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            <title type="main">Dienstag, der 20. März 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_01">Dienstag, 20. März 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_02">Im Klub der SPÖ hat <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> zu meiner grössten VErwunderung<lb/>
bezuggenommen auf die Verhandlungen über die Gewerbeordnung im<lb/>
Unterausschuss. Er meinte, dass dort so viele Experten geladen<lb/>
werden und deshalb die Verhandlungen nur zpögernd weitergehen. Der<lb/>
volkswirtschaftliche Sekretär des Klubs <rs type="person" ref="#per__149283">Seibl</rs> hat ihn, wie er mir<lb/>
nachher sagte, informiert in der HOffnung, dass durch entsprechende<lb/>
Urgenz bei der ÖVP von Seiten des Klubobmannes die Arbeiten schneller<lb/>
weitergehen werden.MIch persönlich stört das gar nicht, ich glaube nur<lb/>
dass dies ein volkommen falscher WEg wäre. Zum Unterschied von den<lb/>
anderen Unterausschüssen arbeitet nämlich der UA f.d. Gewerbeordnung<lb/>
verhältnismässig sehr schnell. Ich glaube nicht, dass es zielführend<lb/>
ist, jetzt von aussen her einzugreifen. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wird angeblich mit<lb/>
mir über dieses Problem ncoh sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_03">Im Parlament hat dann <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> seine Erklärung abgegeben, die aber<lb/>
verhältnismässig zahm war aber vor allem keine Angriffe, wie er ange<lb break="no"/>kündigt hat, meiner Meinung nach enthalten hat. Dafür entwickelte<lb/>
sich aber dann in der Debatte zumEnde zu für mich gesehen eine furcht<lb break="no"/>bar Situation. Ich war nicth im Saal, aber <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> soll einen Dis<lb break="no"/>kussionbeitrag erklärt haben, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht verlangt hatte,<lb/>
die Sitzung zu unterbrechen. Dies veranlasste <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, "eine Lüge"<lb/>
zu schreien, dafür bekam er einen Ordnungsruf und dann entspann<lb/>
sich die Diskussion, ob eine Unterbrechung verlangt wurde oder nicht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ging zu einer tatsächlichen Berichtigung ans Pult. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meldete sich neuerdings und meinte, es sei kein "formeller" Antrag<lb/>
gestellt worden, hier zeigte sich, wie eigentlich feig die Opposition<lb/>
in diesem Fall die davon betroffenen sind, denn niemand ging bei<lb/>
den weiteren Wortmeldungen darauf ein, dass bei einer Zusammenarbeit<lb/>
kein Mensch einen formellen Antrag stellt, sondern eben nur ganz einfa<lb/>
sagt, ich ersuche die Sitzung zu unterbrechen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ging sogar zu<lb/>
Schluss noch einmal ans Rednerpult, und meinte, ein formeller Antrag<lb/>
sei nicht gestellt worden, womit sofort der Eindruck entstehen musste,<lb/>
dass er damit einen Rückzieher antrat, was auch wirklich stimmte.<lb/>
Wenn ich mir vorstelle, dies hätte <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> gemacht, ich glaube, ich<lb/>
hätte ihn damals in der Luft zerrissen ! Scheinbar ist aber <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
doch nicht nur der Meinung alles tun zu müssen, um die Sozialpartner<lb break="no"/>schaft zu erhalten, sondern auch weitestgehend abhängig, was der Bundes<lb break="no"/>kanzler beriet ist, mit ihm zu reden, denn ausserhalb der Sitzung<lb/>
im Couloir kam es dann noch und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machte ihm heftigste Vorwürfe<lb/>
