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            <title type="main">Freitag, der 14. Juli 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_01">Freitag, 14. Juli 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_02">Die ÖFVW stellt sich auf das 72 Mill. Bundesbeitragsbudget ein. Obwohl<lb/>
wir vor nicht allzu langer Zeit das Schema für die Bediensteten zur<lb/>
Zufriedenheit des Betriebsrates erstellt haben, kommen jetzt die Zweigstel<lb break="no"/>lenleiter und wollen ebenfalls entsprechende Korrekturen. Richtig ist,<lb/>
dass einzelne jüngere Zweigstellenleiter in Deutschland oder auch in<lb/>
Amerika entsprechend geringere Verdienste haben. Mit Hilfe der Wohnungsbei<lb break="no"/>hilfen wird versucht, diesem Übelstand beizukommen. Wenn wir aber die Gehalts<lb break="no"/>schema öffnen, dann muss man sich darüber klar sein, dass nicht nur die<lb/>
jüngeren, sondern natürlich auch dann die alten und älteren Mitglieder<lb/>
der ÖFVW kommen und neuerliche Gehaltswünsche stellen. Aus diesem Grund<lb/>
schlug ich vor, man sollte ein neues System einführen, nämlich gewisse<lb/>
Mindestbezüge für Zweigstellenleiter zu erstellen. Kein einziger Vertreter<lb/>
der Bundesländer oder auch der Bundeshandelskammer hat gegen die Wünsche<lb/>
der Zweigstellenleiter Stellung genommen. Hofrat <rs type="person" ref="#per__123822">Gaisbacher</rs> hat im Gegen<lb break="no"/>teil für Dr. <rs type="person" ref="#per__126235">Klement</rs> von Frankfurt plädiert, man solle unbedingt eine ent<lb break="no"/>sprechende Erhöhung seines Gehaltes vornehmen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat es übernommen,<lb/>
mit Dkfm. <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> ein neues Schema zu erstellen, wie er es seinerzeit auch<lb/>
im Aussenamt eingeführt hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_03">Das AUA- Lokal in der Fifth Avenue in New York ist noch immer frei. Das<lb/>
Arrangement, das wir angeboten haben, wo wir einen Teil übernommen hät<lb break="no"/>ten, wenn wir gleichzeitige entsprechende Freiflüge oder ermässigte Flüge<lb/>
für unsere Zweigstellenleiter bekommen, ist nicht zustande gekommen. <rs type="person" ref="#per__139706">Papousek</rs><lb/>
hofft, dass es ihm gelingt, mit der Aeroflot das gesamte AUA-Lokal los<lb break="no"/>zuschlagen. In diesem Fall haben wir ihn ersucht, er möge auch gleich ver<lb break="no"/>suchen, die Räume der ÖFVW anzubringen. <rs type="person" ref="#per__115043">Heschgl</rs> ist nicht so optimistisch<lb/>
und wartet, dass wir letzten Endes dann doch irgendein Arrangement zwischen<lb/>
den einzelnen Stellen, Fremdenverkehrswerbung, Verkehrsbüro und AUA, finden.<lb/>
Ich halte es aber für unmöglich, dass wir jetzt von den erhöhten 60 auf<lb/>
72 Mill. gleich 1 Mill. S für Mieten in New York zusätzlich ausgeben.<lb/>
Die Personalerhöhung und Mietzinserhöhungen würden einen Grossteil unserer<lb/>
aufgestockten Mittel gebunden sein und dies könnte niemand verstehen.<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs>, der im Finanzministerium unser Haus betraut, aber<lb/>
auch in der ÖFVW sitzt, hat bissig bemerkt, dass die ganzen Bundesmittel<lb/>
nur für diese beiden Posten hinausgeschmissen werden. Ich kann ihm hier<lb/>
nicht widersprechen. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> und seine Leute haben bis jetzt sehr<lb/>
wenig Gefühl dafür gehabt, dass die Mittel, die wir zusätzlich kriegen,<lb/>
<pb n="12-0907" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-07-14_0907.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>produktiv und rationell eingeschaltet werden. Ich könnte mir sehr<lb/>
gut vorstellen, dass es uns vielleicht gelingt mit der ÖIAG ein<lb/>
Kompromiss zu erzielen, dass wir aus der Hohenstaufengasse weg<lb break="no"/>ziehen, um ein zweckgmässiges Lagerlokal, wo gleichzeitig auch<lb/>
