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            <title type="main">Montag, der 21. August 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_01">Montag, 21. August 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_02">Die Industriellenvereinigung hat in ihrer Zeitung "Preisdirigismus<lb/>
auf Samtpfotchen" einen Leitartikel gewarnt, dass man wieder admini<lb break="no"/>strative Preispolitik in Österreich einführen möchte. Ich habe deshalb<lb/>
mit Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs> eine Aussprache, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> ist anwesend. Ich erkläre<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs>, dass wenn ich die Preiskompetenz im Herbst bekommen sollte,<lb/>
ich nicht beabsichtigte, die administrative Preispolitik auszubauen,<lb/>
sondern ganz im Gegenteil mit der Handelskammer und der Industriellen<lb break="no"/>vereinigung gemeinsam einen neuen Weg zu suchen, um moderne Preispolitik<lb/>
zu machen. Administrative Preispolitik sollte sogar abgebaut werden<lb/>
und durch eine "Rute im Fenster"-Gesetzgebung ersetzt werden. <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs><lb/>
gibt zu, dass wir maximalst mit der administrativen Preispolitik den<lb/>
Index mit 1 %-Punkt beeinflussen könnten. Die Industriellenvereinigung<lb/>
ist sich nicht ganz klar, wie sie sich in Hinkunft verhalten soll. Die<lb/>
Schwesterorganisationen in den anderen Staaten haben sich mit den<lb/>
Preissteigerungsraten bereits abgefunden und setzen ihre ganze Politik<lb/>
jetzt darein, die Folgen einer Preispolitik der Regierung auf ein Minimum<lb/>
für sie zu beschränken. <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs> meint, die österreichische Industriel<lb break="no"/>lenvereinigung wünscht aber noch, dass die Preiserhöhungen bekämpft werden<lb/>
und nicht die Folgen einer administrativen oder sonstigen Preispolitik<lb/>
der Regierung auf die Unternehmer auf ein erträgliches Mass reduziert<lb/>
werden. Es beabsichtigt die Industriellenvereinigung den Vorstand dafür<lb/>
zu gewinnen, dass eine Studie über die Tatsache von einem wissenschaftli<lb break="no"/>chen Institut erarbeitet wird, dass sich die Bevölkerung und damit auch<lb/>
die Unternehmer auf immer grössere Inflationsraten gewöhnen. Es soll<lb/>
unbedingt untersucht werden, wohin ein solcher Weg führen kann und<lb/>
welche Folgen es in der Industriepolitik sich daraus ergeben. Vor<lb/>
Jahren hat man noch gesagt, 3 % sei das Maximum jetzt ist man bereits<lb/>
bei 6 % angelangt. Ich erkläre sofort, dass wir an einer solchen Studie<lb/>
sehr interessiert wären. Ausser dieser Landzeitpolitik aber eine Lösung<lb/>
für die dringliche Arbeit in den nächsten Monaten brauchen werden. Ich<lb/>
ersuche <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs>, sich zu überlegen, wieweit die Industriellenverei<lb break="no"/>nigung mit mir gemeinsam und der Handelskammer und den anderen Interessen<lb break="no"/>vertretungen, ähnlich wie das auch beim Preisbestimmungsgesetz geschehen<lb/>
ist, dann in Hinkunft eine gemeinsame Lösung suchen und finden könnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs> verteidigt – und ich habe keine Absicht das zu<lb/>
ändern – die Paritätische Kommission und die Freiwilligkeit der Preis<lb break="no"/><pb n="12-0986" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-08-21_0986.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>politik auf einem grossen Sektor. Wenn das grosse Kompetenzgesetz<lb/>
im Parlament zur Diskussion steht und schön langsam zur Beschluss<lb break="no"/>fassung heranreift, muss ich bei dieser Gelegenheit bereits in Form<lb/>
von Aussprachen mit der Handelskammer, Industriellenvereinigung und<lb/>
sonstigen Interessenvertretungen eine deutlich sichtbare neue<lb/>
Preispolitik beginnen. Ich hoffe, dass es gelingt, die Handelskammer<lb/>
und die Industriellenvereinigung zur Mitarbeit heranzuziehen. Da<lb/>
jede gesetzliche Regelung mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden muss,<lb/>
