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            <title type="main">Donnerstag, der 20. Juli 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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eine Enquete organisiert. Von den Firmen verlangte er dafür<lb/>
1.200 S und von den anderen Beinehmern über 500.–. Ich hatte<lb/>
nicht angenommen, dass er imstande ist, doch den Marmorsaal<lb/>
zu füllen. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> hat mir einen Brief geschrieben, wo er<lb/>
auf die unübliche Einladung hinwies, es stand nämlich in der<lb/>
Enquete-Einladung, dass ich den Vorsitz führen würde und<lb/>
damit mit meinem Namen eigentlich ein kommerzielles Ge<lb break="no"/>schäft machte. <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs>, der mich begleitete, sagte, er hätte<lb/>
die Akte, die das Bäderjournal und Herrn <rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> betreffen,<lb/>
studiert und sei draufgekommen, das z.B. <rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> Herren des<lb/>
Hauses, insbesondere <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs>, zu sogenannten Studienreisen<lb/>
nach Frankreich und auch nach anderen Ländern eingeladen hat.<lb/>
Auf Kosten des Bäderjournals hat er damit das Wohlwollen<lb/>
unserer Herren im Hause leicht erkaufen können. Trotzdem hat<lb/>
er noch niemals ein Subventionsansuchen während meiner Minister<lb break="no"/>schaft zumindestens an uns gerichtet. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> hat recht, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> imstande ist, mit Hilfe seiner Bäderjournals und den Firmen<lb/>
die drinnen inserieren, sich selbst zu einem Verlag und sogar<lb/>
seine Zeitung aktiv gebaren und damit ganz gut zu leben. Dass<lb/>
er dabei ein bisschen ungewöhnliche Methoden anwendet, steht<lb/>
für mich vollkommen fest. Am meisten überrascht aber war ich,<lb/>
als ich auf der Tagesordnung lesen musste, dass ich ein Referat<lb/>
über Fremdenverkehr und Bäderbau halten sollte. Zum Glück hat<lb/>
mir <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> einige Unterlagen zusammengestellt gehabt. In meinem<lb/>
Referat habe ich die ungewöhnliche Art, sich finanzielle ohne<lb/>
Subvention des Ministeriums über Wasser zu halten kritisiert<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> hingewiesen. Er zwar zweifelsohne der erste, der mich<lb/>
auf die Bäderkonzeption aufmerksam machte und ganz besonders<lb/>
auf die Gefahr, die in Österreich durch übermässige Neuerrichtungen<lb/>
von Bädern entstehen könnte. Der Referent des Ministeriums für<lb/>
Unterricht, welcher die Sportstätten und den Bäderausbau zu<lb/>
betreuen hat, hat sich anschliessend bei mir gemeldet und darauf<lb/>
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nur aufzeigen, dass das Unterrichtsministerium sehr wohl ein<lb/>
entsprechendes Bäderkonzept besitzt und entgegen der Behauptung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> aber auch unserer Herren sehr genau weiss, was es will.<lb/>
Die Erstellung eines Bäderkonzeptes, wie wir es jetzt der Ratio<lb/>
übertragen haben, wäre deshalb gar nicht notwendig gewesen. Hier<lb/>
ergeben sich also ganz deutliche Konkurrenzgründe zwischen den<lb/>
Ministerien bzw. zwischen <rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> und dem Unterrichtsministerium.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> bei der letzten Ministerratsvorbesprechung schon<lb/>
erklärt und auf seinen Brief mündlich geantwortet, dass ich die<lb/>
Meinung, <rs type="person" ref="#per__137417">Aglas</rs> wird das Unterrichtsministerium hart attackieren<lb/>
nicht teile. Jetzt glaube ich mehr denn je, dass es sich beim<lb/>
Brief <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>' nur um die Angst gehandelt hat, dass hier eine Kon<lb break="no"/>kurrenzsituation gegen das Institut für Sportstätten- und Schwimmbäder<lb break="no"/>bau der Hauptgrund des negativen Briefes gewesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte veranlasse, dass ein entsprechendes<lb/>
