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            <title type="main">Montag, der  5. Juni 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_01">Montag, 5. Juni 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_02">Beim Fremdenverkehrstag hat bei den Begrüssungsansprachen sofort<lb/>
bemerkt, dass er ursprünglich gar nicht als Redner vorgesehen war<lb/>
und er sich umso mehr jetzt freut, dass er jetzt Gelegenheit hat,<lb/>
das Wort zu ergreifen. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, den ich sofort fragte, erklärte mir,<lb/>
dass ursprünglich die Absicht war und er hätte dies mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> so<lb/>
besprochen, dass es eine Arbeitssitzung wird und damit die Begrüssungs<lb break="no"/>redner so wenig wie möglich vorgesehen waren. Es sollte nur <rs type="person" ref="#per__137905">Wallner</rs><lb/>
als Bürgermeister und <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> als Sprecher der Landeshauptleute zu<lb/>
Worte kommen. Es war taktisch vollkommen falsch und mir vor allem<lb/>
nicht bekannt. Wenn wir die Sozialpartner bei dieser Gelegenheit<lb/>
nicht zur Wort kommen lassen, müssten wir wissen, dass sie natürlich<lb/>
dann sofort irgendwo mit einem negativen Votum reagieren werden.<lb/>
Ich weiss nicht, ob wir auf die Dauer eine Sozialpartnerschaftspolitik<lb/>
werden machen können. Solange dies aber möglich ist, müssen wir den<lb/>
einzelnen Kammern Gelegenheit geben, das Wort zu ergreifen. LH <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs><lb/>
hat mir bereits in seinem Brief geschrieben, dass er die Möglichkeit<lb/>
der Ansprache als Auszeichnung empfindet und hat dann auch natürlich<lb/>
eine Erklärung der Stellung der Länder zu den Fremdenverkehrswünschen<lb/>
und -konzepten des Handelsministeriums gegeben. Als einzigen Aufhänger<lb/>
gegen mich konnte er nur die Bemerkung in der IFES-Studie über eine<lb/>
gewisse Konzentration im Fremdenverkehr und Zentralisierung bei der<lb/>
Beratung und bei der Werbung aufführen. Er war allerdings loyal genug,<lb/>
auch in der Pressekonferenz und wie ich hörte dann auch im Fernseh<lb break="no"/>interview, zu erklären, dass dies sicher nicht gegen den Handelsmini<lb break="no"/>ster gerichtet ist, der immer schon den Wünschen der Länder hier weitest<lb break="no"/>gehend entgegengekommen ist. Nebenbei bemerkt, ich könnte gar nicht<lb/>
anders, wenn ich es auch wollte, denn zur Kompetenzänderung ist als<lb/>
Verfassungsbestimmung die Zweidrittelmehrheit notwendig, die wir<lb/>
niemals bekommen würden, wenn wir eine Zentralisierung des Fremden<lb break="no"/>verkehrs oder eine Verbundlichung wünschten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_03">Mein Referat konnte ich idealst vorbereitet halten. Einerseits hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mir ein umfangreiches Ziffernmaterial zusammengestellt und<lb/>
andererseits ich die Möglichkeit durch Kontakte, die ich vorher schon<lb/>
mit einigen Teilnehmern hatte oder durch Bezugnahme auf die<lb/>
Begrüssungsansprachen äusserst lebhaft und vor allem aktuell einen<lb/>
Teil meiner Rede gestalten. Die Teilnehmer, die zu 90 % politische<lb/>
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zu diesem Fremdenverkehrstag gekommen. Nach meinem Referat gab es<lb/>
eine 15 Minuten dauernde Pause, um eine Pressekonferenz abzuhalten.<lb/>
Dies war organisatorisch ein ganz schwerer Fehler, weil natürlich<lb/>
die Pressekonferenz sich auf eine halbe Stunde sich ausdehnte und<lb/>
