<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19720925.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19720924.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19720926.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 25. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band12_1972-09-25</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1972-09-25">Montag, 25. September 1972</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2018-10-18">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="12-1147" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1147.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_01">Montag, 25. September 1972<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_02">Beim jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist letzterer sehr erschüttert<lb/>
oder spielt zumindestens so. Er hat seit 35 Jahren die verschieden<lb break="no"/>sten Verhandlungen schon geführt aber noch niemals wurde er so<lb/>
enttäuscht wie jetzt von der SPÖ-Regierung. Er hätte auf Treu und<lb/>
Glauben mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Frage der möglichen steuerlichen Be<lb break="no"/>günstigung der Unternehmer im EWG-Begleitprogramm verhandelt,<lb/>
wurde von ihm überzeugt, dass keine Möglichkeit besteht, die<lb/>
Wünsche der Handelskammer zu erfüllen und dann nach Abschluss der<lb/>
Verhandlungen wurde von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ein weitergehendes Programm vor<lb break="no"/>gelegt. Er sieht jetzt kaum mehr Möglichkeiten, mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und<lb/>
der Regierung unter solchen Umständen überhaupt Vereinbarungen<lb/>
schliessen zu können. Ein zweiter Fall ist das Problem der Mit<lb break="no"/>bestimmung. Hier wäre <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, da er die Stahllösung nicht anders<lb/>
zustandegebracht hätte, als durch Ausweitung der Mitglieder des<lb/>
Aufsichtsrates mit 1/3 Arbeitnehmer an <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> herangetreten und<lb/>
dieser hätte dann für die gesamte Industrie die Drittelbestimmung<lb/>
in den Entwurf aufgenommen, obwohl in der Kodifikationskommission<lb/>
diese betriebliche Mitbestimmung noch gar nicht durchbesprochen<lb/>
sei. In diesem Fall erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass der ÖGB bereits seit<lb/>
Jahren einstimmige Beschlüsse gehabt hat, dass eine solche Ausdehnung<lb/>
der Mitbestimmung auf betrieblicher Ebene verlangt wird. die über<lb break="no"/>betriebliche Mitbestimmung, die durch die starke Einschaltung des<lb/>
ÖGB schon weitgehend erreicht ist, kann keinesfalls die betriebliche<lb/>
Mitbestimmung ersetzen. Dies hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> genau gewusst und deshalb<lb/>
ist der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> keinesfalls als Überraschungsmanöver<lb/>
zu bezeichnen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_03"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gibt zu, dass für die Entwicklungshilfe grössere AHF-(Aussen<lb break="no"/>handelsförderungs-)Beträge zur Verfügung gestellt werden sollen,<lb/>
wie ich vor einigen Tagen bei <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, <rs type="person" ref="#per__126971">Wakolbinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs><add>[?]</add> angeregt<lb/>
habe. Diesbezügliche Vorschläge werden im Präsidium der Handels<lb break="no"/>kammer besprochen werden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_04">Der Handelskammervertreter in Ostberlin kann nicht Visa ausstellen<lb/>
und deshalb müsste, wenn es zu einer diesbezüglichen Regelung kommt<lb/>
wie in der Schweiz eine staatliche Stelle diese Funktion übernehmen.<lb/>
</p>
            <pb n="12-1148" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1148.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_05">Ich erkläre sofort, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> über dieses Problem<lb/>
sprechen werden und <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> bestätigt mir bei der Minister<lb break="no"/>ratsvorbesprechung, dass eine solche Absicht gar nicht bestanden hat.<lb/>
Wenn es nach seiner Rückkehr von der UNO zur Aufnahme der Bespre<lb break="no"/>chungen mit der DDR zu Besprechungen kommen wird, dann wird eine<lb/>
Lösung auf staatlicher Basis gesucht.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_06">Ich bringe neuerdings das Problem der Kommerzialratstitelverleihung<lb/>
und Überreichung zur Sprache, da Dr. <rs type="person" ref="#per__140109">Hasbacher</rs> von Kärnten noch immer<lb/>
