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            <title type="main">Freitag, der  7. Juli 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band11_1972-07-07</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_01">Freitag, 7., bis Sonntag 9. Juli 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_02">Die Klubführung ist bei einer Präsidialsitzung schon deshalb beginnen<lb/>
die einzelnen Abgeordneten zu murren, über die Taktik im NR. Fachlich<lb/>
haben sie einen guten Anhaltspunkt, weil tatsächlich die Unterlagen<lb/>
zum Wirtschaftsbericht auch unsere Genossen sehr spät bekommen haben.<lb/>
Später noch als die Klubs der anderen Parteien. Niemand hätte sich<lb/>
die Unterlagen tatsächlich angesehen, auch dann wenn sie früher gekommen<lb/>
wären. Vor allem nicht <rs type="person" ref="#per__97828">Pölz</rs>, der sich darüber am meisten aufregt. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs><lb/>
wieder, der insbesondere die Taktik angreift und meint, der Klubvor<lb break="no"/>stand hätte dies alles besser vorbereiten müssen. will – so habe<lb/>
ich das Gefühl – auf Urlaub gehen und sieht, dass die Sitzungen sich<lb/>
auf alle Fälle noch über Sonntag hinaus erstrecken könnten. <rs type="person" ref="#per__114960">Maier</rs> meint,<lb/>
wer Vernunft jetzt zeigt und aus dieser Situation herausführt, gewinnt die<lb/>
Partie. Sicher ist, dass die Kontakte, die die einzelnen Mitgliedern<lb/>
des Klubs mit den anderen Parteien haben, dazu führen, dass selbst tak<lb break="no"/>tische Überlegungen wie z.B. es werden mehr Redner in die Debatte geworfen<lb/>
damit die Möglichkeit besteht, am nächsten Tag erst mit einem Problem zu<lb/>
beginnen, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> versucht zwar dann zu erklären, dass eben z.B. die ver<lb break="no"/>staatlichte Industrie von so grosser Bedeutung ist, dass eben mehrere<lb/>
Redner sich zu Worte melden, letzten Endes wurden ja viele Abgeordnete<lb/>
aus diesen Wahlkreisen von Beschäftigten der Verstaatlichten Industrie<lb/>
gewählt und es ist daher selbstverständlich, das-s sie in der Wirtschafts<lb break="no"/>debatte das Wort ergreifen. Dass normalerweise aber nur ein Sprecher für<lb/>
die verstaatlichte Industrie zu Worte kommt, ist bekannt und deshalb<lb/>
ergibt sich eine so grosse Fülle von Wortmeldungen, dass man eben<lb/>
filibustert. Das kann dann wieder dazu führen, wenn um 9 Uhr Abends<lb/>
eine Gesetzesmaterie dann doch abgeschlossen werden soll, wie z.B.<lb/>
das Preisbestimmungsgesetz, dass dann nicht einmal mehr die Minister<lb/>
das Wort ergreifen können. Beim Preisbestimmungsgesetz kann ich mir<lb/>
das deshalb auch leisten, weil der Angriff, den z.B. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> vorgetragen<lb/>
hat, so charmant und vor allem einmal so mit Entschuldigung präsentiert<lb/>
wurde, dass man wirklich darüber hinweggehen kann. Das Einzige, was er<lb/>
wirklich vorbrachte, war, dass ich versucht hätte, bei der Benzin<lb break="no"/>preiserhöhung die Unternehmer unter Druck zu setzen, indem ich ihnen<lb/>
lange Zeit den Benzinpreis, der berechtigt war, den die Ölgesellschaften<lb/>
gefordert hatten, nicht zugestanden habe, letzten Endes musste sie nicht<lb/>
zuletzt, wie er sagte, durch meinen Charme die 20 Groschen akzeptieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_03">Wenn die gesamte Preisregelung in unserem Haus konzentriert werden<lb/>
wird, muss ich in wichtigen Preisbestimmungen resp. in wichtigen<lb/>
Preisfragen, ob und welche Regelung man in Angriff nehmen wird, unbe<lb break="no"/>dingt meine Taktik mit den Unternehmungen persönlich zu verhandeln,<lb/>
durchziehen, dann kann ich damit rechnen, dass ich verhältnismässig wenig<lb/>
