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            <title type="main">Montag, der  8. Jänner 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_01">Montag, 8. Jänner 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_02">Beim Jour fixe zeigt mir <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> eine Zeitungsmeldung von WELT, wonach<lb/>
das <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs>-Plakat hart kritisiert wird. Die letzte Frage lautet, ob<lb/>
Wien wirklich der A... der Welt ist. Dies ist die erste negative Reak<lb break="no"/>tion, die ich von einer bedeutenden Zeitung im Ausland lese.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Die ÖFVW soll bitte ganz besonders auf die nega<lb break="no"/>tiven Reaktionen ausländischer Zeitungen achten<lb/>
und sie mir dann vorlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_04"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist daran interessiert, den Aussenhandelsstellenleiter <rs type="person" ref="#per__127903">Lukas</rs><lb/>
für die ÖFVW als Geschäftsführer zu installieren. Er fragt, ob ich schon<lb/>
einen endgültigen Mann für diesen Posten haben. Ich verneine dies, erklä<lb break="no"/>re aber, dass <rs type="person" ref="#per__127903">Lukas</rs> erstens zu viel bezahlt bekommt und ich zweitens<lb/>
ich den Mann gar nicht kenne. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, er würde auch in Österreich,<lb/>
wenn er zurückgerufen wird, in der Bundeshandelskammer nur einen Bruch<lb break="no"/>teil seiner jetzigen Bezüge haben. <rs type="person" ref="#per__127903">Lukas</rs> wird sich bei der nächsten Gele<lb break="no"/>genheit, wenn er in Österreich ist, bei mir vorstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_05">In der Gewerbeordnung – teilt mir <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vertraulichst mit – dass zwische<lb/>
der Genossenschaft und dem Handel auf ÖVP-Ebene eine Abgrenzung gefunden<lb/>
wird. Die gewerblichen Molkereien haben angeblich Angst,von den Genossen<lb break="no"/>schaften majorisiert zui werden und möchten deshalb selbst nicht, dass<lb/>
die Molkereien der Gewerbeordnung unterworfen werden. Bei den Winter<lb break="no"/>genossenschaften wieder fürchten die Weinhändler, wenn sie der Gewerbe<lb break="no"/>ordnung unterliegen, dann die Importe, die jetzt den Weinhändlern aus<lb break="no"/>schliesslich vorbehalten sind, dann mit den Genossenschaften teilen zu<lb/>
müssen, deshalb möchten auch sie, dass die Winzergenossenschaften nicht<lb/>
der Gewerbeordnung unterworfen werden. Bezüglich der finanziellen Ab<lb break="no"/>grenzung wird es länderweise verschieden sein, da z.B. derzeit schon<lb/>
Burgenland die Genossenschaften einverleibt sind und der Handelskammer<lb/>
Umlage bezahlen. Die Landwirtschaft möchte eine Paketlösung, wo nach<lb/>
ausser der Gewerbeordnung dann sofort das Genossenschaftsgesetz aber auch<lb/>
die steuerliche Frage gelöst werden müsste. Die Genossenschaften würden<lb/>
darauf verzichten, die Warenrückvergütungen absetzen zu können, wenn<lb/>
sie den gespalteten Körperschaftssteuersatz, die Organschaft und das<lb/>
Schachtelprivileg bekommen. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass das schlechteste wä<lb/>
re, wenn die ÖVP jetzt ganz gross herauskäme, dass sie jetzt die beste<lb/>
Lösung für dieses Problem gefunden hat, sondern dass es zweckmässig<lb/>
<pb n="14-0002" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0002.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ist, im Laufe der Unterausschuss-Verhandlungen im Parlament die<lb/>
einzelnen Wünsche als Kompromiss dann vom Unterausschuss erarbieten zu<lb/>
lassen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> stimmen mir zu, da sie selbst daran inter<lb break="no"/>essiert sind, dass die Gewerbeordnung noch im Jahre 1973 abgeschlossen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint noch, dass der jetzige Entwurf mit 350 Paragraphen<lb/>
