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            <title type="main">Montag, der 24. April 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_01">Montag, 24. April 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_02">Die Journalistenfrühstückrunde beim Bundesminister hat diesmal <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs><lb/>
vorbereitet. Ich habe das Material erst knapp vor der Sitzung gesehen<lb/>
und war sofort hellauf begeistert. Auch <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, der erst bei der Vertei<lb break="no"/>lung an die Journalisten das Material sich ansehen konnte, meinte,<lb/>
dies ist genau das, was Journalisten erwarten. Ich weiss nicht, wie das<lb/>
Presse-Echo sein wird, auf alle Fälle aber hat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hier wirklich<lb/>
ganze Arbeit geleistet. Wenn ich mir vorstelle, dass wir durch das<lb/>
seinerzeitige Disziplinarverfahren resp. durch die Angriffe des Rech<lb break="no"/>nungshofes auf ihn – wenn ich nicht hinter ihm gestanden wäre – entsprechend<lb/>
verärgert hätte, ist für mich wieder ein Beweis, wie vorsichtig man in<lb/>
der Personalpolitik vorgehen muss. Ich glaube, dass wir in ihm einen<lb/>
guten Mitarbeiter gefunden haben. Ich bin auch überzeugt, dass es im<lb/>
Hause noch einige solcher Leute gibt, nur haben wir sie nicht so<lb/>
gut wie <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> herausstellen resp. verteidigen können. Dies müsste aber un<lb break="no"/>sere zukünftige Personalpolitik sein, den Leuten die Möglichkeit geben,<lb/>
sie bei Fehlern nicht hängen lassen, vor allem aus dem ÖAAB- und CV-Clan<lb/>
herausbrechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_03">Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> teilte ich mit, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> am Samstag<lb/>
ein Telefongespräch geführt habe, um seinen Fall noch einmal zu be<lb break="no"/>sprechen und zu klären. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> wurde über <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> von der Ver<lb break="no"/>bund verständigt, dass <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> ihm gesagt hat, dass <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> von der ÖVP<lb/>
abberufen wird werden. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> ist über diese Mitteilung sichtbar<lb/>
erschüttert, da niemand in der ÖVP mit ihm vorher wirklich geredet<lb/>
hat, sondern nur <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> ihm eben mitgeteilt hat, dass ihn nun ein<lb/>
Brief von der Verbund erreichen wird, worin ihm Dank ausgesprochen<lb/>
wird. In diesem Fall hat er dann aber darauf gedrängt, dass dies im<lb/>
Ministerrat beschlossen werden müsste. Da er keine Zeit gehabt hat,<lb/>
mich vorher davon zu verständigen, ist es somit wahrscheinlich auch in<lb/>
seinen Augen seine ausschliessliche Schuld, dass nun der Ministerrat<lb/>
klaglos und ohne irgendeine Bemerkung diesen Beschluss gefasst hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_04">Bei dieser Gelegenheit teilt mir <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> mit,<lb/>
dass die Personalvertretung mit einem Schreiben an mich herangetreten<lb/>
ist, dass 25 neue Dienstposten geschaffen werden müssen. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> selbst<lb/>
hält zwar im Prinzip eine solche Forderung für begründet, doch meint er,<lb/>
dass es aussichtslos ist, vom BKA auf Beamtenebene so etwas durchzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_05">Er wird froh sein, wenn nicht neuerdings Dienstposten eingespart werden<lb/>
müssen. Ich selbst gebe ihm sofort plein pouvoir bei den Verhandlungen<lb/>
