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            <title type="main">Mittwoch, der 17. Jänner 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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österr. Fremdenverkehrsabkommen auseinandergesetzt. Vorarlberg und<lb/>
Salzburg hatten je Bedenken geäussert. Bei <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs>, Salzburger<lb/>
Vertreter, stellte sich dann in der Diskussion heraus, dass er ins<lb break="no"/>besondere befürchtet, dass budgetäre Verpflichteungen, d.h.<lb/>
finanzielle Belastungen durch das Abkommen entstehen könnten. Und<lb/>
dadurch Fremdenverkehrsmittel für die Bundesländer gegebenenfals<lb/>
gekürzt werden könnten. <rs type="person" ref="#per__123822">Gaibacher</rs> von der Steiermark war dagegen<lb/>
sehr dafür und wies darauf hin, dass es für sie durch das Abkommen<lb/>
Möglichkeiten gibt, bei der Grenzabfertigung gegen Jugoslawien<lb/>
doch einigermassen eine mögliche Intervention zu erreichen. Dass<lb/>
z.B. nicht schikanös abgefertigt wird usw. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
kam dann auch zur Sprache, dass die Fremdenverkehrsdirektoren wegen<lb/>
nur so geringen Sitzungen bei der ÖFVW und ganz besonders dass noch<lb/>
immer nicht die Generalveraammlung für die Beschlussfassung des Budgets<lb/>
1973 einberufen wurde, sehr ungehalten sind. Darüber hinaus stellte<lb/>
ich fest, dass sie sehr wohl eine Gemeinschaftsausstellung, sie<lb/>
bezeichnen das als Messe, in vielen Ländern und bei einzelnen Ge<lb break="no"/>legenheiten sehr wohl auch gewünscht werden. Mehr noch als die gelegent<lb break="no"/>lichen Direktoriumssitzungen wurde der Werbeausschuss vernachlässigt.<lb/>
Insgesamt ist er nur ein einziges Mal in dem vergangenen Jahr einbe<lb break="no"/>rufen worden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich glaube, dass man wirklich darauf drängen<lb/>
muss, dass nicht nur die Direktoriumssitzung<lb/>
sondern ganz besonders der Werbeausschuss<lb/>
öfters einberufen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_04">Bei der Besprechung bei den Zweigstellenleitern der ÖFVW wurde sehr<lb/>
systematisch ihre Forderungen von den einzelnen Kolleginnen und<lb/>
Kollegen vorgetragen. Insbesondere möchten sie, dass ihre Gehälter<lb/>
und die ihrer Angestellten wesentlich erhöht werden und dass ganz<lb/>
besonders die entsprechenden Dienstposten insgesamt 11 vermehrt<lb/>
werden. Sie stellten sich allen Ernstes vor, dass z.B. in jeder oder<lb/>
zumindestens in fast jeder Zweigstelle ein P.R.-Mann, d.h. ein<lb/>
Presse-Posten geschaffen wird. Ausserdem wünschten sie, dass ihr Lokale<lb/>
um das Image zu verbessern, doch renoviert gehörten. Für die letztere<lb/>
Forderung hatte ich nicht nur volles Verständnis sondern setzte ihnen<lb/>
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renovieren. Betreffend der Forderungen wies ich darauf hin, dass<lb/>
sie ja jetzt Vertreter gewählt hatten und ich zielführend mit diesen<lb/>
über berechtigte Wünsche verhandeln würde. Betreffend die Personalver<lb break="no"/>mehrung und insbesondere die Schaffung von Presse-Posten erklärte<lb/>
ich, dass dies vollkommen unmöglich sei. Insgesamt hätten die Zweig<lb/>
stellen 11 neue Dienstposten angefordert. von denen allerdings das<lb/>
letzte Mal nur ein einziger Posten genehmigt wurde. Ich verwies<lb/>
darauf, dass viele Botschaften Presse-attaché hätten und dass man<lb/>
doch mit diesem im engsten Einvernehmen gegebenefallss die Pressear<lb break="no"/>beit für Österreich leisten könnte. Die Zweigstellenleiter wieder<lb/>
wiesen darauf hin, dass diese meistens ihre Verbindungen d.h. die der<lb/>
