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            <title type="main">Dienstag, der 13. März 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_01">Dienstag, 13. März 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_02">Im Ministerrat hielt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine Ansprache zum 13. März improvisiert<lb/>
aber gekonnt. Ich fürchte nur, sie war rein fürs Protokoll und für<lb/>
Radio, denn niemand hat damit gerechnet oder es auch nur erwartet.<lb/>
Mit Recht hat er aber gerade diesen Tag bei dieser Ministerratssitzung<lb/>
richtig gedacht, ob er selbst darauf gekommen ist oder sein Büro ihn<lb/>
aufmerksam gemacht hatte, wäre sehr interessant zu erfahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_03">Bei der Bestellung der Aufsichtsräte der ÖIAG ergibt sich die Streitfrage<lb/>
ob Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs>, der von der ÖVP nominiert wurde, tatsächlich in<lb/>
einen Aufsichtsrat berufen werden sollte, der eigentlich sein eigenes<lb/>
Unternehmen kontrolliert. Immerhin beträgt die Beteiligung der ÖIAG<lb/>
oder des Bundes an dem Siemens-Konzern 43 %. Obwohl in Österreich kein<lb/>
formeller juristischer Einwand dagegen möglich ist – in der BRD Deutsch<lb break="no"/>land ist es verboten – wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen Brief an die ÖVP schreiben<lb/>
und auf diesen Punkt besonders hinweisen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_04">Prof. <rs type="person" ref="#per__140568">Kastner</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__146606">Jäger</rs> vom Institut für Raumplanung wollen auf VOr<lb break="no"/>schlag <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> eine Fremdenverkehrsstudie ausarbeiten, wo sie Qualifizie<lb break="no"/>rungsn der einzelnen Gebiete für den Fremdenverkehr untersuchen.Als<lb/>
wichtigstes Kriterium wäre die Eignung des Gebietes an sich als zweites<lb/>
der Entwicklungsstand des Fremdenverkehrsgebietes und als drittes der<lb/>
allgemeine ZUstand des GEbietes für den Fremdenverkehr und als wichtigstes<lb/>
wäre aber eine Nutzwertanalyse, wieweit vom gesundheitspolitischen Stand<lb break="no"/>punkt eine Gegend nahe der GRosstadt oder zur Erhähung der kleineren<lb/>
Einkommen besonders geeignet wäre. Auf Grun-d dieser Untersuchung wäre<lb/>
dann eine gestaffelte Förderung vorzunehmen. An dieser Besprechung nah<lb break="no"/>men auch <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> teil. Ich erklärte dezidiert, dass ich<lb/>
eine solche Studie nicht in Auftrag geben werde, wenn ich nicht vorher ein<lb/>
stimmig von den Landeshauptleuten dazu ihre Zustimmung besitze. Die<lb/>
Anregung müsste auch von einer anderen Stelle als dem Handelsministerium<lb/>
kommen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> müsste, wenn er diese Studie wünscht, vorerst<lb/>
von einer dr-tten Stelle, z.B. im Kuratorium für Fremdenverkehr ent<lb break="no"/>sprechende Anträge stellen lassen. Die GEfahr, dass wenn wir diese Studie<lb/>
vorschlagen, die Landeshauptleute sofort einen Eingriff in ihre Kompetenz<lb/>
befürchten und vor allem einmal ihr GEbiet z.B. in den westlichen Bun<lb break="no"/>desländern als schlecht klassifiziert zu erwarten sind, den grössten<lb/>
Verdacht gegen eine solche Politik äussern würde, veranlasst mich<lb/>
äusserst vorsichtig vorzugehen.</p><pb n="15-0320" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0320.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_05">Für der oö. Innviertel wurden entsprechende Vorschläge erstattet<lb/>
und UNtersuchungen angestellt. Diese Unterlagen sind glaube ich<lb/>
sehr wertvoll, insbesondere für die Regionalkonferenz in Schärding.<lb/>
Da Ing. <rs type="person" ref="#per__146606">Jäger</rs> kein Genosse ist, war ich in meinen Urteilen sehr zurück<lb break="no"/>haltend. Im GRunde genommen aber glaube ich, dass durch die Integration<lb/>