nicht erledigt ist. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gibt vor, über die ganze Kommerzialrats<lb break="no"/>lösung sehr unglücklich zu sein, weil auch er ständig unter Druck<lb/>
kommt. Er würde mir ohne weiteres die 10 Kommerzialräte wieder<lb/>
zurückgeben. Hier deute ich an, dass es sich bei einer gesetzlich ein<lb break="no"/>wandfreien Regelung nicht darum handeln könnte, dass ich die 10 Komm.-<lb/>
Ratstitel, sondern alle Kommerzialratstitel auf Vorschlag der Handels<lb break="no"/>kammer selbst zu entscheiden hätte, wer sie bekommt und dann alle<lb/>
selbst zu übergeben hätte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: <rs type="person" ref="#per__97893">Sallingers</rs> Sekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__114537">Oder</rs> wurde beauftragt,<lb/>
dieses Problem neuerdings zu prüfen. Vielleicht könnte man durch be<lb break="no"/>wegliche Verhandlungsführung über diese Frage mit der Handelskammer<lb/>
in ständigem Kontakt bleiben und dadurch einzelne Fälle durchbringen,<lb/>
ohne dass sie auf das Kontingent des Freien Wirtschaftsverbandes an<lb break="no"/>gerechnet werden müssen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_08">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs>, den ich in dieser Frage schon einigemale ersucht habe<lb/>
er sollte ständig die Problematik mit der Handelskammer besprechen,<lb/>
ist für eine solche bewegliche Kriegsführung nicht geeignet. In diesem<lb/>
Fall musst Du über das Sekretariat des <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> diesen Kontakt und<lb/>
Lösungsmöglichkeiten aufrechterhalten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_09">Der Vorschlag <rs type="person" ref="#per__111728">Westreichers</rs>, einen Umweltpass für die Gemeinden<lb/>
einzuführen wird von mir gegenüber <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> als für den<lb/>
Fremdenverkehr tödlich bezeichnet. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärt sofort, dass<lb/>
er dies bei dieser Wirtschaftsbundbesprechung, wo NR <rs type="person" ref="#per__111728">Westreicher</rs><lb/>
den Vorschlag gemacht hat, auch entsprechend vom Tisch gewischt hat.<lb/>
Zu seiner grössten Verwunderung wurde dies dann doch in der Presse<lb/>
breitgetreten. Beim Empfang für den Malaysischen Ministerpräsidenten<lb/>
komme ich mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> auf dieses Problem neuerdings<lb/>
zu sprechen und erkläre, dass die Bundesregierung – wo <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> zu<lb break="no"/>stimmt – einen solchen Verschlag auf alle Fälle ablehnen wird.<lb/>
</p>
            <pb n="12-1149" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1149.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_10">Die verheerenden Folgen für den Fremdenverkehr ausgenommen die Gemeinde<lb/>
Serfaus und vielleicht einige andere westliche Gebiete, wo noch reine<lb/>
Luft, sauberes Wasser und wenig Lärm besteht, welche im Pass festgehalten<lb/>
werden sollen, wäre kein Grund zur Einfrierung eines solchen Umwelt<lb break="no"/>schutzpasses. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> bemerkt, dass dies eine Aktion ist, die sich<lb/>
insbesondere gegen den Osten richtet. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> muss zugeben, dass der Ver<lb break="no"/>schlag <rs type="person" ref="#per__111728">Westreichers</rs> für den Fremdenverkehr tödlich wäre.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_11">Der neuseeländische Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__140111">Moriarty</rs> will bei seiner Vorsprache<lb/>
Zusagen, dass wir Schafe aus Neuseeland in stärkerem Masse importieren<lb/>
und beschwert sich ganz besonders über die Umsatzausgleichssteuer. Ebenso<lb/>
möchte er, dass wir mehr Wolle aus Neuseeland beziehen. Wir haben jetzt<lb/>
einen unbedeutenden Handelsverkehr von 45 Mill. Importen, wovon<lb/>
23 Mill. S Wollimporte sind. Ich nütze die Gelegenheit, um den General<lb break="no"/>sekretär zu ersuchen, wenn er jetzt noch Brüssel und in weiterer Folge<lb/>
nach London kommt, den österreichischen Wunsch über Regelung der Milch<lb break="no"/>pulver- und Butterexporte nach England zu unterstützen. Abends erklärt<lb/>
mir der britische Botschafter bei dem Empfang für den malay. Minister<lb break="no"/>präsidenten, dass er von Generalsekretär diesbezüglich bereits in<lb break="no"/>formiert wurde, eine grössere Unterstützung von Neuseeland wäre aber aus<lb/>
Konkurrenzgründen kaum zu erwarten. Ich versuche und versuchte vor allem<lb/>
