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            <title type="main">Dienstag, der 12. September 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_01">Dienstag, 12. September 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_02">In der Klubsitzung für die a.o. Session des Nationalrates wegen<lb/>
der EG-Gesetze, berichtete <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über die Verhandlungen mit der<lb/>
ÖVP, betreffend die Begleitmaßnahmen. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst erst we<lb break="no"/>sentlich später zur Klubsitzung kam, als dann von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über die<lb/>
Redner berichtet wurde teilte er mit, daß der Klubvorstand be<lb break="no"/>schlossen hatte, drei Redner für die Diskussion vorzusehen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs><lb/>
als den Obmann des Integrationsausschusses, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> für die Industrie<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97809">Pfeifer</rs> für die Landwirtschaft. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs>, der bereits bei <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
angemeldet hatte, daß er unbedingt wegen des Papier und deren Pro<lb break="no"/>blematik sprechen wollte, wurde von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> mitgeteilt, daß es nicht<lb/>
zweckmäßig sei, wenn er ebenfalls sprechen würde. Papier wäre nur<lb/>
eine einzige Branche und man sollte sich nicht auf solche Details<lb/>
einlassen. Für mich war klar, daß eine Überlegung im Klubvorstand<lb/>
bei diesem Beschluß maßgebend sein konnte, die ÖVP wird zwar viele<lb/>
Redner schicken, aber wir wollen konzentriert nur wenige vorsehen.<lb/>
Sicherlich spielte dabei auch eine Rolle, daß bereits nach der Ver<lb break="no"/>tragsunterzeichnung bei der ersten a.o. Tagung des Nationalrates<lb/>
schon eine umfassende Generaldebatte stattgefunden hat, da ich kein<lb/>
Freund von langen Diskussionen im Parlament bin, hat mich dieser<lb/>
Entschluß nicht gestört. Andererseits möchte ich gerne die Reaktion<lb/>
anderer Minister hören, wenn eine so wichtige Materie doch verhält<lb break="no"/>nismäßig so deutlich sichtbar mit wenigen Rednern beschickt wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat einigemale geklagt, wenn überladene Tagesordnungen einzelner<lb/>
Minister trotzdem veranlaßte zu verlangen, entsprechende Redner zu<lb/>
der Materie stellen zu können. Ich erinnere mich noch an diesbezüg<lb break="no"/>liche Bemerkungen bei Gesetzen die <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> betroffen<lb/>
haben. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Diskussion am Donnerstag<lb/>
im Parlament tatsächlich laufen wird. Ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> es durchstehen kann, wenn die ÖVP Redner für Redner ans<lb/>
Pult schickt, daß kein Mann von der SPÖ darauf reagiert sondern nur<lb/>
die Minister immer wieder antworten, wie <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> mir dann nachher mit<lb break="no"/>geteilt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_03">In einer Verhandlungspause über die EG-Begleitgesetze mit der ÖVP<lb/>
fragte ich dann <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> unter Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, wie überhaupt<lb/>
der beabsichtigte Verlauf der Debatte am Donnerstag von seinem Stand<lb break="no"/>punkt aus sein soll. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> erklärte, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einleitend eine<lb/>
Erklärung wegen der Fonds resp. seiner spez. Maßnahmen abgeben wird.<lb/>
Anschließend daran wird sofort in die Debatte eingegangen. Dieser<lb/>
Beschluß zeigte mir deutlich, daß die Klubführung in Überraschungs<lb break="no"/>effekt durch keine längere Debatte und vor allem durch keine einzige<lb/>
Erklärung herausstreichen wollte. Da diese Idee nicht von mir kam, da<lb/>
ich ja innerlich sogar gewisse Vorbehalte gegen eine solche Taktik<lb/>
habe, obwohl ich sie ehrlich gestanden nie geäußert hatte, finde ich<lb/>