und gratulieren ihm jetzt schon, wenn es ihm gelingt, dass wir keine<lb/>
zusätzlichen Dienstposten aufgeben müssen. Dieses Schreiben des ÖAAB<lb/>
kommt uns aber sehr gelegen, da ich überzeugt bin, dass es einmal im<lb/>
Parlament eine Diskussion über die Überbesetzung der Beamten geben wird<lb/>
und dann der ÖVP wir dieses Schreiben unter die Nase halten können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_06">Bei der Antrittsvorlesung von Prof. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> waren sehr viele Leute vom<lb/>
Wirtschaftsforschungsinstitut, die ich gar nicht mehr kenne, aber auch<lb/>
einige Professoren anwesend. Interessant war, dass <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> die Inflation<lb/>
der Gegenwart und ihre Ursache auf amerikanischen Ziffern aufbauen<lb/>
musste. Die österr. Statistik dürfte hier wirklich noch sehr im<lb/>
Argen liegen. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> hat nämlich seinerzeit am österreichischen Modell<lb/>
mitgearbeitet und würde – wenn es einigermassen die Ziffern geben würde –<lb/>
gerne auch österr. Beweiszahlen vorlegen. Er entschuldigte deshalb, dass<lb/>
er immer nur mit amerikanischen Statistiken arbeitet. Spöttisch meinte<lb/>
ich nachher zu ihm, das sei die Verbeugung vor den Linken gewesen.<lb/>
Interessant war seine These, dass sich die Inflationsrate durch die Infla<lb break="no"/>tionserwartung, welche in irgendeiner Weise von den Unternehmungen<lb/>
antizipiert wird, entweder abschwächen kann oder dass es das Parameter<lb/>
gleich eins ist, d.h. de er kontinuierlich weiterwirkt. In diesem Fall<lb/>
haben wird zwar noch immer nicht die galoppierende Inflation wie nach<lb/>
dem ersten Weltkrieg oder in einigen südamerikanischen Ländern aber doch<lb/>
einen kontinuierlich gleichbleibenden Inflationstrend, der mit herkömm<lb break="no"/>lichen wirtschaftspolitischen Massnahmen nicht zu bekämpfen ist. Ein<lb/>
typisches Beispiel, die <rs type="person" ref="#per__127591">Nixon</rs>-Administration, die nur in eine Stagflation<lb/>
durch ihre Massnahmen gekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_07">Eine Delegation des Fachverbandes Maschinenindustrie mit Sekr. Dr. <rs type="person" ref="#per__139731">Bucher</rs>,<lb/>
aber insbesondere den Gen.Direktoren Zuckermann, <rs type="person" ref="#per__140920">Zach</rs> von der SGP,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> von Voith und <rs type="person" ref="#per__139734">Sponde</rs> von Wertheim hatten drei Anliegen:<lb/>
1. Im Osthandel sollten wir mit der Liberalisierung vorsichtiger sein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> replizierte, nachdem ich es prinzipiell abgelehnt hatte, sehr geschickt,<lb/>
dass eine Entliberalisierung ja kaum in Frage käme und dass man so<lb break="no"/>weit noch einzelne Kontingente mit den Oststaaten bestehen, diese<lb/>
von vornherein hoffnungslos uninteressant seien, nur aus der DDR und<lb/>
der CSSR seien überhaupt Textilmaschinen in geringerem Umfang importiert<lb/>
worden. Der österr. Export nach dem Osten beträgt aber immerhin noch<lb/>
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über diesen Punkt mit Gen.Dir. Dr. <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> von Voith kritisiert, weil er<lb/>
mir nicht zeitgerecht von seinen Auftragslücken Mitteilung gemacht hat.<lb/>
Ich versicherte ihm, dass ich dann – hätte ich es zeitgerecht gewusst –<lb/>
bei den sowj. Stellen interveniert hätte. Ich erklärte genauso freimütig,<lb/>
dass ich sicherlich auch nichts oder vielleicht einen Teilerfolg erzielen<lb/>
hätte können, dass aber jetzt die sowj. Seite mit Recht mir sagen kann,<lb/>
ja, warum haben sie mir das nicht zeitgerecht mitgeteilt. Derzeit haben<lb/>
z.B. die Voith-Werke zwei Papiermaschinen für Swetogorsk in einem Umfang<lb/>