den Neuseeländer davon zu überzeugen, dass es sich um eine unbedeutende<lb/>
Quantität gegenüber dem neuseeländischen Export nach Grossbritannien<lb/>
handelt. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, der anwesend war, wird diese Unterredung festhalten,<lb/>
dass wir in weiterer Folge feststellen können, dass wir bei jedem Ge<lb break="no"/>legenheit die Interessen der Landwirtschaft vertreten haben. <rs type="person" ref="#per__140111">Moriarty</rs><lb/>
wird noch eine Aussprache mit dem Landwirtschaftsminister in dieser<lb/>
Frage haben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_12">Beim Pressefrühstück waren um 10 Uhr nur einige Journalisten anwesend<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meinte schon, dies seien jetzt nur die Spezialjournalisten,<lb/>
weil die anderen sich über dieses Problem nicht zu interessiert ge<lb break="no"/>zeigt hätten. In weiterer Folge aber war die Runde ganz komplett und<lb/>
es kam sogar ein ÖAMTC-, <rs type="person" ref="#per__131314">Soche</rs>, und ein ARBÖ-Vertreter. Die Aktion<lb/>
"Überprüfung der KFZ" wie sie nun in der VO geregelt wird, kann ein<lb/>
grosser Erfolg sein, wenn es uns gelingt, die Presse und die Massen<lb break="no"/>medien davon zu überzeugen, dass es sich hier nicht um eine bürokratische<lb/>
Schikane handelt sondern um ein Sicherheitsproblem der Strasse für alle<lb/>
Benützer. Wenn die Landesregierungen bereit sind, entsprechend viele<lb/>
KFZ-Mechaniker und vor allem die Prüfstellen des ÖAMTC und ARBÖ in<lb/>
<pb n="12-1150" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1150.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>genügendem Masse heranzuziehen, dass gibt es auch sicherlich keine<lb/>
Stauungen bei der Überprüfung, resp. Beschwerden der Kraftfahrer,<lb/>
dass sie nicht die Möglichkeit haben, das Pickerl zu erwerben.<lb/>
Wenn dann die Kraftfahrverbände – was ich sehr gerne hätte – sich<lb/>
bereit erklären, die Überprüfung kostenlos für ihre Mitglieder<lb/>
durchzuführen, was sie nebenbei bemerkt auch heute schon tun,<lb/>
dann wird der Kraftfahrer nur für das Pickerl 9.– S zu bezahlen<lb/>
haben. In diesem Fall müssen aber auch die staatlichen Stellen ent<lb break="no"/>weder ihre 100.– S Sätze entsprechend ermässigen oder sie werden mit<lb/>
der Zeit nur mehr geringe Überprüfungen vornehmen können. In diesem<lb/>
Fall würde die Frage der Besetzung mit zusätzlichem Personal voll<lb break="no"/>kommen hinfällig. Hier wäre eine Reorganisation der staatlichen Prüf<lb break="no"/>stellen möglich.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte solche Reorganisationsplan mit <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs><lb/>
besprechen und mir vorlegen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_14"><rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat mir bereits vor Tagen erklärt, er möchte es sehr begrüssen,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mich zu der Besprechung mit den Präsidenten über<lb/>
die Entlastungssätze zuziehen würde. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat ebenfalls<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111717">Schönbichler</rs>, der sich über die Handelsspannenregelung beschwerte,<lb/>
versprochen, er wird versuchen mich bei dieser Präsidentenbesprechung<lb/>
zuzuziehen. Ich war deshalb nicht überrascht, als ich unmittelbar<lb/>
nach Beginn der Sitzung angerufen wurde, ich sollte zu dieser Aus<lb break="no"/>sprache kommen. Die Präsidenten, begleitet von ihren Experten, haben<lb/>
dann für die offenen Punkte ein Kompromiss gesucht und ich glaube<lb/>
auch gefunden. Im Grunde wurde, ausgehend von den Wirtschaftsforschungs<lb break="no"/>sätzen, die wesentlich höher liegen als die vom Fachverband zugestande<lb break="no"/>nen, eine mittlere Lösung vereinbart. Interessant ist, dass in<lb/>
vielen Produkten von den Firmen bereits feste Preise für das nächste<lb/>
Jahr festgesetzt werden mussten, die deshalb ohne die Entlastungs<lb break="no"/>sätze zu kennen, für die Firma teilweise ungünstiger sind. Z.B. erklär<lb break="no"/>te VP <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, die Entlastung für Zellwolle würde einen höheren Preis<lb/>
rechtfertigen, als er bereits den ausländischen und inländischen<lb/>
Abnehmern mitgeteilt hat. Viele Firmen, auch die gesamte Bekleidungs<lb break="no"/>industrie, die ihre Kollektion zu Fixpreisen bereits anbieten musste,<lb/>
konnte auf die Entlastungssätze nicht mehr warten. Über die pharma<lb break="no"/>zeutische Industrie gab es eine Spezialdiskussion, weil das Gesundheits<lb break="no"/>ministerium angeblich der Industrie 7,5 % Entlastung bereits verspro<lb break="no"/>chen hat. Nun haben die Experten errechnet, dass mindestens 9 %<lb/>
