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            <title type="main">Montag, der  5. März 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_01">Montag. 5. März 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_02">Beim ZUstandekommen des Staatspreises für Möbel hat sich Ing. <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs><lb/>
ungeheure Verdienste erworben. Niemand hat angenommen, dass sie imstande<lb/>
sein werden, diese Staatspreise zeitgerecht in so kurzer Frist auf die<lb/>
Beine zu stellen. Bei der Ansprache und beim Dank an die Jury habe ich<lb/>
deshalb ihre Verdienste ganz besonders herausgestrichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_03">Das Pressegespräch war in Wirklichkeit eine Pleite. Nut wenige Journali<lb break="no"/>sten, die sonst an unserer Frühstücksrunde teilnahmen, waren in die Messe<lb/>
gekommen. Das Thema selbst war für sie eigentlich sehr unterinteressant.<lb/>
In einer halben Stunden waren wir mit allen Fragen zu Ende. Für mich<lb/>
war dies ein schlagender BEweis, dass wir nur die Frühstücksrunde mit<lb/>
der Zweitbesetzung bei uns im Haus machen können. Wenn wir Pressekonfe<lb break="no"/>renzen wo anders offiziell einladen, müssen wir feststellen, dass dann<lb/>
nicht einmal die Zweitbesetzung voll kommt. Unter diesen Umständen glaube<lb/>
ich sollten wir kaum mehr irgendwo anders eine Pressekonferenz abhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_04">Von der Fa. Chrysler kam der Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__146144">Raastad</rs>, der Finanzdirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146032">Ödegaard</rs> und der österr. Vertreter <rs type="person" ref="#per__146143">Buresch</rs> um mitzuteilen, dass sie nun<lb/>
doch auch ihre Wagen und zwar die Marke Simca um maximal 5 % im Durch<lb break="no"/>schnitt um 2,5 % ihre Gesamtautos erhöhen müssten. Dieser tiefe Durchschni<lb/>
kommt deshalb zustande, weil die englischen Wagen Sunbeam überhaupt nicht<lb/>
erhöht werden sollen, erst mit Herbst, wenn neue Modelle kommen, sind<lb/>
Preiskorrekturen vorgesehen. Sie werden morgen eine Pressekonferenz haben un<lb/>
und wollten vorher mit mir noch über dieses Problem sprechen. Erfreu<lb break="no"/>lich ist, dass dieses Unternehmen sich vorher mit uns ins Einvernehmen<lb/>
setzt. Ich habe Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> neuerdings aufmerksam gemacht, dass zum<lb/>
Unterschied von dieser Firma General Motors, Opel, ohne uns davon zu<lb/>
verständingen, die Preise erhöht hat. Obwohl er mir gegenüber erklärt hät<lb break="no"/>te, derzeit könne er nichts sagen und es sei keine Preiserhöhung vorge<lb break="no"/>sehen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> eneurdings ersucht, dass er im Namen des Ministerium<lb/>
an die Firma schreibt. Ursprünglich wollte <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> in meinem Namen einen<lb/>
diesbezüglichen Briefentwurf vorlegen. Ich halte eine Korrespondenz<lb/>
jetzt auf Ministerebene nicht für zweckmässig.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_05">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgeteilt, dass er nach<lb/>
Ungarn die ABsicht hat die LH von Burgenland und Steiermark und die Klubs<lb/>
einzuladen. Er will damit sozusagen die Aussenpolitik ausser Streit stel<lb break="no"/>len und hat als Aussenminister seinerzeit auch den LH <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> und <rs type="person" ref="#per__149044">Wedenig</rs><lb/>
<pb n="15-0281" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-05_0281.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>1964 bei seinem Besuch nach Jugoslawien mitgenommen. Dies ist sicher<lb break="no"/>lich eine geschickte politische Taktik, ich glaube aber, dass es ihm<lb/>
primär auch darauf ankommt, seine Delegation etnsprechend aufzufetten.<lb/>