die ÖFVW ihren Sitz haben könnte, zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_04">Bei der Direktoriumssitzung ist Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> gekommen und hat<lb/>
mir erklärt, dass er das Budget nicht akzeptieren kann. Seiner<lb/>
Meinung nach würde ein zu geringer Zuschuss für die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>förderung für die Hausaktion zur Verfügung stehen. Verfügung konnte<lb/>
in diesem Fall auf Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> verweisen, der mir ausdrücklich<lb/>
erklärt hat, dass die Hausaktion reichlich dotiert ist und mit den<lb/>
Mitteln das Auslangen findet. Ich habe es für sehr komisch empfunden,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> dort dieses Problem zur Sprache bringt, mich aller<lb break="no"/>dings nicht weiter geäussert, sondern eben nur auch <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> ver<lb break="no"/>wiesen. <rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs> spürt, wie schön langsam ihm die gesamten Mittel<lb/>
abgeschnitten werden. <add>[Fehlstelle, Anm.]</add> ist, dass wir für die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>agenden mehr Geld bekommen werden durch das Gewerbestrukturverbesse<lb break="no"/>rungsgesetz als es wir uns jemals haben träumen lassen. Im 1-Jahres-<lb/>
Programm sind noch höhere Ansätze vorgeschlagen gewesen, doch er<lb break="no"/>klärt mir Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__139856">Autengruber</rs> vom FM, dass nicht daran zu denken<lb/>
ist, das 10-jährige Investitionsprogramm auch nur annähernd zu<lb/>
erfüllen.<lb/>
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dass die Zollsenkungen, die sich auf Grund des Interimsabkommens er<lb break="no"/>geben, kompensiert werden gegen eventuelle Preissteigerungen auf<lb/>
Grund der Mehrwertsteuer. Diesen Wunsch hat seinerzeit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
bei mir schon deponiert und wollte sogar, dass wir deswegen das<lb/>
Interimsabkommen erst mit 1. Jänner 1973 in Kraft setzen. Richtig<lb/>
ist, dass die grossen Unternehmungen jetzt zweimal ihre Preislisten<lb/>
erstellen müssen, ein Verlangen, das man nicht gut Stellen kann.<lb/>
Ich kann mich aber jetzt auf die Bestimmungen des Preisbestimmungen<lb break="no"/>gesetzes berufen, wonach auf alle Fälle die Unternehmungen die<lb/>
Zölle und Zollsenkungen durchzurechnen und weiterzugeben haben und<lb/>
auf der anderen Seite dann bei der Erstellung der Mehrwertsteuer<lb/>
mit 1.1.1973 eben die Entlastungssätze neu berechnet werden müssen.<lb/>
Da ich mit der Erstellung der Entlastungssätze nicht viel weiter<lb break="no"/><pb n="12-0908" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-07-14_0908.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>komme, habe ich mir vorbehalten, die Möglichkeit einer Kompen<lb break="no"/>sation im Rahmen der Sozial- und Wirtschaftspartnerschaft und<lb/>
mit dem Finanzminister gemeinsam zu besprechen. Wir vereinbarten,<lb/>
dass wir am Dienstag eine diesbezügliche Aussprache haben sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war sehr erschüttert von mir zu hören, dass die Entlastungs<lb break="no"/>sätze z.B. für Leder und Schuhe keinesfalls einvernehmlich bereits<lb/>
festgelegt sind. Er wollte von mir die Zusicherung, dass wenn es<lb/>
zu einer einvernehmlichen Regelung kommt, diese dann von mir ak<lb break="no"/>zeptiert wird. Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom ÖGB hat sich nämlich bis jetzt<lb/>
noch nie dezidiert gegen eine solche Festsetzung ausgesprochen<lb/>
und die Arbeiterkammer arbeitet ja im Detail sehr fleissig mit,<lb/>
sodass bei der Bundeskammer der Eindruck entsteht, dass diese<lb/>
beiden Gruppen ohne weiteres bereit wären, die Vereinbarten Ent<lb break="no"/>lastungssätze z.B. für Schuhe und Leder zu akzeptieren und nur<lb/>