diesen Beschluß eigentlich logisch. Ich glaube, daß die einzige rich<lb break="no"/>tige Konsequenz für mich ist zu erklären, der Vertrag, der zur Debatte<lb/>
steht, ist nicht nur abgeschlossen, sondern eben der optimalste, der<lb/>
zu erzielen war. Zum Vertrag selbst, an dem ich ja trotz größter<lb/>
Debatte auch nicht nur einen Beistrich ändern kann, ist eben nichts<lb/>
zu sagen. Was mich eigentlich wundert ist, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht diese<lb/>
Erklärung abgibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_04">Bei den abschließenden Verhandlungen mit der ÖVP zeigte sich, daß<lb/>
die Detailbesprechungen zwischen <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu einem Er<lb break="no"/>gebnis geführt hatten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kam ihnen bei den Wünschen, die die<lb/>
Handelskammer deponiert hatte, weitestgehend entgegen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
hofft, daß es ihm gelungen ist, die ÖVP bei dieser Gelegenheit auch<lb/>
gleich klarzumachen, daß bei ihm die zu erwartenden gesetzlichen<lb/>
Bestimmungen des Einkommens und Körperschaftssteuerrechtes auch die<lb/>
Funktion von VÖEST und Alpine untergebracht werden muß. Dadurch würden<lb/>
wir einer Lex specialis für diese Stahlunternehmungskonzentration<lb/>
die <choice><choice><sic>Steuern neutral</sic><corr>steuerneutral</corr></choice></choice> sein muß, <choice><choice><sic>entgegen</sic><corr>entgehen?</corr></choice></choice>. Für die Beteiligung der<lb/>
österr. Kapitalinvestitionen im Ausland wird ein 15%iger Abschlag<lb/>
vom Finanzminister zugestanden. Die Schließung der Haftungslücke<lb/>
wird der Bund geeignete Schritte unternehmen, d.h. der Bundeskanzler<lb/>
wird einen Brief an die Landeshauptleute schicken, das im Zuge der<lb/>
Verhandlungen auf Finanzreferentenebene eine diesbezügliche Lösung<lb/>
gefunden werden soll. Wenn die Landeshauptleute in dieser Frage ent<lb break="no"/>gegenkommen, wird <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den Wunsch der Kredit an die Gesellschaften<lb/>
und der BÜRGES, nämlich die Gemeinnützigkeit zu bekommen, entgegen<lb break="no"/><pb n="12-1087" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-12_1087.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kommen. Im Klartext soll dies heißen, obwohl es nicht detailliert<lb/>
ausgesprochen wurde, daß die Forderung <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs>, der Bund möge mit<lb/>
den Haftungsgrenzen heruntergehen, nur teilweise oder vielleicht<lb/>
überhaupt nicht erfüllt wird, dafür aber <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bei den Verhand<lb break="no"/>lungen, der in Kreditgarantiegenossenschaften, an denen die Landes<lb break="no"/>kammern der Bundeskammern aber auch vor allem einmal die Länder selbst<lb/>
beteiligt sind, die Gemeinnützigkeit zu erkennen. Die BÜRGES würde<lb/>
in diesem Fall ebenfalls die Gemeinnützigkeit erhalten, welche eben<lb/>
derzeit vom Verwaltungsgerichtshof abgesprochen wurde. Die Richtlinien<lb/>
für die Kreditförderungsaktion werden derart gestaltet, daß Schwer<lb break="no"/>punkte für förderungswürdige Vorhaben integrationsbedingte Investitio<lb break="no"/>nen in innerösterreichischen Entwicklungsgebieten und Investitionen<lb/>
zum Ausgleich der Abwanderung von österreichischen Arbeitskräften,<lb/>
aufgenommen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_05">Die Verhandlungen über die Erstattungsfrage wurde von mir am Vortag<lb/>
namens der Bundesregierung so geführt, daß ich keiner wie immer ge<lb break="no"/>arteten Zugeständnisse machte, wohl aber legte ich dann ein Papier<lb/>
vor, wo ich die versprochene Zuckerlösung darstellte. Darnach sollte<lb/>
die Süßwarenindustrie bis 12.000 t, die Zitronensäureindustrie bis<lb/>
max. 10.000 t für Penicillin und <choice><choice><sic>Lebolose</sic><corr>Lävulose (= Fructose)?</corr></choice></choice> max. 5.000 t durch Übernahme<lb/>
auf der darauf entfallenen Fixkosten auf den Inlandspreis und durch<lb/>
Heranziehung für diese Produktion der Überschußrübe gesichert sein.<lb/>