mit der EWG die GRenzräume viel stärker sich verwischen und ver<lb break="no"/>schwinden werden als dies die heutigen Unternehmer in Österreich<lb/>
zur Kenntnis nehmen wollen.Durch die Möglichkiet, in der BRD höhere<lb/>
Einkommen zu erreichen, werden die Arbeitnehmer, die dort arbeiten<lb/>
durch die importierte Kaufkraft, die sie letzten Endes dann nach<lb/>
Österreich zurückbringen, die Grundlage bilden für eine verhältnis<lb break="no"/>mässig reiche Zone. Keinesfalls aber handelt es sich hier um einen<lb/>
Notstand. Dies ist höchstens für die Unternehmer gegeben, die ihre<lb/>
Arbeitskräfte verlieren. Richtig ist, dass eine grosse GEfahr be<lb break="no"/>steht, dass diese Arbeitskräfte in die BRD hineinheiraten oder<lb/>
dass selbst wenn sie in Österreich bleiben, ein ungeheures Desinter<lb break="no"/>essement an der Innenpolitik Österreichs festzustellen ist. Gewisser<lb break="no"/>massen erwachsen den österreichischen Gemeinden auch Infrastruktur<lb break="no"/>lasten, de vielleicht durch entsprechende Transfer-Zahlungen wie dies<lb/>
auch bei anderen Staaten der Fall ist, ausgeglichen werden könnten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_06">Die Hotelvereinigung unter Präs. <rs type="person" ref="#per__111729">Skaderassy</rs>, der Steuerberater Dr. <rs type="person" ref="#per__146469">Hutter</rs>, der Seelfer Vertreter Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__115040">Willberger</rs>, der Bad Kleinkirchheim<lb/>
vertreter <rs type="person" ref="#per__127169">Ronacher</rs>, der Wiener <rs type="person" ref="#per__147444">Nedomansky</rs>, der Gasteiner VErtreter<lb/>
Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__148218">Wührer</rs> und der präsumtive Nachfolger von <rs type="person" ref="#per__111729">Skadarassy</rs> <rs type="person" ref="#per__109291">Schreiner</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und ich hatten eine interessante Aussprache und Diskussion.<lb/>
Die Hotelvereinigung erhofft, dass die Mehrwertsteuerbelastung wesent<lb break="no"/>lich entlastet wird. Von der alten Umsatzsteuer hatten sie 80 %<lb/>
ihrer Nächtigung umsatzsteuerfrei. Eine solche Sonderregelung wün<lb break="no"/>schen sie sich auch jetzt durch Novelle des Mehrwertsteuergesetzes.<lb/>
Für wäre dies ein Ausgleich für ihre indirekte Art der Exportförderung.<lb/>
Ich liess keinen Zweifel, dass ich hier keine Möglichkeit sehe,<lb/>
den Finanzminister dafür zu gewinnen. Wohl aber glaube ich wird es<lb/>
notwendig sein, die technische, derzeit sehr komplizierte Verrechnungs<lb break="no"/>art für den Kellner vereinfachen. Die seinerzeitig 80 % Umsatzsteuer<lb break="no"/>befreiung hat ihnen 2,6 Mia S erspart, die sie für Investitionen<lb/>
verwenden konnten. Die Betriebe in den Bundesländern haben im Jänner<lb/>
und Feber grössere Rückgänge zu verzeichnen, zwischen 17 und 25 %.<lb/>
Dem steht allerdings die GEsamtstatistik entgegen, die im Jänner noch<lb/>
eine 7 % ige Steigerung gegenüber dem Vorjahr erbrachte.</p><pb n="15-0321" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0321.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_07">Trotzdes Umsatzrückganges müssen sie in den einzelnen Hotels<lb/>
doppelt so hohe Umsatzsteuer wie gegenüber dem VOrjahr bezahlen.<lb/>
Sporthotel Igls z.B. hat einen Umsatz von 2,2 Mio Jänner 72<lb/>
80.000 S, Jänner 1973 179.000 S. Eine Flasche Wein ist in der Schweiz<lb/>
mit 1,8 % in Italien mit 6 % in der BRD mit 16 % und in Österreich<lb/>
mit 43 % belastet. 16 % MWST, 10 % Alkoholsondersteuer, 10 %<lb/>
Getränkesteuer, 8 % Vergnügungssteuer, beim Sekt kommt noch S 9.-<lb/>
pro Flasche dazu. Dazu kommt dann noch 15 % BEdienung und AKM<lb/>
und Raumpauschale. Das grösste Übel dabei ist aber dann die kompli<lb break="no"/>zierte Verrehcnung für den Kellner. Hier muss ich zgeben, wäre<lb/>
