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            <title type="main">Donnerstag, der 12. Oktober 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_01">Donnerstag, 12. Oktober 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_02">Beim Parteivorstand vor der Klubtagung steht als einziges Problem<lb/>
die Kärntner Ereignisse zur Berichterstattung durch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs><lb/>
zur Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, jetzt muss durchgegriffen werden und<lb/>
wenn die Ortstafeln wieder entfernt werden, dann wird es überhaupt<lb/>
keine Ortstafeln mehr geben. Auch deutschsprachige sollen dann nicht<lb/>
mehr aufgestellt werden. <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> selbst meint, dass wenn die Exekutive<lb/>
sich nicht anders verhält als bisher, ist es besser, sie wird abgezogen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> ist überhaupt für eine harte Tour, die schweigende Mehrheit endlich<lb/>
zu aktivieren. Die Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__98080">Herta Winkler</rs> greift insoferne die<lb/>
Regierung an, als sie meint, bei sonstigen Anlässen wie Katastrophen<lb/>
kommen Regierungsmitglieder sofort in das betroffene Gebiet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat vorher aber erklärt, dass er bereit ist, wenn die Partei es wünscht,<lb/>
eine grosse Aufklärungskampagne in Klagenfurt starten. <rs type="person" ref="#per__98080">Herta Winkler</rs><lb/>
möchte am liebsten, dass der Innenminister dort erscheint und entsprechend<lb/>
Befehle gibt. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> kommt nachher zu mir, um mir auseinanderzusetzen,<lb/>
dass er überhaupt keine Befehlsgewalt hat, sondern dass dies die ört<lb break="no"/>lich zuständigen Polizei- und Gendarmerie-Dienststellen machen müssen.<lb/>
Auf Weisung des Landeshauptmannes. <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> selbst dürfte unentschlossen sein,<lb/>
welchen Kurs er einschlagen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_03">Auf der Klubtagung hält <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ein blendendes Referat. Seine Vorschläge<lb/>
zur Stabilisierung gipfeln allerdings nur in einem Appell. an die Sozial<lb break="no"/>partner und an die gesamte Bevölkerung. Die Frage für mich ist, wie<lb/>
weit sein antikonformes Verhalten z.B. die Steuersenkung oder jetzt<lb/>
insbesondere die neue Einführung der zusätzlichen ausserordentlichen AfA<lb/>
von 30 % von anderen ihm aufgezwungen wurden. Bei der Steuersenkung<lb/>
weiss ich, dass es der ÖGB gewesen ist. Wieweit er die 30 %-ige zusätz<lb break="no"/>liche vorzeitige AfA selbst erfunden hat oder auf Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
zurückzuführen ist, weiss ich nicht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst hat aber, als man<lb/>
mit der ÖVP endgültig abgeschlossen hatte, die sogenannten Begleitmassnah<lb break="no"/>men dann noch verlangt, dass eben jetzt eine zusätzliche Leistung von<lb/>
Seiten der Regierung für die Industrie erfolgen sollte. Wie weit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
dann die Investitionssteuer kompensieren wollte und deshalb die 30 %-ige<lb/>
vorzeitige zusätzliche AfA einführte, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube<lb/>
die Hauptschwierigkeiten für den Finanzminister sind darin zu suchen,<lb/>
dass er aus politischen Einflüssen und ganz besonders natürlich auf Wunsch<lb/>
des Bundeskanzlers oftmals Zusagen oder eine Politik machen muss, die<lb/>
eigentlich gegen seine ursprüngliche Linie gerichtet sind. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat,<lb/>
<pb n="13-1261" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-10-12_1261.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>als einmal ganz entfernt die Gefahr bestand, dass ich Finanzminister<lb/>
werden sollte, deshalb richtig erkannt, in diesem Fall müsste diese<lb/>
Position die Möglichkeit haben, in allen Gremien vom Präsidium der<lb/>
Partei abwärts nicht nur zu sitzen, sondern auch dort alle geldmäs<lb break="no"/>sigen Ausgaben und Beschlüsse nur mit seiner Zustimmung gefasst werden<lb/>
können. Diese theoretisch richtige Konstruktion ist in der Praxis natür<lb break="no"/>lich nur vollkommen unmöglich. Kein einziger Bundeskanzler in der zweiten<lb/>
Republik, wo ich es genauer verfolgte, hat jemals dem Finanzminister einer<lb/>
solche starke Position gegeben oder die Politik, die er meistens als Partei<lb break="no"/>obmann ja auch vertreten musste, vom Finanzminister seiner Zustimmung abhän<lb break="no"/>gig gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_04">Als Diskussionsbeitrag hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> recht gesagt, man müsste eine Sprach<lb break="no"/>regelung für die Stabilisierungsfragen finden und insbesondere der Be<lb break="no"/>völkerung und unseren Genossen und ganz besonders unseren Funktionären<lb/>
die Dinge einfacher darstellen und ihnen die Möglichkeit geben, mit den<lb/>
Gegnern dann zu diskutieren, indem sie die Probleme verstanden haben.<lb/>
Durch einfache Erklärung und Beispiele. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> schwebt vor, man müsste<lb/>
einen Art Wohlstandsvergleich mit vorhergehenden Jahre anstellen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat die sehr gute Idee, vielleicht wäre es möglich, einen Wohl<lb break="no"/>standsindex zu berechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bevor wir so etwas in die Welt setzen, müsste stu<lb break="no"/>diert werden, was es bis jetzt auf theoretischem Gebiet und vor allem<lb/>
in anderen Staaten auf diesem Sektor existiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_06">LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__97935">Sebastian</rs>, dem ich unseren Telegrammwechsel mit LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs><lb/>
