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            <title type="main">Montag, der 18. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_01">Montag, 18. September 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_02">Bei meinem Vortrag bei der REFA-Tagung kam der Syndikus der Industrie,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__134810">Hofeneder</rs>, und entschuldigte seinen Obmann <rs type="person" ref="#per__97925">Philipp Schoeller</rs> mit<lb/>
folgender Begründung: <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> hat vor längerer Zeit einen Artikel<lb/>
über die Exportindustrie und deren Situation der Presse übermittelt.<lb/>
Als er diesen Artikel schrieb, hat er noch nicht die Maßnahmen gekannt,<lb/>
die die Bundesregierung letztlich der Exportindustrie zu seiner großen<lb/>
Überraschung gewährte. Er korrigierte deshalb diesen Artikel, doch wurde<lb/>
Korrektur von der Presse nicht mehr angenommen, sondern der Artikel in<lb/>
seiner ursprünglichen Fassung am Sonntag abgedruckt. <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> wollte<lb/>
mir nun sozusagen nicht unter die Augen treten, solange nicht diese<lb/>
Korrektur vorgenommen ist. Ich hatte den Artikel gelesen, mir war<add>[er]</add> über<lb break="no"/>haupt so kritisch und aggressiv vorgekommen. Als einzigen Angriff<lb/>
las ich heraus, daß ich die Integrationspolitik insbesondere die Import<lb break="no"/>politik vom Standpunkt des Konsumentenschützers betrachte, ohne daß aller<lb break="no"/>dings mein Name genannt wurde. Die Regierung selbst wurde insofern<lb/>
ohne Namensnennung angegriffen, daß ein bißchen zu wenig für die Export<lb break="no"/>industrie geschieht. Ich bin wirklich auf die Ergänzung dieses Artikels<lb/>
neugierig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs><lb/>
Vielleicht kannst Du zufällig der Presse ins Gespräche kommen, um den<lb/>
ganzen Tatbestand zu erfahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_04">Das Pressefrühstück ist noch immer phantastisch besucht und ich glaube<lb/>
der Hinweis einzelner Journalisten, daß wir kaum etwas zu bieten haben,<lb/>
muß einen anderen Grund gehabt haben. Wir werden diesen Termin unter<lb/>
allen Umständen halten. Die Hauptschwierigkeit sehe ich nur, ob ich<lb/>
immer Zeit haben werde zu kommen. Vielleicht sollten wir uns überlegen,<lb/>
ob man bei dieser Gelegenheit nicht der Presse auch Leute präsentieren<lb/>
könnte die mit uns außerhalb des Handelsministeriums kooperieren. wenn<lb/>
uns einmal tatsächlich der Stoff ausgehen sollte, könnte mir z. B. sehr<lb/>
gut vorstellen, daß <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> oder ein Interessensvertreter von der AK oder<lb/>
Handelskammer in einer bestimmten Frage von größerer Bedeutung, ich denke<lb/>
hier z. B. an unsere Bemühungen am die Preisstabilität. Allerdings treten<lb/>
wir dann ganz deutlich mit unserer Presseinstitution des Institutes in<lb/>
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solche Aussprache nicht besser im Rahmen des Institutes herbeiführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs><lb/>
Sollte nicht längst schon ein Institutsarbeitsessen mit der Presse fällig<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_06"><rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> hat derzeit die Verhandlungen mit einer polnischen Delegation<lb/>
über das Protokoll 1973. Der neue Verhandlungsleiter, sagt <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, ist<lb/>
äußerst umständlich und in seiner üblichen Art bezeichnet er ihn als<lb/>
Analphabet. Er hat deshalb auch verbindet, daß er zu mir käme, obwohl der<lb/>
Delegationsleiter ein dringliches Ersuchen diesbezüglich an ihn errichtet<lb/>
hat. Darüber habe ich mich eigentlich ein wenig geärgert, denn selbst<lb break="no"/>verständlich muß ich mir die Zeitnehmen, um, wenn schon der Delegations<lb break="no"/>leiter nicht zu mir kommen soll, doch die Delegation besuchen möchte.<lb/>
