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            <title type="main">Montag, der 29. Mai 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_01">Montag, 29. Mai 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_02">Glück muss der Mensch haben! Für den internationalen Getreidekongress,<lb/>
den ich eröffnen sollte, hatte ich keinerlei Unterlagen und Facts be<lb break="no"/>kommen. Beim Saaleingang wurde die Fachzeitschrift des österr. Getreide<lb break="no"/>handels verteilt. Ein Artikel darin handelte über die Leistungs<lb break="no"/>fähigkeit des Handels, der noch immer im Durchschnitt 40 % des Getreides<lb/>
in Österreich übernimmt, wobei Kontraktweizen festgehalten wurde,<lb/>
dass es knapp über 30 % sind, da die Genossenschaften ihre Machtposition<lb/>
zum Abschluss des Kontraktes mit den Bauern ausnützen, um doch in grösserem<lb/>
Masse dann auch von diesen beliefert zu werden. Der Druckfehlerteufel<lb/>
hatte statt Kontraktweizen Kontaktweizen geschrieben. Ich stellte die<lb/>
Frage, ob dies tatsächlich ein Druckfehler war, oder vielleicht von dem<lb/>
Schreiben eine Freud'sche Fehlleistung, was man eben Kontakt mit den zu<lb/>
vergebenden Stellen haben muss, damit man eben den grösseren Anteil erhält.<lb/>
Ich hatte die Ziffern, die ich so dringend brauchte, einen Gag und ausser<lb break="no"/>dem konnte ich bei dieser Gelegenheit gleich über die international<lb/>
schwierige Situation des Getreidehandels sprechen. Auf der einen Seite<lb/>
als freier Handel im Westen organisiert und doch mit dem Genossenschafts<lb break="no"/>problem konfrontiert und den Marktordnungen, die es in allen Staaten gibt,<lb/>
auf der anderen Seite der Osten mit den Staatshandelsmonopolen, darüber<lb/>
hinaus aber noch die inländischen Probleme der preisgeregelten Ware und<lb/>
damit die Schwierigkeiten, die sich Verfechter der freien Wirtschaft,<lb/>
die meistens aber nur am Papier verlangt wird, ergibt. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit konnte ich neuerdings meine Forderung anbringen, man möge sich über<lb/>
die Preisgestaltung und über die weiteren Möglichkeiten einer Reglemen<lb break="no"/>tierung auf dem Getreidesektor den Kopf zerbrechen, um uns vielleicht<lb/>
bessere Vorschläge zu machen. Auf alle Fälle sagte ich auch in diesem<lb/>
Kreis, dass die Marktordnung und die Preisregelung, wie wir sie<lb/>
derzeit haben, auf die Dauer nicht wird zu halten sein. Da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> vor mir sprachen hatte ich auch einige Beziehungspunkte zu<lb/>
ihren Ausführungen. Alle, die die Vorbereitungen aus unserem Haus, die<lb/>
so mangelhaft waren, nicht kennen, würden annehmen, dass es eine gelungene<lb/>
und wohldurchdachte und vorbereitete Rede gewesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Warum haben wir eigentlich nicht <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> vor längerer<lb/>
Zeit aufgefordert, entsprechende Unterlagen zu liefern?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_04">Die Integrationsbesprechung, die leider nicht anders festgelegt werden<lb/>
konnte als zu einem Zeitpunkt, zu dem ich eben den Kongress eröffnen<lb/>
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Frühstücksrunde mit den Journalisten haben, befasste sich ausschliess<lb break="no"/>lich mit den landwirtschaftlichen Verarbeitungsprodukten. Ich war noch<lb/>
nicht anwesend, wie Dr. <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> von der Landwirtschaftskammer dezidiert<lb/>
erklärte, seine Anwesenheit dürfte als eine Zustimmung seiner Interessen<lb break="no"/>vertretung aufgefasst werden. Schön langsam beginnt sich die Landwirtschaft<lb/>