<pb n="12-1151" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1151.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wie das Wirtschaftsforschungsinstitut vorgeschlagen hat, gerechtfer<lb break="no"/>tigt wären. Die Handelskammer erklärt nun, dass diese unzuständige<lb/>
Stelle im Gesundheitsministerium es schwer macht, die 7,5 % zu<lb/>
verlassen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erklärte rundheraus, dass unzuständige Stellen<lb/>
die Verhandlungen der Interessensvertretungen nicht mit Zusage tor<lb break="no"/>pedieren können. Ein Satz von 7,5 % wäre vielleicht noch gerecht<lb break="no"/>fertigt, wenn man die Firmen, die grosse Forschungen betreiben<lb/>
nur berücksichtigen müsste. Da es aber viele Produktionsfirmen gibt,<lb/>
die nur nach Lizenz pharmazeutische Produkte erzeugen, einigt man<lb/>
sich dann auf den Satz von 8,5 %. Ich selbst mische mich in die<lb/>
Diskussion kaum ein, weil ich nicht die Sozialpartnerentscheidung<lb/>
insofern beeinflussen will, dass man dann sagt, der Handelsmini<lb break="no"/>ster hätte die letzte Entscheidung schon getroffen. Die gefundenen<lb/>
Kompromisslösungen für die offenen Punkte erscheinen mir als tragbar.<lb/>
Nur betreffend der Düngemittelentlastung, wo das Agrarwissenschaft<lb break="no"/>liche Institut 8–9 % errechnet hat, kommt es zu einer grösseren<lb/>
Auseinandersetzung. Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> unterstützt von Ing. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> möchte<lb/>
dass die tatsächlichen Entlastungssätze von Stickstoffdünger 2,5<lb/>
und Mehrstoffdünger 2 % eine neuerliche Erhöhung des Brotpreises<lb/>
begründen. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> meint, dass es jetzt eine amtliche Kalkulation<lb/>
und ein amtliche Kalkulationsschema durch die landwirtschaftliche<lb/>
Preisbehörde gibt. Aufgrund dieses Schemas würde der Getreidepreis<lb/>
um 5–6 Groschen neuerdings zu erhöhen sein. Da 1 Groschen Getreide<lb break="no"/>preiserhöhung 1 Groschen Preiserhöhung pro kg Brot bedeuten würde,<lb/>
müsste der Brotpreis neuerdings um 5–6 Groschen angehoben werden.<lb/>
Ich erkläre sofort, dass diese eine vollkommen unerfüllbare Forde<lb break="no"/>rung darstellt und von mir auf das entschiedenste zurückgewiesen<lb/>
wird. Die schon jetzt getroffene Getreidepreiserhöhung ist be<lb break="no"/>züglich der Füllweizenpreiserhöhung um 10 Groschen als überhöht<lb/>
zu betrachten. Auch dann, wenn die amtliche Preiskalkulation, d.h.<lb/>
dieses unglückselige Kalkulationsschema etwas anderes ergeben<lb/>
sollte. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> muss durch Lächeln, obwohl er dazu natürlich keine<lb/>
mündliche Erklärung abgibt, zugeben, dass ich recht habe, als ich<lb/>
ihm die Vorgangsweise bei der Erstellung solcher Kalkulationen<lb/>
erläuterte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_15">Hohe Entlastungssätze werden auch bei einzelnen Lebensmittelpro<lb break="no"/>dukten dann sein, wenn die Sozialpartner im Zuge des Preisverfahrens<lb/>
in der PK beschlossen haben, dass ein z.B. 1972 vereinbarter Limo<lb break="no"/>naden- oder Bierpreis im Jahre 1973 unverändert bleiben soll. In<lb/>
<pb n="12-1152" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1152.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>diesem Fall wird der Entlastungssatz 9,7 und für Bier von 13,8<lb/>
aufscheinen. Mit Schaudern denke ich daran, wie wir im Ministerium<lb/>
ohne diese Vorarbeit von seiten der Sozialpartner das Problem gelöst<lb/>
hätten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_16">Beim erweiterten Präsidium des Freien Wirtschaftsverbandes in Eisen<lb break="no"/>stadt ersucht man mich ich sollte zur Reorganisation der Bürges eben<lb break="no"/>falls Stellung nehmen. Über die personale Änderung sind wir uns voll<lb break="no"/>kommen einig. Die Wünsche aber auf Anhebung der Kreditgrenze von<lb/>
200.000 auf 300.000 kann ich solange nicht akzeptieren und in Aussicht<lb/>
stellen, als nicht der Finanzminister bereit ist, mir wesentlich<lb/>
mehr Mittel zur Verfügung stellen, die er momentan nicht kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140112">Hartl</rs>, der Funktionär von den Lebensmittelhändlern, erklärt, die<lb/>
Wirtschaftsverbändler könnten 150 gewählte Handelsfunktionäre in Wien<lb/>
für die Preisaktion zur Verfügung stellen. Ich ersuche sofort, die<lb/>
dafür in Frage kommenden Funktionäre, dem Handelsminister Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