um mein Interesse an den Ostverträgen zu dokumentieren. Bei einem Kurz<lb break="no"/>besuch konnte ich mir natürlich jetzt nicht ein wahres Bild machen, ob<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97426">Fälbls</rs> Beurteilung richtig ist. Auf alle Fälle sollte aber immer vorge<lb break="no"/>sorgt werden von Seiten des Büros, daß ich unter allen Umständen eine<lb/>
ganz kurze Zeit bei allen ausländischen Delegationen zumindestens zur Be<lb break="no"/>grüßung vorüberschaue.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Diesbezügliche Veranlassung treffen und bitte <rs type="person" ref="#per__117893">Krywult</rs><add>[?]</add> fragen, ob tat<lb break="no"/>sächlich die Verhandlungen so schlecht von polnischer Seite geführt<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_08">Bei der Aussprache des Bundeskanzlers, Sozialministers, Finanzminister<lb/>
und mir und <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> mit der Papierindustrie und der Gewerkschaft über<lb/>
die Einführung einer <choice><choice><sic>Taxparafiskal</sic><corr>?</corr></choice></choice> für die Papierindustrie gab <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
zu, daß es sich um ein äußerst dringliches Problem handelt. Er vereinbarte<lb/>
unverzüglich einen zweiten Termin für Anfangs Oktober, wo eine Arbeits<lb break="no"/>gruppe dann eingesetzt werden soll, die eine endgültige Stellungnahme<lb/>
ausarbeiten wird. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> sagte mir vor der Sitzung, daß er mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verhandelt hätte und dieser einen finanziellen<lb/>
Beitrag aus der Volleinnahme durch längeren Zollabbau von 750 Mio. S für<lb/>
die Papierindustrie abgelehnt hatte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte bei der Aussprache<lb/>
auch, daß er Kombination zwischen den Förderungen der Papierindustrie<lb/>
und den zu erwartenden Förderung der Zeitungsherausgeber erreichen möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_09">Er befürchtet, wenn die Zeitungsherausgeber ein entsprechende staatliche<lb/>
Unterstützung bekommen, würden sie dann gegebenenfalls vielleicht sogar<lb/>
den Umfang der Zeitung reduzieren, nur um dann mit einigen Seiten auf<lb/>
alle Fälle die Subvention zu bekommen. Er möchte aber das europäische<lb/>
Niveau der Zeitungen erreichen. Auch was den Umfang betrifft.<lb/>
Die Papierindustrie wurde aufgefordert ihm diesbezügliche Vorschläge<lb/>
zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_10">Im Institut beim Essen hat <rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs> auf mein Ersuchen die weitere Ent<lb break="no"/>wicklung des Instandhaltungskostenindexes versucht zu analysieren. Seine<lb/>
Ergebnisse sind verheerend. Wir werden in diesem Jahr niemals mehr unter<lb/>
die 6 %-Grenze kommen, sondern ganz im Gegenteil durch Milch und Brot<lb break="no"/>preiserhöhungen diese wesentlich überschreiten. Unsere Annahme, daß<lb/>
im 2. Halbjahr infolge der vorjährigen hohen Preissteigerungsrate eine<lb/>
gewisse Verringerung des Zuwachses eintreten wird, hat sich damit<lb/>
nicht erfüllt. Wenn nun die Erhöhung aus der Mehrwertsteuer nicht bereits<lb/>
vorweggenommen ist, müssen wir mit Anfang nächsten Jahres mit einer<lb/>
wesentlich höheren Preissteigerungsrate rechnen als ursprünglich kon<lb break="no"/>zipiert. Wir alle waren sehr erschüttert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_11">Bei einer Besprechung mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, Prof. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und mir<lb/>
über ein Papier einer Stabilisierung, welches vor allem auf fundierteren<lb/>
theoretischen Grundlagen aufgebaut werden sollte, hat auch <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> er<lb break="no"/>klärt, seine Meinungsumfrage ergibt, daß die Preisentwicklung für das<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Regime der kritische Punkt ist. 20 % der Befragten erklären<lb/>
