<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19730302.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730301.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730303.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Freitag, der  2. März 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band15_1973-03-02</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1973-03-02">Freitag, 2. März 1973</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2016-10-12">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band15/">
      <body>
         <pb n="15-0268" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0268.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_01">Freitag, 2. März 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_02">Mit Stadtschulratspräsident Dr. <rs type="person" ref="#per__97923">Schnell</rs> besichtige ich den polytech<lb break="no"/>nischen Lehrgang auf der Landstrasse – Hainburgerschule. Den vorigen<lb/>
Direktor dieser Anstalt habe ich gut gekannt und er hat mir immer wieder<lb/>
versichert, dass dieser Lehrgang nämlich das 9. Schuljahr, nicht nur für<lb/>
die Schüler von grosser BEdeutung ist, sondern auch für die Unternehmer<lb/>
als Berufsvorbereitung. Der Zufall wollte es, dass tatsächlich auch dort vo<lb/>
von der Firma Gazelle ein Vertreter war, der die Mädchen informierte<lb/>
und sie zu einer BEsichtigung einlud. Der Firmenvertreter bemerkte mir<lb/>
gegenüber, dass er schon etliche Mädchen aus dem polytechnischen Lehrgang<lb/>
für die Firma gewinnen konnte. Da in Wien eine sehr grosse Konzentration<lb/>
von Schülerinnen und Schülern des polytechnischen Lehrganges bestehen,<lb/>
kann eine Aufsplitterung für entsprechende Neigungsstunden gefunden werden<lb/>
Die Burschen ud Mädchen erklärten auch übereinstimmend, dass es ihnen in<lb/>
dieser Schule besser gefällt als bisherin der Hauptschule. Sie werden<lb/>
dort doch freier erzogen, die Lehrkräfte sind modernen als wahrscheinlich<lb/>
in den normalen Hauptschulen. <rs type="person" ref="#per__97923">Schnell</rs> hat mir zugegeben, dass die Hainburger<lb/>
Schule die beste in ganz Wien ist und damit wahrscheinlich auch in granz<lb/>
Österreich. In den Landeshauptstädten und in einigen grösseren Städten<lb/>
funktinoiert das System wahrscheinlich auch noch ganz gut . Anders<lb/>
sieht es schon aus, wenn es sich um kleinere Städte handelt, wo dann<lb/>
nicht mehr so viele Schüler zu einem polytechnischen Lehrgang zusammen<lb break="no"/>kommen und wo man wahrscheinlich gar nicht den entsprechenden Schulraum<lb/>
und die notwendigen Lehrer für eine Aufsplitterung hat. Interssant für<lb/>
michwar, dass mit dem Lehrkörper nachher von der Landesschulinspektorin<lb/>
und Stadtschulratspräsidenten selbst mir gegenüber festgestellt werden<lb/>
musste, dass nur eigentlich Hauptschullehrerinnen und -lehrer verwendet<lb/>
werden.Berufsschullehrer hat man seinerzeit eingesetzt aber sehr schelchte<lb/>
Erfahrungen gemachten. Die Schülerinnen und Schüler sind gewohnt, so wie in<lb/>
der Hauptschule noch entsprechende geführt zu werden. Der Fachlehrer aber<lb/>
aus der Berufsschule hat seinen bestimmten Stoff, den er vorträgt udn<lb/>
in der Berufsschule auch ein gewisses Imperium besitzt, um sich durchsetzen<lb/>
zu können. Er hat die Möglichekit, den Lehrherrn zu verständigen und<lb/>
den Schülern Schwierigkeiten sonst zu machen, wenn sich der aufsässig zeigt<lb/>
was in diesem Alter leicht natürlich vorkommt. INteressant aber war, dass<lb/>
man in der Hainburgerschule sogar noch einen polytechnischen Lehrgang aus<lb/>
Sonderschülern zusammenstellen konnte. Wahrscheinlich wird man das Problem<lb/>
des 9. Schuljahres neu überdenken müssen, aber dabei auch die positiven<lb/>
Seiten des polytechnischen Lehrganges nicht ganz ausser ACht lassen.</p><pb n="15-0269" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0269.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_03">Die Berufsschullehrer möchten selbstverständlich am liebsten, dass dieses<lb/>
