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            <title type="main">Freitag, der 23. Juni 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_01">Freitag, 23. Juni 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_02">In der letzten Sitzung des Ausschusses für die Mehrwertsteuer-Ent<lb break="no"/>lastung habe ich einen Fehler gemacht. als ich <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> fragte, warum<lb/>
er sich so weit unten placiert hat. Diesmal sass er schon am Kopf<lb/>
links von mir. Natürlich sass rechts Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> und es war klar<lb/>
ersichtlich, dass er in Wirklichkeit die Arbeit und auch diesen Aus<lb break="no"/>schuss führt. Wenn <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> eine Bemerkung machte, dann so leise<lb/>
und nur zu mir, damit die Handelskammer wahrscheinlich nicht seine<lb/>
Auffassung kennen lernt. Die Handelskammer hat ihr Extremprogramm<lb/>
vorgelegt. Danach soll nicht nur ein Massnahmenkatalog, ohne dass die<lb/>
Abschreibungsquote berücksichtigt werden, erstellt werden, sondern es<lb/>
soll auch noch eine gewisse Marge jedem Unternehmer gegeben werden, damit<lb/>
das System leichter administriert werden kann. Zuletzt dann hätte noch<lb/>
jedes Unternehmen die Möglichkeit, wenn auch damit nicht das Auslangen<lb/>
gefunden wird, individuelle Anträge beim Handelsminister um Festsetzung<lb/>
seines Entlastungssatzes zu stellen. Hier flüsterte mit <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> zu,<lb/>
dass er Durchschnittssätze nicht durch eine Marge noch weiter ausgedehnt<lb/>
werden können. Als ich ihm darauf das Wort gab, meinte er, er hätte<lb/>
nichts zu sagen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, ÖGB, und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, Arbeiterkammer, waren sehr<lb/>
aufgebracht über diesen Vorschlag. Von der Bundeskammer war noch ein<lb/>
gewisser Dr. Dr. <rs type="person" ref="#per__139985">Ettel</rs>, den ich nicht näher kenne und der sich sehr<lb/>
ungeschickt benommen hat, anwesend, er hat nämlich aggressiv agiert, um<lb/>
diese Forderung zu vertreten. Fast wäre die Sitzung geplatzt. Da ich<lb/>
sowieso in die Fraktion des Finanzausschusses gehen mussten und <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
mir erklärte, dann verlässt auch er die Sitzung, weil er nicht unter<lb/>
– was ich verstehe – <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> agieren will, versuchte ich, das ganze<lb/>
zu retten, indem ich erklärte, wir würden jetzt abwarten, was die<lb/>
Politiker zu den einzelnen Bestimmungen sagen. Da der ÖVP-Entwurf<lb/>
über die Preiskontrolle einen Passus enthält, wonach eben die Ab<lb break="no"/>schreibungsquote nicht berücksichtigt werden darf, muss es bei den Ver<lb break="no"/>handlungen über dieses Preisgesetz zu einer Klärung kommen, was auf<lb/>
höchster politischer Ebene noch akzeptiert werden kann. Auf diesem Sektor<lb/>
wird es noch grosse Schwierigkeiten geben. Die Lösung mit der Marge<lb/>
für die Unternehmer ergibt sich zweifelsohne daraus, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht<lb/>
genau durchgedacht hat, als er nur den mechanischen Effekt der Entlastungs<lb break="no"/>berechnung verlangt hat. Wenn wir nämlich jetzt wirklich nur eine Durch<lb break="no"/>rechnung machen, dann muss es dazu kommen, dass die vertikalen organisiert<lb/>
Betriebe weniger entlasten, als z.B. die kleinen Betriebe, die bis<lb/>
