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            <title type="main">Mittwoch, der 22. November 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band13_1972-11-22</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_01">Mittwoch, 22. November 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_02">Im SPÖ-Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> über das ÖIAG-Stahlfusionsgesetz<lb/>
die Drittelbesetzung durch die Betriebsräte wurde der ÖVP insofern<lb/>
schmackhafter gemacht als festgehalten wurde, daß bei der Bestellung<lb/>
von Direktoren und Prokuristen, bei Investitionen, die 30 % des Aktien<lb break="no"/>kapitals übersteigen, diese Drittel-Aufsichtsratsmitglieder nicht<lb/>
mitstimmen können. Nur die 2 bis jetzt delegierten Betriebsräte haben<lb/>
Stimmrecht. Dagegen wendete sich sowohl der BRO der VÖEST <rs type="person" ref="#per__114138">Brauneis</rs><lb/>
als auch der von Ranshofen, <rs type="person" ref="#per__97545">Hellwagner</rs>, sowie von Schoeller-Bleckmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133797">Samwald</rs>, Sekretär der Chemiearbeitergewerkschaft <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs>. Als <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs><lb/>
dann sogar noch mitteilte, dass die Volkspartei dem Gesetzentwurf trotz<lb break="no"/>dem nicht zustimmt, sondern ihn nur zur Kenntnis nimmt, meldeten sich<lb/>
die Kritiker ein zweites Mal und verlangten, dass man zum SPÖ-Entwurf<lb/>
zurückkehren sollte. <rs type="person" ref="#per__97545">Hellwagner</rs> verwies insbesondere darauf, dass 1966<lb/>
die Aufsichtsparität von der ÖVP sofort durch Mehr-Nominierung ihrer<lb/>
Mitglieder gebrochen wurde und bis heute die Mehrheit z.B. in Ranshofen<lb/>
der ÖVP-Aufsichtsratsmitglieder besteht. Alle waren aber damit einver<lb break="no"/>standen, dass die Vorstandsdirektoren ohne Zustimmung der Drittel-Arbeiter-<lb/>
Vertreter vom Aufsichtsrat bestellt werden sollen, sie wehren sich nur<lb/>
dagegen, dass sie bei der zweiten Garnitur nicht mitreden dürfen.<lb/>
Auch hier kam deutlich zum Ausdruck, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der dieses Gesetz<lb/>
ja eigentlich verhandelt hat und mit der ÖVP vereinbart hat, nicht<lb/>
anwesend ist. Ich glaube, wenn er referiert hätte und ganz besonders<lb/>
dann zum Schluss Stellung genommen hätte zu den Kritikern diese nicht<lb/>
noch einmal auf ihrem Standpunkt so beharrten, wie sie es jetzt natürlich<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> machten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_03">Im Nationalrat hat im Plenum sowohl die FPÖ als auch die ÖVP zur Sta<lb break="no"/>bilisierungserklärung von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> in Vertretung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
erklärt, dass es eigentlich sinnlos ist, über dieses Probleme jetzt<lb/>
wo man sogar noch mit den Sozialpartnern verhandelt, zu diskutieren.<lb/>
Minister a.D. <rs type="person" ref="#per__132171">Kotzina</rs>, der mich fragte, ob ich für die Rieder, die<lb/>
einen grösseren Messe-Gelände-Entwurf ausarbeiten Zeit habe, meinte<lb/>
sogar, was <choice><choice><sic>sie den</sic><corr>sei denn?</corr></choice></choice> überhaupt der Grund gewesen, diese Debatte vom<lb/>
Zaun zu brechen. Ich erklärte die offizielle Version, dass die SPÖ<lb/>
befürchtete, dass ansonsten eine dringliche Anfrage über dieses Problem<lb/>
von der ÖVP oder der FPÖ vorgebracht worden wäre. <rs type="person" ref="#per__132171">Kotzina</rs> erklärte,<lb/>
dass dies wirklich nicht beabsichtigt sei. Ich selbst stellte dann nur<lb/>
fest, dass eben ein mangelnder Kontakt und Vertrauen zwischen den Klub<lb break="no"/>chefs existiert, denn sonst hätte man dies doch wirklich absprechen können,<lb/>