Zweigstellenleiter benützten, um überhaupt erst richtig ins Gespräch<lb/>
mit der ausländischen Presse zu kommen. <rs type="person" ref="#per__146989">Leitner</rs> von Köln war beauf<lb break="no"/>tragt worden über die Ausstellung und deren Zweckmässigkeit zu referie<lb break="no"/>ren. Er meinte, dass es ganz sinnlos ist, wenn man von einzelnen Län<lb break="no"/>dern oder gar von der Fremdenverkehrswerbung z.B. ein Mini-Tirol<lb/>
oder überhaupt eine Österreich-Ausstellung,die viel kostet, nach<lb/>
Montreal oder sonst wohin schickt. Zielführend wären spezialisierte<lb/>
Ausstellungen wie z.B. eine Freizeitmesse in Essen dazu benützt<lb/>
wurde, um über den österr. Angelsport Propaganda zu machen. Die<lb/>
Ausstellung 1973 in Köln wird 1.000 DM nur kosten. Eine Wanderaus<lb break="no"/>stellung, die bereits 27 Einsätze hat und in Schalterhallen von Spar<lb break="no"/>kassen in Deutschland zum Einsatz kam, kostete 6.000 DM. Solche ziel<lb/>
führenden Ausstellungen, die nur so geringen Aufwand kosten, können<lb/>
natürlich von der ÖFVW tatsächlich durchgeführt resp. unterstützt<lb/>
werden. Frau <rs type="person" ref="#per__127905">Schmid</rs>, Paris, sollte mich davon überzeugen, dass<lb/>
Fremdenverkehrsfilme von grösster Bedeutuung sind. Insbesondere war<lb/>
es ihr gelungen, im franz. TV einige abzustrahlen. Allerdings gab<lb/>
sie zu, dass es sich hier um kurze qualitätsmässig hochstehende<lb/>
Filme handeln muss. Insbesondere soll der Film Jet-Austria, die<lb/>
spanische Reitschule, aber auch der Österreich-Kaleidoskop und sogar<lb/>
<rs type="person" ref="#per__85596">Egger-Lienz</rs> gut angekommen sein. Ich verwies darauf, dass ich ein<lb/>
Gegner von Filmaufträgen bin, weil das viel Geld kosten kann und<lb/>
letzten Endes der Film dann doch eine Niete ist, d.h. qualitäts<lb break="no"/>mässig überhaupt nichts bringt. d.h. wenn überhaupt wir gegebenenfals<lb/>
fertige Filme aufkaufen, wenn wir sie gesehen haben und wir sie für de<lb/>
österr. Fremdenverkehr als gut bezeichnen können.</p><pb n="14-0044" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-17_0044.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_05">Mit <rs type="person" ref="#per__149065">Walbach</rs>, Berlin, als erstem Sprecher und <rs type="person" ref="#per__137440">Burda</rs>, London,<lb/>
als zweitem Sprecher der Zweigstellenleiter, führte ich dann<lb/>
die gewünschte Aussprache unter 6 Augen. <rs type="person" ref="#per__149065">Walbach</rs> war seinerzeit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__133333">Illig</rs> hinausgeschmissen worden, weil er sich für die Kollegen<lb/>
eingesetzt hat, die einen zweijährigen vertragslosen Zustand damals<lb/>
hatten und wollte deshalb, dass ich zustimme, dass er unter den<lb/>
Betriebsräteschutz fällt. Ich erklärte, dass ich noch niemals wegen<lb/>
gewerkschaftlicher Tätigkeit gegen jemanden vorgegangen bin, ganz im<lb/>
Gegenteil, dass wenn er aber das Betriebsrätegesetz für sich in<lb/>
Anspruch nehmen will, er dann nach diesem Betriebsrätegesetz, wenn<lb/>
dies überhaupt möglich ist, sich einer Wahl stellen muss und zwar der<lb/>
gesamten ausländischen Vertreter und nicht nur der Zweigstellenleiter.<lb/>
Bei ihren Gehaltswünschen erklärte ich, dass diesbezügliche Ver<lb break="no"/>handlungen jetzt erst beginnen müssten, denn es wäre nicht möglich,<lb/>
dass sie sich die Zibeben aus allen Vorschlägen oder ihren derzei<lb break="no"/>tigen Verträgen herausziehen unter anderem hatten sie wirklich die<lb/>
Illusion, dass sie die Abfertigung von ihren ganzen Bezügen bekommen<lb/>
auch dann, wenn wir sie jetzt teilen, und zwar in eine Inlands<lb break="no"/>tangente und eine Auslandstangente und die Abfertigung natürlich nur<lb/>
