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            <title type="main">Mittwoch, der  6. Dezember 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band13_1972-12-06</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_01">Mittwoch, 6. Dezember 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_02">Die Getreideentlastungsfrage und insbesondere die Vorratsent<lb break="no"/>lastung dürfte nun endgültig geregelt sein. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat zugestimmt<lb/>
dass das gesamt Brotgetreide, also sowohl Futter- als auch Ver<lb break="no"/>mahlungsgetreide von 1 auf 5 umgestuft wird. Dies bedeutet, dass<lb/>
der Handel statt 1,75 Vorratsentlastung 6 % Vorratsentlastung be<lb break="no"/>kommt. Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> von der Handelskammer hat bei diesen Verhandlungen<lb/>
teilgenommen und erzählte mir, dass die Berechnungen jetzt 105 Mill.<lb/>
S für den Finanzminister Belastungen ergeben hätten. Die seinerzeit<lb/>
angenommenen 100 Mill. haben nicht nur alle Getreidearten sondern<lb/>
auch eine wesentlich höhere Umstufung als ursprünglich 1 auf 3<lb/>
vorgesehen, nämlich von 1 auf 5 eigentlich beinhaltet. Da Zucker<lb/>
bereits von 1 auf 3, d.h. von 2 auf 5 %, da es sich um einen Ver<lb break="no"/>arbeitungsbetrieb handelt, vereinbart ist mit 54 Mill. wird der<lb/>
Finanzminister insgesamt 159 Mill. S bereitstellen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_03">Das Zuckerförderungsgesetz, welches 35 Mill. S kostet und die<lb/>
Stärkeförderungsergänzung mit 30 Mill. wurde zwischen den Inter<lb break="no"/>essensvertretungen und Dr. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> vom Ministerium jetzt endgültig<lb/>
ausgearbeitet und fixiert. Die Arbeiterkammer hat ursprünglich ver<lb break="no"/>langt, dass die Umwälzung des Fixkostenanteils auf die normale Zucker<lb break="no"/>produktion für das Jahr 1973 und 1974 durch einen Brief fixiert<lb/>
werden muss. Im Laufe der Verhandlungen kam dann eine mühsam<add>[sich]</add> über eine<lb/>
halbe Seite durch einen Satz hinziehende Formulierung zustande.<lb/>
Zum Glück hat sich Dr. <rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> bei der Endfassung dann nicht um die<lb/>
einzelnen Einwendungen – ich war zwar bei den Besprechungen nicht<lb/>
dabei, konnte es mir aber sehr gut vorstellen – geschert, sondern<lb/>
hat ein dem Inhalt nach vollkommen selben Brief, nur hat meiner<lb/>
Meinung nach richtig stilisiert vorgenommen. Ich bin überzeugt,<lb/>
die Minister und insbesondere die beiden Klubs werden diesen unter<lb break="no"/>schreiben und kein Mensch wird sich daran stossen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat durch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> mich wissen lassen, dass er überhaupt den Brief nicht<lb/>
unterschreiben wird. Ich glaube, dass die Hauptschwierigkeit derzeit<lb/>
und vor allem in Zukunft daraus entstehen wird, dass Vereinbarungen<lb/>
die zwischen der Regierung und z.B. der Opposition getroffen werden,<lb/>
d.h. also nicht auf Sozialpartnerebene zustandekommen, jetzt bereits<lb/>
aber in Zukunft noch viel schwieriger auf die Sozialpartnerebene<lb/>
transferiert werden können. Detailergebnisse oder Formulierungen<lb/>
<pb n="13-1474" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-12-06_1474.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stossen bereits jetzt auf beträchtliche Schwierigkeiten, noch viel<lb/>
schwieriger wird es werden, wenn tatsächlich diese Entwicklung<lb/>
sich fortsetzt und dann natürlich zu noch grösseren Spannungen kommen<lb/>
muss. In der Koalition war es in einem solchen Fall üblich, dass<lb/>
immer zuerst die Experten von den Interessensvertretungen die Grund<lb break="no"/>sätze vereinbart, formuliert und dann von den Präsidenten beschlos<lb break="no"/>sen wurden. Diesmal war es zum ersten Mal, dass eben die Regierung<lb/>
mit der Oppositionspartei eine solche Vereinbarung getroffen hat im<lb/>
Zuge der Durchführungsmassnahmen für den EWG-Freihandelszonenvertrag<lb/>
der letzten Endes bis in das Stabilisierungsabkommen hinüberreicht.<lb/>
Die Verflechtung, da sich alles mehr oder minder um die Preisgestal<lb break="no"/>tung handelt, ist natürlich sachlich begründet, politisch aber be<lb break="no"/>deutet es, dass zwei Ebenen zusammengekoppelt werden sollen und müssen.<lb/>