Antwortschreiben von <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> ausgearbeitet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-20_04">Zum Glück kamen nach ungefähr 1 1/4 Stunden bereits die Vertreter<lb/>
der Bundeskammer und Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97851">Pultar</rs> wegen Brüssel-Verhandlungen,<lb/>
so dass ich die Enquete still und leise verlasen konnte. Sekt.<lb/>
Chef <rs type="person" ref="#per__97851">Pultar</rs> hat mir in der Früh im Aufzug erklärt, dass das Einbe<lb break="no"/>ziehen von Whisky jetzt in den Vertrag seiner Meinung nach nicht<lb/>
notwendig ist. In der Zwischenzeit hat ihn aber von Brüssel <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs><lb/>
angerufen und erklärt, dass der 113er-Ausschuss ganz grosse Schwie<lb break="no"/>rigkeiten macht, wenn es hier nicht zu einer Lösung des Problems<lb/>
kommt. Die Engländer, die bis jetzt als EFTA-Mitglied Zollfreiheit<lb/>
auf diesem Gebiet gehabt haben, nehmen natürlich nicht zur Kenntnis,<lb/>
dass jetzt in der EWG für Brandy wieder ein Zoll aufgebaut werden<lb/>
soll. Bis jetzt haben die Engländer scheinbar über dieses Problem<lb/>
nicht den Kopf zerbrochen und vor allem sich nicht interessiert,<lb/>
wie die Kommission diese Frage lösen möchte. Die Kommission wieder<lb/>
hat scheinbar auf diesen Punkt nicht sehr geachtet und deshalb<lb/>
kommt es jetzt wegen dieser Frage zu einer ganz schwierigen Aus<lb break="no"/>einandersetzung. Unsere Schnapserzeuger, Präs. <rs type="person" ref="#per__114655">Harmer</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs><lb/>
vom Fachverband und dann noch ein Firmenvertreter, den ich nicht ge<lb break="no"/>kannt habe, ist mit <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__113031">Melis</rs> erschienen um zu errei<lb break="no"/><pb n="12-0943" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-07-20_0943.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>chen, dass ich eine Weisung an die Verhandlungsführer gebe, dass<lb/>
er unter gar keinen Umständen von der ursprünglichen Stellungnahme<lb/>
nämlich Herausnahme von Brandy aus der Regelung abweichen dürfe.<lb/>
Ich erklärte dezidiert, dass wir in Wien hier leicht solche Be<lb break="no"/>schlüsse fassen könnten, aber in Brüssel dann äusserst schwierig<lb/>
wäre, sie auch tatsächlich durchzusetzen. Ich ersuchte <rs type="person" ref="#per__97851">Pultar</rs><lb/>
deshalb, zusammenfassend unsere Stellungnahme dahingehend abzu<lb break="no"/>geben, dass man im engsten Einvernehmen mit dem Vertreter der<lb/>
Handelskammer Dr. <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs> zuerst versuchen sollte, tatsächlich Brandy<lb/>
zumindestens jetzt bei der Vertragsunterzeichnung aus der Regelung<lb/>
herauszuhalten. Wenn dies aber nicht gelingen sollte, dann hat<lb/>
selbstverständlich der Delegationsleiter Pleinpouvoir, um auch<lb/>
eine andere Lösung zu akzeptieren. Gegen diese Vorgangsweise hat die<lb/>
Handelskammer keinen wie immer gearteten Einwand erhoben.<lb/>
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hat, meint allerdings, er werde sich sehr bemühen, diesen Auftrag<lb/>
oder diesen Wunsch besser gesagt zu erfüllen, war aber sehr<lb/>
froh, dass er ein Pouvoir hat, um gegebenenfalls auch eine andere<lb/>
Lösung zu akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> gegenüber erklärte ich, dass wir<lb/>
eine Ausnahme von Brandy gut gebrauchen könnten, um dann unver<lb break="no"/>züglich mit den Engländern neuerliche Verhandlungen über die Whisky<lb break="no"/>einfuhr zu führen und bei dieser Gelegenheit vielleicht doch gleich<lb/>
bezüglich Vollmilchpulver und Butter-Exporten nach England leicht<lb/>
ins Gespräch zu kommen. Auch die Handelskammer ist sich vollkommen<lb/>
klar darüber, dass die derzeitige Zollfreiheit von Brandy auf die<lb/>
Dauer wird keinesfalls den Endländern auch im neuen Regime der<lb/>
EWG zu verweigern sei.<lb/>
