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            <title type="main">Donnerstag, der 21. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_01">Donnerstag, 21. September 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_02">Im Direktorium der ÖFVW setzte ich <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> unter vier Augen<lb/>
auseinander, dass er nicht glauben darf, dass die zusätzlichen<lb/>
Millionen für die Fremdenverkehrswerbung jetzt für Aufbesserung<lb/>
der Gehälter und Ausstattung der einzelnen Dienststellen verwendet<lb/>
werden dürfen. Die Beschäftigten sowohl im Ausland als auch in<lb/>
Österreich stehen nun auf dem Standpunkt, optimalste Lösung für<lb/>
ihre Gehaltsregelung zu erreichen. Zuerst wollen sie individuell vom<lb/>
Bundesschema weg um dann bei Bundesschemaregelung wie jetzt z.B.<lb/>
die Verwaltungszulage diese sofort zu verlangen. Richtig ist, dass<lb/>
in der Dienstordnung ein Passus vorhanden ist, wonach wir eigent<lb break="no"/>lich die Verwaltungszulage, die wieder 500.000 S ausmachen würde, be<lb break="no"/>zahlen müssten. Wir hätten, als wir die Gehaltsschemaregelung verein<lb break="no"/>bart haben, dieses Passus eliminieren müssen. Bei der jetzigen neuen<lb/>
Regelung der Auslandsdienstbezüge darf uns so etwas nicht mehr passie<lb break="no"/>ren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte das Dienstrecht vom Fachmann prüfen<lb/>
lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_04"><rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> hat überhaupt kein Gefühl über Preise. Die Zweig<lb break="no"/>stellenleiter wollten Informationen und statt dass er dieses<lb/>
Problem mit uns bespricht, geht er her, nimmt einen Zeitungs<lb break="no"/>artikel aus der Gastgewerbezeitung vom Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs>, sicher<lb break="no"/>lich ein Fachmann, und schickt ihn ohne Kommentar an die Zweig<lb break="no"/>stellen. In diesem Artikel wird dargelegt, dass um 15 % die Preise<lb/>
steigen werden. Selbst der Vertreter der BHK, Dr. <rs type="person" ref="#per__140140">Stix</rs>, gibt zu,<lb/>
dass dies ein unglückliches Vorgehen war. Er hat Berechnungen ange<lb break="no"/>stellt und seinen Leuten erklärt, dass solche Preissteigerungen<lb/>
beim besten Willen nicht zu lukrieren sind. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs><lb/>
darauf aufmerksam gemacht, dass er in Hinkunft bei etwaigen Preis<lb break="no"/>informationen sich vorerst mit uns ins Einvernehmen setzen muss.<lb/>
Vor allem müssen die Zweigstellen entsprechende solide Unterlagen<lb/>
bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_05"><rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> will vor allem durchdrücken, dass wir einen Film von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136489">Zupan</rs> mit 200.000 S subventionieren. Das Verkehrsministerium hat<lb/>
bereits 400.000 S, da es sich um einen Seilbahnfilm in Österreich<lb/>
handelt, bezahlt. Beim letzten Mal habe ich mich bereit erklärt.<lb/>
dass wir 40 Kopien kaufen, obwohl ich überzeugt bin, dass auch<lb/>
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draufkomme, dass wir pro Kopie 5.000 S zuzüglich der Herstellkosten<lb/>
bezahlen. Davon war aber nie die Rede, sondern wir hatten nur gemeint,<lb/>
wir nehmen Kopien ab, damit er eine grössere Absatzchance hat<lb/>
und über die Kopien ein Teil der Kosten mitgetragen werden. Der Fehler<lb/>
unseres Budgetsystems in der Fremdenverkehrswerbung ist, dass jedes<lb/>
Ressort gewisse Beträge zugewiesen erhält. Dadurch versucht die Aus<lb break="no"/>stellung ebenfalls die Filmsparte usw. diesen Betrag auf alle Fäl<lb break="no"/>le auszugeben. Beim Ausstellungsreferat erklärt <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs><lb/>
mir strengst vertraulich, dass er befürchtet, dass hier Durchstechereien<lb/>
gemacht wurden. Er selbst ist dieser Angelegenheit jetzt auf der Spur<lb/>
und hofft, in den nächsten Tagen entsprechende Beweise in der Hand<lb/>
zu haben. Er wird mich unmittelbar informieren. Er selbst ist<lb/>
sehr erschüttert, dass der Wirtschaftsprüfer bei den Kontrollen<lb/>
nicht draufgekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_06"><rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> hat die Landesregierungen und die Polizeibehörden zwecks<lb/>
Durchführung der Pickerl-Aktion zu einer Besprechung geladen. Da ich<lb/>