die Regierung jetzt schon für schuldig. Hier ist der Umfang nicht so<lb/>
entscheidend meint <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, aber vor allem, da es letztens nur 17 % ge<lb break="no"/>wesen sind und er fürchtet, daß es beim nächsten Mal noch wesentlich<lb/>
mehr die Regierung dafür verantwortlich machen. Dieser dynamische Zuwachs<lb/>
beunruhigt <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meinte mit Recht, es müßte eine Lösung gefunden<lb/>
werden, daß eben die Unternehmer wieder schuldig gesprochen werden können.<lb/>
Ich glaube kaum, daß uns dies sobald gelingen wird, wenn es überhaupt<lb/>
möglich ist. Um das Schuldigwerden der Regierung auszuschließen, hätte<lb/>
ich schon bei der seinerzeitigen ersten Regierungserklärung sehr gerne<lb/>
gesehen, wenn wir in der Lohn- und Preispolitik nur erklärt hätten, daß<lb/>
wir die Bemühungen der Sozialpartner unterstützen werden. Damit wäre die<lb/>
Hauptverantwortung für die Löhne bei den Gewerkschaften und für die<lb/>
Preise bei der Handelskammer und Landwirtschaftskammer gelegen. Natürlich<lb/>
hätte die Bundesregierung in diesem Punkt ihre geringe Einflußmöglichkeit<lb/>
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eine solche Politik nicht akzeptiert. Versuche hätte man es aber auf<lb/>
alle Fälle müssen. Nun hat uns die Opposition die alleinige Verant<lb break="no"/>wortung in der Öffentlichkeit aufgehalst und durch die Erhöhung der<lb/>
Tarife, Zigarettenpreise und staatlich geregelter Preise, wird die<lb/>
Regierung sogar noch als der Initiator der Preiswelle hingestellt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> erklärt das verspätete Einsetzen von <rs type="person" ref="#per__97311">Androschs</rs> Stabilitätspro<lb break="no"/>gramm, daß sowohl, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, aber noch viel später dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
nämlich dieser erst vor einigen Monaten im Mai ihre Befürchtungen, daß<lb/>
es zu einer Konjunkturdämpfung in Österreich kommen könnte, aufgegeben<lb/>
haben. Er hat eine Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor längerer Zeit geführt,<lb/>
wo dieser im Hinblick auf die Entwicklung in Schweden, wo eine stärkere<lb/>
Arbeitslosigkeit zu verzeichnen war, vor allzu optimistischer Konjunktur<lb break="no"/>erwartung in Österreich gewarnt hätte. Diese falsche Einschätzung sei<lb/>
der Grund, warum solange auch von ihm nichts gegen eine Preiswelle ge<lb break="no"/>macht wurde Diese pessimistische Meinung hatte ich nie geteilt. In<lb/>
der Konjunkturentwicklung war ich immer optimistisch und meine Voraus<lb break="no"/>sagen sind tatsächlich bis jetzt immer eingetreten. Ich fürchte allerdings<lb/>
und dies gebe ich ganz freimütig zu, daß ich einmal den Wendepunkt, wenn<lb/>
wirklich einmal ein Rückschlag zu erwarten ist, nicht erkennen werde, da<lb/>
ich keiner Instrumentarium oder Indikatoren besitze, auf die ich mich<lb/>
tatsächlich verlassen kann. Die von uns jetzt erarbeiteten haben eigent<lb break="no"/>lich nur einen sehr beschränkten Aussagewert. Ich habe nämlich meine<lb/>
optimistischen Prognosen keinesfalls ausschließlich auf diese Daten<lb/>
stützen können, sondern vielmehr gefühlsmäßig entscheiden, was mich<lb/>
eigentlich immer beunruhigt. Mit dem neuen Instrumentarium in unserem<lb/>
Hause, dem Branchenreferaten der Grundsatzgruppe, usw. ist vielleicht<lb/>
ein Ansatz für eine Verbesserung gegeben. Wirkliche brauchbare Daten<lb/>
werde ich jedoch frühestens in einem Jahrzehnt bekommen können. Solange<lb/>
wird es sicherlich dauern, bis wir ein besseres Modell zurechtgezimmert<lb/>
haben, als das Wirtschaftsforschungsinstitutes derzeit besitzt. Erst wenn<lb/>
die einzelnen Betriebe und Sparten computermäßig Ziffern und Kennziffern<lb/>
vor allem liefern könnte ich mir vorstellen, daß wir ein besseres Modell<lb/>
bauen als derzeit dem Wirtschaftsforschungsinstitut zur Verfügung steht.<lb/>
Derzeit mußte ich feststellen, das wissen die meisten Unternehmer gar<lb/>