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bewirbt und der von NR <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> und vor allem Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> als<lb/>
ausgesprochene Niete bezeichnet wird gegenüber dem ursprünglichen<lb/>
Kandidaten Dr. <rs type="person" ref="#per__139713">Korte</rs> vom Magistrat der Stadt Wien, für den ich bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> eingetreten bin, hat sich bei mir vorgestellt. Ich selbst<lb/>
muss zugeben, das war sehr geschickt von ihm, denn ich habe jetzt<lb/>
erstmals ihn kennengelernt und eigentlich eine ein bisschen besseren<lb/>
Eindruck als allgemein geschildert wurde bekommen. Ich machte ihn<lb/>
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steht und fällt und dass er ungeheure Schwierigkeiten in der<lb/>
Steiermark erwarten würde. Er selbst ist sich dessen vollkommen<lb/>
klar und möchte trotzdem das Experiment wagen, da er sich absolut<lb/>
fähig für diesen Posten fühlt. Zum Glück muss ich dieses Problem<lb/>
nicht entscheiden und konnte deshalb mit ruhigem Gewissen ihm<lb/>
viel Glück für die Position wünschen, wenn er sie von <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs><lb/>
resp. dem Bundeskanzler erhalten sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-20_07">Der Reporter von Radio Südwestfunk war sehr erstaunt, dass wir<lb/>
ihm innerhalb von 24 Stunden eine Interview-Möglichkeit gegeben<lb/>
haben. Er meinte, dies war bei meinen Vorgängern nie der Fall.<lb/>
Andererseits wieder aber muss ich sagen, hat er sich sehr ge<lb break="no"/>wissenhaft auf das Interview vorbereitet, indem er vier Fragen<lb/>
schriftlich festlegte. Das Interview war deshalb sehr holprig.<lb/>
Während die österreichischen Reporter doch dazu übergehen <choice><choice><sic>sind</sic><corr>sich?</corr></choice></choice><lb/>
nur zu überlegen, welche Fragen sie stellen und dann auch auf<lb/>
die Antworten wieder eine entsprechende Gegenfrage vorbringen,<lb/>
wird bei so fixierten Anfragen natürlich dann das Interview<lb/>
eigentlich nach jeder Anfrage neu begonnen und ist weniger<lb/>
zusammenhängend. So weit bis jetzt ausländische Rundfunkanstalten<lb/>
in Wien mit mir solche Interviews gemacht haben, habe ich<lb/>
immer feststellen müssen, dass sie eigentlich mit exakt vorberei<lb break="no"/>teten Fragen gekommen sind. Diese Art der Interviews entspricht<lb/>
nicht meinem Stil und ich tu mit deshalb sehr schwer dabei.<lb/>
Ändern kann ich natürlich daran gar nichts.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-20_08">Der ungarische Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> wurde meiner Meinung<lb/>
nach protokollwidrig behandelt. Nicht dass ich mich um das Protokoll<lb/>
sehr kümmere, aber ich habe doch das Gefühl, dass man einen Aussen<lb break="no"/>handelsminister entsprechend empfangen sollte. Richtig ist, dass<lb/>
der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__136802">Kövari</rs> alles abgelehnt hat, wie Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs><lb/>
mir mitteilte. <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> ist wirklich ein umgänglicher Mensch und<lb/>
hat genauso wenig Interesse am Protokoll und protokollarischen<lb/>
Fragen wie ich. Zumindestens hat er das mir auch persönlich ver<lb break="no"/>sichert. Andererseits war ich aber sehr froh, dass ich ihn im<lb/>
Bristol wenigstens empfangen konnte, was <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> sehr überraschte<lb/>
und noch mehr, dass ich ihn dann selbstverständlich auch zu einem<lb/>
Essen eingeladen habe. Dies war in seinem Konzept wirklich nicht<lb/>
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ich mit <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs>, <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> und <rs type="person" ref="#per__134208">Kuzmich</rs>, dem Handelsdelegierten<lb/>
in Budapest versucht, unsere Linie festzulegen. Die Handelskammer<lb/>