<pb n="13-1408" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-22_1408.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wenn wirklich die ÖVP und die FPÖ so dagegen gewesen sind. Zum Vor<lb break="no"/>schlag, die Rieder finanziell zu unterstützen, erklärte ich, dass<lb/>
maximal, wenn eine entsprechende Planung vorgenommen wird, von meinem<lb/>
Ministerium ein kleiner Zuschuss zu dem Planungskonzept geleistet werden<lb/>
könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_04">Abgeordneter <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, der in der Debatte ebenfalls sprach, erklärte mir,<lb/>
dass Direktor <rs type="person" ref="#per__140237">Almer</rs> von der Konsumgenossenschaft Graz am Landesparteitag<lb/>
der SPÖ zwar vielleicht wirklich dem Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> von den 16.000<lb/>
Artikeln erzählt hat, doch in Wirklichkeit es sich nur um 160 Artikeln<lb/>
handelt. Einer Aktennotiz, die Direktor <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> vom Konsumverband zu<lb break="no"/>sammengestellt hat, ergibt, dass in einem Grossraumladen der Obersteiermark<lb/>
ein allgemeiner Preisrückgang von 2 % mit 8 % Mehrwertsteuer belasteten<lb/>
Lebensmitteln mit Ausnahme der sozial kalkulierten Artikel, bei Wurstwaren<lb/>
7 %, bei Frischfleisch 5 % und bei Obst und Gemüse 2 % Preissenkung zu<lb/>
verzeichnen sind. Ausserdem könnte Essig und Obstkonserven aus dem Inland<lb/>
sowie importierte Tabakwaren und Süsswaren realisiert werden können.<lb/>
Vier Waschmittel, Haarpflegemittel und chem.-technische Produkte bleiben<lb/>
im Preis gleich. Die mit 16 % belasteten Artikel würden aber alle steigen.<lb/>
Wie man in diesem Fall einen allgemeinen Preisrückgang von 2 % dann<lb/>
errechnet, ist mir unerklärlich. Eine genaue Kalkulation und Durchrech<lb break="no"/>nung soll jetzt bei der Konsumgenossenschaft Wien in Arbeit sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte mit Ing. <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> Kontakt aufnehmen, der angeblich<lb/>
eine endgültige Durchrechnung und sofort zur Verfügung stellen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_06"><rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> ist über die Preisentwicklung sehr beunruhigt, auch über die<lb/>
Debatte scheint's nicht sehr glücklich und meint, es wäre doch gut ge<lb break="no"/>wesen, hätte man damals im Feber meinen Vorschlag in der SPÖ-Regierung<lb/>
mehr beachtet. Insbesondere erinnert er sich sehr genau über die damaligen<lb/>
Diskussion bei der Regierungsklausur in Vöslau. Als er die Unterlagen sich<lb/>
anschaut, meint er, dass alles eigentlich damals schon vorgeschlagen<lb/>
wurde, nur abgerundeter und mehr durchdiskutiert und vor allem abge<lb break="no"/>sprochen. Diese späte Erkenntnis nützt uns zwar jetzt auch nichts mehr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_07">Vertreter der Fa. Agip teilen mit, dass sie den Vorschlag der Mineralöl<lb break="no"/>wirtschaft, die Herabsetzung der Mehrwertsteuer auf 8 % nicht akzeptieren<lb/>
können. Sie selbst befinden sich derzeit schon in den roten Ziffern<lb/>
und haben von ihren 250 Mill. S Stammkapital 123 Mill. im Laufe der Jahre<lb/>
<pb n="13-1409" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-22_1409.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch Verlustvortrag verloren. Im Vorjahr haben sie trotz der<lb/>
Benzinpreiserhöhung von 20 Groschen 30 Mill. S Defizit gemacht und<lb/>
heuer werden es 25 Mill. sein. Sie sprechen sich interessanterweise gegen<lb/>
die Erhöhung des Ofenheizölpreises von 1.70 auf 1.85 S aus. Sie<lb/>
fürchten hier scheinbar, dass dann der Preis für Extra Leicht, wo sie<lb/>
heute 1.000 S pro Tonne nur erzielen, eine so grosse Konkurrenz<lb/>
gegen Ofenheizöl werden wird, dass sie auch dieses Extra Leicht nicht<lb/>