An den Nahtstellen müssen und werden sich auch in Hinkunft ganz be<lb break="no"/>sonders schwierige Probleme ergeben. Wer die Preisregelung hat,<lb/>
wird dann auch in dieser Frage am meisten in Mitleidenschaft ge<lb break="no"/>zogen. In diesem Fall könnte ich und müsste ich fast sagen, wäre es<lb/>
gut, wenn <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> recht hat, dass das grosse Kompetenzgesetz doch in<lb/>
dieser Legislaturperiode nicht zustandekommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_04">Die Rückstufung vom Entlastungskatalog für Sprit von 9,1 auf 8 %<lb/>
wie ihn die Monopolstelle verlangt, ein Fehler des Vertreter des<lb/>
Finanzministeriums, hat dazu geführt, dass diese 9,1 % in den<lb/>
Katalog aufgenommen wurden, hat eine groteske Entwicklung mitgemacht.<lb/>
Die Gewerkschafts- und AK-Vertreter hatten vorerst nicht beabsichtigt<lb/>
diesem Individualantrag zuzustimmen. Das Finanzministerium braucht<lb/>
aber sehr bald eine Entscheidung, damit im Hauptausschuss die neue<lb/>
Spritpreise festgesetzt werden können. Nachdem ich <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und letzten<lb/>
Endes auch <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> davon überzeugen konnte, dass eine solche Umstufung<lb/>
dem Finanzministerium 50 Mill. S Mindereinnahmen der Monopolverwaltung<lb/>
erspart und sie zustimmten, hat dann der Vertreter der Handelskammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137215">Hecke</rs> dagegen protestiert, weil er gleichzeitig auch eine Entlastungs<lb break="no"/>satzänderung für die Spirituosen-Industrie verlangte. Eine Rücksprache<lb/>
resp. Verhandlung mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> vom Fachverband und Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> von der<lb/>
Handelskammer ergab, dass für die Edelbranntweine ebenfalls der<lb/>
Entlastungssatz von 8 % angewendet werden sollte. Die ca. 15 Industrie<lb break="no"/>betriebe und 15 gewerblichen Betriebe werden deshalb Individualanträge<lb/>
stellen. Dr. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> schlug vor, dass es vollkommen genügt, wenn diese<lb/>
Individualanträge nicht innerhalb der Frist von 8 Wochen abgelehnt<lb/>
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werden. Der Fachverband wird nämlich seinen Mitgliedern mitteilen,<lb/>
dass – wenn sie einen Individualantrag auf 8 % stellen – von Seiten<lb/>
des Handelsministeriums keine Überprüfung und tatsächliche Durch<lb break="no"/>rechnung erfolgt. Er meint, dass dies möglich ist, obwohl seine Mitglie<lb break="no"/>der nachweisen könnten, dass sie nicht annähernd 8 % Umsatzsteuer<lb break="no"/>anteil tatsächlich haben. Ich habe diesem Vorschlag nicht zuge<lb break="no"/>stimmt, insbesondere nicht, weil ich vorerst mit Oberrat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
sprechen wollte und was noch wichtiger ist, auch die Zustimmung von<lb/>
AK und ÖGB möchte. Offen ist natürlich, was sie in der Zeit bis zu<lb/>
dieser 8-Wochen-Frist, d.h. in den ersten Wochen vom Jänner machen<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> meinte, sie werden halt dann die Preislisten erst<lb/>
zu dem Zeitpunkt herausgeben, wenn bereits die 8-Wochenfrist abge<lb break="no"/>laufen ist. Die Preise, bin ich überzeugt, werden sie aber sicher<lb break="no"/>lich nicht mit den 9,6, sondern mit den 8 % entlasten. Damit kommen<lb/>
sie natürlich mit dem Preisbestimmungsgesetz in Konflikt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die AK und ÖGB über diesen HK-Vorschlag<lb/>
informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_06">Die Solo-Betriebsräte sind mit Gew.Sekr. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> und dem Fachsekretär<lb/>
erschienen, da sie nach wie vor grosse Angst haben, dass die Rumänen<lb/>
tatsächlich Zündhölzer für 8 Groschen die Schachtel liefern könnten.<lb/>
Der entsprechende österr. Preis ist 18 Groschen. Der Geschäftsführer<lb/>
und alleinige Inhaber von Solo ist gestorben und sein Sohn dürfte,<lb/>
nachdem das Kartell zwischen Sirius und Solo mit Jahresende ausläuft<lb/>
und Sirius sich bereits mit den Schweden arrangiert hat, auch daran<lb/>
denken, den schwedischen Konzern für seinen Betrieb zu interessieren.<lb/>
Das Aktienkapital von 34,5 Mill. S ist nämlich durch das Defizit<lb/>