in Wirklichkeit wahrscheinlich noch viel länger hätte dauern können<lb/>
und müssen. Ich hatte zu der Pressekonferenz auch als Ländervertreter<lb/>
den LH <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> und für die Bundeskammer Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__135640">Lissbauer</rs> gebeten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: In Hinkunft bitte die organisatorische<lb/>
Einteilung mit mir doch vorerst auch abzusprechen, damit nicht solche<lb/>
möglichen Situationen entstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_05">Als erster Diskussionsredner meldete sich, obwohl er zuerst erklärte<lb/>
hat, er müsste schon wegfahren, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>. Sein Diskussionsbeitrag war<lb/>
verhältnismässig sehr zahm, ein verhältnismässig sehr bescheidenes<lb/>
Anklingen wegen der steuerlichen Entlastung der Fremdenverkehrsbetriebe<lb/>
und die bekannten Bürges-Wünsche in Fortsetzung der bisherigen Aktionen.<lb/>
Ich stelle mir vor, wenn ein Arbeitnehmerpublikum, mir politisch wohl<lb break="no"/>gesinnt, bei einer ÖVP-Veranstaltung und wir in der Opposition und ich<lb/>
als Kammeramtsdirektor, hätte in der Vergangenheit sprechen können,<lb/>
dass ich dort einen Zauber aufgeführt hätte. Ich glaube, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bemerkt,<lb/>
dass er mit dem Handelsministerium und insbesondere mit mir doch noch<lb/>
am besten auskommt und hier die Sozialpartnerschaft und ein gewisses<lb/>
Mitspracherecht dem Handelskammer existiert und dies glaube ich will<lb/>
er nicht gefährden. Nachdem er gleich nach seinem Beitrag wegging,<lb/>
zum Glück aber schon der zweite Redner aufgerufen war, der gerade<lb/>
wie ich beantragte, nicht vom Platz, sondern vom Rednerpult aus<lb/>
sprach, fiel es nicht auf, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sogar beim Weggehen einen<lb/>
Applaus bekommen hätte, der für jemandem, der nicht am Präsidiums<lb break="no"/>tisch sass, nicht erklärlich ist und deshalb als Antrittsapplaus für<lb/>
den nächsten Redner gelten konnte. Die Diskussion war verhältnimäs<lb break="no"/>sig harmlos und natürlich immer wieder die Forderung auf steuerliche<lb/>
Erleichterung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_06">Nachmittags in den Arbeitsausschüssen, wo ich ebenfalls zeitweise in<lb/>
allen vieren anwesend war, war der kritische Punkt ebenfalls die<lb/>
steuerliche Erleichterung und die Förderungsaktionen. Ich weiss<lb/>
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gegen eine solche Politik aussprachen. Ich höre nur, dass der Bürger<lb break="no"/>meister von Ischl, <rs type="person" ref="#per__139461">Müllegger</rs>, sich gegen die Abschaffung der Getränke<lb break="no"/>steuer, die eine Gemeindeeinnahme ist, ausgesprochen hat und damit auf<lb/>
heftigsten Widerstand stiess. Da ich an die Vorsitzenden der Ausschüsse<lb/>
in einer Besprechung im kleinsten Kreis appellierte, man möge doch<lb/>
versuchen, dass im Fremdenverkehr einstimmig Beschlüsse zustande kommen<lb/>
können, nehme ich an, dass wir gegen diese Forderungslawine nur in<lb/>
der verbalen Aussage und umschrieben, sie auf ein Minimum reduzieren<lb/>
können. Sie vollkommen vom Forderungsprogramm zu streichen, ist hoffnungs<lb break="no"/>los und würde keinesfalls glücken. In einem solchen Fall, bin ich über<lb break="no"/>zeugt davon, würde aus dem Plenum heraus eine entsprechender Antrag<lb/>
mit überwältigendster Mehrheit angenommen werden. Wichtig erscheint mir<lb/>