ich mich dagegen sträube. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte, wir sollten doch ver<lb break="no"/>suchen, zu einer einvernehmlichen Auffassung zu kommen und wenn<lb/>
dann diese Sätze ausser Streit stehen, dass auch tatsächlich von<lb/>
mir auch sofort veröffentlicht werden. Ich erklärte, dass<lb/>
dies unmöglich sei, weil die makroökonomische Berechnung dann ergeben<lb/>
würde, dass wahrscheinlich überhaupt niemand die 36 Milliarden S<lb/>
aufgebracht hat. So gering sind einzelne Entlastungssätze. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
meinte, wenn ich Schwierigkeiten mache und dann die Entlastungs<lb break="no"/>sätze nach eigenem Gutdünken festsetze, wird die Handelskammer<lb/>
ihre Mitglieder auffordern, jeden einzelnen Satz bei mir zu bean<lb break="no"/>tragen und wenn ich negativ entscheiden sollte, zum Verwaltungs<lb break="no"/>gerichtshof gehen. Er selbst wird aber in der Zwischenzeit den<lb/>
Unternehmungen empfehlen, nicht die von uns dekretierten, sondern<lb/>
die auf Grund von gewissenhaften Berechnungen der Betriebe ausgewie<lb break="no"/>senen Entlastungssätze zur Anwendung zu bringen. In diesem Fall ver<lb break="no"/>wies ich auf die Rechtskontinuität der Entlastungssätze, wenn man<lb/>
sie mit den Exportvergütungssätzen verknüpft. Hier habe ich<lb/>
formell die Möglichkeit zu sagen, dass seinerzeit die Export-<lb/>
Vergütungssätze auf Grund von eben seriösen Berechnungen der Handelskammer<lb/>
erstellt wurden und deshalb auch jetzt noch richtig sein müssten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, in der Zwischenzeit seien ja die Exportvergütungen,<lb/>
die in den Fünfzigerjahren geschaffen wurden, durch Arbeitsteilung<lb/>
wesentlich geändert worden. Hier hat er aber eine vollkommen falsche<lb/>
Argumentation, denn in der Zwischenzeit wurde zwar eine Arbeitstei<lb break="no"/>lung durchgeführt, doch wurden in viel stärkerem Ausmass diese<lb/>
<pb n="12-0909" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band12/12_1972-07-14_0909.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Arbeitsteilungen in vertikal organisierten Betrieben vorgenommen.<lb/>
Im Gegenteil, es hat in den letzten Jahren wahrscheinlich eine<lb/>
Konzentration und vertikale Organisierung der Industrie stattgefunden,<lb/>
wodurch sich nur weitere Umsatzsteuerphasen erspart haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_06">Unmittelbar nach der Vorsprache von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>,<lb/>
denen ich übrigens auch die letzten Verhandlungen in der EWG ausein<lb break="no"/>andergesetzt habe, ergab sich eine sehr harte Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint,<lb/>
dass das Präsidium und ein Vorstand der BHK erst nach Vorliegen des<lb/>
Gesamt-Vertrages entscheiden werden, ob sie dem zustimmen können oder<lb/>
nicht. Ich selbst wies darauf hin, dass bis jetzt bei allen Verhandlun<lb break="no"/>gen im engsten Einvernehmen mit der HK vorgegangen wurde und ich gar<lb/>
nichts dagegen hätte, wenn die Handelskammer oder die ÖVP den Vertrag<lb/>
ablehnt. In diesem Fall würde für die nächsten 10 Jahre die Schuld<lb/>
für die wirtschaftliche Entwicklung eindeutig auf ÖVP-Seite liegen.<lb/>
Die Drohung, eventuell nicht zuzustimmen, trifft daher mich überhaupt<lb/>
nicht. In weiterer Folge hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dann allerdings klar und deutlich<lb/>
zu erkennen gegeben, dass es ihnen primär darauf ankommt, die sogenannten<lb/>
Begleitgesetze von der Regierung zu bekommen. Dies trifft insbesondere<lb/>
für die Erstattungsregelung zu und ebenfalls für eine Papierlösung<lb/>
für die Konzentration und Sanierung der österr. Papierindustrie. Der<lb break="no"/>zeit wünscht die Papierindustrie, dass ein 5 %-iger Preiszuschlag für<lb/>