Ich bin neugierig, ob die ÖVP mitmacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_06">Beim bulg. Ministerpräsident <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs>-Besuch soll am 3. April die Be<lb break="no"/>sprechung stattfinden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, es ist zwar ein Präsident der ein<lb break="no"/>lädt und ein Ministerpräsident, der kommt, aber die Verfassung sieht<lb/>
klar und deutlich vor, dass Verhandlungen nur im BKA resp. bei den<lb/>
Ministern geführt werden können. Trotzdem werden wir aber beim Präsidenten<lb/>
die entsprechenden Verhandlungen abführen. Ich verwies darauf, dass<lb/>
der Vertragsentwurf über die Meistbegünstigung jetzt vorsieht, dass der<lb/>
Bundespräsident und <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs> selbst unterfertigt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, das<lb/>
könne unabsehbare Folgen haben, denn der Bundespräsident sei nicht berech<lb break="no"/>tigt, einen solchen Vertrag zu zeichnen und eine Ermächtigung würde schwere<lb/>
Verfassungsprobleme aufwerfen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> selbst ist auch der Mei<lb break="no"/>nung, dass eine solche Konzeption nicht zielführend ist und wird diesbe<lb break="no"/>zügliche UNtersuchungen anstellen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beabsichtigt, wenn der Bundes<lb break="no"/>präsident darauf beharren sollte, einen diesbezüglichen Brief an ihn zu<lb/>
schreiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte stelle fest, von wem die Idee überhaupt<lb/>
ausgegangen ist, den Meistbegünstigungsvertrag vom<lb/>
Bundespräsidenten unterfertigen zu lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_08">Über die Bürger-Initiativen insbesondere im Sternwartepark wollte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> reden, die aber noch in Russland weilt, dann allerdings doch<lb/>
zur späteren Sitzung gekommen ist. Am Abend hat es dann auch noch inner<lb break="no"/>halb der Besprechung Gewerkschaft-Partei eine Riesen-Diskussion gegeben.<lb/>
Zuerst war <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ungeheuer ablehnend, über die Art, wie auf solche Bür<lb break="no"/>ger-Initiativen reagiert wird. Ausgelöst durch die Phyrn-Autobahn-Ini<lb break="no"/>tiative in Graz meinte er, in Wien sollte man unbedingt zwar nicht jeder<lb/>
Intiative beitreten, aber doch <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> als Unterrichtsminister und Direktoren<lb/>
und Studenten und die Stadt Wien mit dem Problem konfrontieren. Die Mini<lb break="no"/>ster sollten höchstens die ENtscheidung treffen. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> erklärte dann<lb/>
abends, dass sie nicht mehr zurückkönne, sie hätte der Universität dies<lb/>
versprochen und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hätte sowieso auch die Zustimmung zu dieser Stel<lb break="no"/>lungnahme gegeben. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wieder erklärte bereits in der Regierung, dass<lb/>
er kein anderes Grundstüvk zur Verfügung hätte und meinte nur, man müsse<lb/>
endgültig die Probleme mit Stadt und den zuständigen Ministern verhandeln.<lb/>
Während <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> seinem Gefühl nach zuerst sehr über die Art und Weisem<lb/>
wie das Fernsehen dieses Problem darstellte, für eine andere Politik bei<lb/>
<pb n="15-0282" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-05_0282.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bürger-Initiativen eintrat, hat er nachher mehr oder minder zur Kenntnis<lb/>
nehmen müssen, dass es scheinbar doch keine Lösung für dieses PRoblem<lb/>
gibt. Ich selbst wundere mich auch immer, wie optisch ungünstig diese<lb/>
Fragen für uns ausgehen. Wenn ich mir vorstelle, dass wir eigentlich die<lb/>
erste Bürger-Intitiative gehabt haben, nämlich den Kupferbergbau in<lb/>
