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            <title type="main">Freitag, der 19. Jänner 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_01">Freitag, 19. Jänner 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_02">Der finnische Journalist <rs type="person" ref="#per__137278">Karijalainen</rs>, der in Belgrad seinen Sitz<lb/>
hat und für das finnische Fernsehen eine TV-Aufnahme machte, vertrat<lb/>
mir gegenüber dann die Ansicht, dass die SU die EG-Probleme so lösen<lb/>
möchte, dass der COMECON als Gesamtes mit den europäischen Gemein<lb break="no"/>schaften verhandeln sollte resp. möchte. Schwierigkeiten, auf die ich<lb/>
hinwies, ergeben sich allerdings dann, dass sowohl Rumänien als auch<lb/>
Jugoslawien in einen Block einbezogen werden, den sie eigentlich wie<lb/>
jetzt der Beitritt Rumäniens zur Weltbank und zum Währungsfonds zeigt,<lb/>
auflockern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass tatsächlich die Rumänen<lb/>
und die Jugoslawen bereit sind, ihre Möglichkeiten der bilateralen Be<lb break="no"/>sprechungen zwischen den Staat und den EG auf das COMECON zu über<lb break="no"/>tragen. Abgesehen davon, glaube ich kaum, dass Brüssel bereit- ist,<lb/>
diese Konzeption <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnews</rs> zu akzeptieren. Ich bin sehr gespannt,<lb/>
was <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> in dieser Hinsicht mitteilen, resp. welche Vorschläge<lb/>
er eventuell machen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_03">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs> von Siemens hat sich bei der Rechenanlage, die <rs type="person" ref="#per__97442">Firn<lb break="no"/>berg</rs> jetzt für die Universitäten und für die wissenschaftliche Forschung<lb/>
ausschreibt beteiligt. Auf einem US-Test-Verfahren, welches ein Dozent<lb/>
der TH für <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> durchführt, ist Siemens aber schlecht herausgestiegen.<lb/>
Die beste Anlage war in dem Fall Controll-Data, eine amerikanische<lb/>
Firma. <rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs> fürchtet nun, dass auf dieser Rechenanlage auch die Schu<lb break="no"/>lung unserer EDV-Fachleute durchgeführt wird und damit Siemens kaum<lb/>
Chancen hat, in Hinkunft bei Ausschreibungen berücksichtigt zu werden,<lb/>
weil eben die Studenten nachher schon immer wieder auf amerikanische<lb/>
Anlagen zurückgreifen werden. Siemens hat nun mit der franz. Firma<lb/>
CII einen Europa-Computer in Absicht, wobei auch Philips sich daran<lb/>
beteiligen sollte. Siemens hat sich zu diesem Zweck von der amerika<lb break="no"/>nischen Firma RCA gelöst. Dieser Europa-Computer soll 1975/76 ein<lb/>
neues System herausbringen, das zweieinhalbmal schneller ist als<lb/>
das derzeitige. Die jetzt vorliegenden Offerte für die Rechenanlage<lb/>
der <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> haben auch ergeben, dass Siemens viel zu langsam ist.<lb/>
Darüber hinaus aber ist Siemens, wie ich mit dann bei der Akteinsicht<lb/>
überzeugen konnte, wesentlich teurer. Er hätte 1,8 Mill. S Monatsmiete<lb/>
verlangt gegenüber Controll Data mit 1,3 Mill. <rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs> erklärte mir,<lb/>
er wäre selbstverständlich bereit, den Preis wesentlich zu reduzieren.<lb/>
Da ich ihm erklärte, wenn überhaupt eine Chance besteht, dass man<lb/>
Siemens anstelle von amerikanischen Firmen nimmt, dass entsprechende<lb/>
<pb n="14-0058" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-19_0058.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>preisliche Zugeständnisse notwendig sind. Dies war, wie ich ihm erklärte,<lb/>
der Grund, warum die Patentdokumentation nicht auf IBM sondern auf<lb/>
Siemens sich festlegte. Über diesen Tatbestand war <rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs> sehr erfreut<lb/>
da er mir dann zugutehielt, dass ich als Industrieminister meinen Ein<lb break="no"/>fluss geltend machte, dass eben österreichische Firmen zumindestens<lb/>
Firmen, wo Österreich mit 49 % beteiligt ist, favorisiere. Ich versprach<lb/>
ihm nur, mit <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> darüber zu sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte zu klären, ob hier überhaupt<lb/>
noch eine Möglichkeit besteht, dass man tat<lb break="no"/>sächlich österreichischen Firmen dieses Geschäft<lb/>