von den Verhandlungen formell zu distanzieren. Ich bin neugierig, wann<lb/>
die Handelskammer diesem Beispiel folgen wird. Noch immer behaupte<lb/>
ich aber steif und fest, dass alles im engsten Einvernehmen mit den Inter<lb break="no"/>essenvertretungen geschieht und mir wird es kaum wer widerlegen können.<lb/>
Solange sie anwesend sind und solange sie keine Alternativvorschläge<lb/>
für Brüssel wohl in der Erstattungsfrage für die innerösterreichische<lb/>
Problematik machen, solange glaube ich, werde ich auch mit diesem Argument<lb/>
durchkommen und recht behalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_05">Bei der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> griff ich letzteren ganz<lb/>
hart an. Erst warf ich ihm vor, dass bei der letzten Nationalrats<lb break="no"/>debatte über die Integration er auch eingestimmt hat in den Ruf:<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> verrät die Landwirtschaftsinteressen. Er versuchte dies<lb/>
abzustreiten und wir werden uns mit dem stenographischen Protokoll noch<lb/>
einmal mehr beschäftigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte dieses sofort mir vorlegen, wenn es erscheint.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_07">Der Vorschlag von ihm in der Pressekonferenz, den EWG-Vertrag schlimmsten<lb break="no"/>falls um ein halbes Jahr später in Kraft zu setzen und länger zu verhan<lb break="no"/>deln, geht nach seinen Ausführungen auf die ununterbrochenen Fragen<lb/>
von Journalisten insbesondere <rs type="person" ref="#per__132606">Romés</rs> zurück. <rs type="person" ref="#per__132606">Romé</rs> hätte einen Tag vorher<lb/>
eine Aussprache mit einem bedeutenden Wirtschafter, er wollte mir nicht<lb/>
sagen, wer es war, und der hätte ihm erklärt, man würde den Vertrag auch<lb/>
akzeptieren, so wie er jetzt von Seiten der EWG-Kommission vorgelegt<lb/>
wird. Um mir meine Handelsposition zu verbessern, hätte er eben<lb/>
jetzt erklärt, dass - wenn der Vertrag eben nicht verbessert wird - man<lb/>
gegebenenfalls ein halbes Jahr länger halt verhandeln müsste. Er selbst<lb/>
wollte mich hier nur unterstützen und keinesfalls einen Vertragsabschluss<lb/>
sabotieren, obwohl er sich klar ist, dass dieses Verlangen nicht erfüllt<lb/>
werden kann, sondern eben der Vertrag so wie alle anderen Verträge<lb/>
mit den Nicht-Beitrittskandidaten Mit 1.1.1973 in Kraft treten müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_08">In der Chinafrage, wo ich ihn am härtesten angriff und er meinte, er<lb/>
sei scheinbar heute überhaupt nur hier, um von mich attackiert zu werden,<lb/>
hätte er nur einen Beschluss des Vorstandes, der allgemein zugänglich<lb/>
sei, den Journalisten interpretiert. Er hätte von der Abteilung einen<lb/>
Bericht bekommen, dass wir die Liberalisierung weiter treiben wollen<lb/>
und vor allem die Zollämterermächtigung den Oststaaten einräumen wollen<lb/>
und dies im Vorstand eindeutig auf seinen Bericht dahin abgelehnt worden<lb/>
und nichts anderes hätte er den Journalisten mitgeteilt. Da er sich seiner<lb/>
Schuld vollkommen klar ist, ich habe neuerdings mit <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, den ich<lb/>
getroffen habe, auf diese Fehler hingewiesen, versucht er sich jetzt<lb/>
auf den Vorstand und deren Veröffentlichung auszureden. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> selbst<lb/>
wollte darüber hinaus mir sogar einreden, dass dies unsere Verhandlungs<lb break="no"/>position gegenüber den Chinesen stärkt, wenn wir den Chinesen erklären,<lb/>
dass wir sie nicht so behandeln wie die Russen, mit denen sie ja derzeit<lb/>