nicht, daß wir Branchenreferate haben, die sich mit ihren Problemen be<lb break="no"/>schäftigen. Dieser Zustand ist für mich nicht unangenehm, denn im Gegen<lb break="no"/>teil wir werden ja sicherlich Jahre brauchen, bis sich unsere Branchen<lb break="no"/>referenten überhaupt einen Überblick verschaffen konnten und sich in die<lb/>
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wäre es aber zielführend ein Modell zu konstruieren, wo wir unter<lb/>
Mitwirkung von etlichen hunderten Firmen bessere Indikatoren erstellen,<lb/>
als wir derzeit mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut gemeinsam erar<lb break="no"/>beiten. Vor allem wäre es zielführend, wenn wir ein diesbezügliches Modell<lb/>
jetzt bereits theoretisch konstruieren könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Ein diesbezüglicher Studienauftrag, ich weiß nicht an wen, wäre sehr<lb/>
zweckmäßig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_13"><add>Die</add> Neudörfler Büromöbelfabrik eröffnete eine riesige Halle, wo sie weitest<lb break="no"/>gehend automatisiert Büromöbel herstellen kann. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
teilte mir KommRat <rs type="person" ref="#per__140153">Markon</rs>, der Besitzer mit, daß er keine Angst vor der<lb/>
EWG-Konkurrenz hat, andererseits hat er aber nur eine 3 % Exportquote<lb/>
derzeit. Er hat mit einer deutschen Möbelfirma, Mauser, eine Verkaufs<lb break="no"/>kooperation. Wie sehr die Gemeinden bereit sind Firmen zu unterstützen,<lb/>
habe ich dort erfahren. Der Bürgermeister von Neudörfl, der soz. LAbg.<lb/>
ist, den Grund um 1,1 Mio. S erworben und der Firma und S 400.000,––<lb/>
dann weiterverkauft. KommRat <rs type="person" ref="#per__140153">Markon</rs> hat nämlich beabsichtigt, nach<lb/>
Niederösterreich zu übersiedeln, da er sich in Burgenland nicht mehr<lb/>
ausdehnen konnte. Bei der Wahlreise am Sonntag hat Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__140155">Posch</rs><lb/>
mich gefragt, ob wir nicht für diese Transaktion eine entsprechende<lb/>
Subvention zur Verfügung stellen können. Die Details hatte ich damals<lb/>
noch gar nicht gewußt, aber vorsorglich schon erklärt, daß dies nicht<lb/>
möglich sei. S 400.000,-- hat <rs type="person" ref="#per__140153">Markon</rs>, wie er erklärte, aber noch immer<lb/>
für die 8.000 m² einen wesentlich teureren Preis bezahlt, als dies in<lb/>
Niederösterreich der Fall gewesen wäre. Auf längere Zeit gesehen hofft<lb/>
die Gemeinde scheinbar für die 200 Beschäftigten durch die Steuereinnahmen<lb/>
diesen Differenzbetrag hereinzubekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_14">Bei der Ministerratsvorbesprechung habe ich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unseren Brief<lb break="no"/>entwurf über die Besetzung von Brüssel gegeben mit der Bemerkung, er<lb/>
könnte natürlich jedwede Änderung des Textes vorschlagen und ich werde<lb/>
ihm dann ein diesbezügliches korrigiertes Schreiben schicken. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlä<lb break="no"/>ger</rs> stimmte zu, daß ich mit <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> Besprechungen aufnehmen soll wegen<lb/>
Herausgabe eines Kommentars zu den Vertragsverhandlungen mit der EWG.<lb/>
Er bemerkte nur nebenbei, daß der durstige MR <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>, er bezeichnet ihn<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> würde zwar noch bereit sein ein eigenes Gesetz für die<lb/>
Stahlfusion zu akzeptieren, wehrt sich aber ganz entschieden gegen<lb/>
die 1/3-Besetzung ohne Anrechnung auf die Parteizugehörigkeit der Be<lb break="no"/>triebsräte. Eine solche Anrechnung ist in einem gültigen Statut im der<lb/>
Parteienvereinbarung seit 1946 vorgesehen. Wenn nun eine ähnliche Regelung<lb/>
wieder getroffen wird, dann kommt es zu denselben System, welches aller<lb break="no"/>dings die ÖVP als Proporzpackelei früher so entschieden bekämpft hat.<lb/>