wesentlich grösser ist als der derzeit bestehende, der 150 Paragraphen<lb/>
hatte und durch den Herausfall des 6. u. 7. Hauptstückes – den arbeits<lb break="no"/>rechtlichen Vorschriften der Arbeiter – wird man in der neuen Gewerbe<lb break="no"/>ordnung eine Übergangslösung finden müssen, da bis zu diesem Zeitpunkt<lb/>
die Kodifkation des individuellen Arbeitsrechtes sicherlich nicht<lb/>
fertig sein wird. Auch dieses Problem wird dann im Unterausschuss im Par<lb break="no"/>lament zu lösen sein. Bie dieser Gelegenheit werden wir gemeinsam ver<lb break="no"/>suchen, die überflüssigen Paragraphen, soweit sie in der neuen GO-Entwurf<lb/>
enthalten sind, zu eliminieren. Ich selbst wäre auch sehr froh, wenn es<lb/>
gelänge eine wenigerumfangreiche Gew.O. zu erlassen. Bezüglich der Ab<lb break="no"/>grenzung der einzelnen Gewerben meldet <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> an, dass ca. 15 Positionen<lb/>
für sie umstritten sind. Z.B. sollen Gold- Silber und Metallschläger<lb/>
nicht als gebundenes Gewerbe sondern als handwerkliches bezeichnet<lb/>
werden. Den Lokalbedarf haben sie jetzt endlich akzeptiert, nur wehren<lb/>
sie sich noch gegen die zweijährige Gehilfenzeit für die Handwerkliche<lb/>
Ausbildung. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, wenn wir darauf bestehen, wird bei den<lb/>
Prüfungskommission dann sehr hart geprüft werden, weil die derzeitigen<lb/>
Handwerksmeister nicht der Meinung sind, dass man in zwei Jahren einen<lb/>
Beruf erlernen kann. Gegen eine rigorosere Prüfung, soweit es nicht<lb/>
schikanös ist, habe ich nichts einzuwenden und verweise in <choice><choice><sic>Parataise,</sic><corr>Parenthese</corr></choice></choice><lb/>
dass ich gerdae vor Weihnachten noch unsere Prüfungskommission für<lb/>
die einzelnen Beamten, welche jetzt immer fast ausgezeichnet klassi<lb break="no"/>fiziert werden, angewiesen habe, dass sie doch rigososer prüfen sollte.<lb/>
WEnn abr jemand in zwei Jahren Lehrzeit das Ausbildungsziel erreicht<lb/>
hat, dann soll man ihm auch die Möglichkeit geben, die Gehilfenprüfung<lb/>
abzulegen. Die Herabsetzung des Mindestalters von 24 auf eventuell<lb/>
bei Herabsetzung der Volljährigkeit auf 19 Jahre weiter zu redu<lb break="no"/>zieren, hält <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> deshalb für gewährlich, weil dann als negative<lb/>
Auswirkung, wenn der Gewerbebesitzer stirbt, das Fortbetriebsrecht für di<lb/>
die Waisen ebenfalls mit 19 Jahren erlöschen würde. Bei der Auszeichnung<lb/>
zur Führung des Staatswappens ist derzeit die Bundeshandelskammer zur<lb/>
Begutachtung berechtigt und im Entwurf ist vorgesehen, dass dies nur<lb/>
mehr die Landeskammer machen würden. Dies i-t ein harter Schlag für die<lb/>
Bundeshandelskammer und ich erkläre sofort, dass ich mir diesen<lb/>
Paragraphen nochmals genau anschauen würde.Wahrscheinlich hat der Ver<lb break="no"/><pb n="14-0003" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0003.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fassungsdienst hier eine endgültige Begutachtung den Landeskammern<lb/>
zugesprochen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: BItte den Sachverhalt endgültig klären und mir<lb/>
berichten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_07">Die Legisvakanz von 6 Monaten glaubt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist zu kurz, sie müsste<lb/>
mindestens ein Jahr betragen, da unendlich viele Verordnung auf Grund<lb/>
der neuen Gewerbeordnung erlassen werden müssen. Mein Hinweis, das jetzt<lb/>
bereits an diesen Verordnungen gearbeitet wird, ist <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sehr skeptisch,<lb/>
da er allein für die Konzessionierten 30 Gewerben die derzeit bestehenden<lb/>