mitzuteilen. Ebenso meint <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs>, dass das Handelsministerium<lb/>
mehr Informationsmaterial dem Freien Wirtschaftsverband zur Verfügung<lb/>
stellen könnte. Auch in diesem Fall verspreche ich, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
als Kontaktmann zum Freien Wirtschaftsverband jedwede Wünsche er<lb break="no"/>füllen wird. <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> weist darauf hin, dass bei der Möbel<lb break="no"/>enquete bereits die Wirtschaftsverbändler ihre Mitarbeit angeboten<lb/>
und auch dann durchgeführt haben. Auch in diesem Fall ersuche ich, in<lb/>
Hinkunft allen Funktionären mitzuteilen, dass sie über ihr Verbands<lb break="no"/>sekretariat – <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> oder <rs type="person" ref="#per__98000">Swoboda</rs> – sich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ins<lb/>
Einvernehmen setzen sollen, wenn sie Wünsche Anregungen oder als<lb/>
Mitarbeiter fungieren wollen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte diesbezüglichen Kontakt verbessern. Ich<lb/>
selbst habe versprochen bei jeder passenden Verfügung in Wien dem<lb/>
erweiterten Präsidium zur Verfügung zu stehen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_18">Vor der Ministerratsvorbesprechung erklärt schon <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass ein<lb/>
Scheinsystem für die Rentner bei Milch- und Brotpreiserhöhung nicht in<lb/>
Frage kommt. Die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>-Idee ist damit glaube ich wieder fallen ge<lb break="no"/>lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schwebt vor, dass der Milchwirtschaftsfonds dem<lb/>
Bund aus seinen staatlichen Zuschüssen die Aufwendung für die Pen<lb break="no"/>sionisten refundiert. Da ich den Landwirtschaftsminister jetzt ver<lb break="no"/>trete, ersuche ich abends <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> telefonisch, er möge mit Min.Rat<lb/>
<pb n="12-1153" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1153.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Kurzl, Landwirtschaftsministerium, die entsprechenden Preisberechnungen<lb/>
anstellen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat bei der Regierungsklausur berichtet, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> einverstanden ist, wenn der Brotpreis um 50 Groschen, der Milch<lb break="no"/>preis um 30 Groschen, der Butterpreis um 4.– und der Käsepreis um<lb/>
5.50 bis 6.– S je kg. erhöht wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte wissen, wieviel<lb/>
der Milchwirtschaftsfonds dann dem Bundes refundieren muss.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte im Institut mit entsprechenden Kollegen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs>, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> entsprechendes Elaborat vorbereiten,<lb/>
da man Entscheidung so schnell wie möglich treffen sollte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_20">Der Landesverteidigungsrat ist, ohne eine neue Sitzung und Tages<lb break="no"/>ordnung zu vereinbaren, auseinandergegangen. <rs type="person" ref="#per__127586">Tödling</rs>, den ich am Gang<lb/>
getroffen habe, hat mir zugegeben, dass eine Verhandlung über die<lb/>
wirtschaftliche Landesverteidigung zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich<lb/>
ist. Darüber bin ich gar nicht böse, ganz im Gegenteil, ich habe damit<lb/>
eine gute Ausrede, weiterhin auf diesem Sektor nichts zu tun. Hätte<lb/>
nämlich die wirtschaftliche Landesverteidigung weiter im Verteidigungs<lb break="no"/>rat zur Debatte gestanden, so hätte ich mit <rs type="person" ref="#per__127586">Tödling</rs> zünd <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs><lb/>
Besprechungen über dieses Problem aufnehmen müssen. <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> hat<lb/>
mir seinerzeit versichert, dass noch niemals ein Minister einen<lb/>
direkten Kontakt so unbürokratisch in einer Frage wie z.B. die<lb/>
wirtschaftliche Landesverteidigung aufgenommen hat. Damit habe ich<lb/>
den formellen Auftrag zeitgerecht erfüllt und kann nun wieder zu<lb break="no"/>warten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_21">Da vereinbart wurde, im EWG-Begleitprogramm die Wirtschaftsgesetze<lb/>
auf zwei Jahre zu verlängern, werden alle noch nicht eingebrachten<lb/>
Regierungsvorlagen auf zwei Jahren Dauer vorgelegt. Dies gilt wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> ausdrücklich ersuchte auch für das Preistreibereigesetz.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte auch das Rohstofflenkungsgesetz, wenn es<lb/>
