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            <title type="main">Donnerstag, der  5. Oktober 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band12_1972-10-05</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_01">Donnerstag, 5. Oktober 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_02">Im Entlastungsausschuss Mineralöl hat der Vertreter des<lb/>
Finanzministeriums erstmals zugegeben, dass es im Entlastungs<lb break="no"/>katalog nur den üblichen Entlastungssatz geben kann. Bei den<lb/>
Preisbestimmungsverfahren möchte er dann aber die Altinvestitionen<lb/>
berücksichtigt haben. Dies bedeutet, dass wir im Entlastungs<lb break="no"/>katalog die Mineralölwirtschaft genauso behandeln werden wie die<lb/>
anderen, wahrscheinlich den Vorratsentlastungssatz anwenden können,<lb/>
da wir kaum mit den Sozialpartnern zu einer einvernehmlichen anderen<lb/>
Lösung kommen können. Der Gewerkschaftsbund lehnt es ab, dieses<lb/>
Produkt zu verhandeln, da <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bereits 30 Groschen in die<lb/>
Öffentlichkeit hinausposaunt hat und dieser Satz über die Ent<lb break="no"/>lastung kaum zu erreichen ist. Ich selbst habe, da ich an<lb break="no"/>schliessend zur Ministerratsvorbesprechung fahren musste, nur<lb/>
einleitend an alle Teilnehmer appelliert, dass es möglich sein<lb/>
sollte, so wie bei der letzten Preisfestsetzung einen einvernehm<lb break="no"/>lich Lösung mit Zustimmung aller auch der Kraftfahrverbände,<lb/>
der Interessensvertretung und der beteiligten Ministerien sowie<lb/>
des Mineralölhandels sowie der Mineralölerzeugung zu erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_03">In der Ministerratsvorbesprechung berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die<lb/>
gestrige Wirtschaftspolitische Aussprache der Paritätischen<lb/>
Kommission. Dabei verlangte er von <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs> als den<lb/>
Propagandisten, man müsste die Ausführungen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch's</rs> auf<lb/>
dem grossen Kreis der Funktionäre mitteilen. Zu diesem Zweck<lb/>
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bereitgestellt werden. Nur so, glaubt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, können wir den An<lb break="no"/>griffen der ÖVP Paroli bieten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_04">Das Kompetenzgesetz Löste eine längere Diskussion aus. Dr. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
vom Klub meinte, wenn das Gesetz erst mit 1.1.1974 in Kraft<lb/>
tritt, wird es im Parlament nicht die Priorität bekommen, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> haben möchte. Er fürchtet, dass die ÖVP dann dieses<lb/>
Gesetz erst später im Frühjahr in Behandlung nehmen wird und<lb/>
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könnte nur mit Jahresbeginn stattfinden und deshalb nachdem der<lb/>
1.1.1973 nicht mehr zu erreichen sei, käme nur mehr der 1.1.1974<lb/>
in Frage. Es müssen alle Dienstpostenpläne und vor allem einmal<lb/>
alle Budgets umgestellt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat nochmals auch bei<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> nachgefragt, ob und inwieweit eine andere<lb/>
Terminfestsetzung möglich sei. Ich selbst reklamierte hinein, dass<lb/>
die Durchführung nicht nur der EFTA-Verträge sondern auch der EG-<lb/>
Verträge im Handelsministerium sein soll, sowie auch die zukünftigen<lb/>
Integrationsverträge. Das Sozialministerium reklamierte bei mir<lb/>
hinein, dass die Gewerbekompetenz bei mir ist, soweit sie nicht<lb/>
in die Kompetenz des Verkehrsministeriums und des Sozialministeriums<lb/>
fällt. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> reklamierte für sich noch die Schuluntersuchung<lb/>
die Durchführung obliegt natürlich dem Unterrichtsministerium.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_05"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet auch über die Milch- und Brotpreiserhöhung,<lb/>
wobei <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> Berechnungsunterlagen beistellt. Die Unterlagen sind<lb/>