jetzt alle Umsatzsteuerphasen jeder für sich bezahlen mussten. Nicht ent<lb break="no"/><pb n="11-0795" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-06-23_0795.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lastet würden jetzt diese kleinen Betriebe eine harte Konkurrenz gegen<lb/>
die vertikal organisierten Grossläden, Grosskaufhäuser mit eigener<lb/>
Produktion sein. Da dies kaum zu erwarten ist, möchte eben <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
die Handelskammer, dass der Markt dann entscheidet, welcher Preis letzten<lb/>
Endes kommt. Dies ist ja mit ein Grund, warum er jedwede sonstige Preis<lb break="no"/>regelung bis jetzt abgelehnt hat. Die ÖVP steht auf dem Standpunkt, dies<lb/>
müsste die Paritätische Kommission so wie bis jetzt handhaben. In diesem<lb/>
Fall allerdings, wo am 1. Jänner fast alle Preise neu kalkuliert und<lb/>
erstellt werden, hätte die Paritätische Kommission überhaupt keine Mög<lb break="no"/>lichkeit, innerhalb der Laufzeit des Preiskontrollgesetzes, d.h. bis<lb/>
30. September 1973, auch nur annähernd festzustellen, welche ungerechten<lb/>
Preiserhöhungen durchgeführt wurden. Jede Firma würde erklären, dass sie<lb/>
zwar richtig entlastet, denn dies verlangt ja das Gesetz, wohl aber dann<lb/>
eben Kostenverteuerungen im Preis einkalkuliert haben, und aus diesem<lb/>
Grund den Preis angepasst z.B. dem Grossunternehmer oder den Markt<lb break="no"/>verhältnissen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_03">Da die Parteienverhandlungen über das Preisgesetz am Montag auf Experten<lb break="no"/>ebene geführt werden und da insbesondere ich erfuhr, dass die Arbeiterkam<lb break="no"/>mer, Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, zumindestens nicht einmal davon verständigt wurde, er<lb break="no"/>suchte ich <rs type="person" ref="#per__139939">Wanke</rs>, dass er sich mit der Arbeiterkammer ins Einvernehmen<lb/>
setzt, um sie zumindestens zu informieren. Aus diesem Beispiel zeigt<lb/>
sich für mich, dass wenn man eine Organisation nicht ununterbrochen ein<lb break="no"/>schaltet, es sehr bald sein kann, dass man aus den Verhandlungen hinaus<lb break="no"/>gedrängt ist. Vielleicht war es Zufall, vielleicht aber auch Absicht,<lb/>
dass die Arbeiterkammer in dem Fall nicht beigezogen wurde. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, den<lb/>
ich darauf aufmerksam machte, meinte, es seien eben politische Bespre<lb break="no"/>chungen und die Arbeiterkammer sei halt von der Partei nicht nominiert<lb/>
ich glaube kaum, dass dies der Weg war, wie es zur Ausschaltung der<lb/>
Arbeiterkammer gekommen ist, sondern eher, dass eine begrenzte Anzahl<lb/>
von Teilnehmern nur nominiert werden kann, es bestand die Absicht<lb/>
drei oder vier, und man einigte sich dann auf <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>,<lb/>
ohne eigentlich in einem Gremium dies zu besprechen oder zu beschliessen.<lb/>
Ich bin auch genauso überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> dies auch gar nicht absichtlich<lb/>
getan hat, sondern eben <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> ersucht hat, er soll zu den Ausspra<lb break="no"/>chen kommen, und der erklärte eben, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> mitzunehmen. Damit war das Kontin<lb break="no"/>gent von drei erschöpft. Zweifelsohne spielt aber auch im Gewerkschafts<lb break="no"/>bund eine grosse Rolle, dass <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> jetzt manchmal in einigen Punkten<lb/>
<pb n="11-0796" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-06-23_0796.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sehr einen eigenen und radikalen Standpunkt vertritt und insbesondere<lb/>