dann in den Ministerrat kommt, unter diesem Gesichtspunkt behandeln.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_23">Der österr. Botschafter in London teilt mit, dass das Aussenamt<lb/>
erklärt hätte, es stünden eine Anzahl Uganda-Flüchtlinge mit<lb/>
hochqualifizierter Ausbildung wie Architekten, Ingenieure, Ärzte,<lb/>
Dentisten, Lehrer aber auch Handwerker, Flugzeugmechaniker, Mechaniker<lb/>
<pb n="12-1154" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1154.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>usw. zur Verfügung. Ich plädiere sofort, dass man bestrebt<lb/>
sein soll, Facharbeiter nach Österreich zu bringen.<lb/>
die am ehesten nicht nur gebraucht werden, sondern auch von den<lb/>
Firmen übernommen werden. Ich werde beauftragt, mit der Handels<lb break="no"/>kammer die entsprechenden Besprechungen zu führen, damit Firmen<lb break="no"/>vertreter sich bereiterklären, konkrete Wünsche, die auch von dieser<lb/>
Firma dann untergebracht werden müssen, zu erfahren. Die notwendigen<lb/>
Einreisegenehmigungen wird Innenminister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> zur Verfügung stellen.<lb/>
Der Kontaktmann im Aussenministerium ist Gesandter <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs>.<lb/>
Beim Abendempfang kann ich mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> von der Indu<lb break="no"/>striellenvereinigung sowie <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und <rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs> vereinbaren,<lb/>
dass unverzüglich die Firmen ihre Wünsche der Handelskammer bekannt<lb/>
geben und die Handelskammer einen speziellen Mann für diese Aktion<lb/>
bestimmen wird. Wenn die Firmenwünsche vorliegen, wird sich<lb/>
der betreffende Handelskammervertreter nach Kampala begeben und<lb/>
die Leute – 100 bis 200 Personen – auszuwählen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_24">Die Vorschläge der Sektion II zum Schulorganisationsgesetz sind<lb/>
im letzten Moment eingetroffen. Dieses Organisationsgesetz war<lb/>
bereits einmal im Ministerrat vor etlichen Wochen und wurde auf Wunsch<lb/>
einzelner Minister zurückgestellt. In der Zwischenzeit hat <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs><lb/>
mit diesen Ministern die offenen Probleme bereinigt. Jetzt hat die<lb/>
Abteilung 11 entsprechende Vorschläge vorgelegt, die Begrenzung<lb/>
der allgemeinen Unterrichtsfächer im Berufsschulwesen wird von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> abgelehnt. Er meint, dass wir uns nicht binden sollten<lb/>
durch eine 10 %-ige Begrenzung der allgemeinbildenden Unterrichts<lb break="no"/>stunden die notwendige Schulung de Lehrlinge zu erschweren, er<lb/>
glaubt, dass es dringendst notwendig ist, den Lehrlingen auch in der<lb/>
Berufsschule mehr Allgemeinwissen zu geben. Dies sei auch eine<lb/>
Forderung der Gewerkschaftsjugend. Ich muss zugeben, dass es wahr<lb break="no"/>scheinlich wirklich nicht sinnvoll ist, einen sozialistischen Un<lb break="no"/>terrichtsminister hier Grenzen seiner Lehrplangestaltung aufzu<lb break="no"/>erlegen. Ein telefonische Rücksprache mit Sekt.Chef. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der<lb/>
in der Zwischenzeit nach Steyr gefahren ist, ergibt, dass er dies<lb/>
als eine Causa minor betrachtet und deshalb ohne weiteres der<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>-Vorschlag angenommen werden kann. Die zweite Frage, dass<lb/>
Lehrlinge, welche die Berufsschule nicht absolviert haben, in Hin<lb break="no"/>kunft nicht mehr weiterbildende Lehrgänge besuchen können, wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> bis morgen früh neuerdings überprüfen. Er gibt zu, dass<lb/>
<pb n="12-1155" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1155.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sinnvoll wäre, den Lehrlingen den Aufstieg auch dann wenn sie die<lb/>
Berufsschule nicht abgeschlossen haben, wohl aber die Lehrabschluss<lb break="no"/>prüfung bestanden haben, eine Weiterbildungsmöglichkeit zu eröffnen.<lb/>
Hier kritisiert er nur mit Recht, dass ihm dieser Vorschlag so spät<lb/>
zur Verfügung gestellt wird. Er kann und will das Schulorganisations<lb break="no"/>gesetz nicht neuerdings zurückstellen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_25">Da ich derzeit den Landwirtschaftsminister vertrete, bekomme ich auch<lb/>
eine Minute vor der Vorbesprechung das Material von Seiten des Land<lb break="no"/>wirtschaftsministeriums. Es funktioniert also auch scheinbar in diesem<lb/>