politisch übers Kreuz sind. Blödere Argumente eben wie was der Vorstand<lb/>
beschliesst, sei öffentlich und müsste daher auch in Pressekonferenzen<lb/>
erörtert werden oder die Chinesen werden froh sein, dass wir sie nicht so<lb/>
behandeln wie die Russen, in dem Fall allerdings schlechter, gibt es ja<lb/>
gar nicht. Ich werde trotzdem diese falsche Politik in der Öffentlichkeit<lb/>
nicht hochspielen, denn ich glaube, dass wir dies als Argument noch<lb/>
irgendwann einmal gut gebrauchen können. Es wurde von mir in aller Schärfe<lb/>
vorgebracht und damit auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> dokumentiert, der sich nebenbei bemerkt<lb/>
deutlich sichtbar auf meine Seite stellte. In krassen Gegensatz zu <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
kam ich allerdings mit dem Problem der Kommerzialräte. Kärnten hat der<lb/>
neue Handelskammerpräsident mit <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> vereinbart, einen Sozialisten zu<lb/>
befürworten, gleichzeitig aber der BHK vorgeschlagen, auf ihr Kontingent<lb/>
den Mann zu übernehmen. Die Bundeskammer hat mir nun einen Brief ge<lb break="no"/>schrieben, wo sie das befürwortet, erklärt aber, dass sie kein Kontingent<lb/>
dafür hat. Ich verlangte von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass sein Mann in Kärnten<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> sich in diesem Fall nicht nur so einigen kann, dass er formell<lb/>
dann bei mir diese Frage landet, sondern dass es tatsächlich zu einer<lb/>
befriedigenden Regelung kommen muss. Ich wies neuerdings darauf hin,<lb/>
dass sowohl die Herren des Hauses als auch der Herr Bundespräsident<lb/>
auf dem Standpunkt stehen, dass in Kommerzialratstitelverleihung ich<lb/>
ausschliesslich allein zuständig bin und ich diese Zuständigkeit galanter<lb break="no"/>weise allerdings gegen Aufteilung zwischen Freiem Wirtschaftsverband<lb/>
und Wirtschaftsbund der Bundeshandelskammer übertragen habe. Ich werde<lb/>
von allen Stelen gedrängt, diese mir allein zustehenden Rechte auch<lb/>
wieder auszuüben. Auf die Frage von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, wie ich denn da vorgehen<lb/>
würde, sagte ich, nach dem Proporz des Nationalrates, denn dann könnte<lb/>
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langsam die Handelskammer wissen lassen, dass wenn sie mit mir<lb/>
nicht im Einvernehmen vorgehen will oder kann, dass es für sie<lb/>
bei den AHF-Gebühren und bei den Kommerzialratstiteln andere Lösungen<lb/>
als die derzeitige gibt. Bei diesem politischen Spiel muss man nur<lb/>
taktisch sehr vorsichtig vorgehen, damit nicht irgendjemand dann dieses<lb/>
Problem wirklich aufgreift, hochspielt und mich dann in eine Angriffs<lb break="no"/>position bringt, von der ich nicht mehr zurück kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_09">In der Frage des Weltdokumentationszentrums hat <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> darauf ver<lb break="no"/>zichtet näher mit der Gemeinde und härter zu verhandeln, um zuminde<lb break="no"/>stens seinen Raumbedarf durch Beistellung der Gemeinde Wien zu decken.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>, den ich abends bei den Zauberern traf und deshalb ansprach,<lb/>
meinte, die Gemeinde Wien könnte doch nicht für den Bund solche Sach<lb break="no"/>leistungen erbringen. Obwohl er, bevor wir die Weltdokumentation<lb/>
vertragsmässig nach Wien gebracht hatten, bereit war, uns weitest<lb break="no"/>gehend zu unterstützen. In Hinkunft habe ich die Lehre gezogen, wird<lb/>
man eben Versprechungen oder Andeutungen bereits schriftlich fixieren<lb/>