importierte und im Inland erzeugte Papiere erfolgen soll, die in einem<lb/>
Fonds abgeliefert werden. Ich bin überzeugt davon, dass die BHK, die die<lb break="no"/>sen Entwurf bis jetzt zurückhält und wahrscheinlich auch sogar sabotiert<lb/>
dann letzten Endes diesen 5 %-igen Preiszuschlag in einer Subvention<lb/>
des Finanzministers umbauen wird. In beiden Fälle erklärte ich, dass<lb/>
auf die Brüsseler Verhandlungen diese Problemation keinen wie<lb/>
immer gearteten Einfluss gehabt hat aber auch in Hinkunft nicht haben<lb/>
wird und deshalb am nächsten Samstag von mir unterzeichnet wird. Als<lb/>
einziges Zugeständnis machte ich nur die Bemerkung, man könnte gegebenen<lb break="no"/>falls von mir verlangen, dass ich nach der Unterfertigung einen Hand<lb break="no"/>schuh, den ich tragen würde, ausziehe und dort auf den Vertrag hinwerfe,<lb/>
so wie dies seinerzeit auch in St. Germain geschehen ist. Ich selbst<lb/>
bezeichnete aber den Vertrag als ausgesprochen für Österreich günstig<lb/>
und er wird unter allen Umständen akzeptiert. Die ÖVP ist in dieser<lb/>
Hinsicht wirklich in einem furchtbaren Dilemma, weil sei keine Chance<lb/>
hat, eine Alternative zu bieten, wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> alle ihre<lb/>
Wünsche, die sie jetzt als Begleitmassnahmen stellen, ablehnen. Ich<lb/>
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nicht genau weiss, ob ich sie auch tatsächlich einhalten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_07">Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, ÖGB und Dr. <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs>, Arbeiterkammer, kamen, um mir zu erklären,<lb/>
dass sie ausserstande sind, in der bisherigen Art und Weise die Ver<lb break="no"/>handlungen über die Entlastungssätze fortzuführen. Insbesondere <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
meinte, es wäre unverantwortlich, wenn man die Sätze, die jetzt die<lb/>
BHK errechnet hat und die beim besten Willen nur um 1/10 oder maximal<lb/>
1/2 Prozent geändert werden können, akzeptiere. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> meinte, in diesem<lb/>
Fall müsste er dem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> empfehlen, lieber die Verhandlungen<lb/>
sofort abzubrechen. Die Vorsprache traf sich sehr günstig und ich er<lb break="no"/>suchte unmittelbar <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, mit seinen Herren zu mir zu kommen, um jetzt<lb/>
gemeinsam die weiteren Verhandlungen festzulegen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erschien mit<lb/>
dem Finanzreferenten <rs type="person" ref="#per__139985">Ettel</rs>, <rs type="person" ref="#per__139946">Ivanka</rs>, <rs type="person" ref="#per__112972">Vavra</rs>, während vom Haus <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
beigezogen wurde. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> drohte neuerdings, wenn wir keine Einigung<lb/>
zustande brächten, <add>[mit?]</add> den 10.000-en von Einzelbescheiden, die ausgestellt<lb/>
werden. In diesem Fall sagte ich, das ist keine Schwierigkeit, unsere<lb/>
Abteilung bestehend aus <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> wird dies alles lösen. Hier machte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
nun einen grossen Fehler, indem er mich aufmerksam machte und fragte,<lb/>
warum ich nicht <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> einschalte. Ich erklärte sofort, dass <rs type="person" ref="#per__112946">Schlei<lb break="no"/>fer</rs> mit anderer Arbeit eingedeckt ist und sogar einzelne Arbeitskollegen<lb/>
von ihm in andere Abteilungen gehen wollen. Der wirkliche sachliche<lb/>
Grund ist aber, dass z.B. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> wahrscheinlich überhaupt nur die<lb/>
