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            <title type="main">Dienstag, der  4. Juli 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_01">Dienstag, 4. Juli 1972<lb/>
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genau zu überlegen. Die Zusicherungen, die die NÖ. Landesregierung ge<lb break="no"/>macht hat sind anders als NR <rs type="person" ref="#per__133797">Samwald</rs> in Schlöglmühl den Betriebsräten<lb/>
und mir mitgeteilt hat. Keinesfalls wird also ein Millionen-Schilling-<lb/>
Betrag als Verlustabdeckung a fonds perdu zugeschossen. Die Landesre<lb break="no"/>gierung gibt nur durch 5 Jahre jeweils 2 Mill. S Kredit zu einem 4 %-igen<lb/>
Zinssatz. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> haben dies in der Landes<lb break="no"/>regierung festgestellt. Andererseits kann ich nach einer Rücksprache<lb/>
mit Direktor <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs> von Waldheim-Eberle feststellen, dass diese<lb/>
Firma nicht daran denkt, von Schlöglmühl abzugehen und den Papierbezug<lb/>
auf die Schweiz zu übertragen. Die Schweiz bietet allerdings anstelle<lb/>
von 7.50 S um 1.– S die Papiersorte billiger an. <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs>, mit dem ich<lb/>
spreche, ist bereit, einen längeren Vertrag für den Bezug von gestriche<lb break="no"/>nem Papier mit der Neusiedler abzuschliessen. Direktor <rs type="person" ref="#per__139665">Dauscha</rs> wird<lb/>
diesbezüglich mit Dir. <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs> verhandeln. Niemand glaubt allerdings,<lb/>
dass die Papierpreise sich in der nächsten Zeit durch Erhöhungen wesent<lb break="no"/>lich die Ertragslage von der Papierindustrie und damit auch von der Neu<lb break="no"/>siedler verbessern würde. Nur <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ist bereit, aus der produktiven<lb/>
Arbeitslosenfürsorge einen entsprechenden Betrag von 3 Mill. S a fonds<lb/>
perdu zu geben. Eine Stillegung von Schlöglmühl lässt sich vielleicht<lb/>
unter diesen Umständen noch einige Monate hinauszögern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_03">Im Entlastungsausschuss werden die Vorschläge der Leder- und Schuhindustrie<lb/>
durchbesprochen. Die Schuhindustrie hoffte, dass sie aufgrund der<lb/>
vorgelegten Unterlagen unverzüglich bereits die Zustimmung der Arbeiter<lb break="no"/>kammer und des ÖGB bekommen wird, weil sie im Herbst bereits ihre Kollek<lb break="no"/>tion fix verkaufen muss und daher gerne bereits jetzt die Genehmigung<lb/>
zur Entlastung haben würde. Das Problem der Kapitalkosten ist aber<lb/>
noch nicht endgültig geklärt. Für diesen Anteil hat die Handelskammer<lb/>
keine entsprechenden Entlastungsanteile berücksichtigt. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> hat in<lb/>
seinem Memorandum festgehalten, dass dadurch das Preisniveau um 2–3 %<lb/>
höher ausfällen würde, als wenn man die Abschreibungen und die Verzinsung<lb/>
hier berücksichtigt. Solange also eine solche Grundsatzentscheidung noch<lb/>
nicht gefallen ist und damit die Entlastungssätze, die die Handelskammer<lb/>
auch für die anderen Produkte vorschlägt zu gering sind, kann nicht damit<lb/>
gerechnet werden, dass die Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund<lb/>
eine endgültige Zusage zu Entlastungssätzen gibt. Dies wird ein<lb/>
<pb n="11-0848" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-04_0848.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>äusserst schwieriges Problem. Bei der Sitzung stellt <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> mit<lb/>
Recht fest, dass gerade auf dem Schuhsektor es sich um verschiedene<lb/>
vertikal organisierte Betriebe handelt, und es schwer sein wird, einen<lb/>
einheitlichen Entlastungssatz zu finden. Humanic als total integrierter<lb/>
