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            <title type="main">Mittwoch, der 27. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_01">Mittwoch, 27. September 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_02">Die Problembesprechung des Bezirkes Neunkirchen stellte sich<lb/>
dann als eine reine Betriebsbesichtigung der Firma Semperit Wimpas<lb break="no"/>sing heraus. Zum Glück hatte ich gleich bei meiner Ankunft erklärt,<lb/>
dass ich um 11 Uhr wieder nach Wien zurückfahren muss, sonst wäre<lb/>
ich dort stundenlang herumgegangen oder herumgesessen, ohne etwas<lb/>
wirklich Positives zu arbeiten. Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__132707">Kaiser</rs> hatte<lb/>
mich mit den gesamten Betriebsrat beim Tor empfangen und die Direk<lb break="no"/>tion, Verkaufsdirektor <rs type="person" ref="#per__137364">Lodgman</rs> und einige Herren der Betriebs<lb break="no"/>direktion hatten dann mit mir eine entsprechende Aussprache. <rs type="person" ref="#per__137364">Lodg<lb break="no"/>man</rs> wies darauf hin, dass die Exporte von ihnen primär in den EFTA-<lb/>
Raum gehen und in die EWG liefern sie nur 30 %. Die Importe aus der<lb/>
EWG aber machen 60 %, von denen er weniger Konkurrenz befürchtet<lb/>
als ich angenommen habe. Wirklich problematisch sind nur die Ost-<lb/>
und Fernostimporte. Die Ungarn haben Löhne von 4 Forint und der<lb/>
Verrechnungsdollar, der mit angeblich 22 Forint normal wird für den<lb/>
Export mit 60 Forint umgerechnet. Hier müsste dann das Handelsministe<lb break="no"/>rium das Marktstörungsgesetz zur Anwendung bringen, wie wir dies auch<lb/>
bei Stiefeln aus Jugoslawien getan oder angedroht hätten, worauf die<lb break="no"/>ser Import abgewehrt werden konnte. Im Luftmatratzengeschäft hat in<lb/>
der letzten Zeit Böhler Stahl gegen Luftmatratzen in Polen abgeschlos<lb break="no"/>sen und dies ist für eine harte Konkurrenz. Noch schlimmer ist es<lb/>
aus dem Fernen Osten. Hongkong-Schuhe, die geklebt sind, während<lb/>
die österreichischen genäht werden, hat <rs type="person" ref="#per__132707">Kaiser</rs> mir erklärt, müssten<lb/>
in Österreich entsprechend demaskiert werden. Ich verwies darauf, das<lb/>
die Firma die Möglichkeit hat, Produktdeklaration für diese Waren<lb/>
zu beantragen und dann hätte der Konsument die Möglichkeit, leich<lb break="no"/>ter zu vergleichen, wo Qualitätsware angeboten wird. Aufgabe der<lb/>
Konsumentenberatung wäre es dann, auf diese Unterschiede hinzuwei<lb break="no"/>sen. Während sich die Firma über die Dumpingmethoden beschwert,<lb/>
betreibt sie selbst in Amerika und Kanada ähnliche Praktiken. So<lb/>
hat Kanada sich gegen die Wello-Reifen von Semperit gewehrt und<lb/>
die Nordamerikaner haben jetzt gegen die Operationshandschuhe,<lb/>
die von Semperit sehr rationell hergestellt werden, Massnahmen<lb/>
in Aussicht gestellt. In Frankfurt sollen bisher 4 und in Hinkunft<lb/>
29 Kontrollore beschäftigt sein, um die amerikanische Wirtschaft<lb/>
vor Dumpingwaren zu schützen. Die Operationshandschuh-Produktion,<lb/>
die ich nachher besichtigen konnte, war deshalb so interessant,<lb/>
<pb n="12-1164" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-27_1164.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>weil die Maschinen in der kontinuierlichen Herstellung von eigenen<lb/>
Mechanikern entwickelt wurden. Derzeit werden 20 Mill. Paar erzeugt,<lb/>
90 %, davon gehen in den Export, in der Planung ist der Ausbau der<lb/>
Anlage auf 40 und der letzten Stufe auf 60 Mill. Paar. Da in Europa<lb/>
noch nicht das Wegwerfsystem überall eingeführt ist, wie drüben in<lb/>
Amerika kann man damit rechnen, dass hier noch ein grösserer Markt<lb/>
gewonnen werden kann. Für Semperit ergibt sich oft die Notwendig<lb break="no"/>keit, eine gewisse Durststrecke für alteingesessene Produkte zu<lb/>
überwinden, wie z.B. bei den Kämmen. Derzeit gibt es nur mehr eine<lb/>
zweite Firma in Europa Hudgenson<add>[?]</add> und eine in Amerika. Diese 3 Firmen<lb/>
haben nun einen verhältnismässig grossen Markt als nicht einmal im<lb/>
Fernen Osten eine solche Produktion gibt. In der Diskussion kamen<lb/>
wir schon überein, dass Semperit sein Produktionsprogramm wesentlich<lb/>