vor allem jetzt, mit dem Finanzminister zu klären, ob er bereit ist,<lb/>
weitere Mitteln für die Komfortzimmeraktion im zweiten Budgetüber<lb break="no"/>schreitungsgesetz zu genehmigen. Da er auf dem Standpunkt steht, man<lb/>
soll eine gute Aktion nicht abbrechen, nehme ich an, dass wir seine<lb/>
Zustimmung bekommen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte sofort einen persönlichen Brief von mir an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, wo wir die Fremdenverkehrstag-Forderung<lb/>
einbauen, schreiben lassen. Darin kann auf seine<lb/>
Salzburger Erklärung, die mittelständischen Betriebe<lb/>
zu unterstützen, Bezug genommen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_08"><rs type="person" ref="#per__134296">Poppinger</rs>, der ungeheuer glücklich war, dass er am Präsidiumstisch Platz<lb/>
nehmen durfte, dasselbe gilt übrigens auch für Hofrat <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs>, der der<lb break="no"/>zeitigen Vorsitzendes des Kuratoriums, kam anschliessend zu mir um mir<lb/>
zu erklären, dass die Rede ganz hervorragend gewesen ist und er als<lb/>
Fremdenverkehrsfachmann, der Fremdenverkehrstage mitgemacht hat, dies<lb/>
auch beurteilen könne. Ich replizierte ganz kaltschneuzig, dass ja<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> eine ganz hervorragende Vorbereitungsarbeit geleistet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_09">Die Vorbesprechung im Ministerkomitee über die Forderung der Zeitungs<lb break="no"/>herausgeber ergeben, dass gegebenenfalls mit einem Krieg zu rechnen<lb/>
ist. Die Zeitungsherausgeber haben insbesondere derartige Wünsche auf<lb/>
steuerliche Ermässigung und darüber hinausgehende noch Subventions<lb break="no"/>forderung bei Papierbezug, usw., dass dies beim besten Willen nicht<lb/>
zu erfüllen ist. Bei der Mehrwertsteuer wünschen sie eine echte Steuer<lb break="no"/>befreiung, bei Vorsteuerabzugsrecht. Dies sei angeblich in Schweden,<lb/>
in den Niederlanden und in der BRD der Fall. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist nicht bereit,<lb/>
ihnen hier entgegenzukommen. Die Gewerbesteuer und die Lohnsummensteuer<lb/>
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der Gemeinden finden und der Bund müsste, wenn er so etwas beschliesst,<lb/>
mit einer Entschädigungsforderung der Gemeinden rechnen. Ebenso<lb/>
wünschen sie, dass die Anzeigenabgabe, die angeblich in Österreich ist,<lb/>
was nicht stimmt, sondern auch in Schweden wird sie eingehoben, und auch<lb/>
die Gebrauchsabgabe, wenn sie Ständer aufstellen usw. entfallen sollte.<lb/>
Für Papier wünschen sie einen entsprechenden billigen Preis, gegebenen<lb break="no"/>falls durch eine Subvention des österr. Staates an die inländische<lb/>
Papierproduktion ermöglicht werden sollte. Für Telefon und Fernschreiben<lb/>
wünschen sie eine Gebührenermässigung, hier meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> könnte man<lb/>
ihnen entgegenkommen und <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat dies akzeptiert, allerdings<lb/>
darauf hingewiesen, dass auch dann andere Gruppen mit entsprechenden<lb/>
Anträge kommen werden, wenn die Fernmeldegebühr im Parlament für diese<lb/>
Gruppe reduziert werden wird. Ebenso sollten Sondertarife der Post und<lb/>
der ÖBB für die Auslieferung neuerdings verbessert werden. Hier hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> mit Recht darauf hingewiesen, dass in Wirklichkeit die Post<lb/>