aus der Erfahrung von der Schulbuchaktion <choice><choice><sic>gewitzigt</sic><corr>?</corr></choice></choice> ersucht hatte,<lb/>
dass ich unbedingt mit den Herren reden wollte, konnte er durch die<lb/>
Direktoriumssitzung erst um 11 Uhr mit dieser Aussprache beginnen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> nütze dies sehr geschickt und ersuchte, dass deshalb das<lb/>
Handelsministerium den ca. 40 anwesenden Personen ein Mittagessen<lb/>
spendieren sollte. Aus der Diskussion ergab sich, dass eigentlich<lb/>
wirklich alle Vorbereitungen so getroffen sind, dass die Aktion mit<lb/>
1.1.1973 starten kann und keine Schwierigkeiten entstehen dürften.<lb/>
Neu für mich war nur, dass die Pickerl 9.– S kosten sollten. Die<lb/>
Abteilung hat Kalkulationen eingeholt und die sollen sich zwischen<lb/>
8.90 und 9.10 S bewegen. Die Firma, die letzten Endes aber den Zu<lb break="no"/>schlag bekommen hat, hat eine Kalkulation vorgelegt, die äusserst günstig<lb/>
für sie ist. Ich konnte natürlich die Kollegen dort nicht desavouieren<lb/>
und habe dazu geschwiegen, ich machte nur dann aufmerksam, dass es<lb/>
sich bei diesem Preis um einen längerfristigen handelt, der nicht in<lb/>
den nächsten Jahren leicht erhöht werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte in Hinkunft darauf achten, dass irgend<lb break="no"/>welche Belastungen der Kraftfahrer vorher mit uns abgesprochen wer<lb break="no"/>den. Rechtlich haben wir gar keine Möglichkeit, von jemandem diese<lb/>
9.– S zu verlangen. Für die Kennzeichnunstafel ist nämlich der Be<lb break="no"/>trag im Gesetz gedeckt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_08">Beim Konsumentenseminar der soz. Frauen in Brunn am Gebirge<lb/>
haben vereinzelte Funktionärinnen ein grosses Interesse für unsere<lb/>
Aufklärungskampagne im Zuge der Integration gezeigt. In den<lb/>
Bundesländern sollte nach ihrer Meinung ein Team von Fachleuten für<lb/>
Informationen über die Wirtschaftsfragen und damit im Zusammenhang<lb/>
natürlich auch der Integrationsfrage zur Verfügung stehen. Ich glaube,<lb/>
dass das Europa-Institut hier als Vermittler, ohne dass es uns viel<lb/>
kostet, auftreten könnte. In Wirklichkeit wird meistens nur eine<lb/>
Gelegenheit gesucht, um Inlands- vor allem aber Auslandsreisen<lb/>
begründen zu können. Bei der Preisdebatte konnte ich neuerdings<lb/>
feststellen, dass unsere Funktionärinnen noch sehr diszipliniert sind<lb/>
und gar nicht hart kritisieren. Wie lange der Zustand anhalten wird,<lb/>
weiss ich nicht. Vor allem aber kann ich nicht feststellen, ob diese<lb/>
Einstellung nur bei Referenten von Spitzenfunktionärinnen gegenüber<lb/>
dem Vortragenden zu verzeichnen ist und diese Spitzenfunktionärinnen<lb/>
dann, wenn sie der Masse von Konsumenten gegenüberstehen, sei es am<lb/>
Markt und bei sonstigen Gelegenheiten, nicht diese Stand<lb break="no"/>festigkeit zeigen, wie bei unseren Vorträgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_09">Die Regierungsklausur in Drassburg war wie üblich. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam um<lb/>
3/4 Stunden zu spät und hielt dann bis zum Abendessen ein Referat<lb/>
was natürlich mit der Preissituation begann. Er meint, dass die<lb/>
Meinungsumfragen ergeben, dass die Regierung schuld sei und dieser<lb/>
Anteil sich ständig vergrössert. Betriebsratswahlen insbesondere<lb/>
in Radenthein zeigen ein verheerendes Ergebnis. Rentner seien an der<lb/>
Vollbeschäftigung uninteressiert und am Land herrsche eine schlechte<lb/>
Stimmung. Es beginne auch jetzt eine gehässige Kritik gegen die Re<lb break="no"/>gierung, insbesondere von den Massenmedien. Die Teuerung bekomme<lb/>
jetzt eine politische Relevanz und man dürfe die Preisentwicklung nicht<lb/>
abstreiten. Der OECD-Bericht müsste frontal angegangen werden.<lb/>
Die Taktik müsste sein, dass erstens die Importpreise doch immer<lb/>
einen grossen Einfluss haben, zweitens der ÖGB eine verantwortungs<lb break="no"/>bewusste Lohnpolitik gemacht hat und dass drittens die ÖVP für 1972<lb/>
eine Rezession prognostiziert hat, die wir verhindern konnten.<lb/>
Man sollte die Autos nicht so herausstreichen, wie die AZ es bei<lb/>
der Verbilligung getan hat, denn das interessiert niemanden. Die<lb/>
christlichen Gewerkschafter schwenken auf die KP ein. Alle<lb/>
Minister müssten gegen die Preiserhöhungen auftreten und sie sollten<lb/>
