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            <title type="main">Dienstag, der 21. November 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_01">Dienstag, 21. November 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_02">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>, <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> von der ÖFVW besprechen<lb/>
mit mir das nächste Programm der Direktoriumssitzung durch. Der<lb/>
wichtigste und kritischste Punkt ist das Budget für 1973, das wir<lb/>
noch nicht endgültig festlegen können. Der Bund hat zwar zugestimmt,<lb/>
um 60 Mill. auf 72 Mill. seinen Teil zu erhöhen und im Budget habe ich<lb/>
auch die Mittel bekommen, doch dürften die Länder ihrerseits nicht<lb/>
bereit sein, den Anteil jetzt schon zu erhöhen. Sie wollen diese<lb/>
Erhöhung erst 1974 vornehmen. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> bemüht sich sehr, hier<lb/>
eine Änderung des Standpunktes der Finanzreferenten der Länder zu<lb/>
erreichen. Ich selbst werde keine Intervention vornehmen, denn in<lb/>
Wirklichkeit ist es mir nur recht, wenn die Länder keine Erhöhung durch<lb break="no"/>führen, dann erspare ich mir in meinem Budget 12 Mill., die ich<lb/>
dringend für ein eventuelles BÜG als Deckung brauche, um andere Aus<lb break="no"/>gaben, die ich tätigen muss, zu finanzieren. Ausserdem stelle ich<lb/>
neuerdings fest, dass sowohl von der Zentralverwaltung, als auch<lb/>
von den Aussenstellen ein ungeheurer Druck auf mehr Personal und<lb/>
höhere Einkommen kommt, weil eben überall mit Recht vermutet wird,<lb/>
dass jetzt die ÖFVW genug Mittel besitzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Einerseits ist es ganz vorteilhaft, eine solche<lb/>
Vorbesprechung zu führen, andererseits kostet sie natürlich auch wieder<lb/>
riesig viel Zeit und im Direktorium muss ich dann doch noch einmal die<lb/>
gesamte Tagesordnung abwickeln. In Hinkunft müsste es eigentlich genü<lb break="no"/>gen, wenn <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> mit Dir die einzelnen Probleme durchbespricht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_04"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ist selbstverständlich einverstanden, dass <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> nicht<lb/>
bis Jahresende, sondern erst bis Ende Jänner Brüssel räumt und ich<lb/>
selbst kann umso leichter diesem Wunsch <rs type="person" ref="#per__135642">Leitners</rs> nachkommen, als ich<lb/>
ja gar niemanden momentan zur Verfügung hätte, um ihn nahe Brüssel zu<lb/>
schicken. Damit beweise ich <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> ein ungeheures Entgegenkommen<lb/>
und kann ihm zum Schluss, bevor er nach Brüssel zurückreist, sogar<lb/>
sagen, dass alle seine Wünsche erfüllt wurden. Er bekommt den inter<lb break="no"/>essanten Posten<add>[in?]</add> China und braucht nicht überstürzt aus Brüssel zurück<lb break="no"/>kehren. Er ist nicht ganz dieser Meinung, ist aber deutlich sichtbar<lb/>
schon sehr ausgesöhnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_05">Die Arbeitsgemeinschaft österr. Messen, derzeit unter Vorsitz<lb/>
von Präsident <rs type="person" ref="#per__140100">Roth</rs>, Graz, hat sich endlich für 1973 auf Termine<lb/>
geeinigt, die sich nicht mehr überschneiden. Der Vorsitz wird im<lb/>
nächsten Jahr auf Innsbruck, Landesrat <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> übergehen. Der Ver<lb break="no"/>treter der Klagenfurter Messe, <rs type="person" ref="#per__140231">Kleindienst</rs>, beschwert sich, dass die<lb/>
FLD ihnen mitgeteilt hat, dass sie in Hinkunft für die Platzmiete<lb/>
16 % Mehrwertsteuer, wenn sie bereits jetzt Umsatzsteuer bezahlt haben,<lb/>
und für alle anderen Leistungen 8 % bezahlen müssen. Dieser 8 %-Anteil<lb/>