von 450 Mill. S offeriert. Erstmalig aber verlangt die SU jetzt ein<lb/>
Kreditoffert auf 5 Jahre mit 5 % Verzinsung, was die Maschinen um 11 %<lb/>
verteuert. Dadurch, fürchtet <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs>, wird er gegen die konkurrierenden<lb/>
Finnen nicht mehr so leicht zum Zuge kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_08">Der zweite Forderungspunkt betraf die Mehrwertsteuer, doch hier habe ich<lb/>
sofort darauf hingewiesen, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dafür zuständig sei und dass<lb/>
insbesondere bei der Industriellenvereinigung ja bereits angekündigt<lb/>
hat, dass er entsprechende Massnahmen vorbereitet. Die Maschinenindustrie<lb/>
trifft auf der einen Seite die 1 1/2 %-ige Überkompensation, die dann<lb/>
verloren geht und auf der anderen Seite aber die Investitionssteuer,<lb/>
die natürlich einkalkuliert werden muss und damit die Preise im Export<lb/>
ebenfalls wesentlich verteuert. Durch die Schillingaufwertung hat die<lb/>
Maschinenindustrie seinerzeit 300 Mill. verloren und durch das Floating<lb/>
jetzt 350 Mill.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_09">Betreffend den Wunsch der Maschinenindustrie, insbesondere von Wertheim, dass<lb/>
man die Ausbildung auf den numerisch gesteuerten Werkzeugmaschinen in<lb/>
den Berufsbildenden höheren Schulen vortragen sollte, rennen sie bei<lb/>
mir offene Türen ein. Ich bin allerdings überrascht, dass in der BRD,<lb/>
wo 1969 erst 1 % dieser Maschinen in Gebrauch waren, jetzt bereits<lb/>
35 % des Maschinenparkes NC-Maschinen sind. Ich verspreche, mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs><lb/>
dies im einzelnen noch zu verhandeln und vor allem eine positive<lb/>
Regelung zu erreichen. Am Abend bei der Ministerratsvorbesprechung habe<lb/>
ich eine lange Aussprache über <choice><choice><sic>diese Punkt</sic><corr>diese Punkte? diesen Punkt?</corr></choice></choice> und <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> ist, wenn er ins<lb break="no"/>besondere wirklich von der Industrie eine finanzielle Unterstützung und<lb/>
Beistellung der Lehrer für solche Teststände bekommen kann, bereit, sofort<lb/>
entsprechende schulische Vorschläge durch Verordnungen zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte einen diesbezüglichen ausführlichen Brief von<lb/>
mir an <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> durch die Abteilung vorbereiten lassen und auf die <choice><choice><sic>Vorspra<lb break="no"/>che</sic><corr>Aussprache</corr></choice></choice> und auf meine heutigen Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> verweisen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_11">Die Ministerratsvorbesprechung und diesmal ausgesprochen flau. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst hat nur einen Brief vom Bürgermeister von Pöchlarn, der jetzt<lb/>
neu gewählt wurde und ein <rs type="person" ref="#per__122966">Kokoschka</rs>-Archiv, da dieser dort geboren ist,<lb/>
errichten möchte. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> soll eine diesbezügliche Unterstützung ge<lb break="no"/>währen. <rs type="person" ref="#per__122966">Kokoschka</rs> hat noch immer nicht seine österreichische Staatsbürger<lb break="no"/>schaft, da er sich weigert, eine diesbezügliche Erklärung, dass er sie<lb/>
neuerdings bekommen wird (er wurde 1938 ausgebürgert), zu unterschreiben oder<lb/>
auch nur abzugeben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat diesbezüglich Briefe an den Wiener<lb/>
Magistrat geschrieben, die aber bis jetzt noch keine positive<lb/>
Erledigung erfahren haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> denkt natürlich die Meinung der sturen<lb/>