Verordnungen, die in der Übergangsregelung vorgesehen, nach wie vor in<lb/>
Kraft bleiben sollten. Seiner Meinung nach würde dann ein richtiges<lb/>
Tohuwabohu entstehen, wenn alte VO in Kraft bleibne und andererseits<lb/>
neue Verordnungen auf Grund der neuen Gew.O. gleichzeitig erlassen<lb/>
werden. Hier wird man ebenfalls im Unterausschuss noch im Detail sprechen<lb/>
Ich habe wirklich den Eindruck, dass die BHK alles daransetzen wird,<lb/>
um im Jahre 1973 die Gew.O. im Parlament über die Bühne zu bringen.<lb/>
Wenn die BHK Schwierigkeiten hat, innerhalb der ÖVP zu einer Einigung<lb/>
mit der Landwirtschaft zu kommen, erkläre ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass er ohne<lb/>
dieses Argument in der Öffentlichkeit zu gebrauchen, jederzeit erklären<lb/>
kann, dass wenn ich in der Handelskammer mich in einem Fall oder einem<lb/>
Paragraphen geeinigt habe, gegebenefalls mit Mehrheit diesen Paragraphen<lb/>
im Parlament beschliessen werde. Dies ist zwar nicht meine Absicht, denn<lb/>
ich möchte, dass die Gew.O. so wie alle anderen Gesetze, die ich<lb/>
bis jetzt im Parlament eingebrachthabe, einstimmig verabschiedet werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist genau derselben Meinung, ist aber sehr froh, dass er dieses<lb/>
innerparteiliche Druckmittel anweden kann, ohne dass ich davon natür<lb break="no"/>lich in der Öffentlichkeit spreche oder gar eine Erklärung abgeben<lb/>
werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_08">Bezüglich der Lehrabschlussprüfung wendet er such gegen den vorgesehenen<lb/>
Verdienstentgang, der von der Gewerkschaft in der jetzigen VO, die<lb/>
ich erlassen muss, verlangt wird. Er meint, dass seine Mitglieder<lb/>
dann ebenfalls diesen Verdienstentgang geltend machen werden und dies<lb/>
für ihn sehr kompliziert ist, abzulehnen, aber andererseits noch kom<lb/>
plizierter ist zu berechenn. Er möchte am liebsten eine Erhöhung des<lb/>
Pauschales oder für den Verdienstentgang eine weiteres Pauschale ein<lb break="no"/>führen. Den letzteren WEg hatle ich für ganz unmöglich, da eben bereits<lb/>
mit dem jetzigen vorgesehenen Pauschale der Verdienstentgang teiltweise<lb/>
abgegolten wird. Andererseits besteht aber der ÖGB auf diesen Verdienst<lb break="no"/>entgang und er wird neuerding mit seinen Herren über dieses Problem<lb/>
reden.</p><pb n="14-0004" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0004.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_09">Als Beispiel, dass in Hinkunft das HM in der Integrationsfrage sehr wohl<lb/>
etwas mitzureden hat, obwohl die Kompetenz weitestgehend für die Verhand<lb break="no"/>lungen wieder an das Aussenministerium zurückgeht, weise ich darauf<lb/>
hin, dass es erstmalig gelungen ist, einen Vertreter des Handelsmini<lb break="no"/>steriums als Leiter der Brüsseler Kommission zu installieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
nimmt staunend zur Kenntnis, ohne dagegen zu remonstrieren, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> jetzt in Brüssel die Mission übernehmen wird. Er fragt nur an,<lb/>
ob <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> dann die Sektionsleitung übernimmt, was ich bejahre, da es<lb/>
ja bereits vorher nach FEstlegung des Sektionsleiter-Stellvertreters vor<lb/>
etlichen Monaten klar gewesen ist und dagegen die Bundeshandelskammer<lb/>
nicht im entferntesten remonstriert hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_10">Bezüglich der Preisentwicklung schlage ich der Handelskammer vor,<lb/>
dass sie mir einen Mann nominiert, der die weitere Entwicklung auf<lb/>
diesem GEbiet mit mir gemeinsam und den anderen Interessensvertretungen<lb/>
beobachten soll und entsprechende Schlüsse und Konsequenzen aus<lb/>
der derzeitigen Entwiclung ziehen soll. Ich verweise ganz besonders<lb/>
