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            <title type="main">Samstag, der  7. Oktober 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_01">Samstag, 7. Oktober 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_02">Die Sitzung der Konsumentenliga in der Gloriettegasse war<lb/>
sehr interessant. Ich werde in Hinkunft für den Arbeitskreis, der<lb/>
seinerzeit von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geschaffen wurde, um eine grosse angelegte<lb/>
Konsumentenkampagne zu starten, immer unter diesem Arbeitstitel führen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte seinerzeit erwartet, dass der ÖGB und die AK, viel<lb break="no"/>leicht auch die Genossenschaftsbewegung ca. 10 Mill. S für eine<lb/>
grosse Aufklärungskampagne bereit wäre, bereitzustellen. Das er<lb break="no"/>wies sich als eine Illusion, da wahrscheinlich die Arbeiterkammer<lb/>
als Konsumentenvertreterin par excellence nicht bereit war, von<lb/>
einer anderen Stelle sich diesem Ruf konkurrenzieren zu lassen, und<lb/>
vor allem der ÖGB, der ebenfalls als grösster Arbeitnehmervertreter<lb/>
die Konsumenteninteressen wahrnimmt, nicht bereit war, Geld für<lb/>
solches in grösserem Masse bereitzustellen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war daher an dieser<lb/>
Aktion nur mehr sehr bedingt interessiert und <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs>, der angenommen<lb/>
hat, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu dieser Sitzung kommen wird, musste sehr wohl bald<lb/>
erkennen, dass <rs type="person" ref="#per__97727">Fritz Marsch</rs>, der Zentralsekretär, anwesend war.<lb/>
Es berichteten über ihre Tätigkeiten die einzelnen Gruppen, natür<lb break="no"/>lich hätte sich jetzt eine sehr harte Diskussion zwischen den einzelnen<lb/>
Stellen ergeben. Zum Glück hatte ich veranlasst, dass wir nicht<lb/>
dort Mittagessen, wohl aber ein Gabelfrühstück bekamen, sodass ich<lb/>
aus diesem Grund die Sitzung unterbrechen konnte. Für das Finanz<lb break="no"/>ministerium berichtete <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> vor allem über die TV-Serie "Auf<lb break="no"/>klärung über die Mehrwertsteuer" an zehn Abenden soll, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> sich ausdrückte, sehr polemisch, gegen den Widerstand des<lb/>
ORF die Bevölkerung aufgeklärt werden. Z.B. hat der ORF verboten,<lb/>
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allerdings die Darstellung als äusserst optimistisch heftigst<lb/>
kritisiert. Zuerst sollte das Drehbuch im Einvernehmen mit der Handels<lb break="no"/>kammer und der Arbeiterkammer erstellt werden, doch hat das Finanz<lb break="no"/>ministerium dies letzten Endes abgelehnt. In der jetzt bereits fertig<lb break="no"/>gestellten TV-Serie soll behauptet werden, dass der Konsument durch<lb/>
die Mehrwertsteuer nicht berührt wird, das Auto- und Industrieprodukte<lb/>
verbilligt werden und dass, was dem Unternehmer gut tut, nützt auch<lb/>
dem Letztverbraucher wortwörtlich gesagt wird. Die Arbeiterkammer<lb/>
distanziert sich deshalb ganz entschieden von diesen Aussagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_03">Abends, bei der Geburtstagsfeier der SPÖ für <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ist <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
an meinem Tisch gesessen und als der Finanzminister spät auch zur<lb/>
Geburtstagsfeier kam, ist er zu ihm gegangen, um mit Ihm dieses<lb/>
Drehbuch zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> meinte noch mir gegenüber,<lb/>
es sei unerklärlich, dass der Handelsminister mit dieser Frage über<lb break="no"/>haupt nicht befasst wurde, Ich habe erklärt, dass die Kompetenz<lb/>
für die Mehrwertsteuer ausschliesslich beim Finanzminister liegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_04">Hart kritisiert von der Konsumentenliga wurden auch die Plakate ins<lb break="no"/>besondere von <rs type="person" ref="#per__97356">Charly Blecha</rs>. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> meinte, dies war das schlechteste<lb/>
Plakat, das er jemals gesehen hat. Die Inseratenaktion kann sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> so erklären, dass sich kein Mensch auskennt und deshalb<lb/>