zeige, meint, dass die Landesregierung bereits vor Monaten beschlossen<lb/>
hat, Starlight zu unterstützen, ohne dass ein ERP-Kredit vorgesehen<lb/>
gewesen ist. Diesbezügliche Vertragsentwürfe zwischen Starlight und<lb/>
der Landesregierung über Kreditzuschüsse waren bereits fertig. <rs type="person" ref="#per__97935">Sebastian</rs><lb/>
ist mit unserem eingeschlagenen Weg vollkommen einverstanden. ZS <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs><lb/>
hat mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__116019">Weiser</rs> von Bunzl &amp; Biach ein Telefongespräch und<lb/>
teilt mir mit, dass er die Papierindustrie über die Entscheidung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs>, nun Starlight doch zu unterstützen, erschüttert sei. <rs type="person" ref="#per__116019">Weiser</rs><lb/>
behauptet, er hätte einen Ersatzbetrieb, der sofort in die Gegend kommen<lb/>
würde, aber <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> hätte ihn bis jetzt nicht einmal zu einer Aussprache<lb/>
empfangen. Ich bin nicht sicher ob diese Behauptung stimmt, denn ich<lb/>
kann mir nicht vorstellen, dass wenn Bunzl &amp; Biach Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__116019">Weiser</rs> wirk<lb break="no"/>lich eine brauchbare Losung für Weissenbach hat, es handelt sich natür<lb break="no"/><pb n="13-1262" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-10-12_1262.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lich nicht um einen Papierproduktionsbetrieb, dass <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> eine solche<lb/>
Lösung ausschlagen würde. Die Behauptung, dass der Referent in der Landes<lb break="no"/>regierung, Dr. <rs type="person" ref="#per__140091">Fröhlich</rs>, ein ehemaliger Angestellter aus der Papierbranche<lb/>
jetzt bei Starlight dann unterkommen möchte und vielleicht deshalb nur die<lb break="no"/>sen Betrieb forciert, ist für mich wenig glaubwürdig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_07"><rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> selbst treibt sich manchmal auch bei der Presse draussen herum und<lb/>
hat mit Recht dann mitgeteilt, es ist manchmal im Saale sehr fad,<lb/>
aber noch viel schlimmer ist es, wenn draussen die Presse nur auf Brocken<lb/>
von Informationen angewiesen ist und glaubt, weiss Gott was drinnen be<lb break="no"/>schlossen und diskutiert wird. Der Pressereferent <rs type="person" ref="#per__140185">Rauscher</rs> vom Klub hat<lb/>
deshalb für die Presse erklärt, sollte ich ein Mittagessen geben. Da<lb/>
ich nicht wusste, ob der Klub und was der Klub organisiert hat, ersuchte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, er möge ein solches Arrangement treffen. Zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung war dann <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über diese Entscheidung nicht nur nicht<lb/>
informiert sondern als Hausherr sogar natürlich auch ein bisschen verärgert<lb/>
dass ich angeblich im Hotel eine diesbezügliche Tafel bestellt hätte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140185">Rauscher</rs>, den <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> in seiner Postensuche unterstützt hat, wollte hier<lb/>
wahrscheinlich mir gegenüber eine Geste machen, die wir aber Gott sei<lb/>
Dank durch die kluge Entscheidung von <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, unsere wöchentlichen Presse<lb break="no"/>gespräche zu führen, gar nicht brauchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band13_1972-10-12_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte, dass womöglich die anderen Minister noch am selben Tag<lb/>
referieren und die Diskussion abgewickelt wird, damit er am Morgen<lb/>
gleich mit seinem Referat beginnen kann. Auf alle Fälle soll das Referat<lb/>
noch im Laufe des nächsten Vormittags abgewickelt werden. Da Vizekanzler<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erkrankt ist, hat <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> seine Ausführungen verlesen. Viel<lb break="no"/>leicht weil <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> nicht anwesend war, vielleicht aber auch, weil diese<lb/>
Materie wirklich sehr einschneidend ist und es einige zwar ge<lb break="no"/>rechte Vorschläge in der 29. ASVG-Novelle gibt, die aber in Wirklichkeit<lb/>
Rentnern etwas wegnehmen, kam es zu einer unvermutet heftigen und<lb/>
langen Diskussion. Für mich ist diese Entwicklung erklärlich. Die<lb/>
"Sozialbastler", wie ich sie immer bezeichnete, haben irgendwelche Ent<lb break="no"/>scheidungen in der Vergangenheit getroffen, ohne die weiteren Auswirkungen<lb/>
zu berücksichtigen oder berücksichtigen zu können. Nun ergeben sich Unge<lb break="no"/>reimtheiten in den Pensionsfragen, die auf alle Fälle ausgebügelt werden<lb/>
müssen. Jemandem aber etwas wegzunehmen, weil es im System nicht hinein<lb break="no"/>passt, ist wahrscheinlich wirklich in der jetzigen Phase politischer<lb/>
Selbstmord. Wenn <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hier wäre, würde er sich wahrscheinlich mit aller<lb/>
Gewalt gegen die emotionell vorgetragenen Argumente von <rs type="person" ref="#per__98080">Herta Winkler</rs> und<lb/>
<pb n="13-1263" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band13/13_1972-10-12_1263.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einigen anderen insbesondere Sozialpolitiker der Bundesländer wenden.<lb/>
Die sehr sachlich vorgetragenen Gegenargumente von <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97926">Edgar Schranz</rs><lb/>
gingen in dem emotionell aufgeladenen Saal unter, resp. stiessen auf einen hef<lb break="no"/>tigen Widerstand. Wie die Sozialpolitiker aus diesem Problem herauskommen,<lb/>
weiss ich nicht. Auf alle Fälle wurde die Sitzung wesentlich später als<lb/>
vorgesehen unterbrochen.<lb/>
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