macht bei ihnen 80 % aus, so wie bei der Wiener Messe. Nur die Innsbruk<lb break="no"/>ker hätte sogar 94 %-Anteil von diesen 8 %. Ohne dass ich die Diskus<lb break="no"/>sion kenne, die bis jetzt bereits abgeführt war, erkläre ich sofort,<lb/>
dass es sinnlos wäre, jetzt die Meinung der FLD Kärnten anzugreifen,<lb/>
denn auch Min.Rat <rs type="person" ref="#per__135264">Bundy</rs>, der Umsatzsteuerreferent im FM, vertritt<lb/>
diese Meinung. Insbesondere <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> stimmt mir sofort zu, und meint,<lb/>
es wäre falsch jetzt dieses Problem mit dem Finanzminister zu disku<lb break="no"/>tieren. Sie werden alle 8 % verrechnen und auf die Betriebsprüfung an<lb break="no"/>kommen lassen. Bezüglich der Entlastung einigen wir uns, dass sie für<lb/>
den Eintritt 7,4, für die Vermietung 5,5 wie im Entlastungskatalog<lb/>
vorgesehen, ansetzen werden. Etwaige Kostensteigerungen, die sie an<lb break="no"/>geblich haben, müssen sie bei der Paritätischen Kommission durchbringen.<lb/>
Keinesfalls stimme ich auf ihre Anfrage zu, dass sie dies bei dieser<lb/>
Gelegenheit gleich still und leise machen können. <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> meint,<lb/>
es war ein Fehler, dass sie mich gefragt haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte die Arbeiterkammer auf diesen Tatbestand<lb/>
hinzuweisen und aufmerksam zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_07">Zum Verbändekomitee ist sogar auch <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erschienen, er hat sich<lb/>
aber an der Diskussion überhaupt nicht beteiligt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst hat<lb/>
Einwände der Handelskammer vorgetragen und natürlich gegen die Kredit<lb break="no"/>bindung, die ja auch den Fremdenverkehr und die Bürges trifft, Beden<lb break="no"/>ken geäussert. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> von der Landwirtschaftskammer hat überhaupt<lb/>
dies ganz entschieden abgelehnt, da er meint, in AIK, d.h. Agrarinvesti<lb break="no"/>tionskredite, seien 700 Mill. Rückstände, die es aufzuholen gibt und<lb/>
eine Bindung würde deshalb ganz entschieden von ihnen abgelehnt.<lb/>
Betreffend der Ausschreibungen für Bauten urgiert <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass die<lb/>
ÖNORM A 50 20 unter allen Umständen aufrechterhalten werden muss und<lb/>
auch die Verschiebung von Aufträgen nur für Branchen erfolgen sollen,<lb/>
wo keine Kapazität mehr frei ist. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat bei seinen Erläuterungen<lb/>
eine solche Bemerkungen fallengelassen, die <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> natürlich sofort begie<lb break="no"/>rig aufgreift. Bei den preisgeregelten Waren und deren Entlastung nimmt<lb/>
<pb n="13-1402" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-21_1402.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sowohl <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> eine ganz harte Stellung ein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> deutet an, dass für Getreide und Zucker eine Lösung ge<lb break="no"/>funden werden kann, indem er die Umsatzsteuer novelliert und diese<lb/>
Produkte aus der Vergütungsgruppe I in eine höhere umstuft. Dadurch muss<lb/>
er nicht die Mehrwertsteuervorratsentlastung ändern sondern schafft dadurch<lb/>
für diese Produkte eine bessere Ausgangsposition aus der derzeitigen<lb/>
Umsatzsteuer, die er allerdings auch durch Gesetz durchführen muss.<lb/>
Für Treibstoff zeigt sich keine Lösung, da die Mineralölindustrie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
eine Unterlage gegeben hat, wonach die Mehrwertsteuer von 16 auf 8 %<lb/>
reduziert werden sollte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beharrt ebenfalls auf dieser Forderung.<lb/>