bereit ist einen Informationscheck auszufüllen und vom Finanzmini<lb break="no"/>sterium die entsprechenden Unterlagen zu bekommen. 1.000 bis 2.000<lb/>
solcher Schecks soll im Finanzministerium eingehen pro Tag. Das<lb/>
Finanzministerium hat auch die Absicht ein Mehrwertsteuerservice<lb/>
in den einzelnen Finanzämtern zu errichten. Darüber hinaus gibt es<lb/>
interessante Broschüren und vor allem ein Handbuch. Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> er<lb break="no"/>suchte, dass man dieses Handbuch dem gesamten Arbeitskreis zur Ver<lb break="no"/>fügung stellt. Unser Oberrat <rs type="person" ref="#per__111737">Gerhard Marsch</rs> hat mir gegenüber er<lb break="no"/>klärt, dass wir überhaupt keinerlei Unterlagen vom Finanzministerium<lb/>
bekommen. Ich bin neugierig, ob <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> tatsächlich das Handbuch<lb/>
an alle Sitzungsteilnehmer schickt.<lb/>
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Konfrontation zwischen Konsumenten Vertreter des Handels nach<lb/>
der Einführung der Mehrwertsteuer kommen und wir sollten uns auf<lb/>
diese Konfrontation vorbereiten. Er selbst hätte in der BRD dies<lb/>
beobachtet und dort hätte er den Eindruck, wäre diese Konfrontation<lb/>
äusserst günstig für die Partei aber vor allem auch für die Konsumenten<lb/>
gewesen. Er meint deshalb, es soll deshalb ein Katalog aller Waren<lb/>
die davon betroffen werden und für die Konsumenten interessant sind<lb/>
hergestellt werden. <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeister</rs> von der KGW erklärt, dass diese Von-bis-<lb/>
Preise, die jetzt das Handelsministerium veröffentlicht, äusserst<lb/>
vorsichtig zu beurteilen seien. Nach seiner Mitteilung seien dabei<lb/>
meistens Auslaufmodelle und es wäre sinnlos, diese jetzt gross heraus<lb break="no"/>zustreichen. Sowohl was die Preisdifferenzierung betrifft als auch<lb/>
wenn als Auslaufmodell nicht gekennzeichnet bei den Konsumenten einen<lb/>
falschen Eindruck erwecken müssten. Ich versprach, dass wir in Hin<lb break="no"/>kunft die KGW konsultieren werden, welche Preise wir als von-bis-Preis<lb/>
veröffentlichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte mich dann konkret zu verständigen, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeister</rs> in dem einen oder anderen Fall tatsächlich sich gegen eine<lb/>
Verlautbarung eines Von-bis-Preises wendet. Im Grunde sollten wir uns<lb/>
von unserer jetzigen Art nicht abbringen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_07">Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom ÖGB meinte, ob die Bundesregierung bereit wäre, zu<lb/>
kämpfen oder aller mit der Handelskammer einvernehmlich regeln<lb/>
möchte. Ich hatte zuerst angenommen, er bezieht sich darauf,<lb/>
dass das Unlautere Wettbewerbsgesetz nur eine beschränkte Möglich<lb break="no"/>keit gegen falsche Werbung beinhaltet und der ÖGB ja jetzt eine Unter<lb break="no"/>suchung starten wird. Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__116971">Smolka</rs>, die übrigens das erste Mal<lb/>
in diesem Kreis war, wird die Werbespots jetzt genau beobachten und<lb/>
gegen falsche Werbung will der ÖGB entsprechende Kampagnen starten.<lb/>
So wird er sich aber nicht kleinere Betriebe herausnehmen, sondern<lb/>
gegen die Unilever wegen ihrer Fluor-Zahnpasta die angeblich den<lb/>
Konsumenten gegen den Zahnverfall schützt und gegen Shell M 400<lb/>
weil man damit weiter fahren kann. Beides trifft nicht zum den für<lb/>
Fluor muss man Tabletten nehmen und natürlich braucht man beim Benzin<lb/>
ob mit M 400 oder nicht für jede Type verschiedene Mengen von Benzin,<lb/>
keinesfalls aber weniger, trotz des Zusatzes. Da ich den Angriff noch<lb/>
immer nicht verstand, habe ich abends dann Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> beim <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-Empfang<lb/>
gefragt, was er den eigentlich mit dieser sinnlose Attacke erreichen<lb/>
wollte. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat angenommen, dass die Bundesregierung jetzt auf<lb/>
