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            <title type="main">Montag, der 27. November 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_01">Montag; 27. November 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_02">Die Ölbranche, d.h. die Produzenten und Händler, Tankstellenver<lb break="no"/>treter mit Dr. <rs type="person" ref="#per__137215">Hecke</rs> von der Handelskammer kamen um 8.15 Uhr zu einer<lb/>
Besprechung. Freitag wurde im Verbändekomitee die entsprechende reelle<lb/>
Kompromisslösung gefunden und die Details sollten jetzt erarbeitet<lb/>
werden. Ich verlangte dazu Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> den Preis<lb break="no"/>referenten. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> kam um 1/2 9 Uhr, <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> erschien überhaupt erst<lb/>
um 10 Uhr nachdem die Sitzung bereits beendet war. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> ist,<lb/>
wie mir <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> versichert, sonst immer einer der ersten im Büro, dies<lb break="no"/>mal dürfte er ausnahmsweise erst wirklich so spät im Amt erschienen sein.<lb/>
Ich habe ihn dann natürlich bei den weiteren Besprechungen vollkommen<lb/>
links liegen gelassen und auf seine Frage, was in diesem oder jenem Fall<lb/>
geschieht, erklärt, Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, der ja anwesend war, kennt alle Details.<lb/>
Was eigentlich das unerhörteste war, dass er sich nicht einmal für das<lb/>
Zuspätkommen entschuldigt hat. Zumindestens würde ein anderer Minister<lb/>
reagieren. Mir selbst wieder hat es insoferne imponiert, dass er keine<lb/>
Ausrede brauchte, wie jeder andere es vielleicht getan hätte. Leicht<lb/>
hätte er können erklären, dass sein Auto nicht funktioniert hat oder<lb/>
irgendeine sonstige blöde Ausrede, dafür dürfte er aber zu stolz sein.<lb/>
Die Detaildiskussion ergab, dass sowohl <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__133687">Kandler</rs> die<lb/>
Ölfirmenvertreter dieser Regelung Tankstellen zwar nichts wegnehmen<lb/>
können und wollen, dafür aber auch die Tankstellenforderungen nicht<lb/>
erfüllen, sondern sie aliquot an ihren Leistungen, solange sie negativ<lb/>
sind daran teilnehmen lassen, wenn sie dann im Juni und vor allem<lb/>
im nächsten Jahr positiv werden, durch die doch verhältnismässig<lb/>
Erhöhungen nur eine maximale Leistung erbringen werden. Der Tankstellen<lb break="no"/>vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__140256">Bukovec</rs> kämpfte interessanterweise ebenfalls nur, dass<lb/>
sie nicht benachteiligt werden. Eine Besserstellung der Tankstellen ist<lb/>
scheinbar wirklich nicht beabsichtigt. Hätten wir die Aufteilung der Er<lb break="no"/>höhungen durchzuführen, müssten wir uns wahrscheinlich mit den Tank<lb break="no"/>stellen und deren Forderungsprogramm herumschlagen. So wird, wie Dr. <rs type="person" ref="#per__137215">Hecke</rs><lb/>
dies erklärte, der Interessensausgleich eben von der Handelskammer durch<lb break="no"/>geführt werden müssen, wie dies auch in den vergangenen Jahrzehnten der<lb/>
Fall war. Vertreter des Handels meinte noch, auch Petroleum müsste ge<lb break="no"/>regelt werden, weil sie ansonsten in Wien kein Petroleum mehr führen könn<lb break="no"/>ten und würden. Hier habe ich erklärt, dass ohne die Landwirtschaft, die<lb/>
noch immer auf den Petroleumpreis grössten Wert legt, keine Entscheidung<lb/>
fallen kann. Zu der Erhöhung des Ofenheizölpreises von 1.70 auf 1.85<lb/>
<pb n="13-1430" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-27_1430.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit 1. Jänner 1973 und 1.95 mit 1. Jänner 1974 kommt die Zu<lb break="no"/>stellgebühr von + 50 Groschen, die derzeit von der Paritätischen<lb/>
Kommission genehmigt wurde, in absoluter Höhe dazu. Das einzige<lb/>