Angriffe zu erwarten habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_04">Minister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, der froh ist, wenn er die Preisregelung los wird, koope<lb break="no"/>riert wirklich phantastisch. Auf meinen Wunsch, uns entsprechende Leute<lb/>
zur Verfügung zu stellen, meint er, er würde alle sofort abtreten,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> davon zu überzeugen ist. Ich ersuche ihn aber insbesondere,<lb/>
er möge eine Frau Dkfm. die in der Abteilung von <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> arbeitet und<lb/>
sehr tüchtig ist, jetzt schon vorzeitig so wie <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> uns zur Ver<lb break="no"/>fügung zu stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat die Gelegenheit benützt, um bei der Wirtschaftsdebatte neuer<lb break="no"/>dings die Bürges im Parlament zur Sprache zu bringen. Er weiss gar<lb/>
nicht, welch grossen Gefallen er mir damit macht. Erstens kann ich<lb/>
nachweisen, dass ich damit nichts zu tun habe, denn letzten Endes hat<lb/>
ja der Aufsichtsrat beschlossen, die Geschäftsordnung den Richtlinien<lb/>
anzupassen und zweitens sind diese Bestimmungen alle aus der Zeit meiner<lb/>
Amtsvorgänger. Wichtig ist, dass ich die Bürges jetzt reorganisieren<lb/>
werde und kündige dies auch im Parlament an. Wenn ich die Reorganisation<lb/>
der Bürges auch durch den Austausch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden<lb/>
und vor allem den Mitgliedern im Herbst dann in Angriff nehme, kann<lb/>
ich mich immer auf die Attacken des Bundeskammer-Generalsekretärs be<lb break="no"/>rufen. Obwohl alle durch mein Wochenprogramm wissen müssen, dass ich des<lb/>
öfteren in die Bürges zu Sitzungen gehe, trotzdem aber niemals einen<lb/>
Bericht von den Aufsichtsratsmitgliedern bis jetzt erhalten habe, kann<lb/>
und werde ich auf diesen Umstand ganz besonders hinweisen. Bei der<lb/>
nächsten Sektionsleitersitzung werde ich auch ganz dezent, so dass es<lb/>
niemandem auffallen soll, aber doch dann im Sektionsleiterprotokoll<lb/>
verankert ist, auf die Tatsache der Attacke von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wegen der Bürges<lb/>
zu sprechen kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte mich erinnern und Protokoll dann entspre<lb break="no"/>chend abfassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_07">Die Aussenhandelsstellenleiter von den Oststaaten berichten über ihre<lb/>
Eindrücke, leider ist <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf Urlaub und <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> traut sich<lb/>
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zuständig ist, in diesem Forum eine Kritik oder zumindestens entspre<lb break="no"/>chende Fragen zu richten. Ich selbst habe, da die nächste Sitzung nach<lb/>
1 1/2 Stunden bereits wieder festgesetzt ist und ich insbesondere auch<lb/>
einige Male den Sitzungssaal verlassen muss, um zu Abstimmungen ins Haus<lb/>
zurückzukehren, auch nicht die Möglichkeit, die Debatte so zu lenken,<lb/>
wie ich es gerne hätte. Wichtig ist, dass wir auch mit den Staaten, die<lb/>
mit der EWG assoziiert sind, wie Griechenland und die Türkei entsprechende<lb/>
Verhandlungen werden führen müssen, um nach unserem Arrangement auch mit<lb/>
diesen Staaten neue Übereinkommen zu erreichen. Griechenland wird durch<lb/>
die EG-Vereinbarung bis 1981 die Zölle abbauen. Türkei, die mit 1.9.1971<lb/>
den Assoziierungsvertrag mit den EG abgeschlossen hat, wird innerhalb von<lb/>
12–22 Jahren die Zölle auf Null senken. Österreich müsste deshalb mit die<lb/>
diesen beiden Staaten auf neuer Verhandlungsbasis Verträge abschliessen.<lb/>
Für Griechenland gilt noch immer das Textil-Tabak-Abkommen, welches<lb/>
Österreich auf dem Textilsektor sehr benachteiligt, weil eben aus<lb/>
Konsumgründen die griechischen Tabake von der Tabakregie nicht mehr in dem<lb/>