9. Schuljahr ausschliesslcih in ihre Kompetenz fällt und sie einen berufs<lb break="no"/>vorbereitenden Kurs machen können. Die Lehrer der polytechnischen Schulen,<lb/>
d.h. die Pflichtschullehrer, dagegen möchten einen verlängerten Hauptschul<lb break="no"/>unterricht aufgegliedert und verbessert für die Berufsvorbereitung. Da<lb/>
es sich hier um zwei Lehrergruppen handelt, wird dies ein ganz wüster<lb/>
Kampf werden, Darüber soll sich niemand täuschenoder einer Illussion hin<lb break="no"/>geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_04">3 Herren von der Firma Jet, das ist die Internationale Ölgesellschaft<lb/>
CONOCO, die nebenbei bemerkt auch Rohöl für die ÖMV zur VErfügung stellt,<lb/>
wollten von mir eine Zusagen haben, dass sie mit ihren 30 Tankstellen<lb/>
in Österreich – sie haben die österr. Tankstellen Seppi aufgekauft, eine<lb/>
Direktlieferungen von der ÖMV bekommen. Durch die Preisregelung bei<lb/>
Benzin bekommen sie heuer einen Verlust von 6,5 MIll. S und ihr Stamm<lb break="no"/>kapital beträgt nur 5 Mill. Die Herren sind daher der Meinugn, dass<lb/>
das Handelsministerium, nachdem der Staat diese Preise diktiert hat,<lb/>
für ihre Existenz sorgen müsste, sei es durch Nachlassen der Umsatz<lb break="no"/>steuer oder durch entsprechende billigen Bezug von Benzin. Ich liess<lb/>
ihnen keinen Zweifel, dass ich dazu wede r imstande noch willens bin.<lb/>
Ich kann mir nicht vorstellen, sagte ich, dass der Finanzminister eine<lb/>
solche Sonderausnahme macht. Was den Direktbezug von der ÖMV betrifft,<lb/>
ist es ausschlesslich ANgelgenheit der ÖMV. Hier behaupteten die Vertreter<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> von der ÖMV ihnen aber versichert hat, dass dies nur das Han<lb break="no"/>delsministerium entscheiden könne. Ich liess mich deshalb sofort mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> verbinden, um ihn vorder Delegation zu erklären, dass diese<lb/>
Auskunft falsch ist, es stellte sich dann bei einem Telefongespräch<lb/>
zwischen der Delegation und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> heraus, dass es sich hier scheinbar<lb/>
um ein Missverständnis gehandelt hat. Auf was es mir angekommen ist, ist<lb/>
vor Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> und der Delegation sofort zu klären, dass ich nicht<lb/>
mit zwei Zungen spreche sondern die nackte, auch unangenehme Wahrheit<lb/>
jederzeit den Firmenvertretern aber auch der ÖMV gegenüber ausspreche.<lb/>
Die Firmen selbst, soweit sie nicht internationale Gesellschaften grösseren<lb/>
Ausmasses sind, haben jetzt durch die Benzinpreisregelung eine ausge<lb break="no"/>sprochen schwierige Phase. Die internationalen GEsellschaften, dies hat<lb/>
auch die Vorspache vor einigen TAgen des Präsidenten von British Petrol<lb/>
ergeben, stossen in vielen europäischen Staaten auf Höchstpreise oder<lb/>
auf entsprechende Anordnungen der Regierungen. Andereseits werden sie von<lb/>
den ÖPEC-Ländern mit entsprechende hohen Rohölpreisen überrascht, die<lb/>
sie letzten Endes auch bezahlen müssen. Die freien Tankstellen aber,<lb/>
<pb n="15-0270" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0270.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>d.h. die Firmen, die als Grosshändler oder als Stationäre Benzin<lb/>
abgeben unter dem Höchstpreis bekommen derzeit nur sehr geringe Mengen<lb/>
und dies auch nur zu den höchsten Raffinereiabgabepreisen. Auf lange Sicht<lb/>
gesehen sind die Firmen mit der Preisregelung glaube ich nicht schlecht ge<lb break="no"/>fahren. Durch die Umstellung aber auf die Mehrwertsteuer, wo sie im ersten<lb/>
Halbjahr keine Erhöhung bekommen, kommen sie in eine furchtbare Illiquidi<lb break="no"/>tätssituation. Im Jahre 1974 bekommen sie dann um 10 GRoschen mehr als<lb/>
sie sich eigentlich erhofft haben und ihre BErechnungen ergebne haben.<lb/>
In diesem Punkt glaube ich hat <rs type="person" ref="#per__97479">Graber</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> recht, wenn er meint, man hätte<lb/>