wirklich eine Vereinfachung notwendig. Bezüglich der ERP-Kredite<lb/>
wo noch 24 Mill. von 150 Mio offen sind, möchten sie angefangene<lb/>
Bauten, die insgesamt 200 Mill. S noch zur Ausfinanzierung brauchen<lb/>
sobald wie möglich ERP-Mittel ehranziehen. Insgesamt erwarten sie<lb/>
nich heuer aber in den nächsten Jahr von ERP 85 Mill., von der<lb/>
Bürges 20 und von sonstigen 15 Mill. Diese Finanzierungslücke,<lb/>
erklärte ich, könnten wir höchstens mit Hilfe einer Hotelsonder<lb break="no"/>aktion wie im vergangenen Jahr schliessen. WEnn es die budgetäre Lage<lb/>
und die Kreditsituation ermöglicht, werde ich diesbezüglich mit<lb/>
dem Finanzminister verhandeln. Neuerdings urgierte die Hotelvereinigung<lb/>
dass man die Komfortzimmeraktion auch für das Personal verwenden sollte.<lb/>
Von Hunderttausend Beschäftigen gibt es nur 3 – 4 Hotels, die ein<lb/>
Personalhaus haben. Wohl aber müssen sie zugeben, auf Vorhalten<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass viele Personaltrakte haben. Ich erkläre schon<lb/>
aus meiner Herkunft, dass ich mich niemals gegen den Wunsch auch<lb/>
die Personalwohnungen mit entsprechendem Konfort zu versehen, wenden<lb/>
werde. Wohl aber kann ich dies erst dann mit Aussicht auf ERfolg<lb/>
verlangen und durchsetzen, bis der grösste Druck von den jetzigen<lb/>
Ansuchen über Komfortzimmerzuschüsse erledigt ist. Ich beschwere<lb/>
mich darüber, dass im vergangenen Jahr die Komfortzimmeraktion an<lb break="no"/>gelaufen ist, die Länder sich überhaupt nicht um diese Aktion ge<lb break="no"/>kümmert haben, deshalb wurden nur unbedeutende Ansuchen gestellt.<lb/>
Dies schlägt sich natürlich jetzt in der Budgetziffer für das<lb/>
Jahr 1973 nieder. Die Vertreter müssen mir rechtgeben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_08">Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> und SEkt.Rat <rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs> berichten über die sowj.-<lb/>
österr. Besprechungen bezüglich einer Kooperation. Der sowj. General<lb break="no"/>importeur für Maschinen Gärtner hat ein verhältnismässig sehr gutes<lb/>
Service. Die ERsatzteile aber nach der ersten Ausstattung sind dann<lb/>
äuasserst schwierig zu beschaffen. Deshalb schlägt <rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs> vor,<lb/>
<pb n="15-0322" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0322.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>man sollte mit der SU über Ersatzteillager für Westeuropa verhandeln.<lb/>
Die Maschinen haben auch eine sehr schlecht Elektronik udn werden<lb/>
sofort gegen westliche ausgewechselt. Die Dutzend Firmen, mit denen<lb/>
sie derzeit Kontakt haben, bestätigen, dass sowj. Maschinen um 10 –<lb/>
15 % billiger sind, dafür abe durch dieses Auswechseln der Elektronik<lb/>
dann wieder wesentlich teurer kommen. Ich schlage vor, man sollte<lb/>
der SU denVorschlag unterbreiten, dass sie in Kooperation mit<lb/>
westlichen Staaten, die die Elektronik liefern können, für die Export<lb break="no"/>maschinen gleich diese Elektronik einbauen. <rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs> wird jetzt mit den<lb/>
Firmen engeren Kontakt halten Und durch Kooperationsseminare und Vor<lb break="no"/>träge durch eine Kartei und Unternehmerinformation seine Abteilung ent<lb break="no"/>sprechend ausbauen und insbesondere bei der Industrie in Erinnerung rufen<lb/>
Ich begrüsse diese Vorgangsweise, loba dafür den Sektionschef aber auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98109">Zembsch</rs>, möhcte damit sie anspornen, in dieser Richtung aktiv zu<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_09"><rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs> kommt um Unterstützung für 15.000 t Zucker, die er<lb/>
im Inland produzieren möchte und mit den Rübenbauernvertretern<lb/>
abgeschlossen hat. 4.000 t zu 410 S sollen im Inland abgesetzt<lb/>