nur mehr wegen der Zeitungen eine Samstags-Zustellung durchführt und da<lb break="no"/>durch eine schwere kostenmässige Belastung entsteht. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> meint,<lb/>
dass die Zustellung und Beförderung 20 Groschen pro Zeitung kostet und<lb/>
eigene Zustellungsbeförderungsdienst ihnen auf 49 Groschen zu stehen<lb/>
kommt. Allerdings gibt er zu, dass die Postzustellung nur für die<lb/>
Bundesländerzeitung, insbesondere die Salzburger Nachrichten und die<lb/>
Parteizeitungen von Bedeutung ist. Keinesfalls für den Kurier oder<lb/>
für die Kronenzeitung. Insbesondere die letztere aber, wird sehr<lb/>
stark gegen die Nichterfüllung ihrer Forderungen polemisieren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat keinen Zweifeln den Herausgebern gelassen, dass die Bundesregierung<lb/>
gegebenenfalls mit einem Kampf gerechnet, aber dann auch die entspre<lb break="no"/>chenden Inseratensteuern erhöhen wird, um gegen dieses mächtige Massen<lb break="no"/>medium bestehen zu können. Die Zeitungsannoncen-Einnahmen im ersten<lb/>
halben Jahr sind nach einer Berechnung von Vorwärts 376 Mill. S. Dazu<lb/>
kämen noch die ORF-Anzeigeneinnahmen von 400 Mill. S im Jahr, sodass<lb/>
man insgesamt mit 1,2 Mia. S Umsatz an Annoncen und Werbegebühren<lb/>
rechnen könne.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_10">Bei der Ministerratsvorbesprechung, wo ich nur kurz anwesend sein<lb/>
konnte, berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass anlässlich des 25 Jahre Marshallplan<lb/>
die BRD, <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs>, ihm mitgeteilt habe, 150 Mill. DM als Geschenk zur<lb/>
Untersuchung von Wirtschaftsbeziehungen und Europa zur Verfügung<lb/>
stellen wird. Er möchte im UNIDO-Gebäude ein Konferenz-Zentrum als<lb/>
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der Obersten Organe des Bundes soll jetzt für die Parteienvertretungs<lb break="no"/>besprechungen im Parlament von ihm fertiggestellt und den einzelnen<lb/>
Ministern zur Kenntnisnahme übermittelt werden. Die Forderung, ein<lb/>
Mahnmal für die Opfer des Faschismus zu errichten und die Aufbringung<lb/>
der finanziellen Mittel dafür, wird das BKA übernehmen.<lb/>
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grenzgefährdeten Betriebe beim bayerischen Raum vorgesprochen hat und<lb/>
es wird beschlossen, dass der Sozialminister und der Handelsminister<lb/>
ein Antwortschreiben auf ihre Forderungen ihnen übermitteln soll.<lb/>
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mit den Massnahmen, die wir bereits getroffen haben, anfordern und dem<lb/>
Sozialminister zur Ergänzung und Stellungnahme schicken.<lb/>
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Punkte herausstreicht, in denen er sagt, er könnte sie dann bei der<lb/>
offiziellen Berichterstattung im Ministerrat nicht bringen. Die<lb/>
Schweden befinden sich jetzt bereits, obwohl die Wahl erst im Herbst<lb/>
1973 stattfindet, in einem permanenten Wahlkampf. Die Regierung hatte<lb/>
beabsichtigt, eine Steuersenkung durchzuführen. Bei Einkommen von<lb/>
150.000 S, wofür man ungefähr ein Drittel Steuer bezahlen muss, sollten<lb/>
um 5.000 S Lohnsteuer- und Einkommensteuersenkung vorgesehen sein.<lb/>
Dafür hätte die Mehrwertsteuer erhöht werden müssen. Sowohl die<lb/>
Kommunisten als auch die Bürgerlichen haben dies abgelehnt. Darauf<lb/>
hat die Regierung die Lohnsummensteuer auf 2 % erhöht, das ist<lb/>
eine Verdoppelung. Ohne Absprache, aber doch de facto wird jetzt<lb/>
die Regierung mit den Kommunisten einen ganz scharfen Wirtschaftskurs<lb/>