Hier bin ich sehr gespannt, wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, ohne den internationalen Öl<lb break="no"/>gesellschaften eine Konzession zu machen aus dem Dilemma heraus<lb break="no"/>kommt, dass er den Benzinpreis jetzt in der ersten Phase überhaupt<lb/>
nicht und dann erst schön langsam um 30, 40 und 49 Groschen erhöhen will.<lb/>
Eine ähnlich schwierige Lösung wird sich beim Elektrischen Strom ergeben.<lb/>
Bei den Kreditmassnahmen spricht sich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ganz entschieden gegen eine<lb/>
aktivseitige Kreditkontrolle aus und meint, es würde eventuell die<lb/>
Handelskammer zustimmen, dass die Mindestreserven für Einlagen von<lb/>
derzeit maximal 15 % wie im NB-Gesetz vorgesehen, bis auf 50 % erhöht<lb/>
werden könnten. Auch ein Bardepotgesetz sei nicht notwendig, ja man könnte<lb/>
mit den 30 grossen Firmen, das sind die verstaatlichten Betriebe und<lb/>
einige multinationale Gesellschaften eine Gentlemen's-Agreement abschliessen<lb/>
damit sie nicht ausländische Kredite in Anspruch nehmen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vergisst<lb/>
dabei vollkommen oder will es ganz einfach nicht sagen, dass über die<lb/>
Importe grade von den multinationalen Gesellschaften jederzeit eine<lb/>
Kreditpolitik betrieben werden kann, das gilt übrigens für alle Importeure.<lb/>
Durch Zahlungsziel im Ausland eine entsprechende Kapitaleinfluss nach<lb/>
Österreich zu erreichen. Über die Einkommenspolitik haben vormittags<lb/>
die Präsidenten verhandelt und sie werden nach berichten in den Gremien<lb/>
fortgesetzt. Interessant war, dass bei dieser Besprechung nicht nur <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs><lb/>
als Präsident der Industriellenvereinigung, sondern auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der kein<lb/>
Präsident ist, anwesend war, obwohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> allein erschienen<lb/>
sind und keinen zweiten Mann mitgenommen haben. Die Gewerkschaft und<lb/>
die Landwirtschaftskammer werden diese Probleme im Laufe dieser Woche,<lb/>
die Handelskammer am Montag in ihren Vorständen besprechen und dann kann<lb/>
noch weiter verhandelt werden. Ich glaube, dass die Handelskammer und<lb/>
vor allem die Landwirtschaftskammer zwar erklären werden, zwar erklären<lb/>
sie seien im Prinzip für eine Stabilisierungspolitik, auch soweit es in<lb/>
ihrer autonomen Entscheidung liegt, bei Preisen und Löhnen zu einem zu<lb break="no"/>stimmenden Übereinkommen kommen kann, dass sie aber das Stabilisierungs<lb break="no"/><pb n="13-1403" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-21_1403.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>paket der Bundesregierung ablehnen werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat auch schon an<lb break="no"/>gedeutet, dass morgen im Parlament die Handelskammer sehr hart attackie<lb break="no"/>ren wird, nicht zuletzt durch eine Inseraten-Kampagne, die jetzt obwohl<lb/>
es zwischen ihm und der Handelskammer zu Absprachen und Einigung gekom<lb break="no"/>men ist, von der letzten gestartet wurde. Interessant ist, dass bei<lb/>
diesen halbseitigen Inseraten, dass die Regierung an der Teuerung schuld<lb/>
ist, in der Wiener Zeitung die Bundeshandelskammer als Anzeiger aufscheint,<lb/>
im Kurier die Arbeitsgemeinschaft für Öffentlichkeitsarbeit der Wirt<lb break="no"/>schaft und im Volksblatt überhaupt kein Hinweis ist. Hinter allem<lb/>
aber steht das Aktionskomitee oder mit anderen Worten der österr. Wirt<lb break="no"/>schaftsbund. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint noch, er hätte mich ersucht, da die Han<lb break="no"/>delskammer jetzt offiziell gegen die Regierung Stellung nimmt, <choice><choice><sic>die</sic><corr>das</corr></choice></choice> Auf<lb break="no"/>sichtsrecht wahrzunehmen. Ich flüstere ihm, dass ich ja keine Möglichkeit<lb/>