bereinigen muss, um die 2.800 Arbeiter und 400 Angestellten in Wim<lb break="no"/>passing zu erhalten. Die Arbeiter verdienen 30.60 S, die Frauen<lb/>
S 24.– in der Stunde. Die vor Jahren gebaute Halle für die Schuhproduk<lb break="no"/>tion – Hush Puppies – musste in kürzester Zeit wieder reduziert werden<lb/>
und war nur möglich, jetzt mit der Handschuhproduktion auszufüllen<lb/>
und aufrechtzuerhalten. Die Beschäftigten in der Schuhproduktion sind<lb/>
von 2.000<add>[?]</add> auf 400 zurückgegangen. Luftmatratzenproduktion ist schon sehr<lb/>
rationalisiert, angeblich sind nur mehr von der Maschinenarbeiterin<lb/>
1.80 S pro Stück Akkordlohn auf die Luftmatratzen. Trotzdem sind sie<lb/>
kaum konkurrenzfähig, was meiner Meinung nach darauf zurückzuführen<lb/>
ist, dass denn doch sehr viele Overhead-Costs, d.h. Verwaltungskosten<lb/>
der Wiener Zentrale darauf lasten. Sosehr dieser Betriebsbesuch für<lb/>
mich von grossem Interesse war, so wenig konnte ich ausser einer all<lb break="no"/>gemeinen Einleitungsansprache bei den Betriebsräten die Politik, die<lb/>
wir in diesem Rahm machen sollen, erörtern. Ich wies nur darauf hin,<lb/>
dass in Neunkirchen eben viele Betriebe, wenn sie schliessen die Ar<lb break="no"/>beiterschaft sofort und endgültig verlieren, da diese aus dem Bezirk<lb/>
auspendeln. Deshalb gibt es auch keine Arbeitslosen in dem Bezirk<lb/>
und kaum Möglichkeiten, grössere Betriebe wieder anzusiedeln. Um wirk<lb break="no"/>lich eine umfangreiche Studie und vor allem ein Konzept, wie wir<lb/>
dieses südlichen Niederösterreich sanieren könnten, vorlegen, müssten<lb/>
man mit allen Betriebsräten und den dort zuständigen Behörden und<lb/>
vor allem aber den Unternehmungsleitungen konkrete Aussprachen führen.<lb/>
Bedrückend in NÖ ist aber kaum das südliche Land sondern primär nördlich<lb/>
das Waldviertel. Dort wollen wir im Zwettler Raum eine Studie ausarbei<lb break="no"/><pb n="12-1165" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-27_1165.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ten und angeblich hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> die Absicht, eine grosse Besichti<lb break="no"/>gungstour dort zu starten und mich einzuladen. Ich glaube, dass<lb/>
dies noch verfrüht wäre, ich könnte mir aber sehr gut vorstellen,<lb/>
wenn wir die Studie dann fertig haben, dass in diesem Zeitpunkt<lb/>
nachher von mir eine grosse Aktion dann dort gestartet wird und<lb/>
ich ihn einlade sowie die Arbeiterkammer und andere Stellen, um<lb/>
den Plan dann entsprechend im Detail zu erörtern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_03">Beim Institutsessen musste ich wieder feststellen, dass nicht<lb/>
nur zwischen Arbeiterkammer und ÖGB grössere Spannungen sich heraus<lb break="no"/>entwickeln, sondern dass wir überhaupt sehr bald in eine schlimme<lb/>
Situation kommen werden. Die Äusserungen, die sowohl <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, als auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> gemacht haben, lassen drauf schliessen, dass nicht mehr<lb/>
kooperiert wird, wie das vor etlichen Jahren noch der Fall gewesen<lb/>
ist. Natürlich darf man solche emotionelle Äusserungen nicht über<lb break="no"/>schätzen und letzten Endes entscheiden ja doch die Funktionäre,<lb/>
d.h. die Präsidenten. Da hat sich noch immer bewahrheitet, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> in wohlverstandener Erkenntnis, dass ein Streit zwischen ÖGB<lb/>
und Regierung oder gar mit der Partei für diese Institutionen<lb/>
von grösstem Schaden wäre und immer noch Kompromisslösungen gesucht.<lb/>
Nachdem einige Ideen, die verheerend gewesen wäre, wie z.B.<lb/>
gespaltene Preise für Lebensmittel oder Gutscheine für Rentner,<lb/>
dann doch fallengelassen wurden, beginnt jetzt eine normale Lösung<lb/>
sich abzuzeichnen. Von den 15 Groschen Milchpreiserhöhung für die<lb/>
Erzeuger soll 1,5 Groschen einbehalten werden. Ebenso sollen von<lb/>
den 30 Groschen Verbraucherpreiserhöhung die ungefähr dann 15 Groschen<lb/>
für die Molkereien und Handelsspannen verbleibenden Betrag ebenfalls<lb/>
1,5 Groschen einbehalten werden. Mit diesen drei Groschen sollte<lb/>
die Aufwendung für die Pensionisten gedeckt werden. Diese sollen<lb/>