die Autos und Benzin und alles was drum und dranhängt ohne weiteres sofort<lb/>
verteuern lassen sollen. DIes hätte eine heilsmaen Schock für die<lb/>
Autofahrer bedeutet und Kaufkraft abgeschafft. Wenn er erst genau rechnet<lb/>
un-d draufkäme, dass dann 1974 die Benzinfirmen noch mehr bekommen als sie<lb/>
tatschlich verlangt haben, wird er nur ein weiteres Argument gegen die<lb/>
Regierung haben. In diesem Fall aber bin ich überzeugt, wird er sich nicht<lb/>
äussern, da er letzten Endes ja doch in der Presse die Interessen der Unter<lb break="no"/>nehmer weiterstgehend vertrtitt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_05">Die Fa. Tlapa feiert ihr hundertjähriges Firmenbestehen und der derzeitige<lb/>
Alleininhaber Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__149116">Vitil</rs>, seine Schwester, der kaufm. Direktor und<lb/>
die Chefsekretärin wurden mit Orden ausgezeichnet. Da der Kommerzialrat<lb/>
sogar ein Buch "Wie man richtig verkauft" und über die ENtstehenungsge<lb break="no"/>schichte des Hauses geschrieben hat, konnte ich naütrlich in meiner Ansprach<lb/>
auf viele Bemerkungen eingehen, da ich auch selbst in der Arbeiterkammer<lb/>
noch Kunde von Tlapa war, hatte ich auch entsprechenden Stoff , um lustige<lb/>
Bemerkungen zu machen. Da die gesamte Favoritner Promiment, beginnend<lb/>
von Präsident des NR <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> und viele andere auch bei Tlapa kaufen und<lb/>
anwsend waren, hat es wirklich einer Familienfeier geglichen. Einen<lb/>
prominenten Gast hatte ich nicht entdeckt und konnte deshalb nicht in<lb/>
meiner Ansprache irgendwelche Bemerkungen über ihn machen, nämlich Heinz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114989">Conrads</rs>. Zum Schluss kam er zu mir und fragte, ich weiss, ich war so weit<lb/>
rückwärts und habe IHnen dadurch eien Gag genommen, aber wer setzt Ihnen<lb/>
eigentlich die REden auf.FÜr mich war dies wirklich ein grosser perösnlicher<lb/>
Erfolg und ich war sehr stolz darauf, dass <rs type="person" ref="#per__114989">Heinz Conrads</rs> so etwas hglaubt,<lb/>
ob er es wirklich glaubt, weiss ich zwar nicht, aber er hat wirklich neidlos<lb/>
gemeint, das war eine Wiener Schmäh-Rede, wie sie nicht besser auch von ihm<lb/>
gebracht werden könnte. Präs, <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> ist selbstverständlich später gekomme<lb/>
hat sich dann beim BEsitzer entschuldigt und ich hatte sogar GElegenheit,<lb/>
zu dritt eine ganz kurze Konversation zu führen. Ich weiss nicht, wie es<lb/>
mir einmal gehen wird, wenn ich nicht mehr Minister bin und dann mit meinem<lb/>
Nachfolge zusammenstosse. Eines weiss ich nur ganz sicher, ich werde an<lb/>
<pb n="15-0271" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0271.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>meinem Schmähführen nichts ädnern und niemals mich so in den Schmoll<lb break="no"/>winkel zurückziehen, wie er dies jetzt macht</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_06">Im Institut hatten wir mit <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs>, seinem Sekretär, <rs type="person" ref="#per__149262">Sperlich</rs> von<lb/>
der BAWAG und Dr. <rs type="person" ref="#per__149306">Scheer</rs>, ebenfalls BAWAG, die aber an einem Wohlstands<lb break="no"/>index arbeitet, wie <rs type="person" ref="#per__133326">Herbert Krämer</rs> von der Arbeiterkammer und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__140093">Anzenberger</rs> und einige andere über das Problem gesprochen, wie man ent<lb break="no"/>sprechendes Ziffernmaterial besser für unsere Referenten aufarbeiten<lb/>
könnte. In der Oppositionszeit hat <rs type="person" ref="#per__133326">Herbert Krämer</rs> ein phantatstisches<lb/>
Material damals zussammengestellt und wir hatten wirklich Zeit und Muße<lb/>
die entsprechenden Vorarbeiten dafür zu leisten. Jetzt, wo wir theoretisch<lb/>
einen ganzen Regierungsapparat an der Hand haben, sind wir nicht imstand,<lb/>
