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            <title type="main">Donnerstag, der  1. Februar 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_01">Donnerstag, 1. Feber 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_02">Ein Besuch von <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> beim Bundespräsidenten konnte ich feststel<lb break="no"/>len, dass alle Oststaaten einen ungeheuren Respekt vor dem Staats<lb break="no"/>oberhaupt haben. Für sie ist eine grosse Auszeichnung, mit <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs><lb/>
sprechen zu können. Ich weiss nicht, ob <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> kein Inter<lb break="no"/>esse gezeigt hat, mit dem Bundeskanzler zu reden oder ob <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
keine Zeit hatte. Auf alle Fälle ist für sie das Staatsoberhaupt<lb/>
scheinbar eine bedeutende Persönlichkeit. Bevor sie eintreten habe<lb/>
ich feststellen, dass sich alle Oststaatenvertreter kämmen und be<lb break="no"/>sorgt sind, ob sie auch wirklich adrett gekleidet sind. Ich hatte<lb/>
sofort in der Früh <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> angerufen, über das VErhandlungsergebnis<lb/>
und das freundschaftliche Klima ihn informiert und ganz besonders<lb/>
auf die Zeitungspolemuik hingewiesen. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> kam aber dann<lb/>
ganz von selbst auf die Gas-Problematik zu sprechen. Er wiederholte<lb/>
die schon bekannten Thesen. <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> interessierte sich für viele De<lb break="no"/>tails. Insbesondere über die Möglichektien der sibirischen Wirtschafts<lb break="no"/>erschliessung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_03">Beim Mittagessen des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wies ich auf die Verstim<lb break="no"/>mung <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschews</rs> wegen der Zeitungsmpolemik hin. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war selbst<lb/>
auch sehr empört und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, er hätte mit <rs type="person" ref="#per__97928"><sic>Schuhmeier</sic></rs> gesprochen<lb/>
von ihm aber seinen Informanten nicht erfahren. Bei der Tischrede hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> neuerdings auf die notwendige planmässige Durchführung<lb/>
unseres 10-Jahresplanes hingewiesen.Die Firmen müssten jetzt die<lb/>
konkreten Geschäfte abscliessen. BEsonders verwies er wieder auf<lb/>
das finnische Beispiel.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_04">Vor der Pressekonferenz mit <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> machte mich <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> darauf<lb/>
aufmsekrsam, dass auf Grund von Informationen der Journalisten<lb/>
mit Bestimmtheit sagen könne. dass die Kampagne von den internationale<lb/>
Ölgesellschaften ausging. Bei der Pressekonferenz stellte ich einlei<lb break="no"/>tend fest, dass ich für die österreichische innenpolitische Situation<lb/>
und Kritik jederzeit Verständnis habe, dass ich aber erwartete, dass<lb/>
sich die Presse bei Informationen doch eingehender an Tatsachen hält<lb/>
und versucht, diese Tatsachen auch festzustellen. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> schilder<lb break="no"/>te dann die Entwicklung seines Gas-Angebotes 1969 und die Ablehnung von<lb/>
Österreich und der jetz9iden Forderung auf entsprechende Erhöhung<lb/>
der Liefermengen. Eine ANfrge richtete sich danach, dass man sich<lb/>
<pb n="14-0124" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-02-01_0124.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht vorstellen kann, dass wenn das italienische Gas dann nach<lb/>
Österreich zur Durchleitung käme, in Kärnten und Steiermark keines<lb/>
zur VErfügung stehen würde.Hier würden doch die Länder das gar nicht<lb/>
zulassen. Hier konnteich nur entgegnen, eine solche Vorgangsweise<lb/>
sei unmöglich, da ja die Pipeline auf privatwirtschaftlicher Ebene<lb/>
gebaut wird und die entsprehcnedne Baugenehmigungen bereits vor<lb break="no"/>liegen, die übrigens Bundessache sind. Natürlich könnte man admini<lb break="no"/>strative Schwierigkeiten machen aber es ist nicht anzunehmen, dass<lb/>
dies der Fall sein wird. übrigens hoffe ich,dass bis zu diesem Zeit<lb break="no"/>punkt die zusätzliche Gaslieferung der SU nach Österreich im Zusammen<lb break="no"/>hand mit der italienischen Durchkehrmenge bereits erledigt ist.<lb/>
Auf den Hinweis eine-s Journalisten, dass er sich nicht vorstellen<lb/>
kann, dass man 1969 kein zusätzliches Gas genommen hat und es jetzt,<lb/>
wo man es braucht, nicht bekommt, gab mir Gelegenheit zu erklären,<lb/>
dass 1969 die andere Regierung – wir waren damals in Opposition –<lb/>
und die ÖMV tatsächlich eine Mehrmenge abgelehnt haben. Überhaupt<lb/>
konnten wir über die ANfragen der Journalisten ziemlich duetlich<lb/>