Haltung von <rs type="person" ref="#per__122966">Kokoschka</rs>, dass er ja eigentlich niemals auf die österr.<lb/>
Staatsbürgerschaft verzichtet hat und deshalb auch keine diesbezügliche<lb/>
Erklärung abgeben müsste. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> ist leider in Graz beim Begräbnis von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139736">Matzner</rs>, ebenso <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, sodass auch dieser Punkt wie schon einige Male<lb/>
nur ganz oberflächlich behandelt wird. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> teilt mit, dass im Hoch<lb break="no"/>wassereinsatz 200 Mann stehen. Da etliche Brücken weggerissen wurden, will er<lb/>
drei Kompanien, 700 Mann aus Kärnten und Steiermark für die Zeit vom 3.<lb/>
bis 19. Mai zum ao. Präsenzdienst einberufen. Dies ist seinerzeit auch beim<lb/>
Kärntner Hochwasser geschehen, als der Bundespräsident einer Verlängerung<lb/>
der Präsenzdiener zugestimmt hat. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> teilt mit, dass LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs><lb/>
30 Mill. S aus dem Katastrophenfonds abgefordert hat. Im Prinzip hat<lb/>
er ihm zugesagt unter der Voraussetzung, dass zuerst die 19 Mill., die<lb/>
aus 1970 zugeteilt wurden, verwendet werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_12"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> teilt mit, dass die UNO einige Sekretariate von New<lb/>
York nach Wien verlegen möchte. Eine diesbezügliche Studie sieht vor, dass<lb/>
der Umweltschutz mit 50, Transporte und Naturschätze mit 70 und Welt<lb break="no"/>raumsekretariat mit 10 also insgesamt 130 Beamte nach Wien kommen könnten,<lb/>
wenn die UNO dies beschliesst. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint zuerst, man sollte auf das<lb/>
Weltraumsekretariat verzichten, wird aber .dann von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und ins<lb break="no"/>besondere von <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> aufgeklärt, dass in Österreich sehr viele<lb/>
Professoren sich mit Weltraumfragen beschäftigen. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> teilt auch<lb/>
gleichzeitig mit, dass <rs type="person" ref="#per__97689">Lederer</rs> nun zugestimmt hat, dass der <rs type="person" ref="#per__139738">Klimt</rs>-Fries<lb/>
mit 15 Mill. S von der Republik Österreich erworben werden kann. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wünscht insbesondere Gutachten, dass dieses sehr zerfallene und not<lb break="no"/>wendig zu restaurierenden Fries mehr wert sei als dieser Betrag. Angeb<lb break="no"/>lich haben Fachleute mitgeteilt, dass er mindestens 1 Mill. S wert wäre.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> entsprechende Angriffe von der ÖVP erwartet, ich bin allerdings<lb/>
anderer Meinung, sollen jetzt bereits Gutachten entsprechende Absicherung<lb/>
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in der Halle angebracht werden.<lb/>
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sehr gut vorwärts. Der Vizeminister <rs type="person" ref="#per__139739">Götz</rs> hätte ihm 300 Mill. S maximal<lb/>
angeboten. Wenn die OMNIPOL eingeschaltet wird, ich weiss nicht, um was<lb/>
es sich dabei handelt, seien 500 Mill. drinnen. Österreich hat aber für<lb/>
die mittleren Vermögen 2 Milliarden und wenn nur die kleineren Vermögen<lb/>
abgegolten werden sollen, 1 Mia. S verlangt. Interessant ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mitteilt, seinerzeit, als er noch Aussenminister war, hätte man<lb/>
ihm schon angeboten für seine Vermögensverluste in der CSSR eine Entschä<lb break="no"/>digung sofort auszubezahlen. Jetzt erklärt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, in seinen Verhandlun<lb break="no"/>gen könnte <rs type="person" ref="#per__98097">Wodak</rs>, der diese führt, offiziell auf den Anspruch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