Umfang gekauft werden, wie man seinerzeit bei Abschluss des Abkommens<lb/>
geglaubt hat. Jugoslawien wird ein neues Devisenregime einführen.<lb/>
29 % war bis jetzt liberalisiert und 25 % war Einzelkontingent z.B.<lb/>
für Eisen und Stahl und andere wichtige Produkte, der Rest war ein<lb/>
sogenanntes Globalkontingent, wo die Firma über die Devisen, die sie<lb/>
erarbeitet hat, selbst entscheiden könnte. Dieses Kontingent wird nun<lb/>
aufgelöst und teilweise dem Liberalisierungskontingent resp.<lb/>
den Einzelkontingenten zugeschlagen. Übereinstimmend stellen – soweit ich<lb/>
anwesend war – die Aussenhandelsstellenleiter fest, dass man in Wirklichkeit<lb/>
an dem Bilateralismus in den Oststaaten festhalten soll. Die von uns<lb/>
beabsichtigte und auch den Oststaaten mehr oder minder zugesagte Liberali<lb break="no"/>sierung bis zum Jahre 1975 wird uns keine Verstärkung des Osthandels<lb/>
bringen. Ganz im Gegenteil, es besteht die Gefahr, dass die Planstellen<lb/>
dann weniger Importe aus Österreich einplanen, da sie ja doch die Export<lb break="no"/>möglichkeit, die sie haben, gegen freie Devisen nur in Österreich günstig<lb/>
absetzen können. Wenn man sich die rückläufigen Ostexporte von unserem<lb/>
Standpunkt ansieht, so haben sie scheinbar wirklich mit dieser Behauptung<lb/>
recht. Ich bin überzeugt, dass ich in einigen Jahren von der Handelskammer<lb/>
hart attackiert werde, weil ich eben durch diese Politik den Osthandel<lb/>
nicht zu einem entsprechenden Aufstieg, sondern im Gegenteil zu einer<lb/>
Stagnation verholfen habe. Sicherlich ist diese Politik von meinem Amts<lb break="no"/>vorgänger bereits eingeleitet worden und ich werde mich natürlich auf ihn<lb/>
mit Recht ausreden können. Ich glaube aber, dass es doch von Bedeutung<lb/>
<pb n="11-0871" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-07_1972-07-08_0871.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wäre, zu überlegen, ob man nicht durch eine entsprechende andere Möglichkeit<lb/>
den Osthandel wirklich verstärkt aufbauen könnte. Zweifelsohne werden<lb/>
dazu die Kooperationsverträge, die jetzt abgeschlossen werden, beitragen.<lb/>
Bevor aber diese Kooperationsverträge den Umfang des jetzigen normalen<lb/>
Handels erreicht haben, wird es noch sehr lange dauern. Diese Durststrecke<lb/>
wird durch eine Schrumpfung des Osthandels gezeichnet sein. Ausserdem<lb/>
ergibt sich die Notwendigkeit, dass bei diesen Kooperationsverträgen den<lb/>
Oststaaten entsprechende langfristige Kredite zur Verfügung gestellt<lb/>
werden müssen. Nur unter diesen Bedingungen sind sie nämlich bereit,<lb/>
entsprechende Anlagen von Österreich zu kaufen. Die Kreditgewährung<lb/>
durch die österreichische Kontrollbank und ganz besonders auch die Aussen<lb break="no"/>handelsförderung G 4, wo das politische Risiko abgedeckt wird, ist von<lb/>
eminenter politischer Bedeutung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_08">Die langfristige Kreditgewährung spielt nicht nur im Osten eine Rolle<lb/>
sondern auch in den Entwicklungsländern. Ich habe mit dem Kontrollbank<lb break="no"/>direktor <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> über dieses Problem z.B. wegen Tunesien eingehend ge<lb break="no"/>sprochen. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> meint, dass er dies genau kennt und auch im Rahmen<lb/>
seiner Möglichkeiten berücksichtigt. Er hat seinerzeit den Herrn <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs><lb/>
den 15-jährigen Kredit mit 5 Jahren Rückzahlungsfreiheit gewährt, um das<lb/>
520-Mill.-S-Projekt zu ermöglichen. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs>, so teilt mir <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> mit,<lb/>
ist ein äusserst vorsichtig zu handhabender Geschäftsmann. Er ist richtig,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> ein ausgesprochen zwiespältige Figur ist. Er hat sowohl nach<lb/>