<pb n="15-0359" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-20_0359.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>indem er ihn in seiner bekannten Art sogar ein bisschen schnoddrig<lb/>
behandelte und sagt, das habt ihr notwendig gehabt, ich lasst euch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> hineinhussen ! Und als <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> dann wegging, rief er so<lb/>
sogar noch über <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> ein Schimpfwort nach und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> reagierte<lb/>
überhaupt nicht darauf. Ich sass nämlich auf der Nebenbank und hatte<lb/>
mit Dr. <rs type="person" ref="#per__134167">Werner</rs> eine Aussrpache wegen der Inpadoc. <rs type="person" ref="#per__134167">Werner</rs> selbst hat<lb/>
zwar derzeit ein kühles aber immerhin erträgliches Verhältnis zu<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs>. Er fürchtet aber, genau wie <rs type="person" ref="#per__97469">Fritz Gehart</rs>, dass der Karren<lb/>
totel verfahren ist und die Frist läuft, ohne dass die entsprechenden<lb/>
Vorarbeiten geleistet werden können. Da die Verhandlungen mit den<lb/>
einzelnen Staaten, insbesondere mit Durvent<add>?</add> in GB und den anderen<lb/>
Staaten, die bis jetzt noch nicht der INPADOC sich angeschlossen<lb/>
haben, äusserst falsch gführt werden. Ich ersuchte <rs type="person" ref="#per__134167">Werner</rs>, dass er<lb/>
noch etliche Monate zuwartet, denn es wird der Finanzminister auf<lb/>
Grund des Berichtes von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> als Ausfichtsratsvorsitzender ent<lb break="no"/>sprechende Massnahmen einleiten müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_04">Die Auseinandersetzung über die Dienstagsitzung in der wirtschafts<lb break="no"/>politischen Kommission die im Parlament auf so unschäne Art zur Spra<lb break="no"/>che gefährdet meiner Meinung nach wirklich die ZUsammenarbeit. Solange<lb/>
alledings und das hat sich wieder einmal bewiesen, unsere Seite<lb/>
solidarisch zusammenhält, fällt die andereSeite sofort auseinander<lb/>
und ist bereit, um nur nicht die Möglichekit eines Vorteiles zu<lb/>
verlieren, ihre Solidarität mit der Parteiführung sofort aufzugeben.<lb/>
Wenn es für mich noch eines Beweises bedurft hätte, wie weit Solida<lb break="no"/>rität zielführend ist, so war dies diese Episode im Parlament.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_05">Mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> habe ich wegen der Nominierung des 4. Gemeinderats<lb break="no"/>mandates im dritten Bezirk, das immer ein Reststimmenmandat war<lb/>
und der freie Wirtschaftsverband, früher <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs>, innegehabt hat,<lb/>
gesprochen. Er würde uns sehr unterstützen, wenn wir unseren Sektions<lb break="no"/>leiter und jetzigen Zentalssekretärstellvertreter des FWV <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs><lb/>
nominieren würden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_06">Der Bürgermeister von Trieben und Abgeordneter <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> ersuchten mich<lb/>
dass ich unbedingt mich einsetze, dass das Hallenbad, welches in Summe<lb/>
15 Mill. S kostet, durch uns unterstützt wird. Trieben selbst ist<lb/>
nicht beim Städtebund und der schwarze Gemeindeverband lässt die<lb/>
Gemeinde nicht aufkommen.</p><pb n="15-0360" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-20_0360.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte veranlasse, dass alles darangesetzt wird,<lb/>
damit Trieben dem Ausschuss vorgelegt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_08">Die Buchhändler haben meine seinerzeitige Zusage, dass ich mich ab<lb/>