Problem wird sich bei den Heizöl, schwer-Preisen ergeben. Hier<lb/>
gilt derzeit der Raffinerie-Abgabepreis von 785.- und der Verbraucher<lb break="no"/>preis von 873.– den die Paritätische Kommission genehmigt hat.<lb/>
Dazu kommt dann noch die entsprechende Fracht. Wenn nun der Raffi<lb break="no"/>nerie-Abgabepreis und die Handelsspanne entsprechend entlastet und<lb/>
dann mit 8 % Mehrwertsteuer berechnet wird, so darf sich der Ver<lb break="no"/>braucherpreis maximal auf 883.– S erhöhen. Die Frachtzuschläge aber<lb/>
werden, wenn es sich um einen Nahverkehr handelt, nur unbedeutend<lb/>
steigen, wenn es sich aber um Transporte handelt, die von ferner<lb/>
herkommen, wenn z.B. nach NÖ oder auch in andere Bundesländer<lb/>
Importe aus Ingolstadt oder aus Triest kommen, müsste es zu<lb/>
einer wesentlichen Verbilligung der Frachtsätze durch den Wegfall<lb/>
der Fernverkehrssteuer kommen. Jetzt wollten mir die Händler ein<lb break="no"/>reden, dass für den Niederösterreicher aber auch z.B. für den<lb/>
Waldviertler Raum, wo überhaupt keine Fernverkehrssteuer bis jetzt<lb/>
galt, es zu keinerlei Verbilligungen kommen kann. Das Argument,<lb/>
dass doch grosse Mengen von Öltankern ununterbrochen Heizöl, Schwer,<lb/>
von Triest und Ingolstadt besonders in der Überschuss-Periode<lb/>
geliefert haben und der ÖMV harte Konkurrenz bereiteten, konnte<lb/>
nicht entkräftet werden. Die Frage ist aber, wie weit der einzelne<lb/>
Händler wirklich diese Verbilligung weitergibt. Die September-Triest-<lb/>
Preise, wo die Raffinerie oft um 350 S Öl abgeben musste, ist näm<lb break="no"/>lich jetzt vorüber. Die damalige Überschussmenge entstand dadurch,<lb/>
dass mehr Heizöl, Schwer, von den einzelnen ausländischen Raffinerie<lb/>
auf alle Fälle in Österreich abgesetzt werden wollte und deshalb<lb/>
die Preise tief unterboten wurden. Jetzt wird infolge des Anziehens<lb/>
des Verbrauches und damit auch der Preissteigerung und Annäherung an<lb/>
die Preise, die die Paritätische Kommission genehmigt hatte, die<lb/>
Meinung entstehen, dass es jetzt durch die Mehrwertsteuer bedingt,<lb/>
zu entsprechenden Erhöhungen kommt. Die Händlervertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__134959">Wid<lb break="no"/>halm</rs>, <rs type="person" ref="#per__121792">Steidl</rs> und <rs type="person" ref="#per__134875">Mayerhofer</rs> sind sich dieser Tatsache bewusst,<lb/>
aber ich weiss nicht, ob die tatsächlich dann eine entsprechende<lb/>
Aufklärung in der Öffentlichkeit und gegenüber ihren Kunden durch<lb break="no"/>führen werden. Sie haben sich auf alle Fälle bereiterklärt,<lb/>
die Entlastung so vorzunehmen, wie wir es beabsichtigen. Es wird<lb/>
nämlich von seiten der Preisbehörde die Entlastungssätze bekanntge<lb break="no"/>geben und verlangt, dass auf die tatsächlich verrechneten Preise<lb/>
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sind, anzuwenden sind.<lb/>
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Handelsministerium schon immer sehr schlecht war, dass aber durch<lb/>
das schlechte Beispiel der Abteilungsleiter, die kommen, wann sie<lb/>
wollen und gehen, wann sie wollen, noch mehr verdorben wird, als dies<lb/>
bis jetzt der Fall gewesen ist. Noch dazu, wo es scheinbar eine<lb/>
politische Tat ist, im Sinne der ÖVP, die Sabotage dadurch zu führen,<lb/>
dass man eben ganz einfach nicht einmal zum Dienst erscheint. Bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> mag das wirklich ein Zufall sein, dass er bei einer so<lb/>
wichtigen Besprechung ganz einfach nicht anwesend war. Als Folge<lb/>
bin ich überzeugt, wird in der Abteilung 25 – die Unternehmervertreter<lb/>
werden dafür sorgen, dass dies allgemein bekannt wird – es noch schwerer<lb/>
haben, sich gegen <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> und <rs type="person" ref="#per__136677">Sandig</rs> ebenfalls meistens dann kommen,<lb/>