werden, 12.000 t zu 440 S Export frei Grenze. Für diese Exportmenge<lb/>
benötigt er, wie ich ihm gesagt habe, die Zustimmugn der Arbeiterkammer.<lb/>
Ich empfehle ihm, sich mit Zöllner ins Einvernehmen zu setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: ICh glaube, dass es wirklich zielführender wäre,<lb/>
jetzt solange der Zuckerpreis am Weltmarkt noch<lb/>
höher liegt, entsprechnede Exportgenehmigungen<lb/>
mit eventuellen Importrücklieferungen wenn eine<lb/>
Knappheit entstehen sollte, abschliessen zu lassen</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_11">In der Wirtschaftspolitischen Aussprache erörtert <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den Plan,<lb/>
nämlich bei einer Aufwertung der DM um 3 % mit 2,25 % auch den ö.S.<lb/>
aufzuwerten. Er kündigt auch gleichzeitig für die Exportindustrie<lb/>
Begleitmassnahmen an. <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs> erörtert die Kursbildung, wie sie die<lb/>
ÖNB vornehmen will und weist darauf hin, dass der Ausgangspunkt der 9.II<lb/>
sein soll, bevor die Lire in den Doppelmarkt ging und der Dollar neuer<lb break="no"/>dings um 10 % abwertete. Das Pfund ist seit 3/4 Jahr ausgeschaltet<lb/>
bei den Berechnung de INdikatoren und genauso die Lire. Da das<lb/>
ÖNB-Gesetz ind § 2 Abs. 3 von der Aufgabe der ÖNB spricht, den wert<lb break="no"/>beständigen Währungen den Schilling zu halten, müsste schon Pfund<lb/>
und Lire auf alle Fälle aus der Brechnung herausgenommen werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> spricht sich für eine autonome österreichische NB- und Währungs<lb break="no"/>politik aus. Er meint, man sollte nicht dem Abkommen der EG in irgend<lb break="no"/><pb n="15-0323" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0323.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einer Form beitreten. Die österr. Industrie liefert auch nach GB, Frank<lb break="no"/>reich und Italien und hat dort eine starke Industrie, die jetzt gleich<lb/>
zeitig entweder wie Frankreich Restriktionen beabsichtigt, oder wie GB<lb/>
und Italien überhaupt abwertet. Er meinte deshalb, es müsste der Auf<lb break="no"/>wertungssatz tief und die 2,25 bleiben. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schlägt ebenfalls<lb/>
vor, dass Österreich autonom floaten soll und meint, man könnte<lb/>
höchstens 1,5 % der DM nachziehen. d.h. aufwerten. Gleichzeitig<lb/>
sollte für die Exportindustrie die Lohnsummensteuer, die grenzaus<lb break="no"/>gleichfähig ist, entsprechend reduziert werden. Dies sei GATT- und<lb/>
EWG-konform und kostet ca 500 Mill. S. Durch die Einkommensteuer die<lb/>
dafür gezahlt werden mussten, würde sich dieser Ausfall auf 225 Mill.<lb/>
verringern. Ebenso sollte aus den Altanlage der Abzugsfaktor er<lb break="no"/>höht und verlängert werden. Zur Kurssicherung müssten die Betriebe<lb/>
die Möglchkeit bekommen, Kredite im Ausland uafzunehmen. Überdies<lb/>
sei der Exporthandel, der indirekt auch exportiert, in die Export<lb break="no"/>förderung aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> weist darauf hin, dass wenn die Aufwertung<lb/>
des ö.S. nicht erfolgt, die Rohstoffkosten sehr stark steigen werden,<lb/>
da der Import wesentlich grösser ist als der Export. DArüber hinaus<lb/>
werden aber auch die Energiekosten und vor allem die Nahrungsmittel<lb/>
unvergleichlich stärker steigen. Am Arbeitsmarkt würde dann ein<lb/>
weiterer Sog entstehen, die Arbeitskräfte in Deutschland und in<lb/>
der Schweiz zuarbeiten veranlassen. Wenn es durch die Nichtaufwertung<lb/>
zu grösseren Preiserhöhungen kommen sollte, wird der ÖGB dann in<lb/>
der zurückhaltenden Lohnpolitik nicht mehr mittun können. Eine Lohn<lb break="no"/>runde wird von ihm angedroht. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> meint nur, dass es sich hier um<lb/>