verzichten. Es ist dies eine sehr geschickte Geste, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gegenüber<lb/>
den anderen Regierungsmitgliedern ausspielt, Sicher ist eines, dass er<lb/>
als Politiker wahrscheinlich wirklich finanzielle Verluste in Kauf nehmen<lb/>
muss, aber sicherlich auch gerne in Kauf nimmt, da es ihm primär um die<lb/>
politische Arbeit ankommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_14">Ein typisches Beispiel ist auch, dass mit <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, der die Ver<lb break="no"/>handlungen jetzt über die Politikerbesteuerung und über die Entschädigung<lb/>
der Nationalräte und damit automatisch der Minister führt, wie ich aus<lb/>
einer Bemerkung nach der Sitzung entnommen habe, nicht übereinstimmt.<lb/>
Die ÖVP und die FPÖ wären bereit, die Politikerbesteuerung zu akzeptieren.<lb/>
wenn der Sektionschefbezug 9,6 als Grundlage genommen wird. In diesem Fall<lb/>
wären sie bereit, keine Kritik und keine Attacke wegen der Entlohnung<lb/>
wenn dies beide am 1.1.1973 in Kraft tritt, zu führen. Ich selbst bin<lb/>
überzeugt davon, dass zwar die Verhandler sich dann daran halten werden,<lb/>
dass aber insbesondere die mittleren Funktionäre sowohl der ÖVP als auch<lb/>
der FPÖ sicherlich auch viele unserer Partei über diese Regelung nachher<lb/>
sehr schimpfen werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auch in dieser Beziehung ein gutes Gespür<lb/>
und meint halt, es müssten die Politiker Opfer bringen und die Besteuerung<lb/>
bereits mit 1.7. einsetzen. Über die Erhöhung der Bezüge könnte man dann<lb/>
später reden. Wie er aus diesem Dilemma mit einem blauen Auge herauskommt<lb/>
ist mir noch nicht ganz klar. Die Klubs wollen natürlich nicht auf ihre<lb/>
Klubabgaben von ihren Abgeordneten verzichten, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst möchte ja<lb/>
in diesem Fall, dass die Klubbeiträge vom Staat übernommen werden, anderer<lb break="no"/>seits sollen die Abgeordneten keinen neuen finanziellen Verlust durch die<lb/>
Politikerbesteuerung erreichen, drittens aber soll in der Öffentlichkeit<lb/>
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um dann davon Steuern zu bezahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat eine Propagandaidee, die er als <rs type="person" ref="#per__133397">Brantl</rs> einen Vorschlag<lb/>
gemacht hat, zuerst abgelehnt hat. Jetzt möchte er aber doch, dass zwei<lb/>
Jahre ÖVP-Regierung 1969–1970 – zwei Jahre SPÖ-Regierung gegenüberge<lb break="no"/>stellt werden. Es soll eine Information für kritische und intelligente<lb/>
Leser sein und insbesondere Argumente für die Vertrauenspersonen umfassen.<lb/>
Das Rote Wien hat seinerzeit die Erfolge, die es gehabt hat, immer<lb/>
wieder präsent gemacht, jede Gemeindebaueröffnung war ein Volksfest.<lb/>
Er meint deshalb, es müsste auch gelingen, dass die österr. Bundes<lb break="no"/>regierung jetzt immer wieder ihre Erfolge dokumentiert. Ein Bauer hätte<lb/>
ihm geschrieben, er hätte 4 Kinder und durch die Freifahrten und Bücher<lb/>
würde er 8.000 S jetzt im Jahr ersparen, was mehr ist als die gesamte<lb/>
Agrarhilfe, die er über die Landwirtschaftskammer vom Staat erhält.<lb/>
Durch die Information unserer Vertrauenspersonen würde sich dieser<lb/>
Apparat mit der Regierung identifizieren. Solange die schwedische<lb/>
Partei diese Identifizierung bei ihren Mitgliedern und Wählern mit ihr<lb/>
hatte, war sie im Aufstieg, erst jetzt hat sich dies geändert. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs><lb/>
meint auch, solange unsere Vertrauenspersonen noch an die Regierung<lb/>