brauche ich eben einen einstimmigen Beschluss der Interessenvertre<lb break="no"/>tungen zu dieser neuen Politik.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wie bereits im Institut beim Mittagessen besprochen<lb/>
bitte die entsprechenden Vorarbeiten jetzt einmal fraktionell in der<lb/>
wirtschaftspolitischen Kommission zur Debatte stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_04">Beim Pressefrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> über das neue Berggesetz und da<lb/>
kommt mir erst richtig zu Bewusstsein, welch umständlicher, zwar gründ<lb break="no"/>licher aber für einen Journalisten fast unerträglicher Mann <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> ist.<lb/>
Er verliert sich immer wieder in Details und kann deshalb auch so schwer<lb/>
zu einem endgültigen Ergebnis kommen. Die Journalisten wollen natürlich<lb/>
insbesondere wissen, was die Verordnungsermächtigung des Handelsmini<lb break="no"/>steriums bedeutet, weitere Produkte ins Bergrecht einzubeziehen. Hier<lb/>
gibt <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> dann eine so detaillierte aber aggressive Erklärung, dass<lb/>
ich sicher bin, die gesamte Journalistik der Unternehmerseite wird<lb/>
sich in Hinkunft gegen eine solche Verordnungsermächtigung wenden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> meint nämlich nach umständlichsten Erklärungen, dass der Sinn<lb/>
darin besteht, wenn ein Produkt heute noch nicht knapp ist aber dies<lb/>
durch irgendeine technische Entwicklung werden sollte, dann durch das<lb/>
Berggesetz entsprechende administrative Lenkung mit der Verwendung<lb/>
dieser Produktes eingesetzt werden sollte. Ich versuche zwar dann<lb/>
noch ein bisschen abzuschwächen und erkläre insbesondere, dass der<lb/>
Wunsch des Professorenkollegiums in Leoben diese Bestimmung veranlasst<lb/>
hat ins Berggesetz aufzunehmen, dass ich aber keinesfalls um eine<lb/>
solche Verordnungsermächtigung kämpfen werde. Wenn in der Begut<lb break="no"/>achtung gewünscht wird, dann werde ich selbstverständlich darauf<lb/>
verzichten. Anerkennen muss man aber, dass <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> die schriftlichen<lb/>
Unterlagen, die er für mich vorbereitet hat, ganz hervorragend zusammen<lb break="no"/>stellt und ich deshalb ohne dass er es vielleicht wollte durch Foto<lb break="no"/>kopie auch den Journalisten gutes Material in die Hände geben konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_05">Zum Abschluss erkläre ich den Journalisten, dass ich jetzt im Urlaub<lb/>
längere Zeit die Zeitungen genau studieren konnte. Was mir dabei auf<lb break="no"/>gefallen ist – und das sollte keine Kritik sein – ist, dass in ungeheuren<lb/>
negativen oder pessimistischen Einstellungen über die wirtschaftliche<lb/>
Entwicklung Österreichs immer wieder von einzelnen Redaktionen in<lb/>
ihren Zeitungen geschrieben werden. Da ich gerne wissen möchte, welche<lb/>
Gründe die Redaktionen veranlassen, zu solchen Auffassungen zu kommen,<lb/>
ersuche ich, ohne dass ich natürlich ihre Politik kritisieren möchte,<lb/>
dass<add>[sie]</add> in ihren Reaktionsbesprechungen dies diskutieren und mir dann<lb/>
mitteilen, wo sie eine negative Entwicklung ausser auf dem Preissektor<lb/>
sehen. Die Investitionen werden mit 22 Mia. wesentlich höher sein als<lb/>
1967 mit 10,5 Mia., der Private Konsum muss durch die höhere Einkommens<lb break="no"/>steigerungen natürlich auch entsprechend steigen und dadurch natürlich<lb/>
auch die Importe wesentlich zunehmen. Das Handelsbilanzdefizit ist daher<lb/>
leicht zu erklären und in Wirklichkeit gar nicht etwas negatives sondern<lb/>
trägt nur dazu bei, um unsere Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr<lb/>
zweckmässig wieder abzudecken. Die Spareinlagen nehmen zwar relativ nicht<lb/>
mehr so stark zu wie vor etlichen Jahren, doch ist dies durch dein priva<lb break="no"/>ten Konsum bedingt und nur positiv zu betrachten, da ja doch die Banken<lb/>