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vor längerer Zeit streng vertraulich den Ministern übergeben hat, eine<lb/>
endgültige Stellungnahme. Er meinte sogar, er könnte dieses Problem mit<lb/>
den Präsidien besprechen. Ich weiß nicht ob dies zum jetzigen Zeitpunkt<lb/>
schon zweckmäßig ist, muß aber hier natürlich zumindestens mit <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
konform vorgehen, da wir dieselbe Präsidialleitung haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> er<lb break="no"/>wartet nämlich zu diesem Gesetzentwurf nicht nur eine kritische Äußerung<lb/>
sondern gegebenenfalls auch positive Verbesserungsvorschläge.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_17">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte mit Bautenministerbüro absprechen.<lb/>
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Hubschrauberbenützung durch <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> ist damit nicht zu<lb/>
einer olympischen Veranstaltung geflogen, sondern hat dort einen Sani<lb break="no"/>tätswagen übergeben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, daß <rs type="person" ref="#per__110924">Prader</rs> in dem Fall mehr herum<lb break="no"/>geflogen ist als unsere Regierungsmitglieder. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> sagte, daß<lb/>
dies nur bedingt richtig ist, da die ÖVP-Regierung sich angeblich vorm<lb/>
fliegen gefürchtet hat. Auf alle Fälle sollen wir in Hinkunft bei der<lb/>
Anfragebeantwortung größte Milde erkennen geben. Im letzten Punkt aber<lb/>
einen Angriff ohne Polemik starten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_19"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat eine Forderung der Präsidentschaftskanzlei einen <choice><choice><sic>Equdierungs<lb break="no"/>beitrag</sic><corr>?</corr></choice></choice> zu gewähren. Der Sektionsleiter soll 15.000,–– + S 10.000,––<lb/>
Zuschlag erhalten. Angeblich hat man seit 1969 das Aussenamt, das BKA<lb/>
aber auch das Handelsministerium solche Beiträge bekommen. Nach Auffassung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> würde dies <choice><choice><sic>bürs</sic><corr>?</corr></choice></choice> Bundeskanzleramt neuerdings 190.000,–– kosten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_20"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> steht nun auf dem Standpunkt, daß eigentlich nur das Protokoll<lb/>
verhalten ist, entsprechend mit Frack, Cut, Stresemann, Smoking, usw.<lb/>
zu erscheinen. Alle anderen können ja, wenn es ihnen zu teuer ist, den<lb/>
Veranstaltungen fernbleiben. Diese Meinung teile ich 100%ig. Ich schlug<lb/>
bei dieser Gelegenheit vor, daß der Finanzminister überprüfen sollte,<lb/>
ob wir nicht die Präsidialzulagen, die seit 1965 unverändert wurden, er<lb break="no"/>höhen könnten. Ausgangspunkt dieser Diskussion war die Amtsgehilfen, die<lb/>
S 150,–– oder einen ähnlichen Betrag als Präsidialzulage erhalten.<lb/>
Herauskommen wird, wenn es tatsächlich zu einer Erhöhung kommt, daß<lb/>
letzten Endes dann die an und für sich guten verdienenden Sektionschef<lb/>
und MinRäte einen wesentlichen höheren Betrag bekommen werden, als eben<lb/>
vielleicht man verantworten könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_21"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sich bei dem Empfang 400 Jahre spanische Reitschule sehr<lb/>
geärgert, daß wieder nur meistens Beamte, die noch dazu mit diesem Er<lb break="no"/>eignis kaum etwas zu tun haben, geladen wurden. Deshalb will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
jetzt einen Empfang für verdiente Interessensvertreter machen, die<lb/>
niemals noch an einem solchen Empfang teilnehmen konnten. Ihm schwebt<lb/>
vor, daß der ÖGB 200 und die Bauern vielleicht 100, da sie auch einen<lb/>
geringeren Teil in der Bevölkerung stellen, sowie auch die anderen<lb/>
Interessensvertretung delegieren können. Dies würde mein erster Empfang<lb/>