Oberndorf, oder wenn ich an die Vorarlberger Steinbruch-Initiativen denke,<lb/>
so haben wir diese wirklich besser gelöst als die heutigen Probleme gelöst<lb/>
werden. Alelrdings weiss ich nicht, ob heute noch wir selbst eine so gün<lb break="no"/>stige Lösung zustandebringen würden. Auf alle Fälle so demagogisch wie der<lb/>
Gegner kann ich noch immer sein und würde daher entsprechend auch auf<lb/>
Angriffe reagieren. In der Frage der Phyrn-Autobahn ud Bürgerinitative<lb/>
wird Moser im Ministerrat den Antrag, stellen, dass die seinerzeitig<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97664">Krainer</rs> geplant, beantragt und genehmigte Autobahn-Trasse über<lb/>
Eggenberg genau überprüft werden soll und der Landeshauptmann angewiesen<lb/>
wird, eine Stadtferne Trasse ebenfalls zu prüfen und vorzulegen. Ähnlich<lb/>
hat die Regierung seinerzeit bei der Bregenzer Autobahn entschieden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_09"><rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat vorgeschlagen, wenn die ÖVP die Volksanwaltschaft weiter<lb/>
blockiert, soll jeder Minister ein Beschwerdebüro eröffnen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hat da<lb break="no"/>gegen grösste Bedenken. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ist überzeugt, dass es in der Parlaments<lb break="no"/>verhandlung weitergehen wird, da aber bereits über den Wirkungsbereich<lb/>
einig ist, fraglich ist nur, ob sich die Volksanwaltschaft auch auf<lb/>
die Länder erstrecken soll. Für die Landesverteidigung wird erwogen, da<lb/>
bereits dort eine Beschwerdeeinrichtung existiert, sie auszunehmen. Dagegen<lb/>
spricht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ganz entschieden aus, weil er dann meint, es würden<lb/>
einzelne Ministerien ebenfalls mit Ausnahmewünschen kommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_10">Die Richtlinien für den Dienstpostenplan werden jetzt wieder erstellt und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilt mit, er wird in seinen Sektionen echt überlegen, wo er<lb/>
Einsparungen durchführen könnte. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> verweist darauf, dass die Ver<lb break="no"/>waltungsreformkommission vorgeschlagen hat, die Ressorts sollen Bedarfs<lb break="no"/>schätzungen über ihren Personalbedarf anstellen. Dagegen herrscht über<lb break="no"/>einstimmend grösstes Bedenken, denn der Finanzminister allein erklärt.<lb/>
er würde 4.000 Finanzbeamte auf Grund seiner Bedarfsschätzung von der<lb/>
Bürokratie als fehlend und notwendig bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_11"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hofft, durch eine Gegenschrift gegenüber die von <rs type="person" ref="#per__147025">Mandorf</rs> heraus<lb break="no"/>gegebenen Probleme heute die opinion leader zu neutralisieren. <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs><lb/>
soll die Adress für die "Probleme heute" feststellen. Am Abend kommt<lb/>
<pb n="15-0283" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-05_0283.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>das Problem der INformation und der Aktivität der Partei zur Diskusion<lb/>
Dabei wird festgestellt, dass niemand heute die unzähligen Unterlagen<lb/>
und INformationen liest. Zumindestens unsere Funktionäre sind nicht<lb/>
bereit, sich mit dem Informationsmaterial vertraut zu machen oder<lb/>
dann selbst wenn sie dieses Informationsmaterial bekommen in der ARgu<lb break="no"/>mentation mit den Gegnern zu verwenden. Man weicht dem Kampf aus.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_12"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtet über die Ratssitzung in Brüssel und bemerkt, dass<lb/>
entweder generlel gefloatet oderzumindestens ein Zonenfloaten be<lb break="no"/>stehend aus den EWG-Staaten ohne GB und Italien, mit der Einladung an<lb/>