Ministerium und vielleicht auch in anderen Ministerien nicht so wie ich<lb/>
es und alle Minister sicherlich gerne hätten. An und für sich ist es<lb/>
eine ungeheure Zumutung, dass der Minister vor der Sitzung erst ein<lb/>
Material erhält und dann zu den einzelnen Punkten Stellung nehmen muss.<lb/>
Als ich mir während des Vertrages von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> das Material anschaute,<lb/>
konnte ich allerdings feststellen, dass in den einzelnen Bemerkungen<lb/>
der Abteilungen ebenfalls überhaupt nichts drinnen steht als Wiederholungen<lb/>
und nichtssagenden Bemerkungen. Da ist mir unser jetzigen Zustand<lb/>
schon lieber, wo im Handelsministerium überhaupt keine Bemerkungen<lb/>
mehr zu den einzelnen Gesetzen von den Abteilungen geschrieben werden.<lb/>
Das Prinzip sollte sein, nur bei Entscheidungen, die bedeutend sind, mir<lb/>
eine diesbezügliche Information zeitgerecht zukommen zu lassen- Ich<lb/>
habe dies aber nicht ausdrücklich in meinem Hause verlangt und ich glaube,<lb/>
dass dies gut war. Wenn nämlich in Hinkunft ich in der Parlamentsdebatte we<lb break="no"/>gen irgendeines Gesetzes, das ich letzten Endes nicht beeinsprucht habe,<lb/>
angegriffen werde, kann ich jederzeit darauf verweisen, dass die dies<lb break="no"/>bezüglichen Vorschläge von meinem Hause nicht bekommen sind. Kommen<lb/>
solche Vorschläge, bin ich überzeugt, werde ich auch keinen Einspruch<lb/>
gegen ein Gesetz eines Ministerkollegen machen. Deshalb ist mir der<lb/>
jetzige Zustand gerade recht. <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> z.B. hat mir nach längerer Zeit<lb/>
jetzt eine Information geschickt wegen einer Entsendung einer österr.<lb/>
Delegation zur 9. Tagung der Codex-Kommission nach Rom. Da er bei dieser<lb/>
Delegation mitfährt, hat er natürlich gegen den Ministerratsvortrag keine<lb/>
Bedenken. Diese Informationen hebe ich mir sehr genau auf, um später<lb/>
einmal den Beweis zu führen, dass die Ministerialbürokratie sich<lb/>
in keinem einzigen Fall oder nur vereinzelt gegen ein Sachgebiet aus<lb break="no"/>gesprochen hat oder mir eine ergänzende Information geschickt hat,<lb/>
wohl aber, wenn es um ihre Auslandsdelegierung ging.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-25_26"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="12_1146_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-25_1146-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 25.9.1972</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97581">
               <persName type="label">Igler, Hans</persName>
               <persName><surname>Igler</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97938">
               <persName type="label">Seidl, Rudolf Hans</persName>
               <persName><surname>Seidl</surname><forename>Rudolf Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114537">
               <persName type="label">Oder, A</persName>
               <persName><surname>Oder</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Sekr. Sallinger</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111717">
               <persName type="label">Schönbichler, Carl Hans</persName>
               <persName><surname>Schönbichler</surname><forename>Carl Hans</forename></persName>
               <occupation>Obmann Sektion Handel BHK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97892">
               <persName type="label">Sallaberger, Günther</persName>
               <persName><surname>Sallaberger</surname><forename>Günther</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__126971">
               <persName type="label">Wakolbinger, Alfred</persName>
               <persName><surname>Wakolbinger</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>GS-Stv. HK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__133326">
               <persName type="label">Krämer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Krämer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Statistiker AK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111737">
               <persName type="label">Marsch, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97879">
               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97602">
               <persName type="label">Jodlbauer, Harry</persName>
               <persName><surname>Jodlbauer</surname><forename>Harry</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97474">
               <persName type="label">Gleißner, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gleißner</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__134300">