aber <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> manchmal sehr unnachgiebig bei Verhandlungen erscheint.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_04">Die Fraktion des Finanzausschusses stand primär natürlich das Interesse<lb/>
für die weiteren Verhandlungen über die Politikerbezüge und -besteuerung<lb/>
im Vordergrund. Die Klubobmänner hatten sich im Unterausschuss noch<lb/>
immer nicht über die endgültige Fassung der Politikerbezüge einigen können<lb/>
Übereinstimmend wollten alle drei Parteien die Lösung finden, dass kein<lb/>
einzelner weniger Bezüge hat als bisher. Dadurch kommt es zu künstlichen<lb/>
Konstruktionen, die 12 % Zulage für Abgeordneten, die mindestens 3 Ausschüs<lb break="no"/>sen angehören usw. Das Endergebnis ist, dass dann natürlich in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit und insbesondere die Presse ein solches "Feilschen" als Moment<lb/>
unwürdig bezeichnen werden. In Wirklichkeit geht es hier, genauso<lb/>
wie bei allen anderen Vertragsverhandlungen, wo es um Einkommen geht,<lb/>
darum, dass eben manche nicht schlechter gestellt werden können und bei<lb/>
dieser Regelung viele dann teilweise sogar mehr verdienen werden. Für<lb/>
die zusätzlichen Verdiener, d.h. ob es Beamte sind, ob es Freiberufler<lb/>
sich oder auch Arbeitnehmer, die freigestellt sind, wird es durch ihr<lb/>
zweites Einkommen ja zu einer grossen Enttäuschung führen, wenn die end<lb break="no"/>gültigen Steuerabrechnungen dann vorliegen werden. Da die anderen Parteien<lb/>
an dieser Regelung mindestens genauso interessiert sind wie die Soz. Partei<lb/>
ja vielleicht sogar, ich kenne die Detailverhandlungen nicht, von<lb/>
ihnen mehr Vorschläge für eine Besserstellung für gewisse Abgeordnete<lb/>
vorgeschlagen werden, wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> letzten Endes als Person ganz gut<lb/>
bei dieser Politikerbesteuerung und Bezugserhöhung davonkommen. Da er<lb/>
auf einen ihm jetzt zustehenden 40 %-igen höheren Gehalt als die Mini<lb break="no"/>ster verzichtet hat, wird man ihm kaum vorwerfen können, dass er bei<lb/>
dieser Gelegenheit eine für sich günstige Lösung vorgeschlagen hat,<lb/>
ganz im Gegenteil. Da bei ihm der Beamtenbezug ruht, wird er wesentlich<lb/>
schlechter gestellt als z.B. die Präsidenten des Nationalrates oder<lb/>
die Verfassungsrichter, aber sicherlich auch wie manche Abgeordnete.<lb/>
Das kann und wird ihm entsprechende Sympathien eintragen bei Leuten<lb/>
die objektiv urteilen und das Problem nur demagogisch betrachten. Die<lb/>
KPÖ und wahrscheinlich auch viele andere, werden zwar erklären,<lb/>
jetzt haben sich die Leute die Gehälter entsprechend erhöht und zahlen<lb/>
dann nur einen Bruchteil davon Steuer. Wieweit diese Propaganda in die<lb/>
Bevölkerung eingeht und Beachtung findet, kann ich nicht feststellen.<lb/>
Ich habe aber grosse Angst gehabt, als der Problem der Politikerbesteuerung<lb/>
und der Bezugserhöhung in Angriff genommen wurde, dass gerade diese<lb/>
<pb n="11-0797" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-06-23_0797.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Argumentation auf die Bevölkerung gut wirken wird und verheerende Folgen<lb/>
haben könnte. Mir ist immer das Beispiel von England, als die Labour-<lb/>
Regierung die Bezüge wesentlich erhöht hat, vor Augen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_05">Im Finanzausschuss, wo eigentlich eine unbedeutende Tagesordnung, ausser<lb/>
diesem Punkt Politikerbezüge, zur Debatte stand, hätte ich erwartet, dass<lb/>