hat im Gegenvorschlag, den wir den Ungarn überreichten, ein ganz<lb/>
kompliziertes Gebäude betreffend der Liberalisierung österreichischer<lb break="no"/>seits und der Gegenkonzessionen ungarischerseits aufgebaut. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleiss<lb break="no"/>ner</rs> glaubt, dass er imstande ist, bei einer Art Staatsvertrag mit<lb/>
den Ungarn zu machen, damit wenn diese dem GATT beitreten, dann<lb/>
kein österreichischer Importeur sich auf die Bestimmungen des<lb/>
GATT berufend, die Vertragsteile des langfristigen Warenverkehrs,<lb/>
die eine gewisse Absicherung der österreichischen Industrie geben<lb/>
sollte, als gesetzwidrig hinstellen kann und damit seine Importe<lb/>
tätigen. <rs type="person" ref="#per__134208">Kuzmich</rs> hat sofort gemeint, er glaubt nicht, dass es<lb/>
möglich sein wird, die Ungarn davon zu überzeugen, dass sie einer<lb/>
solchen Regelung zustimmen. Bei dem Arbeitsgespräch zeigte sich dann<lb/>
auch, dass <rs type="person" ref="#per__134208">Kuzmich</rs> recht hatte. Hier bewahrheitet sich doch, das<lb/>
es gut ist, wenn der Aussenhandelsdelegierte bei allen Besprechungen<lb/>
anwesend ist, denn er kennt die entsprechenden Gepflogenheiten und<lb/>
vor allem die Wünsche des Landes und der dortigen Behörden am aller<lb break="no"/>besten. <rs type="person" ref="#per__134208">Kuzmich</rs> hat erklärt, es wird eine Frage der Kontingent<lb break="no"/>ausweitung resp. der Absicherung der österreichischen Exporte nach<lb/>
Ungarn sein, welche die grösste Schwierigkeit machen wird. Tat<lb break="no"/>sächlich hat <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> dann auch zweieinhalb Stunden nichts anderes<lb/>
mit mir verhandeln als welchen Weg wir finden können, dass nämlich<lb/>
wenn Österreich liberalisiert, die Einfuhr der ungarischen Waren,<lb/>
dann doch eine gewisse grössere Exportchance unserer Industrie nach<lb/>
Ungarn gegeben wird. <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> lehnte ganz entschieden eine direkte<lb/>
aber auch indirekte Festlegung einer Steigerung des Exportvolumen<lb/>
ab. Selbstverständlich sprach er sich auch ganz entschieden gegen<lb/>
eine Liberalisierung der ung. Einfuhr aus. <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> meinte, mit einem<lb/>
deutlichen Seitenhieb, dass wir seinerzeitige Vereinbarungen,<lb/>
die auf Beamtenebene, die zwischen <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> und <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> bereits<lb/>
getroffen waren, dann wieder annullierten, es wäre daher notwendig,<lb/>
dass die Minister sich über die Grundprinzipien einigen. Ich bin froh,<lb/>
dass wir nur über diesen ersten Punkt diskutierten und solange<lb/>
und unterhielten, denn wie sich dann beim Essen herausstellte,<lb/>
wo ich neben <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> zu sitzen kam, waren auch die anderen Wünsche<lb/>
der BHK umstritten. Der Versuch von <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, in Nebensätzen z.B.<lb/>
eine Entliberalisierung wieder hineinzubringen oder die prinzi<lb break="no"/><pb n="12-0946" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-07-20_0946.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>pielle Erklärung, dass dieser Vertrag auch dann gilt, wenn ins<lb/>
GATT die Ungarn aufgenommen werden und damit die GATT-Regelungen<lb/>
gelten, wird nämlich ungarischerseits ebenfalls abgelehnt. Vor<lb/>
allem sagt <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> mit Recht, ich habe es ihm zwar nicht bestätigt,<lb/>
dass dies eine ganz ungewöhnliche Vorgangsweise wäre. Wir einigten<lb/>
uns darauf, dass die Beamten am nächsten Tag zeitig früh beginnen<lb/>
sollten. Ohne dass ich geahnt hatte, dass die Ungarn alles, was<lb/>
die BHK vorgeschlagen hat, ablehnen, habe ich instinktiv <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs><lb/>
gebeten, er möge unbedingt bei dieser Besprechung anwesend sein.<lb/>
Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass wir die ungarischen Verhandlungen<lb/>