zukommen lässt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_05">Die Kinderfreunde-Vertreter <rs type="person" ref="#per__126513">Hanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__127015">Matzenauer</rs> und der Pflichtschul-<lb/>
Elternvertreter <rs type="person" ref="#per__149118">Valentin</rs> protestierten bei mir gegen die Schulzeit<lb break="no"/>gesetz-Novelle, welches die Vorverlegung der Schulferien für Wien,<lb/>
NÖ und Burgenland vorsieht. Nach Mitteilung von Valentin soll dann an<lb break="no"/>stelle von Wien, NÖ und Bgl. – Steiermark und Kärnten eine Woche vorziehen.<lb/>
Die Kärntner legen angeblich grössten Wert darauf und wünschen dies<lb/>
bereits seit Jahren. Durch die Vorverlegung der Hauptsaison in Wien,<lb/>
NÖ und Bgl. würde die Fremdenverkehrswirtschaft eine kürzere Vorsaison<lb/>
haben und dadurch den Vorschulpflichtigen nach ihrer Auffassung sogar eine<lb/>
Verteuerung der Ferien bringen, da sie nur mehr kürzere Möglichkeiten<lb/>
haben. Ich teile diese Meinung keinesfalls, da die Verlängerung der<lb/>
Hauptsaison für Schüler automatisch bedingen muss, dass die konzen<lb break="no"/>trierte Nachfrage sich auf mehrere Wochen verteilt. Ich wies darauf hin,<lb/>
dass die Ärzte sogar eine Zweiteilung der Ferien möchten und Winter<lb break="no"/>ferien immer wieder im Anschluss an die Weihnachtsfeiertage von Seiten<lb/>
der Fremdenverkehrswirtschaft verlangt werden, um die tote Saison zu<lb/>
überbrücken. Die Kinderfreunde machten mir eine interessanten Gegen<lb break="no"/>vorschlag: sie meinen, dass in Hinkunft die Semesterferien von den<lb/>
Pflichtschulen und an allgemein bildenden Höheren Schulen zusammenfallen.<lb/>
Die Trimester von AHS werden aufgelöst. Bei den Pflichtschulen gibt es<lb/>
nun zwei Tage Semesterferien, nämlich Montag und Dienstag, wenn nun<lb/>
der Direktorstag Peter und Paul, Allerseelen und Leopoldi noch dazugenommen<lb/>
werden, ergibt sich leicht die Möglichkeit eine ganze Woche im Feber<lb/>
und zwar Anfangs bis Mitte Feber eine entsprechende Winterferienwoche zu<lb/>
schaffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mitteilen, dass man diese Idee verfolgen<lb/>
sollte, wobei ich mich keiner grossen Hoffnung<lb/>
hingebe, das es sich meistens um kirchliche Feier<lb break="no"/>tage handelt, die allerdings nicht arbeitsfrei<lb/>
sind.</p><pb n="14-0059" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-19_0059.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_07">Ich habe abends im Metro-Kino bei der Uraufführung von KAIN<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> über dieses Problem kurz gesprochen. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> meint,<lb/>
wir sollten jetzt einmal die Begutachtung der Gesetzesnovelle ab<lb break="no"/>warten und nachher entsprechende Absprachen führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_08">Bei der Überreichung von Zeugnissen für die Management-Schulung<lb/>
anderer Beamten, an der auch Ing. <rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> vom ÖPZ anwesend war,<lb/>
verpflichtete ich mich in aller Öffentlichkeit, dass wir diese<lb/>
Schulung fortsetzen werden. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> hat mir nämlich mitge<lb break="no"/>teilt, dass er befürchtet, für heuer keine Budgetmittel dafür zu<lb/>
bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: Ich glaube, dass die notwendigen Beträge aufge<lb break="no"/>bracht werden können, wenn man die Unterbrin<lb break="no"/>gung der Teilnehmer z.B. im ÖMV-Heim am<lb/>
Semmering arrangieren kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_10"><rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> erzählte mir auch dann, dass der ÖPZ wesentlich bessere<lb/>
Schulungskurse für Management macht als dies z.B. das Innenministerium<lb/>
durchführte. Die Propaganda aber war insoferne beim Innenministerium<lb/>
erfolgreicher, als dies in der Öffentlichkeit so dargestellt wurde,<lb/>
als wenn die erste und einzige Management-Schulung im Behördenbe<lb break="no"/>reich von ihm durchgeführt würde. In Wirklichkeit hat es sich hier<lb/>
nach Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> nur um Vorträge gehandelt, die über<lb break="no"/>haupt keinerlei Management-Schulungs-Charakter zeigten. Der Organisa<lb break="no"/>tor war die Industriellenvereinigung <rs type="person" ref="#per__139644">Leitner</rs>. <rs type="person" ref="#per__139645">Reitschitz</rs> wollte bei<lb/>