müssen, bevor es zu einem Abschluss kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_10">Im Direktorium für die österr. Fremdenverkehrswerbung beschwerte<lb/>
sich Dr. <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> von der Handelskammer, dass wir in so grossen Abständen<lb/>
erst Direktoriumssitzungen machen. Er glaubte, dass ich solche<lb/>
bis jetzt abgelehnt habe, um meinen Zeitkalender nicht zu sehr zu<lb/>
belasten. Ich erwiderte sofort, dass dies ausschlesslich vom Ge<lb break="no"/>schäftsführer abhängt und ich jederzeit bereit bin, natürlich in kürzeren<lb/>
Intervallen Sitzungen einzuberufen. Die zwei wichtigsten Fragen in<lb/>
meinen Augen waren: die Möglichkeit, ob wir nicht, nachdem der Bund<lb/>
ein grosses Bedürfnis hat, unsere Räume für die Sektion IV, die der<lb break="no"/>zeit bei der ÖIAG sitzt, zu bekommen, mit der ÖIAG nicht einen ent<lb break="no"/>sprechenden Vertrag schliessen könnten, dass wir bei irgendeinem<lb/>
stillgelegten Gebäude der verstaatlichten Industrie billig ein<lb break="no"/>ziehen können, wenn wir die Räume in der Hohenstaufengasse zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen. In der Hohenstaufengasse haben wir überhaupt nur<lb/>
einen Vertrag, dass wir gegen dreimonatige Kündigungszeit jederzeit<lb/>
auf die Strasse gesetzt werden können. Ich könnte mir z.B. sehr<lb/>
gut vorstellen, dass wir ein stillgelegtes Verwaltungsgebäude kaufen.<lb/>
Ein weiteres Problem ist das AUA-Lokal und der Wunsch, dass wir es<lb/>
übernehmen in New York. Hier erklärte ich, dass die AUA, wenn sie uns<lb/>
<pb n="11-0668" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-05-29_0668.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>entsprechende Flugbegünstigungen gibt, mit einem weiteren Entgegen<lb break="no"/>kommen unsererseits rechnen könnte. Das zweite Problem ist der Film<lb break="no"/>auftrag von 530.000 S, den wir Satel geben sollen. Ich weigerte<lb/>
mich strikte, hier entsprechende Zusagen zu machen, solange nicht<lb/>
bei ausländischen Fernsehgesellschaften klargestellt ist, wann unsere<lb/>
Beiträge kommen würden. Der allgemeine Hinweis, dass dies im Sinne<lb/>
eines Programmaustausches geschehen würde, ist nichtssagend, denn<lb/>
wir können dann zu einer Nachtzeit gesendet werden, die vollkommen<lb/>
uninteressant ist. Für Pausenfüller würden wir keinesfalls eine halbe<lb/>
Million ausgeben. Nach der Sitzung habe ich den Geschäftsführern und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> noch einmal auf diese drei Punkte aufmerksam ge<lb break="no"/>macht und erklärt, dass sie hier keinerlei Zusagen machen sollen,<lb/>
ohne vorher mit mir resp. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> Kontakt aufgenommen zu haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> hatte bei der Sitzung noch erklärt, dass sie beim Fremden<lb break="no"/>verkehrstag die Forderung aufstellen werden, die Abschreibungssätze<lb/>
für Gebäude von 50 Jahren auf 20 Jahre herabzusetzen. Ich sprach<lb/>
mich sofort gegen eine solche weitgehende Forderung ganz entschieden<lb/>
aus. Ich wies darauf hin, dass doch die ursprünglich Absichten darin<lb/>
bestehen, dass die Nasseinheiten, wie sie vor dem Entscheid des Obersten<lb/>
Gerichtshofes der Fall war, in der Abschreibung günstiger war.<lb/>
Durch diesen Gerichtsentscheid werden sie jetzt zum Gebäude dazu<lb break="no"/>gerechnet und mit 2 % Abschreibung begünstigt. Dr. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> schloss<lb/>
sich dann meiner Argumentation an, und meinte, es wäre sinnvoll<lb/>
nur die Nasseinheit-Abschreibungserhöhung zu verlangen, wie sie vor<lb/>