machen, um die Summe aller Linksstimmen, die ca. 50 % betragen, zu<lb/>
bekommen. Die Partei hat beschlossen, dass die Wirtschaftspartnerschaft<lb/>
jetzt prinzipiell abgelehnt wird. Die Gewerkschaftsführer verhalten sich<lb/>
sehr reserviert gegen diesen Plan. Da die Regierung mit keiner Ver<lb break="no"/>stärkung aus dem liberalen Lager rechnet, hängt es eben ganz davon<lb/>
ab, ob die Kommunisten stärker werden oder ob ein Teil der Angestellten<lb/>
zu den schwedischen Freisinnigen hinüberwechselt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> diese Wahl besteht, dann ist er überm Berg und <rs type="person" ref="#per__139995">Erlander</rs> war genauso<lb/>
am Anfang umkämpft und umstritten. Jetzt gilt er als der Vater des<lb/>
schwedischen Vaterlandes. Im Fernsehen gibt es zwei unabhängige Kanäle,<lb/>
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Zeitungen als auch im Fernsehen werden meistens linksgerichtete Leute<lb/>
aus der Hochschule, Marxisten, Leninisten, beschäftigt, die einen ganz<lb/>
harten Linkskurs befürworten. So erklärt sich die Forderung bezüglich<lb/>
der Gleichheit für alle Schweden und auch insbesondere die Stellung<lb/>
zum Vietnam-Konflikt. Schweden ist nicht nur eine linksradikale Gruppe,<lb/>
sondern weit bis hinein ins bürgerliche Lager die Bevölkerung engagiert.<lb/>
Die wirtschaftliche Lage ist sehr prekär. Es gibt 60.000 Arbeitslose<lb/>
plus 40.000, die in Umschulung sich befinden und noch 40–50.000 Not<lb break="no"/>standsarbeiter, die Strand reinigen und sonstige Arbeiten verrichten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meint, dass die <choice><choice><sic>Arbeitslosen</sic><corr>Arbeitslosigkeit</corr></choice></choice> hauptsächlich durch die Reorganisa<lb break="no"/>tion und Mechanisierung in den Angestelltenberufen eingetreten ist.<lb/>
Es ist also nicht so, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> anzunehmen glaubt, dass nur hochstehende<lb/>
Intellektuelle arbeitslos sind. Ganz im Gegenteil, es handelt sich um<lb/>
eine Masse von Rationalisierungsopfern der Angestelltenberufe. Die Re<lb break="no"/>gierung nimmt an, dass sich die Konjunktur bereits verbessert, doch die<lb/>
Industrievertreter können dies noch nicht feststellen. Die Schweden geben<lb/>
einen Irrsinnsbetrag für die Landesverteidigung aus – 35 Mia. S – und<lb/>
haben in den Felsen riesige Kavernen für ihre Schlachtschiffe und U-Boote<lb/>
gebaut, die eigentlich gegen Atomangriffe ebenfalls nicht sicher sind.<lb/>
Die Regierung hofft, mit einer Politik "Qualität des Lebens" d.h.<lb/>
höheren Umweltschutz, Reorganisation der Spitäler und so weiter die Be<lb break="no"/>völkerung bei der Wahl zu gewinnen. In der Europa-Politik wird ein<lb/>
Zick-Zack-Kurs gemacht, zuerst hatten die Schweden geglaubt, dass sie<lb/>
bei der EG Mitglieder werden können, mit entsprechendem Neutralitäts<lb break="no"/>vorbehalt, als dies nicht funktionierte, möchte sie in der Freihandels<lb break="no"/>zone, wo sie keine Mitsprache haben, entsprechende Sonderregelungen<lb/>
bekommen. Insbesondere wird das derzeitige vorgesehene Arrangement von<lb/>
den oberen Opinionleadern abgelehnt. Die weitere Haltung wird aber ganz<lb/>
davon abhängen, ob Norwegen den Beitritt akzeptiert, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nimmt<lb/>
an, dass die Volksabstimmung positiv verlaufen wird. Da sich die Ge<lb break="no"/>werkschaften jetzt dafür ausgesprochen haben. Ein grösserer Erfolg<lb/>
beider Abstimmung wird in Dänemark zu verzeichnen sein. IN diesem<lb/>