1. April einsetzenwerde, wenn nicht die Mehrwertsteuer beim Import<lb/>
von der BRD zurückgezogen wird, sie 7.70 Umrechnungskurs nicht<lb/>
mehr halten müssen. Die Buchmark war seinerzeit auf Vorschlag des<lb/>
ÖGB und der AK von mir so tief dekretiert worden, weil wir ange<lb break="no"/>nommen hatten, dass es doch gelingen wird, die Mehrwertsteuer, die<lb/>
die deutschen Exporteure nach wie vor unseren Importeuren verrech<lb break="no"/>nen, zum Verschwinden zu bringen. Ich habe diesbezüglich auch noch<lb/>
einmal mit Minister <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> gesprochen. Er wird in Bonn versuchen,<lb/>
eine Lösung zu erzielen, ich glaube aber es wird hoffnungslos sein.<lb/>
Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> ersucht, der an der Sitzung teilnahm, er soll<lb/>
unverzüglich eine Besprechung mit den Interessensvertretungen einladen<lb/>
wie das Gesetz es vorsieht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_09">Mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> habe ich noch einmal unter vier Augen wegen der Ener<lb break="no"/>giesituation gesprochen und vereinbart, dass er die UNterlagen uns<lb/>
strengst vertraulich zur VErfügung stellt. Ich habe ihm Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
als meinen Verbindungsmann bereits angekündigt und werde ihnnoch<lb/>
schirftlich daon verständigen. In der Arbeiterkammer hat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sein<lb/>
Konzept, welches wir vorher bereits diskutiert hatten,dem Fraktions<lb break="no"/>ausschuss vorgelegt. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111001">Bayerl</rs> war das erste Mal dabei und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat ihn sehr geschickt einmal wegen einer Loyalität, die er von<lb/>
ihm erwartet, angesprochen. <rs type="person" ref="#per__111001">Bayerl</rs> hat allerdings weder genickt<lb/>
noch ja oder nein gesagt. ICh habe bei deiser Aussprache klar und<lb/>
deutlich in der Einleitung festgehalten, das ausser der ERstellung<lb/>
dieses Konzept auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> jetzt sofort die Koordinierung von einzelnen<lb/>
Streitfragen auf fraktioneller und dann im Ministerium auf interfraktio<lb break="no"/>neller Basis mitmachenwird. Ich selbst werde mich natürlich nicht<lb/>
ausschalten können. die Vorarbeiten, wenn es z.B. um den STriet<lb/>
ÖMV-Austroferngas geht, muss auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> eingeschaltet werden, resp.<lb/>
versuchen, eine Lösung herbeizuführen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> berichtete mir,<lb/>
als ich dann weg war, hat wirklich sofort ein heftiger Kampf zwischen<lb/>
den einzelnen Arten der Energieträger Und den Unternehmungen begonnen<lb/>
Wenn es um das Geschäft geht, wird es auch fraktionell nicht leichter<lb/>
die Koordinierung herbeizuführen. Manche meinen, das-s <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> als<lb/>
Wissenschaftler viel zu wenig Härte gegenüber den Unternehmern an<lb/>
den Tag legen wird. Da habe ich nicht allzu grossen Sorgen, hier<lb/>
werde ich ihn entsprechend tatkräftig unterstützen und den Unternehmern<lb/>
keinen Zweifel lassen, dass sie dann mit unserer ganzen Autorität<lb/>
<pb n="15-0361" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-20_0361.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Gegenkraft rechnen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_10">Die Betriebsräte <rs type="person" ref="#per__145278">Rauscher</rs> und <rs type="person" ref="#per__146175">Deutschmann</rs> sowie dann doch der<lb/>