Koalitionskurs mit der Handelskammer steuert. Bei einer Aussprache mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> über das Kartellgesetz hätte nämlich dieser angeblich erklärt,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihm mitgeteilt habe, unter allen Umständen das verein<lb break="no"/>barte Ergebnis über die Kartellreform nur mit der Handelskammer gemein<lb break="no"/>sam zu machen und wenn ein Ergebnis erzielt wird, dann dieses ausschliess<lb break="no"/>lich als Grundlage für die Novelle zu nehmen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> ist glaube ich<lb/>
darüber ein wenig verärgert und hat deshalb diese Attacke gestartet.<lb/>
Ganz wird dies sicherlich nicht stimmen, denn <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> möchte auch<lb/>
sehr gerne jetzt die kämpferische Seite des ÖGB herausstreichen.<lb/>
Er glaubt, dass damit der Arbeiterschaft ein gewisser Gefühl, das<lb/>
der Gewerkschaftsbund nach wie vor ausschliesslich ihre Interesse<lb/>
vertritt gegenüber der Regierung zum Ausdruck kommen soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_08">Die Konsumgenossenschaft wird, wie <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeister</rs> berichtete, 1973<lb/>
13 Bundeseinheitliche Verkaufsaktionen starten. Darüber hinaus wird<lb/>
Wien noch einige Sonderaktionen insbesondere in den ersten beiden Quarta<lb break="no"/><pb n="12-1224" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-10-07_1224.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>len dazulegen. In 16 österr. Tageszeitungen mit 2 Mill. Exemplaren<lb/>
soll inseriert werden. Die Konsumgenossenschaft wird damit beispiel<lb break="no"/>haft wirken. In Wien hat sie einen Lebensmittelanteil von 16 %, der<lb/>
in einzelnen Bezirken wie z.B. im 22. auf 25 % ansteigt. Die Konsum<lb break="no"/>genossenschaft hat bereits jetzt bekanntgegeben, dass sie die Zoll<lb break="no"/>senkung weitergeben wird und dass sie vor allem von den Vorlieferanten,<lb/>
die Preiserhöhungen vornehmen, erzwingt, dass diese von der Pari<lb break="no"/>tätischen Kommission genehmigt sein müssten, bevor sie sie effektiv<lb/>
anerkennt. Damit leistet sie nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97890">Sagmeisters</rs> einen wesentlichen<lb/>
Beitrag zur Preisstabilisierung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_09">Dr. <rs type="person" ref="#per__134822">Reichard</rs> für die Arbeiterkammer und den Verein für Konsumenten<lb break="no"/>information hat seine Erfahrungen und Ergebnisse über die Preiserhebung<lb/>
mitgeteilt. In den Bundesländern Vorarlberg, Kärnten, Steiermark und<lb/>
Salzburg sind die Preiserhebungen so schlecht, dass man sie derzeit<lb/>
nicht heranziehen kann. Hier habe ich wieder einmal einen Beweis bekom<lb break="no"/>men, wie schwer und unzulänglich mit den freiwilligen Organen eine<lb/>
wirkliche Preisbeobachtung aufzubauen ist. In Wien, wo dies von den<lb/>
Polizeiorganen durchgeführt wird, haben wir ein sehr brauchbares<lb/>
Ergebnis. <rs type="person" ref="#per__134822">Reichard</rs> möchte für eine Inseratenaktion von mir als Han<lb break="no"/>delsminister weitere 500.000 S bekommen. Diesbezüglich hat er auch<lb/>
gestern einen Brief geschrieben, von dem <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meinte, dass wir keiner<lb break="no"/>lei Zahlungsverpflichtungen hätten. Ich erklärte deshalb auch rundwegs,<lb/>
dass das Budget erschöpft sei. <rs type="person" ref="#per__134822">Reichard</rs> möchte auch gerne, dass wir<lb/>
für Farb-TV z.B. Preisbänder einführen. Ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
wie wir dies konkret machen könnten. Das Maximum ist, dass wir eben die<lb/>
Von-Bis-Preise veröffentlichen, um die Konsumenten eben auf die Preis<lb break="no"/>differenz aufmerksam zu machen.<lb/>
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wird und dass auch die Lebensmittelkennzeichnung nicht kontrolliert<lb/>
wird. Zu diesem Zweck schlug er vor, man sollte viel mehr als<lb/>
die Schaffung von Deklarationen trachten, die Kontrolle über Deklara<lb break="no"/>tionen zu verbessern. Der Verein für Konsumenteninformation hat des<lb/>