Ähnliche Regelungen wären auch für Mehl und Stärkeprodukte zu erar<lb break="no"/>beiten gewesen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat mir bereits vor der Sitzung mitgeteilt,<lb/>
daß die ÖVP diese Vorgangsweise jetzt noch nicht akzeptieren kann.<lb/>
Die Zuckermengen, die bisher an die chemische Industrie und an die<lb/>
pharmaz. Industrie geschickt wurden, waren von den Bauern nicht aus<lb/>
der Plus- oder Plusplus-Rübe, d.h. nicht aus der Überschußrübenproduk<lb break="no"/>tion gewesen. Die chem. Industrie mußte deshalb den hohen Inlands<lb break="no"/>preis bezahlen. Da die Bauern jetzt mit Abnehmerindustrie intern in<lb/>
der ÖVP scheinbar einen großen Streit hatten, konnte es daher nicht<lb/>
zu einem Abschluß auf diesem Sektor kommen. Die ÖVP schlug deshalb<lb/>
vor, sollten die Verhandlungen mit dem Zeil weitergeführt werden, da<lb/>
spätestens mit dem Globalabkommen eine entsprechende gesetzliche<lb/>
Regelung beschlossen wird. <choice><choice><sic>Heibei</sic><corr>Hie(r)bei?</corr></choice></choice> sollen die in der EWG-Stadt<lb/>
gültigen und in Österreich vergleichbaren Staaten angewandten oder<lb/>
<pb n="12-1088" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-12_1088.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>geplanten Regelungen Berücksichtigung finden. Zu diesem letzten<lb/>
Satz erklärte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß damit eine Motivation der gesetzlichen<lb/>
Regelung bereits beschlossen ist, die er nicht zustimmen kann. Bei<lb/>
einer Unterbrechung, wo insbesondere <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und ich<lb/>
mich ganz entschieden gegen das Wort gesetzliche Regelung wehrte, da<lb/>
ich darin eine Aufforderung sah, ein Erstattungsgesetz dann verhandeln<lb/>
zu müssen, wurde als Kompromiß dann das Wort gesetzlich gestrichen<lb/>
und anstelle von Berücksichtigung finden, von <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> vorgeschlagen,<lb/>
daß man schreibt "geprüft werden". <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stellte klar, daß wir uns<lb/>
nicht auf eine Erstattung festlegen können. Es bleibt bei dem Finanz<lb break="no"/>ministerbrief vom 9. März 1972 an die Präsidentenkonferenz. Auf die<lb/>
anderen Fragen konnte verhältnismäßig schnell eine Einigung erreicht<lb/>
werden. Von Bedeutung ist nur, daß <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann doch zugestimmt<lb/>
hat, als <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> vorschlug man möge § 9-Mittel des Marktordnungsge<lb break="no"/>setzes für die Absatzförderung bei Bedarf in gesetzlich vorgesehenem<lb/>
Ausmaß heranziehen. Derzeit werde nach Auffassung von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> diese<lb/>
Mittel gesetzwidrig dazu benützt, um die Milchsubvention für den<lb/>
Erzeuger mitzufinanzieren. Nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sind aber diese<lb/>
MOG-Mittel ausschließlich für die Absatzförderung bestimmt. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs><lb/>
versicherte am Ende <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß selbstverständlich mit diesem Ab<lb break="no"/>schluß die ÖVP-Abgeordneten nicht nur für das Interimsabkommen sondern<lb/>
auch für das Globalabkommen stimmen werden. Bei dem ganzen Forderungs<lb break="no"/>programm der ÖVP war ich eigentlich nur am Rande berührt. Kompetenz<lb break="no"/>mäßig habe ich überhaupt keinerlei Zuständigkeiten. Selbst das Pro<lb break="no"/>blem der Erstattungsregelung ressortiert beim Finanzminister resp.<lb/>
wenn überhaupt dann unter Mitwirkung des Landwirtschaftsministers und<lb/>
erst in zweiter Linie des Handelsministers. Da sich aber niemand<lb/>
anderer gefunden hat, werde ich auch in Hinkunft die Verhandlungen<lb/>
mit den Interessensvertretungen und beteiligten Ministerien über die<lb/>
Ersatzlösung für die Erstattung führen. Ob eine solche Lösung aber<lb/>
möglich ist kann man derzeit überhaupt nicht beurteilen. Für mich<lb/>
steht fest, daß jetzt innerhalb der ÖVP Gruppen zwischen den Er<lb break="no"/>zeugern und den Weiterverarbeitern eine große Diskussion mit allen<lb/>
