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            <title type="main">Donnerstag, der 18. Jänner 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> akzeptieren, dass der Bund sich an einer Lösung durch<lb/>
finanzielle Beteiligung in der Auffanggesellschaft zustimmen. Austro-<lb/>
Mineral hat die Hoffnung oder will zumindestens eine Subvention<lb/>
von 5 Mill. S für die Exploration, um nach Gelit zu suchen. Die Auffang<lb break="no"/>gesellschaft müsste 15 Mill. Gesellschaftskapital aufbringen. Tirol<lb/>
selbst, meint <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>, wäre bereit, maximal ein Drittel dieses Betra<lb break="no"/>ges zu übernehmen. Um den Ball zu <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> zurückzuspielen, erkläre<lb/>
ich mich in einem Schreiben bereit, mit ÖMAG die Verhandlungen zu<lb/>
beginnen, wenn <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> mir Landesrat f. Wirtschaft <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> und<lb/>
für Sozialwesen <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> nominiert.<lb/>
Der Präs. des frnz. Patentamtes <rs type="person" ref="#per__149267">Savignon</rs> wird von mir auf Vor<lb break="no"/>schlag von Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> empfangen, damit wir für die INPADOC Verhandlungen<lb/>
die Franzosen zum ersten Mal ohne die Wipo verhandeln, freudiger stimmen<lb/>
Dem Gespräch zwischen <rs type="person" ref="#per__149267">Savignon</rs> und <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> unter vier Augen teilt mir<lb/>
letzterer dann mit, hat ergeben, dass sie nach Pensionierung des der<lb break="no"/>zeitigen Direktors <rs type="person" ref="#per__137260">Bodenhausen</rs> nicht für den Dr. <rs type="person" ref="#per__137669">Bogsch</rs>, der sich<lb/>
grosse Hoffnungen macht, stimmen werden. Die Franzosen treten für<lb/>
den ehemaligen Vizepräsidenten des Schweizer Patentamtes <rs type="person" ref="#per__149113">Voijan</rs> ein.<lb/>
Die Franzosen wären eventuell bereit, uns zu unterstützen, dass neben<lb/>
München und Berlin, den Haag und Stockholm das österr. Patentamt für<lb/>
Europa die Aufbereitung von Material für Recherchenanfragen der INPADOC<lb/>
zur Verfügung zu stellen, zu unterstützen. Andererseits lehnen aber<lb/>
die Franzosen ganz entschieden ab, dass Wien eine Zweigstelle des<lb/>
internationalen Patentinstitutes werden sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_03">Im Bundesparteivorstand wird die Berufung <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs> zum Präsident der<lb/>
Nationalbank und damit DR. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> zum Generaldirektor sowie vor allem<lb/>
der neue Vorstand 3 : 3 bis jetzt 4 ÖVP 2 SPÖ, nämlich <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs><lb/>
beschlossen. Als drittes Vorstandsmitglied wird <rs type="person" ref="#per__114620">Seeböck</rs>, der bereits<lb/>
beim letzten Mal gehofft hatte, dass er anstelle von <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> in den<lb/>
Vorstand kommt, endgültig beschlossen. Als Vizepräsident wird <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrun<lb break="no"/>ner</rs> neuerdings nominiert. Der zweite Vizepräsident wird von der ÖVP<lb/>
gestellt und dabei zwischen den Bauern und Industriellenvereini<lb break="no"/>gung noch keine endgültige Entscheidung fällt, wer von diesen beiden<lb/>
Gruppen dieses Mandat bekommt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet, dass sich auch für<lb/>
den Vizepräsidenten Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> beworben hat. Doch sieht er<lb/>
keine Möglichkeit, ihn vorzuschlagen</p><pb n="14-0051" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-18_0051.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_04">Der lustigste Tagesordnungspunkt ist wieder einmal die Partei<lb break="no"/>finanzierung und das Parteibudget für 1973. Die Unterlagen werden<lb/>
ausgeteilt, dann referierte <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> als neuer Parteisekretär,<lb/>
niemals ergibt sich daraus eine Debatte, die Unterlagen werden wieder<lb/>
eingesammelt. Wenn ich mir vorstelle, dass zu demselben Zeitpunkt<lb/>