halb die Lieferbedingungen für Bodenbeläge in eine Ausschreibungs<lb break="no"/>schema gefasst und die Bauherren insbesondere die Wohnbaugenossenschaften<lb/>
benützen dieses nun für das Anbot resp. Zuschlag.<lb/>
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indirekte Art die Produktdeklaration zu verstärken.<lb/>
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Material hätten, welches der Handelsminister nicht entsprechend<lb/>
nützt. Da der Vorwurf bereits im Burgenland bei ihrer Vorstands<lb break="no"/>sitzung mir gemacht wurde, reagierte ich sehr ungeschickt, indem<lb/>
ich ihn aufforderte, mir das Material offiziell zu geben. Inoffiziell<lb/>
bekommen wird es, wie <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> mir mit einem Zettel mitteilte,<lb/>
bereits und nachdem der ÖGB den Kleinhändlern dafür 1.500 S<lb/>
pro Monat bezahlt, bekommt es eben tatsächlich nur der ÖGB. Diese<lb/>
Aktion muss natürlich strengst vertraulich geführt werden und deshalb<lb/>
war meine Aufforderung an <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> sicherlich nicht am Platz.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> befürchtet, dass eine entsprechende Aktion der Handelskammer<lb/>
wie sie derzeit in Brüssel gegen die Umsatzsteuer und die "Steuer<lb break="no"/>schikane" in Brüssel geführt wird, auch bei uns möglich sei. Die<lb/>
Handelskammer hat jetzt in St. Pölten und Salzburg eine Aktion<lb/>
"Licht aus" gestartet. Dies könnte ohne weiteres eine Generalprobe<lb/>
für eine Grossaktion sein. Der Wirtschaftsbund wird in der letzten<lb/>
Zeit – und dies hat <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> zwar nicht berichtet, aber ich höre<lb/>
dies immer deutlicher heraus – sehr aggressiv. Derzeit richten sich<lb/>
diese Aktionen ausschliesslich gegen den Finanzminister. ich glaube<lb/>
aber, dass wir hier wirklich ganz geschlossen gegen diese Politik<lb/>
auftreten sollen. Auf der einen Seite versichert <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> immer<lb/>
wie loyal er sich verhält, auf der anderen Seite aber kann er<lb/>
sich entweder im Wirtschaftsbund nicht durchsetzen oder ihm ist es<lb/>
ganz recht, wenn diese ÖVP-Organisation härter die Regierung angeht.<lb/>
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wir gegen eine solche Politik ergreifen können.<lb/>
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Fotoartikel und Eisenwaren, ihre Frauen, mit Fragebogen entsprechend<lb/>
ausgestattet, einzusetzen. <rs type="person" ref="#per__137127">Hanzlik</rs> erwartet, dass die AZ eine ständige<lb/>
Spalte der Frauenorganisation für ihre Verbraucherfragen zur Ver<lb break="no"/>fügung stellt, ähnlich wie dem Ombudsmann, den die AZ heute bereits<lb/>
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das Finanzministerium als solches die Zielgruppen Hausfrauen, Jungwähler,<lb/>
Arbeiter vernachlässigt. Die Aufklärungskampagne müsste sich lt.<lb/>
IFES-Erhebungen auf diese insbesondere erstrecken. Unsere Preisbe<lb break="no"/>gutachtungsaktion meinte er, ist in einer Hinsicht bemerkenswert,<lb/>
dass nämlich die Handel-, Industrie- und Gewerbekreise Angst vor unseren<lb/>
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Preiserhöhungen zu unterlassen. Es wird dadurch allerdings eine<lb/>
Kriegssituation geschaffen. Er erwähnte dann so nebenbei, dass<lb/>
ein Telefondienst, der derzeit z.B. bei <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> über Sicherheits<lb break="no"/>fragen läuft, zwei bis dreitausend Anrufe pro Woche feststellen.<lb/>
kann. Er möchte deshalb auch, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Mehrwert<lb break="no"/>steuer eine solche Telefonaktion startet.<lb/>
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verpflichtet haben. In einzelnen Ländern die Landesregierungsmitglie<lb break="no"/>der der ÖVP die Preisbeobachtung nicht unterstützen sondern<lb/>
sabotieren, könnte man vielleicht auf diese Vereinbarung<lb/>
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vom Finanzausgleich die entsprechende Stelle heraussuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_19">Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> war mit diesem Ergebnis der Aussprache<lb/>