auf die absoluten Schillingbeträge auf Grund der Haushaltsstatistik<lb/>
aufgebaut. Auf Grund dieser Berechnungen soll auf Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
die Ausgleichszulagenempfänger zweimal im Jahre einen Abgeltungs<lb break="no"/>betrag bekommen. Dies bedeutet eine Art der Abgeltung für die<lb/>
Pensionisten. Natürlich wird der Betrag dadurch ein bisschen höher<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> haben ja 100.– S im Jahr ausgemacht, doch wird dies<lb/>
glaube ich dadurch weniger kompliziert. Wird er zu den 13. und<lb/>
14. Bezüge hinzugerechnet, so geht er unter, wird er aber ausserhalb<lb/>
dieses Zeitraumes ausbezahlt, wird darauf schön langsam ein 15. und<lb/>
16. Bezug heraus entwickeln. Ich bin überzeugt, dass die Versicherungs<lb break="no"/>anstalten hier noch gewisse Bedenken haben werden. Da man sie aber nicht<lb/>
gefragt hat, kenne ich sie momentan noch gar nicht. Auf alle Fälle<lb/>
ist dieses System besser, als der ursprünglich vorgesehene gespal<lb break="no"/>tene Preis oder die Ausgabe von Schecks für die Abgeltung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_06">Im Ministerrat bezeichnete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> diesen als historischen, da<lb/>
das grosse Kompetenzgesetz beschlossen wird. Er verwendet diesen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_07">Im Ministerrat wies ich auch darauf hin, dass die Vorarbeiten<lb/>
für die Überführung von Uganda-Flüchtlingen nach Österreich<lb/>
so weit gediehen sind, dass eine Person, die die Werbung durch<lb break="no"/>führt, nach London fahren kann. Mit den beteiligten Ministerien<lb/>
ist das Einvernehmen hergestellt. Ich habe in der Vorbesprechung<lb/>
noch von Sekretär <rs type="person" ref="#per__140082">Füchsl</rs> vom Sozialministerium gehört, dass er<lb/>
versuchen wird, die Flugkosten London-Wien aus der Arbeitsmarkt<lb break="no"/>förderung zu übernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wenn dieser Fall geklärt ist, kann sofort<lb/>
der Handelskammervertreter nach London fliegen. Ich frage mich,<lb/>
ob in diesem noch <rs type="person" ref="#per__140083">Koholzer</rs> notwendig ist. Dies müsste allerdings<lb/>
das Gesundheitsministerium entscheiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_09">Nach der Ministerratssitzung gab es eine lange Diskussion in<lb/>
unserem Büro, ob der späte Geltungsbeginn vom grossen Kompetenz<lb break="no"/>gesetz ein Begräbnis erster Klasse ist. Nur ich war der Meinung,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so viel Prestige darin investiert hat, dass er mit<lb/>
1.1.1974 auf alle Fälle in die Inkraftsetzens dieses Gesetzes<lb/>
durchsetzen muss. Die anderen sind der Meinung es ist ein Begräb<lb break="no"/>nis erster Klasse. Die Hochbürokratie hat dieses Gesetz nicht ge<lb break="no"/>wollt und hat es verstanden, durch ewige Einwände die Entstehung<lb/>
dieses Gesetzes so hinauszuzögern und jetzt den Geltungsbeginn zu einem<lb/>
so späten Zeitpunkt festzusetzen, dass diese Regierung in dieser<lb/>
Legislaturperiode dazu nicht mehr imstande ist, tatsächlich die<lb/>
aus dem Gesetz sich ergebenden Massnahmen durchzuführen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat dagegen immer die Meinung vertreten, dass die Minister schon<lb/>
bevor das Gesetz in Kraft tritt sich nach diesem Gesetz orientieren<lb/>
können. Ich persönlich glaube, dass wenn in allen Ministerien die<lb/>
entsprechenden Vorbereitungen ernsthaft in Angriff genommen werden,<lb/>
die Hochbürokratie sehr wohl erkennt, dass es damit ernst wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte ja sogar noch, die Minister sollten ihre<lb/>
ganzen Massnahmen schon nach dieser neuen Kompetenzlage und dem<lb/>
Kompetenzgesetz durchführen. Dies ist natürlich fast unmöglich,<lb/>
weil eben die gesetzliche Deckung fehlt. Ich kann mir aber sehr gut<lb/>
vorstellen, dass z.B. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> in der Energiewirtschaft kaum mehr<lb/>
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Ich selbst werde ähnlich bei dem Strassenverkehr verfahren. Dies<lb/>