wenn es ihnen passt, durchzusetzen. Am Abend hatte ich, bevor ich um<lb/>
4 Uhr zu einer Diskussion wegging, noch Besprechungen mit <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>. Ich habe diese Besprechung nicht zu Ende führen können,<lb/>
und habe angenommen, dass sie um 6 Uhr, als ich zurückkam, noch zur<lb/>
Verfügung stehen. Zu meiner grössten Verwunderung waren auch be<lb break="no"/>reits sie wieder verschwunden. Die Dienstauffassung lässt wirklich<lb/>
sehr zu wünschen übrig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich bin Deiner Meinung, dass wir aus diesem<lb/>
Fall <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> keinen besonderen Vorwurf machen sollen, andererseits<lb/>
aber ist das Verhalten doch wirklich typisch und ich weiss nicht, ob<lb/>
man das so sang- und klaglos alles hinnehmen soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_05">Beim Pressefrühstück konnte ich aus der vorhergehenden Sitzung und<lb/>
vor allem aus den ganzen Stabilisierungsabkommen-Besprechungen<lb/>
doch Einzelheiten der Presse mitteilen, ohne dass irgendjemand<lb/>
darüber beleidigt sein kann. Ich habe nämlich ganz deutlich schon<lb/>
bemerkt, dass die Pressevertreterin den letzten Wochen sich nicht<lb/>
mehr so aktiv an unserem Pressefrühstück beteiligen, als dies früher<lb/>
der Fall war. Ich glaube, der Hauptgrund liegt darin, dass sie natür<lb break="no"/>lich immer Sensationen erwarten, die man beim besten Willen nicht<lb/>
liefern kann. Um sie aber wieder zu unserem Frühstück zu locken,<lb/>
muss man ihnen Zuckerln geben, wenn sie nicht anwesend sind und dies<lb/>
dann über die soz. Korrespondenz oder vielleicht über die APA nur erfah<lb break="no"/>ren, werden sie sich sagen, wäre ich nur dort gewesen, dann hätte<lb/>
ich doch Detailinformationen bekommen, die ich jetzt erst nur über<lb/>
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vorher telefonisch ankündigen, was an Neuigkeiten von mir verlautbart<lb/>
wird, da sich dies aber wirklich oft erst im letzten Augenblick<lb/>
ergibt, ist dies äusserst schwierig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte überleg Dir, welche neue Walze wir<lb/>
für dieses Pressefrühstück auflegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_07">Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> teilten mir mit, dass wenn die<lb/>
15 resp. 20 %-ige Bindung tatsächlich kommt, unser Budget selbst<lb/>
für die Sachaufwendungen und für die in den Sachaufwendungen stecken<lb break="no"/>den Lohnanteile eine katastrophale Kürzung wäre. Nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97722">Mar<lb break="no"/>hold</rs> könnte er höchstens 5 % verkraften. Für alles darüber hinaus<lb break="no"/>gehende müsste er so drastische Reduktionen vornehmen, dass nicht<lb/>
nur sämtliche Aktionen gefährdet sind, sondern selbst auch die Auf<lb break="no"/>wendungen, die wir bisher glaubten aus dem Vollen schöpfen zu<lb/>
können, wie Aufträge für Studien usw. ganz radikal zusammengestrichen<lb/>
werden müssten. Aus den Ersparungen hier könnte er dann nur den tat<lb break="no"/>sächlichen Sachaufwand und vor allem die darin steckenden Löhne mit<lb/>
Ach und Krach bezahlen. Ich neige immer mehr der Meinung zu, dass<lb/>
wenn die Bundesregierung jetzt das Stabilisierungsabkommen be<lb break="no"/>schliesst, wir dann wirklich ganz offiziell erklären sollten, dass<lb/>
die Aktionen zwar nicht eingestellt werden, dass es aber sofort<lb/>
zu einer wesentlich Drosselung kommt. In diesem Fall könnten wir<lb/>
dann mit dem Überhang, den wir heuer sowohl an Ansuchen als vor<lb/>
allem auch an Geld, das wir heuer nicht ausgeben in das nächste<lb/>
Jahr hinübertransferieren, doch einen entscheidenden Schnitt tun.<lb/>
Wenn die Öffentlichkeit schon mehr oder minder darauf vorbereitet ist<lb/>