dieser Gelegenheit auch gleich die weiteren Arbeiten für das Jahr<lb/>
1973 mit mir besprechen und vor allem finanzielle Zusagen haben.<lb/>
Das ÖPZ hat derzeit 44 Angestellt und beschäftigt angeblich noch<lb/>
60 Konsulenten, die 2 – 9.000 S pro Monat fast wie die Angestellten<lb/>
beziehen. <rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> meinte, er hätte nicht einmal das Geld,um das ÖKW,<lb/>
welches jetzt mit der ÖPZ zusammengelegt werden soll, zu finanzieren.<lb/>
Im ÖKW sind sage und schreibe zwei Angestellte. Sowohl <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> als auch.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> aber ganz besonders ich, liessen <rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> nicht im Unklaren,<lb/>
dass wir derzeit keine Chance sehen, seine Anforderungen auch nun<lb/>
annähernd zu erfüllen. <rs type="person" ref="#per__139645">Reischitz</rs> wird ein wesentlich vereinfachtes<lb/>
und damit auch wesentlich verbilligtes Konzept mit <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> be<lb break="no"/>sprechen. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat recht, wenn er darauf hinweist, dass uns Studien<lb/>
mit hunderten von Seiten gar nichts nützen und auch Konzepte,<lb/>
die wieder hunderte von Seiten von unseren Beamten produzieren würden,<lb/>
unbrauchbar sind, sondern dass wir ein System finden müssen, wo wir<lb/>
<pb n="14-0060" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-19_0060.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit wenigen Kennziffern einen Informationsfluss aufbauen, der<lb/>
für alle zielführend ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_11">Der Präsident und der Kammeramtsdirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__147030">Martin</rs> von der Tier<lb break="no"/>ärztekammer, wollte bei einer Vorsprache die Entlastungssätze<lb/>
geändert. In der Diskussion stellte sich dann heraus, dass dies<lb/>
deshalb nicht notwendig sei, weil die gesetzlich normierten<lb/>
Tarife schon jetzt vorsehen, dass die Umsatzsteuer dazukommt. Wenn<lb/>
daher für TBC- und Bang-Proben statt 25 S im Tarif sowieso nur<lb/>
20.- S verlangt werden dürfen, oder wenn für Impfungen anstelle<lb/>
von 15.- S 8.50 S nur verlangt werden kann, so gibt es jetzt<lb/>
die Möglichkeit, dass zu diesen öffentlich Tarifen die Umsatzsteuer<lb/>
dazugelegt werden kann, sodass die Änderung oder Entlastung nicht durch<lb/>
geführt werden muss. Bei dieser Gelegenheit konnte ich feststellen,<lb/>
dass die Tierärzte sehr wohl sehr froh sind, dass sie aus dem<lb/>
Landwirtschaftsministerium herausgekommen sind und derzeit beim<lb/>
Gesundheitsministerium ressortieren. Wenn ich mir vorstellen, dass<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> bei der Beratung über dieses Problem gemeint hat,<lb/>
dass es so unzweckmässig ist, dass die Tierärzte vom Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium wegkommen und man den Eindruck haben müsste, das nicht<lb/>
nur die Bauern sondern auch diese froh sind, dass sie beim Landwirt<lb break="no"/>schaftsminister ressortieren, so glaube ich, ist hier wirklich die<lb/>
Bürokratie im Landwirtschaftsministerium der einzige gewesen, der<lb/>
in Erfüllung des Bauernbundauftrages diese Forderung bis zum<lb/>
letzten vertreten hat. Dr. <rs type="person" ref="#per__147030">Martin</rs> und der Präsident erzählten mir,<lb/>
dass sie schon vor Jahrzehnten die Forderung erhoben haben,<lb/>
endlich vom Landwirtschaftsministerium wegzukommen. Die Ministerial<lb break="no"/>bürokratie dürfte dort wirklich sehr stark sein und vor allem<lb/>
die einzelnen Gruppen fast beherrschen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_12">Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> berichtet mir über das Berggesetz, dass er jetzt<lb/>
mit der Handelskammer aber auch mit der Arbeiterkammer und vor allem<lb/>
der Industriellenvereinigung abschliessend Besprechungen führen<lb/>
möchte. Die Gutachten dieser Stellen sind noch immer nicht gekommen<lb/>
und er möchte meine Meinung, ob er weitere Terminverlängerungen zu<lb break="no"/>gestehen sollte. Natürlich erkläre ich, dass es eigentlich auf die<lb/>