1971 mit 8 und durch das Defizit 1972 mit 16 Mill. S schon mehr als<lb/>
die Hälfte verwirtschaftet und müsste lt. Aktiengesetz eine Sanierung<lb/>
erfolgen. Sirius hat angeblich schon angedeutet, dass sie den Zünd<lb break="no"/>holzschachtelpreis um 1,5 Groschen senken wird. Die Sägefabrik, wel<lb break="no"/>che an diesen Betrieb angeschlossen war, hat verkauft werden müssen<lb/>
und ihn hat ein der Konsumgenossenschaft gehörender Privatbetrieb,<lb/>
wie mir <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> gesagt hat, der das ganze arrangierte, um 9,5 Mill. S<lb/>
aufgekauft. <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> will für den Konsummarkt in Vösendorf und für andere<lb/>
Bastler Holz schneiden. Zu diesem Zweck beabsichtigt er, russisches<lb/>
Kieferholz usw. zu importieren. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, an den sich <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> gewandt<lb/>
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gegeben, dass er als ehemaliger Schulfreund von mir, ohne mich<lb/>
jemals darauf aufmerksam gemacht zu haben, sehr wohl Ing. <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs><lb/>
in dieser Frage entgegenkommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte versuche zu klären, ob <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> 1945 oder<lb/>
1946 auf der Universität Fachgruppenleiter von der juridischen Fa<lb break="no"/>kultät gewesen ist. Weiters würde mich interessieren, wann <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
tatsächlich studiert hat und ich mit ihm Kontakt hätte haben kön<lb break="no"/>nen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_08"><rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> erzählt mir, dass er mit den einzelnen Kollegen, die v.d.<lb/>
Bestellung von <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> zum Gruppenleiter betroffen sind, verhandelt<lb/>
hat. Er selbst ist mit dieser Berufung sehr einverstanden, da er<lb/>
darin eine Erfüllung des Wunsches von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> sieht. Min.<lb/>
Rat <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> möchte nun aber, dass zwei Abteilungen aus seiner Ab<lb break="no"/>teilung werden. In der ersten müssten man die Industriepolitik<lb/>
konzentrieren, wo <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> eben dann als Gruppenleiter übergeord<lb break="no"/>net ist, in der zweiten aber sollten die sonstigen Agenden zusammen<lb break="no"/>gefasst werden, die unmittelbar der Sektionsleitung III unterstellt<lb/>
sind. In diesem Fall würde <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> dann nicht mehr <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> unterstehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> hat natürlich genau dieselbe Absicht und möchte, dass die Mak<lb/>
(Maschinenkommission) eine eigene Abteilung wird. Dieses Verlangen<lb/>
hat sogar <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> ekllärt, sei unbegründet, denn hier handelt es<lb/>
sich wirklich nur um eine unbedeutende Detailfrage, die man nicht<lb/>
in einer eigenen Abteilung konzentrieren könne. <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> wäre, wenn<lb/>
er eine entsprechende Zulage bekäme, nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs>,<lb/>
mit der Lösung sonst hundertprozentig einverstanden, auch dann<lb/>
wenn er keine eigene Abteilung zusätzlich bekommt. Eine Auszeich<lb break="no"/>nung, die <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> gerne wollte, ist deshalb nicht möglich, weil er<lb/>
erst vor kurzem eine bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> meinte, wir hätten<lb/>
vom Büro bessere Beziehungen zu <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs>, der allerdings jetzt, nachdem<lb/>
er das Gerichtsverfahren gegen <rs type="person" ref="#per__126296">Gröbl</rs> gewonnen hat, höhere Anforderun<lb break="no"/>gen stellt. Im Falle <rs type="person" ref="#per__126296">Gröbl</rs>, meint <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs>, wäre es gut, wenn ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126296">Gröbl</rs> ganz einfach jetzt bestrafen würde und kein Disziplinarverfah<lb break="no"/>ren durchgeführt wird. Ich habe <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> sofort erklärt, dass ich<lb/>