ganz neu beginnen müssten und einen ganz anderen Weg einschlagen,<lb/>
als das bis jetzt der Fall gewesen ist. So kommen wir auf alle<lb/>
Fälle nicht weiter. Die Ungarn sind auf der einen Seite ehrlich<lb/>
genug, zu erklären, sie können keine wesentliche Aufstockung automatisch<lb/>
im Vertrag einbauen, weil sie dies dann nicht einhalten könnten,<lb/>
sie lehnen deshalb eine Lösung, wie wir sie im polnischen Vertrag er<lb break="no"/>reicht haben, ganz entschieden ab. <rs type="person" ref="#per__134208">Kuzmich</rs> und <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> sind sehr<lb/>
erstaunt über diese hartnäckige Haltung, da sie ja meinen, die Kon<lb break="no"/>tingente, auch die Globalkontingente, die die Ungarn bereit sind, zu<lb/>
geben, d.h. die Zusammenfassung von einigen Kontingenten in Global<lb break="no"/>kontingente seine ja noch immer nicht Pflichtkontingente, die sie ab<lb break="no"/>nehmen müssten, weshalb sie eigentlich einer solchen automatischen<lb/>
Erhöhung leichter zustimmen könnten. Hier gefällt mir aber die Stel<lb break="no"/>lung der Ungarn viel besser, die eben erklären, wenn wir etwas verein<lb break="no"/>baren, dann wollen wir es auch tatsächlich einhalten. Andererseits ist<lb/>
ung.-österr. Handelsverkehr für uns gesehen, sehr aktiv und die Ungarn<lb/>
können mit Recht darauf drängen, dass sie mehr Waren nach Österreich<lb/>
liefern dürfen. Bereits jetzt könnten sie aber, wenn die Waren in<lb/>
Österreich Absatz finden, ausser einigen landwirtschaftlichen Produkten<lb/>
sowieso alles liefern, auch dann wenn es das Kontingent weit<lb/>
überschreitet. In der Vergangenheit waren natürlich einige Pressure-<lb/>
Groups, die auch heute noch sehr wirksam in der Bundeskammer agieren<lb/>
imstande, durch Kontingentfestsetzungen ihre inländische Konkurrenz<lb break="no"/>situation durch Abhaltung von ungarischen Einfuhren zu verbessern.<lb/>
Darüber hinaus waren diese Pressure-Groups bestrebt, in Ausfuhr<lb break="no"/>kontingenten einen entsprechend grossen Anteil des Exportes zu<lb/>
erreichen. Um hier für die österreichischen Unternehmungen gleiche<lb/>
Verhältnisse zu schaffen, müsste man eigentlich eine weitestgehende<lb/>
Liberalisierung wirklich so bald wie möglich den Ungarn zugestehen.<lb/>
Dann wird der Importdruck für alle Unternehmungen gleich sein. Ich<lb/>
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nächsten Monate weitergehen werden. <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs> hofft, dass ich zur<lb/>
Veranstaltung des Donaueuropäischen Instituts nach Buda<lb break="no"/>pest komme und meint, dann könnten wir ja über die weiteren<lb/>
Vorschläge wieder auf Ministerebene diskutieren. Ich selbst<lb/>
habe eigentlich mir als Ziel gestellt, dass ich nur dann nach<lb/>
Budapest fahre, wenn es bereits zu einem Abschluss des Vertrages<lb/>
kommen könnte. Nach den jetzigen Ergebnissen sehe ich, dass<lb/>
ich diesen Zeitplan auf gar keinen Fall einhalten kann. Die<lb/>
Ungarn werden sich genausowenig unter Druck setzen lassen,<lb/>
wenn ich nicht kommen würde, als dies die Bulgaren getan<lb/>
haben. Ich glaube, dass wir hier eine andere Vorgangsweise<lb/>
überlegen müssen.<lb/>
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               <persName type="label">Würzl, Anton</persName>
               <persName><surname>Würzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Bíró, Jószef</persName>
               <persName><surname>Bíró</surname><forename>Jószef</forename></persName>
               <occupation>ung. Außenhandelsmin.</occupation>
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               <persName type="label">Aglas, Erwin H.</persName>
               <persName><surname>Aglas</surname><forename>Erwin H.</forename></persName>
               <occupation>Herausgeber Bäder-Journal</occupation>
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               <persName type="label">Veselsky, Ernst Eugen</persName>