Gegensätzlichkeiten ausbrechen wird. Die Rübenbauern werden erklären<lb/>
sie sind nicht bereit das Überschußrübe für die Versorgung herange<lb break="no"/>zogen wird. Die Zuckerindustrie wieder wird erklären, sie ist außer<lb break="no"/>stande ihre Fixkosten in einzelnen genauso fixieren zu lassen, wie es<lb/>
wahrscheinlich die AK und der ÖGB, der einer solchen Regelung mir gegen<lb break="no"/>über im Prinzip schon zugestimmt hat, verlangen wird. Die weiterver<lb break="no"/><pb n="12-1089" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-09-12_1089.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>arbeitende Industrie wird erklären, sie kann nicht einen annähernden<lb/>
Weltmarktpreis, sondern max. den Weltmarktpreis nur bezahlen. Für<lb/>
die Grundsatzgruppe bei uns im Hause wird also eine sehr schwierige<lb/>
Aufgabe darin bestehen, einen Akkord herbeizuführen. Dieses Problem<lb/>
soll auf alle Fälle bei der Grundsatzgruppe konzentriert bleiben,<lb/>
damit nicht einzelne Abteilungen, die die ausschließliche Kompetenz<lb/>
für sich in Anspruch nehmen würde, wie. z.B. <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> oder <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs>,<lb/>
damit gefaßt werden. Die einzelnen Abteilungen könnten nämlich, da<lb/>
es sich um eine Überlastung einer anderen Abteilung und Sektion handelt,<lb/>
nur durch eine besondere Entscheidung von mir mit der Materie befaßt<lb/>
werden. Genau dies werde ich aber nicht tun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Wenn nötig, bitte diese Entscheidung auf schriftlich entsprechend<lb/>
festzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_07"><rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> berichtet, daß aus Moskau die Mitteilung kam, die Delegation<lb/>
und insbesondere auch der Botschafter möchten unter gar keinen Um<lb break="no"/>ständen eine Kompromißformulierung zum 10-Jahresvertrag den Russen<lb/>
mitteilen und wie <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> ihnen gestern im Einvernehmen mit Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> von der Handelskammer geschickt hat. Sie sehen in dieser<lb/>
Formulierung eine weitere Verzögerungstaktik, da die Russen.eine<lb/>
solche keinesfalls akzeptieren würden. In diesem Falle würde das<lb/>
Mißtrauen, welches jetzt bereits auf sowjetischer Seite besteht,<lb/>
nur noch verstärkt werden Ich rufe deshalb <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> in Anwesenheit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> an und erkläre ihm die Situation und verlange von ihm,<lb/>
daß er sich unverzüglich jetzt mit <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> über die Formulierung<lb/>
einigt, wobei das von uns gemachte seinerzeitige Vorschlag als Grund<lb break="no"/>lage dienen muß. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bereits über dieses Problem<lb/>
einigemale verhandelt und ist zu keiner Lösung mit ihm gekommen. Er<lb/>
ist umso mehr erstaunt, als nun <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nun doch bereit ist, diese<lb/>
Formulierung zu akzeptieren. Damit habe ich <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> bewiesen, daß<lb/>
es zweckmäßiger gewesen wäre, als er Schwierigkeiten mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ge<lb break="no"/>habt hat, sich unmittelbar an mich zu wenden, d.h. daß es viel<lb break="no"/>leicht sogar zweckmäßig gewesen wäre, mich vorher zu fragen, dann<lb/>
hätte ich ihm den richtigen Weg gezeigt. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> hat sich über<lb/>
diesen Sinneswandel von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> innerlich, das konnte ich bemerken,<lb/>
sehr geärgert. Ich habe dann über <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> ersuchen lassen,<lb/>
da ich vergaß ihm dies sofort selbst zu sagen, er möge die Entschei<lb break="no"/>dung von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> aktenmäßig festhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_08">MR. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> kam neuerdings mit dem Akt in der Salzburger Berghaupt<lb break="no"/>mannschaft einen DIng. anzustellen. Seiner Auffassung nach ist dies<lb/>