dem Osten gute persönliche Beziehungen und schafft sich auch, wie z.B.<lb/>
der Neffe <rs type="person" ref="#per__139883">Bourguiba</rs> beweist, auch in sogenannten Entwicklungsstaaten Ver<lb break="no"/>treter, die ihm dann die Möglichkeit eröffnen, Geschäfte zu tätigen, die man<lb/>
ihm gar nicht zutrauen würde. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> ist deshalb sehr vorsichtig,<lb/>
obwohl bei ihm noch immer als einziger in der Kontrollbank überhaupt ent<lb break="no"/>gegenkommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_09">Wenn sich eine Wirtschaft, wie die österreichische, in einer derartigen<lb/>
Hochkonjunktur befindet, wie dies jetzt in den letzten Jahren der Fall<lb/>
war, kann und muss man wahrscheinlich auf Exportgeschäfte verzichten,<lb/>
die durch derartig langfristige Kredite in Wirklichkeit überhaupt keine<lb/>
Rendite mehr in dem Geschäft übriglassen. Ich halte nichts davon und<lb/>
war niemals ein Anhänger von dem Motto "Export um jeden Preis".<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_10">Die Verhandlungen über den Entlastungskatalog der Mehrwertsteuer schleppen<lb/>
sich furchtbar dahin. Die Handelskammer hofft scheinbar noch immer, dass<lb/>
<pb n="11-0872" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-07_1972-07-08_0872.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sie auf Grund der Unterlagen, die sie zur Verfügung gestellt hat, die<lb/>
Ausgangsbasis für den Entlastungskatalog nach ihren Gesichtspunkten<lb/>
durchbringen kann. Die Arbeiterkammer andererseits versucht durch<lb/>
berechtigte Einwände diesen Entlastungssatz wesentlich zu erhöhen. Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, den wir leider zu spät zu unseren Besprechungen zugezogen haben,<lb/>
kann uns jetzt erklären, warum er ausserstande ist, unverzüglich eine<lb/>
makroökonomische Überschlagsrechnung vorzulegen. Die Input-Output-<lb/>
Analyse aus dem Jahre 1964 ist jetzt erst fertig geworden. Auf Grund<lb/>
dieser, seinerzeit vom Beirat angeregten und teilweise in der Arbeits<lb break="no"/>gruppe fertiggestellten Unterlage, kann er nun eine globale Umsatz<lb break="no"/>steuerrechnung anstellen. Damit könnte verifiziert werden, wieviel<lb/>
globalmässig in jedem einzelnen Industriezweig und Industriesparte<lb/>
an Umsatzsteuer anfallen müsste, resp. angefallen ist. Wir einigen uns<lb/>
darauf, dass eine kleine Arbeitsgruppe bei ihm die diesbezüglichen<lb/>
Endberechnungen anstellen soll. Die BHK möchte, dass wir – ausgehend<lb/>
von ihrem Material – uns bei einzelnen Gruppen zumindestens jetzt be<lb break="no"/>reits über die Entlastungssätze einigen, damit die Unternehmer damit<lb/>
dann rechnen können. Wenn wir auf diesen Vorschlag eingehen, dann haben<lb/>
wir die Grundentscheidung, ob und in welchem Umfang z.B. die Inve<lb break="no"/>stitionsanteile dann doch zu berücksichtigen sind, bereits vorweggenom<lb break="no"/>men. Die Möglichkeit die die Handelskammer mir eröffnet, dass ich dann<lb/>
am Ende der Verhandlungen bei einer oder der anderen strittigen Gruppe<lb/>
entsprechende Korrekturen vornehmen könnte, ich für mich unakzeptabel.<lb/>
Ich erkläre sofort, dass ich doch alle Unternehmer gleichmässig behandeln<lb/>
müsste. Richtig ist andererseits, dass die Firmen jetzt bereits natür<lb break="no"/>lich die Entlastungssätze bräuchten, um ihrerseits ihre Kalkulationen er<lb break="no"/>stellen zu können. Ich fürchte, dass wir bei den Grossbetrieben sowieso<lb/>
mit unseren Ergebnissen viel zu spät kommen. Die Grossbetriebe und so<lb/>
weit ich bis jetzt mit den Generaldirektoren bei anderen Anlässen spre<lb break="no"/>chen konnte, haben ja bereits die Mehrwertsteuer ins einzelne im Computer<lb/>
und auch schon durchgerechnet. Sie haben also ohne unsere Ziffern zu habe<lb/>