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ihrer Kompetenz haben werden, links liegen lassen und damit<lb/>
auf diesem Sektor überhaupt nichts geschieht, oder nur das not<lb break="no"/>wendigste. Dies ist sicherlich auch nicht ein Idealzustand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_10">In der Vorstandsfraktion des Bildungsvereins von der LUGA<lb/>
wurde über die zukünftigen Betriebsratswahlen diskutiert. Die<lb/>
soz. Listen wurden in der letzten Zeit weitgehend durch Namens<lb break="no"/>listen ersetzt. Jetzt sollten wir alles daran setzen, um doch<lb/>
Genossen, die auf Namenslisten kandidieren, zu einer Deklarierung<lb/>
veranlassen. Dies ist wichtig für unsere nächsten Verbandstage<lb/>
weil die Betriebsratswahlmandate als Aufteilungsschlüssel auch<lb/>
für die Aufteilung der Mandate der einzelnen Parteien auf unseren<lb/>
Verbandstag herangezogen werden. BRO <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs>, der Vorsitzende<lb/>
unserer soz. Fraktion meinte, dass die Stimmung in den Betrieben<lb/>
sehr schlecht sei. Ich glaube, diese sehr pessimistische Meinung<lb/>
nicht und nehme an, dass dies nur bei ihm der Fall ist, weil er<lb/>
derzeit in Lohnverhandlungen steht, von denen die Kollegen erwarten,<lb/>
dass sie längst abgeschlossen wären. Sicher ist gerade die Preis<lb break="no"/>entwicklung in den Betrieben ein heisses Eisen und darin werden wir<lb/>
hart attackiert. Andererseits gibt <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> zu, dass er doch positive<lb/>
Wahlergebnisse erwartet, weil die Arbeiter – wie er sich ausdrückt –<lb/>
keine andere Wahlmöglichkeit haben. In diesem Fall müssten aber die un<lb break="no"/>gültigen Stimmzettel steigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Versuche bitte vom Gewerkschaftsbund zu erfahren,<lb/>
wie weit hier wirklich eine Änderung in den Wahlergebnissen festzu<lb break="no"/>stellen ist. In den Zeitungen werden ja nur immer die Mandatsvertei<lb break="no"/>lungen genannt. Die Wahlergebnisse könnte man auch von der Arbeiter<lb break="no"/>kammer analysieren, da sie dort auch vorliegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_12">Im Vorstand der Lebensmittelarbeiter berichtete ich über die Aus<lb break="no"/>sprache der Wirtschaftspolitischen Kommission und insbesondere na<lb break="no"/>türlich über den Stand unserer Verhandlungen auf dem Mehl-, Brot-<lb/>
und Milchsektor. Nach längerer Debatte fassten wir den Beschluss,<lb/>
dass – wenn nächste Woche die Frage für die Müller und Bäcker<lb/>
nicht endgültig gelöst ist – der Vorstand das Präsidium ermächtigt<lb/>
mit der Gruppe gemeinsam entsprechende Kampfmassnahmen zu beschliessen<lb/>
Solche Beschlüsse sind meiner Meinung nach eigentlich gar nicht<lb/>
notwendig, weil ich für jede Kampfmassnahme sicherlich sofort die<lb/>
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weiterer Schritt ist, um der Unternehmerschaft den Ernst der<lb/>
Lage vorzuführen. Ausserdem zeigt es, dass die Vorstandsmitglieder<lb/>
selbst auch das Gefühl haben, jetzt einen weiteren Schritt be<lb break="no"/>schlossen zu haben, um der Gruppe die Unterstützung zu geben,<lb/>
die die Bundeskonferenz der Bäcker erwartet hat. Da ich überzeugt<lb/>
bin, dass nächste Woche der Brotpreis endgültig fixiert wird,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat es mir einige Male versprochen, kann in Wirklichkeit<lb/>
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Tage im voraus vor der Preisfestsetzung gezahlt werden, wird damit<lb/>
der 1. Oktober als Geltungsbeginn eingehalten. Die ursprüngliche<lb/>
Forderung 1. September ist damit zwar nicht erfüllt, aber niemand<lb/>
hat ernstlich wirklich an dieses Datum geglaubt. Ich weiss<lb/>
allerdings nicht, ob in den Betrieben, wo der Abschluss der Höhe<lb/>
nach als positiv beurteilt wird und auch anerkannt wird, der Gel<lb break="no"/>tungsbeginn eine befriedigende Lösung darstellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_13">In der Sitzung mit der Papierindustrie hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihnen unsere<lb/>