mehr verkaufen können. Bei Heizöl ist ein derartiger Preisverfall bei<lb/>
Schwer kann man statt der 780 ein bisschen mehr als die Hälfte<lb/>
erlösen und Extra Leicht hat den Vorteil, dass es billigere Brenner- und<lb/>
Installationskosten hat, als Ofenheizöl. Obwohl es natürlich denselben<lb/>
Zweck erfüllt. Wenn daher eine grosse Preisdifferenz entstehen würde<lb/>
durch Preiserhöhung von Ofenheizöl, würden die Konsumenten dann doch<lb/>
in Hinkunft nur mehr Öfen installieren, wo man auch Extra Leicht ver<lb break="no"/>brennen kann. Derzeit ist das Verhältnis noch 1,2 Mill. t Heizöl<lb/>
Extra Leicht gegen 700.000 t Ofenheizöl. Ofenheizöl aber können sie<lb/>
– die AGIP aber auch die anderen Firmen – nur dann importieren, wenn<lb/>
sie eine Raffinerie besitzen, wo sie entsprechende Verfärbung resp.<lb/>
Kontrolle des Zolles durchführen lassen können. Agip-Vertreter er<lb break="no"/>klärten mir auch, dass sie sehr wohl für mein Tankstellen-Konzept,<lb/>
dass in Hinkunft keine weiteren Tankstellen mehr errichtet werden<lb/>
sollen eintreten, mit 1.750 Tankstellen sei der österr. Markt reich<lb break="no"/>lichst bestückt und Agip selbst wird nur mehr 8 im Bau befindliche<lb/>
beenden und dann keine weiteren mehr errichten. Dann hat Agip ins<lb break="no"/>gesamt 228 Tankstellen in Österreich. Ich versprach den Agip-Vertretern<lb/>
dass ich nach Abschluss des Ölpreiskonfliktes die Firmen zusammenrufen<lb/>
werde und bitten, dass sie doch jetzt im Hinblick darauf, dass es<lb/>
auf alle Fälle zu einer für sie unbefriedigende Lösung kommt, doch<lb/>
übereinstimmend jetzt mit mir ein Tankstellen-Konzept vereinbaren<lb/>
sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte eine diesbezügliche Vorarbeit in Angriff<lb/>
nehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_09">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs> intervenierte für die <choice><choice><sic>Energie-Sektor</sic><corr>Energiesektion?</corr></choice></choice> doch Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123164">Zimmermann</rs> in Aussicht zu nehmen. Ich erklärte, dass ich die Entschei<lb break="no"/>dung bereits getroffen habe und dafür Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114587">Frank</rs> vom Forschungs<lb break="no"/>ministerium nur in Frage kommt. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wurde von seinem zufälligen<lb/>
Namensvetter <rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs> als ausgesprochener Fachmann qualifiziert, der<lb/>
nur eine unglückliche Personalführung hat. Als Energiemann aber hat<lb/>
er beste Verbindungen und insbesondere mit <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> vom Verbund, den<lb/>
er jahrzehntelang kennt. Auch wissenschaftlich ist <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bestens aner<lb break="no"/>kannt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_10">Für <rs type="person" ref="#per__123164">Zimmermann</rs> intervenierte <rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs> nur, weil er erklärt, dass er<lb/>
sehr grosse Schwierigkeiten mit Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> hat. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> dürfte<lb/>
die Genossen eben weniger nach ihrer Parteifarbe und Parteitreue, sondern<lb/>
ausschliesslich nur nach Leistungen qualifizieren. Deshalb sagte mir <rs type="person" ref="#per__134310">Franc</rs>,<lb/>
hätte er auch den derzeitigen Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__136059">Fleischmann</rs> sowie andere<lb/>
Genossen – <rs type="person" ref="#per__123164">Zimmermann</rs> usw. – gerne aus der ÖIAG weg. Hier dürften sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> mit Recht verbündet haben.<lb/>
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einen weiteren Bergbauförderungszuschuss zu erhalten. <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> erklärte,<lb/>