Gewerkschaftssekretär <rs type="person" ref="#per__146491">Iser</rs> und NR <rs type="person" ref="#per__114677">Schlager</rs> wollten über einen Krisen<lb break="no"/>groschen, der für den Kohlenbergbau auf die Elektrizität gelegt<lb/>
werden sollte, fraktionell mit mir Besprechungen führen. Interessanter<lb/>
weise ist aber auch Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> erschienen, was mir<lb/>
in diesem Fall sehr recht war und die Diskussion verlief deshalb<lb/>
verhältnismässig neutral. Trotzdem habe ich klar und deutlich den<lb/>
beiden gesagt, dass ich als ich damals in Fohnsdorf war, den Arbeitern<lb/>
versprochen habe, dass solange keine Arbeitsplätze zur VErfügung stehen<lb/>
an eine Änderung des ZUstandes nicht gedacht ist. Derzeit allerdings<lb/>
werden durch die neuen Betriebe in der Gegend Arbeitskräfte bereits<lb/>
knapp und die Bergarbeiter, insbesondere die jüngeren Leute laufender<lb/>
GKB davon. Ihr Bestreben, neue junge Facharbeiter zu kriegen, scheitert<lb/>
dezeit. Und ich erklärte, dies wird auch sicherlich in Zukunft der<lb/>
Fall sein, wie bei der WTK in OÖ. Sie meinten, dass Gen.Direktor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> von der ÖDK, d.h. den Draukraftwerken bereit wäre, den Vertrag,<lb/>
der bis 1988 läuft und Kohlenlieferungen von 330.000 t für die Ver<lb break="no"/>stromung vorsieht, ncht nur einzuhaltne, sonern grössten WErt<lb/>
darauflegt, dass Kohle weiter produziert wird. In diesem Fall erklärte<lb/>
ichg anz brutal, dann sollen sie sich an <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> wenden, damit er ihnen<lb/>
auch eine so hohen Preis bezahlt, dass sie endgültig aus den roten<lb/>
Ziffern herauskommen. Die Bergbauförderung kann auch keinen Fall die<lb/>
Defizite – im Vorjahr 82 Mill. – bezahlen. Ich erklärte, dass ich<lb/>
den Bergbau selbst nicht schliessen werde, dass aber andereseits ich<lb/>
auch kein VERsprechen abgeben, das ich nicht halten kann. Eine Umlegung<lb/>
des Defizits auf die Elektrizität halte ich für ganz unmöglich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_11">Dr. <rs type="person" ref="#per__146141">Brunner</rs>, der Sekretär der Welser Messe und ein Vertreter der Firma<lb/>
Contact – <rs type="person" ref="#per__134043">Hennhapl</rs>, beschwerten sich bei <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs> und mir über die<lb/>
mangelnde Abstimmung der einzelnen Messen über Fachausstellungen.<lb/>
1974 soll am 20. März in Wels die Verpackungsausstellung, die 1972 in<lb/>
Graz stattgefunden hat, erfolgen und gleichzeitig hat Wien für<lb/>
9. April ebenfalls eine Verpackungsfachmesse vorgeschlagen. Die<lb/>
Messen haben darauf verzichtet, diese Fachmessen, mit Ausnahme<lb/>
glaube ich von Wien, selbst zu orgnaisieren. Sie bedienen sich dafür<lb/>
heute drei Firmen: Contact, Hoffman, Arbeitsgemeinschaft für Fach<lb break="no"/>ausstellungen, und Fa. Dunkel. Diese Privatfirmen haben die Absicht,<lb/>
durhc Orgnisation der Aussteller, Fa. Contact hat angeblich 900 Kunden,<lb/>
die potente Aussteller sind und organisieren dann die entsprechenden<lb/>
<pb n="15-0362" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-20_0362.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Messen. Der Quadratmeter-Preis ist 350 – 400 S, was für die Salzburger<lb/>
Kongresshausausstellung gilt, dieser ist höher als der Preis für<lb/>
die Wiener Messe aber doch scheinbar immer wieder Aussteller findet.<lb/>
Die Fachausstellungen nehmen immer mehr überhand sind wirklich sehr<lb/>
wenig abgestimmt. So werden im September heuer Landmaschinenausstel<lb break="no"/>lungen in Ried, Wels und Wien fast gleichzetigi erfolgen. Der Wunsch der<lb/>