habe und er erklärt mir sofort, das weiss er und erwartet auch<lb/>
gar nichts. Hart trifft es <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass bereits im Parlament die<lb/>
vorzeitigen AfA-Sätze geändert wurden. Anstelle der bisherigen für ge<lb break="no"/>wisse Entwicklungsgebiete vorgesehenen 60 % und den sonst üblichen<lb/>
von 45 % wurde im Finanzausschuss ein durchschnittlicher 50 %-iger<lb/>
Satz festgelegt. Ich bin nicht ganz sicher, ob es sehr sinnvoll war,<lb/>
die Trennung zwischen Entwicklungsgebieten und sonstigen fallen zu<lb/>
lassen, denn das wird uns in diesen Gebieten ungeheure Vorwürfe ein<lb break="no"/>tragen, dass wir sie jetzt neuerdings im Stich lassen. Da wir ihre<lb/>
Abschreibungssätze um 10 % verringert haben. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass im BKA von der Raumplanungsseite sowie im Handelsministerium<lb/>
niemand über diese Massnahme verständigt wurde, sondern eben der Finanz<lb break="no"/>ausschuss, ich bin überzeugt auf Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, eine solche<lb/>
Entscheidung getroffen hat. Die vorgesehen zusätzliche AfA von 30 %<lb/>
hat der Finanzausschuss ebenfalls auf 25 % reduziert und für das Jahr<lb/>
1974 erst Inkraftsetzungstermin angenommen, dann soll sie drei Jahre<lb/>
gelten. <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs> wehrt sich ganz besonders, dass die Wertberichtigung<lb/>
für Exportforderung von 5 % ebenfalls für das Jahr 1973<add>[oder 1974? Anm.]</add> ausgesetzt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_08">Bevor ich in die Sitzung ging, hat mich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu sich gebeten, um<lb/>
das Problem der Zuckerförderung zu besprechen. Er befürchtet, dass wenn<lb/>
die 2.70, die mit der ÖVP als Höchstdifferenzbetrag vereinbart wurden<lb/>
nicht im Gesetz stehen, er unter schwierigen Druck kommen könnte und<lb/>
ich sichere ihm deshalb zu, dass wir unter diesen Umständen selbst<lb break="no"/>verständlich aufnehmen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_09">Im Kautsky-Kreis erörtert <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> die Massnahmen, die man mit dem Kre<lb break="no"/>ditapparat besprochen hat. Ich ergänze dann über die letzte Verhandlung,<lb/>
<pb n="13-1404" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-21_1404.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die beim Finanzminister mit den Interessensvertretungen geführt wurde.<lb/>
Interessant ist, dass sich so wie immer <rs type="person" ref="#per__139723">Milford</rs> mit einigen theoretisch<lb/>
vielleicht richtigen aber in der Praxis nicht durchführbaren Vorschlä<lb break="no"/>gen meldet. Auch <rs type="person" ref="#per__98001">Szécsi</rs> meint, es wäre zweckmässig, eine Baubewirtschaf<lb break="no"/>tung einzuführen. Noch immer denken unsere Leute in der Arbeiterkammer<lb/>
rein theoretische Modelle aus, die in der Praxis beim besten Willen<lb/>
durch durchzuführen sind. Ich kann nur lachen, wenn z.B. <rs type="person" ref="#per__98001">Szécsi</rs><lb/>
meint, man müsste halt, wenn man eine Baubewirtschaftung nicht mit<lb/>
zusätzlichen Beamten aufbauen will, z.B. Referenten der Gewerbe<lb break="no"/>politik heranziehen, denn es sei wichtig, eine Baubewirtschaftung zu<add>[?]</add><lb/>
führen als in der Gewerbeordnung, die derzeit gesetzlichen Bestimmungen<lb/>
eben z.B. noch die Bedarfsprüfung usw. durchzuführen. Ich weiss nicht,<lb/>
ob es auf sie einen Eindruck macht, aber die anderen glaube ich stim<lb break="no"/>men mir doch zu, dass die Baubewirtschaftung doch erstens ökonomisch<lb/>
nicht allzu grossen Erfolg hätte, die soz. Doktrin mit dieser Baube<lb break="no"/>wirtschaftung zu verhindern, dass die Einfamilienhäuser und ganz be<lb break="no"/>sonders die Luxuswohnungen gebaut werden, sondern eben mehr Wohnungen<lb/>