und Kreditinstitute imstande sind, die notwendigen Gelder für die<lb/>
Investitionen aufzubringen. In Wirklichkeit ist die Kreditzunahme<lb/>
mit 20 % für unsere Preisverhältnisse als überhöht zu betrachten, bedingt<lb/>
aber damit natürlich eine Vollbeschäftigung auch der Mittel<lb break="no"/>industrie. Während der Sitzung argumentiert kein einziger Vertreter der<lb/>
bürgerlichen Presse dagegen. Wohl kann ich aber dann nach Schluss der<lb/>
Sitzung mit einzelnen Redakteuren von der anderen Seite dieses Problem<lb/>
neuerdings anschneiden und man sagt mir: ja alles geht auf die Preisent<lb break="no"/>wicklung die beängstigend sei zurück. In Wirklichkeit glaube ich müssen<lb/>
sie indirekt einsehen und zugeben, dass das der einzig schwache Punkt<lb/>
unserer gesamten Wirtschaftspolitik und der wirtschaftlichen Entwicklung<lb/>
ist. Ich hoffe, dass dieses Problem vielleicht wirklich bei ihren<lb/>
Reaktionsbesprechungen angeschnitten wird und man mir noch entsprechende<lb/>
Überlegungen von seiten der Redaktionen zur Verfügung stellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_06">Bei einer Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__140093">Anzenberger</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__114467">Wehsely</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB beschliessen wir, dass im Institut täglich im<lb/>
Institut die Fragen, die das Preisbestimmungsgesetz betreffen, besprochen<lb/>
werden sollen. In den letzten Wochen ist es vorgekommen, dass die<lb/>
Arbeiterkammer und der ÖGB eine konträre Meinung in Fragen des Ent<lb break="no"/><pb n="12-0988" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-08-21_0988.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lastungskatalogs z.B. für die Handelsspannen in Sitzungen ver<lb break="no"/>treten haben. Als mich <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> davon im Urlaub verständigte, habe<lb/>
ich ihm sofort erklärt, hier müsste durch bessere Koordinierung<lb/>
dieser Zustand schon im Keime erstickt werden. Wenn es mir nämlich<lb/>
nicht gelänge, diese beiden Institutionen, die heute nicht mehr so<lb/>
gut kooperieren, wie dies zu Zeiten von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzls</rs> und mir der Fall ge<lb break="no"/>wesen ist, dann sehe ich für die weitere Entwicklung äusserst un<lb break="no"/>günstig. Bei noch so grosser Aversion von einzelnen Genossen in der<lb/>
Arbeiterkammer gegenüber dem ÖGB oder umgekehrt, muss es unbedingt<lb/>
gelingen eine gemeinsame Linie in den Sachfragen zu finden. Meiner<lb/>
Auffassung nach ist es vollkommen gleichgültig, ob dabei die eine oder<lb/>
andere Meinung unterdrückt wird oder zurückgestellt werden muss,<lb/>
entscheidend ist, dass eine gemeinsame Meinung gefunden wird, was für<lb/>
die Regierung gilt, gilt in noch viel stärkerem Ausmass für die<lb/>
einzelnen Interessenvertretungen der soz. geführten Institutionen.<lb/>
Nach aussen auftretende Einigkeit macht stark.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_07"><rs type="person" ref="#per__140093">Anzenberger</rs> hat eine Liste von Waren festgestellt, die man jetzt in<lb/>
den Preiserhebungen und EDV-mässigen Verarbeitung in ganz Österreich<lb/>
durchführen wird, dadurch können wir, nachdem das Innenministerium<lb/>
sich auch bereiterklärt hat, mehrere Beamten in allen Bundesländern<lb/>
einzusetzen, mit dem Marktamt in Wien gemeinsam fast 300.000<lb/>
Preiserhebungen bekommen, die wir natürlich dann EDV-mässig verar<lb break="no"/>beiten müssen. Obwohl dies fast eine Million Schilling kosten wird,<lb/>
entschliesse ich mich letzten Endes, doch die Zustimmung zu geben.<lb/>
Nicht zuletzt auch deshalb, weil die EDV-Anlage des Gewerkschafts<lb break="no"/>bundes mit 1 Mill. S Offert gegenüber den anderen Offerten, die fast<lb/>
oder mehr als das Doppelte kosten, den Zuschlag bekommt. Zum ersten<lb break="no"/>mal wird eine Preiserhebung und eine Preiskontrolle auf moderner<lb/>
Basis durchgeführt und das wird uns hoffe ich in der Öffentlichkeit,<lb/>