sie ohne viel Aufhebens über die Bühne geht. Zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung musste ich aber feststellen, dass einige Punkte von der ÖVP<lb/>
hart kritisiert wurden und vor allem sehr detaillierte Auskünfte vom<lb/>
Minister verlangt wurden, besonders der Gesetzentwurf, wonach der Bund ein<lb/>
Grundstück tauscht. Gegen entsprechende Kunstwerke von <rs type="person" ref="#per__127193">Wotruba</rs> hat die ÖVP<lb/>
heftigst opponiert. MR <rs type="person" ref="#per__139988">Zatschek</rs> vom FM, der die Grundstücktransaktionen<lb/>
macht, flüsterte mir zu, dass dieses Projekt bereits 5 Jahre alt ist.<lb/>
Die Gemeinde Wien will <rs type="person" ref="#per__127193">Wotruba</rs> ein neues Atelier bauen, das jetzt von<lb/>
ihm benützte, muss er, nachdem er die Professur zurückgelegt hat, räumen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127193">Wotruba</rs> ist bereit, dafür Skulpturen und Gussrechte dem Bund zu geben.<lb/>
Die Gussrechte sollen nach Gutachten des Unterrichtsministeriums 5,5 Mio. S<lb/>
wert sein. Die ÖVP und auch die FPÖ prangerten nun an, dass es sich hier<lb/>
um eine unklare Rechtslage handelt.<add>[Wenn]</add> <rs type="person" ref="#per__127193">Wotruba</rs> das Atelier bekommen soll,<lb/>
dann soll man mit ihm einen Vertrag von der Gemeinde schliessen. Dann<lb/>
müsste das Grundstück an die Gemeinde verkauft werden und nicht jetzt<lb/>
durch eine Leistung <rs type="person" ref="#per__127193">Wotrubas</rs> ein Tausch zwischen Grundstück gegen Kunst<lb break="no"/>werke vorgeschlagen werden. Hätte ich nun erwartet, dass die Finanzbüro<lb break="no"/>kratie alle diese Probleme nicht nur durchgedacht. sondern schon den<lb/>
besten Weg auch dem Minister vorschlägt. Statt dessen, meinte der Mini<lb break="no"/>sterialrat, ja es wäre besser, wenn wirklich ein Kauf zwischen Finanz<lb break="no"/>ministerium und Gemeinde Wien erfolgen könnte. Da aber die Gemeinde,<lb/>
wie er mir flüsterte, nicht bereit ist, für dieses Grundstück etwas zu<lb/>
bezahlen, sei man auf diesen Ausweg verfallen. Jetzt wurde dann doch dieser<lb/>
Tagesordnungspunkt zurückgestellt. Bei dem Gesetz über die Änderung der<lb/>
Bundesabgabenordnung entspann sich eine lebhafte Diskussion, da die ÖVP<lb/>
gleichzeitig einige andere Punkte z.B. die bargeldlose Überweisung geregelt<lb/>
haben wollte. In diesem Fall ist wieder <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> in die Bresche gesprungen<lb/>
und hat sehr gute Detailinformationen gegeben und auch darauf hingewiesen,<lb/>
dass eine solche Einzelregelung jetzt nicht sehr zielführend ist. Die Finanz<lb break="no"/>bürokratie hat mir nur flüstern können, dass dieses Problem bekannt sei und<lb/>
dann man im Herbst über diese Wünsche im Zusammenhang mit der Automatisierung<lb/>
der Bundesabgabenordnung sowieso verhandeln müsse. Eine stichwortartige<lb/>
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zu bekommen und ich habe mich mit unseren Beamten teilweise wieder<lb/>
ausgesöhnt. Scheinbar sind Beamte nur imstande, nach reiflicher Über<lb break="no"/>legung und bis ins letzte Detail alles durchdenkend einen Akt in Ruhe<lb/>
anzulegen und sind nicht imstande schlagartig irgendwelche Angriffe<lb/>
zu reagieren. Wenn man im Parlament zuhören muss, was der fragende<lb/>
Abgeordnete gerade vorbringt, ist es ungeheuer schwer, sich ellen<lb break="no"/>lange Ausführungen, die meistens noch Nebensache sind, von Beamten gleich<lb break="no"/>zeitig anzuhören. Ähnlich war es bei dem Tagesordnungspunkt über die<lb/>