Österreich und der Schweiz mitzutun, ergehen könnte. Fraglich ist,<lb/>
ob ebenfalls ein Stützungsfonds, den die EG errichten wird, unter<lb/>
TEilnahme Österreichs im Hinblick auf seine Neutralität erfolgen könn<lb break="no"/>te. Die Exportwünsche von Seiten der Industrie könnte er nicht berück<lb break="no"/>sichtigen und er entscheidet sich für die Stabilitätskomponente. Al<lb break="no"/>lerdings versteht er darunter nur, dass so wie die DM mit geringen<lb/>
Abweichungen gefloatet wird. Die Exportwünsche könnten durch selektive<lb/>
Massnahmen befriedigt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> spricht sich ganz entschieden<lb/>
für die Linie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch's</rs> aus, meint alleridngs, dass ein Drittel un<lb break="no"/>seres Exporte, wenn man USA, Kanada, Grossbriannien, Italien und den<lb/>
gesamten Osten zu den Abwertungsländern rechnet, davon betroffen wird.<lb/>
Er hat ernsteste Krisenbefürchtungen von dieser Seite her, auch für<lb/>
die österreichische Wirtschaft. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sieht wieder einmal, so wie<lb/>
seinerzeit als er die schwedische Arbeitslosigkeit vor Augen hatte,<lb/>
sehr schwarz für die österr. Wirtschaftsentwicklung. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wollte<lb/>
zuerst, da er ja keinerlei Massnahmen setzt, mit einer INformation,<lb/>
die er jetzt den Präsidenten der Interessensvertretungen einzeln<lb/>
telefonisch gegeben hatte, sein Bewenden sein lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dagegen<lb/>
plädiert unbedingt, dass ein Währungskomitee, d.h. die Minister mit<lb/>
je 2 Vertretern von Parteien und den Interesssensvertretungen zusammen<lb break="no"/>kommt. Dieses Problem wird ebenfalls am Abend dann nochmals besprochen<lb/>
und der Gewerkschaftsbund ist sehr dafür, dass man eine solche Ausspra<lb break="no"/>che nächsten Montag, 12.3. um 17 Uhr anstelle der Ministerratsvorbe<lb break="no"/>sprechung durchführt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte Termin vormerken. Die Vorbesprechung er<lb break="no"/>folgt am Dienstag um 9 Uhr.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_14">Eine weitere wirtschaftspolitische Kommission wird sich mit den Inve<lb break="no"/>stitionsfragen am Freitag, 16. um 11 UHr beschäftigen. Dort hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> beauftragt, sollte er differenzierte Investitionspolitik<lb/>
als zweite Phase des Stabilisierungsabkommens referieren. Die Wirtschafts<lb break="no"/><pb n="15-0284" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-05_0284.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kommission der Partei, um die es sich dabei h handelt soll hauptsäch<lb break="no"/>lich vor den nächsten Parlamentssitzungen aktiv werden, weil man be<lb break="no"/>fürchet, dass die ÖVP ansonsten entsprehcnede Anfragen im Parlament stellt<lb/>
oder gar vielleicht eine dringliche Anfrage startet. Aus der Abenddis<lb break="no"/>kussion hat sich für mich dann auch ergeben, dasss wird durch die Grazer<lb/>
Wahlniederlage nicht mehr die TReibenden sind sondern dass wir eignetlich<lb/>
jetzt schon die GEtriebenen sind. Die ÖVP könnte, wenn sie in sich ge<lb break="no"/>schlossen wäre und nach einem entsprechenden Plan vorginge, die Ini<lb break="no"/>tiative des Handelns an sich reissen. Überhaupt hat diese Abenddiskussion<lb/>
mir gezeigt, dass – was ich schon immer befürchtet habe – wenn einmal<lb/>
eine Niederlage kommt, dann die Problematik zumindestens im Führungskreis<lb/>
dahingeht, Schuldige mehr oder minder zu suchen. NIemand denkt alelrdings<lb/>
derzeigt daran, den Grazer Genossen allein die Schuld zu geben, sondern<lb/>
man weist darauf hin, dass es die Phyrnautobahn und verschiedene andere<lb/>
widrige Umstände sind, doch in Wirklichekti geht es darum, die Ursache<lb/>
zu ergründen, an welcher Aktivität es gemangelt hat. Die Steirer und ganz<lb/>