auf die Preissenkungsaktionen der Läden und Genossenschaften, die<lb/>
ein neues Preisklima jetzt entstehen lassen. Andererseits soll es nicht<lb/>
dazu führen, dass dadurch die Meinung in der Öffentlichkeit entsteht,<lb/>
als wenn andere Händler nicht ebenfalls an der Stabilisierungspolitik<lb/>
mitarbieten resp. zumindestens ihen guten Willen zeigen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> teilt<lb/>
mir mit, dass er in grosser Verlegenheit ist, weil der Mann, der sein<lb/>
vertrauen hat und den er dann letzten Endes dann auch in die Kommission<lb/>
schickt, nämlich Dr. <rs type="person" ref="#per__137215">Hecke</rs> nur mher für einige Monate zu seiner Verfügung<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__137215">Hecke</rs> wird in die NÖ. Handelskammer als Abteilungsleiter abwandern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_11">Das grösste Problem aber ist, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> mir mitteilt, dass er<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> eine Besprechung gehabt hat, wegen der Kooptierung eines<lb/>
Funktionärs des FWV ins Präsidium der Handelskammer. Die westlichen<lb/>
Länder sind sehr dagegen. Ich selbst erklärte sofort, dass dies der<lb/>
Kriegsgrund für mich wäre, wenn es nicht zu einer Kooptierung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> kommen sollte. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> ist der vorgesehene Nachfolger von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97656">Kostroun</rs></p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_12">Ich verspreche <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass ich mich bemühen werde, in einer<lb/>
Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> dieses Problem zu klären.<lb/>
Der Handelskammer wäre lieber wenn <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> und nicht <rs type="person" ref="#per__97308">Abt</rs> koop<lb break="no"/>tiert werden würde. Allerdings sehen sie selbst ein, dass es Schwie<lb break="no"/>rigkeiten geben würde. Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, <rs type="person" ref="#per__97602">Jodl<lb break="no"/></rs> <pb n="14-0005" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0005.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bauer in diese Position zu bringen, weil der Freie Wirtschafts<lb break="no"/>verband dies kaum machen wird. Auf alle Fälle versichert mir <rs type="person" ref="#per__97893">Sallin<lb break="no"/>ger</rs>, dass er die Kooptierung durchführen wird und wir ihn nur nicht<lb/>
von aussen her dazu zwingen sollen. Er wird mit den westlichen Bundes<lb break="no"/>ländern schonfertig, wenn er dieses Problem allein in die Hand nimmt und<lb/>
allein durchführen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_13">Beim Pressefrühstück übergibt mir <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> den ratifizierten und unter<lb break="no"/>schriebenen EWG-Vertrag und den Vertrag mit der EGKS. Da auch die Ver<lb break="no"/>treter des Aussenministeriums anwesend sind, benütze ich die Gelegenheit,<lb/>
um eben auch bei der zukünftigen neuen Abgrenzung die gute Zusammen<lb break="no"/>arbeit zwischen den beiden Ministerien und insbesondere natürlich der<lb/>
Minister herauszustreichen. Auch hier verweise, dass es erstmalig ist,<lb/>
dass ein Vertreter des Handelsministeriums jetzt die Mission in Brüssel<lb/>
übernehmen wird. Die Presse interssiert dieses Problem eigentlich nur<lb/>
sehr am Rande, aber man will von mir eigentlich wissen, ob ich einen<lb/>
Staatssekretär aLs meine Unterstützung für den Fremdenverkehr, oder<lb/>
wenn das grosse Kompetenzgesetz kommt, dann einen Staatssekretär für den<lb/>
ungeheuren Zuwachs, der nach Auffassung der Presse im Handelsministerium<lb/>