so hoffe ich, das Image von seröser Arbeit geben. Da in Wien allein<lb/>
1.500 Geschäfte erfasst werden, wird es auch eine gewisse Breitenwir<lb break="no"/>kung bei den Unternehmern auslösen. Niemand wird mir vorwerfen können,<lb/>
dass wir hier auf Einzelerhebungen irgendwelche Aussagen aufbauen.<lb/>
Die Abteilung 25 a unter <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> bekommt gleich einen guten Start<lb/>
und ich hoffe einen guten Kontakt auch mit nachgeordneten Behörden,<lb/>
die allerdings nicht nachgeordnete Dienststellen vom Handelsministe<lb break="no"/>rium sind. Da ich in Hinkunft ja nicht einmal wie das Innenministerium<lb/>
Polizei- und Gendarmerieorgane zur Verfügung habe, muss ich immer<lb/>
<pb n="12-0989" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-08-21_0989.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit solchen Sonderarrangements unter Mitwirkung von freiwilligen<lb/>
Helfern oder von Dienststellen, die mir andere Ministerien zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen, arbeiten. Das müssen wir in unseren Überlegungen<lb/>
in der künftigen Preispolitik ganz besonders berücksichtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte vergiss bei allen propagandistischen Wünschen<lb/>
die Du hast, diesen Gesichtspunkt nie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_09">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> und dem soz. Mitglied der<lb/>
Austria-Ferngas <rs type="person" ref="#per__114585">Schmidt</rs> berichten mir über den bis jetzt eigentlich noch<lb/>
nicht positiven Verhandlungsverlauf mit Algerien (Flüssiggas). Die<lb/>
Fünfergruppe, wo sich Österreich anschliessen will, hat sich noch<lb/>
nicht endgültig entschieden, ob sie die österreichische Ferngas mit<lb break="no"/>nehmen. Da <choice><choice><sic>in</sic><corr>?</corr></choice></choice> 10 Mia. Verflüssigungsanlagen gebaut werden, die ca.<lb/>
350 Mill. $ kosten, diese Fünfergruppe aber bereits 10 Mia. ausgebucht<lb/>
hat, müsste entweder für die Optionsmenge von weiteren 3 Mia. + österr.<lb/>
Wünsche von 1,5 bis 2 Mia. eine weitere Gruppe gefunden werden, die<lb/>
eine weiteren Block dann errichtet. Angeblich will Amerika die<lb/>
Iscogruppe ebenfalls 3 Mia. von Algerien haben, sodass mit der Optionsmenge<lb/>
und Österreich 1,5 bis 2 ca. schon 8 Mia. zusammengekommen sind. Da die<lb/>
süddeutsche Maingruppe ebenfalls sich mit Algeriengas eindecken und<lb/>
wahrscheinlich mindestens 2 Mia. braucht, wäre eine solche Zehnergruppe<lb/>
dann neuerdings zusammen. Es wird sich in den nächsten Wochen heraus<lb break="no"/>stellen, ob ein solcher Vertrag zustande kommen kann. Tatsache ist,<lb/>
dass die beabsichtigte Abgabe eines letter of intent für Juli heute<lb/>
nicht mehr spruchreif ist und zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht<lb/>
abgeschlossen werden konnte. Die Verhandlungen, die die Austro-<lb/>
Ferngas mit Algerien direkt geführt hat, haben andeutungsweise von<lb/>
den Algerien dazu geführt, dass Algerien ebenfalls gerne einen allei<lb break="no"/>nigen österreichischen Vertrag abschliessen möchte, wenn dafür aber nicht<lb/>
10 Mia. abgenommen werden würde sich natürlich das Gas wesentlich<lb/>
teurer stellen. Ich ersuchte die Austria-Ferngas-Genossen, ganz<lb/>
besonders aber jetzt endlich die ÖMV wie man versprochen hatte, bei<lb/>
den Verhandlungen einzuschalten. Dies wurde mir neuerdings bestätigt<lb/>
und bis jetzt nur deshalb darauf verzichtet, weil eben noch keine<lb/>
konkreten Verhandlungen geführt werden konnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_10">Der burmesische Industrieminister ist in Österreich bei <rs type="person" ref="#per__97830">Polzer</rs> vom<lb/>
Hanuschkrankenhaus im Behandlung. Er wollte, um einige Zeit in<lb/>
<pb n="12-0990" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-08-21_0990.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Österreich totzuschlagen, auch mit mir Besprechungen führen, was ich<lb/>
