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            <title type="main">Mittwoch, der  5. Juli 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band11_1972-07-05</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_01">Mittwoch, 5. Juli 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_02">Zum Arbeitsgespräch mit Chemieminister <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> war kein Vertreter<lb/>
der VÖEST erschienen. Dies wundert mich deshalb, weil die VÖEST doch<lb/>
hofft, die Raffinerie oder zumindestens doch einen Teil davon liefern<lb/>
zu können. Scheinbar hat die VÖEST entweder darauf vergessen oder ihre<lb/>
Leute sind auch schon auf Urlaub. Vom Ministerium waren nur <rs type="person" ref="#per__134830">Peschke</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114718">Dersch</rs> anwesend. Von den Stickstoffwerken war nur Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs><lb/>
gekommen. Ich halte diese Vorgangsweise für vollkommen unmöglich.<lb/>
Arbeitsgesprächsverhandlungen können nicht auf so kleiner Basis von Seiten<lb/>
des Ministeriums in Österreich geführt werden. Wäre die Sitzung im Ausland<lb/>
so hätte wahrscheinlich sicherlich ein halbes. Dutzend von Beamten sich<lb/>
dazu gedrängt. Beim Empfang beim polnischen Handelsrat am Abend war<lb/>
mindestens ein halbes Dutzend von Ministerialbeamten von unserem Mini<lb break="no"/>sterium anwesend. Über das Arbeitsgespräch hätte die Pressestelle<lb/>
melden müssen, dass wichtige Abschlüsse zwischen der VÖEST und den<lb/>
Stickstoffwerken bevorstehen. Nicht dass ich eine Hofberichterstattung<lb/>
möchte, aber man kann solche Besuche schon allein wegen des ausländischen<lb/>
Gastes nicht so unterbewerten und so wenig von Seiten der Bürokratie<lb/>
und viel weniger von Seiten der Pressestelle akzeptieren. Auf unserem<lb/>
ureigensten Gebiet müssten wir doch mehr Publicity machen. Wo gibt<lb/>
es einen besseren Aufhänger, als wenn ein ausländischer Minister zu Gast<lb/>
weilt. Wo war das Branchenreferat Maschinen, wo war das Branchenreferat<lb/>
Chemie!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte für die nächste Dienstbesprechung entspre<lb break="no"/>chend vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_04">Die parlamentarischen Anfragen werden bei uns im Haus vollkommen unmöglich<lb/>
bearbeitet. Zwei Tage vor dem Anfragetermin hat erst die Abteilung die<lb/>
Anfrage zu Gesicht bekommen und hat jetzt eine gute Ausrede, dass sie<lb/>
eben nicht entsprechende Vorbereitungen treffen konnte. Sie schickt<lb/>
mir dann eine Wischiwaschi-Auskunft, mit der ich überhaupt nichts<lb/>
anfangen kann. In Hinkunft muss unmittelbar, nachdem die Anfrage bei<lb/>
uns im Haus eingetroffen ist, diese sofort dem zuständigen Referenten<lb/>
zugeleitet werden. Einige Tage vor Beantwortungstermin möchte ich dann<lb/>
die Unterlagen haben, damit ich gegebenenfalls noch zusätzliche Fragen<lb/>
stellen kann. Wenn die Anfragebeantwortung mehrere Abteilungen betrifft,<lb/>
soll man den Text, der sowieso nur eine kurze Mitteilung darstellt, an<lb/>
alle Betroffenen sofort aussenden. Die Antworten hat dann <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> ebenfalls<lb/>
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Rückfragen stellen kann, bevor mindestens drei Tage vorher mir die Anfrage<lb break="no"/>beantwortung vorgelegt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte dies mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> entsprechen und entsprechenden<lb/>
Dienstzettel vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_06">Im Parlament kam es wegen des Minderheitsberichtes zum dem UNO-City-Bau<lb break="no"/>projektes zur Konfrontation zwischen der Regierungspartei und der grossen<lb/>
Opposition. In dem Minderheitsbericht hat die ÖVP – der Bericht soll<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs> stammen, der es allerdings bestritten hat – einen Passus<lb/>
gegeben, wo erklärt wird, dass der Schiebungsverdacht erhärtet wurde.<lb/>
