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            <title type="main">Mittwoch, der 13. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band12_1972-09-13</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_01">Mittwoch, 13. September 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_02">In der Vorbesprechung im Integrationsausschuß im Klub zeigte sich,<lb/>
daß die Abgeordneten eigentlich von uns viel zuwenig informiert werden.<lb/>
Allerdings ist dies auch furchtbar schwierig, weil man am Anfang ja<lb/>
gar nicht weiß, welcher Abgeordneter überhaupt zu den einzelnen Punkten<lb/>
sprechen wird. Die Konzeption von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, der meinte, wir sollten unsere<lb/>
Vorschläge, vor allem das europareife Programm auf die einzelnen Abge<lb break="no"/>ordneten aufgeteilt werden, war ja durch den Klubvorstandsbeschluß,<lb/>
daß nur drei überhaupt sprechen werden, hinfällig. Die Kollegen vom<lb/>
Klub die angestellt sind, um die Abgeordneten zu unterstützen, müssen<lb/>
sich natürlich erst in die Materie einarbeiten. In der Bundesrepublik<lb/>
ist es in dieser Beziehung besser, weil dort mehrere Assistenten<lb/>
den Abgeordneten zur Verfügung stehen. Bei uns übernehmen diese Funktionen<lb/>
eigentlich die Kammern. In der Oppositionszeit war dies eine der Haupt<lb break="no"/>aufgaben der Arbeiterkammer. Wenn der Klub aber jetzt als Regierungs<lb break="no"/>partei eine selbständige Politik machen will und Detailinformationen<lb/>
braucht, so muß er sich an die Ministerien wenden. Dort bekommt er<lb/>
Material und Informationen nur soweit, als es natürlich der Politik<lb/>
des Ministers entsprecht. Meistens nimmt der Minister an den Vorbe<lb break="no"/>sprechungen teil. Damit filtriert er neuerdings die Information, die<lb/>
gegebenenfalls von seinem Haus an die Abgeordneten gegeben wird. Da<lb/>
die Beamten meistens keine Sozialisten sind, kommt ja ein Abgeordneter<lb/>
nicht auf den Gedanken einen Beamten zuzuziehen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war diesmal<lb/>
durch einen Währungsgipfel verhindert, so daß in der Vorbesprechung<lb/>
letzten Endes nach dem sein Büro die Detailinformationen nicht kannte,<lb/>
der junge <rs type="person" ref="#per__114476">Auracher</rs> beschäftigt sich wahrscheinlich mit tausenderlei<lb/>
Dingen, von ihm ein Beamter für den Klub zur Verfügung gestellt worden.<lb/>
MR. <rs type="person" ref="#per__97715">Manhart</rs> berichtete dann über die EWG-Durchführungsgesetze, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
vermutete, daß in diesem Gesetz, welches das Handelsministerium nie<lb break="no"/>mals zur Begutachtung bekommen hat, unsere Kompetenz eingeschränkt wird.<lb/>
Natürlich stellte ich in der offiziellen Klubsitzung keine Frage an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97715">Manhart</rs>, um dies zu klären. Nach der Vorbesprechung versicherte er<lb/>
mir, daß <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> von uns vollkommen unbegründet diesen Verdacht hegt.<lb/>
Als wir übrigens dann nachmittags auch tatsächlich bestätigt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_03">Im Integrationsausschuß selbst war nur die Ausführung von <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs><lb/>
interessant. <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs> hat jeden Gesetzentwurf, wie mir <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
flüsterte, bis jetzt immer genau studiert. Er hat <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> mit<lb break="no"/>geteilt, daß er nicht einem Gesetz zustimmen, aber auch nicht ablehnen<lb/>
könnte, daß er nicht wirklich in einzelnen kennt. Natürlich betrachtete<lb/>
er die Verträge hauptsächlich vom juristischen Standpunkt. Ich ließ<lb/>
mich daher mit ihm auf diesem Gebiet in keine Diskussion ein sondern<lb/>
beantworte nur die politische Seite seiner Überlegungen. Ich überließ<lb/>
die speziellen juristischen Fragen, ob z.B. eine generelle Transforma<lb break="no"/>tion oder eine spezielle Transformation nötig ist, ob die Rezeption<lb/>