etwas ähnluches herauszubringen. Übereinstimmend herrschte ab die Meinung,<lb/>
dass wir dies unbedingt machen sollen. Ich hoffe, dass es <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> gelinge wird<lb/>
im Einvernehmen mit <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs> die Regierungsreserven zu nützen, d.h. über<lb/>
die Minister Urmaterial zu erhalten und dann in dieser Arbeitsgruppe unter-<lb/>
Führung <rs type="person" ref="#per__97646">Koppes</rs> zu einem entsprechenden wirklich propagandistisch brauchba<lb break="no"/>ren Unterlagenmaterial zusammenzufassen. Mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> bin ich übereingekommen<lb/>
dass er sich neben seiner bisherigen Tätigkeit, wobei er dieses unmögliche<lb/>
administrativen Ballast abwerfen wird, hauptsächlich, so wie dies in den<lb/>
vergangenen Jahren der Fall gewesen ist, primär wirklich der p.R.-Arbeit<lb/>
nicht nur für mein Ministerium sondern vor allem überhaupt für die gesamte<lb/>
Partei mehr Zeit nehmen wird. Die blödsinnige ARbeit,des Zusammensuchens<lb/>
und womöglich sogar das Aufbereiten von Presseaussendungen, die oft wirklich<lb/>
uninterssant sind, kann ruhig Reg.Rat <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> machen. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> muss wieder<lb/>
mehr für die ihn so entscheidende Arbeit und die für uns von so grosser<lb/>
Bedeutung ist, nämlich wirklich public relation zu machen, freigestellt<lb/>
werden. Die GEfahr, die sowohl er als auch ich nicht erkannt haben, war,<lb/>
dass wir vielleicht in der Kleinarbeit nicht nur untergehen sondern dass<lb/>
wir auch von dieser aufgefressen werden. Vielleicht war es in den ersten<lb/>
Jahren notwendig, um der Bürokratie zubeweisen, dass auch dann wenn wir<lb/>
hängengelassen werden, nicht untergehen. Unter Hängenlassen verstehe ich,<lb/>
dass man sich nicht sofort an unseren Stil angepasst hat sondern womölgich<lb/>
mit Informationen und Akten uns zugedeckt hat. Jetzt aber ist es glaube ich<lb/>
höchste und letzte Zeit, d um eine Änderung herbeizuführen. Ich bin sehr<lb/>
froh, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> in dieser Beziehung hundertprozentig übereinstim<lb break="no"/>me. 30 brillanter Analytiker wie <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> soll meiner Meinung nach alle Vor<lb break="no"/>setzungen kriegen, um sein Wissen dort einzusetzen, wo es optimalst ge<lb break="no"/>nützt wird.</p><pb n="15-0272" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0272.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_07">Im Direktorium der ÖFVW hat der VErtreter der Länder erklärt, dass<lb/>
im März jetzt alle Landesverkehrsreferenten sich über das Problem der<lb/>
Geschäftsführernachfolge unterhalten werden. Drei Kandidaten, nämlich<lb/>
der Leiter der österr. Aussenhandelsstelle Montreal Dr. <rs type="person" ref="#per__127903">Lukas</rs>, dann<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__97459">Froehlich</rs> stehen nach seiner Mitteilung zur Dis<lb break="no"/>kussion. Ich selbst habe erklärt, dass es mir am zweckmässigsten erschiene<lb/>
wenn der GEschäftsführer eine entsprechnede Ausschreibung für diesen Po<lb break="no"/>sten vorbereitet. <rs type="person" ref="#per__149065">Walberg</rs>, der Berliner Zweigstellenleiter ud Sprecher<lb/>
der Zweigstellen, hat in einem Brief mitgeteilt, dass eine geheime Um<lb break="no"/>frage ergeben hätte, dass die Zweigstellen sich für eine Doppelführung,<lb/>
nämlich <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> aussprechen. Dagegen habe ich sofort meine<lb/>
BEdenken dem Direktorium mitgeteilt, da ich auf dem STandpunkt stehe, es<lb/>
muss ein GEschäftsführer bestellt werden und keinesfalls eine Doppelbe<lb break="no"/>setzung, einer muss der erste sein. Die Gewerkschaft der Privatangestellten<lb/>
hat in einem Schreiben uns mitgeteilt, dasss wir die Verwaltungsdienst<lb break="no"/>zulagenregelung, die der BUnd bekommen hat, auch in irgendeiner Form den<lb/>