Vorschläge, die er am Vortag mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> besprochen hat,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> sowie den anderen Kollegen keine wie immer gearteten Zuge<lb break="no"/>ständnisse gemacht, und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> konnte deshalb diese Vorschläge<lb/>
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Zugeständnisse herausgeholt hat. Der Finanzminister wird nun einen<lb/>
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Strukturverbesserungsgesetz, aber weitergehend wie für die Stahl<lb break="no"/>industrie auch vorgesehen ist der Papierindustrie eine steuer<lb break="no"/>liche Erleichterung bei der Konzentration gewährt. Der Wirt<lb break="no"/>schafts- und Sozialfonds wird durch Zinsenzuschüsse eine Förderung<lb/>
für die Umweltschutzmassnahmen vorsehen. Insgesamt ist dafür 1,8<lb/>
Mia. S für 10 Jahre in Aussicht genommen. Dieses Problem sollen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> und ich in einer Sonderbesprechung lösen. Die Förderung<lb/>
von Verwendung d. österr. Zeitungspapiers wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst in<lb/>
Angriff nehmen. Zu diesem Zweck wird er mit dem Zeitungsherausgeber<lb break="no"/>verband über Porto, Telefonermässigung sowie Investitionen für<lb/>
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führen. Derzeit verwendet grösstenteils des Rotopapiers<lb/>
die sogenannte Boulevard-Presse, die Gesinnungspresse<lb/>
braucht maximal 20.000 t. Wenn nun der Verbrauch um 10 %<lb/>
angehoben<add>[?]</add> wird, sind das 2.000 t mehr, die ca. 8 Mill. S<lb/>
Umsatzsteigerung der Papierindustrie bringen. 60.000 t ver<lb break="no"/>wendet die Boulevard-Presse, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ja nicht fördern<lb/>
möchte. Die regionalpolitische Absicherung der Arbeiterschaft<lb/>
in gefährdeten Gebieten wie Weissenbach, Schlöglmühl wird der<lb/>
Sozialminister und der Handelsminister versuchen zu lösen.<lb/>
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Wasserwirtschaftsfonds heranzuziehen. Im ERP-Fonds hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ihnen bereits zugesagt, wird es eine Aufstockung der Mittel<lb/>
aus dem Budget geben. Die Taxbacher Fiskal<add>[?]</add> lehnt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
auf das entschiedenste ab und meint, die könnte nur ange<lb break="no"/>wendet werden, wenn Rotopapier von den Zeitungen im Ausland<lb/>
gekauft wird, wie dies 1959 bei Polen-Importen der Fall ge<lb break="no"/>wesen ist. Die Papierindustrie erwartet aber, dass in diesem<lb/>
Fall die Boulevard-Zeitungen einen gespalteten Rotopreis<lb/>
d.h. einen Mengenabschlag erwarten, den sie nicht geben wollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sprach sich auch ganz entschieden gegen eine Unter<lb break="no"/>stützung der Firma Starlight bei der Ansiedlung in Weissenbach<lb/>
aus. Es sollten die Ersatzarbeitsplätze in anderen Branchen<lb/>
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auch hofft, dass dort die Holzhäuserproduktion hinkommt.<lb/>
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18.000 t die Laakirchner, sodass 42.000 jato jetzt bereits<lb/>
eine ungeheure Kapazität und Überproduktion darstellen.<lb/>
85 % müssen zu nicht befriedigenden Preisen exportiert werden.<lb/>
Wenn Starlight jetzt in Weissenbach noch mit dieser Produktion<lb/>
dazukommt, ergäbe sich eine noch schlimmere Situation auf diesem<lb/>
Sektor. Hinter Starlight soll nach Meinung <rs type="person" ref="#per__116023">Poppovics</rs> die US-Firma<lb/>
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gäbe für die Arbeiter keine befriedigende Lösung, da der<lb/>
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Umweltschutzinvestitionen begonnen. Dr. <rs type="person" ref="#per__110994">Stepski</rs> berichtet,<lb/>
dass Nettingsdorf 300 Mill. in eine Laugenverbrennungskessel<lb break="no"/>anlage, die zu 1/3 aus Finnland und zu 2/3 von Waagner-Biro<lb/>
erzeugt, investieren muss, Steyrermühl 200 Mill., Leykam 380 Mill.<lb/>
und Hallein in einer ähnlichen Grössenordnung. Die Firmen haben als<lb/>