sehr zufrieden. Da die Konsumentenliga nicht zustandekommt,<lb/>
meinte er, dass die Koordinierung, wie wir sie jetzt durchführen<lb/>
oder durchführen wollen, vollkommen genügt. Sein einziger<lb/>
Wunsch war noch, dass das Finanzministerium über die Progress<lb/>
ihre Aktionen abwickelt.<lb/>
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ob die Teilnehmer bereit wären, unsere Aktionen nicht nur zu<lb/>
unterstützen, sondern vor allem auch kompetenzmässig eindeutig<lb/>
in unser Ministerium zu verlegen. Dies gilt vor allem für den<lb/>
grossen Katalog von Waren, welchen wir im Hinblick auf die Konsumen<lb break="no"/>teninformation erstellen sollten. Der Entlastungskatalog<lb/>
wird nämlich nur perzentuell und für den Fachmann brauchbare<lb/>
Aussagen bringen. Der Letztverbraucher wird sich nicht durch das<lb/>
Zusammensuchen von Industrieentlastung, Grosshandelsentlastung,<lb/>
Kleinhandelsentlastung auch nur annähernd ein Bild machen könnte,<add>[um]</add><lb/>
wieviel Verbraucherpreise sich senken müssten oder vielleicht<lb/>
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kann ich aber allerdings gar nicht mehr vom Finanzminister bekommen,<lb/>
weil das zweite BÜG bereits die Regierung passiert hat und nur dort<lb/>
mir gegebenenfalls Mittle noch gegeben werden könnten. Wenn wir zur<lb/>
Überzeugung kommen, dass ein solche Katalog von Verbraucherpreis<lb break="no"/>änderungen notwendig und zweckmässig sind, dann müsste ich sie<lb/>
aus dem jetzigen Budget decken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte diesbezügliche Untersuchungen anstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_22">Ich teile die Meinung von <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, die er auch dort zum Ausdruck<lb/>
gebracht hat, dass wir schön langsam aus dem Improvisieren in<lb/>
eine institutionalere Regelung eintreten müssten. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> schwebt<lb/>
vor, dass dies am besten durch eine gesetzliche Regelung erzielt<lb/>
werden könnte. Hier glaube ich wäre die Zeit aber noch nicht<lb/>
reif. Die BHK würde, wenn wir eine solche gesetzliche Institutio<lb break="no"/>nalisierung anstreben, sicherlich aus der Zusammenarbeit ausscheren.<lb/>
Gerade jetzt, wo der Wirtschaftsbund heftigst angreifen wird, müsste<lb/>
eine solche Gesetzesinitiative ihm die Chance geben, von seiner<lb/>
jetzigen Mitarbeit, die ihm sicherlich schon leid tut,<lb/>
abspringen zu können. Ich glaube deshalb, dass wir jetzt vor<lb/>
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gemeinsam zu findenden Form, die auch die Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_23">Bei der Geburtstagsfeier und den Ansprachen für <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> am Abend<lb/>
konnte ich sehr interessante Nuancierungen feststellen. Während<lb/>
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Bemerkungen über das personelle Verhältnis zwischen ihm und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
machte, hat er doch in Parteikreisen heute abends solche Bezugs<lb break="no"/>punkte herausgestrichen. Natürlich hat er dabei keinesfalls<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97818">Pittemanns</rs> auftraten, erwähnt. Er unterstrich nur, dass es<lb/>
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erörterte er dies. In der Mitbestimmungsfrage hätte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über<lb/>
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der Arbeitnehmer verlangt. Dann hätte der ÖGB erklärt, dass diese<lb/>
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für alle Arbeitnehmer durchgesetzt werden soll. In der Rundfunk<lb break="no"/>frage wieder hätte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> darauf hingewiesen, dass jetzt etwas ge<lb break="no"/>schehen müsste und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird deshalb diesbezügliche Überlegungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_24">Bei der Geburtstagsparty von <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> gegeben für <rs type="person" ref="#per__97627">Heinz Kienzl</rs><lb/>