8 oder 14 Tage auch nicht mehr ankommt und viel wichtiger ist<lb/>
die verschiedenen Auffassungen doch noch zu bereinigen. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> be<lb break="no"/>hauptet, dass der Fachverband für Mineralölwirtschaft jetzt sich<lb/>
auch dem Berggesetz akkommodieren wird, weil <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärt hat,<lb/>
<pb n="14-0061" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-19_0061.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass die Vorbringung von einzelnen Referenten resp. kleineren<lb/>
Firmen nicht mehr gelten. Die Handelskammer hat diese offenen<lb/>
Punkte resp. Wünsche bereinigt. Offen bleibt jetzt nur mehr, ob<lb/>
die Gemeinden auch noch weitere Parteistellung bekommen sollten.<lb/>
Hofrat <rs type="person" ref="#per__69071">Korn</rs> von der Verbindungsstelle der Bundesländer hat aber<lb/>
bereits wissen lassen, dass die Länder keinen Aufstand wegen<lb/>
Ablehnung dieser Forderung machen würden. Auch die anderen Inter<lb break="no"/>essensvertretungen haben diesen Wunsch der Gemeinden nicht aufge<lb break="no"/>nommen. Die Handelskammer war überhaupt ganz entschieden gegen<lb/>
diese Möglichkeit, dass die Gemeinden Parteistellung weiterhin<lb/>
ausgebaut wird, weil sie dadurch nur eine Erpressung der Gemeinden<lb/>
an die Firmen vermuten und befürchten. Richtig ist, dass sehr wohl<lb/>
jede Gemeinde, wenn sie entsprechende Bohrgenehmigungen oder son<lb break="no"/>stige Änderungen auf ihrem Gemeindegebiet genehmigten, muss dann<lb/>
entsprechende zusätzliche Leistungen von den Ölfirmen erwartet<lb/>
und auch zugesagt bekommen. Hier handelt es sich meistens dadrum<lb/>
dass Strassen oder sonstige öffentliche Wege entsprechend ausge<lb break="no"/>baut werden müssen., die von den Ölfirmen gezahlt werden oder zumin<lb break="no"/>destens ein grosser Zuschuss geleistet werden muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_13">Bei der Uraufführung des Filmes KAIN hat auch <rs type="person" ref="#per__140773">Schönherr</rs> in seiner<lb/>
Eröffnungsansprache darauf hingewiesen, dass nun endlich die Zusage<lb/>
des Herrn Bundeskanzlers, eine Filmförderung zu machen, erfüllt wer<lb break="no"/>den sollte. Da ich neben <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sass, wies ich sofort darauf hin,<lb/>
dass das Gesetz zu jeder Zeit fertig gemacht werden kann, wenn<lb/>
der Finanzminister sich bereit erklärt, einen entsprechenden finan<lb break="no"/>ziellen Beitrag zu leisten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> darüber<lb/>
sprechen. Der Film allerdings, der vom Unterrichtsministerium und<lb/>
von der Gemeinde Wien mit etliche Millionen gefördert wurde, zeigt<lb/>
typisch, dass zwar ein ganz interessanter Film damit entstehen kann,<lb/>
aber wahrscheinlich kommerziell eine Pleite ist. Mir selbst hat dieser<lb/>
Streifen am wenigsten gefallen, weil er nicht, wie <rs type="person" ref="#per__140773">Schönherr</rs> behauptet,<lb/>
aus dem Leben gegriffen ist, sondern eine sicherlich traurige<lb/>
und verwerfliche Tatsache, dass die Welt in Blöcke geteilt ist und<lb/>
dadurch die einzelnen Menschen immer wieder zum Schaden kommen, sym<lb break="no"/>bolisch darstellt. In etlichen Jahrzehnten wird man dies als einen<lb/>
interessanten Dokumentationsfilm bezeichnen. Auch der ORF soll<lb/>
sich an diesem Film wesentlich beteiligt haben. Ich bin neugierig,<lb/>
wann er ihn abstrahlt, wie die Öffentlichkeit darauf reagieren<lb/>
wird.</p><pb n="14-0062" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-19_0062.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-19_14">Was mir in den letzten Tagen aufgefallen ist, dass andere<lb/>
Ministerien über wesentlich höhere Beträge verfügen, die sie<lb/>
für die verschiedensten Aufwendungen, seien es z.B. Computer<lb break="no"/>anschaffungen, Subventionen für Filme usw. ausgeben können. Nicht<lb/>
dass ich sie um diese Beträge beneide, ganz im Gegenteil, ich bin<lb/>
sehr froh, dass wir nicht in dieser Situation sind. Ich muss aber<lb/>
doch feststellen, dass wahrscheinlich hier noch grosse Einspa<lb break="no"/>rungsmöglichkeiten wären. Der Finanzminister kann eben über die Budget<lb break="no"/>ansätze und selbst über das monatliche Präalabel nicht eine wirkli<lb break="no"/>che restriktive Budgetpolitik erreichen. Wahrscheinlich gibt seine<lb/>