dass er 15 Mill. kurzfristigen Kredit hat, der nur durch einen ÖIAG-<lb/>
Brief bezüglich der Haftung aufgenommen werden konnte. Ende Jänner wird<lb/>
er aber für die vergangenen sieben Monate 6,7 Mill. S offene Rechnungen<lb/>
haben. 1 Mill. Investitionen und 1,5 Mill. Sprengstoff darunter. 1972<lb/>
wird er 15 Mill. Bergbauförderung kriegen und damit natürlich nicht die<lb/>
offenen Rechnungen decken können. Deshalb meint er, dass er 1973<lb/>
mehr als die 8,5 Mill. minus 15 % Bindung bekommen müsste. Vom Finanz<lb break="no"/>ministerium hat ihn Ministerialrat <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs>, der jetzt für des Handels<lb break="no"/>ministerium zuständig ist, erklärt, er soll einen Kredit sich aufnehmen<lb/>
und von uns Zinsenzuschüsse verlangen. <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> befürchtet, und ich glaube, da<lb/>
hat er recht, dass ihm niemand einen Kredit geben wird, wenn er nicht<lb/>
gleichzeitig eine Ausfallhaftung bringen kann. Die Jänner-Löhne<lb/>
mit 1,8 Mill. und 400.000.– S Gehälter, insgesamt incl. der Sozial<lb break="no"/>abgaben 2,2 Mill. sind gedeckt. Das einzige, was ich ihm zusicherte,<lb/>
war, dass nach einer Überprüfung durch Finanzministerium und Handels<lb break="no"/>ministerium wir ihm Anfang des Jahres sofort einen Teil der 7,5 Mill.<lb/>
Bergbauförderung, die er bis jetzt für 1973 erwarten kann, flüssig machen<lb/>
würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Die Prüfung ist bereits, wie <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> mir mitteilte, vor<lb break="no"/>gesehen, bitte veranlasse, dass man dort aus Liquidationsgründen so schnell wie möglich die<lb/>
erste Tranche flüssig macht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_13">Dr. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> vom Patentamt wollte mir unbedingt einreden, dass er, um sich<lb/>
gegen die derzeitige Patentamtsleitung durchzusetzen, Vizepräsident<lb/>
werden müsste. Sicher wird er von <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs>, aber auch den Vizepräsidenten<lb/>
sowie insbesondere von <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs>, internationales Patentdokumentations<lb break="no"/>zentrum, schlecht behandelt. Zumindestens nach seiner Meinung. Er fürchtet<lb/>
auch, dass er von Besprechungen, jetzt wo es um die Existenz des Patent<lb break="no"/>amtes, und damit auch um seine Existenz geht, ausgeschaltet wird. Er hätte<lb/>
die seinerzeitigen Verhandlungen geführt, damit die Jugoslawen jetzt<lb/>
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kooperierend heranzuziehen, hätte auch die entsprechenden Absichten mit<lb/>
Polen, doch würde er bei dem jetzt vorgesehenen Besuch ausgeschaltet<lb/>
sein. Ich habe <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> ersucht, sie sollten sich neuerdings<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> ins Einvernehmen setzen. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> selbst versicherte ich,<lb/>
dass er jederzeit über Dr. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> im Ministerium seine Vorschläge an mich<lb/>
herantragen kann und soweit es irgendwie geht, er bei vernünftigen Plänen<lb/>
er von mir unterstützt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_14">Frau <rs type="person" ref="#per__140240">Riscovary</rs> intervenierte um den Komm.Rat Titel für Herrn <rs type="person" ref="#per__140239">Morawetz</rs><lb/>
zu erreichen. Frau <rs type="person" ref="#per__140240">Riscovary</rs> ist angeblich Disponentin bei der Habsburg<lb/>
und meinte, dass ihr Chef, obwohl er Deutscher ist, bereits nach 2 Jahren<lb/>
den Titel erhalten hat. <rs type="person" ref="#per__140239">Morawetz</rs> dagegen, sagt man, er sei ein halber<lb/>