Welser Messe ist nun, dass in der Arbeitsgemeinschaft de Messen über<lb/>
die Abstimmung der Ausstellungabsichten nicht nur flüchtig ge<lb break="no"/>sprochen wird, sondern auch verbindlich vereinbart wird, wer welche<lb/>
Fachausstellungen durchführen sollte. Ich erklärte meine Zustimmung,<lb/>
bei der nächsten Aussprache anwesend zu sein und dieses Problem ernst<lb break="no"/>lich nicht nur zu diskutieren sondern veilleicht auch einer Lösung<lb/>
durchzuführen. Die ein Messe-Gesetz könnte diesem Zustand allerdings<lb/>
auch nicht abgeholfen werden. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich,<lb/>
dass ich bei meinem Amtsantritt richtig gehandelt hatte und den<lb/>
Fachausstellungen oder Fachmessen die grosse Zukunft vorausgesagt<lb/>
habe. De Amtsvorgänger <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> hat 1966 bei eienr Fachmesse in Wels<lb/>
für Bäckerei bei de Eröffnung offiziell erklärt, dass Österreich für<lb/>
Fachausstellungen viel zu klein ist und Fachmessen daher keine Chance<lb/>
hätten. Hier kann ich die Loyalität der Beamten in meinem Ministerium<lb/>
wieder feststellen, mir niemals von dieser falschen INterpretation<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97358">Bocks</rs> auch nur ein Wort gesagt zu haben. HOffentlich werden sie die<lb/>
Fehler, die wir machen, dann auch so verschweigen, wenn wir einmal<lb/>
nicht mher dort sind, dies ist aber sicherlich eine Illussion.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_12">Der Doppelvortrag von <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und mir in der deutschen Handelskammer<lb/>
war für mich sehr interessant. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> hat seinen Vortrag ähnlich<lb/>
aufgebaut, wie auch <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> in der Punktation mir gegenüber vorge<lb break="no"/>schlagen hat. Hätte ich also so wie er ein festes Manuskript besessen<lb/>
und die Gewohnheit gehabt, den Vortrag zu verlesen, wäre es nichts<lb/>
als eine Doppelgeleisigkeit – natürlich mit anderen Worten und anderen<lb/>
Sätzen uasgedrückte Ergänzung gewesen. So war es mir möglich, auf<lb/>
jeden Punkt, dn <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> schon erörtert hatte, die Spezifisch österr.<lb/>
Situation zu ergänzen und ganz besonders unsere Absicht, uns nicht nur<lb/>
allein an das Dreieck Japan-USA-Europa und deren Auseinandersetzung<lb/>
zwar in Europa anzuschliessen, aber nicht die Auseinandersetzungen<lb/>
mit USA mitzumachen. Ich erklärte dezidiert, dass wir hoffen, dass<lb/>
es zu einer solchen nicht kommt, dass Österreich darin nicht die<lb/>
Funktion hätte, als Schiedsrichter zu fungieren. UNser BEstreben mus<lb/>
so wie in der Integration unter allen Umständen eine Beteiligung an dem<lb/>
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ich natürlich unsere eigenständige Ost-Politik. In der Diskussion<lb/>
unter Vorsitz von Dr. <rs type="person" ref="#per__135868">Nussbaum</rs> beteiligten sich sieben Diskutanten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> wollte wissen, ob die BRD für Kooperationen Zollbegün<lb break="no"/>stigung gewähren wird. Hier wich <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> aus, indem er meinte, die<lb/>
sei derzeit noch in Behandlung. <rs type="person" ref="#per__147013">Lipsky</rs> wollte von mir wissen, wie<lb/>
weit für die EFTA noch weiter brauchen. und <rs type="person" ref="#per__146342">Grillo</rs>, ob die EFTA<lb/>
noch ehe Funktion, die ich andeutete, ausübt. Ich selbst wies darauf<lb/>
hin, dass es technische Vereinbarung gibt sowie die Punzierung als au<lb/>