Fall wird dann auch Schweden sich leichter hie den Verhandlungen und<lb/>
insbesondere bei der Auseinandersetzung im Inland tun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_14">Bei dem Empfang in Baden, wo ich Gelegenheit habe, mit einigen<lb/>
Delegierten zu sprechen, stelle ich wieder einmal folgende<lb/>
Politik fest: Ob es sich um Besitzer und gleichzeitig Nationalräte<lb/>
wie z.B. <rs type="person" ref="#per__111728">Westreicher</rs> oder um Funktionäre und Angestellte wie Dr. <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs><lb/>
handelt, in jedem Fall wollen sie mit dem Minister gut auskommen, weil<lb/>
sie doch irgendwelche Sonderwünsche haben. Auf der anderen Seite wollen<lb/>
sie sich gut stellen, um nicht ihrerseits meine Bemühungen um eine<lb/>
Sozialpartnerschaft zu torpedieren. Ich weiss natürlich nicht, wie<lb/>
lange dieser Zustand noch anhalten kann. Auf der einen Seite muss –<lb/>
wenn jetzt bei den anderen Ministern, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, eine<lb/>
härtere Gangart eingeschlagen wird - dies in der gesamten Regierungs<lb break="no"/>politik und damit natürlich auch in meinem Ressort einen entsprechenden<lb/>
Niederschlag finden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> z.B. haben mir angedeutet,<lb/>
dass sie, wenn nun wirklich eine Weggebühr eingeführt wird, ohne dass<lb/>
man mit ihnen engeren Kontakt hält, sie dies als Kriegsfall betrachten.<lb/>
Sie haben eine diesbezügliche Aussprache am nächsten Tag mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und ich selbst habe ihn auf diese Bemerkung hin nach Beendigung der<lb/>
Ministerratssitzung aufmerksam gemacht. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> selbst meint, dass<lb/>
dies ja im Interesse der Wirtschaft wäre, was ich mir allerdings nicht<lb/>
ganz erklären kann. Das Dilemma wird für mich allerdings auch in Hin<lb break="no"/>kunft noch wesentlich schlimmer, weil natürlich der Eindruck entstehen<lb/>
muss, dass ich es mir mit der Handelskammer richte und sozusagen aus<lb/>
dem Kampf der Regierungsteams gegen diese Institutionen scheinbar aus<lb break="no"/>scheide.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_15">Spät abends ruft mich noch <rs type="person" ref="#per__126251">Hausberger</rs> von Luxemburg an und berichtet<lb/>
mir über den Ministerrat der EG. Die wichtigsten Mitteilungen habe ich<lb/>
allerdings bereits in den 10-Uhr-Nachrichten gehört. <rs type="person" ref="#per__126251">Hausberger</rs> ergänzt<lb/>
sie nur dahingehend, dass er glaubt, dass über die Ursprungsregelung und<lb/>
über die EGKS-Güter doch noch am nächsten Tag bei den Verhandlungen<lb/>
ein positiveres Ergebnis herauskommen könnte. Bis jetzt haben sich die<lb/>
Franzosen wieder einmal quergelegt. In der Ursprungsregelung wollen<lb/>
sie nicht einmal diese partiell-diagonale Kumulierung zustimmen. Schein<lb break="no"/>bar wollen die Franzosen hier, nachdem <rs type="person" ref="#per__134015">Pompidou</rs> erklärt hat, er ist<lb/>
mit der Entwicklung über die Europäische Gemeinschaft im Hinblick auf die<lb/>
Gipfelkonferenz nicht einverstanden, auch bei jeder Kleinigkeit neuerdings<lb/>
demonstrieren, wo sie überall Schwierigkeiten machen können. Da dies<lb/>
auch den Interessen der franz. Industrie entspricht, haben sie zwei<lb/>
Fliegen auf einen Schlag. Die Berichterstattung über die Landwirtschaft<lb/>