dass jetzt eine Stabilisierung erfolgt, dann müsste sich das doch<lb/>
auch tatsächlich bei den Rückstellen der Ansuchen im Rahmen der<lb/>
Bürges und der sonstigen Aktionen bemerkbar machen. In diesem Fall<lb/>
könnte man wahrscheinlich gar nicht das Handelsministerium oder mich<lb/>
allein angreifen, sondern dies wäre eben eine Folge der durchge<lb break="no"/>führten Stabilisierung. Wenn wir nämlich die Aktionen jetzt zurück<lb break="no"/>stellen, d.h. neue Ansuchen eben nur aufnehmen im Hinblick, dass<lb/>
am Ende der Stabilisierungsperiode erst Bearbeitung und Zuteilung<lb/>
erfolgen wird, wird es viele geben, die auf die Zuschüsse verzichten.<lb/>
Dadurch bekommen wir mehr Luft. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> behauptet, dass das Finanz<lb break="no"/>ministerium überhaupt noch gar nichts im Detail gewusst hat und<lb/>
<pb n="13-1433" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-27_1433.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>insbesondere <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs>, der für das Handelsministerium zuständig ist,<lb/>
von der volkswirtschaftlichen Abteilung im Finanzministerium keine<lb/>
wie immer geartete Verständigung bekommen hat. Erst angeblich ist er<lb/>
durch <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> auf die Vereinbarung aufmerksam gemacht worden. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs><lb/>
erklärte mir aber später, als ich dies bezweifelte, denn sie hätten das<lb/>
zumindestens aus den Zeitungen lesen können, dass in Wirklichkeit be<lb break="no"/>leidgt sind, weil sie eben von der volkswirtschaftlichen Abteilung des<lb/>
Finanzministeriums gar nicht gefragt wurden, als die 15 bzw. 20 %-ge<lb/>
Bindung vom Finanzminister vorgeschlagen wurde. Meiner Meinung nach<lb/>
will daher die gekränkte Abteilung im Finanzministerium jetzt durch<lb/>
besonders rigorose Handhabung beweisen, dass diese Lösung verheerend ist<lb/>
und damit die volkswirtschaftliche Abteilung dort eine auswischen.<lb/>
Ich habe mich zwar durch einen Brief an den Finanzminister abgedeckt,<lb/>
aber ich weiss natürlich nicht, wann der beantwortet, resp. wer ihn<lb/>
überhaupt bearbeitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte feststellen, was mit meinem Brief geschehen<lb/>
ist und wann mit einer schriftlichen Beantwortung zu rechnen ist. Davon<lb/>
werde ich natürlich dann meine Erklärung gegenüber der Öffentlichkeit<lb/>
bezüglich unserer Aktionen und Einsparungen abhängig machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_09">In der Fraktion des Handelsausschusses fragte NR <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, ZS der Metall<lb break="no"/>arbeiter, zum Bergbauförderungsgesetz, ob wir nicht den Kreis ausdehnen<lb/>
könnten. Beim ersten Bergbauförderungsgesetz waren alle Mineralien<lb/>
verbal möglich, im zweiten Bergbauförderungsgesetz, das jetzt noch<lb/>
gilt, hatten sich auf Kohle und Buntmetalle beschränkt und im dritten,<lb/>
dem jetzt beschlossenen hat man glaube ich sehr richtig die einzelnen<lb/>
Metalle aufgezählt, weil es sonst immer zu Streitigkeiten kommt, wo<lb/>
infolge Budgetknappheit nur gewissen, nämlich Kohle, Blei, Zink und<lb/>
Kupfer, das sind eigentlich die wichtigsten Metalle, die von der BBU<lb/>
und von Mitterberg erzeugt und gefördert werden müssen, hier aufgezählt<lb/>
werden. Wenn man nämlich die seltenen Metallen, wie z.B. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> wollte,<lb/>
dazunimmt, kommen dann auch mit mehr oder minder gleichem Recht noch<lb/>
weitere dazu. Da es aber vollkommen aussichtslos ist, die notwendigen<lb/>
Mittel zu bekommen, habe ich diesen Vorschlag so wie auch bereits<lb/>
aus der Begutachtung von einzelnen Stellen vorgebracht, abgelehnt.<lb/>
Die Frage, die <rs type="person" ref="#per__97805">Pay</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> interessierte, war wann endlich<lb/>