Betrieb wird am wenigsten entlasten und damit eigentlich die höchsten<lb/>
Schuhpreise verlangen müssen. Selbst dann, wenn die Kapitalkosten berücksich<lb break="no"/>tigt sind. Demgegenüber wird ein Kaufhaus, welches Schuhe zusätzlich<lb/>
erworben hat und führt, eine höhere Entlastung haben. Am meisten aber<lb/>
wird ein kleiner Schustermeister die grösste Entlastung verzeichnen und<lb/>
dann eigentlich den billigsten Preis verrechnen müssen. Dies ist<lb/>
natürlich rein theoretisch, denn in der Praxis wird er sich natür<lb break="no"/>lich nach den grösseren Firmen richten und sofort die Preise nach oben<lb/>
anpassen. Gerade bei den kleinsten Betrieben wird man dies kaum kontrol<lb break="no"/>lieren können. Auf dieses grundsätzliche Problem wird man bei den<lb/>
nächsten Entlastungssitzung, wo wir uns mit den generellen Fragen neuer<lb break="no"/>dings beschäftigen werden, zurückkommen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_04">Im Ministerrat berichtet der Bundeskanzler über die Vereinbarung zwischen<lb/>
der Volkspartei und der Bundesregierung im Zuge der Verhandlungen über<lb/>
das Preisbestimmungsgesetz und über die zu erwartende Bauerndemonstration.<lb/>
Die Demonstration wird eine ganz harte Auseinandersetzung, da Dr. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs><lb/>
vom Bauernbund einen entsprechenden Aufmarsch von Bauern, die tiefe Renten<lb/>
und damit nach Auffassung der Landwirte ein zu geringes Einkommen haben,<lb/>
demonstrieren will, wie schlecht es den Bauern geht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vergleicht<lb/>
das intern mit dem in der Dreigroschenoper organisierten Bettleraufmarsch.<lb/>
Ob er dies dann auch den Demonstranten gesagt hat, resp. den Delegierten<lb/>
die er empfangen hat, weiss ich nicht, da ich am Anfang dieser Verhand<lb break="no"/>lungen die Pressekonferenz im Concordia gehabt habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_05">Über die Finanzierung von Altenwörth und Malta, wo der Bund jeweils<lb/>
600 Mill. S Kapitalaufstockung bei den Draukraftwerken und den<lb/>
Österr. Donaukraftwerken vornimmt, sowie für die Mehrzweckanlage an<lb/>
der Donau 1.000 Mill. bereitstellt, weil es erst im Jahre 1974<lb/>
macht <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den Vorbehalt, dass dies nur nach Massgabe der Budget<lb break="no"/>möglichkeiten erfolgen könnte. Ob dies tatsächlich eine entsprechende<lb/>
Möglichkeit gibt, von den Zusagen Abstand zu nehmen, wenn die Ertragslage<lb/>
des Bundes so schlecht sein sollte, kann ich momentan nicht prüfen.<lb/>
De facto glaube ich, dass damit eine endgültige Zusage von 2,4 Mia. S<lb/>
erfolgt ist. Ich hoffe, dass diese budgetäre Situation für 1974 nicht<lb/>
eintreten wird, dass wir infolge von Fehleinschätzungen des Finanzmini<lb break="no"/><pb n="11-0849" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-07-04_0849.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sters oder von Rückschlag in der wirtschaftlichen Entwicklung die<lb/>
Budgetmitteln nicht bereitstellen könnten. Die E-Wirtschaft hat ca.<lb/>
den doppelten Betrag als notwendig zuerst errechnet. Daraus ersieht<lb/>
man, dass eine wirklich exakte Kalkulation in keinem Fall scheinbar<lb/>
vorliegt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will insbesondere wissen, was bei der Gewerbeordnung<lb/>
Präsentation von uns vorgeklärt ist, da alle anderen immer im Minister<lb break="no"/>rat bei einigermassen bedeutenden Gesetzen viel länger referieren<lb/>
als ich dies tue. Vielleicht war es wirklich von mir ein Fehler, ein<lb/>
so bedeutendes Gesetz auch im Ministerrat, d.h. in einem Kreis,<lb/>
wo man ja niemanden anagitieren sollte, nur ganz kurz ich bitte um<lb/>