von der Inlandstangente bekommen könnten. Sie meinten, dass sie 1 1/2<lb/>
Jahre bereits kein Nachziehen auf Grund der Lebenshaltungskosten<lb break="no"/>steigerungen haben und dass daher auch hier eine Korrektur ausser<lb/>
dem neuen Gehaltsschema durchgeführt werden müsste. Da sie an<lb break="no"/>sonsten das Gehaltsschema nicht akzeptieren könnten. Ich erklärte,<lb/>
dass sie eigentlich überhaupt keinen Rechtanspruch derzeit besitzen<lb/>
und wenn daher sie sich nicht mit uns über das neue Schema und die<lb/>
Vorgangsweise einigen, es eben bei der jetzigen Regelung verbleibt. Die<lb/>
einzige berechtigte Forderung sehe ich darin, dass wir ihnen überhaupt<lb/>
keine Rechtsverbindlichkeit des neuen Schemas zugesagt haben. Hier<lb/>
haben wir eine schlechte Erfahrung bei den inländischen Angestellten,<lb/>
die zuerst eine neue Regelung – Leistungsschema – umstiegen und dann<lb/>
aber auch Versehen von uns erklärte, dass die alte Bestimmugn wonach<lb/>
sie automatisch ausser diesem Leistungsschema auch noch die normalen<lb/>
Bundesbezugsberbesserungen bekommen müssen, jetzt ebenfalls von uns<lb/>
bezahlt werden müssten. Eine gewisse Verankerung resp. Verpflichtung<lb/>
unsererseits werden wir wohl eingehen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte wenn die Verhandlungen angeführt werden<lb/>
vielleicht <rs type="person" ref="#per__149065">Walberg</rs> oder <rs type="person" ref="#per__137440">Burda</rs>, wenn er in Wien<lb/>
ist, zu diesen Verhandlungen zuziehen.</p><pb n="14-0045" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-17_0045.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_07">Als letztes wiesen sie dann darauf hin, dass der Vertrag des<lb/>
Geschäftsführers, der im März 1974 ausläuft bis Ende des Jahres<lb/>
verlängert werden sollte. Dagegen sprach ich mich aus, weil ich erklärte,<lb/>
dass wenn jemandes Vertrag ausläuft oder jemand in Pension gehen kann,<lb/>
er dies auch machen sollte. Sie wiesen darauf hin, dass <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs><lb/>
dann erklärt hat, er würde den Recht des Jahres im Ministerium seine<lb/>
Pensionierung abwarten. Auch diese Ankündigung konnte mich nicht von<lb/>
meinem Entschluss, dass wir einen neuen Geschäftsführer so bald es<lb/>
möglich ist bestellen sollten, abbringen. Sie selbst schlugen dann vor,<lb/>
es sollte ein organisatorisch begabter und bewährter Mann mit Kontakt<lb/>
zu der Fremdenverkehrswirtschaft werbetechnisch bewährt und soziales<lb/>
Verständnis haben von mir ernannt werden. Die ganze Aufzählung lief<lb/>
darauf hinaus, dass – wie ich ihnen dann auf den Kopf zusagte – sie<lb/>
doch <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> wünschten. Obwohl <rs type="person" ref="#per__137440">Burda</rs> mir bereits bei der ersten Gelegen –<lb/>
heit versicherte, dass er 25-jähriger Gewerkschafter allerdings<lb/>
auch ÖAAB-Mann sei, dies bestätigte, meinte er und auch <rs type="person" ref="#per__149065">Walberg</rs>,<lb/>
dass sie keinen Namen nennen wollten, sich ganz entschieden gegen<lb/>
irgendwelche Leute der Handelskammer Zweigstellenleiter aus Montreal<lb/>
oder Kalkutta aussprechen. Sie fürchten, dass sie dadurch unter die<lb/>
Fuchtel der Handelskammer geraten würden. Ich forderte sie deshalb<lb/>
auf, dass wenn sie schon für einen Mann von ihnen eintreten, dass<lb/>
sie dann auch tatsächlich ihre Verbindungen zu den Landesfremden<lb break="no"/>verkehrsdirektoren oder sonstigen Stellen ausnützen und Spielen lassen<lb/>
müssen, damit auch von dort <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> vorgeschlagen resp. akzeptiert<lb/>