dem Gerichtsurteil bestanden hat, denn dies würde nur den Fremden<lb break="no"/>verkehrsbetrieben zugutekommen. Die allgemeine Herabsetzung für<lb/>
Gebäude würde dagegen allen Wirtschaftszweigen zugutekommen, viel<lb/>
Geld kosten und natürlich damit sofort auf den Widerstand des<lb/>
Finanzministers stossen. Aus dieser Diskussion habe ich entnommen,<lb/>
welche grosse Gefahr uns beim Fremdenverkehrstag drohen wird. In<lb/>
den Arbeitsausschüssen wird man ein ganzes Bukett von Forderungen an<lb/>
den Finanzminister ausarbeiten. Selbst wenn ich mich als Vorsitzender,<lb/>
der dann die Zusammenfassung machen wird, mich noch so bemühen werde,<lb/>
dies nicht in einem reinen Fundierungsprogramm an den Finanzminister<lb/>
ausarten zu lassen, wird natürlich eine ganze Reihe von Wünschen an<lb/>
ihn gerichtet sein. <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> hatte z.B. auch die Idee, dass wenn schon<lb/>
die Getränkesteuer eingeführt wird auf Bier, diese ausschliesslich<lb/>
für Fremdenverkehrsaufgaben zweckgebunden werden soll. Der Finanz<lb break="no"/>minister wird und muss einen Grossteil, um nicht zu sagen, alle<lb/>
diese Forderungen wahrscheinlich ablehnen. Das Endergebnis wird dann<lb/>
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und der Finanzminister keine einzige oder unbedeutende nur erfüllt hat.<lb/>
Ich sehe also eine ganz schwierige Zeit auf diesem Sektor vor uns.<lb/>
Ideal wäre es, wenn wir den Fremdenverkehrstag umfunktionieren könnten<lb/>
wie den Verkehrstag, den der Verkehrsminister führt. Dort werden in der<lb/>
Diskussion nach dem Referat von <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> immer die Wünsche der<lb/>
einzelnen Stellen berücksichtigt und vorgetragen. Dies erstreckt sich aber<lb/>
meistens auf den Wunsch, dass der Zug dort hält und dass das Schiff doch<lb/>
nicht eingestellt wird und der kleine Flughafen von einem Flugzeug<lb/>
doch angeflogen werden soll usw. Die Bundeskammer-Vertreter werden<lb/>
jetzt bereits in Vorbesprechungen ihre Linie fixieren. Wenn wir hier nicht<lb/>
entsprechenden Einfluss ausüben können, muss es in ein paar Monaten in<lb/>
diesen Fragen zum Debakel kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Sofort eine Fraktionsbesprechung, gegebenenfalls<lb/>
für Samstag Vormittag einberufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_12">Bei der Ministerratsvorbesprechung zeigte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den Film, den der<lb/>
ORF ausgestrahlt hat von der Nixon-Demonstration und den Zusammenstoss<lb/>
mit der Polizei und auch die Stellen, die angeblich vom Fernsehen<lb/>
nicht gebracht werden konnten, weil sie noch furchtbarer waren. In<lb/>
Wirklichkeit stellte sich dann genau das Gegenteil heraus. Das Fernsehen<lb/>
hat genau die wüstesten und für sie sensationellsten Stellen gesendet.<lb/>
Endgültig konnte jetzt festgestellt werden, dass 33 Demonstranten<lb/>
und 25 Polizisten verletzt wurden. Sachschaden wurde für 90.000 S fest<lb break="no"/>gestellt. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> wird das nächste Mal einen Film zeigen, den die Gendarmerie<lb/>
aufgenommen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_13">80 Honorarkonsuln kommen am 6.6. zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und um 13 Uhr gibt er<lb/>
ein Buffet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_15">Der Unterausschuss für die Mehrwertsteuer ist geplatzt, da die ÖVP<lb/>
erklärte, Verhandlungen zwischen SPÖ und FPÖ über die Mehrwertsteuer<lb/>
seien eine Brüskierung des Parlamentes. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat eine diesbezügliche<lb/>