in der ÖVP über die Finanzen und Parteibudgetfragen heftige Dis<lb break="no"/>kussionen sind an sich dann kein endgültiger Entschluss nämlich<lb/>
dass die Zentralpartei auch dort Geld braucht, durchsetzen liess,<lb/>
sondern erst nächstes Jahr geregelt werden soll, dann kann man den<lb/>
Unterschied zwischen einer zentralgelenkten, stark geführten SPÖ<lb/>
und der nach Bünden aufgeteilten und nur schwach geführten ÖVP<lb/>
kennenlernen. Ich selbst habe in den vergangenen Jahrzehnten erlebt,<lb/>
wie der starke Bundeskanzler und Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> auch nicht im<lb break="no"/>stande war, die Finanziellen Fragen der ÖVP zu lösen. Er hat sich ein<lb break="no"/>mal im Rahmen der Sozialpartnerschaft bei <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> über die Landwirtschaft<lb/>
beschwert und gleichzeitig lustig gemacht, die ihm glatt geschrieben<lb/>
hat, Geld kriegst Du keines, mit Brudergruss – der Bauernbund.<lb/>
Aus dem Budget ergab sich, dass für Agitation und p.r. wo für<lb/>
1972 7,7 Mill. vorgeschlagen waren, 12,5 Mill. ausgegeben wurden,<lb/>
1973 nur 5,7 Mill. im Budget eingesetzt werden können, um ein ausge<lb break="no"/>glichenes Budget zu erreichen. Die Ausgaben aber sollen mindestens<lb/>
11 Mill. S betragen. Hier wäre es dann Pflicht, so meinte <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>,<lb/>
dass die soz. Gewerkschaftsfraktion wesentliche Beiträge leistet.<lb/>
Robert Weisz, neben dem ich sitze, und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der visavis am Tisch<lb/>
diese Bemerkung hörte, meinte, dass die Gewerkschaftsfraktion schon<lb/>
so viel Geld gegeben hat und bei Wahlen immer wieder gibt, dass sie<lb/>
nicht imstande sein wird und wahrscheinlich auch gar nicht willens<lb/>
ist, alle die Ausgaben, die die SPÖ tätigt, auch letzten Endes dann<lb/>
zu finanzieren. Allerdings kann ich feststellen, dass aber dann doch<lb/>
immer wieder der ÖGB,d.h. die Fraktion einspringt. Für die soz.<lb/>
Korrespondenz und die Arbeiterzeitung wird statt 570.000 S 1,5 Mill.S<lb/>
ausgegeben. Sozialfondsrücklage soll wieder 3,5 Mill. S gegeben werden<lb/>
die grösste Posten sind die Gehalte, die Bezirkssekretär kosten 1972<lb/>
16,5 Mill. und heuer 18,5 Mill. Die Gehälter der Zentrale 2,8 Mill.<lb/>
und heuer 3 Mill. Nächstes Jahr soll eine Aktion der Partei starten,<lb/>
die mit 1 Mill. dotiert ist. Haupteinnahmen sind nach wie vor die<lb/>
Mitgleidsbeiträge, die von Vollmitgliedern 27,5 wie 1972 und erm.<lb/>
Beitrag 10,4 ebenfalls wie 1972 betragen soll. Die Gesamteinnahmen<lb/>
waren 1972 42 Mill. und sollten auch 1973 mit 41 Mill.. begrenzt<lb/>
sein. Die Ausgaben waren 1972 45,9 Mill. und wieder 1973 41 Mill. S<lb/>
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Wie sich auch 1972 herausgestellt hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_05"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat ganz kurz nur berichtet, dass er für das KWG und<lb/>
Sparkassengesetz eine Kommission möchte und <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> als Vorsitzender<lb/>
meinte, dass man dies insbesondere die Nominierung der einzelne Ge<lb break="no"/>nossen im Präsidium erst besprechen wird. Die Sitzung musste dann<lb/>
ganz kurzfristig unterbrochen werden, weil nämlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
gleich nach Beginn der Bergbauernproblematik mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> unter<lb/>
vier Augen Besprechungen führte. Die Ländervertreter haben ganz<lb/>
besonders darauf gedrungen, dass auch ein Staatssekretär bei <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
kommen sollten. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und die Gewerkschaftsfraktion waren aber dagegen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> meinte allerdings, die Länder seien sehr erbost, da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ihren Bedürfnissen teilweise überhaupt nicht Rechnung trägt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet dann ganz am Ende bei seinem Referat, dass er<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> vereinbart habe, einen Mann anzustellen, der mit Sonder<lb break="no"/>vertrag und Konsultentätigkeit sich dem Bergbauerngebiet und der<lb/>