wird. Sie versicherten mir, alles in ihrer Macht liegende zu unter<lb break="no"/>nehmen, damit sie eben <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> als zukünftigen Geschäftsführer bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_08">Von dieser Aussprache informierte ich unverzüglich <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>. Dieser<lb/>
stimmte mit mir überein, dass ich mit Ezzes versorgt sei, sondern<lb/>
dass sehr wohl die Zweigstellenleiter das Ihre dazu beitragen müssen,<lb/>
damit er als Geschäftsführer vorgeschlagen und vor allem dann auch<lb/>
tatsächlich akzeptiert wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_09">Bei einem Arbeitsessen im Institut hatte ich fraktionell die Mög<lb break="no"/>lichkeit, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> als den für die Energie verantwortlichen<lb/>
den Genossen aus der ÖMV <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs>, aus dem Landes<lb break="no"/>gesellschafter <rs type="person" ref="#per__115646">Hofstätter</rs>, Kelag, <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> Wr. Stadtwerke, dem Verbund<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, ÖIAG <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>, AK <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs>, ÖGB <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
um dem Wirtschaftsprüfer vorzustellen. <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> von<lb/>
der Energiesektion <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs> schlugen mir vor, ich<lb/>
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Presse vorgestellt hatte, in der Arbeitsgemeinschaft, die ich seiner<lb break="no"/>zeit in der AK gegründet hatte, erarbeitet hatte, heranziehen.<lb/>
Ich selbst habe de nicht zugestimmt und auch am Abend mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
über dieses Problem neuerdings gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> meinte, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111001">Peyerl</rs> sicherlich keinen Widerstand in dieser Arbeitsgruppe machen<lb/>
würde. Allerdings gab er zu, dass er auch nichts wesentliches dazu<lb/>
beitragen könnte.. Mein Einwand, dass er aber sich dann noch mehr<lb/>
Hoffnungen macht, um Sektionschef der Energiesektion zu werden,<lb/>
musste <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> als richtig akzeptieren. Aus diesem Grunde werde ich<lb/>
wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__111001">Peyerl</rs> nicht zu den Besprechungen zuziehen. Nach einer<lb/>
allgemeinen Debatte einigten wir uns auf meine Vorgangsweise,<lb/>
dass nämlich Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> jetzt mit den einzelnen Kontakte und vor<lb/>
allem Unterlagen von diesen als Grundlage für ein Konzept bekommen<lb/>
und aufstellen sollte. Nach ca. 1 – 2 Monaten sollten wir insbesondere<lb/>
wenn Schwierigkeiten entstehen und Entscheidungen notwendig sind,<lb/>
diesen Kreis neuerdings einberufen. Ansonsten wird <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
gemeinsam so schnell wie möglich eine Konzeption für ein Energie<lb break="no"/>programm erstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_10">Im Parlament im Rechnungshofausschuss wurde der Rechnungsabschluss<lb/>
1971 behandelt. Bei allen anderen Ministerkollegen hat es sehr lange<lb/>
gedauert. Bei BKA z.B. vier Stunden und nach mir dann bei <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> und<lb/>
insbesondere <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auch noch sehr sehr lange. Ich selbst kam mit<lb/>
einer einzigen Anfrage von <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> – <rs type="person" ref="#per__97663">Kraft</rs> hatte die selbe Unter<lb break="no"/>lage nur als Ergänzung dann zwei Bemerkungen über Werkverträge und<lb/>