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Person des Landeshauptmannes <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> dieser Trend überdeckt. <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> konnte<lb/>
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Abfall feststellen. Die Wähler dürften mir unserer Politik nicht mehr<lb/>
einverstanden sein und wählen zwar auch nicht die ÖVP, die überall<lb/>
Stimmen verliert, weil die ÖVP keine Alternative darstellt. Viel<lb break="no"/>leicht <choice><choice><sic>ehen</sic><corr>gehen?</corr></choice></choice> einige ÖVP-Stimmen auch an die FPÖ verloren. Vielleicht<lb/>
gibt es auch Kreise, die uns gewählt haben, die jetzt der ÖVP wieder<lb/>
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ORF bereits sich mit einer Zweiteilung in zwei Programm abfindet.<lb/>
Ähnlich wie in der BRD nimmt er an, wird eine Rundfunkgesetzes<lb break="no"/>novelle zu einem echten Zweiten Programm führen. Mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, wo<lb/>
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Fischer</rs> fragte, wer denn eigentlich das <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Buch von <rs type="person" ref="#per__120667">Reimann</rs><lb/>
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diesem Buch erwähnt nun <rs type="person" ref="#per__120667">Reimann</rs> unsere seinerzeitigen Besprechungen<lb/>
und Arbeitspapiere O 66 und B 70. <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> hat zugegeben, dass einige<lb/>
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sich die Parteigeschichte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich abge<lb break="no"/>wickelt hat. Zu diesem Zweck war ein junger Student bei ihm gewesen und<lb/>
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Buch aufgenommen hat. <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> selbst hat zu diesem Zeitpunkt noch<lb/>
grosses Informationswissen gehabt, da der Chefredakteur der AZ wirklich<lb/>
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feststellen konnte, denn er meinte, nur ich hätte die Gelegenheit sowohl<lb/>
in der Partei als auch in der Wiener Organisation als auch vor allem<lb/>
in der Gewerkschaft als bedeutender Funktionär die einzelnen Strömun<lb break="no"/>gen genau zu kennen. Hier irrt <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> ganz gewaltig. Ich sagte ihm sofort,<lb/>
dass ich in der Zentralpartei <choice><choice><sic>erstzt</sic><corr>erst?</corr></choice></choice> jetzt im Parteivorstand sitze und<lb/>
ich war eigentlich sehr erstaunt, dass er, obwohl er jahrelang die<lb/>
Parteiinterna sehr gut kannte, noch immer der Meinung ist, dass sie<lb/>
in den Gremien, wo ich sitze, wirklich entschieden wird. Da die Ent<lb break="no"/>scheidungen viel früher vielen und vor allem habe ich ihm vorgeschlagen,<lb/>
er möge doch auch Aufzeichnungen über die Parteigeschichte machen,<lb/>
damit nicht irgendwelche Legendenbildungen früher oder später ent<lb break="no"/>stehen. Soviel ich mich erinnern kann, war z.B. der wirkliche<lb/>
Gegensatz <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> – <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> viel älter als man landläufig annimmt.<lb/>
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vorzuschlagen. <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> hat damals gegen <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> auch für <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs><lb/>
plädiert. Vielleicht hat <rs type="person" ref="#per__97793">Olah</rs> damals erkannt, dass er<add>[im Original fälschlicherweise gestrichen, Anm.]</add> wahrscheinlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> früher ablösen könne als <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, wenn dieser erst<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_25">deshalb als erstes bei der damaligen Reformdiskussion nach der Nieder<lb break="no"/><pb n="12-1230" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-10-07_1230.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lage 1966 erklärt, dass <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> nicht mehr Obmann sein könne.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat aber gehofft, dass mit dieser Darstellung, wo er<lb/>