den Vorsteuerabzug bereits nach ihren Erfahrungen oder Erhebungen in<lb/>
Rechnung gestellt. Ich weiss nicht, ob sie dann, wenn wir unsere Ent<lb break="no"/>lastungssätze bekanntgeben, ihre Berechnungen noch einmal korrigieren<lb/>
resp. die Programme im Computer ändern. Ich bin nämlich überzeugt,<lb/>
dass sie dort selbstverständlich die Entlastung für die Investitionen<lb/>
resp. Kapitalkosten nicht durchgeführt haben, weil dies ja auch<lb/>
steuerlich nicht resp. nur für den Exportanteil durchgeführt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_11">Die Fachleute der Bundeshandelskammer kennen die Details<lb/>
und auch vor allem, wie sie zu ihren Entlastungssätzen gekommen<lb/>
sind, sehr genau. Sie sind deshalb wesentlich kompromissbereiter,<lb/>
als Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der ganz kurz nur an der Sitzung teil<lb break="no"/>genommen hat. Er meinte, zu diesem Zeitpunkt ist das Preisbestimmungs<lb break="no"/>gesetz noch nicht im Parlament verabschiedet gewesen, wer würde so<lb break="no"/>fort jetzt bei ihm im Klub das Problem neu zur Sprache bringen,<lb/>
denn unter diesen Umständen könnte man einer solchen Regelung nicht<lb/>
zustimmen. Da ich als Verhandlungsführer den Standpunkt der Ar<lb break="no"/>beiterkammer am 1. Jänner überhaupt keine Umsatzsteuer und die Vor<lb break="no"/>entlastung nach den Exportvergütungssätzen vortrug, hat er natürlich<lb/>
darauf äusserst hart und scharf reagiert. Ich glaube, er weiss<lb/>
aber genauso wie ich, dass ich zu einem Kompromiss<lb/>
kommen will, ich muss ja sogar zu einem kommen, weil ich sonst<lb/>
die Einzelfälle gar nicht administrieren könnte, und zeigt dann<lb/>
auch bei einer Aussprache unter vier Augen, dass hier sehr wohl die<lb/>
Handelskammer kompromissbereit ist. Bei dieser Aussprache erkläre<lb/>
ich auch dezidiert, dass ich nicht bereit bin, die von der Handels<lb break="no"/>kammer geforderten 20 Mill. S für die Vorarbeiten, die sie gelei<lb break="no"/>stet hat, anzuerkennen. Ich führte in dieser Frage auch noch ein<lb/>
Gespräch mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, damit nicht er, der Handelskammer dann<lb/>
vielleicht einen diesbezüglichen Zuschuss gibt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärt,<lb/>
dass die Handelskammer ja deshalb eine Pflichtumlage einhebe,<lb/>
um diese Arbeit auch zu leisten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_12">Bei einer Fernsehsendung über die Frage, ob man Preise diktieren<lb/>
kann, muss ich als Minister für Handel, Gewerbe und Industrie<lb/>
natürlich eine wesentlich objektivere und vor allem nicht aus<lb break="no"/>schliesslich den Konsumenten dienende Haltung einnehmen. Früher ein<lb break="no"/>mal hatte ich es als Interessensvertreter bei solchen Diskussionen<lb/>
wesentlich leichter. Obwohl ich einen Mittelweg eingeschlagen<lb/>
habe und ich hoffe, dass dieser auch einigermassen geglückt ist<lb/>
sehe ich bereits in den Fachzeitschriften den harten Angriff,<lb/>
dass ich die Interessen von Handel, Gewerbe und Industrie nicht<lb/>
entsprechend vertreten habe. Wenn die Preisregelung in unserem<lb/>
Haus konzentriert werden wird, werde ich noch öfters zwischen<lb/>
diesen beiden Standpunkten versuchen müssen, mich durchzuschwindeln.<lb/>
Zu glauben, dass die österreichische Bevölkerung oder vielleicht<lb/>
gar engere Interessensgruppe Handel, Gewerbe und Industrie dafür<lb/>
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ausschliesslich zu berücksichtigen habe, ist eine Illusion. Die<lb/>
Unternehmer werden alles daran setzen, um mich zu diskriminieren und<lb/>
zu erklären, ich würde ihren Standpunkt immer wieder verraten und nicht<lb/>
entsprechend vertreten. Andererseits darf ich nicht in eine Situation<lb/>
kommen, wie dies jetzt teilweise leider dem Landwirtschaftsminister<lb/>