Mit dem gemeinsam bis auf den letzten Beistrich formulierten Bericht des<lb/>
Ausschusses hat die ÖVP zugestimmt, wo kein einziger konkreter Beweis dafür<lb/>
vorliegt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> veranlasste nun, dass nicht sofort in die Tagesordnung,<lb/>
d.h. in diesen Punkt eingegangen wird, sondern die Sitzung unterbrochen wurde<lb/>
und zur Klubberatung. Bei dieser Klubberatung berichtete <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, dass <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs><lb/>
hat wissen lassen, dass dieser Bericht zurückgezogen werden soll oder<lb/>
zumindestens man eine Vertagung auf Samstag vorschlägt, damit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
die entsprechenden Unterlagen vorlegen kann. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat auch der ÖVP angedroht,<lb/>
dass ansonsten nur mehr formelle Beziehungen zwischen den beiden Klubs be<lb break="no"/>stehen würden. Man glaubte bei uns, dass die ÖVP in die Knie gehen würde.<lb/>
Statt dessen dürfte das in der ÖVP den Eindruck erweckt haben, hier einen<lb/>
schwachen Punkt von der Regierungspartei entdeckt zu haben und dies<lb/>
Erklärungen von <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs> und <rs type="person" ref="#per__139888">Blenk</rs> waren sehr aggressiv gehalten.<lb/>
Die ÖVP kam förmlich in Hochstimmung, als sie bemerkte, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier<lb/>
sehr verwundbar ist. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> kündigte dann auch in der NR-Sitzung das Ein<lb break="no"/>frieren der Beziehungen auf das Minimum, welches eben im Gesetz resp.<lb/>
in der Verfassung vorgesehen ist, an. Der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97828">Pölz</rs>, dass<lb/>
auch die Sozialpartnerschaft beendet werden sollte, er hat es nicht so<lb/>
krass ausgedrückt, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber veranlasst, dem Klub schon zu erklären,<lb/>
dass dies ausserhalb des Streites gestellt werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_07"><rs type="person" ref="#per__139889">Rosenauer</rs> und der neue Direktor der Kartoffelverwertung <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> erklärten<lb/>
die Schwierigkeiten, die sie bei der Stärke haben, wenn es tatsächlich<lb/>
zur Einbeziehung der Stärke in die EWG-Regelung kommt. Insbesondere fürch<lb break="no"/>ten sie, dass die Schweden jetzt die seinerzeitige EFTA-Regelung aufkündigen<lb/>
wenn wir sie nicht im EG-Raum durchsetzen können, was eigentlich ziemlich<lb/>
aussichtslos ist. Wenn die Abgabe für Stärkederivate entfällt, dann würden<lb/>
wieder so wie bis zu dieser Einführung im EFTA-Vertrag konformen Lösung<lb/>
<pb n="11-0857" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-05_0857.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wieder die COMECON- und andere Stärken über Schweden nach Österreich<lb/>
einströmen. Am Abend teilte mir dann allerdings <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> aus Brüssel<lb/>
mit, dass es vielleicht gelingen wird, die Stärke tatsächlich aus dem<lb/>
Vertrag herauszuhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_08">Direktor <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> von der AEG beringt einen Bericht aus dem er<lb break="no"/>sichtlich ist, dass die Nettopreisverordnung auf dem Elektrogerätesektor<lb/>
durch Mengenrabatte bis zu 30 % unterfahren wird. Ebenso wird ein 5 %-iger<lb/>
Kassaskonto gewährt. Im Rabattgesetz ist nur 3 % vorgesehen, sodass man<lb/>
dagegen vorgehen könnte. Bei den Mengenrabatten müsste eine handelsübliche<lb/>
Grösse akzeptiert werden und niemand wird natürlich feststellen, könne,<lb/>
welcher Rabattsatz 10, 15, 20 oder mehr Prozent handelsüblich sind, wenn<lb/>
grössere Mengen abgenommen werden. Ich versprach ihm, dass wir dieses<lb/>
Problem im Konsumentenbeirat im Wettbewerbsausschuss behandelt lassen,<lb/>