Raumplanungsfrage in diesem Sektor besonders widmen soll. Eine<lb/>
Person wurde nicht genannt, weil man nicht weiss, ob Dr. <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs><lb/>
überhaupt bereit ist unter diesen Bedingungen die Arbeit zu übernehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113055">Tillian</rs> meinte dann in der Diskussion, es sollte doch wenn möglich<lb/>
ein Mann des Vertrauens der SPÖ, d.h in diesem Fall ein Sozialist genom<lb/>
men werden. <rs type="person" ref="#per__98080">Winkler</rs> meldete sich dann auch noch meinte, dass für tak<lb break="no"/>tische Fragen sie Verständnis hat, wenn man <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs> nimmt, aber für den<lb/>
Bedarfscharakter würde sie weniger für einen Mann, der nicht Sozialist<lb/>
ist, plädieren und schlägt vor, man sollte doch einen Arbeitsbauern<lb break="no"/>bündler dafür ausersehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwiderte, dass er keine persönliche<lb/>
Festlegung wünsche, macht aber darauf aufmerksam, dass <rs type="person" ref="#per__97796">Öllinger</rs> nur<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs> unterstüzt wurde. Nach Abberufung <rs type="person" ref="#per__97796">Öllingers</rs> hätte <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs><lb/>
ihn in diesen Fragen beraten, da ihm die Bergbauern mehr am Herzen<lb/>
liegen als die politische Solidarität mit seiner Partei. Auch der<lb/>
Vorschlag der Bergbauernhilfe von 300 Mill. geht auf <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs> zurück.<lb/>
Für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist dies aber keine taktische Entscheidung, weil er solche<lb/>
überhaupt niemals dem Parteivorstand vorschlagen würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_06">Für das ORF-Gesetz wurde eine Kommission beschlossen, Obwohl <rs type="person" ref="#per__140108">Csoklich <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add></rs><lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückte, erklärt hat, niemand wird darin mitarbei<lb break="no"/>ten. Es seien aber jetzt bereits Betriebsräte und Journalisten, <rs type="person" ref="#per__97777">Nenning</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__115016">In der Maur</rs> z.B. sowie Juristen, Dr. <rs type="person" ref="#per__143640">Ringhofer</rs>, und die Gewerkschaft<lb/>
Kunst und Freie Berufe sehr wohl bereit, in einer Kommission mitzuarbeiten.</p><pb n="14-0053" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-18_0053.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_07">Die expeditive Arbeit dieser Kommission kann man nach der<lb/>
ersten Sitzung bereits feststellen und dann festlegen, ob heuer<lb/>
noch die Novelle über die Bühne gehen wird, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> annimmt,<lb/>
weil ihn dazu insbesondere auch die Gewerkschaftsfraktion drängt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_08">Im grossen Stahlgesetz wurde die zuerst vorgesehene konkrete Ab<lb break="no"/>grenzung zwischen der Mutter und Tochter in 6 Punkten wieder aus<lb/>
der Novelle herausgenommen. Die Regierung hat diese Novelle noch<lb/>
nicht beschlossen. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> [evtl. Falschidentifikation, Anm.] und <rs type="person" ref="#per__137310">Scheibengraf</rs> aber möchten unbedingt<lb/>
dass wieder eine solche Bestimmung aufgenommen wird, weil dadurch<lb/>
eine ordnungsgemässe Konzernierung und die Verantwortung der Vorstände<lb/>
klargestellt ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwiderte, dass die Formulierung ihren<lb/>
seinerzeitigen Absprachen entspricht und hat <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> aufgefordert, <lb/>
dies neuerdings mit <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> zu klären. Andererseits aber hat er sich<lb/>
dann dagegen gewehrt, dass eine Abstimmung erst dann erfolgen soll,<lb/>
bis der Text endgültig vorliegt, wie insbesondere <rs type="person" ref="#per__97935">Sebastian</rs> wünschte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_09">Durch eine grosszügige Aufklärungsaktion SPÖ – Garant ihrer Sicher<lb break="no"/>heit, von der Geburt bis zum späten Alter in allen Phasen – soll gegen<lb/>