Verfassungsgerichtshof schon entschieden hat, dem anwesenden Verfassungs<lb break="no"/>dienst-SChef <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs>. Ich setzte mich mit ihm nur über die Meistbe<lb break="no"/>günstigungsfrage<add>[auseinander? zusammen?]</add>. Er meinte, die UdSSR würde dies jetzt entsprechend<lb/>
verlangen. Über das Problem, daß es sich bei dem gemischten Ausschuß<lb/>
um ein supranationales Organ handelt, daß <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> und ich ganz entschie<lb break="no"/>den bestritten, d.h. also nur über die politische Problematik mit ihm<lb/>
auseinander. Zum Schluß meinte <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs> selbst, die Juristischen Spitz<lb break="no"/>findigkeiten könnten natürlich noch lange diskutiert werden, womit wir<lb/>
nur zu einem Schlußwort das Stichwort gab, daß <rs type="person" ref="#per__97700">Loebenstein</rs> und er sicher<lb break="no"/>lich noch diese Probleme ausdiskutieren werden. Auf alle Fälle hat siehe<lb/>
hier bestätigt wie dringend es notwendig ist, daß wir das Kommentar zu<lb/>
den Verträgen in die Hand bekommen. Wenn nämlich Universitätsprofessoren<lb/>
oder sonstigen Außenstehende diese Arbeit machen, kann man sich unge<lb break="no"/>fähr vorstellen, in welcher Richtung dann die Diskussion laufen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_04">Nachdem <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> jetzt zugestimmt hat in dem Verein beizutreten, wird<lb/>
es dringend notwendig, die anderen Kuratoriumsmitglieder, d.h. den ÖGB<lb/>
und die Handelskammer so schnell wie möglich für die Mitarbeit zu ge<lb break="no"/>winnen, damit der Verein ins Leben gerufen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Statut bitte sofort ausarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_06">Die anderen Diskussionsbeiträge der Abgeordneten bewegten sich im üblichen<lb/>
Rahmen und waren daher von mir zwar einzeln aber leicht zu beantworten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> meinte, daß wir uns in der letzten Zeit nicht einmal über Pimperl<lb break="no"/>fragen einigen konnten und sehr kleinkariert vorgegangen sind. Da ich ich<lb/>
dies sofort auf die Begleitmaßnahmen, die die ÖVP vorgelegt hat, bezog,<lb/>
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befürchtete, daß wir durch den 10-Jahres-Vertrag eine Neuformulierung<lb/>
<choice><choice><sic>Maisbegünstigung</sic><corr>Meistbegünstigung?</corr></choice></choice> mit der UdSSR vereinbaren und kündigte schärfsten<lb/>
Widerstand an, wenn wir auf das finnische Niveau gedrückt werden. Zum<lb/>
Glück ist es mir gelungen, die endgültige Fassung auch mit Zustimmung<lb/>
der Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat ja letzten Endes der Formulierung zuge<lb break="no"/>stimmt, abzuschließen, sodaß ich ihn beruhigen konnte, indem ich er<lb break="no"/>klärte, daß nicht nur das Außenamt darüber gewacht hat, daß das Handels<lb break="no"/>ministerium aus handelspolitischen oder sonstigen Gründen hier nachge<lb break="no"/>gegeben hätte, sondern daß auch die Handelskammer wohl der Garant dafür<lb/>
ist, daß in der <choice><choice><sic>Maisbegünstigung</sic><corr>Meistbegünstigung?</corr></choice></choice> kaum weitere Zugeständnisse gemacht<lb/>
werden. Beide haben aber der Formulierung zugestimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_07">Im Parteivorstand, wo ich leider zu spät kam, berichtete bereits <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
Wie es auch in diesem Gremium darauf hin, daß wir uns von der Opposition<lb/>
keinesfalls einen Minister abschießen lassen. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> hat es ganz be<lb break="no"/>sonders schwer, weil sie ihn natürlich als Verräter an der Militärsache<lb/>
hinstellen wollen, weil der mit der SPÖ kooperiert, zusammenarbeitet.<lb/>
Er kündigte auch in diesem Forum nur an, daß Vorschläge über die Europa<lb break="no"/>reife von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> im Nationalrat am Donnerstag gebracht werden. Bedeu<lb break="no"/>tend war sein Hinweis. daß wir ein Planungskonzept erstellen sollten.<lb/>
Ausgehend von der großen Stahllösung, die <choice><choice><sic>a</sic><corr>er?</corr></choice></choice> ja als einen bedeutenden<lb/>