Fohnsdorf stillgelegt wird. <rs type="person" ref="#per__97805">Pay</rs> ist deshalb besonders interessiert,<lb/>
weil er als Köflacher Abgeordneter natürlich dann genau weiss,<lb/>
<pb n="13-1434" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-27_1434.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass die Graz-Köflacher Bergbaugesellschaft ohne Fohnsdorf<lb/>
aktiv gebaren würde. Der zweite negativ Bergbau ist Pölfing-Bergla<lb/>
der immerhin mit über 20 Mill. S Jahresdefizit die Graz-Köflacher<lb/>
schwer belastet. Fohnsdorf kommt heuer wieder mindestens auf<lb/>
70 Mill. S. Die Gewerbestrukturverbesserung, die Erhöhung von<lb/>
3 % auf 5 % wollte man eigentlich von mir nur wissen, ob damit<lb/>
zweckmässige Strukturverbesserung betrieben wird, was ich mit<lb/>
ruhigem Gewissen beantworten konnte, da ja letzten Endes sogar<lb/>
ein Beirat existiert, wo die Arbeiterkammer aber von der National<lb break="no"/>ratsfraktion <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> als Vertreter anwesend ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_10">Im Handelsausschuss stellte sich heraus, dass die ÖVP keinerlei<lb/>
Abänderungsanträge stellte, ja nicht einmal den Versuch unternahm,<lb/>
durch Redner irgendwelche Wünsche, die es in der Begutachtung von<lb/>
einzelnen Stellen gegeben hat, zur Sprache zu bringen. Nur <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs><lb/>
von der FPÖ meldete sich zu den beiden Gesetzen zu Wort. Die ÖVP<lb/>
war durch Ersatzmitglieder im Ausschuss nicht einmal vollzählig<lb/>
vertreten. Übrigens ein Zustand, der auch von der SPÖ-Fraktion<lb/>
von mir festgestellt werden konnte. Hätte die ÖVP also mit<lb/>
voller Stärke irgendwelche Abänderungsanträge gestellt, so wären wir<lb/>
in der Minderheit geblieben. Scheinbar kämpft der ÖVP-Klub aber<lb/>
nur auf Hauptfrontlinien und betrachtet den Handelsausschuss, wo<lb/>
es bis jetzt immer zu einstimmigen Beschlüssen gekommen ist, sicher<lb break="no"/>lich auch dank meiner Taktik, dass jedes Gesetz mit den Inter<lb break="no"/>essenvertretungen abgesprochen und weitestgehend koordiniert wird,<lb/>
hat auf diesem Sektor noch nicht den Kampf eröffnet. Hier könnte<lb/>
uns aber einmal eine grosse Überraschung blühen, wenn der Klub so<lb/>
leichtfertig immer annimmt, dass sowieso hier immer alles gemanagt<lb/>
ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_11">Nach dem Handelsausschuss sprach ich mit <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> und <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> über den<lb/>
Wunsch der ÖMV, der seit Jahrzehnt bereits existiert, nämlich<lb/>
Herabsetzung der Förderzinsleistung durch die ÖMV. Die ÖMV hat<lb/>
mit 15 % für einzelne alte Fördergruben eine verhältnismässig<lb/>
grossen Förderzins zu bezahlen. Da <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> im Zuge der Benzin<lb break="no"/>preisregelung der ÖMV eine solche Zusage gemacht hat, habe ich<lb/>
ohne auf diese Tatsache hinzuweisen, wieder jetzt mit der Bergbe<lb break="no"/>hörde jetzt das Problem besprochen, wie man die ÖMV, die ja eigent<lb break="no"/>lich eine positive Förderung und im wahrsten Sinne des Wortes viel<lb/>
Geld für neue Förderungen ausgibt, entlasten könnte. Die Bergbehörde<lb/>
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Finanzministerium nicht zustimmt, den Förderzins weder ermässigen<lb/>
noch erlassen. Das Ganze beruht nämlich auf privatrechtlichen<lb/>
Verträgen zwischen dem Bund, d.h. in diesem Fall Einvernehmen des<lb/>
Finanzministers mit den einzelnen Gesellschaften. Die RAG, d.h.<lb/>
Mobil und Shell, sind durch Staatsvertrag abgesichert, dass sie nur<lb/>
6 % leisten müssen. Dazu kommen allerdings bei den neuen Förderungen<lb/>
2 %, welche die Länder als Tribut von den Ölfirmen verlangen. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs><lb/>