Zustimmung, zu referieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_06">Die Pressekonferenz im Concordia ist verhältnismässig nicht gut<lb/>
besucht und noch viel weniger mit Spitzenreportern. Hier bewahrheitet<lb/>
sich, was ich immer wieder vermutet habe, dass dort nur verhältnismäs<lb break="no"/>sig viele Kosten entstehen und nur ausländische Korrespondenten eigent<lb break="no"/>lich als für sie von Neuigkeitswert erscheinen. Die österreichischen<lb/>
Zeitungen sind durch unsere Montagrunde besser informiert und kommen<lb/>
deshalb eigentlich nur mit der zweiten Garnitur zu dieser Presse<lb break="no"/>konferenz. Dabei ist, glaube ich, es das erste Mal, dass von einem<lb/>
Minister bei so einem bedeutenden Gesetzeswerk nicht nur die<lb/>
Spitzenbeamten, also der Sektionschef und eventuell ein Abteilungs<lb break="no"/>leiter, sondern bei uns wirklich jetzt alle davon betroffenen Beamten<lb/>
der Presse vorgestellt werden. Dies müsste eigentlich im Handelsmini<lb break="no"/>sterium bei den Beamten eine gewisse Befriedigung auslösen, da doch<lb/>
damit mein Motto öffentlich dokumentiert ist, wer arbeitet, soll auch<lb/>
in Erscheinung treten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Es wäre interessant, ob dies ein positives<lb/>
Echo im Ministerium ausgelöst hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_08">Die Diskussion mit der ÖVP-Delegation im BKA wurde auch auf den Ball<lb break="no"/>hausplatz übertragen und ich kann bereits bei meiner Ankunft dort<lb/>
feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wenn er spricht, viel zu leise ist und<lb/>
deshalb unten kaum verstanden wird. Ich mache ihn auf diesen Umstand<lb/>
aufmerksam, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> vermutet aber, dass sogar die Arrangeure dieser<lb/>
Übertragung die Lautstärke nur bei den ÖVP-Rednern entsprechend regu<lb break="no"/>lieren und bei den Regierungsmitgliedern gedrosselt hätten. Dies<lb/>
glaube ich nicht, denn ich spreche sofort ganz laut, was <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
nachher veranlasste, mich zu fragen, warum ich denn so geschrien<lb/>
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mit dass meine Auskünfte sofort eine entsprechende Aufmerksamkeit rein<lb/>
durch die Lautstärke erzielt haben. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> selbst wollte von mir wissen,<lb/>
was ich gegen die Liberalisierung von Bruchreis bis jetzt geschehen ist,<lb/>
Ich liess mich auf eine sachliche Diskussion erst gar nicht viel<lb/>
ein, sondern attackierte meine Amtsvorgänger, die die Liberalisierung des<lb/>
Reises eingeführt hätten und wir sollten dies jetzt in Ordnung bringen.<lb/>
Ebenso wendete ich mich ganz entschieden gegen die Auffassung von <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>,<lb/>
der erklärte, dass bei den EG-Verhandlungen die Molkereiprodukte, die von<lb/>
der Landwirtschaft von grösster Bedeutung sind, unberücksichtigt bleiben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> spielte ihr Argument zurück, indem er erklärte, dass sie eine<lb/>
entsprechende ungeschickte jetzt in der Öffentlichkeit bekannte Tatsache<lb/>
dass die Bauernvertreter eine von ihm im Integrationsausschuss vertraulich<lb/>
gegebenen Mitteilung der Öffentlichkeit jetzt bekanntgegeben haben. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs><lb/>
replizierte darauf, dass ich bereits im Parlament erklärt hätte, dass<lb/>
die österreichischen Bauern keine positive Lösung in Brüssel erwarten könne,<lb/>
behauptete das Stenographische Protokoll darüber in der Tasche zu haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, dann sollte er es herausgeben und als er dies nicht hatte,<lb/>
war er sehr blamiert. Obwohl jedermann erkennen konnte, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr<lb/>