ohne dass sein Name genannt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte darauf besonders achten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_10">Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__138663">Toder</rs> vom Taxi-Gewerbe bezweifelt den Erhebungsbericht des<lb/>
Marktamtes. Dort wird noch immer ein Bedarf festgestellt. Derzeit gibt<lb/>
es in Wien 2.670 Taxis, bei uns 70–80 Ansuchen, der Magistrat soll<lb/>
nicht 150–180 Ansuchen noch liegen haben. Angeblich haben die<lb/>
Taxler nur mehr 50.– S pro Stunde Umsatz, die Chauffeure selbst verdienen<lb/>
15.– S davon. Zuletzt müssen die Taxivertreter zugeben, dass noch immer<lb/>
140.000 S für eine Konzession bezahlt wird. Im Jahre 1970 waren es<lb/>
sogar noch 250.000 S. 1937 waren allerdings 2.800 Taxis in Wien, die<lb/>
dann allerdings durch eine Notverordnung auf die Hälfte reduziert werden<lb/>
mussten, weil sie nicht mehr ihre Existenz finden konnten. Solange das<lb/>
Marktamt einen Bedarf feststelle, können wir die entsprechenden Ansuchen<lb/>
nicht alle ablehnen. Den Vorschlag, dass wir die Sechs.Monate-Frist ver<lb break="no"/>streichen lassen sollten und dann der Verwaltungsgerichtshof entscheidet<lb/>
lehnte ich aus prinzipiellen Gründen ab. Ich erklärte, das Ministerium<lb/>
sei dazu hier, um Entscheidungen zu treffen und sich nicht auf den Ver<lb break="no"/>waltungsgerichtshof auszureden. Die einzige Zusage, die ich machte, war,<lb/>
dass wir im November/Dezember eine neuerliche Bedarfsfeststellung durch<lb/>
das Marktamt erbitten werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_11">Die Vertreter der Ärztekammer kamen wegen der Gebühren für die Amts<lb break="no"/>ärzte bei der Führerscheinuntersuchungen stand sogar unter Leitung<lb/>
von Dr. <rs type="person" ref="#per__138893">Daume</rs>. Obermde.Rat<add>[?]</add> <rs type="person" ref="#per__139941">Oberndorfer</rs> schilderte neuerdings die Forderung<lb/>
von 32.– auf 165.– und liess dann, um es durch 4 teilbar zu machen, 1.–<lb/>
nach auf 164.– als Satz für die Untersuchung. 164.– deshalb weil die<lb/>
Amtsärzte einen 25 %-igen Abschlag, da sie ja in den Räumen die Bei<lb break="no"/>stellung des Sachaufwandes bereits einen Abschlag jetzt haben. Über<lb/>
die Freischaffenden Ärzte hatten sie sogar den Präsidenten der Vorarl<lb break="no"/>berger Ärztekammer gebeten, weil dort nur freischaffende Ärzte eingesetzt<lb/>
werden, was in den anderen Bundesländern nicht so ist. Diese Forderung<lb/>
konnte ich deshalb leicht abwehren, weil eine Differenzierung zwischen<lb/>
Amtsärzten und zwischen freiberuflichen in der VO nicht möglich ist und<lb/>
auch gar nicht von der Ärztekammer verlangt und erwartet wird. Die Amts<lb break="no"/>ärzte aber müssen sie sich mit dem BKA in Verbindung setzen, denn <rs type="person" ref="#per__135724">Marko<lb break="no"/>vics</rs> selbst hat uns mitgeteilt, dass eben die Amtsärzte während ihrer<lb/>
Dienstzeit in ihrer Eigenschaft als Amtsärzte tätig werden und deshalb<lb/>
keine Entlohnung sondern nur eine Vergütungssatz bekommen können. Dies<lb/>
war auch der Grund, warum 12.000 S ein Höchstlimit für diese Tätigkeit<lb/>
festgesetzt wurde. Ich habe den Ärztekammern noch den Tip, sie sollten ab<lb break="no"/>warten, bis die acht beim Verwaltungsgerichtshof anhängigen Klagen<lb/>
gegen dieses Limit entschieden seien, da sie annehmen, dass dieses Limit<lb/>
garantiert aufgehoben wird. In diesem Fall muss sich dann das BKA aber<lb/>
auch das HM mit der neuen Situation auseinandersetzen. <rs type="person" ref="#per__138893">Daume</rs> meinte noch,<lb/>
es sei fraglich, ob man im BKA einen so schnellen Termin für diese<lb/>
Aussprache bekommen könnte, als dies bei uns im Handelsministerium der<lb/>
Fall war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_12">Ing. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> von das Fa. Bauer wegen Bewässerung wollte, dass ich bei der<lb/>
österr. Kontrollbank intervenieren. Er hat für ein Bewässerungsprojekt in<lb/>
Tunesien 520 Mill. S zu einem 5,5 % Kredit, Laufzeit 15 Jahre, 5 Jahre<lb/>