so fest glauben wie jetzt und jeden Angriff auf die Regierung als<lb/>
Majestätsbeleidigung betrachten, geht alles gut. Deshalb sei auch gegen<lb/>
den ORF eine so schlecht Stimmung in der Partei, weil dieser gelegent<lb break="no"/>lich die Regierung attackiert, zumindestens bei Interviews an Regierungs<lb break="no"/>mitglieder unangenehme Fragen stellt, die uns gar nicht so unangenehm vor<lb/>
kommen, bei den Zuhörern aber, soweit sie unserer Partei angehören, das<lb/>
Gefühl erwecken, wir werden vom ORF attackiert. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verkühlt ist<lb/>
und ins Bett muss, kann er die beabsichtigte Aufführung vom Intertel-Film<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114985">Freunds</rs> – Das ungleiche Gewicht – nicht besuchen. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
treffe ich Gen.Intendant <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> und mache ihm, nachdem er eine Bemerkung<lb/>
über unsere Filmförderung fallen lässt, auf die Zusagen, dass wir auch dem<lb/>
ORF entsprechende Gebühren für die Ausstrahlung von österr. Firmen vor<lb break="no"/>schreiben wollen, aufmerksam. <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> meint, dass er mit 80 Mill. S jetzt<lb/>
bereits österr. Filme im Jahr finanziert und er deshalb keinen Grund<lb/>
sieht, noch Abgaben zu leisten. Sollte er zu solchen verhalten werden<lb/>
dann wird er seine Aufträge entsprechend einschränken müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: <rs type="person" ref="#per__114985">Freund</rs> möchte mit Dir über die Filmförderung<lb/>
verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_17">Ausserhalb der Tagesordnung mache ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> neuerdings auf unseren<lb/>
Wunsch. so schnell wie möglich das Dokumentationszentrum zu errichten,<lb/>
aufmerksam. Da es in seiner ausschliesslichen Kompetenz liegt, überlasse<lb/>
ich es ihm natürlich vollkommen, ob er eine Ausschreibung machen will<lb/>
und ob er einverstanden ist, dass <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> dieses Dokumentationszentrum<lb/>
führen soll. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, er wird keine Ausschreibung machen, da dies<lb/>
nicht mehr notwendig sei, obwohl ich ihn auf eventuelle Folgen hinweise,<lb/>
da er auch meine Auffassung teilt, dass Gefahr im Verzug ist, wenn<lb/>
am 1.1.1974 mit der Arbeit dieses Instituts beginnen sollen. Er selbst ist<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> einverstanden, da er auch keinen besseren Vorschlag derzeit<lb/>
hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte eine Darstellung auch mit Abschrift der Erklä<lb break="no"/>rung vom Patentamt, dass sie keine Leute zur Verfügung haben, unverzüglich<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_19">Ausserhalb der Tagesordnung erklärt <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, dass er doch jetzt damit rech<lb break="no"/>net, die Energiesektion bald abgeben zu können. <rs type="person" ref="#per__97587">Jankowitsch</rs>, der mir dies<lb/>
auch bestätigt, hätte ihm gesagt, dass das grosse Kompetenzgesetz noch<lb/>
in der Frühjahrssession ins Parlament kommen wird. Ich schlage ihm des<lb break="no"/>halb sofort vor, er möge den Güterverkehrstag solange zurückstellen, bis<lb/>
er die alleinige Kompetenz im Verkehrswesen hat, dann bräuchte<lb/>
er sich nicht mehr mit unseren Beamten herumschlagen, sondern könnte<lb/>
dann die gesamten Verkehrsfrage von sich allein in Baden zur Diskussion<lb/>
stellen. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> möchte nämlich unbedingt neben dem Verkehrstag, der<lb/>
sich ausschliesslich mit Personentransporten beschäftigt, auch eine<lb/>