ihm natürlich sofort gewährte und besichtigte auch einige Betriebe.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit kam ich darauf, dass der Industrieminister in<lb/>
Burma so wie ich Gewerkschaftsobmann ist. Würde ich einmal wegen dieser<lb/>
Tatsache angegriffen werden, kann ich erklären, dass auch andere Staaten<lb/>
Gewerkschaftsobleute zu Industrieminister berufen, natürlich ohne<lb/>
Burma zu nehmen, denn da würde jeder sagen, ja in Asien herrschen eben<lb/>
besondere Zustände.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_11">Bei der Verabschiedung der österr. olymp. Mannschaft und Weiterleitung<lb/>
des olymp. Feuers erklärt mir der derzeitige Präsident des österr. Olymp.<lb/>
Komitees Stadtrat <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs>, dass dies in Wirklichkeit ein full-time-job<lb/>
wäre. So wie Unterrichtsminister <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> mir vor längerer Zeit schon<lb/>
auseinandergesetzt hat und bei dieser Aussprache auch neuerdings be<lb break="no"/>stätigt, ist es ganz unmöglich, dass man diese Millionen Projekt-Arbeiten<lb/>
einem Komitee überlässt, das ausserstande ist, dieses kommerzielle<lb/>
Problem jetzt zu bewältigen. In Wirklichkeit ist dies eine grosse Show<lb/>
geworden und es ist dringend notwendig, eine entsprechende kommer<lb break="no"/>zielle Organisationsform auch dafür zu finden. Wenn der Präsident des<lb/>
Olymp. Komitees <rs type="person" ref="#per__140120">Brundage</rs> dagegen bis jetzt immer Stellung genommen hat,<lb/>
dann wird er wahrscheinlich nach seinem Abgang erleben, wie diese<lb/>
Milliarden-Veranstaltungen in Hinkunft noch mehr kommerzialisiert werden<lb/>
und wahrscheinlich auch tatsächlich werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_12">Bei der Dornbirner Messe hat mir der Bürgermeister mitgeteilt, dass er<lb/>
den Herrn Bundespräsidenten ersucht hat, ob er nicht im nächsten Jahr,<lb/>
wo die 25. Dornbirner Messe stattfindet, die Eröffnung vornehmen möchte.<lb/>
Der Präsident der Messe, <rs type="person" ref="#per__115707">Rhomberg</rs>, war scheinbar darüber ein bisschen<lb/>
verschnupft und hat deshalb mir gegenüber erklärt, dass eine solche Ein<lb break="no"/>ladung an den Bundespräsidenten nur dann von ihm mit ruhigem Gewissen<lb/>
ausgesprochen werden kann, wenn ich mich dadurch nicht zurückgesetzt fühle<lb/>
und ich ganz besonders aber natürlich auch an dieser Messe teilnehmen<lb/>
würde. Ich versicherte <rs type="person" ref="#per__115707">Rhomberg</rs>, dass ich dagegen nicht nur nichts einzu<lb break="no"/>wenden habe, sondern dass ich mich bei der erstbesten Gelegenheit dafür<lb/>
einsetzen werde, den Bundespräsidenten dazu zu gewinnen. Ich nütze daher<lb/>
diese Gelegenheit und stelle mit Freude fest, dass sowohl für die nächstjäh<lb break="no"/>rige Grazer Messe, die bereits ein Jubiläumsmesse sein wird, als auch<lb/>
für Dornbirn der Bundespräsident sich bereiterklärt, die Eröffnung durch<lb break="no"/>zuführen. Auch ich bestätige nochmals <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs>, dass ich mit den Herren immer<lb/>
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wenn der Bundespräsident die Eröffnung vornimmt und ich mich<lb/>
dadurch in keiner Weise zurückgesetzt fühle. Ich glaube, dass es sinn<lb break="no"/>voll ist, den Vorarlbergern, d.h. dem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__115707">Rhomberg</rs> und dem<lb/>
Bürgermeister von Dornbirn mitzuteilen, dass ich diese Verpflichtung<lb/>
die ich übernommen habe, positiv erledigen konnte und bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit gleich unser Anbot betreffend die Unterstützung für eine Studie<lb/>
über eine Verlegung der Messe ans Dornbirner Autobahnkreuz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-08-21_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diesbezügliche Vorarbeiten wie besprochen<lb/>
beschleunigt zum Abschluss bringen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 21.8.1972</head>
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