rückzahlungsfrei bekommen. Jetzt könnte er für ein Anschlussprojekt<lb/>
das 100–180 Mill. ausmacht ebenfalls eine solche Kreditzusage brauchen.<lb/>
Nun hat ihm die Kontrollbank mitgeteilt, dass sie nur mehr für 10 Jahre<lb/>
3 Jahre zahlungsfrei den Kredit gewähren könnte.Die Schweden geben aber 18<lb/>
Jahre, Grossbritannien 22 Jahre und Kanada sogar 40 Jahre. Dies geschieht<lb/>
zwar nicht offiziell aber <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> hat angeblich eine diesbezügliche<lb/>
Unterlage in Tunesien gesehen. Da sein Vertreter der Neffe <rs type="person" ref="#per__139883">Bourguibas</rs> ist,<lb/>
hat er mehr Informationsmöglichkeiten und kriegt vor allem einmal deshalb<lb/>
leichter einen Zuschlag als andere Firmen. Das 40 Mill. S Projekt mit<lb/>
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und derzeit bemüht sich <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs>, eine entsprechende Arbeitsgemeinschaft<lb/>
für Pumpen und landwirtschaftliche Geräte, die die Meliorationen betreffen,<lb/>
mit den Ungarn gemeinsam zu errichten. Ich habe <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> bis jetzt mei<lb break="no"/>stens mit Schreiben, die ihn unterstützen sollten, ausgestattet. Er<lb/>
Mehr konnte und wollte ich auch nicht tun. <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> wird zum Besuch von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs> entsprechende Unterlagen mir schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_13">Da <rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs> der nächste Ministerbesuch ist, bitte ich ihn schon nach den<lb/>
neuen Grundsätzen vorzubereiten. Wenn die entsprechende Sektionslei<lb break="no"/>tung durch Urlaub nicht besetzt ist, bin ich überzeugt davon, würden<lb/>
sich einzelne Referenten in den Abteilungen trotzdem sehr freuen,<lb/>
zu den Besprechungen zugezogen zu werden. Die dafür in Frage kommen<lb break="no"/>den Referenten sollen sich bereits jetzt mit dem entsprechenden Material<lb/>
ausrüsten und könnten z.B. mit <rs type="person" ref="#per__115651">Cifer</rs> entsprechenden Kontakt aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte diese Aktivitäten vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_15">Ob.Senatsrat <rs type="person" ref="#per__139942">Theurer</rs> vom Magistrat ist zwar bereit, mit uns zu kooperieren<lb/>
und entsprechende Leute für uns bereitzustellen. Es zeigt sich aber<lb/>
bereits bei der ersten Aussprache, dass auch er nur ein ganz beschränk<lb break="no"/>tes Reservoir hat. Ich glaube selbst, wenn wir jetzt 20 Dienstposten<lb/>
für das neue Preisbestimmungsgesetz bekommen, wir es kaum möglich<lb/>
sein, diese mit entsprechenden Leuten dann auch tatsächlich zu besetzen.<lb/>
Wir müssen auf alle Fälle auf Leute im Hause zurückgreifen, die von<lb/>
anderen Abteilungen, wo sie vielleicht nicht so dringend gebraucht<lb/>
werden, abziehen sollten. Unsere Personaltaktik sollte so sein,<lb/>
wenn im Hause sich niemand findet, der mit uns kooperierend wirklich aktiv<lb/>
arbeiten will, dann besteht die grosse Gefahr, dass wir von aussen her<lb/>
Leute holen und damit der bereits jetzt vorhandenen Bürokratie ent<lb break="no"/>sprechende Möglichkeiten nehmen. Wenn die ÖVP bemerkt, dass dies einer<lb/>
der Gründe ist, warum wir Abteilungen von Hausfremden besetzen, wird<lb/>
sie sich vielleicht doch zu einer Kooperation bei uns herbeilassen.<lb/>
Derzeit arbeitet sie natürlich nach dem System, seid froh, dass ihr nicht<lb/>
zu arbeiten habt, lasst das Ministerbüro und die paar, die kooperieren,<lb/>
ruhig in der Arbeit ersticken. Dies wird vor allem, wenn wir tat<lb break="no"/>sächlich jetzt auf Grund des Preisbestimmungsgesetzes den Katalog er<lb break="no"/>arbeiten sollen und vor allem dann auch noch eine verwaltungstechnisch<lb/>
einwandfreie Bescheiderstellung durchführen sollen, für uns eine<lb/>