dann eintritt einen anderen Staatssekretär möchte und beantragen werde.<lb/>
Ich verneine, dass ein ungeheurerer Kompetenzzuwachs entsteht und noch<lb/>
viel mehr, dass ich einen Staatssekretär angefordert habe oder der<lb/>
Meinung bin, dass ich einen brauche. Insbesondere beim Fremdenverkehr<lb/>
ist es ein leichtes, diesen abzulehnen, weil ich ja gar keine Kompe<lb break="no"/>tenzen besitze, sondern Fremdenverkehr bekanntlich Landessache ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_14">Im Institut bespricht <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> die endgültige Lösung des<lb/>
Problems des Vereins für Konsumenteninformation. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ist – wie<lb/>
er mir vor längerer ZEit auch schon angeduetet hat – bereit, dieses<lb/>
Problem jetzt endgültig auch von Arbeiterkammer-Seite zu bereinigen,<lb/>
der ÖGB nämlich erklärt, dass dies jetzt eine reine Frage der AK ist,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> tatsächlich bereit ist, sich zur VErfügung zu stellen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hofft noch immer, dass es gelingen wird, die AK davon zu überzeugen,<lb/>
dass er dies als Nebenjob bewältigen könnte. Ich gebe mich keiner<lb/>
Illussion hin, erkläre aber unumwunden, dass ich mit jedem Arrangement,<lb/>
das <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> findet, von vornherein einverstanden bin.<lb/>
Zöllner nimmt diese Erklärung zur Kenntnis und wird versuchen, mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
eine endgültige Lösung zu finden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_15">Ing. <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs>, der den Firma Vogelsinger, an der such Pruscha primär be<lb break="no"/>teiligt ist, vertritt, teilt mir und den zugezogenen Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs><lb/>
<pb n="14-0006" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0006.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> mit, dass die internationalen Gesellschafter, aber<lb/>
auch die ÖMV ihnen kein Benzin mehr zur VErfügung stellen wollen.<lb/>
Nur soweit für die einezlnen Tankstellen Verträge sind, können<lb/>
diese freien Tankstellen in Hinkunft mit einer Benzinversorgung<lb/>
rechnen. Avanti ist von 40 Groschen Verbilligung auf 30 Groschen<lb/>
durch die Einführung der Mehrwertsteuer zurückgegangen, möhcte aber,<lb/>
wenn dann im Jahre 1974 wieder 40 Groschen Diskont geben. Das wissen<lb/>
die internationalen Ölgesellschaften und die ÖMV, weshalb sie jetzt<lb/>
versuchen, den freien Tankstellen keinen Benzin mehr zur VErfügung zu<lb/>
stellen. Die internationalen haben auch ihre Schwesterorgane in Italien<lb/>
und Deutschland angewiesen, der Firma Vogelsinger keinen Benzin mehr<lb/>
zu verkaufen. NUr die aus Genua kaufen jetzt von der Firma Garoni<lb/>
1000 Tonnen pro Monat bezogen werden. Die Fracht beträgt aber 310.- S<lb/>
gegenüber der Frachtrate von Triest mit 140.-S Die internationalen<lb/>
fürchten, dass die freien Tankstellen, die vor Einführung der Mehr<lb break="no"/>wertsteuer einen Anteil von 7 % bereits gehabt haben, auf die Gefahren<lb break="no"/>grenze von 12 % sehr bald kommen würden, wo dann die internationalen<lb/>
ebenfalls die Benzinpreise um 20 Groschen senken müssen. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs><lb/>
wird eine Sitzung einberufen und besonders darauf hinwesisen, dass<lb/>
durch das neue Arrangement über die Benzinpreise nicht die Berech<lb break="no"/>tigung von Seiten der Internationalen besteht, die Versorgung der<lb/>
freien Tankstellen einzustellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band14_1973-01-08_16">Eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs>, Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__134167">Werner</rs> und Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__97883">Rubitschka</rs><lb/>