spekulative und keine wirtschaftlichen Überlegungen handelt, die z.B.<lb/>
Deutschland für die 3 % Aufwertung und Frankreich für die Nichtauf<lb break="no"/>wertung entschieden haben. Er möchte ebenfalls keine starre Bildung,<lb/>
wie dies wahrscheinlich auch die Schweiz handhaben wird. <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs><lb/>
von der FPÖ meint nur, dass das Risiko alleinzugehen, wesentlich<lb/>
grösser ist, und er empfiehlt daher in Gemeinschaft mit anderen,<lb/>
d.h. mit den Zonenblockländern vorzugehen. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> erinnert nur,<lb/>
dass auch die Landwirtschaft exportiert und desahbl sie selbst ent<lb break="no"/>sprechende Subventionen ebenfalls erwartet. Er verweist darauf,<lb/>
dass jetzt versucht wurde, in Amerika die Exporte auf Schillings<lb break="no"/>fakturierung umzustellen, dies aber vom Importeur abgelehnt wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> fasst neuerdings zusammen, dass mit der Oktober 1969<lb/>
10 %-igen DM-Aufwertung Österreich nur zum Teil mitgegangen ist.<lb/>
Das Ergebnis davon waren seit diesem Zeitpunkt ununterbrochene Preis<lb break="no"/>steigerungen. Durch die entsprechndne weiteren Aufwertungen, die die<lb/>
DM mitgemacht hat wird der Österreicher jetzt eine de facto 11,5 %ige<lb/>
<pb n="15-0324" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0324.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Abwertung und gegenüber dem Schweizer Franken eine 10 %-ige Ab<lb break="no"/>wertung erreicht. In diesen beiden Staaten beträgt aber der Importanteil<lb/>
49 % und der Exportanteil 33 %. Er fasst zusammen und schlägt vor,<lb/>
dass bei der Börseneröffnung am Montag die ÖNB wie besprochen einstei<lb break="no"/>gen soll, d.h. ohne Berücksichtigung von Pfund und Lire, wogegen<lb/>
sich insbesondere die Industriellenvereinigung – <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> – aber auch<lb/>
die Handelskammer – <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> – aussprechen. Die weitere<lb/>
Kursbildung sollte dann, wenn GB und Italien ihre neue Parität<lb/>
gefunden haben, auf dieser neuen Parität neu einbeigen werden. Grund<lb break="no"/>sätzlich soll die Einladung von den EWG-Finanzministern an Österreich<lb/>
und die anderen neutralen Staaten so wie Norwegen angenommen werden.<lb/>
Viertens sollten aber keine Massnahmen, die binden, z.B. die europäi<lb break="no"/>sche Währungsfonds- oder die Leitkursbestimmung derzeit akzeptiert<lb/>
werden. Als Begleitmassnahmen kann sich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vorstellen, dass<lb/>
die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer aber auch Mehrwertsteuer<lb/>
entsprechend novelliert wird. Diesbezüglich möchte er aber keine<lb/>
Bindung abg eben, sondern nur unverzüglich Verhandlungen beginnen.<lb/>
Die Lohnsummensteuer kommt nicht in Frage, weil dies eine Gemeinde<lb break="no"/>abgabe ist. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, der neben mir sitzt, versucht <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs><lb/>
dafür zu gewinnen, dass man vielleicht eine Unterbrechung der Sitzung<lb/>
verlangen sollte, weil die ursprüngliche Forderung, die Sitzung zu ver<lb break="no"/>schieben, um neue Berechnugen anzustellen, von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
abgelehnt wird. Ich frge <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der neben mir sitzt, ob eine Un<lb break="no"/>terbrechung einen Sinn hätte, doch er erklärt, er müsste auf die<lb/>
2,25 % Aufwertung unter allen Umständen bestehen. Ich insistiere<lb/>
daher auch nicht bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> , der sich aber letzten Endes auch<lb/>
nicht bie <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> durchsetzt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fasst deshalb zusammen,<lb/>