Wünsche der Handelskammer erfüllen würde. Interessant war, dass ein<lb break="no"/>mal bei einer Sitzung <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> zu meiner Linken sass und mir zwar geflü<lb break="no"/>stert hat, dass die Entlastungssätze ja nur Durchschnittssätze sind,<lb/>
und deshalb doch nicht unbedingt die Wünsche der Handelskammer zum<lb/>
Ausdruck bringen müssten, als ich ihm aber das Wort gab, damit er diese<lb/>
Erklärung vielleicht auch öffentlich sagte, er sofort erklärte, er<lb/>
hätte nichts zu sagen. Nach längerer Diskussion, an der <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
nicht nur teilnahm, sondern auch wesentlich von seiner ur<lb break="no"/>sprünglich so harten Kritik abwich, ergab sich folgende Lösung: Die<lb/>
Lohntangenten werden in einzelnen Produkten jetzt ausgewiesen. Damit<lb/>
wird die Gruppe der Nicht-Entlastungsanteile wesentlich aufgegliedert.<lb/>
Die Einigung sieht vor, dass erstens keine Information vor Abschluss<lb/>
der Verhandlungen weitergegeben werden. Die BHK wird es übernehmen,<lb/>
dass wenn selbst Firmenvertreter anwesend sind, auf diese Verschwiegen<lb break="no"/>heitspflicht hingewiesen wird. Wird zweitens die zu erwartende Preis<lb break="no"/>steigerung 2–3 % aus der Mehrwertsteuer übersteigen, dann wird eine<lb/>
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die Möglichkeit, sie entweder linear oder branchenmässig durchzu<lb break="no"/>führen. Abhängen wird dies vor allem von den Berechnungen, die sich<lb/>
makroökonomisch ergeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_08">Drittens: Die Verhandlungen, die jetzt unverzüglich weitergeführt<lb/>
werden, werden eine punktuelle Kürzung der <choice><choice><sic>Unerlagen</sic><corr>Unterlagen</corr></choice></choice> vornehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_09">Viertens und letztens wird aber Übereinstimmung mit der makroökonomi<lb break="no"/>schen Umsatzsteuerziffer versucht werden, dass eben die maximale<lb/>
Belastung des Lebenshaltungskostenindexes von 2–3 % mit<lb/>
Jänner erreicht werden dürfte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band12_1972-07-14_10">Bei einer etwaigen Kompensation der Umsatzsteuern mit den vorher<lb/>
vorgenommenen Zollsenkungen wurden im Detail nicht besprochen,<lb/>
doch hat <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sich im Prinzip bereiterklärt, dass dies eine ver<lb break="no"/>nünftige Regelung ist und er sie daher allen empfehlen wird. Hier<lb/>
schaltete ich mich ganz entschieden ein, und meinte, dass hier<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> doch dies nicht in eigener Verantwortung machen könnte und<lb/>
verwies auf die Dienstagsitzung bei <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>. Ich glaube nämlich, dass<lb/>
wenn wir ein solches Zugeständnis machen, die Handelskammer dann<lb/>
bereit sein wird die entsprechenden Erhöhungen der Entlastungs<lb break="no"/>sätze zu akzeptieren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 14.7.1972</head>
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               <persName><surname>Vavra</surname><forename>Leo</forename></persName>
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               <persName type="label">Kaber, Walter</persName>
               <persName><surname>Kaber</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat Finanzministerium</occupation>
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               <persName type="label">Schleifer, Kurt</persName>
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               <occupation>Vorstandsdirektor AUA</occupation>
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               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Leiter ÖFVW-Außenstelle Frankfurt/Main</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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