nicht über die Schwierigkeit hinweghelfen, dass meistens Länderkompe<lb break="no"/>tenzen vorliegen und vor allem einmal alle Beamte durch das Schutz<lb break="no"/>gesetz § 67 überhaupt nicht versetzt werden können. Die optimistisch<lb break="no"/>ste Auslegung unseres Stabilisierungsabkommen machte <rs type="person" ref="#per__97379">Butschek</rs> vom<lb/>
Wirtschaftsforschungsinstitut, der sagte, es wird im nächsten Jahr<lb/>
im Frühjahr zu einer wesentlichen Stabilisierung kommen, er glaubt,<lb/>
dass die Preissteigerungen im jetzigen Umfang gestoppt werden können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> dagegen ist der Meinung, dass durch den Nachfrageüberhang es<lb/>
jahrelang dauern wird, bis wir wieder unter die 8 %-Rate kommen kön<lb break="no"/>nen. Er sieht keine wie immer gearteten Möglichkeiten, dass wirklich<lb/>
eine Preisdämpfung in der nächsten Zeit eintreten wird. Kurzfristig<lb/>
gebe ich <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> vollkommen recht, aber ob es wirklich jahrelang<lb/>
dauern wird, bezweifle ich doch, obwohl ich weiss, dass wir natürlich<lb/>
von der europäischen Entwicklung auf diesem Sektor mehr denn je abhängig<lb/>
sind. Wenn es der ÖNB und unseren Genossen bei den Verhandlungen<lb/>
gelingt, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann doch zu überzeugen, dass von <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs><lb/>
und vielen bezweifelt wird, die Kreditrestriktion von 20 % durch<lb/>
aktivseitige Kontrolle auf 15 % reduziert wird, so ist dies meiner<lb/>
Meinung nach ein grosser Dämpfer, obwohl auch hier <rs type="person" ref="#per__139723">Milford</rs> erklärt,<lb/>
dass dies alles viel zu wenig sei. Ich bin sehr froh, dass der Partei<lb break="no"/>rat jetzt endlich die Wirtschaftskommission beschlossen hat, dadurch<lb/>
fällt für mich diese leidige Wirtschaftskommission der Partei, wo ich<lb/>
mit den Genossen der anderen Ressorts aber ganz besonders auch mit<lb/>
unseren Freunden in der Arbeiterkammer mich hätte öfters wahrscheinlich<lb/>
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wirklich eine gute Diskussionsbasis, während man bei meiner Anwesen<lb break="no"/>heit immer nur von der Enttäuschung spricht, die der Finanzminister<lb/>
gegen die Banken nicht vorgeht und vor allem auch über die Enttäuschung<lb/>
mit der die Bauwirtschaft anstelle einer straffen Kontrolle durch das<lb/>
Bautenministerium <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> versagt hat, bin ich überzeugt wird man, wenn ich<lb/>
nicht dabei bin, jetzt sowieso seitdem ich Regierungsmitglied bin,<lb/>
erklären, dass auch in der Wirtschaftspolitik viel zu weich vorge<lb break="no"/>gangen wird. In einer Zwischenbemerkung meinte <rs type="person" ref="#per__97873">Philipp Rieger</rs>, dass ich<lb/>
ja immer als Inflationist aufgetreten bin und deshalb bis vor einigen<lb/>
Monaten meine Politik ja Früchte getragen hat. Dies meine ich im<lb/>
wahrsten Sinne des Wortes, weil ja eben dadurch und da hat <rs type="person" ref="#per__118662">Klenner</rs><lb/>
schon recht, immer weiter in eine höhere Inflationsrate hineingestol<lb break="no"/>pert sind. Ich glaube allerdings, dass diese Entwicklung weniger durch<lb/>
die innerösterreichische Politik zustande gekommen ist, sondern dass<lb/>
hier doch der europäische Einfluss wesentlich grösser war als wir<lb/>
dies zur Kenntnis nehmen wollten und derzeit noch wollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_10">In der Sektionsleitersitzung auf der Landstrasse gibt es über Preis-<lb/>
und Wirtschaftssituation eine verhältnismässig harmlose Diskussion,<lb/>
nicht zuletzt deshalb, weil natürlich ich mit den Argumenten, dass in<lb/>