von der INPADOC sowie von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und mir, zeigt mir deutlich, dass<lb/>
es bei dem internationalen Patentdokumentationszentrum nicht zum<lb/>
besten steht. Die innerösterreichische Spannung insbesondere zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> und <rs type="person" ref="#per__134167">Werner</rs> dürfte nun durch eine Aussprache bereinigt sein,<lb/>
doch besteht grosse Gefahr, das mit <rs type="person" ref="#per__137669">Bogsch</rs>, dem Aufsichtsratsvertreter<lb/>
in der Gesellschaft von der WIPO so leicht kein gutes Einvernehmen<lb/>
in der letzten ZEit herzustellen sein wird. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> selbst ist teilweise<lb/>
auch sehr verärgert, weil er als Vorsitzender des Aufsichtsrates nicht di<lb/>
notwendige Unterstützung durch <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> erfahren hat. Die geünschten<lb/>
UNterlagen werden werst jetzt vorgelegt.Obwohl er sie selbst vor<lb/>
Monaten schon verlangt aht. Bei der Aussprache unter vier Augen, obwohl<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> dann erkläre, dsss wir aller nicht nur in einem BOot<lb/>
sitzen, sondern mit der INPADOC zu Erfolg veruteilt sind, weil wir<lb/>
ansonsten den Gegnern unserer Personalpolitik das Argument in die Hand<lb/>
gaben, dass <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> und die anderen kläglich versagt haben, versucht<lb/>
mir <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> zu erklären, dass trotzdem im Rahmen des Kartellge<lb break="no"/><pb n="14-0007" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band14/14_1973-01-08_0007.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>setzes er die Funktion im Kartellausschuss übernehmen könnte. Dies<lb/>
sei nicht eine Anstellung im Sinne eines Full-Time-Job sondern<lb/>
eben nur eine Funktionsausübung als Funktionär. <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> meint auch<lb/>
dass dies nicht der Aufsichtsrat der Gesellschaft zu genehmigen hat,<lb/>
sondern der Gesellschafter. Ich warne <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> vor einer Überlastung<lb/>
udn ganz beosnders von weiteren Belastungen im Jahre 1973. Heuer<lb/>
müsste die INPADOC beweisen, dass nicht nicht nur lebensfähig ist und<lb/>
Geld vom Finanzminister bekommt sondern auch die übertragenen Arbeiten<lb/>
von der WIPO restlos erüfllen kann. Wenn das Werkel einmaö<lb/>
rennt, dann ist es leichter, wenn <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> noch eine zusätzliche<lb/>
Tätigkeit erfüllen will., seinen Wunsch zu erfüllen. Derzeit halte<lb/>
ich eine weitere Aufsplitterung seiner Arbietskraft für unzweckmässig<lb/>
und gefährlich. <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> dürfte aber schon weitestgehende Zusagen und<lb/>
Bindungen eingegangen sein. Ich weiss nicht, ob mein Appell fruchten<lb/>
wird, doch wollte ich insbesondere unter vier Augen ganz deutliche<lb/>
meine Meinung sagen. Die endgültige Entscheidung und Verant<lb break="no"/>wortlichkeit liegt natürlich – wie <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> ganz genau weiss –<lb/>
beim Finanzminister.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <occupation>Leiter wirtschaftspolit. Abt. HK [1971 zuerst in einer Enquete; im Juni
                  1971 als Referent und Verantwortlicher f. Statistik und Wirtsch.pol. nach Klose
                  bez.]</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Werner, A</persName>
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               <occupation>[tätig bei Siemens, Impadoc und anderen Firmen;] hat die Fa. Nixdorf für
                  Aufnahme einer Produktion in Österreich gewonnen</occupation>
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