100.– S im Jahr als Abdeckung erhalten. Damit ist die gesamte<lb/>
Verteuerung nicht gedeckt, denn nach Berechnungen, die sowohl die<lb/>
Arbeiterkammer als auch <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> angestellt haben, beträgt sie 10.80<lb/>
rund pro Monat. Seit dem Jahre 1945 hat es auf diesem Sektor immer<lb/>
furchtbare Krämpfe gegeben, bis es dann zu einer Lösung des Probleme<lb/>
gekommen ist. Niemals noch wurde auch eine Lösung gefunden, die alle<lb/>
befriedigt hätte. Noch niemals aber habe ich erlebt, dass zumindestens<lb/>
auf Expertenebene, d.h. zwischen den Kollegen unserer Institutionen<lb/>
eine solche Spannung existiert. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> erklärt für die preisgeregelten<lb/>
<pb n="12-1166" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-27_1166.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Waren ist der Gewerkschaftsbund nicht zuständig, weil er ja nicht<lb/>
in der Preiskommission sitzt, da soll also <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> genehmigt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> wieder erklärt, er wird sich gegen jede Preiserhöhung<lb/>
aussprechen, auch dann wenn der ÖGB erklärt, es müsste doch die<lb/>
eine oder andere Preiskorrektur gemacht werden. Am treffendsten<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> die Situation charakterisiert, indem er meinte, wir<lb/>
sprechen heuer nur mehr von "uns" anstelle von "wir". Dieses "Es" und<lb/>
"Ihr" bedeutet, dass man sich heute deutlich sichtbar von anderen<lb/>
distanziert statt der notwendigen Einheiten, nämlich "Wir", wo<lb/>
wir eben alle gemeinsam zusammenhalten und unsere Ideen abstimmend<lb/>
dann auch gemeinsam vertreten müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_04">In der Paritätischen Kommission, wo 37 Punkte zur Verhandlung standen,<lb/>
kam es insbesondere wegen der Tarifgebührenerhöhung von Rundfunk<lb/>
zu einer längeren Diskussion. Wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitteilt, hat die Eigen<lb break="no"/>tümerversammlung einstimmig beschlossen, d.h. der Bund mit seiner<lb/>
überwältigenden Mehrheit, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat also keinen Mehrheitsbeschluss<lb/>
herbeigeführt, sondern die Länder sogar zur Zustimmung gebracht,<lb/>
dass zur Entgelterhöhung die Paritätische Kommission Stellung zu<lb/>
nehmen hat und diese zu beurteilen hat. Der Vorsitzende des Auf<lb break="no"/>sichtsrates dagegen sieht die Unabhängigkeit gefährdet und hat sich<lb/>
gegen die Vorlage an die Paritätische Kommission ausgesprochen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist der Meinung, dass der Aufsichtsrat die längerfristige<lb/>
Finanzierung und das Investitionsprogramm zu beschliessen hat<lb/>
und deshalb auch über die Bedeckung entscheiden müsste. Der Aufsichts<lb break="no"/>rat hat ja deshalb mehrheitlich auch nur beschlossen, der Paritäti<lb break="no"/>schen Kommission die Gebührenerhöhung zur Kenntnis zu bringen und<lb/>
zur Information. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erklärte dezidiert, dass bereits im Jahre 1967<lb/>
und 1969 die Paritätische Kommission Beschlüsse gefasst hat, dass<lb/>
sie für die Tarife und Gebühren des Rundfunks zuständig sei. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
meint noch, jeder private Betrieb müsste mit seinen Anträge kommen<lb/>
umso mehr eine öffentliche Stelle, die letzten Endes nicht einmal ihr<lb/>
eigenes Geld einsetzt, wie dies der Privatkapitalist tut, der sich<lb/>
an die Vereinbarungen hält. Die anderen Monopolbetriebe, seien es<lb/>
Post oder Bahn, müssen ihre Tarife vom Hauptausschuss genehmigen<lb/>
lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> deutete an, wenn Gen.Intendant <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> weiterhin so stur<lb/>
bleibt und keine Empfehlung der Paritätischen Kommission vorliegt,<lb/>
Schwierigkeiten bei der Gebühreneinhebung entstehen könnten. Die<lb/>
Paritätische Kommission ist der Regierung und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
<pb n="12-1167" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-27_1167.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>so wertvoll, dass er sie auch nicht durch Generalintendant <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs><lb/>