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dem Parteitag klar war, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als Obmann gewählt wird.<lb/>
Sicher ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gute Chance gehabt hat, aber in Wirklich<lb break="no"/>keit erst durch die Entscheidung von <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>, der die Wiener Organi<lb break="no"/>sation auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einschwenken liess, die Wahl endgültig entschieden<lb/>
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ÖGB sich geschlossen gegen ihn gestellt hätte, und die Wiener Orga<lb break="no"/>nisation dies auch getan hätte, keinesfalls nach der Wahlniederlage<lb/>
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Mir gegenüber hat <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> damals gestanden, dass er sich in einem<lb/>
furchtbaren Dilemma befindet. Seinerzeit haben ihm <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs><lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eingestellt war. Bis jetzt sind alle diese Probleme inner<lb break="no"/>halb unserer Partei nicht mehr aufgeschienen. Jetzt da wir in den<lb/>
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Gegensätze vergessen oder zumindestens überbrückt. Scheinbar habe<lb/>
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behalten. Der Gegensatz zwischen <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ja auch<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_26">Ich fürchte nur, dass meine Prognose leider nicht wirklich<lb/>
hundertprozentig falsch ist. Solange eine Partei siegt, ist selbst<lb break="no"/>verständlich alles Liebe, Wonne und Waschtrog. Dies wird sich<lb/>
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nicht nur böse sein, sondern dieses Ergebnis überhaupt nicht berück<lb break="no"/>sichtigen. Wenn <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> dagegen nicht mehr gewählt wird, wird man<lb/>
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gar eine Intrigenwirtschaft gar nicht liegt, habe ich immer diese<lb/>
Personalauseinandersetzungen gehasst. Wahrscheinlich bin ich viel zu<lb/>
weich für ein solches Geschäft.<lb/>
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Dies ist ewig schade. Ich selbst weiss, dass ich nach 1945, wo ich im<lb/>
Wiener Vorstand durch eine reinen Zufall kooptiert wurde, feststellen<lb/>
konnte, wie sehr dort die Politik ganz andere Ergebnisse brachte, als<lb/>
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durchkam und auch damit als Finanzstadtrat seinen Vertrauensmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> gegen Land, Bezirksobmann von Margareten, gewählt. Aus<lb/>
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hat, in diesem politischen Kräftespiel mitmischen zu können. Viel<lb break="no"/>leicht bin ich aber deshalb, weil ich dies gar nicht will, ein<lb/>
Einzelgänger. Dies bedeutet den grossen Vorteil, dass man eine<lb/>
gewisse Unabhängigkeit hat und auch wahren kann. Der Nachteil<lb/>
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Das typische Beispiel dafür war, als ich 1946 glaube ich oder 1947<lb/>
von der SJ abgewählt wurde. Damals haben die Revolutionären<add>[Sozialisten]</add>,<lb/>
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ihm nicht über einzelne wichtige Probleme diskutieren und deshalb<lb/>
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Laufbahn damit ausgeschaltet, konnte dafür aber mein Studium beenden und<lb/>
auf der anderen Seite meine andere Laufbahn nämlich in der Arbeiter<lb break="no"/>kammer erfolgreicher gestalten. Schade, dass ich die Aufzeichnungen<lb/>
aus dieser Zeit, die ich seit 1945 führte, verloren habe. Ausser<lb/>
den offiziellen Parteitagsprotokollen, den offiziellen Sitzungs<lb break="no"/>protokollen von den Wiener Vorstandssitzungen sowie aller offizieller<lb/>
Organe und Unterlagen für eine eventuelle Geschichtsschreibung glaube<lb/>
