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            <title type="main">Freitag, der 14. April 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_01">Freitag, 14. April 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_02">Bei der Eröffnung der 3. Campa-Ausstellung in Tulln, die ich vor et<lb break="no"/>lichen Monaten zugesagt habe und nach den Einladungen sogar als Er<lb break="no"/>öffnung angekündigt wurde, meinte Landesrat <rs type="person" ref="#per__115067">Grünzweig</rs>, dass ich ganz<lb/>
schön eingefahren bin, da nur wenige Zuhörer anwesend waren. Diese<lb/>
Camping-Ausstellung ist eine reine Verkaufsausstellung und hat deshalb<lb/>
nur Freitag, Samstag, Sonntag und nach nächste Woche wieder Freitag,<lb/>
Samstag, Sonntag offen. Bis jetzt hat immer Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> die<lb/>
Ausstellung eröffnet, diesmal hat er nur reden können Ich glaube, dass<lb/>
es aber wirklich trotzdem nicht möglich ist, dass ich alle diese klei<lb break="no"/>nen Ausstellungen persönlich besuche. Andererseits aber ist es äusserst<lb/>
wichtig, wenn ich in den Ländern, insbesondere Nö, wo ich sonst über<lb break="no"/>haupt niemals hinkomme, bei einer offiziellen Möglichkeit, eben einer<lb/>
Ausstellungseröffnung gegebenenfalls mit dem Landeshauptmann gemeinsam<lb/>
auftrete, um ihm nicht allein das Feld zu überlasen. Beim Durchgang konnte<lb/>
ich nämlich bemerken, dass er sehr geschickt agiert und jeden einzelnen<lb/>
anspricht, die Hand gibt und vor allem auch, wenn wirklich vereinzelt<lb/>
vier Buben um ein Ausstellungsobjekt gestanden sind, er sich sofort mit<lb/>
ihnen in ein Gespräch einlässt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_03"><rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> von der Arbeiterkammer verhalt derzeit mit der Bundeskammer<lb/>
das neue Kartellgesetz oder zumindestens eine Kartellgesetznovelle.<lb/>
Das derzeitige Kartellgesetz läuft mit Jahresende aus. <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> meint<lb/>
nun, er müsste uns, d.h. die Ministerien aber ganz besonders das Handelsmi<lb break="no"/>nisterium in den Paritätischen Ausschuss oder einer sonstigen Konstruk<lb break="no"/>tion stärker verankern. Die Finanzprokuratur, die bis jetzt die Inter<lb break="no"/>essen des Staates wahrgenommen hat, hat nämlich, wie er selbst zugeben<lb/>
muss, total versagt. Ursprüngliche Idee, die wir in der AK gehabt haben,<lb/>
nämlich die volkswirtschaftlichen Referenten, man sollte die Kartell<lb break="no"/>gesetznovelle dazu benützen, um das Kartellgesetz so umzubauen, dass<lb/>
letzten Endes an Stelle des paritätischen Ausschusses und vor allem<lb/>
an Stelle der Gerichte eine Kartellkommission auf Verwaltungsbasis auf<lb break="no"/>gebaut wird, ist längst begraben. Hier hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bereits bei der Kom<lb break="no"/>petenzdiskussion die Entscheidung indirekt getroffen, als er erklärte,<lb/>
man müsste wegen der internationalen Kartelle und wegen der Verflechtung<lb/>
die auch Österreich mehr oder minder in Hinkunft noch stärker haben wird,<lb/>
derzeit beim Justizminister die Kartellgesetzgebung belassen. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
und ich waren daher auf die Vorschläge von <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> gar nicht im einzelnen<lb/>
eingegangen, sondern erklärten gleich vorweg, dass wir ihm empfehlen, er<lb/>
<pb n="10-0482" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-04-14_0482.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>möge die Interessensvertretungen, insbesondere AK und ÖGB in der<lb/>
neuen Kartellgesetznovelle stärker verankern. Als die anderen Mini<lb break="no"/>sterien sich dann besonders um die Mitarbeit und die Mitwirkung be<lb break="no"/>mühen, dann natürlich werde auch ich nolens volens eine solche Mit<lb break="no"/>wirkung zur Kenntnis nehmen müssen. In Wirklichkeit hat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> vollkom<lb break="no"/>men recht, wenn er erklärt, dass wenn wir heute im Kartellverfahren<lb/>
die Beistellung erhalten, dann wird die Handelskammer immer wieder an<lb/>
uns herantreten, um gegen die Intentionen der Konsumenten und insbeson<lb break="no"/>dere der Interessensvertretung der Arbeitnehmer entsprechende Einsprüche<lb/>
resp. Berufungen einzulegen. Ich bin neugierig, ob die Bürokratie der<lb/>