Angestleltern der ÖFVW geben müssen. Wir haben seinerzeit, als wir zwar<lb/>
die Gehälter wesentlich angehoben haben und verbessert habne, vergessen<lb/>
sie von dem Schema des Bundes zu lösen. Jetzt müssen wir die Mehraufwendung<lb/>
die hunderttausende Schilling kostet, schlucken. Als der Betriebsrat<lb/>
dafür bedenkte, sagte ich, dazu sei kein Grund, wir haben eben eine<lb/>
Auseinandersetzung verloren udn müssen daraus eben die finanziellen Konse<lb break="no"/>quenzen tragen. Mir war, als wir den Kampf begoinnen haben, schon klar,<lb/>
dass wir kaum Chancen haben, ihn zu gewinnen. Mir aber war hauptsächlich<lb/>
daran gelegen, zu beweisen, dass wir die Gewerkschaft wieder positiv für<lb/>
die Mitglieder eintreten konnte. Ich habe nämlich nie verstanden und verste<lb break="no"/>he es auch heute nicht, wie Unternehmer aus sich heraus erklären, ich brau<lb break="no"/>che euch nicht dazu eine Aufforderung von der Gewerkschaft, oder<lb/>
vom Betriebsrat, ich leiste lieber gleich von vornherein alles, was Beleg<lb break="no"/>schaften nicht im Kampf erreichen, nehmen sie als selbstverständlich hin<lb/>
und würdigen es dann umso weniger.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_08">Bei der Ordensverleihung für Dr. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> von Porsche habe ich zur KEnntnis<lb/>
nehmen müssen, dass natürlich die Erhöhung von Opel <rs type="person" ref="#per__140764">Schneider-Manns Au</rs><lb/>
mit Rdcht als exorbitant hinstellt un-d erklärt, VW ist hier wesentlich<lb/>
zurückhaltender. Es ist wirklich wahr, dass die Automarken, die keine<lb/>
eigenen Firmen hier als ihre Vertreter haben, sondern nur ihre eigenen<lb/>
Angestellten sich überhaupt um nichts scheren. WEnn ich bedenke, dass<lb/>
der Opel-Vertreter vor einigen TAgen noch erklärt hat, es ist an eine<lb/>
<pb n="15-0273" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0273.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Erhöhung derzeit nicht gedacht und er unter derzeit nur 3 oder 4 Tage<lb/>
verstanden hat, so ist dies wirklich skandalös. Ich habe dies auch<lb/>
Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> gesagt und ersucht, ermöge unbedingt, einen diesbezüglichen<lb/>
geharnischten Brief an Opel und zwar nicht die österreichische Vertetung<lb/>
sondern an die ausländische General Motors Produktionsstätten abschicken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte selbstverständlich auch die österr. VErtretung<lb/>
und ganz besonders den Mann,der überhaupt keine Aus<lb break="no"/>sagen machte, über diese VOrgangsweise entsprechend<lb/>
attackieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band15_1973-03-02_10">Der Parteivorstand hat zur 40-Jahrfeier -Ausschaltung des österr. NR-<lb/>
eingeladen. Aus mir unerklärlicher WEise wurde mir nach ausdrücklicher<lb/>
Anfrage mitgeteilt, es beginnt um 1/2 8 Uhr, obwohl tatsächlich die<lb/>
Feier um 7 Uhr begann. <rs type="person" ref="#per__140775">Koref</rs>, ein 82-jähriger aber rüstig wie ein<lb/>
SEchziger, ht einen blendenden Vortrag über die geschichtlicher Entwick<lb break="no"/>lung gehalten. Er war zu dieser Zeit bereit-s hoch aktiv im NR tätig<lb/>
und hat daher alles dies aus unmittelbarer Nähe mit erlebt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst hat nachher diese Rede entsprechend gewürdigt und erklärt, sie<lb/>
wird im Renner-Institut gedruckt, um damit den SChülern für alle Zeiten<lb/>
zur Verfügung zu stehen.</p></div>
      <div type="back"><pb n="15_0267_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0267-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 2.3.1973</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
         <pb n="15_0267_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band15/15_1973-03-02_0267-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__114587">
               <persName type="label">Kübler, Frank</persName>
               <persName><surname>Kübler</surname><forename>Frank</forename></persName>