Bergbauförderung gemacht, leicht über die Runde. Die Anfragen waren<lb/>
so ziemlich bei allen Ministern dieselben. Insbesondere wurde ich<lb/>
natürlich wieder über das Ministerbüro gefragt. Ich war daher sehr<lb/>
froh, dass ich auf die seinerzeitige offizelle Antwort in der Haus<lb break="no"/>sitzung, die ja auch im Stenogramm festgehalten ist, hinweisen könnte.<lb/>
Um 1/2 11 Uhr abends, als die letzten Teilnehmer von Rechnungshof<lb break="no"/>ausschuss, nämlich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> bei der Aussprache <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erschie<lb break="no"/>nen, meinte <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, dass sie zuerst die Sitzung nochmals unterbrechen<lb/>
wollten und nur dann <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und er sich darauf einigten, dass der<lb/>
Rechnungsabschluss heute beendet werden muss. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> konnte sich nur<lb/>
durchsetzen, weil sie das selbst am Vortag vereinbart hatten und er<lb/>
deshalb erklärte, Vereinbarungen müssen eingehalten werden. Er konnte<lb/>
keinen Einfluss darauf nehmen, wie lange die einzelnen ÖVP-Abgeordneten<lb/>
und wie oft sie an den Minister fragen richteten.</p><pb n="14-0047" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-17_0047.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_11">Durch diese Rechnungshofsberichtsdebatte im Parlament wäre ich<lb/>
bald wieder nicht zu einem Referat zur Bezirksorganisation der<lb/>
soz. Gewerkschafter gekommen. Ich hatte seinerzeit schon eine zuge<lb break="no"/>sagte Veranstaltung nicht besuchen können und es wäre nun in kurzer<lb/>
Zeit das zweite Mal gewesen, wo ich nicht erschienen wäre. Zum Glück<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> mich damals und auch hier sehr erfolgreich vertreten.<lb/>
In meinem Referat und der nachher durchgeführten Diskussion<lb/>
beschäftigte ich mich natürlich primär mit der Preissituation. Nach<lb/>
wie spielt das natürlich gerade bei Gewerkschaftern eine ganz grosse<lb/>
Rolle, obwohl ich immer wieder feststellen kann, dass unsere Kollegen<lb/>
und Genossen sich sehr mit ihrer Kritik zurückhalten. Ich weiss nicht<lb/>
ob dies nur Respekt allein ist oder ob wirklich hier die Situation<lb/>
gar nicht so kritisch ist, wie ich und viele andere dies vermuten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-17_12">BEI DER Wirtschaftskommissionssitzung bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in der Wohnung<lb/>
stellte sich heraus, dass er im Präsidium noch nicht fertig war und<lb/>
deshalb konnte erst um 9 Uhr mit dem Essen und erst anschliessend<lb/>
daran mit der Besprchung begonnen werden.Zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung konnte ich feststellen, dass nicht nur ich sehr unglück<lb break="no"/>lich war über diesen späten Zeitpunkt sondern sehr wohl andere auch<lb/>
erklärten, dass man das nächste Mal doch zu einer anderen Zeit und<lb/>
an einem anderen Ort die Wirtschaftskommission einberufen sollte, um<lb/>
ein konkretes Thema, welches in einem Katalog festgehalten werden<lb/>
soll, zu besprechen. Die Themen, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorschlug, war<lb/>
die Genossenschaftsfrage, die Bankenproblematik, Wohnung, Landwirt<lb break="no"/>schaft, so man sogar Zusagen der ÖVP gemacht hat im März mit Verhandlun<lb break="no"/>gen zu beginnen und über die Grenzbetriebe resp. Grenzregionen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> wollte noch auch, dass man über das Problem der öffentl. Be<lb break="no"/>diensteten Pensionisten spricht, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber abwürgte, indem<lb/>