unsere Handelspolitik erörtern. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> war mit der Presse<lb break="no"/>konferenz sehr zufriedne. <rs type="person" ref="#per__149295">Nora Schuster</rs> von der Wochenpresse hat<lb/>
unzählige Aufnahmen von ihm geknipst, er fragte beim Hinausgehen, ob<lb/>
er von ihr Bilder haben könnte und ich habe sofort mit ihr vereinbart,<lb/>
dass sie uns die SErie schicken soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: BItte eventuell gegen BEzahlung die Bilder für<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> verlangen, ich wurde sie dann im<lb/>
Sommer für ihn mitnehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_06">Bei der Schlussitzung und der UNterfertigung des Vertrages und des<lb/>
Protokoll gab es keine neuen Gesichtspunkte. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> erwartet,<lb/>
dass ich im September spätestens nach Moskau komme. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat mir<lb/>
erzählt, dass er ihn bereits driemal eingeladen hat und er dies<lb/>
bis jetzt immer verschoben habe. Er selbst würde deshalb am leibsten<lb/>
mit mir gemeinsam nach der SU reisen. Ich glaube, dass diese eine<lb/>
gute Gelegenheit wäre, neuerdings zu dokumentieren, wie auf der<lb/>
einen Seite die Kammern sich für dieses Problem interessieren und<lb/>
ich andererseits die Kamern aber jederzeit bereit bin eben mitzu<lb break="no"/>nehmen. Ich nämlich überzeugt, dass auch <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> gerne wieder<lb/>
mitfahren wird. Beider Schlussbesprechung habe ich noch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthof</rs> aufmerksam gemacht, dass die Attacken in der<lb/>
Presse auf die Informationen der internaitonalen Ölgesellschaften<lb/>
zurückzuführen seien. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der dazukam, konnte sich gerade<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> kam zu mir und sagte mit dann unter vier Augen, dass noch<lb/>
niemals ein Minister ihn so unterstützt hat und dass er sich dafür<lb/>
herzlichst bedankt. Auch Botschafter <rs type="person" ref="#per__137273">Haymerle</rs> hat mir dann unter<lb/>
vier Augen neuerdings versichert, dass es ungeheuer wichtig war,<lb/>
den Vertrag zu unterschreiben und zuzusagen, dass jetzt die österr.<lb/>
Seite alles daransetzen wird, um diesen Vertrag mit Leben zu erfüllen<lb/>
Er glaubt, dass wir nur mehr einige Jahre haben, wo wir uns in der<lb/>
sowj. Bürokratie und im Plangeschehen unseren Absatz sichern können.<lb/>
Österreich ist nicht mehr der Liebkind in Moskau, welches man zum<lb/>
Beweis aufpäppelt und immer wieder als Musterbeispiel dem Westen<lb/>
gegenüber präsentiert. ICh kann mir lebhaftest vorstellen, wenn man<lb/>
immer von Leuten umgeben ist, die nur jede Gelegenheit dazu benützen<lb/>
um zu sagne, wie gut man ist, wie phantastisch man abgeschlossen<lb/>
hat usw., dass man dann wirklich sehr bald hochnäsig wird und wo<lb break="no"/>möglich sich dann einbildet, dass dies alles wahr sei. Ich kann mir<lb/>
nicht vorstlelen, dass andere Minister vor mir dies nicht mindestens<lb/>
auch so gut geamcht haben.Sollten sie es schlechter gemacht ahben,<lb/>
bin ich überzeugt davon, haben die Bürokraten und die Firmen auch<lb/>
nur immer behauptet, dass dies das Beste gewesen sei.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-02-01_07"><rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mit Sektionsrat <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> eine Lösung für die Grundsatz<lb break="no"/>gruppe besprochen. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> wäre bereit, wenn er mit Dekret stellv.<lb/>
Leiter der Grundsatzgruppe wird, keinen Einspruch zu erheben, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> nachdem die Grundsatzgruppe von <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf alle Fälle abgegeben<lb/>
wird, diese führt. Damit würde eine gerechte Lösung gegenüber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> gefunden werden. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> war bereits in der Arbeiterkammer der<lb/>
Meinung, dass eine Führung einer Institution, ob Arbeiterkammer<lb/>
oder auch Ministerium, auf das wir allerdings damals nicht im<lb/>
entferntesten dachten, ausser der Tagesarbeit eben eine Grundsatzgrup<lb break="no"/>pe haben müsse. In dieser sollten die Probleme genauest untersucht<lb/>
werden und längerfristige Programme erarbeitet werden. Die Konzep<lb break="no"/>tion ist deshalb immer von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> in diesem Punkt ausgegangen. Ich<lb/>
glaube, es wäre wirklich die Krönung seines Lebens, wenn er jetzt<lb/>
diese Konzeption nicht nur in der Tat verwirklicht sieht, sondern<lb/>
auch Leiter dieser Konzeption wird.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 1.2.1973</head>
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