forename></persName>
               <occupation>brit. Politiker [1971 brit. Delegationsleiter bei EFTA-Treffen in
                  Reykjavik; zugl. Verhandler des brit. EWG-Beitritts - ein anderer Rippon kann wohl
                  kaum gemeint sein?]</occupation>
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               <persName type="label">Römer, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Römer</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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               <persName type="label">Kapaun, A</persName>
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               <occupation>[1971, SPÖ Landstraße, Gewerkschaftsvertreter, Tehma ist die
                  Nationalratsliste; wohl kaum Heinz Kapaun gemeint, der zu dieser Zeit im Bgld.?;
                  Vorname ev. Franz?]</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Zöllner, Otto</persName>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg.; Bgm. Schwanenstadt, OÖ</occupation>
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               <occupation>Wirtschafts- und Verkehrsminister Bayern</occupation>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <persName type="label">Vito Piscicelli, Maurizio de</persName>
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