Äusserung auch vormittags bei der Besprechung mir gegenüber gemacht.<lb/>
Ich habe ihm gegenüber schon erklärt, dass ich darin keine<lb/>
Brüskierung sehe, wenn eine Partei mit einer anderen Partei Besprechungen<lb/>
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zu finden und gegebenenfalls die Gesetzesstellen entsprechend abzuändern.<lb/>
wenn eben ein Einvernehmen erzielt werden kann. Da diese Argumentation<lb/>
sehr schwach ist, hat jetzt die ÖVP erklärt, dass sie deshalb die Ver<lb break="no"/>handlungen im Unterausschuss abgebrochen hat, weil entsprechende Aus<lb break="no"/>künfte der Finanzminister verweigerte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_16">Ein schwedisches Architektenteam hat nun die UNIDO-Ausschreibung<lb/>
und vor allem die Baupläne und die Absichten der österr. Bundesregierung<lb/>
studiert und festgestellt, dass vom Funktionellen und vom baulichen<lb/>
Standpunkt gegen das Projekt überhaupt nichts einzuwenden ist. Bedenken<lb/>
haben sie, dass hier gigantische Kosten entstehen werden und dass<lb/>
dieses architektonische Monument sehr viel über die wirklich notwendigen<lb/>
Bauten hinausgeht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte dies mit, ohne allerdings irgend<lb break="no"/>welche Konsequenzen daraus zu ziehen. Hier ist wenigstens die Gemeinde<lb/>
Wien mit einem gewissen Prozentsatz daran gebunden, während<lb break="no"/>dem wir beim Weltdokumentationszentrum derzeit alles allein tragen<lb/>
müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_17"><rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> wies darauf hin, dass im Parlament jetzt im Unterausschuss<lb/>
über die Bundesländer-Kompetenzübertragung zu einem Stillstand gekommen<lb/>
ist. Die VP wird solange die Arbeit nicht fortsetzen als wir nicht<lb/>
zustimmen, dass unser einziger Wunsch, nämlich das Landarbeitsrecht in<lb/>
die Bundeskompetenz zu überführen, zurückgezogen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> lehnt<lb/>
ganz entschieden ab, dass wir der ÖVP entgegenkommen. Wenn sie weiter<lb break="no"/>hin die Verhandlungen boykottieren, dann werden eben die ca. 48 Kompe<lb break="no"/>tenzen, die wir vom Bund den Ländern übertragen werden, liegen bleiben.<lb/>
Das geht dann eindeutig auf Schuld der ÖVP.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_18"><rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und andere Minister schnitten das Problem des Bundeshaushalts<lb break="no"/>gesetzes an. Der Finanzminister hat bei den Beamtenbesprechungen<lb/>
erklären lassen, dass auf politischer Ebene über die offenen Probleme<lb/>
geredet werden sollte. Nun möchte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den Entwurf das nächste Mal<lb/>
in den Ministerrat bringen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war leider nicht anwesend, konnte<lb/>
daher dazu nicht Stellung nehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte aber, jeder Finanz<lb break="no"/>minister hat bis jetzt das Bestreben gehabt, als Superminister<lb/>
über die anderen zu herrschen. Dies gehe aber nicht an und man wer<lb break="no"/>de deshalb, selbst wenn er<add>[?]</add> nächste Woche kommt, ganz einfach die Materie<lb/>
<pb n="11-0671" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band11/11_1972-05-29_0671.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zurückstellen. Den Ministern schwebt vor, dass ähnlich wie das seiner<lb break="no"/>zeit beim Kompetenzgesetz war, zuerst auf der politischen Ebene,<lb/>