anderen Ministerien eine entsprechende Mitsprache resp. sogar Parteien<lb break="no"/>stellung verlangt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_04"><choice><choice><sic>Bundesrat</sic><corr>Landesrat</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> hat telefonisch ersucht, ob er im Laufe der nächsten<lb/>
Woche zusammenkommen könnten, um die Einfuhr von Bruchreis zu regeln.<lb/>
Er meinte, ich sei jetzt als Landwirtschaftsminister, ich vertrete<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, dafür am besten geeignet. Am meisten war er überraschen, das es<lb/>
nächste Woche durch den Parteitag Terminschwierigkeiten gibt, einen so<lb break="no"/>fortigen Termin einräumte. Er erschien mit Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> und<lb/>
Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__123178">Kucera</rs>, da ich annahm, er käme als Landwirtschaftsmini<lb break="no"/>ster zu mir, habe ich auch <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> von uns und<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__116916">Waas</rs>, den Vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__98075">Willenparts</rs> neben <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> zur Sitzung gebeten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> wollten aber als Handelsminister<lb/>
mit mir sprechen, um eine Aufhebung der Einfuhrfreiheit von Reis, Bruchreis<lb/>
zu erreichen. Sie machten dabei einen grossen taktischen Fehler, weil<lb/>
sie mir die Unterlagen, die sie mir bereits vor Monaten geschickt hatten,<lb/>
durch eine Fotokopie neuerdings zur Verfügung stellten. Dadurch konnte<lb/>
ich mich dann doch auf viele Details erinnern und habe ich sofort er<lb break="no"/>klärt, dass ihr Begehren nicht erfüllt werden kann. Erstens einmal müssen<lb/>
wir beim Finanzministerium jetzt überprüfen lassen, ob dies eine Unter<lb break="no"/>scheidung zwischen den verschiedensten Reissorten bereit ist, auch<lb/>
tatsächlich zu treffen. Ansonsten wäre nämlich eine Einfuhrsperre für<lb/>
Bruchreis ganz wirkungslos. Über das aber verlangte ich, dass für die<lb/>
Aufhebung des Einfuhrfreiheit wir im GATT auf alle Fälle vorher schon<lb/>
eine Kompensation bereitstellen müssten. Ich war überzeugt und es be<lb break="no"/>stätigte sich, dass <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> ausserstande <choice><choice><sic>ich</sic><corr>ist</corr></choice></choice>, da eine Kompensation<lb/>
auf landwirtschaftlichem Gebiet zu bieten. Wenn er nämlich Obst und<lb/>
Gemüse oder sonst irgendein Produkt dem GATT zu Liberalisierung anbietet<lb/>
so kann er mit Sicherheit auf grösste Schwierigkeiten in seinen eigenen<lb/>
<pb n="10-0483" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-04-14_0483.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Reihen rechnen. Andererseits wollte er unbedingt von mir, dass<lb/>
ich den Artikel 19, das ist der Notstandsartikel, sofort zur An<lb break="no"/>wendung bringe und nachher erst in Konsultationen einzusteigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116916">Waas</rs> hat hier wirklich in vorbildlicher Weise die Interessen des<lb/>
Ressorts im GATT wahrgenommen. Er erklärte, dass bereits in der<lb/>
Vergangenheit bei solchen Massnahmen grösste Schwierigkeiten zu er<lb break="no"/>warten waren. Z.B. hat, als der Ölkuchen mit 50 Groschen Abgabe<lb/>
belastet wurde, Amerika sofort Retorsionsmassnahmen auf dem landwirt<lb break="no"/>schaftlichen, aber auch auf dem Textilsektor eingeführt. Österreich<lb/>
musste deshalb dann sehr bald wieder diese Massnahme aufheben. Ich<lb/>
erklärte deshalb, es ist ganz unmöglich, dass wir uns in eine ähnliche<lb/>
Situation einlassen und ich würde mich dafür niemals hergeben. Ich<lb/>
ersuchte <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs>, er möge mit dem Finanzministerium klären, ob diese<lb/>
überhaupt bereit sind, eine Unterscheidung der Reissorten zu machen.<lb/>
Dabei verblieben wir. Ich glaube, dass aber doch eine andere Möglichkeit<lb/>
darin besteht, um unsere Aktivität zu dokumentieren, dass wir jetzt<lb/>
an die meistbetroffenen Staaten eine diesbezügliche Anfrage richten<lb/>
oder ankündigen, dass wir hier beabsichtigen, wenn die Importe so stark<lb/>
zunehmen und damit unser Gerstenabsatz gefährdet ist, gegebenenfalls<lb/>
eine Kontingentierung ins Auge fassen. Wenn wir dies dem GATT-Sekre<lb break="no"/>tariat mitteilen, so würden wir ersten die Reaktion unverzüglich bemer<lb break="no"/>ken und zweitens wenn tatsächlich wir dann eine Massnahme setzen,<lb/>