nicht daran denke, in ein vom Präsidium jetzt eingeleitetes oder<lb/>
einzuleitendes Disziplinarverfahren einzugreifen und durch eine<lb/>
Bestrafung, die <rs type="person" ref="#per__126296">Gröbl</rs> – wie er mir mitteilt – gerne auf sich<lb/>
nehmen würde, den ganzen Fall aus der Welt schaffen, damit aber<lb/>
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Streit perpetuiere. Für die Lösung dieses Problemes ist das<lb/>
Präsidium ausschliesslich zuständig und ich warte die Vorschläge<lb/>
des Präsidiums ab. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> befürchtet, dass <rs type="person" ref="#per__126296">Gröbl</rs> jetzt, dem<lb/>
er selbst auch nicht zutraut, dass er die Berufsqualitäten hat,<lb/>
um eine Abteilung zu leiten, doch durch die Disziplinarunter<lb break="no"/>suchung doch gehemmt ist. Die Stellvertretung der Sektion III,<lb/>
die ebenfalls an <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> übergehen würde, hat nun wieder <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs><lb/>
auf den Plan gerufen, der erklärte, er war bis jetzt immer Stellver<lb break="no"/>treter, wenn <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> nicht anwesend war. <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs> möchte deshalb auch<lb/>
eine Gruppenleitung und zwar für alle administrativen Abteilungen<lb/>
der Sektion III. Dieses Verlangen hat nicht einmal <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> unter<lb break="no"/>stützen können, sondern meint eben, man sollte die Stellvertretungen<lb/>
nach wie vor offen lassen, um <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> in diesem Fall nicht <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs><lb/>
vorzusetzen. Es müsste nicht der Gruppenleiter automatisch Sektions<lb break="no"/>leiterstellvertreter sein. Allerdings hat <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> zugegeben, dass<lb/>
dies in der Sektion II der Fall war und wie er mir jetzt auch be<lb break="no"/>stätigt, die Bestellung von Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> der Sektionsleitung<lb/>
eine ausgesprochen gute Lösung gewesen ist und sich immer mehr<lb/>
jetzt in der Zusammenarbeit mit der Personalvertretung bewährt.<lb/>
Betreffend der Doppelbesetzung <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> – Sektion III und noch immer OB<lb/>
fragte er, ob dies eine Dauerlösung sein sollte, was ich sofort ver<lb break="no"/>neinte und meinte, es könnte sich hier nur um einen Übergang han<lb break="no"/>deln, solange eben <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> bereit wäre, beide Positionen zu erfüllen.<lb/>
In den nächsten Monaten aber würde ich eine endgültige Entscheidung<lb/>
treffen, da <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> befürchtete, dass <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> niemals von sich<lb/>
heraus erklären wird, dass er nicht beide Abteilungen leiten und <choice><choice><sic>dam</sic><corr>damit?</corr></choice></choice><lb/>
eine doppelte Arbeit leisten könne. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> selbst hat angedeutet<lb/>
ob die OB dann innerhalb der Energiesektion fundiert wird. Ich habe<lb/>
nicht endgültig ja gesagt, doch nur darauf hingewiesen, dass ich die<lb/>
OB nicht zerstören möchte, doch aber im Rahmen einer Energiekonzep<lb break="no"/>tion nur ein Teil sein kann. Zu den Personalvorschlägen, die <rs type="person" ref="#per__112947">Engel<lb break="no"/>mayer</rs> mir bezüglich <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs>, <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs> usw. gemacht hat,<lb/>
habe ich im einzelnen nicht Stellung genommen sondern nur er<lb break="no"/>klärt, ich würde dies erst mit der Sektionsleitung besprechen müs<lb break="no"/>sen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> macht dies sehr geschickt,<lb/>
indem er ausschliesslich vorgibt, er muss die Interessen aller davon<lb/>
Betroffenen vertreten. Letzten Endes stimmte er im Prinzip unseren<lb/>
Vorstellungen zu, möchte aber scheinbar für die einzelnen noch etwas<lb/>
herausholen, entweder an neuen Teilungen und Abteilungen oder an Zu<lb break="no"/>lagen. Hier glaube ich müssen wir äusserst vorsichtig vorgehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_10">Bezüglich der Belohnung, die heuer das erste Mal, wie er sich aus<lb break="no"/>drückt, nach dem Schema von der Personalvertretung mit dem Präsidium<lb/>