sich nicht nur mit ihren Fachproblemen beschäftigen. Die Partei müsste<lb/>
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Kampf sich einschalten, Die Budgetaufklärung sollte sich nicht darauf<lb/>
beschränken, dass man erklärt, die Mehrwertsteuer würde geringere<lb/>
Erträge bringen, das versteht die Bevölkerung nicht, sondern sie meint,<lb/>
die Steuern sich sowieso schon hoch genug, sondern das Defizit von<lb/>
11,2 Mia. sie deshalb gekommen, weil aus der ÖVP-Zeit noch immer 6 Mia.<lb/>
davon abzustatten sind. Seinerzeit haben wir gegen die Rezessionsdrohung<lb/>
der ÖVP ein Konjunkturausgleichsbudget geschaffen, jetzt sollten wir<lb/>
für die EG-Nachteile einen Wirtschafts- und Sozialfonds propagieren.<lb/>
Die diversen Fonds gehören vereinfacht und der Bundeskanzler selbst<lb/>
wird die Koordinierung vornehmen. Die Verwaltungsreform müsste unverzüg<lb break="no"/>lich in Angriff genommen werden. Die Reorganisation der Bergbauernhilfe<lb/>
– 300 Mill. – sei ein wichtiger Schritt. Am Nationalfeiertag<lb/>
werden die Nationalhistoriker arbeiten, die Wissenschafter aus aller<lb/>
Welt zusammenkommen, insgesamt wird das 1,5 Mill. S, wovon der Bund<lb/>
aber nur 250.000 S bezahlen muss, das andere haben Banken und sonstige<lb/>
Institutionen geleistet. Ausserdem sollen alle Entwicklungshelfer,<lb/>
die in Österreich sind, zusammengerufen werden und in Schönbrunn wird<lb/>
die Bundesregierung für die Interessensvertretungen einen grossen<lb/>
Empfang geben. Im herbst soll auch eine Aktion starten, wer Hält die<lb/>
Demokratisierung auf ? 1.400 Experten sollen sich mit Umweltschutz be<lb break="no"/>schäftigen und ausserdem beabsichtigt er eine Ärztebegegnung, wo <rs type="person" ref="#per__107938">Leodol<lb break="no"/>ter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> wegen Forschung, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wegen der Finanzsituation<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97614">Karl</rs> für die Familienpolitik, unter seinem Vorsitz mit einer grossen<lb/>
Anzahl von Ärzten diskutieren sollen, Österreich-Gespräche mit der<lb/>
Jungen Generation müssen in ganz Österreich wieder aktiviert werden.<lb/>
Nächstes Frühjahr sollte dann eine Bilanz für Österreich gestartet<lb/>
werden. Nach dem Essen war niemand mehr bereit, weiterzuarbeiten,<lb/>
sodass eigentlich der erste Tag nur in einem Referat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
bestand, wo die meisten Punkte aber bereits vorher von ihm in Regie<lb break="no"/>rungsvorbesprechungen geklärt worden waren. Ich weiss nicht, ob es<lb/>
für die burgenländische Wahl von Bedeutung war, <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> ist nicht<lb/>
erschienen. Ich weiss auch nicht, ob es das Image des Bundesregierung<lb/>
benötigt, dass wir in ein Schloss zu solchen Besprechungen gehen.<lb/>
Das Schloss selbst ist eigentlich in einem verhältnismässig desolaten<lb/>
Zustand. Die Preise sind irrsinnig hoch und die Ausstattung entspricht<lb/>
ungefähr dem bäuerlichen Niveau. Was mein Zimmer z.B. betrifft, wie<lb/>
ich es auch in Salzburg früher im Urlaub benützte. Das Zimmer von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Poldl Gratz</rs> ist angeblich so mies, er hat nämlich nur einen Diwan<lb/>
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zurück, um zu schlafen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-21_10">Wissenschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> und ich haben wegen <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gesprochen.<lb/>
Sie erklärte sofort aggressiv, dass es ganz unmöglich ist, dass<lb/>
dieser Mann von ihrem Ministerium weggeht. Er hat eine so bedeutende<lb/>
Funktion, ist mit seiner Arbeit so zufrieden und sie kann daher unter<lb/>
gar keinen Umständen darauf verzichten. Als ich ihr auseinandersetzte,<lb/>
dass ich in der Energiesektion dringendst einen Leiter benötige,<lb/>
meinte sie, dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gar nicht von ihr weggehen wolle. Ich sollte<lb/>
mit ihm eingehend über dieses Problem sprechen und würde feststellen<lb/>
können, dass er gar nicht die Absicht hat, seinen jetzigen Wirkungs<lb break="no"/>bereich zu verlassen. Sie ist hundertprozentig überzeugt, dass er<lb/>
eine so<add>[Text bricht an dieser Stelle ab; Anm.]</add><lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 21.9.1972</head>
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