und auch <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> waren sehr positiv von meinem Vorschlag, dass wir<lb/>
uns doch überlegen sollten ob nicht der Förderzins jetzt für<lb/>
die ÖMV gesenkt werden könnte, eingestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_12">Direktor <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> vom Kuratorium für Verkehrssicherheit für die<lb/>
Schwerpunktprogramm 955.000 S ausgegeben. Er hoffte, dass das<lb/>
Handelsministerium hier zusätzliche Subventionen geben kann,<lb/>
was ich natürlich infolge unserer budgetären Lage ablehnen musste.<lb/>
1973 hat das Kuratorium bereits beschlossen, dass es ausserstande<lb/>
ist, soviele Schwerpunktprogramme rein technisch und vor allem auch<lb/>
finanziell zu verkraften. Es wird deshalb nur 3 Schwerpunkte geben.<lb/>
Drei stillere Aktionen sollen insbesondere dem ÖAMTC und dem ARBÖ<lb/>
die Möglichkeit geben, ihre Klubarbeit in diese Kuratoriums<lb break="no"/>tätigkeit einzubinden. Ich selbst habe damals, als das Schwerpunkt<lb break="no"/>programm auf meine Mit-Initiative auf eine Woche konzentriert<lb/>
wird, im vorigen Jahr war es so, dass durch Monate hindurch ein<lb/>
solches Schwerpunktprogramm behandelt wurde und damit eigentlich<lb/>
überhaupt nichts erreicht wurde, seinerzeit eigentlich schon erwartet,<lb/>
dass die durchführenden Organe sich gegen diese 6 Programme stellen<lb/>
werden. Diese Intensiv-Woche, wie wir sie eingeführt haben, bedeutet<lb/>
nämlich, dass tatsächlich das Fernsehen, der Rundfunk, Gendarmerie<lb/>
Polizei KfV usw. in dieser Woche ganz besonders hart arbeiten müssen<lb/>
und in Anspruch genommen werden. Ich kann mir daher sehr gut vor<lb break="no"/>stellen, dass man bestrebt ist, dies auf dreimal im Jahr zu konzen<lb break="no"/>trieren und die andere Zeit eben andere Aktionen zu starten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> fragte auch an, wie es möglich ist, dass jetzt die Ausweise<lb/>
für Techniker, die von mir ausgestellt werden und wo <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> sich<lb/>
sehr kooperierend gezeigt hat, nun doch beim Innenministerium ge<lb break="no"/>landet sind, was eine grosse Verzögerung bedeutet. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs>, der<lb/>
gerufen wurde, konnte sofort erklären, dass diese Weisung von<lb/>
ihm sehr sinnvoll war, denn.er sagte, das Innenministerium muss<lb/>
ja dann weitergeben an die Polizei, Gendarmerie-Dienststellen,<lb/>
<pb n="13-1436" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-27_1436.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass Leute mit diesem Ausweis, es soll sich um Techniker handeln,<lb/>
Untersuchungen durchführen, entsprechend von diesen Organen unterstützt<lb/>
werden müssen. Deshalb muss das Innenministerium nicht nur davon wissen,<lb/>
sondern auch sein Einverständnis erklären. Bevor <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> erschien,<lb/>
hatte ich nämlich <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> schon erklärt, das <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> sehr kooperiert<lb/>
und es mich wundern würde, wenn er hier eine Massnahme setzt, die nicht<lb/>
wirklich begründet ist. In der dritten Frage zeigte sich allerdings,<lb/>
dass das Handelsministerium ebenfalls sehr bürokratisch ist. Ein For<lb break="no"/>schungsauftrag des Kuratoriums hat es notwendig gemacht, dass sie in<lb/>
die Führerscheinkartei Einsicht nehmen. Sie haben leider – da <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs><lb/>
nicht anwesend war und die Psychologen, die diese Untersuchung führten<lb/>
nichts von Bürokratie wissen – das Handelsministerium um Genehmigung<lb/>
gefragt. <rs type="person" ref="#per__134301">Steinhart</rs> hat sofort an den Verfassungsdienst und an alle<lb/>