Schritt bezeichnet, müßten auf allen Sektoren Konzepte entwickelt werden.<lb/>
Zu diesem Zweck möchte er auch die Experten, die das Wirtschaftspro<lb break="no"/>gramm seinerzeit bearbeitet haben, wieder aktivieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_08">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Wenn möglich, sollten wir bis vor diesem Zeitpunkt noch einmal unsere<lb/>
wirtschaftspolitische Aussprache durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_09">In der Diskussion beschwerte sich <rs type="person" ref="#per__113055">Tillian</rs> vom Arbeitsbauernbund ganz<lb/>
entschieden, daß er keinen Kontakt zum Landwirtschaftsminister besitzt.<lb/>
Wenn meistens alles mit den anderen abgesprochen ist, erfährt dann der<lb/>
Arbeitsbauernbund, der im Vorzimmer warten muß. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in Wirklich<lb break="no"/>keit den Allgemeinen Bauernverband wesentlich mehr favorisiert als den<lb/>
Arbeitsbauernbund, entschuldigte er <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dadurch, daß er erklärte, die<lb/>
Regierung müsse hier selbstständig handeln und wolle den Bauernbund<lb/>
keine Möglichkeit der aktiven Tätigkeit geben und hat daher max. die<lb/>
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mit ihm Probleme zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ging auch nicht auf den Vor<lb break="no"/>wurf von <rs type="person" ref="#per__113055">Tillian</rs> an, der erklärte, er hätte gehört, daß aus den<lb/>
4 Mio. S, welche jetzt zur Information den Bauernverbänden zur Verfügung<lb/>
gestellt wird, eine eigene Agrarpostille resp. eine Agrarkorrespondenz<lb/>
errichtet werden sollen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß der<lb/>
Arbeitsbauernbund sehr sauer ist. Als wir die Verhandlungen am Samstag<lb/>
in der Messe wegen der Landmaschinenpreise führten, hat sich bei uns<lb/>
auch der Allgemeine Bauernverbandvertreter gemeldet und erklärt, er<lb/>
würde ja sowieso im engsten Einvernehmen mit dem Arbeitsbauernbund<lb/>
kooperieren. Mit anderen Worten er hat sozusagen die Verbindung zu<lb/>
den Ministerien und dann sagt erzählt irgendwelche Informationen auch<lb/>
dem Arbeitsbauernbund weiter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_10">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte in unserem Ressort auf alle Fälle dafür Vorsorge zu tragen, daß,<lb/>
wenn eine Bauernorganisation, außer der Landwirtschaftskammer, infor<lb break="no"/>miert oder eingeladen wird, dann selbstverständlich auch sofort der<lb/>
Arbeitsbauernbund heranzuziehen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_11">Da <rs type="person" ref="#per__97935">Sebastian</rs> kritisierte, daß früher der Parteivorstand vor der Budget<lb break="no"/>erstellung inmer informiert wurde, hatte in der Diskussion dann auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einige Globalinformationen geben. Allerdings nannte er keine<lb/>
einzige Ziffer. Er wies nur darauf hin, daß insbesondere das Wehrbudget<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> keiner Kürzung unterworfen werden kann. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> ist<lb/>
durch die Ausgaben <rs type="person" ref="#per__110924">Praders</rs> mit 20 % seines Budgets bereits vorbelastet.<lb/>
Außerdem sollen, um den Steyr-Werken zu helfen, welche über 1.000<lb/>
Traktoren und noch vielmehr Lastkraftwagen unverkäuflich auf Lager<lb/>
liegen haben, größere Anschaffungen getätigt werden.<lb/>
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Bitte Termin zwischen Finanzminister, mir und Gen.Dion Steyr-Werke<lb/>
vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_13">Meine einzige interessante Episode hat sich im Vortrag von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ergeben, als er über den Vertragsabschluß mit der EWG kurz berichtete.<lb/>
Er meinte es stelle sich jetzt heraus, nachdem Finnland bis jetzt<lb/>
nicht unterschreiben durfte, wie glücklich wir sein können und daß er<lb/>
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Schatten zu stellen, weil damit auch unsere Unabhängigkeit besonders<lb/>