er erklärte, wir können nicht die Sozialpolitik im Rahmen der<lb/>
Wirtschaftskommission behandeln. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wies darauf hin, dass man<lb/>
noch nicht über dem Berg sei, dass aber sehr wohl die wirtschaftliche<lb/>
Lage als günstig bezeichnet werden könnte. Die Investitionsindustrie<lb/>
zeigt seiner Meinung nach Schwächen, weil jetzt in den Giessereien<lb/>
die Auftragslage jetzt nicht mehr so günstig ist als die vor kurzer<lb/>
Zeit noch der Fall war. <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> wies darauf hin, dass insbesondere<lb/>
die Giesserei von Waagner-Biro und auch die in Liezen an starkem<lb/>
Auftragsschwund leidet. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> dagegen meint, dass wir insbesondere<lb/>
nicht durch negative Berichte ganz besonders über die Indexentwicklung<lb/>
die Gegner aber auch unsere Leute immer wieder mit dieser negativen<lb/>
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meldete und dass er es eigentlich wusste – auf meiner Linie,<lb/>
dass man nämlich jetzt gerade in Optimismus machen müssen. Bezüg<lb break="no"/>lich der Wohnungsprobbmatik und der Bauwirtschaft meinte <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs><lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>, dass die Situation gar nicht so gut ist wie<lb/>
dies allgemein dargestellt wird. Wenn auch die Auftragsüberhänge von<lb/>
26 Mia S bestehen sollte, wie <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> ausführte, sei doch festzustellen,<lb/>
dass die Promessen nicht mehr von den Banken eingehalten werden<lb/>
und daher die Aufträge eigentlich nur mehr am Papier existieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> wies ganz besonders darauf hin, dass Linz bis jetzt<lb/>
2.800 Wohnungen jetzt aber nur mehr 1.200 Wohnungen pro Jahr fertig<lb break="no"/>stellt und dort Mietzinse von 28 – 30 S pro m2 entstehen. Um die<lb/>
Bauwirtschaft zu verbessern, sollte nach <rs type="person" ref="#per__97755">Mosers</rs> Meinung die Bindung<lb/>
regional aufgehoben werden, da keine grösseren Bauvorhaben in Kärnten,<lb/>
und in Salzburg derzeit vorliegen. Insbesondere kamen die Personal<lb break="no"/>politik der öffentlichen Hand zur Debatte. <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> wies darauf hin,<lb/>
dass die Gemeinde Verwendungsdienstzulagen hat, jetzt aber nachdem<lb/>
der Bund Verwaltungsdienstzulagen gibt, diese von den Gemeinden und<lb/>
von den Ländern zusätzlich gegeben werden müssen. In Wien erklärte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> war die einzige Gemeindeverwaltung, die die Zulagen<lb/>
in die Verwaltungsdienstzulagen aufgehen liess. Das Linzer Budget mit<lb/>
1,3 Mia, wie <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> ausführte, beträgt zu 50 % Personallasten und<lb/>
gehen überhaupt nur mehr 29 Mill. S frei verfügbar. Kaum ein<lb/>
Budget, welches man konjunkturpolitisch noch einsetzen kann. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs><lb/>
wies ganz besonders auf die Schwierigkeiten bei den Genossenschaften<lb/>
hin. In der Gewerbeordnung sollen nun die landwirtschaftlichen<lb/>
Genossenschaften dem Gewerbebetrieb gleichgestellt werden, und dadurch<lb/>
wünschte die landw. Seite, dass eine Wahlmöglichkeit zwischen Waren<lb break="no"/>rückvergütung oder gespalteten Körperschaftssteuersatz, Schachtel<lb break="no"/>privileg und Organschaftregelung dem landw. Genossenschaften<lb/>
eingeräumt werden soll. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> meint nun, dass die Konsumgenossen<lb break="no"/>schaft auf die Warenrückvergütung nicht verzichten können und<lb/>