Katastrophe. Derzeit muss <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> diese ganze Arbeit allein machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_16">Wenn wir nicht auf die Handelskammer und Arbeiterkammer und Gewerk<lb break="no"/>schaftsbundleute zurückgreifen könnten, hätten wir keine Chance, eine<lb/>
vernünftige und doch für einen Grossteil der Wirtschaft tragbare<lb/>
Lösung zu finden. In diesem Fall müssten wir, fürchte ich vollkommen<lb/>
kapitulieren. Ich hätte mich eigentlich wehren müssen, dass die Ent<lb break="no"/>lastungssatzregelung ins Handelsministerium kommt. Dadurch müssen<lb/>
wir jetzt eine Arbeit leisten, für die wir personalmässig gar nicht<lb/>
gerüstet sind. <rs type="person" ref="#per__139944">Bauer</rs> wird uns maximal 2 oder 3 Beamte, das habe ich das<lb/>
Gefühl, zur Verfügung stellen. Wir dürfen deshalb die bescheidmässige<lb/>
Erledigung nicht auf eine Abteilung konzentrieren, sondern müssen<lb/>
glaube ich die administrative Arbeit auf das ganze Haus eben viel<lb break="no"/>leicht auf die Branchenreferate verteilen. Wenn ich nämlich zu<lb/>
keiner einvernehmlichen Lösung mit der Handelskammer komme, muss<lb/>
ich rechnen, dass umso mehr Unternehmungen, die individuelle Regelung<lb/>
anstreben werden. Selbst, wenn ich keinerlei Untersuchungen mache,<lb/>
muss doch ein begründeter Bescheid der Ablehnung hinausgehen. Ich<lb/>
kann mir vorstellen, wie die erfahrenen Bürokraten bei uns im Hause<lb/>
schon jetzt triumphieren, dass wir an dieser Arbeit scheitern müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte entsprechende Vorbereitungen über das Prä<lb break="no"/>sidium treffen lassen, damit nicht wir die ausschliessliche Verantwor<lb break="no"/>tung zu tragen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_18">Bei der Verbändebesprechung zwischen Handelskammer, Gewerkschaftsbund<lb/>
und Arbeiterkammer, wo die einzelnen Referenten, die sich mit dem Problem<lb/>
der Mehrwertsteuer beschäftigen, anwesend waren, ersuchte ich im Parlament<lb/>
durchzuführen, damit ich als Zuhörer daran teilnehmen kann. Bei dieser<lb/>
Aussprache zeigte sich, dass die Handelskammer zugibt, doch nicht aus<lb break="no"/>schliesslich auf seriösen Unterlagen aufbauend ihre Entlastungssätze<lb/>
und Entlastungsatzberechnung durchgeführt zu haben. Sie sieht voll<lb break="no"/>kommen ein, dass hier entsprechende Korrekturen vorgenommen werden<lb/>
müssen. Als Ausweg ist ihnen vorgeschwebt, dass halt das Handels<lb break="no"/>ministerium am Ende die einzelnen Sätze als Kompromiss zwischen den<lb/>
Forderungen der Handelskammer und der Arbeiterkammern festlegt. Eine<lb/>
solche Vorgangsweise halte ich deshalb für unmöglich, weil wir dadurch<lb/>
in eine Situation kommen, wo wir die entsprechende Verantwortung für<lb/>
Sätze tragen müssen, die wir nicht einmal im entferntesten prüfen konn<lb break="no"/>ten. Ich habe deshalb <rs type="person" ref="#per__139946">Ivanka</rs>, der die ganzen Fälle bearbeitet hat, und<lb/>
den ich auf die Westbahn bringen konnte, unter vier Augen dann ausein<lb break="no"/><pb n="11-0861" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-05_0861.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>andergesetzt, dass ich erwarte, dass ein Kompromiss zustandekommt, das<lb/>
von allen akzeptiert wird. Wenn dies nämlich nicht der Fall ist und dann<lb/>
die entsprechenden Ansuchen von Unternehmungen auf Individual-Regelung<lb/>
ins Handelsministerium kommen und diese dann noch von der Handelskammer<lb/>
unterstützt, ja sogar forciert werden, kann und muss ich ja dann alle<lb/>
ablehnen. Nach der Begründung gefragt, die im Bescheid auszusprechen ist,<lb/>
erklärte ich, dass ich dies als mangelnde Unterlagen eben generell bei<lb/>
allen Firmen behaupten würde. <rs type="person" ref="#per__139946">Ivanka</rs> versicherte mir, und ich habe keinen<lb/>
Grund, daran zu zweifeln, dass er nach bestem Wissen und Gewissen vorge<lb break="no"/>gangen ist. Die Fachverbände aber, die das Unterlagenmaterial zusammen<lb break="no"/>gestellt haben, wollten natürlich vor ihren Unternehmungen als die da<lb break="no"/>stehen, die sich bis zum Letzten im Interesse des Unternehmens einsetzen.<lb/>