die Hoffnung, dass die Ursprungsregelung, die in der EFTA besser<lb/>
sind, letzten Endes auch von der EWG übernommen werden. Auch deutete<lb/>
ich die Möglichkeit der Ausweitung der EFTA auf andere Staaten an.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149001">Poch</rs> interessierte sich, ob die UNCTAD-Präferenzen von der BRD<lb/>
an europäische Länder gegeben werden. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> sagte, dies wird<lb/>
studiert, ich selbst konnte darauf verweisen,<lb/>
dass wir die SElbsteinschätzung jedes Landes als Entwicklungsland<lb/>
vorgesehen haben und deshalb jetzt schon Europäische Länder in die<lb/>
30 %-ige Zollsenkung-Genuss kommen. <rs type="person" ref="#per__118828">Ponitzer</rs> interssierte sich<lb/>
für den Agrarhandel in der EG und wolte wissen, ob die Marktordnungen<lb/>
dort auf alle ewigen Zeiten bleiben. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> sagte, dass die<lb/>
Kommission in dem europäischen Agrarmarkt wenig zu reden hat, sondern<lb/>
dass hier die Minister sich meistens jede Änderung vorbehalten und<lb/>
einige Sparten eben and er Marktordnung unter allen Umständen hängen.<lb/>
Bezüglich der Dreipolarität nämlich Japan-Europa-USA meinte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>, hier wird die Exportoffensiv-Politik der Japaner durch<lb/>
die nationalen Infrastrukturmassnahmen die es jetzt ergreifen muss,<lb/>
gedämpft werden. <rs type="person" ref="#per__125559">Rodenstock</rs> wollte von <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>, von dem er sagte,<lb/>
man könne ihn doch nicht oft treffen und er müsse diese Gelegenheit<lb/>
jetzt nützen, wissen, ob die BRD nach wie vor dem Floaten die aussen<lb break="no"/>wirtschaftlichen gesetzlichen Möglichkeiten des § 23 Bardepot und<lb/>
Begrenzung von Kapitalimporten auch für EG-Mitgliedstaaten aufrecht<lb break="no"/>erhält. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> erwiderte, dass in Brüssel die Kommission und<lb/>
die anderen Minister noch weitre zusätzliche administrative Mass<lb break="no"/>nahmen verlangt hätten, weshalb an einen Abbau deiser Massnahmen<lb/>
nicht zu denken sei. Bezüglich der Frage ob eine Spaltung in<lb/>
einen Waren- und Finanzkurs besichtigt gewesen, meinte er, auch<lb/>
hier hätten Überlegungen stattgefunden, doch der Aussenhandel un<lb/>
vor allem die Aussenhandelsstruktur vor allem einmal die Nationalbank<lb/>
in der BRD erklärt, mache es technisch unmöglich diese Spaltung zu<lb/>
administrieren. Es hätte ein Problem dargestellt, die Devisenerlöse<lb/>
<pb n="15-0364" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-20_0364.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und Ausgaben der Gastarbeiter oder der Touristen in einen der<lb/>
beiden Kurse vor allem in dn besten Kurs einzuordnen. Die<lb/>
Schweiz, die diese Spaltung eine zeitlang durchgeführt hat, hat<lb/>
nach seiner Auffassung einen grösseren Aufwertungseffekt tragen<lb/>
müssen als die BRD, die dies nicht tat. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> hat,<lb/>
wie ich mich immer mit Freude erinnere, ein blendendes kurzes<lb/>
Statement abgegeben. Er selbst war als ich im den NR kam, der beste<lb/>
Redner, den ich kannt, hat bei meiner ersten Rede damals sich geäussert<lb/>
da ist ein junger Mann, der phantastischer Redner ist, weil er ähnlich<lb/>
wie ich auf der Schmäh-Basis arbeitet. Er erklärte, dass er von einem<lb/>
Saulus zu einem Paulus wurde, denn vorher die Lösung der Handels<lb break="no"/>delegierten abgelehnt hat und eigentlich alles in einer Botschaft<lb/>
als Handelsrat konzentriert wissen wollte. Jetzt hat er diurch seine<lb/>