froh war, dass er diesen Schlag <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> versetzen konnte und er damit die<lb/>
Sache als erledigt betrachtet und keinesfalls auch die materielle Frage ein<lb break="no"/>gehen wollte – ich hatte nämlich in einem Zwischenruf festgestellt, dass<lb/>
ich niemals erklärt hätte, die Interessen der Bauern seien damit für die<lb/>
Bundesregierung uninteressant, sondern ich habe mich nur dagegen ausge<lb break="no"/>sprochen, dass wir erwarten können, dass die Regelung im Rahmen des EG-<lb/>
Vertrages erfolgen kann – meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, es gäbe hier eben kein Protokoll<lb/>
das Bundeskanzleramt hätte keines, als er darum ersucht wurde, ging Sekt.<lb/>
Chef <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs> dann doch eines holen. Für jedermann war es klar ersichtlich,<lb/>
dass er hier die ÖVP unterstützen wollte, obwohl ich ihm zugutehalte, dass<lb/>
er vielleicht gar nicht überlegt hat, was er damit anstellte. Vielleicht<lb/>
wollte er wirklich nur beweisen, dass das BKA selbstverständlich<lb/>
die Protokolle d. NR besitzt, in Wirklichkeit war es ein ungeheurerer<lb/>
Affront gegen die Aussage des Bundeskanzlers, der ihm erklärte, er besitze<lb/>
ein solches Protokoll am Ballhausplatz nicht. Für mich war das Protokoll<lb/>
aber dann deshalb wertvoll, weil ich tatsächlich zitieren könnte, dass<lb/>
ich ausdrücklich erklärt hätte, wir würden die Interessen der Landwirt<lb break="no"/>schaft auf diesem Sektor nicht vernachlässigen oder gar aufgeben, wenn es<lb/>
im Laufe der Verhandlungen noch etwas im autonomen Regelung zu erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_09">Im Klubvorstand, wo <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> und ich aufgefordert wurden zu erscheinen,<lb/>
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Besprechungen zwischen <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> und mit über das Lebensmittelgesetz<lb/>
nicht ja sogar von <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> falsch informiert wurde. Ich erklärte, dass<lb/>
ich nach wie vor dazu stehe, dass wenn der Klub beschliesst, dass<lb/>
das Handelsministerium keine Kompetenz bekommen sollte, wie dies auch<lb/>
in der Regierungsvorlage vorgesehen ist, darauf keinen Krieg oder auch<lb/>
nur einen Anspruch erheben würde. Ich machte nur darauf aufmerksam, dass<lb/>
das Lebensmittelgesetz, so wie die Regierungsvorlage es vorsieht, schwer<lb/>
administrierbar sein wird. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, die mir im Grund recht, dort<lb/>
sich aber überhaupt nicht zu Wort meldete, hat nachher gemeint, wir müssten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> gemeinsam versuchen zu beruhigen. Wertvoll war im Klub die Unter<lb break="no"/>stützung von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, der rundwegs zugab, dass dieser Gesetzentwurf inner<lb break="no"/>halb von 8 Tagen erstellt werden musste, und daher niemand auch das<lb/>
Handelsministerium nicht die Möglichkeit hatte, seine begründeten Ein<lb break="no"/>wendungen dem Sozialministerium zu sagen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> hat jetzt Dozent<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> den Auftrag gegeben, mit Dozent <rs type="person" ref="#per__131760">Barfuss</rs>, der von der ÖVP als<lb/>
Experten immer wieder bei den Sitzungen erscheint, über Details zu<lb/>
sprechen, um einen neuen Entwurf vorzulegen und diese Mitteilung hat<lb/>
sie dem Klubvorstand vorenthalten, da <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> in Wirklichkeit nur wollte,<lb/>
dass wir uns formell verpflichten, vorher d.h. in der Fraktion alle<lb/>
unsere Wünsche den Genossen mitzuteilen und erst dann im Unterausschuss<lb/>