               <persName type="label">Metzner, Herbert</persName>
               <persName><surname>Metzner</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>MR HM/VM (Ministerienneuorganisation 1974)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111728">
               <persName type="label">Westreicher, Hugo</persName>
               <persName><surname>Westreicher</surname><forename>Hugo</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98055">
               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/130620351</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97525">
               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97801">
               <persName type="label">Ottahal, Georg</persName>
               <persName><surname>Ottahal</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, u.a. zuständig f. Protokollfragen</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__112589">
               <persName type="label">Zeillinger, Gustav</persName>
               <persName><surname>Zeillinger</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>FPÖ-NR-Abg., Volksanwalt</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__131314">
               <persName type="label">Soche, Peter</persName>
               <persName><surname>Soche</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>Jurist ÖAMTC</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113083">
               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127586">
               <persName type="label">Tödling, Othmar</persName>
               <persName><surname>Tödling</surname><forename>Othmar</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., GF Fa. Steirerobst</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113077">
               <persName type="label">Altmann, Ingobert</persName>
               <persName><surname>Altmann</surname><forename>Ingobert</forename></persName>
               <occupation>Leiter Referat Marktpolitik LWK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97524">
               <persName type="label">Hauffe, Herbert</persName>
               <persName><surname>Hauffe</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/133521052</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113043">
               <persName type="label">Pfoch, Hubert</persName>
               <persName><surname>Pfoch</surname><forename>Hubert</forename></persName>
               <occupation>Wr. Vize-Bgm., SPÖ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107938">
               <persName type="label">Leodolter, Ingrid</persName>
               <persName><surname>Leodolter</surname><forename>Ingrid</forename></persName>
               <occupation>Gesundheitsministerin</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97676">
               <persName type="label">Lachs, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lachs</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97632">
               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118723189</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98000">
               <persName type="label">Swoboda, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Swoboda</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>ZS FWV</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112010">
               <persName type="label">Blaha, Hermann</persName>
               <persName><surname>Blaha</surname><forename>Hermann</forename></persName>
               <occupation>AK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98112">
               <persName type="label">Zöllner, Otto</persName>
               <persName><surname>Zöllner</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>AK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97372">
               <persName type="label">Broda, Christian</persName>
               <persName><surname>Broda</surname><forename>Christian</forename></persName>
               <occupation>Justizminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114156">
               <persName type="label">Hinteregger, Gerald</persName>
               <persName><surname>Hinteregger</surname><forename>Gerald</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter in Spanien, der Sowjetunion, ab 1981 GS im
                  BMfAA</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97691">
               <persName type="label">Lehner, Hans</persName>
               <persName><surname>Lehner</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Präs. LWK</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>