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wollen nur jetzt eine finanzielle Unterstützung, die ihnen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch zugesagt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_14">Die Betriebsratsfraktionssitzung in der Zentralsparkasse<lb/>
war bummvoll. Ein Drittel musste im Sitzungssaal noch stehen.<lb/>
In der Diskussion wurde ich bezüglich der Preise gar nicht allzu<lb/>
hart attackiert. Ich kenne mich nun wirklich nicht mehr genau aus.<lb/>
Wenn die Meinungsumfragen stimmen und ich zweifele nicht daran, so<lb/>
spielt die Preisfrage eine überragende Rolle, andererseits wieder<lb/>
habe ich durch eine derartig amikale Vortragsweise und vor allem<lb/>
muntere die Leute ja zu Kritik auf, dass ich doch annehmen müsste,<lb/>
wesentlich härter attackiert zu werden. Ich weiss, dass es die<lb/>
schweigende Mehrheit ist, die mit der Preisentwicklung nicht<lb/>
zufrieden ist und deshalb auch bei solchen Aussprachen nicht<lb/>
in Erscheinung tritt. Andererseits aber wieder hoffe ich,<lb/>
dass ich unseren Genossinnen und Genossen doch einige Argumente<lb/>
in die Hand gebe, um sich gegen die Angriffe der ÖVP in den Be<lb break="no"/>trieben dann wehren zu können. Die idealste Lösung wäre es,<lb/>
wenn die ÖVP mit ihren ungeheuren neuen Förderungen über alle<lb/>
möglichen Gebieten dann in eine Situation käme, wie es die<lb/>
kommunistische Partei dann auch in den Fünfzigerjahren erleben<lb/>
musste. Die Arbeiterschaft hat die Kommunistische Partei als<lb/>
nur fordernde, die gar nichts durchgesetzt hat, abgelehnt. Ich<lb/>
gebe sich allerdings nicht der Illusion hin, dass wir dies<lb/>
auch bei der ÖVP erreichen könnten. Andererseits wieder muss<lb/>
es uns aber in der Argumentation helfen, wenn der ÖAAB ein<lb/>
Stabilisierungsprogramm ausarbeiten und dann die ÖVP Bundes<lb break="no"/>parteileitung dieses wieder vom Tisch wischt. Solange die<lb/>
soz. Regierung und die Partei als so geschlossene Einheit auf<lb break="no"/>tritt, muss dies auf unsere Wähler und vor allem auf unsere<lb/>
<pb n="12-1215" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-10-05_1215.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Funktionäre äusserst positiv wirken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_15">Da ich die Absicht hatte, den Heurigen-Empfang für den Gemisch<lb break="no"/>ten Ausschuss auf alle Fälle zu besuchen, versuchte ich spät<lb/>
abends <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> zu Hause anzurufen. Zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung erfuhr ich, dass er noch im Saal II mit <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114800">Michitsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> die morgige Tagesordnung weiter durch<lb break="no"/>diskutierte. Die interministerielle Sitzung war schon zu Ende<lb/>
und ich konnte mich überzeugen, dass hier <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> ganz besonders<lb/>
<rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> gerade informierte und präparierte, da er der morgige<lb/>
Vorsitzendes des Gemischten Ausschusses ist. <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> hatte<lb/>
in der Zwischenzeit nämlich Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__139826">Wellenstein</rs> vom Flugplatz<lb/>
abgeholt. Beim Heurigen hatte ich dann Gelegenheit, mit <rs type="person" ref="#per__139826">Wellen<lb break="no"/>stein</rs> über die verschiedensten Probleme zu sprechen. Insbesondere<lb/>
versuchte ich ihn dafür zu gewinnen, dass wir auf dem Sektor<lb/>
landwirtschaftlicher Produkte insbesondere Milchpulver eine<lb/>
Unterstützung aus Brüssel erwarten. Zu meiner grössten Verwunderung<lb/>
hat er dies ganz abrupt abgelehnt, da er keine wie immer geartete<lb/>
Möglichkeit sieht, bei der jetzigen Überschussproduktion von Milch<lb/>
und Milchprodukten in der EWG Österreich hier entgegenzukommen.<lb/>
Er meint, dass wir ausschliesslich auf englischem Markt versuchten<lb/>
sollten, ein bisschen unterzubringen. Da aber für solche Exporte<lb/>
wie mir Dr. <rs type="person" ref="#per__140085">Reicher</rs> vom LWM versicherte, die Kommission zustimmen<lb/>