die entsprechenden Abänderungsanträge zu stellen. Eine Aussprache zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs>, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> und in weiterer Folge <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> und mir zeigt mir<lb/>
deutlich, dass <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> von dem Standpunkt ausgeht, im Handelsministerium<lb/>
ist bis jetzt nur ein ÖVP-Minister gesessen der alle Wünsche der Sozial-<lb/>
u. Gesundheitsminister abgelehnt hat und in Hinkunft könnte dies auch so<lb/>
sein, deshalb die entsprechenden Gesetze und Verordnungen ebenfalls unter<lb/>
Mitwirkung des Handelsministerium gemacht werden sollen. Dies führt so<lb/>
weit, dass man uns sogar die Mitkompetenz bei der Einfuhr, die wir aller<lb break="no"/>dings derzeit auch nicht haben, keinesfalls geben will, wohl aber dem<lb/>
Finanzminister. <rs type="person" ref="#per__98069">Ich</rs> erklärte, dass die seinerzeitigen Vereinbarungen<lb/>
zwischen Sozial- und Handelsministerium unter meiner Führung so gelautet<lb/>
haben, dass die Täuschung und Kennzeichnung, soweit sie das Geldbörsel<lb/>
betreffen vom Handelsministerium, soweit sie die Gesundheit betreffen<lb/>
vom Sozialministerium getroffen werden sollten. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> wollte von<lb/>
uns unsere konkreten Wünsche haben und sie wird sich dann dafür einsetzen<lb/>
und so hoffe ich auch durchsetzen, diese im neuen Entwurf, resp. in den<lb/>
Abänderungsanträgen zu berücksichtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_10">Im Klub selbst berichtete <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über die Regelung der Bezüge der<lb/>
Abgeordneten und dass durch die erholten Bruttobezüge auch der<lb/>
Klubbeitrag um 10 % auf 7 % herabgesetzt werden kann und damit<lb/>
dieselben Einnahmen des Klubs gesichert sind, ca. 2,5 Mill. S wie<lb/>
bisher. Anstelle der 1.850.– S pro Monat wird jetzt die Staffelung<lb/>
1.535.– bis 1.977.– je nach der Dauer der Angehörigkeit zum NR<lb/>
für dein einzelnen Angeordneten betragen. Die Herabsetzung des per<lb break="no"/>zentuellen Klubbeitrages war deshalb möglich, weil natürlich dieser<lb/>
Beitrag vom Bruttobezug gerechnet wird und der durch den Abzug der Steu<lb break="no"/>ern ja in Hinkunft wesentlich erhöht wird. Wenn tatsächlich der<lb/>
Klub nicht mehr einnimmt, dann wäre wirklich die Regelung wie sie<lb/>
jetzt kommt, für die Abgeordneten einkommensneutral. Dies glaube ich<lb/>
allerdings nicht. Dies trifft sicher nur zu, wenn doch bedeutende<lb/>
Nebeneinkommen wie z.B. eben bei Beamten Gehaltsbezug <choice><choice><sic>Un</sic><corr>und?</corr></choice></choice> damit<lb/>
im Zusammenlegen mit dem 50 %-igen Nationalratsbezug eine höhere<lb/>
Progression sich ergibt. Auch die gilt glaube ich nur für die<lb/>
höheren Beamtengruppen. Ich fürchte, dass die Zeitungen dann letzten<lb/>
Endes doch die Einzelfälle durchrechnen werden und dies wird in der<lb/>
Öffentlichkeit kein gutes Bild geben. In meiner Forumdiskussion werde<lb/>
ich deshalb hart attackiert werden.<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom ÖGB sowie einem Universitätsprofessor und einem<lb/>
Praktiker teilzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> erklärte sofort, er hätte vorgeschlagen,<lb/>
dass ich diese Diskussion übernehmen sollte, weil er ja letzten<lb/>
Endes bei dieser ganzen Gesetzesregelung nur mehr die Überwachung,<lb/>
bis das grosse Kompetenzgesetz in Kraft tritt, durchzuführen hätte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meinte dann noch zu mir, er wollte diese Materie nicht auf<lb/>
mich abschieben und vor allem mich nicht in die Live-Diskussion<lb/>
beim Fernsehen hineinhetzen, aber er fühle sich wirklich dafür nicht<lb/>