diskriminieren lässt. In diesem Fall würde er alles untersuchen,<lb/>
welche Möglichkeit es gibt, der Paritätischen Kommission und deren<lb/>
Ansehen zum Durchbruch zu verhelfen. Ich wies darauf hin, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs>, d.h. der ORF auf alle Fälle zur Entlastung seine Unterlagen<lb/>
vorlegen muss, denn wir müssten einen entsprechenden Antrag im<lb/>
Entlastungskatalog bearbeiten und letzten Endes auch dann tatsächlich<lb/>
in unseren Katalog eine Ziffer aufnehmen. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> erzählte mir<lb/>
dass die ersten Besprechungen über dieses Problem im Handelsmini<lb break="no"/>sterium bereits stattgefunden haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Unbedingt darauf achten, dass ohne meine Zustim<lb break="no"/>mung kein wie immer gearteter Beschluss gefasst wird. <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> muss hier<lb/>
äusserst vorsichtig operieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_06">Interessant war auch, dass über die Chips-Preiserhöhung keine Einigung<lb/>
erzielt werden konnte und man dies ausdrücklich feststellte. Damit<lb/>
sind diese Produkte nach fünf Wochen in der Preisbildung frei.<lb/>
Entstanden ist dies dadurch, dass der Verband ländlicher Genossen<lb break="no"/>schaften Kartoffel-Chips von 1.52 auf 1,67 S erhöhen muss. Die<lb/>
Kelly-Ges.m.b.H., die ein ganz neues Werk errichtet hat aber Chips<lb/>
aber noch immer vom Verband ländlicher Genossenschaften bezieht,<lb/>
will nun ebenfalls eine Erhöhung des Verbraucherpreises von 5.– auf<lb/>
5.50 S. Begründet wird dies von der Firma, dass sie eine spezielle<lb/>
Vertriebsorganisation hat, dass immer stets frische Ware nur ange<lb break="no"/>boten wird, d.h. ältere Ware zurückgenommen werden muss und dadurch<lb/>
eine Kostenerhöhung von 15 Groschen nicht untergebracht werden kann,<lb/>
obwohl natürlich die Spanne von 1.67 auf 5.– derzeitigen Verbraucher<lb break="no"/>preis auch ganz schön hoch wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_07">Ausserhalb der Tagesordnung hat die Arbeiterkammer beanstandet,<lb/>
dass der Verband der Zuckerindustrie erklärt hat, er wird bei der<lb/>
neuen Kampagne keinen Grosswürfelzucker mehr erzeugen. Derzeit hat<lb/>
er noch 600 t auf Lager und möchte wahrscheinlich ist die Preis<lb break="no"/>situation dort nicht sehr günstig diese Produktion einstellen.<lb/>
Ich halte eine solche Vorgangsweise auch für vollkommen unmöglich,<lb/>
die Handelskammervertreter werden noch einmal mit der Zuckerindustrie<lb/>
Besprechungen darüber führen, dass dieser Beschluss zurückgenommen<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_08">Mit Prof. <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__140105">Seil</rs> und <rs type="person" ref="#per__131086">Kramer</rs> kam es dann wegen eines<lb/>
Briefes zu einer längeren Aussprache mit den Präsidenten der Inter<lb break="no"/>essensvertretungen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut wird nun von<lb/>
einzelnen Firmen und Branchen wegen ihrer Hochrechnungen der Input-<lb/>
Output-Tabelle aus dem Jahre 1964 und der damit im Zusammenhang<lb/>
stehenden Umsatzsteuervorbelastung hart attackiert. Einzelnen Branchen<lb/>
und Firmen haben wesentlich tiefere Entlastungssätze als das Wirt<lb break="no"/>schaftsforschungsinstitut auf Grund dieser Globalrechnung festge<lb break="no"/>stellt hat. <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> hat nun an die Interessensvertretungen und an<lb/>
mich persönlich Briefe geschrieben, wo er darauf hinweist, dass<lb/>
er die Verantwortung ablehnt, weil es sich hier eben nur um eine<lb/>
Globalrechnung handelt, die sehr wohl wesentlich grössere Differenzen<lb/>
haben kann, als bisher angenommen wurde. Wenn <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> nun auf<lb/>
seinem Handpunkt beharrt, kann die Handelskammer die Kritik der ein<lb break="no"/>zelnen Firmen nicht mehr <choice><choice><sic>widerstehen</sic><corr>?</corr></choice></choice>, dass sie die Interessen ihrer<lb/>
Mitglieder verraten hat. Nach längerer Debatte kamen wir überein,<lb/>