der BRD auch die Preishysterie der CDU/CSU nichts genützt hat, obwohl dort<lb/>
100 Mill. DM von seiten der Unternehmer für diese Partei zur Verfügung<lb/>
gestellt wurden, eine leichte Argumentation für mich ergibt. Der Nach<lb break="no"/>teil oder der Vorteil in einer Demokratie ist, dass wenn irgendwo<lb/>
Wahlen sind, die positiv oder negativ für irgendeine Idee ausgehen,<lb/>
für diese Idee dann sofort und von dem Erfolg vor allem, alle<lb/>
Parteien profitieren. Die Kritik, der Genossen für die Ergebnisse der<lb/>
Betriebsratswahlen insbesondere in den Sozialversicherungsträgern habe<lb/>
ich eigentlich keine wirklich Erklärung, die ich mit ruhigem Gewissen<lb/>
öffentlich vertreten könnte. Die allgemeinen Hinweis, die zwar stimmen,<lb/>
dass man sich eben um den Betrieb im einzelnen sehr genau kümmern muss,<lb/>
wie das z.B. in der Zentralsparkasse die Betriebsräte jetzt in den ver<lb break="no"/>gangenen drei Jahren getan haben und deshalb einen ungeheuren Erfolge<lb/>
erzielen konnten, dass andererseits aber auch die Institutsleitung<lb/>
von allergrösster Bedeutung für solche Erfolge ist, wie eben das nega<lb break="no"/>tive Ergebnis bei den Sozialversicherungsträgern insbesondere bei den<lb/>
Krankenkassen in Vorarlberg und in Wien zeigen, ist zwar eine Erklä<lb break="no"/>rung aber keine Entschuldigung. Natürlich spielt auch hier eine grosse<lb/>
Rolle, dass unverantwortliche Direktoren, die sich gegen ungerecht<lb break="no"/><pb n="13-1406" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-11-21_1406.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fertigte Forderungen in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten nicht<lb/>
ausgesprochen haben, die jetzt im Zuge der Sanierung der Rückführung<lb/>
auf ein normales Mass natürlich die dortigen Beschäftigten treffen,<lb/>
schlägt sich dann eben bei den Betriebsratswahlen in die Ergebnisse<lb/>
nieder. Ungerechtfertigte Zugeständnisse von Funktionären und Direk<lb break="no"/>toren hören sich und nehmen sich im Zeitpunkt des Beschlusses sehr ange<lb break="no"/>nehm an, aber sind dann in weiterer Folge, wenn sie saniert werden<lb/>
müssen, umso schwerwiegender für die dort Beschäftigten und können kaum<lb/>
ohne Verluste ausgemerzt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-11-21_11">Das positivste Ergebnis dieses Tages war aber, dass ich <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> davon überzeugen konnte, dass ich Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> für die Zweit<lb break="no"/>besetzung, d.h. auch für die Nachfolge von <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> nicht nur gewinnen<lb/>
konnte, sondern dass sich auch zugestimmt haben, dass <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> die Mög<lb break="no"/>lichkeit hat, ohne als Verräter von der OB, schön langsam in die<lb/>
Industriesektion hinüberzuwechseln, zu gelten. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> hat, mir uner<lb break="no"/>klärlich, eine Riesenangst, dass die OB in die Industriesektion einge<lb break="no"/>gliedert werden soll. Da ich dies nicht beabsichtige, ich kann mich<lb/>
auch nicht erinnern, jemals eine solche Unterlage gesehen oder auch<lb/>
nur von mir bestätigt zu haben, erkläre ich in aller Form bei der<lb/>
Sektionsleiterbesprechung, dass dies niemals der Fall sein wird. Wohl<lb/>
weise ich aber <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> und <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> darauf hin,<lb/>
dass eine ganz neue Situation für die OB entstehen wird, wenn die<lb/>
Energiesektion in unser Haus durch das grosse Kompetenzgesetz kommen<lb/>
wird, ohne auf Details einzugehen bereite ich ihn systematisch vor,<lb/>
dass dann wohl grosse Änderungen Platz greifen werden.<lb/>
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