betont werden sollte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat, wenn er Maßnahmen setzte, von denen<lb/>
er selbst nicht ganz überzeugt ist, ob sie gegenüber allen anderen<lb/>
Mitglieder der Regierung oder auch von Parteikreisen richtig ist,<lb/>
immer das Bedürfnis im nachhinein, wenn die Sache schon längst er<lb break="no"/>ledigt ist, Begründungen zu finden und zu geben, warum er diesen<lb/>
Schritt getan. Er hat ein sehr feines Gespür, wo er selbst Maßnahmen<lb/>
setzt, die nicht alltäglich oder normal sind und beginnt dann bereits,<lb/>
bevor er diese Maßnahmen setzt, entsprechend vorbereitende Gespräche zu<lb/>
führen und sich bestätigen zu lassen, daß er hier richtig ist und<add>[im]</add> nach<lb break="no"/>hinein noch ebenfalls als Abklang immer wieder die Begründung den<lb/>
einzelnen Stellen und insbesondere den Ministern zu geben. Damit glaube<lb/>
ich überzeugt er sich teilweise selbst und versucht aber vor allem die<lb/>
anderen davon zu überzeugen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kennt also das Dilemma sehr genau.<lb/>
Er hat auch diesbezügliche Bemerkungen schon mir gegenüber gemacht,<lb/>
daß die andere Seite eben das Gefühl hat, daß er allein alles entscheidet<lb/>
und dirigiert. Zweifelsohne trifft dies auch zu, was nebenbei bemerkt<lb/>
aber die Stärke der Regierung darstellt. Solange es wie die letzten<lb/>
Umfragen ergeben, in der SPÖ noch immer der Eindruck vorherrscht, daß<lb/>
diese Regierung äußerst aktiv und erfolgreich ist, kann diese Politik<lb/>
natürlich überhaupt nirgends Anstoß erregen, außer bei vielleicht<lb/>
einzelnen Personen, die davon betroffen sind, Typisches Beispiel dafür<lb/>
war, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst hat es im Parteivorstand zwar nicht als Beispiel,<lb/>
aber als Erfolgsmeldung mitgeteilt, die Stahlfusion. Anfangs waren<lb/>
alle sehr skeptisch und <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs>, der jetzige Gen.Dir. wollte überhaupt<lb/>
nicht die Aktion als führender Mann unterstützen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte auch<lb/>
etliche Schwierigkeiten in OÖ seinen Plan durchzusetzen. Jetzt dagegen,<lb/>
wo die Aktion als erfolgreich auf politischer Ebene als abgeschlossen<lb/>
gilt, teilte er dem Vorstand mit, daß <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> jetzt einen Wandel durch<lb break="no"/>gemacht hat, wie man ihn sich nicht vorstellen könne. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> selbst ist<lb/>
jetzt begeistert von dieser Idee und ersetzt seine ganze Kraft darein<lb/>
um wirklich mit 1.1.1973 einen geschlossen Vorstand zu haben und ein<lb/>
Konzept zu entwickeln, wo die VÖEST und Alpine in Hinkunft nur mehr<lb/>
gemeinsam auftreten werden und wirklich eine Einheit bilden werden. Man<lb/>
muß anerkennen, daß die Eloquenz und die geschickte Verhandlungsführung<lb/>
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er wie z. B. in der Stahlfrage <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dafür gewinnen konnte und so<lb/>
eigentlich Gewerkschaft und Partei einheitlich an den Konzept gear<lb break="no"/>beitet und durchgezogen haben. Wahrscheinlich dürfte die Bevölkerung<lb/>
diese Aktivität und vor allem auch dieses Entscheiden und Weiterbringen<lb/>
denn sonst könnte sie nicht trotz der riesigen Preissteigerungen zu<lb/>
einer positiven Einstellung noch immer kommen. Wenn auch die Gallup-<lb/>
Ziffern insofern wieder falsch sind, als sie die Unentschlossenen<lb/>
Wähler wieder aufgeteilt haben und so zu den 50,5 % SPÖ-Mehrheit kommen,<lb/>
so zeigt sich doch, wenn man diesen Fehler auch wegläßt, eine starker<lb/>
Verlust der SPÖ noch nicht festzustellen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-13_14">In der Grundsatzgruppe berichtet über unseren Vorschlag betreffend<lb/>
der Versorgung der zuckerverarbeitenden Industrie mit Rohstoffen.<lb/>
Zum Unterschied von der interministeriellen Kommission, wo ich auch<lb/>