               <persName><surname>Veselsky</surname><forename>Ernst Eugen</forename></persName>
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               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12254711X</idno>
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               <persName type="label">Korte, A</persName>
               <persName><surname>Korte</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[Interessent als Gf. Planungsgesellschaft (?) für Aichfeld-Murboden?;
                  1972 Gespräch mit JS geplant, vielleicht steht dann dort Genaueres?; mglw. auch
                  ident mit Kort, A?]</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Harmer, Robert</persName>
               <persName><surname>Harmer</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>Präs. Fachverb. Nahrungs- u. Genussmittelindustrie</occupation>
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               <persName type="label">Sinowatz, Fred</persName>
               <persName><surname>Sinowatz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <persName type="label">Ottahal, Georg</persName>
               <persName><surname>Ottahal</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, u.a. zuständig f. Protokollfragen</occupation>
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               <persName type="label">Mádai, István</persName>
               <persName><surname>Mádai</surname><forename>István</forename></persName>
               <occupation>ung. Handelsrat</occupation>
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               <persName type="label">Kuzmich, Stephan</persName>
               <persName><surname>Kuzmich</surname><forename>Stephan</forename></persName>
               <occupation>öst. Handelsdelegierter Ungarn, Kuba</occupation>
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               <persName type="label">Peschke, A</persName>
               <persName><surname>Peschke</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>MR; Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Hillebrandt, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Hillebrandt</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName><surname>Kövari</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>ung. Handelsrat</occupation>
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               <persName type="label">Smolka, Klaus</persName>
               <persName><surname>Smolka</surname><forename>Klaus</forename></persName>
               <occupation>GF Fachhandel Nahrungs- u. Genussmittelindustrie</occupation>
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               <persName type="label">Melis, Werner</persName>
               <persName><surname>Melis</surname><forename>Werner</forename></persName>
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               <persName><surname>Ortmann</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Reisch, Georg</persName>
               <persName><surname>Reisch</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Leiter wirtsch.pol. Sektion Außenamt</occupation>
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               <persName><surname>Gleißner</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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               <persName><surname>Ertl</surname><forename>Walter</forename></persName>
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               <persName type="label">Effenberger, Otto</persName>
               <persName><surname>Effenberger</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>ARBÖ-Bundessekretär</occupation>
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               <persName type="label">Marquet, Alois</persName>
               <persName><surname>Marquet</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Botschafter, Onkel v. Louis Marquet; evtl.
                  Falschidentifikation</occupation>
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