Anleihe für Ranshofen. Hier wollte die Opposition insbesondere Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97472">Glaser</rs> betätigen sich in diesem Ausschuss sehr aktiv, neben natürlich<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__139684">Neuner</rs>, der die Steuerfragen sehr ins einzelnen genau kennt, nicht<lb/>
nur Detailinformationen über die Anleihe sondern auch über die gesamte<lb/>
Gestion der verstaatlichten Aluminiumwerke. Soweit ich aus dem Stegreif<lb/>
antworten konnte, waren sie mit den Ausführungen aber doch nicht ganz<lb/>
zufrieden. Zufällig sass wegen des ERP-Berichtes <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> neben mir, doch<lb/>
auch er konnte mir keinerlei Detailinformationen geben. Zu diesem Tages<lb break="no"/>ordnungspunkt hätte ich mir müssen meine seinerzeitigen Aufzeichnungen<lb/>
über Ranshofen und die Stromverhandlungen mitnehmen. Leider habe ich<lb/>
dies unterlassen. Zusammenfassend habe ich bei dieser Vertretung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> einiges gelernt, nämlich dass es wirklich ein furchtbares<lb/>
Arbeitsgebiet ist, welches der Finanzminister zu bewältigen hätte.<lb/>
Heute mehr denn je, vertrete ich die Meinung, dass dieser mörderische<lb/>
Job nur dadurch erleichtert werden könnte, wenn man das Ministerium<lb/>
doch in mehrere andere Ministerien aufteilt. Da ich aber überzeugt<lb/>
bin, dass jeder Finanzminister nach kürzester Zeit die jetzige Kom<lb break="no"/>bination, wo er unheimlich viel Einfluss hat, doch den Nachteil, dass<lb/>
er sich um Detailfragen kaum mehr kümmern kann, den Vorzug gibt, wird<lb/>
es kaum zu einer Änderung in absehbarer Zeit kommen. Natürlich kann ein<lb/>
Finanzminister auf alle Anfragen der Opposition im Ausschuss über um<lb/>
Unterausschuss schweigen. Das Schweigen kann entweder eine wirkliche<lb/>
Missachten des Anfragenden sein, dies behauptet eben die ÖVP jetzt<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> oder vielleicht aber auch eine einzige Möglichkeit, sich<lb/>
in Details sich nicht fangen zu lassen und womöglich bindende Auskünfte<lb/>
zu geben, über die man sich nachher ärgert, wenn man eine entsprechende<lb/>
Detailinformation dann besitzt.<lb/>
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mit <rs type="person" ref="#per__139771">Schumann</rs> eine entsprechende Informationsaussprache bei seinem<lb/>
Besuch führen sollten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat jetzt in Brüssel ausser dem<lb/>
belgischen Aussenminister <rs type="person" ref="#per__138869">Harmel</rs>, auch den Präsidenten <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> getroffen.<lb/>
Er hat den Eindruck, dass-H in der Kommission die Leute so überarbeitet<lb/>
sind, dass sie fast schon während des Gespräches förmlich einschlafen.<lb/>
weitere schwere Verhandlungen seien deshalb schon aus physischen Momenten<lb/>
gar nicht mehr möglich zu führen. <rs type="person" ref="#per__136835">Dahrendorf</rs>, den er auf dem Gang ge<lb break="no"/>troffen hat, hat ihm mitgeteilt, dass <rs type="person" ref="#per__126262">Barre</rs>, der Vizepräsident der<lb/>
Kommission, von Wien zurückgekommen sei und erklärt hätte, er hätte<lb/>
den Eindruck und man hätte ihm dies auch gesagt, dass Österreich den<lb/>
Vertrag unter allen Umständen unterschreiben wird. <rs type="person" ref="#per__136835">Dahrendorf</rs> meint, damit<lb/>
hätte sich seine Position, wo er doch immer wieder Verbesserungen für<lb/>
Österreich durchsetzen will, wesentlich verschlechtert. Da ich eine solche<lb/>