solche Besprechung über Güterverkehr ins Leben rufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_20">Betreffend die Personalpolitik auf dem Energiesektor teilt mir <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
mit, dass er sowohl <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> dezidiert erklärt habe,<lb/>
dass eine Verlängerung der Verträge nicht in Frage kommt. Mit Juni 1973<lb/>
müssen die beiden also auf alle Fälle in Pension gehen. Über die Nach<lb break="no"/>folge bei der Drau hat er sich noch keine Gedanken gemacht, meint aber<lb/>
auch, dass <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> dafür am besten in Frage käme. Bei de Verbund<lb/>
selbst steht er auf dem Standpunkt, wäre <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> jetzt bereits zu allen<lb/>
Verhandlungen beizuziehen, da dieser einmal die Nachfolge von <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs><lb/>
antreten wird. Sein Hauptproblem liegt aber noch immer darin, dass die<lb/>
Sondergesellschaften heute nicht mehr die Aufgaben, zu denen sie seinerzeit<lb/>
gegründet wurden, haben, wie z.B. bei der Enns weitestgehend der Ausbau abge<lb break="no"/>schlossen ist. Zu diesem Zweck hat er jetzt auch seine Sektion beauftragt,<lb/>
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zweckmässig die gesamte Energiewirtschaft auf dem Elektrizitätssektor<lb/>
umgestaltet. Wenn das grosse Kompetenzgesetz wirklich kommen sollte,<lb/>
werden wir eine Fülle von neuen Aufgaben, abgesehen von der Preisbe<lb break="no"/>stimmung, vor allem auf dem Energiesektor bekommen. Ich glaube, dass<lb/>
es wirklich jetzt schön langsam zielführend ist, wenn wir uns Gedanken<lb/>
machen, wie wir diese Probleme in Angriff nehmen. Im Prinzip werde ich<lb/>
dann einen Beirat für Energiefragen bei allen Energiearten umfassend<lb/>
einsetzen und insbesondere mich auf die Interessensvertretungen stützen.<lb/>
Entscheidend wird aber sein, dass man die richtigen Personen auf<lb/>
die richtigen Posten bringt. Hier fürchte ich, werden doch die<lb/>
Landesfürsten über das Parteipräsidium einen so starken Einfluss<lb/>
nehmen, dass es äusserst schwierig sein wird, wenn man wirklich einen<lb/>
guten Mann hat, den in irgendeiner Gesellschaft oder Landesgesellschaft<lb/>
zu placieren. Die grösste Frage wird werden, wer wird einmal der Nachfolger<lb/>
von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__136608">Cech</rs>, dem gleichzeitigen SChef der Energiesektion im Ver<lb break="no"/>kehrsministerium. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wurde jetzt anstelle von <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> in den Ver<lb break="no"/>bundaufsichtsrat geschickt und hat damit seine Verbundenheit mit der<lb/>
Energiewirtschaft obwohl er jetzt Vizegouverneur von der Postsparkasse<lb/>
ist, aufrechterhalten. Da ihm die derzeitige Tätigkeit überhaupt<lb/>
nicht sehr behagt, sollte man wirklich überlegen, ob man ihn nicht<lb/>
wirklich dann wieder in die Energiesektion zurücktransferieren sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-24_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte diesbezügliche Vorbesprechungen vorsichtig<lb/>
führen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 24.4.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Einladung Antrittsvorlesung Helmut Frisch, 24.4.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Einladung Antrittsvorlesung Frisch Rückseite)</head>
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               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <occupation>FSG-Vors., SPÖ-Klubobmann, Volksanwalt</occupation>
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               <occupation>SC Energiesektion HM bis 1973</occupation>
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