unbedingt erforderlich. Ich selbst lehnte eine solche Anstellung<lb/>
mit derselben Begründung ab, die ich bereits ihm vor Wochen mitge<lb break="no"/>teilt hatte, daß ich nämlich bevor überhaupt jetzt noch in der Berg<lb break="no"/>hauptmannschaft angestellt wird, einen entsprechenden Reorganisations<lb break="no"/>plan verlange, der von der obersten Bergbehörde vorgelegt ist im<lb/>
Jahre 1978 irgendwelche Ergebnisse zeitigen würde, wurde ja seiner<lb break="no"/>zeit von mir abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> will dies aber scheinbar nicht zur<lb/>
Kenntnis nehmen und denkt, er kann mich bei passender, in dem Fall<lb/>
müßte ich fast sagen unpassenden Gelegenheiten dafür gewinnen, daß<lb/>
ich doch Anstellungen unterschreibe. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> machte bei dieser Aus<lb break="no"/>sprache eine sehr interessante Bemerkung. Er meinte, daß die ganzen<lb/>
Reorganisationsvorschläge, die auch in der ÖVP-Zeit gemacht wurden,<lb/>
nur auf einen Mann zurückgehen, der etliche tausend Schilling dafür<lb/>
bekommen.hat. Ich weiß nicht genau ob es sich hier um eine Anstellung<lb/>
mit eben mehreren tausend Schilling gehandelt hat, oder um Prämien.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte versuche dies mit <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> zu klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-09-12_10">Den FPÖlern <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> und <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs> hatte ich im Nationalrat die gewünschte<lb/>
Aussprache, die <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> bei den letzten Parteiengesprächen forderte.<lb/>
Da ich durch die ganze Zeit hindurch mit den beiden im Parlament immer<lb/>
Kontaktgespräche über die EG-Verhandlungen geführt habe, brauchte<lb/>
ich dazu nicht eine besondere Aufforderung von <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs>. Die ÖVP<lb/>
ist über ihre Interessensorganisationen eingehend über die Ver<lb break="no"/>handlungen immer informiert gewesen und mir erschien es schon aus<lb/>
einem Gebot der fairness heraus notwendig und zweckmäßig, auch die<lb/>
FPÖ-Abgeordneten, zumindestens sehr grob, zu informieren. Die beiden<lb/>
sind darüber <choice><choice><sic>sl.</sic><corr>[?]</corr></choice></choice> sehr dankbar und 2. kann ich bei dieser Gelegenheit<lb/>
immer wieder unsere organisatorischen Änderungen im Ministerium<lb/>
herausstreichen. Dadurch hoffe, daß im Zuge etwaiger Rechnungshof<lb break="no"/>berichte und Debatten darüber ich jederzeit darauf verweisen kann,<lb/>
daß alle Abgeordneten des Hauses weitestgehend über Reorganisationen<lb/>
informiert wurden. Da im Rahmen der Grundsatzgruppe, aber auch bei<lb/>
den Besprechungen mit der FPÖ niemals konkrete Kritik an unseren Re<lb break="no"/>organisationen im Handelsministerium vorgebracht wurde, würde ich<lb/>
in einer diesbezüglichen Debatte rundweg erklären, daß alle Betei<lb break="no"/>ligten eigentlich nicht nur die Reorganisationen zur Kenntnis, sondern<lb/>
damit auch zugestimmt haben.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Peter, Friedrich</persName>
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               <occupation>Beamter HM, u.a. zuständig f. Protokollfragen</occupation>
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               <persName type="label">Teschl, Alfred</persName>
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               <occupation>Obmann Chemiearbeitergewerkschaft</occupation>
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               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
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               <occupation>MR HM, Leiter OB</occupation>
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               <occupation>Justizminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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