Erklärung bei meinen Besprechungen mit <rs type="person" ref="#per__126262">Barre</rs> nie abgegeben habe, sondern<lb/>
ganz im Gegenteil, mit Nachdruck verlangt habe, es müsste eine ent<lb break="no"/>sprechende Reziprozität und auch bei sensiblen Produkten und auf dem<lb/>
Landwirtschaftssektor noch etwas erreicht werden, versuchte ich von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> zu erfahren, wieso <rs type="person" ref="#per__126262">Barre</rs> zu so einer Auffassung kommen<lb/>
könnte. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meint, übers Telefon liesse sich das schwer er<lb break="no"/>klären, doch wir würden später einmal darüber reden. Die Aussprache<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__139771">Schumann</rs> findet freitags statt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_07">ANMERKUNG: Bitte Termin vormerken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-23_08">Die Diskussion mit den Sozialakademikern ist für mich ungeheuer wichtig,<lb/>
weil ich ja doch damit einen gewissen Kontakt mit zukünftigen Funktionären<lb/>
aufrechterhalte. Natürlich ist auch in diesem Jahrgang die Diskussions<lb break="no"/>beteiligung immer nur auf ein halbes Dutzend beschränkt. Die anderen,<lb/>
die schweigende Mehrheit kann ich leider nicht ergründen, wie sie über Prob<lb break="no"/>leme denken und wie weit sie überhaupt noch unsere Politik akzeptieren<lb/>
oder zumindestens versuchen noch zu verstehen. Die Diskussion hat mir<lb/>
aber klargemacht, dass ein Teil auch unserer Funktionäre heute schon<lb/>
das zurückhaltende Arbeiten des Gewerkschaftsbundes nicht goutieren.<lb/>
Bei anderen Interessensgruppen, ob das jetzt Ärzte oder Bauern sind, so<lb/>
wurde gesagt, würden durch Demonstrationen und durch aggressives Auftreten<lb/>
für ihre Gruppen, die bereits wesentlich mehr haben als die Arbeiter<lb/>
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Obwohl ich ihnen ziffernmässig nachweisen konnte, dass dies nicht der<lb/>
Fall ist, gerade die Bauern sind ja nicht mit Preiserhöhungen sehr ge<lb break="no"/>segnet, habe ich doch, den Eindruck, dass immer stärkere eine gewisse<lb/>
Aversion gegen unsere vernünftige Politik des Gewerkschaftsbundes<lb/>
Platz greift. In der Oppositionszeit wurde zwar auch keine andere<lb/>
Politik gemacht, aber es wurde mit viel Propaganda entsprechend vorbe<lb break="no"/>reitet und entsprechend durchgeführt und hat dann den Eindruck hinter<lb break="no"/>lassen, als wenn wir damals radikaler vorgegangen wären. Jetzt erreichen<lb/>
wir zumindestens genauso viel, sei es in der Steuerpolitik, in der Steuer<lb break="no"/>politik oder in der Lohnpolitik, und trotzdem wird dies von der Masse<lb/>
der Arbeiter und wahrscheinlich auch von einem Teil der Funktionäre<lb/>
der immer grösser werden wird, nicht verstanden oder anerkannt. Es<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 23.6.1972</head>
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               <persName type="label">König, Friedrich</persName>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <persName type="label">Dahrendorf, Ralf</persName>
               <persName><surname>Dahrendorf</surname><forename>Ralf</forename></persName>
               <occupation>dt.-brit. Politiker/Soziologe</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Marsch, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName><surname>Hofstetter</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>frz. Außenmin. bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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