zuständig, obwohl diese Materie sicherlich nicht lustig wird im<lb/>
Fernsehen zu behandeln, habe ich trotzdem selbstverständlich<lb/>
sofort zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_12">Bei meinem Bericht im Klub der Mandatare auf der Landstrasse konnte<lb/>
ich feststellen, dass natürlich ein Teil der Genossinnen und Genossen<lb/>
die Preisregelung bei Fleisch so aufgefasst wissen wollte, dass man eben<lb/>
nicht Höchstpreise nach den höchsten häufigsten Preisen, sondern womöglich<lb/>
nach den tiefsten Preisen bestimmt. Für uns war es daher direkt ein Glücks<lb break="no"/>fall, dass die Fleischindustrie erklärte, zu diesen Preisen die Produk<lb break="no"/>tion einstellen zu müssen, was niemand allerdings ernstlich erwartet.<lb/>
Dadurch, dass einzelne Fleischhauer unter den Höchstpreisen bis<lb/>
jetzt Wurst und Fleischwaren verkauften und ich hoffe auch in Hinkunft ver<lb break="no"/>kaufen werden, glaubt die Bevölkerung und vor allem auch unsere Funktio<lb break="no"/>näre, man hätte den Preis eben nach dem tiefsten Preis als Höchstpreis<lb/>
festsetzen müssen. Schon daraus ergibt sich, dass jede Preisfestsetzung<lb/>
d.h. <choice><choice><sic>einfang</sic><corr>?</corr></choice></choice> von Marktpreisen in eine Regelung auf die Kritik zumindestens<lb/>
eines Teil auch unserer Funktionäre stosst. Wenn nun im Laufe dieser<lb/>
Preisfestsetzung in den nächsten Monaten z.B. durch die zu erwartende<lb/>
Lohnbewegung der Fleischereiarbeiter eine entsprechende Korrektur wird<lb/>
erfolgen müssen, wird dies neuerdings in der Öffentlichkeit zu unangeneh<lb break="no"/>men Diskussionen führen. Andererseits zeigte ich aber, dass gerade die Preis<lb break="no"/>festsetzung und damit die scheinbare Eindämmung von Preiserhöhungen das Echo<add>[?]</add><lb/>
in den Massenmedien ergibt, dass die Regierung jetzt endlich etwas<lb/>
macht, Nach meiner Meinung könnte man dies propagandistisch am besten da<lb break="no"/>durch auswerten, dass man der Industrie, dem Handel und Gewerbekreisen<lb/>
erklärt, die ÖVP hätte ja immer behauptet, die Regierung sollte eben die<lb/>
Preisregelung für Fleisch anwenden. Wenn man dies aber sagt, dann kommt die<lb break="no"/>se Massnahmen der ÖVP zugute.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-07-04_13">Beim Empfang für den polnischen Minister <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> teilte mir dieser und<lb/>
insbesondere Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__139949">Lachowski</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add> mit, dass sie grosses Interesse<lb/>
daran haben, dass die VÖEST einen grossen Auftrag für die neu zu ver<lb break="no"/>gehende Raffinerie bekommen soll. Sie stellen sich vor, dass dies eine<lb/>
Grössenordnung von 10–12 Mill. $ haben könnte. Sie werden den General<lb break="no"/>kontrakt, <rs type="person" ref="#per__139950">Manprozeti</rs>, ersuchen, auch die VÖEST zur Anbotsstellung heranzu<lb break="no"/>ziehen. In Wirklichkeit konnte ich dann unter sechs Augen feststellen, dass<lb/>
die Möglichkeit der Lieferung an den finanziellen Bedingungen hängen<lb/>
wird. Die Italiener, vor allem aber die Franzosen werden derartig günstige<lb/>
finanzielle Konditionen bieten, sodass ich fürchte, dass die VÖEST schwer<lb/>
wir mitkommen können. Ähnliches gilt wahrscheinlich auch bei der Melamin<lb break="no"/>anlage, welche die ÖSW gemeinsam mit der VÖEST nach Polen liefern möchte,<lb/>
der Fall sein. Wenn allerdings eine Firma imstande ist, eine entsprechende<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 4.7.1972</head>
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            <head>Tagesordnung 33. Ministerratssitzung, 4.7.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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