sein, wo ich mich wirklich darauf freue, und an dem ich, wenn ich einiger<lb break="no"/>maßen Zeit habe, garantiert Zeit haben werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_22"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ein Schreiben von <rs type="person" ref="#per__97401">Dürer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97371">Brauneis</rs> und anderen Leuten, die<lb/>
am Filmförderungsgesetz interessiert sind, erhalten, wo diese sich auf<lb/>
mich berufend erklären, er möchte doch jetzt endlich einem Gesetz zu<lb break="no"/>stimmen. Zu diesem Zweck wollen sie eine Vorsprache bei ihm. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte nun er hätte nichts zu koordinieren, denn diese Angelegenheit<lb/>
des Handelsministeriums vielleicht noch im Einvernehmen mit dem Unter<lb break="no"/>richtsministerium für kulturelle Filmförderung. Ich erklärte, daß ich<lb/>
solange den Gesetzentwurf der fertig ausgearbeitet ist und ihm bereits<lb/>
vor Monaten übermittelt wurde, nicht in die Begutachtung schicke, solange<lb/>
ich nicht von Seiten des Finanzministers und ganz besonders vom Bundes<lb break="no"/>kanzler grünes Licht habe, daß ich auch tatsächlich dann die ent<lb break="no"/>sprechenden finanziellen Mitteln bekomme. Wenn erst einmal der fertige<lb/>
Gesetzentwurf in der Begutachtung ist, dann kann ich nachher erklären, daß<lb/>
wir eine Filmförderung dann nicht raschest tatsächlich in Angriff.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_23">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Für den Zeitpunkt der Übermittlung unseres Gesetzes an das Finanz<lb break="no"/>ministerium, BKA feststellen und dann in einem Brief den Standpunkt<lb/>
bezüglich finanzieller Bedeckung festhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_24"><rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hat eine Übersicht verteilt, wo die Regierungserklärung noch<lb/>
nicht erfüllt ist. Punkte die mich betreffen habe ich ihm nachher er<lb break="no"/>klärt, wurden schon in Angriff genommen. Kampf gegen den täglichen Tod<lb/>
auf Österreichs Straßen kann ich nicht durch ein Gesetz regeln, sondern<lb/>
habe durch Reorganisation der Schwerpunktüberwachung und Aufklärung<lb/>
Vorsorge getroffen, daß das Maximum geleistet wird. Vielleicht wäre es<lb/>
noch zielführender, das Kuratorium für Verkehrssicherheit mit einem<lb/>
konkreten Vertrag optisch veranlassen, sich mit diesem Problem eingehen<lb break="no"/>der zu beschäftigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_25">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte dies mit <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_26">Der Bund Schaffung zeitgemäßer Vorschriften, die gewerbl. Berufsaus<lb break="no"/>bildung wird insofern erfüllt, daß jetzt die Verordnungen auf Grund<lb/>
des Berufsausbildungsgesetzes zügig erlassen werden sollen und auch<lb/>
tatsächlich werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_27">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> einen diesbezüglichen <choice><choice><sic>Zeitpöana</sic><corr>Zeitplan</corr></choice></choice> vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_28">Die Schaffung einer den Wünschen den Konsumenten entsprechenden<lb/>
informativen Warendeklaration für Konsumgüter wird bereits erfüllt.<lb/>
Hier bedarf es keiner gesetzlichen Regelung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_29">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs><lb/>
Bitte überprüfen, wann mit nächsten Verordnungen zu rechnen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-18_30">Auf Grund der bis jetzt geleisteten Arbeit in diesen drei Punkten und<lb/>
ganz besonders im Hinblick auf die in er nächsten Zeit zu erwartenden<lb/>
Aktivitäten sollte dann ein Brief an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geschrieben werden, wo wir<lb/>
über das bisher Geleistete berichten und gleichzeitig in Aussicht stellen<lb/>
wie wir diese Regierungserklärungspunkte in Hinkunft noch besser erfüllen<lb/>
werden.<lb/>
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