passiert ist, der die berechtigten Standpunkte der Landwirtschaft<lb/>
wie z.B. die Erstattungsfrage bejaht und dann in der Regierung zumindestens<lb/>
in der ersten Phase vollkommen isoliert ist und hängen bleibt. Auf<lb/>
lange Sicht wird dann meistens eine Lösung wie z.B. beim Weizen- oder<lb/>
Zuckerpreis gefunden oder zugestanden, doch zwischendurch ist sein<lb/>
Image stark angeschlagen. Die Bauern sind dann nicht bereit, wenn<lb/>
es zu einer Lösung kommt, zu erklären, dass sich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dann innerhalb<lb/>
der Regierung durchgesetzt hat und ihm so Genugtuung leistet, sondern<lb/>
erklärt dann womöglich, dass die Lösung viel zu gering sei und sie<lb/>
deshalb auch dieser Lösung im Prinzip gar nicht zustimmen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ist<lb/>
dann von der Regierung die ganze Zeit isoliert gewesen und hat dann<lb/>
letzten Endes keinen Erfolg für sich sondern in Wirklichkeit nur harte<lb/>
Kritik von allen Seiten. Dies hat sich auch bei der Fleischpreis<lb break="no"/>regelung Wieder einmal gezeigt. Vielleicht hätten – wenn wir dieses<lb/>
Problem zu lösen gehabt hätten – wir durch entsprechende Vorbe<lb break="no"/>sprechungen und durch Abtasten, wie weit man bei den einzelnen Gruppen<lb/>
gehen kann, eine Kompromisslösung gefunden, die jetzt nicht so hart<lb/>
attackiert wird, wie seine auf Grund von Erhebungen des Marktamtes<lb/>
durchgesetzte Preisfestsetzung. Die Industrie und der Handel erklären,<lb/>
dass nur 117 Geschäfte erhoben wurden und deshalb die grosse Masse<lb/>
der Lebensmittelkleinhändler und ganz besonders der Delikatessengeschäfte<lb/>
unberücksichtigt geblieben sind. Die Industrie andererseits kann es sich<lb/>
jetzt leisten, da sie auf die anderen Produkte leicht ausweichen<lb/>
kann, gewisse eben preisgeregelten Waren in der Produktion eben einzu<lb break="no"/>stellen. Das Endergebnis ist, dass derzeit noch die Bevölkerung dafür<lb/>
ein gewisses Verständnis hat, sicherlich aber nach einiger Zeit sehr<lb/>
schimpfen wird. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, mit dem ich über dieses Problem eingehend dis<lb break="no"/>kutierte, meint, es müsste jetzt eine Propaganda starten, um den Unter<lb break="no"/>nehmer wieder schuldig werden zu lassen, wie dies ja auch in den ver<lb break="no"/>gangenen Jahrzehnten von uns so geschickt dargestellt werden konnte.<lb/>
Derzeit nämlich hat eine Erhebung über die Mehrwertsteuer ergeben,<lb/>
dass nicht mehr für Preiserhöhungen die Unternehmer als schuldig er<lb break="no"/>kannt werden, sondern dass man erklärt, dies sei auf die Lohnerhöhungen<lb/>
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in der ganzen Preisentwicklung und -debatte immer, ob Allein<lb break="no"/>regierung oder Koalition, die Regierung verhältnismässig aus<lb/>
dem Spiel geblieben ist, es hat immer der Unternehmer und damit<lb/>
der schwarze Teil in der Regierung oder in der Öffentlichkeit<lb/>
den grössten Vorwurf wegen der Preiserhöhungen bekommen, wendet sich<lb/>
jetzt das Blatt, dass der rote Teil, die Gewerkschaften und die<lb/>
Regierung, dafür verantwortlich sind. Diese Entwicklung be<lb break="no"/>trachte ich mit grösster Besorgnis, da sie uns wahrscheinlich<lb/>
für die nächsten Wahlen ganz grosses Kopfzerbrechen machen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-07_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Was können wir propagandistisch dagegen tun?<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 7.7.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., Bgm. Uttendorf (Sbg.)</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., Bgm. Amstetten</occupation>
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               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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