besonders die Grazer sollen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte dies bei seinem Besuch<lb/>
unten feststellen können, und nach seiner Rückkehr sofort den Gewerkschafts<lb break="no"/>genossen mitgeteilt, weniger die postiven Seiten der Regierungspolitik<lb/>
heruasgestrichen haben, sondern immer wieder festgestellt, warum man<lb/>
die eine oder andere Frage so gelöst hat und ob dies unbedingt hat<lb/>
sein müssen. Anders ist es nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Meinung in Oberösterreich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist deshalb überzeugt, wir bräuchten einen entsprechenden Auf<lb break="no"/>schwung durch eine gewonnene Wahl und er will sich daher mit den ober<lb break="no"/>österreichischen Wahlen vollkommen identifizieren. Er meint, der Gegner<lb/>
hätte dies sowieso gemacht, wenn die Wahlen für ihn günstiger ausgehen<lb/>
und deshalb meint er, soll man gleich von vornherein feststelln,<lb/>
dass dies die Schlacht ist, die man eben annehmen musss. Vielleicht hat<lb/>
er recht, wenn wir usn jetzt mit dem Gegner einmal konfrontieren. Wenn<lb/>
es also eineAuseinandersetzung zwischen <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> auf der einen SEite<lb/>
als LH und Kandidat und auf der anderen Seite nicht <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> sondern<lb/>
pirmär <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird. WEnn dieser Kampf allerdings verlorengehen sollte,<lb/>
dann kann es wieder zwei Möglichkeiten geben. Entweder ist es ein wei<lb break="no"/>terer schwerer Rückschlag, nachdem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> annimmt, dass wir auch die<lb/>
Kärntner Gemeinderatswahlen nicht sher gut bestehen werden, oder aber<lb/>
es kommt selbst bei einem Rückschlag dazu, dass dies die Partei tatsächli<lb/>
aufrüttelt. Die Lethargie der Partei gibt allen zu denken. Für mich<lb/>
ist dieses Problem nicht neu, sit Monaten schreibe ich zumindestens<lb/>
in unserem Tagebuch, dass mich die Ruhe in unserer Partei beängstigt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> hat hingewiesen, dass die Stimmung inder Partei gut ist, damit<lb/>
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mir die Situation so, dass usnere Genossen und Funktionäre primär<lb/>
darauf ausgerichtet sind, anzugreifen. Derzeit aber müssen sie verteidige<lb/>
sei es die Bundesregierung oder eine Landespolitik oder gar keine Gemeinde<lb break="no"/>politik und das können sie undwollen sie nicht. Ihre Stärke war und<lb/>
ist der Angriff, der natürlich aus der Opposition heraus viel leichter<lb/>
durchgeführt werden kann als eben in der jetzigen Situation eine Ver<lb break="no"/>tedigiungsstrategie.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-05_15">Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__108321">Rameder</rs> fragt an, ob wir in Hinkunft auch für die Kölner Möbel<lb break="no"/>messe Förderungspreise geben. ICh stehe auf dem STandpunkt, dass wir<lb/>
eine eigene Wiener Möbelmesse haben und deshalb auch mit dem Staats<lb break="no"/>preis ein Förderungsinstrument uns geschaffen haben. Es könnte, wenn<lb/>
entsprechende Vorschläge von der Industrie vorausgesetzt, noch eine<lb/>
andere Art der Unterstützung für die Aussteller hier in Österreich zu<lb/>
schaffen, als nur eine Überreichung eines Diplomes. Auf alle Fälle<lb/>
sollten wir unsere ganzen AKtivitäten auf die österr. Ausstellungen be<lb break="no"/>schränken und nicht im Ausland österr. Aussteller unterstützen. Solange<lb/>
wir keine eigene Wiener Möbelmesse und keinen eigenen Staatspreis<lb/>
gehabt haben, war dafür noch eine mÖglichkeit und eine Begürndung.<lb/>
Derzeit sehe ich keine mehr.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 5.3.1973</head>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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