deshalb die landw. Genossenschaften dann Steuerbefreiungen resp.<lb/>
gespaltenen Körperschaftssteuersatz dann bekommen, diese in einer<lb/>
günstigen Konkurrenzverhältnis gegenüber den Konsumgenossenschaften<lb/>
bei ihren Supermärkten und Verkaufsstellen, die sie jetzt auch errichten<lb/>
kommen würden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat zugesagt, dass über dieses Problem<lb/>
eine Besprechung stattfinden soll. Da diese Frage ausschliesslich<lb/>
im Finanzministerium ressortiert. Die Aussprache war sehr allgemein<lb/>
gehalten und hat daher meiner Meinung nach gar nicht das Ziel<lb/>
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<pb n="14-0049" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-17_0049.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erreicht, das sich vielleicht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> die beiden Vor<lb break="no"/>sitzenden gestellt hatten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte allerdings, dass dies<lb/>
nur als konstituierende Sitzung einmal ein solches Forum bei<lb/>
dieser Gelegenheit eben ein Round-Table-Gespräch gegeben hat und<lb/>
dass das nächste Mal <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einen genauen Katalog mit ihm erarbei<lb break="no"/>ten wird. Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs>, da er erkrankt ist, einen Brief an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
geschrieben, der dann auch verteilt werden sollte, da aber niemand<lb/>
sich für diesen Brief interessierte, ist auch dann die Diskussion und<lb/>
die Verteilung sogar unterblieben. Ich selbst haben den Brief sehr<lb/>
genau gelesen, weil ihn <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> mir persönlich auch zugestellt hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete, dass dort in dem Brief ganz besonders die Preis<lb break="no"/>situation und die Indexentwicklung festgestellt wurde. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte<lb/>
und die anderen Genossen stimmten ihm zu, dass die Arbeiterkammer<lb/>
durch diesen Index-Fetischismus zwar vielleicht wissenschaftlich<lb/>
einwandfrei ihre Meinung zum Ausdruck bringt, dass dies aber gar<lb/>
nicht zweckmässig sei. Die von mir befürchtete Spannung, die<lb/>
zwischen Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer derzeit schon besteht und<lb/>
durch die Intransigente zwar wissenschaftlich und methodisch einwand<lb break="no"/>freie Verhandlungsweise der AK noch verstärkt wird, kommt jetzt bei<lb/>
jeder Gelegenheit deutlich zum Ausbruch. Ich bedaure diese Entwick<lb break="no"/>lung zutiefst und hoffe nur, dass wenn auch dann die Preisentwicklung<lb/>
sich wieder mehr normalisiert, diese Aversion gegen alle Berechnungen<lb/>
der Arbeiterkammer und vor allem gegen eine Verhandlungsführung, wo<lb/>
um jedes Zehntel Prozent gestritten wird, nicht mehr so sehr auf den<lb/>
Widerstand der Genossen, sei es in der Gewerkschaft oder auch der<lb/>
Partei stösst. Bei mir verstärkt sich immer mehr die Überzeugung,<lb/>
dass man auch dann wenn man sachlich und materiell Recht hat und<lb/>
wirklich gewissenhaftest Verhandlungen führt, trotzdem nicht nur<lb/>
keine Anerkennung sondern auch in gewissen Fällen sogar Missfallen<lb/>
damit auslösen kann. Die seinerzeitigen Prognosen, dass sogar bis<lb/>
10 % Preiserhöhungen möglich sein können, dienen jetzt als Beweis dafür<lb/>
dass eben die ganzen Indexberechnungen auch der Arbeiterkammer nicht<lb/>
stimmen. Dies gilt ganz besonders für die Prognosen, die natürlich<lb/>
unter gewissen Annahmen seinerzeit erstellt wurden.</p></div>
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