die Gegensätze seien sehr gross, eine Entscheidung könnte nicht hinaus<lb break="no"/>geschoben werden, die Bundesregierung werde deshalb den FM-Vorschlag<lb/>
akzeptieren. Wenn Österreich in eine Nahverhältnis der EWG durch<lb/>
das INterims- und Globalabkommen eingetreten ist, müsste es sich<lb/>
auch jetzt in der Währung EG-konform verhalten. Er weist neuerdigns<lb/>
darauf hin, dass nach der Dollar-Flut jetzt eine Warenflut kommen,<lb/>
wird, ich bedauere eigentlich persönlich, dass es nciht gelungen ist,<lb/>
in dieser wichtigen Frage mit der Handelskammer zu einem Akkord<lb/>
zu kommen. Ich gebe zu, dass dies sehr schwierig war, weil die Han<lb break="no"/>delskammer und insbesondere die Industriellenvereinigung sehr konkrete<lb/>
Zusagen betreffend der Begleitmassnahmen verlangt hätten. Über<lb/>
das Ausmass der Aufwertung hätte man sich aber bie gutem WIllen<lb/>
beideseits einigen können. Eine weitere Versteifung der Lager wird<lb/>
<pb n="15-0325" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-13_0325.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>im Hinblick auf diese Entscheidung die Folge sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-13_12"><rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> fragt, ob wir in der Bezirksvorstandssitzung im dritten<lb/>
Bezirk heute irgendwelche interne Probleme, die die Partei besonders<lb/>
betreffen, diskutieren. Er selbst möchte nömlich an dieser Vorstands<lb break="no"/>sitzung teilnehmen. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, der mehr oder minder jetzt als das<lb/>
Gewissen der Partei fungiert, ist über die ENtwicklung der letzten<lb/>
Wochen seit den Wahlniederlagen sehr beunruhigt. Er möchte, dass über<lb/>
Parteiprobleme in den GRemien, sei es im Wiener Vorstand oder im<lb/>
Parteivorstand oder Präsidium viel intensiver diskutiert wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> führt dann bie der Vorstandssitzung aus, dass er die<lb/>
Regierung hundertprozentig unterstützt und mit der Arbiet sehr zu<lb break="no"/>frieden ist. Doch fürchtet er sich, dass ausschliesslich nur mehr die<lb/>
Regierung mit ihren Problemen dominiert und kuam mehr die notendige<lb/>
Zeit bleibt, sei es im Parteivorstand oder im Wiener Ausschuss oder Präsi<lb break="no"/>dium, über diese Probleme zu reden. <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> sagt mir nachher, dass sie<lb/>
diese Kritik unverständlich gefunden hat, weil dadurch unsere Vor<lb break="no"/>standmitglieder sehr verunsichert werden. In der Diskussion stellt sich<lb/>
dann heraus, dass die einzelnen Vorstandsmitglieder sehr wohl die<lb/>
Verwaltung der STadt Wien hart kritisieren, wenn man so wie <rs type="person" ref="#per__97309">Adelpoller</rs><lb/>
der jetzt sehr viel mit der Strassenbahn fährt, das Auto hat er aus Ge<lb break="no"/>sundheitsgründen abgegeben, kann immer wieder feststellen, wie die<lb/>
Bevölkerung auf die Wiener Gemeindeverwaltung schimpft. Dazu trägt auch<lb/>
natürlich das Benehmen z.B. mancher Schaffner bei. Derzeit gibt es<lb/>
eine Dienstanweisung, dass die Heizung nur wenn die Temperatur unter<lb/>
Null Grad sinkt, eingeschaltet werden darf. WEnn sich die Leute er<lb break="no"/>kundigen, sagt der Schaffner, ich habe eh schon zwei Briketts nachge<lb break="no"/>legt oder ziehen sie sich halt wärmer an. Was natürlich als Frotzelei<lb/>
aufgefasst wird. Andererseits werden jetzt in den Gemeindebauten<lb/>
die Fenst ausgehängt, Fassaden abgesclagen und nichts weiter ge<lb break="no"/>macht. Im Wildgans-Hof haben die Autofahrer zu parken begonnen,<lb/>
man hat das jetzt abgestellt und anstelle von Verwarnungen hat man<lb/>
unmittelbar alle 60 wegen Besitzstörung angeklagt. <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> beschwert<lb/>