               <occupation>GF ÖFVW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97671">
               <persName type="label">Kreutler, Horst</persName>
               <persName><surname>Kreutler</surname><forename>Horst</forename></persName>
               <occupation>ÖMV, Dir. Fa. Semperit</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114989">
               <persName type="label">Conrads, Heinz</persName>
               <persName><surname>Conrads</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>ORF-Entertainer</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97749">
               <persName type="label">Mitterer, Otto</persName>
               <persName><surname>Mitterer</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__133326">
               <persName type="label">Krämer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Krämer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Statistiker AK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127126">
               <persName type="label">Hönel, Walter</persName>
               <persName><surname>Hönel</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97459">
               <persName type="label">Fröhlich, Josef</persName>
               <persName><surname>Fröhlich</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97627">
               <persName type="label">Kienzl, Heinz</persName>
               <persName><surname>Kienzl</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119100339</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112977">
               <persName type="label">Neuhold, Peter</persName>
               <persName><surname>Neuhold</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>Beamter Energiesektion HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__133397">
               <persName type="label">Brantl, Heinz</persName>
               <persName><surname>Brantl</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Wahlkampfmanager, Journalist</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127903">
               <persName type="label">Lukas, Klaus</persName>
               <persName><surname>Lukas</surname><forename>Klaus</forename></persName>
               <occupation>ÖFVW, öst. Handelsdelegierter Paris</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111699">
               <persName type="label">Puffler, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Puffler</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Reg.R HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__116104">
               <persName type="label">Himmer, Hans</persName>
               <persName><surname>Himmer</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Porsche Österreich</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97845">
               <persName type="label">Probst, Otto</persName>
               <persName><surname>Probst</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__111736">
               <persName type="label">Zolles, Helmut</persName>
               <persName><surname>Zolles</surname><forename>Helmut</forename></persName>
               <occupation>Direktor ÖFVW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111742">
               <persName type="label">Kamitz, Reinhard</persName>
               <persName><surname>Kamitz</surname><forename>Reinhard</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-FM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97479">
               <persName type="label">Graber, Karl</persName>
               <persName><surname>Graber</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Journalist "Die Presse"</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97923">
               <persName type="label">Schnell, Hermann</persName>
               <persName><surname>Schnell</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation>Wr. Stadtschulratspräs.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>