ich nämlich, dass es sehr wertvoll wäre, wenn einzelne persönliche<lb/>
Informationen, die natürlich subjektiv sind, zur Verfügung stehen<lb/>
würden. Nur so kann man dann ein einigermassen verlässliches Bild<lb/>
über die Geschichtsperiode erhalten. Da kein Mensch wirklich objektive<lb/>
Aufzeichnungen machen kann, kann man nur dann aus seiner Vielfalt von<lb/>
solchen Aufzeichnungen unter Abwägung der entsprechenden subjektiven<lb/>
Meinung, die bei jeder Aufzeichnung zum Durchbruch kommt, letzten<lb/>
Ende aber die objektive Wahrheit versuchen zu ergründen. Solche<lb/>
Aufzeichnungen müssten auch unmittelbar nach dem Ereignis erfolgen,<lb/>
da jedwede spätere Niederschrift bereits ein noch subjektiver ge<lb break="no"/>färbte Meinung ergibt als beim Ereignis. Da das menschliche Gedächtnis<lb/>
ja sehr unzulänglich ist, wird nämlich mit dem Lauf der Zeit nur mehr<lb/>
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sie nicht einen entscheidenden Einfluss genommen haben, verblassen.<lb/>
Dadurch entsteht in jedem einzelnen Menschen ein Geschichtsbild, welches<lb/>
vollkommen falsch ist. Die Niederschrift des unmittelbaren Ereignisses<lb/>
hat allerdings wieder den Nachteil, dass man vielleicht einige Strömun<lb break="no"/>gen nicht so erkennt, wie sie nach einer gewissen Zeit, wenn man Ab<lb break="no"/>stand gewonnen hat, sich manifestiert. Viele technische Hilfsmittel<lb/>
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stehen heute für eine objektivere Darstellung unserer Zeit zur Ver<lb break="no"/>fügung. Trotzdem glaube ich wird es ausschliesslich davon abhängen,<lb/>
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von der Dokumentation gar nicht erfasst werden könne, irgendwo aufge<lb break="no"/>zeichnet werden, ob in späterer Folge Geschichtsforschung zur Verfügung<lb/>
zu stehen. Die idealste Lösung wäre, wenn wirklich die grossen politi<lb break="no"/>schen Männer und Kräfte entsprechende Aufzeichnungen machen würden.<lb/>
Da diese aber Politik machen, haben sie dafür kaum Zeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_28">Bei der Party war auch Dkfm. <rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs> von der ÖMV. Er fragte mich.<lb/>
wie es nun mit dem Benzinpreis weitergeht. Ich erklärte ihm un<lb break="no"/>umwunden, dass ich nicht bereit bin, auch nur eine andere Lösung<lb/>
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Gewinnsituation hätte, könnten sie mit dem Finanzminister verein<lb break="no"/>baren, dass sie den Benzinpreis nicht so sehr erhöhen und dafür<lb/>
steuerlich von ihm irgendwie durch Nichtbezahlung einer Dividende<lb/>
oder sonstig Entgegenkommen finden. <rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs> erwartet aber<lb/>
nächstes Jahr ein verhältnismässig schlechtes Jahr, weil der<lb/>
Heizölpreis, was stimmt, sehr verfallen ist, Dadurch hat sich die<lb/>
Ertragslage der ÖMV wesentlich verschlechtert. Der Wunsch, Normal<lb break="no"/>benzin jetzt nur um 30 Groschen zu erhöhen, kann lt. Meinung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs> nicht akzeptiert werden. Morgen werden die ÖMV-<lb/>
Leute mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über dieses Problem neuerlich eine Besprechung<lb/>
haben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wünscht scheinbar, dass diese Frage ohne meine<lb/>
Anwesenheit zwischen den beiden vereinbart und geklärt wird.<lb/>
Auch mit dieser Vorgangsweise kann ich einverstanden sein, denn<lb/>
letzten Endes soll nicht der Eindruck entstehen, dass ich mich<lb/>
jetzt als der Retter einschalten möchte. Die Bemerkung der<lb/>
Genossen der ÖMV bei einer Aussprache, ob ich von dieser ganzen<lb/>
Angelegenheit wüsste, hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> so beantwortet, dass er mich<lb/>
informiert hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-07_29">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Ich glaube, es ist notwendig, die Abteilung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> auch schriftlich auf das einvernehmlich Vorgehen mit<lb/>
dem Finanzminister aufmerksam zu machen.<lb/>
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