Roter und er könne deshalb, obwohl er auch in der Handelskammer tätig<lb/>
ist, diesen Titel nicht erreichen. Als ich ihr als einzige Auskunft<lb/>
gab, sie sollten sich halt an die zweite Gruppe in der Handelskammer<lb/>
dem Freien Wirtschaftsverband wenden, damit sie eine Auskunft bekommen<lb/>
kann, da ich über keinerlei Titelverleihungen verfüge, meinte sie, dass<lb/>
das von ihrem Standpunkt unerklärlich sei. Ich dürfte scheinbar nicht<lb/>
wissen, was man mit dieser Titelvergabe alles erreichen kann. Von Jagd<lb/>
bis zu Geldspenden könne man alles damit erreichen. Weil ich dies aber<lb/>
weiss, habe ich erklärt, bin ich der Meinung, dass ich womöglich mit<lb/>
dieser Sache nichts zu tun haben sollte und deshalb bei meinem Amts<lb break="no"/>antritt alle Titel der Handelskammer zur Verfügung gestellt habe. Wenn sie<lb/>
mir konkrete Unterlagen gibt, werde ich sehr dankbar sein, weil ich<lb/>
dann endlich die Möglichkeit habe, Einzelfälle zumindestens aufzugreifen<lb/>
und abzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-22_15">Ing. <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs>, der ZBO der Angestellten von der Verbund, und <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> als Ver<lb break="no"/>bund-Aufsichtsrat besprachen mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mir die weitere Vorgangs<lb break="no"/>weise in dieser Gesellschaft. <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> wird auf alle Fälle, dies habe<lb/>
ich mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> bereits vereinbart, am 30. Juni 1973 ausscheiden. Er<lb/>
soll nun, nach Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, in den Aufsichtsrat kommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und insbesondere <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> vermuten, dass dann sowohl <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> als<lb/>
auch der nachrückende <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> es sehr schwer haben werden. <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs><lb/>
wird heute bereits, um seine Position zu festigen, alles mit ÖVP-Seite<lb/>
besprechen und dadurch die politische Schlagkraft in der Verbundgesell<lb break="no"/>schaft weiter gefährden. Derzeit seien in den finanziellen Abteilungen<lb/>
ganz besonders in der Personalabteilung nur lückenlos ÖVP-Angehörige<lb/>
aufgenommen worden und beschäftigt. Die notwendige Reorganisation von<lb/>
der Verbund und den Sondergesellschaften, die ich den beiden vortrug<lb/>
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durchgeführt werden, wenn der neue Vorstand durch einen Aufsichtsrat<lb/>
unterstützt wird, der nicht von den alten Genossen gehemmt wird. Nach<lb/>
Meinung <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuths</rs> und vor allem auch <rs type="person" ref="#per__140241">Perls</rs> sowie ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97543">Heindls</rs><lb/>
müssten die Versorgungsposten wie z.B. für <rs type="person" ref="#per__97718">Marek</rs>, <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs>, <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs><lb/>
usw., die jetzt im Aufsichtsrat sind und kommen sollen, abgeschafft<lb/>
werden. Da nach wie vor aber für dieses Problem <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> zuständig ist,<lb/>
muss mit ihm über diese Frage gesprochen werden. Angeblich hat <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
seinem Sekretär erklärt, dass er in dieser Sache nichts mehr unternehmen<lb/>
will, sondern nur mehr auf meine Vorschläge aktiv wird. Ich glaube dies<lb/>
nicht ganz, wohl aber hat <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> klar und deutlich zu erkennen gegeben,<lb/>
dass er, bevor er eine endgültige Entscheidung trifft, die letzten Endes<lb/>