zehnjährige Tätigkeit erkennen müssen, dass die Lösung, wie wir sie<lb/>
in Österreich haben, optimal ist. Ich selbst verwies darauf, dsss er<lb/>
es gar nicht notwendig hatten von einme Saulus zu einem Paulus<lb/>
oder von einem Paulus zu einem Saulus zu werden, weil ich schon<lb/>
immer die Regelung der Handelsdelegierten als zweckmässig und zielfüh<lb break="no"/>rend betrachtete. Bei dieser Gelegenheit konnte ich gleich andeuten,<lb/>
dass die Handelskammer – Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> – immer erklärt, wenn<lb/>
dies zerstört wird, ist dies der Kriegsfall, d.h. ich konnte das<lb/>
Telefonbeispiel wieder einmal anbringen und mich allerdings gleichzeiti<lb/>
neuerdings auf dieses System festlegen. Dies beruhigt nämlich sicher<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dem es hintertragne wird und ich selbst wüsste wirklich kein<lb/>
besseres System. Dies beduetet andereseits nicht, dass wir alle An<lb break="no"/>strengungen unternehmen sollen, um die finanziellenQuellen der Han<lb break="no"/>delskammer anzuzapfen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_13">Wenn die Handelskammer durch die 0,3 % Umlage auf Export und Import<lb/>
steigend grössere Beträge für ihre Aussenhandelsorganistion bekommt,<lb/>
müsste es doch möglich sein,von den schrumpfenden Beträgen, die<lb/>
für die ZAS aufgewendet wird, einen Teil durch freiwillige Leistung<lb/>
der Handelskammer an das Ministerium für z.B. Repräsentationsausgaben<lb/>
zu vereinbaren. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> werden dieses Problem sich über<lb break="no"/>legen und sicherlich mir entsprechend Vorschläge machen. Ich fürchte<lb/>
aber, dass dies dann wie ein Gnadenbrot, das sie mir gewähren, ausschau<lb break="no"/>en wird. Ich möchte deshalb, dass wir eher ein System finden, wie wir<lb/>
es heute bei den privaten Firmen handhaben. Wenn eine Firma von uns<lb/>
wünscht, dass wir gewisse Kontakte aufnehmen, so muss sie alle<lb/>
Aufwendungen, die dadurch entstehen, zahlen, was sie sehr gerne<lb/>
macht und dies sogar noch als ein Service, das wir der Firma, leisten<lb/>
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Lösung zu finden, dass nämlich gewisse Aktivitäten, die wir im<lb/>
Handelsministerium entfalten, automatisch durch die Handelskammer ge<lb break="no"/>zahlt werden, ohne dass dies als ein GEschenk der Handelskammer an<lb/>
mich oder an das Handelsministerium gewertet werden kann. Ich<lb/>
könnte mir eventuell vorstellen, dass wir gewisse fix vereinbarte<lb/>
Beträge, die sich insbesondere durch die Ersparung der ZAE-Ausgaben<lb/>
ergeben, in eine andere Aufgabenpost umwandeln. Ich weiss, dass dies<lb/>
nicht möglich ist, dass wir über das Budget Einnahmen von Dritten<lb/>
bekommen, sondern dass es eben nur eine Möglichkeit gibt, dass<lb/>
wir Anordnungen und Rechnungen, die uns entstehen würden, von der<lb/>
Handelskammer sofort bezahlen lassen. Wir allerdings als die<lb/>
Einladenden oder die Spender in ERscheinung treten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müsste sich ein festes System<lb/>
finden lassen, insbesondere in RElation zur Er<lb break="no"/>sparung bei der ZAE und Uminstradierung auf<lb/>
andere Ausgabenposten, auch wenn sie nicht über<lb/>
offizielle Budget des Handelsministeriums gehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-20_15"/></div>
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                  evtl. Falschidentifikation]</occupation>
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                  Aufnahme einer Produktion in Österreich gewonnen</occupation>
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