den Vorsitz immer übernehme, hatte ich natürlich gar nicht die Absicht,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> irgendwie in seiner Tätigkeit zu beschränken. Ich ließ ihm des<lb break="no"/>halb den Vorsitz führen und habe nur mich als Referent und Berichter<lb break="no"/>statter zur Verfügung gestellt. Nach einer Grundsatzdebatte, die sehr<lb/>
sehr lange dauerte, wurde aber dann letzten Endes doch entschieden, daß<lb/>
ein kleines Komitee aus den Interessensvertretungen und dem Finanz<lb break="no"/>ministerium und Landwirtschaftsministerium versuchen sollte, eine<lb/>
Formulierung für diese Probleme zu finden. Ein kleines Detail am Rande:<lb/>
In der Anwesenheitsliste, wo ich mich selbstverständlich dann zuletzt<lb/>
auch immer eintrage, hatte sich zwar der anwesende SChef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> einge<lb break="no"/>tragen, wohl aber hat <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> darauf verzichtet. Nach der Sitzung kam<lb/>
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meinte es wäre doch zielführend, wenn außer dem dominierten auch ein<lb/>
Herr des Hauses noch bei dieser Arbeitsgruppe anwesend wäre. Da er mir<lb/>
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erwartet, daß an 1. Stelle <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> nennt, verständige ich unverzüglich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> von diesem Vorschlag, der auch zustimmte, <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> zuzuziehen.<lb/>
Ich ersuchte ihn ausdrücklich bei der Nominierung von <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> auf<lb/>
den Wunsch des Fachverbandes hinzuweisen.<lb/>
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den Vorschlag, er hätte bereits seit 1954 vergeblich den Minister da<lb break="no"/>für zu gewinnen, daß wir Handelsattachés verlangen. Ausgelöst wurde<lb/>
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das Wissenschaftsministerium Wissenschaftsattachés bei den Botschaften<lb/>
möchte. Ich bin überzeugt, daß <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> mit diesem Vorschlag nicht<lb/>
durchdringen wird, schon allein aus finanziellen Gründen, habe aber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> nicht von seiner Schnapsidee abgebracht. Ich wies nur<lb/>
darauf hin, daß doch die Handelskammer hier große Schwierigkeiten<lb/>
machen würde, was er aber geflissentlich überhörte. Ich rief <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> zu dieser Besprechung und ermächtigte <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>, seinen<lb/>
Plan mit der Handelskammer, Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleißner</rs>, zu besprechen. Ich bin<lb/>
überzeugt, davon, daß dies wie eine Bombe einschlagen wird. Die<lb/>
Handelskammer, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, wird vermuten, daß in diesem<lb/>
Falle die Außenhandelsstellen unterlaufen werden sollen. Da die<lb/>
Handelsattachés von anderen Staaten sich überhaupt nicht bewähren,<lb/>
meisten sind es Graf-Bobby-Typen, die sich mit den Kleinkram von<lb/>
Geschäftsabschlüssen gar nicht auseinandersetzen wollen, denke ich<lb/>
nicht daran Handelsattachés tatsächlich zu verlangen. Im Prinzip<lb/>
kann es aber nur sehr gut sein, wenn <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> jetzt mit seiner Idee<lb/>
bei der Handelskammer einmal vorfühlt, um sich sicherlich genau die<lb break="no"/>selbe Abfuhr zu <choice><choice><sic>wohle</sic><corr>holen</corr></choice></choice>, wie dies seit 1954 der Fall gewesen ist.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 13.9.1972</head>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Karasek, Franz</persName>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., ab 1979 GS Europarat</occupation>
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               <persName type="label">Prader, Georg</persName>
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               <occupation>ehem. Verteidigungsminister, ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <occupation>Präs. SPÖ-Arbeitsbauernbund</occupation>
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               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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