im Parteipräsidium fällt, sehr wohl mit mir Kontakt hält.<lb/>
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die sie mit dem Kollektivvertragsausschuss des Gewerkschaftsbundes ge<lb break="no"/>habt haben. Dort hätte ZS <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> sich sehr positiv über die beabsichtigte<lb/>
Abmachung zwischen dem Sozialpartnern am Lohnsektor ausgesprochen. Die Handels<lb break="no"/>kammer hat vorgeschlagen, dass in Hinkunft für die nächsten 6 Monate<lb/>
betriebliche Lohnbewegungen, die mit den Firmen verhandelt werden und<lb/>
zu keiner Einigung kommen, an die Gewerkschaft abgetreten wird. Diese<lb/>
müsste mit dem Fachverband versuchen, zu einer Lösung zu kommen. Wenn<lb/>
auch dies nicht möglich ist, wäre der Lohnunterausschuss anzurufen,<lb/>
das innerhalb 3 Wochen zu entscheiden hätte. In diesem Fall wäre also<lb/>
die Schlichtungsstelle, die die Handelskammer seit längerer Zeit schon<lb/>
wünscht, endlich erreicht. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst betrachtet dies aber nicht als<lb/>
Schlichtungsstelle. Für die Kollektivvertragsverhandlungen, Sonderzahlungen<lb/>
usw. würde für die nächsten 6 Monate, soweit nicht die übliche Laufzeit<lb/>
der Kollektivverträge abgelaufen ist, eine Stillstandsperiode vereinbart<lb/>
werden. Gegenforderung des ÖGB insbesondere Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, dass dafür die<lb/>
Handelskammer zustimmen müsste, dass erstens Preissenkungen durchgeführt<lb/>
werden, wo es sich um Betriebe handelt, die Gewinne machen, dass<lb/>
zweitens die Handelspannen reduziert werden müssen, wurde ganz entschieden<lb/>
abgelehnt und bereits fallengelassen. Darüber hinaus besteht die grosse<lb/>
Gefahr, dass die Handelskammer auch nicht zustimmt, dass die Importwaren<lb/>
unter die Paritätische Kommission fallen, und dass insbesondere Werbe<lb break="no"/>ausgaben nicht in dem jetzigen Umfang berücksichtigt werden müssen.<lb/>
Ebenso werden Branchenanträge von der Handelskammer abgelehnt. Die ein<lb break="no"/>zige Zusage ist, dass detailliertere Unterlagen dem Preisunterausschuss<lb/>
zur Verfügung gestellt werden sollen. Was <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> aber am meisten erschüt<lb break="no"/>terte, war, dass wenn im Lohnunterausschuss dann die betrieblichen Ver<lb break="no"/><pb n="13-1413" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-22_1413.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einbarungen akzeptiert werden, diese als Kalkulationspost beim Preis<lb break="no"/>unterausschuss anerkannt werden müssen. Das Stabilisierungsabkommen<lb/>
spiesst sich also nicht nur bei den Regierungsvereinbarungen und Be<lb break="no"/>sprechungen sondern auch auf der Sozialpartnerebene. Ich bin aber über<lb break="no"/>zeugt, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> letzten Endes eine Präsidentenverein<lb break="no"/>barung zustande bringen werden. Nicht so überzeugt bin ich, dass <choice><choice><sic>nachme</sic><corr>nachdem?</corr></choice></choice><lb/>
ja die Regierungs-Stabilisierungsvorschläge eigentlich auch auf<lb/>
alle Fälle durchziehen, von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> angelegt wurden, er eine Zustimmung<lb/>
der Handelskammer und der Landwirtschaftskammer erreichen wird. Hier<lb/>
zeigt sich eben auch der Unterschied, wie ich <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> erklärte,<lb/>
zu meinem Konzept bei Jahresbeginn. Ich hatte nämlich damals garantiert<lb/>
die Handelskammer zeitgerecht in Vorbesprechungen eingeschaltet und<lb/>
sicherlich auch die Zustimmung zu einem solchen Stabilisierungsabkommen<lb/>
aller Sozialpartner erreicht.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Gf., Dir. Kupferbergbau Mitterberg</occupation>
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