Bürokratie für ihre Bedürfniss ebenfalls Geld aus und zwar in<lb/>
einem Ausmass, das auch nicht im Verhältnis zu den Sparerlässen<lb/>
resp. zu den Sparabsichten des Finanzministers passt. Wenn man<lb/>
bedenkt, dass auch andererseits in unserem Ministerium viel Geld<lb/>
danebengeht, ich denke hier z.B. an die Studien, so summiert<lb/>
sich das ganze zu einem ganz erklecklichen Betrag. Darüber hinaus<lb/>
stelle ich immer wieder fest, dass einzelne Stellen oder Behörden<lb/>
sich gegenseitige subventionieren oder Aufträge zuschanzen.<lb/>
Dies dann auf die Kammern und Interessensvertretungen ausgedehnt,<lb/>
ergibt ein ganz nettes System. Wir fördern das Wifi, das Wifi<lb/>
fördert die Hotelfachschule, die Hotelfachschule kann es sich<lb/>
leisten, 8 Professoren mit der Aufgabe zu betrauen, Unterrichts<lb break="no"/>material herzustellen. Diese Ausgabe, die in Wirklichkeit meiner<lb/>
Meinung nach dem Unterrichtsministerium zustände, erspart dem<lb/>
Unterrichtsministerium vielleicht Kosten, vielleicht allerdings<lb/>
ist diese Schule aber so aufwendig, daß man in Wirklichkeit sie<lb/>
rationeller im Rahmen eines Schulverbandes führen könnte, wenn<lb/>
alles das richtig organisiert und zentralisiert wäre. Dies gilt nicht<lb/>
nur für die Schulen der Wifis und der Handelskammer, sondern sicher<lb break="no"/>lich auch für die Schule z.B. der Arbeiterkammer. Die Vielfalt von<lb/>
Aktivitäten vor allem aber die finanzielle Unterstützung dieser<lb/>
Aktivitäten ergibt in Summe gesehen, eine meiner Meinung nach rie<lb break="no"/>sige Belastung der gesamten Volkswirtschaft. Nicht dass ich auf<lb/>
dem Standpunkt stehe, dass eine Zentralisierung wesentlich billiger<lb/>
wäre. Zweckmässiger glaube ich könnte man sie aber auf alle Fälle<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 19.1.1973</head>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Breschnew, Leonid</persName>
               <persName><surname>Breschnew</surname><forename>Leonid</forename></persName>
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               <persName type="label">Patolitschew, Nikolaj S.</persName>
               <persName><surname>Patolitschew</surname><forename>Nikolaj S.</forename></persName>
               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <persName type="label">Reischitz, A</persName>
               <persName><surname>Reischitz</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[unklar; 1972 Schriftführer der Arbeitsgemeinschaft für
                  Managementausbildung bzw. AG Managementinstitute; vorerst nicht
                  gefunden]</occupation>
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               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
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               <persName type="label">Mock, Kurt</persName>
               <persName><surname>Mock</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>MR HM/OB</occupation>
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               <persName type="label">Hanke, Erik</persName>
               <persName><surname>Hanke</surname><forename>Erik</forename></persName>
               <occupation>GESIBA, Kinderfreunde</occupation>
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               <persName type="label">Karjalainen, Ahti</persName>
               <persName><surname>Karjalainen</surname><forename>Ahti</forename></persName>
               <occupation>finn. Außenminister u. Ministerpräs.</occupation>
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               <persName type="label">Matzenauer, Hans</persName>
               <persName><surname>Matzenauer</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>gf. Präs. Wr. Stadtschulrat</occupation>
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               <persName><surname>Gröger</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Leitner, E</persName>
               <persName><surname>Leitner</surname><forename>E</forename></persName>
               <occupation>[unklar; 1972 Kassier der Arbeitsgemeinschaft für Managementausbildung
                  bzw. AG Managementinstitute; vorerst nicht gefunden; ev. ident mit einem anderen
                  Leitner]</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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