die zu erwartende Kampagne der ÖVP – die Regierung hat versprochen<lb/>
und nichts gehalten – Stellung genommen werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass<lb/>
die Massenmedien jetzt gegen die Regierung sind und ganz besonders<lb/>
die Zeitungen. Der Tiefpunkt sei im Herbst des Vorjahres aber<lb/>
erreicht worden und jetzt gehe es schon bergauf, da die Mehrwertsteuer<lb/>
nicht die Krisensituation gebracht hat, die man angenommen hat.<lb/>
Auch beim Ortstafelkonflikt wird man letzten Endes so wie bei der<lb/>
EWG-Lösung dann sagen, es war doch richtig, wie entschieden wurde.<lb/>
Seine Pariser Reise wird jetzt nicht mehr so negativ kommentiert<lb/>
weil man erkannt hat, dass in der Aussenpolitik er doch schwer anzu<lb break="no"/>greifen ist. Man schlägt jetzt deshalb auf <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und bezeich<lb break="no"/>net ihn womöglich jetzt als Klassenverräter, weil er die Regierung<lb/>
vertreten ist und insbesondere die gute Aussenpolitik macht. Der<lb/>
Angriff lautet aber dann: Die Aussenpolitik macht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Deshalb<lb/>
wird er angegriffen. Tatsache, dass die ÖVP keine Gesinnungsgemein<lb break="no"/>schaft ist, sondern nur einen ideologische kleine linke Gruppe von<lb/>
Katholiken hat, zeigte sich wieder bei der Vietnam-Demonstration.<lb/>
Die Organisationen, auch die sozialistischen sind und sollen dagegen<lb/>
sein. Die Einzelperson aber kann selbstverständlich daran teilnehmen<lb/>
und niemand wird dafür zur Verantwortung gezogen. Wenn man aber ein<lb/>
so ein Interessenshaufen ist, wie die ÖVP, dann gibt es darüber<lb/>
grossen Streit. <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> erklärte dann auch noch die Vietnam-Beschlüsse<lb/>
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Stellungnahme der letzte Absatz von der AZ weggelassen wurde, wo die<lb/>
SJ verurteilt wird, weil sie als Organisation diesen Aufruf unter<lb break="no"/>schrieben hat. <rs type="person" ref="#per__113613">Scheuch</rs> erklärt, dass dies keine Zensur hätte sein sollen.<lb/>
sondern nur der Redakteur dies weggelassen hat, weil der Absatz so ver<lb break="no"/>schlüsselt war, dass sich niemand ausgekannt hätte. Zum Schluss wird<lb/>
noch der neubestellte Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hereingerufen und be<lb break="no"/>glückwünscht und er bedankt sich für das Vertrauen, das man ihm entgegen<lb/>
gebracht hat und wird alles daransetzen um dies zu erfüllen. Ich mache<lb/>
die Bemerkung zu Robert Weisz, dass ich ihm schon vor längerer Zeit kondo<lb break="no"/>liert habe. <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> ist sich auch vollkommen klar darüber, welche schwie<lb break="no"/>rige Aufgabe <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> haben wird, Allerdings ist es der erste Staats<lb break="no"/>sekretär der eine konkrete Abgrenzung seiner Tätigkeit vorfindet. Damit<lb/>
ist allerdings noch nicht gesagt, ob er tatsächlich mir <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
so harmonieren wird und kann, dass <rs type="person" ref="#per__135724">Markowitz</rs> der Personalreferent tat<lb break="no"/>sächlich ausgeschaltet wird und nicht neuerdings mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann die<lb/>
Personalfragen ebenfalls bespricht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_10">Bei der 50. Berufsausbildungssitzung danke ich den Delegierten der<lb/>
AK, ÖGB und HK für ihre bis jetzt geleistete Arbeit und bitte sie,<lb/>
dass sie in Hinkunft der Berufsausbildung noch mehr Augenmerk zuwenden<lb/>
Ich habe ja eine eigene Kommission eingesetzt, damit ein besseres Berufs<lb break="no"/>ausbildungssystem geschaffen werden könnte. Der Vorsitzende, Konsul<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139777">Häusler</rs>, möchte, dass ein besserer Kontakt mit dem Unterrichtsministerium<lb/>
hergestellt wird. Er meint, dass zumindestens die Lehrpläne dem Beirat<lb/>
zur Begutachtung übermittelt werden sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Dieses Verlangen ist mehr als berechtigt, bitte<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> -Sekretariat besprechen. Falls<lb/>
dort eine positive Erledigung nicht möglich ist,<lb/>