<pb n="11-0698" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-06-05_0698.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>offiziell im ORF war sehr positiv und optimistisch, obwohl in Wirk<lb break="no"/>lichkeit nur die Kommission einen Auftrag bekommen hat, exploratorisch<lb/>
Gespräche mit Österreich, Schweiz und Schweden zu führen. Österreich<lb/>
wird wenigstens die Rindermarktregelung angeboten, wenn wir bei Obst<lb/>
und Gemüse in der Kontingentphase der EG Zugeständnisse machen und<lb/>
insbesondere auch über Flaschenweine ein entsprechende Angebot von<lb/>
Österreich kommt. Den Schweizern wünschen sie ähnliche Zugeständnisse<lb/>
und bieten in Wirklichkeit nur eine Regelung für Bündner-Fleisch an.<lb/>
Ähnlich ist es bei Schweden. Wichtig erscheint mir nur, dass wir wenig<lb break="no"/>stens eine Bestimmung über die Agrarprodukte in den Vertrag hineinbe<lb break="no"/>kommen, um ein sogenanntes Sling zu haben. In diesem Fall nämlich würden<lb/>
wir dann in den weiteren Verhandlungen – der Vertrag wird ja evolutiv<lb/>
sein – schauen, einzelne Bestimmungen dann doch noch für die Landwirt<lb break="no"/>schaft im Laufe der Zeit womöglich noch vor Vertragsabschluss, mindestens<lb/>
aber unmittelbar danach abzuschliessen. <rs type="person" ref="#per__126251">Hausberger</rs> teilt mir auch mit,<lb/>
dass am Donnerstag vergangener Woche eingehend berichtet hat. Ich habe<lb/>
dieses Kabel nicht gesehen, ich kann mich zumindestens nicht daran erinnern,<lb/>
habe dies aber natürlich <rs type="person" ref="#per__126251">Hausberger</rs> gegenüber nicht zu erkennen gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte klären, ob wir diese Unterlagen tatsächlich be<lb break="no"/>kommen haben. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Minister ohne entspre<lb break="no"/>chendes Ministerbüro imstande ist, diese Detailinformationen, die letzten<lb/>
Endes notwendig sind, um Entscheidungen zu treffen, ausreichend zu bekommen.<lb/>
Andererseits aber wieder sehe ich gerade jetzt wieder bei <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, wie<lb/>
schwierig es ist, sich ein Ministerbüro zu installieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-06-05_17"><rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der an und für sich mit seiner Arbeit bei uns schon sehr ausgelastet<lb/>
ist, muss noch einen Grossteil der Arbeiten jetzt von <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> als Mini<lb break="no"/>sterbüro machen. Selbst sagt er, dass dies unmöglich ist und hofft, dass<lb/>
doch so bald wie möglich ein eigenes Ministerbüro bei <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> er<lb break="no"/>richtet wird.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 5.6.1972</head>
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               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Salzburger Landesverkehrsdir. [1971 als Gf. und Sprecher
                  Arbeitsgemeinschaft der Fremdenverkehrsdirektoren]</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Gesandter d. österr. Mission bei d. EWG in Brüssel</occupation>
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               <occupation>Bgm. Bad Ischl bis 1972</occupation>
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               <occupation>franz. Staatspräsident</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>KR, Hotelier, HK, 1971 Obmann Bundessektion Fremdenverkehr, [Schreibung
                  unsicher, es findet sich Lissbauer und Lißbauer]</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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