dann kann uns niemand vorwerfen, wir hätten nicht vorher bereits das<lb/>
GATT von dieser Absicht verständigt. Der Nachteil dieser Aktion ist<lb/>
nur, dass gegebenenfalls dann noch grössere Mengen einströmen, <choice><choice><sic>ge-</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
weil eine Sperre befürchtet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diesbezügliche Überlegungen anstellen.<lb/>
Vorschlag erstatten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_06">Bei dem jug.-österr. Kanzlergespräch berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die<lb/>
Verhandlungen betreffend den 500-Mill.-Kredit, wovon 250 Mill. zur<lb/>
Umschuldung und 250 für neue zusätzliche Importe verwendet werden<lb/>
sollen. Die Absicht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, sich über die Zinsverbilligung mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu einigen, scheiterte daran, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ihm erklärte,<lb/>
dass ein gefährliches Präjudiz damit geschaffen wird. Dann würden<lb/>
selbstverständlich sofort die Bulgaren und andere Oststaaten, die<lb/>
ebenfalls eine Umschuldung und eine Verbilligung der Zinsen minde<lb break="no"/>stens auch auf 6 % – derzeit verlangt die Kontrollbank 7 3/8 % –<lb/>
fordern. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte deshalb, man würde die Sache weiter verfolgen,<lb/>
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auch schon gewusst hat. Ich berichtete über die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs><lb/>
und nur 3 Punkte von anderen Ressorts erwähnt, damit wir jetzt eine<lb/>
Protokollmässige Grundlage haben, dies auch tatsächlich den anderen<lb/>
Ressorts mitzuteilen. Die Jugoslawen fordern mit Recht, dass ihre Pro<lb break="no"/>spekte für den Fremdenverkehr – so wie unsere, die wir nach Jugoslawien<lb/>
schicken – zollfrei abgefertigt werden sollten. Dies muss das Finanz<lb break="no"/>ministerium wahrscheinlich genehmigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>: Bitte, Entsprechendes veranlassen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> habe<lb/>
ich auf das spezifische Probleme aufmerksam gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-14_08">Für die Hafentransitgebühr und insbesondere die Transportleistungen<lb/>
in Österreich ist der Verkehrsminister zuständig und ich werde ihn<lb/>
diesbezüglich selbst noch informieren, bitte aber ebenfalls, dass eine<lb/>
entsprechende Note an ihn über die Besprechung von der Sektion I, Sekt.<lb/>
Chef <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs> war ja immer anwesend, gerichtet wird. Auf dem Strassen<lb break="no"/>sektor möchten die Jugoslawen, dass der Karawanken-Tunnel projektiert<lb/>
und womöglich bald ausgeführt wird, wovon <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> ebenfalls zu verständiger<lb/>
ist. Über die Gaslieferungen – die Jug. haben von den Russen 500 Mill. m³<lb/>
bis 1975 zugesichert bekommen, konnte <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> mir auch noch keinen end<lb break="no"/>gültigen Bescheid geben. Ich habe deshalb beim Abendempfang, als ich <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
traf, ihn mit <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> bekanntgemacht, damit er von der VÖEST ihm viel<lb break="no"/>leicht noch einige Detailinformationen geben kann. Die VÖEST aber war<lb/>
hier auch nicht im Detail informiert, sondern Wusste nur, was ja auch<lb/>
ich schon <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> gesagt habe, das jetzt die Leitung mit 38 resp. 36<lb/>
Zoll bereits ausgeschrieben ist und in den nächsten Tagen der Zuschlag<lb/>
finalisiert werden soll. <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> meinte, die Techniker hätte ihm er<lb break="no"/>klärt, dass dann mit Hilfe von besseren Kompressoren eine Möglichkeit<lb/>
bestünde, in dieser 10-Milliarden-Leitung auch noch die 500 Mill. leicht<lb/>
zu transportieren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 14.4.1972</head>
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               <persName type="label">Brandstätter, Ernst</persName>
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               <persName type="label">Willenpart, Rudolf</persName>
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