werde ich selbst mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> reden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_12">Dr. <rs type="person" ref="#per__116352">Gineff</rs>, ein Bulgare, der mit <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> engsten Kontakt hat, kommt und<lb/>
bringt uns eine Formulierung für den bulg. zehnjährigen Handelsvertrag.<lb/>
Die Bulgaren arbeiten scheinbar auf mehreren Ebenen zumindestens ist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116352">Gineff</rs> ein Mann, der sich immer wieder einmischt, obwohl er eigent<lb break="no"/>lich gar keine offizielle Funktion in dieser Frage bekleidet. Bulgaren<lb/>
möchten beim Staatsbesuch <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs> im April bereits den Vertrag fertig<lb/>
haben, damit er bei dieser Gelegenheit von <rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> und mir unterzeichnet<lb/>
werden könnte. Dagegen haben wir nichts einzuwenden, wenn wir uns über<lb/>
die Meistbegünstigungsfrage dann endgültig einigen können. <rs type="person" ref="#per__116352">Gineff</rs> bekommt<lb/>
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Bundesländer nach Dornbirn einladen und dies natürlich viel Geld kostet.<lb/>
Ist erkläre mich ausserstande, einer einzelnen Messe für Sonderprogramme<lb/>
eine Subvention zu geben. Ich verweise ganz besonders darauf, dass die<lb/>
Zusage des Finanzministers, die Salzburger zum Ausbau einer Ausstellungs<lb break="no"/>halle durch einen grösseren Betrag zu unterstützen, auf den heftigsten<lb/>
Widerstand und Kritik der anderen Messe-Städte getroffen ist. Ich kann<lb/>
nur für aussergewöhnliche Ereignisse, wie z.B. den Brand, wo wir glaube<lb/>
ich eine kleinere Subvention gegeben haben, oder vor allem wenn es sich<lb/>
um Projektionsarbeiten handelt, entsprechende Zuschüsse leisten. Da die<lb/>
Dornbirner Messe ein ganz neues Gelände erschliessen möchte, erkläre<lb/>
ich mich bereit, dass zu diesem Zeitpunkt dann sehr wohl von uns eine<lb/>
Planungsbeihilfe gegeben wird. Ähnlich wie wir dies bei Planungen von<lb/>
Industriesiedlungen und -gründungen machen, so wie jetzt für das Fremden<lb break="no"/>verkehrsgebiet Rauris. kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass wir auch<lb/>
für die entsprechende zweckmässige Planungen einer zukünftigen Messe<lb break="no"/>stadt entsprechende Zuschüsse leisten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_14">Mit <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> bespreche ich meine nächsten Reisen und ganz besonders die<lb/>
Verhandlungen mit der SU – <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs>. Das Reiseprogramm wird immer<lb/>
grösser weil letzten Endes auch die Beamten gerne mich dorthin begleiten<lb/>
wollen und deshalb sehr wohl sachliche Gründe vorgehen, dass ich in alle<lb/>
diese Länder womöglich heuer noch reisen müsste. Ich bin auch über<lb break="no"/>zeugt, dass sie dann den entsprechenden Handelsräten und sonstigen Leuten<lb/>
mehr oder minder Zusicherungen machen, die ich dann entsprechend hono<lb break="no"/>rieren muss. Betreffend die Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> einigen wir<lb/>
uns, dass ich sehr wohl in kleinstem Kreis Botschafter <rs type="person" ref="#per__137273">Haymerle</rs>,<lb/>
Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> zuerst unverbindliche Besprechungen mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> und seinen Herren führen werde. In der grossen Kommission<lb/>
wird dann das ganze Programm einmal durchgegangen und wenn es nach uns<lb/>
geht, in kleinen Arbeitsausschüssen dann besprochen werden. Kleine<lb/>
Arbeitsausschusses bedeuten aber nicht, dass die Delegationen klein<lb/>
sein werden, sondern ganz im Gegenteil, dort werden sich alle, die<lb/>
sich bis jetzt angemeldet haben, fast an die 40 mitarbeiten können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> dürfte noch verhältnismässig sehr schwach infolge seiner<lb/>
Krankheit gewesen sein, weil er alle gesellschaftlichen Veranstaltungen<lb/>
ablehnt. Als Geschenk wollen wir ihm von der Nationalbank Stiche geben.</p><pb n="14-0056" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-18_0056.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte schau, ob die russischen Ausdrucke<lb/>