d.h. unter den Ministern eine Abgrenzung erfolgen müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_19">Eine lange Diskussion spielte zwischen <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wegen der<lb/>
NS-Prozesse. Beide stimmten darin überein, dass eine Identifizierung<lb/>
von Tätern nach so langer Zeit durch Zeugen ganz unmöglich ist.<lb/>
Deshalb wird es immer einen Irrtum der Person geben können und des<lb break="no"/>halb entscheiden die Geschworenen immer auf Freispruch. Natürlich<lb/>
werden die Geschworenen durch die Richter entsprechend beeinflusst<lb/>
und in Wirklichkeit – und da stimme ich mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> vollkommen überein – dass in Wirklichkeit die Geschworenen<lb break="no"/>gerichte überfordert sind. Früher, als die Richter aus einem anderen<lb/>
Klassenstand gekommen sind, war es vielleicht noch erklärlich, dass<lb/>
man erklärt hat, gegen die Klassenjustiz sollte man Geschworene,<lb/>
d.h. Volksgerichte errichten. Aber schon allein in der ersten Republik<lb/>
hat sich gezeigt, dass die Geschworenen in den politischen Prozessen<lb/>
nicht nur immer gegen die sozialistische Auffassung entschieden haben,<lb/>
siehe 15. Juli – sondern dass auch meistens wirklich Fehlurteile<lb/>
zu verzeichnen waren. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> bemerkte mir gegenüber, dass<lb/>
man eben richterlich ausgebildet sein muss, um über Schuld urteilen<lb/>
zu können. Dies trifft bei den Geschworenen eben nicht zu und bedingt<lb/>
deshalb diese unbefriedigende Entwicklung auf gerade diesem Rechtssektor.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> aber sind die Geschworenen ein unantastbares Rechtsgut, wel<lb break="no"/>ches die Demokratisierung der Gesellschaft weiter vorgetrieben hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band11_1972-05-29_20">Der Bericht des BM f. Finanzen übe die Lage der Bundesfinanzen vom Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> wird nur zur Kenntnis genommen, nicht wie im Antrag von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
vorgesehen auch dem Parlament zugeleitet, damit nicht wieder eine<lb/>
Diskussion im Finanz- und Budgetausschuss darüber abgeführt werden<lb/>
muss. Insbesondere ist diese Vorgangsweise, wie <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erklärte,<lb/>
notwendig, weil im Antrag selbst steht, dass das Finanzministerium<lb/>
nicht notwendigerweise mit jenen der Ausführungen <rs type="person" ref="#per__97937">Seidels</rs> überein<lb break="no"/>stimmt. Leider war <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nicht anwesend, sodass wir seine Meinung<lb/>
nicht hören konnten. Für mich hat sich nur wieder bestätigt, dass<lb/>
es nicht sehr sinnvoll ist, unbedingt alle Aktivitäten in Form eines<lb/>
Berichtes an den Nationalrat zusammenzufassen. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat sich<lb/>
seit längerer Zeit dagegen gewehrt, dass wir immer im Parlament<lb/>
nur Berichte behandeln und wichtige Gesetzesbeschlüsse dadurch<lb/>
zurückgestellt werden müssen. Die Integrationsberichte, die ich<lb/>
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Ausnahme, weil wir ansonsten überhaupt keine Chance dem Parlament<lb/>
geben würden, über die Integrationsverhandlungen informiert zu<lb/>
werden und zu diskutieren. Ausserdem waren die Integrationsberichte<lb/>
ein ausgesprochener Wunsch der Oppositionsparteien, dem ich nachge<lb break="no"/>kommen bin. Wir selbst sollten allerdings keine weiteren Initiativen<lb/>
bezüglich einer Berichterstattung an das Parlament auf anderen<lb/>
Gebieten ergreifen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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