Aus diesem Grund muss es zu einer überhöhten Forderung gekommen sein,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__139946">Ivanka</rs> beim besten willen nicht mehr korrigieren kann und konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-05_19">Nach Schluss dieser Besprechung um 1/4 10 Uhr erreichte mich noch<lb/>
ein Anruf aus Brüssel. wo mir <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> und <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> mitteilten, dass<lb/>
über das Globalabkommen in sehr freundlicher Weise verhandelt würde.<lb/>
Im Vertragstext konnten einige Verbesserungen erzielt werden. Materiell<lb/>
erhofft sich <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs>, dass die Symmetrie doch vom Ministerrat am kommen<lb break="no"/>den Montag dann akzeptiert wird. <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> teilt mir mit, dass am den<lb/>
Vertragstext des Interimsabkommens von der Kommission jetzt inten<lb break="no"/>sivst gearbeitet wird und dass auch mit einer Paraphierung in Kürze zu<lb/>
rechnen ist. Zufällig geht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei diesem Gespräch auch nach Hause und<lb/>
er fragt mich natürlich sofort über die letzten Ergebnisse und hofft<lb/>
noch immer, dass eine Verkürzung für Papier möglich sei, vielleicht<lb/>
im Ministerrat zu erreichen. Er meint sogar, ich sollte gegebenenfalls<lb/>
neuerdings nach Brüssel fliegen, da er annimmt, dass auch Schweden und<lb/>
die Schweiz dort sein werden. Er ist sehr verwundert, eine so grosse<lb/>
Anzahl von jungen Leuten bei mir zu finden und nimmt an, dass ein Gross<lb break="no"/>teil davon meine Beamten sind. Ich erkläre, dass dies die Stützen des<lb/>
Handelsministeriums sind, aber nur 1 Beamter, nämlich <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, und die<lb/>
anderen alle Sozialpartner, mit denen ich bestens zusammenarbeite.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 5.7.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Dersch, Johann</persName>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Leitner, Franz Helmut</persName>
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               <occupation>öst. Botschafter EWG</occupation>
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               <persName type="label">Olszewski, Jerzy</persName>
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               <occupation>(ehem.) poln. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Markovics, Albert</persName>
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               <occupation>Sektionschef und Personalleiter BKA; lt. Sten. Prot. 14, 5051 Vorname
                  Peter</occupation>
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               <persName type="label">Pölz, Johann</persName>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg., Bgm. Amstetten</occupation>
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               <persName type="label">Bíró, Jószef</persName>
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               <occupation>ung. Außenhandelsmin.</occupation>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Vizepräs. Kammer Freie Berufe</occupation>
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               <occupation>Agrarindustrie Gmünd</occupation>
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               <occupation>MR; Falschschreibung?</occupation>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <occupation>KR, Fachverband Beförderungsgewerbe mit PKW (Taxigewerbe)</occupation>
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               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
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               <occupation>Botschafter, Onkel v. Louis Marquet; evtl.
                  Falschidentifikation</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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