muss, sehe ich derzeit wirklich für diese Absatzmöglichkeiten<lb/>
kaum eine Chance.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-10-05_16">Beim Regierungsheurigen war soviel ich überblicken konnte die<lb/>
gesamte Regierung fast vertreten. Ich kam zu <rs type="person" ref="#per__140084">Leibnitz</rs> von der<lb/>
Süd-Ost-Tagespost zu sitzen und habe ihn sofort, ohne daß ich ihn<lb/>
kritisierte, nur aufklärend mitgeteilt, daß er uns mit den IFES-An<lb break="no"/>griffen unrecht tut. Das Handelsministerium hat der IFES immer<lb/>
nur meistens, zumindestens damit anderen Firmen gemeinsam Auf<lb break="no"/>träge gegeben. Diese Aufträgen wären Sachbedingt von den einzelnen<lb/>
Referenten an mich herangetragen worden. Leibnitz meinte, er hätte<lb/>
den Artikel selbst nicht geschrieben, weiß aber, daß doch ich im<lb/>
Südostraum und damit in der Süd-Ost-Tagespost eine so gute Nummer<lb/>
habe, daß ich doch kaum jemals attackiert werde. Natürlich kam bei<lb/>
dieser Tischdiskussion, wo auch <rs type="person" ref="#per__137160">Grabner</rs> und <rs type="person" ref="#per__140086">Habakuk</rs> dann anwesend<lb/>
waren, die Frage auf das große Kompetenzgesetz und das Super<lb break="no"/><pb n="12-1216" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-10-05_1216.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ministerium des <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> zur Sprache. Ich habe insofern vor<lb break="no"/>gebaut als ich erklärte, daß dieses Ministerium in Wirklichkeit das<lb/>
Watschenministerium sein wird. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch vorüberkam und diese<lb/>
Bemerkungen aufschnappte meinte er, daß dies gar nicht richtig sei,<lb/>
sondern daß ich sehr wohl eine bedeutende Kompetenz bekomme. Wenn ich<lb/>
nach unserem Büro auf die Kompetenzdiskussion wieder zurückzukommen<lb/>
weitestgehend bezüglich ihrer Meinung zustimmen muß, glaube ich, daß es<lb/>
auch positive Seiten hat, wenn es mit 1.1.1974 dieses große Kompetenz<lb break="no"/>gesetz in Kraft tritt. Die dann zu erwartende Auseinandersetzung wird<lb/>
in dieser Legislaturperiode kürzer sein. Red. <rs type="person" ref="#per__137160">Grabner</rs> von der Presse<lb/>
hat über den 25-jähr. Bestand der Verbundgesellschaft Artikel in der<lb/>
Presse und in der Neuen Züricher Zeitung geschrieben. Diese haben<lb/>
wegen des Hinweises der Reorganisation nicht die Zustimmung gefunden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> sagt er, hat nun einen Auftrag gegeben, daß man Überlegungen<lb/>
anstellen sollte, es geht aber nach seiner Meinung scheinbar nichts<lb/>
weiter. Ich habe natürlich über unsere Pläne überhaupt nichts gesagt,<lb/>
sondern nur erklärt, daß ich selbstverständlich mir entsprechende<lb/>
Vorstellungen über eine Reorganisation gemacht habe. <rs type="person" ref="#per__140084">Leibnitz</rs> setzte<lb/>
ich neuerdings auseinander, daß die Reorganisation nicht nur bei den<lb/>
Betrieben, sondern natürlich auch in den Ministerien fortgesetzt werden<lb/>
muß. <rs type="person" ref="#per__140084">Leibnitz</rs> versicherte mir, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wegen der Verwaltungsreform<lb break="no"/>maßnahmen von ÖVP-Presse kaum angegriffen werden wird, zumindestens<lb/>
nicht von der Süd-Ost-Tagespost, da diese einsieht, daß eine solche<lb/>
Reorganisation und tatsächlich dringendst notwendig ist. Solche Heu<lb break="no"/>rigenbesuche sind für mich im Grunde genommen eine Qual obwohl ich<lb/>
dort natürlich versuche mit dem Schmäh ein bißchen auch Stimmung hin<lb break="no"/>einzubringen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> hat mich dann abgelöst und ich glaube<add>[sich]</add> ganz<lb/>
gut amüsiert.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 5.10.1972</head>
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            <head>hs. Nachricht an "lieben Freund Staribacher", Autor unbekannt</head>
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            <head>Tagesordnung 42. Ministerratssitzung, 5.10.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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