schon fertig sind. Im Text wäre es zweckmässig<lb/>
wenn dort stünde, dass dies ein Präsent des Han<lb break="no"/>delsministeriums oder der Bundesregierung ist.<lb/>
Bei China hat nämlich dort gestanden, dass dies<lb/>
ein Präsent der Nationalbank allein ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-18_16"><rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>, <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> kamen dann, um mir auseinanderzusetzen,<lb/>
dass es nicht zielführend wäre, wenn wir eine eigene Arbeitsgruppe<lb/>
für EG-Fragen einsetzen. Dies könnte in Brüssel missverstanden werden.<lb/>
Ich selbst konnte sie beruhigen, da wir dies gar nicht beabsichtigen,<lb/>
sondern eben in einer Arbeitsgruppe u.a. auch die Wünsche der Sowjet<lb break="no"/>union bezüglich der europäischen Gemeinschaftsdiskriminierung<lb/>
behandeln müssen. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> meinte, man sollte ihnen Wodka und Kaviar<lb/>
neuerdings anbieten. Diese Zollsenkungen würden sie mehr befriedigen,<lb/>
wie er glaubt, als wenn wir ihnen Autos und Maschinen Konzessionen<lb/>
machen. Vor allem aber wehrt er sich dagegen, dass eine Kommission<lb/>
eingesetzt wird, die ausschliesslich die europ- Gemeinschaftsfragen<lb/>
– Zollsenkungen usw. – beschäftigt wird. Er fürchtet, dass damit in<lb/>
Brüssel ein schlechter Eindruck entstehen würde.Vor allem wies er darauf<lb/>
hin, das Vizeminister <rs type="person" ref="#per__112953">Matschulo</rs> sein vergangener Gegenwart, solange<lb/>
er noch bei den Verhandlungen zumindestens anwesend war, als hart<lb break="no"/>näckiger Verhandler auftreten wird. Da die Spannungen zwischen <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> sehr gross sind, hat ihn <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> natürlich überhaupt nie<lb/>
informiert, was er auf diesem Sektor gemacht hat, sondern links liegen<lb/>
gelassen. Andererseits wieder hatte ich feststellen müssen, dass<lb/>
auch die Sektion <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> überhaupt nicht informiert hat und wir z.B.<lb/>
in Bulgarien damals, wenn ich nicht zufällig dabei gewesen wäre, den<lb/>
Bulgaren eine vollkommen falsche Auskunft über die Verhandlungen mit<lb/>
der EG und deren Ergebnis gegeben hätten. Ich hoffe, dass in Hinkunft<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> mehr kooperiert wird als dies in der Vergangen<lb break="no"/>heit zwischen <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> und ihm der Fall gewesen ist. Während es mich<lb/>
gar nicht gestört hat, dass in den vergangenen Jahren <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
vollkommen links liegen liess und gar nicht eingeschaltet hat, glaube<lb/>
ich, dass dieser Zustand in Hinkunft bei <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> nicht so sein dürfte.<lb/>
Die konkreten Verhandlungen mit der SU fürchte ich insoferne nicht,<lb/>
da ich überzeugt bin, dass <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> keine prinzipielle Dis<lb break="no"/>kussion führen wird. auch <rs type="person" ref="#per__112953">Matschulo</rs> nicht, wie <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> befürchtet,<lb/>
sondern sehr handfest Ergebnisse für sowj. Lieferungen d.h. Zoll<lb break="no"/>sendungen erwartet.</p></div>
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               <occupation>Sektionschef und Personalleiter BKA; lt. Sten. Prot. 14, 5051 Vorname
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               <occupation>Fernsehintendant, ORF</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
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               <persName type="label">Patolitschew, Nikolaj S.</persName>
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               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <occupation>OeNB-Personaldirektor</occupation>
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               <occupation>erster ÖGB-Präs.</occupation>
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               <occupation>Handelsdelegierter</occupation>
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