möglichen Stellen geschrieben, die haben ihm dann mitgeteilt, dass<lb/>
es ganz unmöglich ist, dass ein Nicht-Beamter in eine solche Kartei<lb/>
Einblick nimmt, wo Personaldaten vermerkt sind. <rs type="person" ref="#per__134301">Steinhart</rs> hat deshalb<lb/>
in einem Brief sehr höflich aber bestimmt, diese Aktion abgelehnt.<lb/>
In der Zwischenzeit hat natürlich das Kuratorium dank seiner Verbin<lb break="no"/>dungen und seiner jahrzehntelangen Gepflogenheit ohne diese Genehmigung<lb/>
in die Führerscheinkartei Einsicht genommen und die Arbeit abgeschlossen.<lb/>
Dies ist nichts Neues, das macht sie also seitdem es existiert. <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs><lb/>
wollte jetzt nur wissen, wie und was er jetzt mit dem Brief machen<lb/>
sollte. Ich war mit ihm sofort einer Meinung, in Hinkunft nicht mehr<lb/>
fragen, sondern so handhaben, wie seit Jahrzehnten und den Brief am bes<lb break="no"/>sten schubladieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-27_13">Eine AEZ-Passage-Diskussion über 2 Stunden, obwohl es sehr kalt war,<lb/>
hat mich überrascht. ES war die zahmste, die ich seit langer Zeit<lb/>
bei diesen Diskussionen gehabt habe. Ich hatte angenommen, so wie auch<lb/>
andere, dass es jetzt wegen der Preise, Stabilisierungsprogramm usw.<lb/>
zu härtesten Angriffen kommen wird. Entweder war die Kälte<lb/>
daran schuld oder die Leute resignieren wirklich, auf alle Fälle<lb/>
verlief alles ganz harmlos. Als mich zum Schluss dann jemand fragte,<lb/>
welche Strafmöglichkeiten es gegen Preistreiber resp. überhaupt<lb/>
undisziplinierte Unternehmer gibt und ich dies sehr sachlich ausein<lb break="no"/>andergesetzt habe, hat mich doch dann ein Vertreter scheinbar der Selb<lb break="no"/>ständigen gefragt, warum nicht ich selbst Unternehmer werde. Hier<lb/>
konnte ich dann ein bisschen demagogisch erklären, dass ich zwar ge<lb break="no"/>lernter Stein- und Offset-Drucker bin, mich aber deshalb nicht selb<lb break="no"/>ständig machen könnte, weil ich mir das Kapital dazu noch nicht erwirt<lb break="no"/><pb n="13-1437" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-27_1437.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schaftet habe. Die Antwort fand allgemein Zustimmung sogar mit<lb/>
Applaus und der Betreffende hat mir nachher sogar noch die Hand<lb/>
geschüttelt. Ich wundere mich immer wieder, wie die Bevölkerung sehr<lb/>
positiv auf diese Diskussionen reagiert. Als ein Kritiker dort<lb/>
meinte, ob entsprechende Geheimpolizisten dort stehen und alles<lb/>
notieren und dann die betreffenden verfolgen, habe ich mich natür<lb break="no"/>lich mit aller Schärfe gegen eine solche Unterstellung gewandt.<lb/>
Ich erklärte, dass niemand den Namen nennen braucht, ich sogar,<lb/>
wenn jemand den Namen sagt, erkläre, dass sie nicht notwendig sei<lb/>
und dass ich alles daran setzen würde, wenn jemand eine solche Unter<lb break="no"/>stellung dieser Diskussion zugrundelegt, mich mit allen Mitteln<lb/>
dagegen zu wehren. Ich muss sagen, dass der Mann auch wirklich mit<lb/>
dieser Meinung allein dasteht und keinerlei Anklang gefunden hat.<lb/>
Durch jahrelange Diskussionen auf einem Platz wird man wirklich<lb/>
mit der Zeit ein Begriff. Viele haben nämlich bei ihren Anfragen<lb/>
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sie selbst erinnern mich dann auch, was ich in der Oppositionszeit<lb/>
gesagt habe, was mir oft gar nicht unangenehm ist, weil ich dann<lb/>
anknüpfen kann, wenn sich unsere Meinung resp. meine Auffassung<lb/>
vielleicht durch die Politik bedingt und durch die Tagesgeschehnisse<lb/>
verursacht in dem einen oder andren Punkt in der Aussage zumindestens<lb/>
gewandelt hat. Ich bin überzeugt, dass solche Diskussionen, die<lb/>
zielführendste Arbeit ist, die ein Politiker überhaupt durchführen<lb/>
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