durchgeführt wurde, gibt es ganz grossen Stunk. Das Kappen der Spitze<lb/>
soll angeblich, wie er sich ausdrücklich bei <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> und anderen<lb/>
Präsidialisten eine riesige Unruhe verbreitet haben. Nur bei der<lb/>
Sektion II, hat – da das im engsten Einvernehmen mit der Sektions<lb break="no"/>leitung die Aufteilung erfolgt ist und vor allem jeder einzelne<lb/>
Fall genau zwischen Sektionsleitung und Personalvertretung durchge<lb break="no"/>sprochen wurde – eine befriedigende Lösung gegeben. Dies ist glaube<lb/>
ich mit einer der Gründe, warum heute <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> auf <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> als<lb/>
Sektionsleiter direkt stolz ist und mit ihm – wie er sich aus<lb break="no"/>drückt – fabelhaft zusammenarbeitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_11">Die gleitende Dienstzeit wurde von der Personalvertretung mit<lb/>
einer Befragung abgeschlossen. Die Personalvertretung hat sich<lb/>
ursprünglich vorgenommen, nur dann zuzustimmen, wenn eine gute<lb/>
Mehrheit sich dafür entscheidet. Das Ergebnis liegt nun vor,<lb/>
es lautet 50 % für, 50 % gegen die gleitende Dienstzeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-12-06_12">Zu meiner grössten Verwunderung hat mich <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs>, nachdem er von<lb/>
Paris von der OECD-Sitzung zurückgekommen ist, sofort angerufen,<lb/>
um mir Bericht zu erstatten. <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> möchte, nachdem er eigent<lb break="no"/>lich bis jetzt – wie er sich ausdrückte – vom GATT gekommen ist<lb/>
und im GATT eigentlich sein grosses Arbeitsgebiet gesehen hat,<lb/>
doch jetzt mehr in dem OECD-Bereich aktiv mitarbeiten. Das Exekutiv<lb break="no"/>Komitee meinen Stils, wie es bezeichnet wird, das den <rs type="person" ref="#per__140278">Rey</rs>-Bericht<lb/>
behandelt, entwickelt sich heute mehr denn je zu einer Arbeits<lb break="no"/>gruppe der Industrieländer im Rahmen des GATT. Da man im GATT –<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> sich ausdrückte – keinen vernünftigen Vorschlag<lb/>
mehr machen kann, weil die Entwicklungsländer dann sofort mit allen<lb/>
Einwendungen und irrsinnigen Gegenforderungen auftauchen, wäre es<lb/>
zweckmässig, in Hinkunft im Rahmen der OECD alle Vorbesprechungen<lb/>
zu führen. Ähnlich wie es seinerzeit bei der Zollpräferenz-Regelung<lb/>
für Entwicklungsländer 30 % Ermässigung der Fall gewesen ist, wo<lb/>
vorerst die OECD dies zwischen den Industriestaaten besprochen<lb/>
hat und dann der UNCTAD vorgeschlagen wurde, sollte dies auch bei<lb/>
der neuen GATT-Runde 1972 geschehen. Gegen diese Vorgangsweise hat<lb/>
sich nur Finnland ausgesprochen, weil es meinte, dafür sei nicht<lb/>
die OECD zuständig, sondern um den Ost-West-Handel z.B., der eben<lb break="no"/>falls auf der Tagesordnung stand, müsste die Verhandlungen im Rahmen<lb/>
der ECE geführt werden. Diesen Standpunkt hat Finnland auch zweimal<lb/>
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Vorgangsweise war für mich ganz klar, dass die SU über Finnland<lb/>
dieses Problem nicht im Rahmen der OECD, sondern wenn überhaupt<lb/>
im Rahmen der ECE verhandelt haben will. Ich bin neugierig, wie<lb/>
sich die ganze Frage innerhalb Österreichs entwickeln wird. Für<lb/>
die OECD ist das BKA zuständig, für GATT war ausschliesslich das HM<lb/>
im Einvernehmen mit dem Aussenministerium zuständig. Neu war<lb/>
für mich, dass <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs>, der sonst immer auf die Kompetenz<lb break="no"/>abgrenzung und damit auf die Priorität des Handelsministerium<lb/>
grössten Wert gelegt hat, aus welchen Überlegungen konnte ich<lb/>
momentan nicht eruieren, bereit ist innerhalb der OECD nicht<lb/>
nur mitzuarbeiten sondern auch erklärt, dass man in diesen Rahmen<lb/>
die GATT-Gespräche vorbesprechen soll. Damit kommt er sicherlich<lb/>
einem internationalen westeuropäischen Trend nach, akzeptiert<lb/>
aber damit indirekt, dass die Führung in diesen Problemen letzten<lb/>
Endes an das Kanzleramt abgetreten wird.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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