sich über die Schwierigkeit, die ein Bezirksvorsteher bei den ein<lb break="no"/>zelnen Stadträten oder vor allem ganz besonders in der Gemeindever<lb break="no"/>waltung hat. <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> meint, dass weder er noch <rs type="person" ref="#per__112037">Tischler</rs> diese Kritik<lb/>
im Gemeinderatsklub vorgebracht haben. Ich selbst weise zusammen<lb break="no"/>fasssend darauf hin, dass durch Überbelastung einzelner Spitzenfunk<lb break="no"/>tionäre ein immer schlechteres Klima entstehen muss. Wenn <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs><lb/>
verlangt hat, dass alle Mandatare zur Basis eine solche gute Beziehung<lb/>
haben sollen wie ich, dies habe, ich gehe wirklich alle Wochen zur<lb/>
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den Klub der Mandatare im Bezirk, dann meint <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> könnte diese<lb/>
Entwicklung nicht eintreten. Ich bezweifle dies und weise darauf hin,<lb/>
dass auch manche kleineren Funktionäre überlastete Spitzenfunktionäre<lb/>
oft anpöbeln, was nicht unbedingt etwas mit sachlicher Kritik zu tun<lb/>
haben muss. ANdererseits ist mir vollkommen klar, dass ohne diese Bezie<lb break="no"/>hung und Verbindung mit den Funktionären eine Organisation sehr bald<lb/>
bei Wahlen ein böses Erwachen erleben wird. <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> meint anschliessend,<lb/>
er hofft, dass es in Österreich noch nicht zu spät ist, insbesondere<lb/>
nicht für die Wiener Partei. Ich teile diesen Optimismus nicht. Ich<lb/>
glaube nämlich und das sage ich auch klar und deutlich, bei der<lb/>
Vorstandssitzung, dass die grossen ERfolge, die <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> aufzählt<lb/>
in Wirklihckeit nur die VOraussetzung sind, damit die Bevölkerung über<lb/>
die Kleinigkeiten, die sie ärgern, schimpfen und abstellen verlangen<lb/>
kann. Das wird aber als selbstverständlich hingenommen, die Kleinigkeiten<lb/>
deren Ursache oft gar nicht bei den Spitzenmandataren liegt, werden aber<lb/>
natürlich der Partei angekreidet. Hier müsste man einen entsprehcnedne<lb/>
Weg finden, um die Gemeindeverwaltung bürgerfreundlicher zu erziehen.<lb/>
Während ich mich heute in meinem Ministerium hauptsächlich wegen<lb/>
geringer Aktivitäten ärgere, aber feststellen mussund kann, dass<lb/>
wir kaum Kontakt mit Parteien haben, die letzten Endes bei schlech<lb break="no"/>ter ERledigung ihres FAlles auf den Minister schimpfen, ist dies<lb/>
natürlich in der Gemeindeverwaltung viel stärker der FAll. Dort handelt<lb/>
es sich in den meisten Fällen um individuelle Entscheidungen, die wenn si<lb/>
sie nicht so ausgehen, wie der Betreffende dies erwartet, unmittelbar<lb/>
einen negativen Einfluss auf sein Wahlverhalten und wahrscheinlich<lb/>
auch auf seine Einstellung zur Gemeindeverwaltung.auslöst. Da die<lb/>
Stadträte aber alle in Bezirken verankert sind, müsste doch, wenn<lb/>
es in diesen Bezirken zu diesenDIskussionen kommt, dies letzten Endes<lb/>
orgendwo eine Reaktion in der Gemeindeverwaltung auch auslösen. Ich<lb/>
kann mir nicht vorstellen, dass sie schon so borniert sind, dass<lb/>
sie sich das vielleicht noch anhören und dann keinerlei Konsequenzen<lb/>
daraus ziehen. Sollte dies aber der FAll sein, dann fürchte ich,<lb/>
wird es wirklich im Frühjahr 1974 für Wien ein furchtbares Wahlergebnis<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 63. Ministerratssitzung, 13.3.1973</head>
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            <head>Nachtrag TO 63. Ministerratssitzung, 13.3.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
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            <head>Information für den Herrn BM betr. TOP 12, 12.3.1973</head>
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            <head>Schreiben Kirchschläger betr. Grenze zu CSSR, 8.3.1973</head>
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