dass der Brief als vertrauliche Information der Präsidenten gilt,<lb/>
nicht weiter behandelt und auch nicht weiter beantwortet wird, und<lb/>
auch das Institut keine konkreten Informationen mehr gibt. Die Arbei<lb break="no"/>ten an den Entlastungssätzen soll jetzt so schnell wie möglich abge<lb break="no"/>schlossen werden, damit spätestens Anfang November dieser Katalog in<lb/>
Druck gehen kann. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat neuerdings erklärt, dass niemand nach Ja<lb break="no"/>pan fahren darf von den Kollegen, die im Rahmen des Wirtschaftsbeirates<lb/>
um diese Zeit eine solche Reise unternehmen, wenn nicht die Arbeit<lb/>
abgeschlossen ist. Dies ist für uns äusserst günstig, denn wir brau<lb break="no"/>chen zu dieser Zeit die endgültige Entlastungsliste und es ist daher<lb/>
anzunehmen, dass ein Kompromiss auf allen Linien zustandekommt. Mein<lb/>
Optimismus wird sich hoffentlich auch hier wieder bestätigen. Ich kann<lb/>
mir nicht vorstellen, dass ich imstande wäre, die Angriffe, sei<lb/>
es von Regierungsseite, sei es von den Unternehmern oder gar von<lb/>
den Konsumenten standhalten könnte, wenn ich nicht auf einen ein<lb break="no"/>stimmigen Beschluss zwischen Ministerium und Interessensvertretungen<lb/>
hinweisen könnte. Die Argumentation von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, wenn die Unternehmer<lb break="no"/>seite nicht bereit ist, hier vernünftigen Regelungen zu akzeptieren,<lb/>
dann wird er durch eine Novelle des Mehrwertsteuergesetzes die Vorrats<lb break="no"/>entlastungssätze zu Ungunsten der Unternehmer korrigieren, lässt<lb/>
sich doch nicht durchsetzen. Die Öffentlichkeit würde auch kaum verstehen,<lb/>
dass, nachdem jetzt die Interessensvertretungen einer Regelung nicht<lb/>
einstimmig zugestimmt haben, dann eine weitere Verteuerung dadurch herauf<lb break="no"/>beschworen wird, dass man noch weitere Belastungen den Unternehmungen<lb/>
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nicht annehme, dass er imstande wäre, einen solchen Beschluss im<lb/>
Parlament herbeizuführen. In diesem Fall würde ja nicht einmal<lb/>
mehr die FPÖ mit uns stimmen, die das letzte Mal immerhin die Mehr<lb break="no"/>wertsteuer mit beschlossen hat. Unangenehm wird nur die Ausein<lb break="no"/>andersetzung auf dem Benzinsektor werden. Hier erklärt der Gewerkschafts<lb break="no"/>bund dezidiert, er möchte den Finanzminister nicht in den Rücken fallen,<lb/>
der erklärt hat, 30 Groschen dürfte der Benzinpreis nur erhöht werden,<lb/>
und ist nicht bereit, einen Entlastungssatz zu vereinbaren. Wenn ich<lb/>
nun einen Entlastungssatz auch hier auf diesem Sektor festsetze, so<lb/>
wird das sicherlich zu einer wesentlichen höheren Verbraucherpreiser<lb break="no"/>höhung als 30 Groschen führen. Bei dieser Situation ist es äusserst<lb/>
schwierig einen einstimmigen Beschluss herbeizuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-27_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte die fraktionelle Besprechung der Erdöl<lb break="no"/>industrie und Finanzminister und mir endgültig fixieren.<lb/>
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               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
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               <persName type="label">Farnleitner, Hannes</persName>
               <persName><surname>Farnleitner</surname><forename>Hannes</forename></persName>
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               <persName type="label">Kaiser, A</persName>
               <persName><surname>Kaiser</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Betriebsobmann Semperit</occupation>
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               <persName type="label">Nemschak, Franz</persName>
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               <persName type="label">Zöllner, Otto</persName>
               <persName><surname>Zöllner</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>AK</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
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               <occupation>Leiter WIFO</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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