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            <title type="main">Dienstag, der 11. April 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_01">Dienstag, 11. April 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_02">Die Aussenhandelsstelle der Handelskammer ist in einem sehr modernen<lb/>
neuen Wohnhaus untergebracht und wirklich die schönste, die ich bis<lb/>
jetzt gesehen habe. Jeder Aussenhandelsstelle hängt das Bild von<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, obwohl <rs type="person" ref="#per__114471">Steinacker</rs> behauptet, dass er sogar einmal<lb/>
angeordnet hat, dass diese wegkommen müssten. Scheinbar hält sich<lb/>
die Verwaltung nicht an diese Anordnung oder <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat es aus Sozial<lb break="no"/>betreuungsgründen weiter verfügt, dass sie hängen bleiben müssen.<lb/>
Ich sagte, wenn der Aussenhandelsstellenleiter den <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> sieht, dann<lb/>
hat er kein Heimweh. Botschafter <rs type="person" ref="#per__139809">Fawrowky</rs>, der mich begleitete, <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs><lb/>
legt grössten Wert darauf immer zu unterscheiden, wenn er mich begleitet,<lb/>
nämlich wenn es sich um EWG-Angelegenheiten handelt, für alles andere<lb/>
hat er mich gebeten, sollte ich immer <rs type="person" ref="#per__139809">Fabrovsky</rs> heranziehen,<lb/>
denn der fühlt sich sonst in zweiter Linie erst als Ersatzbotschafter.<lb/>
Er meint, dass das Heimweh eine ganz grosse Rolle spielt, denn bei<lb/>
der EWG z.B. sind alle phantastisch bezahlt und trotzdem kommt es immer<lb/>
wieder zu Nervenzusammenbrüchen und Selbstmorden usw. In Belgien ist<lb/>
es angeblich auch für junge Mädchen äusserst schwer Kontakt und An<lb break="no"/>schluss zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_03">Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__139538">Knoll</rs> erklärt, dass wird durch das immer gleichartige<lb/>
Nennen bei den EWG-Verhandlungen über die hier äusserst ausführlich be<lb break="no"/>richtet wird, von Schweden, Schweiz und Österreich, Österreich jetzt<lb/>
das Image eines industrialisierten Landes wie eben die anderen genannten<lb/>
erhält. Wir haben durch diese Tatsache eine verhältnismässig billige<lb/>
Aufwertung erfahren, ohne dass wir grosse Propagandaaufwände machen<lb/>
mussten. Trotz der vergleichbaren leichten Präzision in Belgien<lb/>
ist es gelungen, die Aussenhandelsziffern zu verbessern. Der Export<lb/>
beträgt ca. 1 Milliarde und ist gegen 1,8 nach Frankreich ein wirk<lb break="no"/>lich schönes Verhältnis. Frankreich hat dann bekanntlicherweise 2 Mia.<lb/>
Handelsdefizit während Belgien nur auf 800 Mill. kommt, d.h. dem<lb/>
Import aus Frankreich von 3,8 stehen ca. 1,8 von Belgien nach Öster<lb break="no"/>reich gegenüber. Damit könnte meint Argument, das sich insbesondere<lb/>
gegen <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> verwendet habe, dass die Sprachschwierigkeiten<lb/>
nach Frankreich der hauptsächlichste Grund des geringen Exportes ist,<lb/>
falsch sein. Dies trifft aber doch nicht zu, denn tatsächlich meint<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139538">Knoll</rs>, könnte dann nach Brüssel oder überhaupt nach Belgien man mit<lb/>
englischer Korrespondenz leicht auskommen, denn die Flamen benützen<lb/>
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allem in der Wirtschaft aggressivere ist, setzt er sich auch in<lb/>
immer stärkerem Masse gegen die Wallonen durch. Für unseren Export<lb/>
äusserst günstig, für die politischen Verhältnisse hier dagegen<lb/>
katastrophal. Dies ist ja auch der Grund, warum es hier einen Sprachen<lb break="no"/>streit gibt, der die Nation entzweit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_04">Auch die Fremdenverkehrszweigstelle ist in ein neues Lokal – sehr günstig<lb/>
gelegen – übersiedelt. Bis jetzt hat ja der bisherigen Fremdenverkehrs<lb break="no"/>leiter Graf <rs type="person" ref="#per__139813">Drahe</rs> sein Haus zur Verfügung gestellt gehabt und wir<lb/>
haben jetzt schwere Auseinandersetzungen noch immer mit ihm. Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__139809">Fabrovsky</rs> erzählt mir, dass er ununterbrochen Briefe, 18<lb/>
Seiten und mehr von ihm, der jetzt bereits 70 Jahre alt ist, bekommt<lb/>
wo er sich sehr bitter beklagt. Angeblich werden Briefe, die er an die<lb/>
Österreichische Fremdenverkehrsstelle oder Fremdenverkehrswerbung nach<lb/>
Österreich richtet, nicht mehr beantwortet. Ich habe den Leiter ersucht<lb/>
dass dies unbedingt mit zumindestens einem Bestätigungsvermerk: Brief<lb/>
erhalten und Vorlage an die zuständigen Stellen oder Organe, geschehen<lb/>
muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte auch in Wien dafür sorgen, dass zumindestens<lb/>
die Brief formell beantwortet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_06">Der Botschafter schlug vor, dass wir dem <rs type="person" ref="#per__139813">Dore</rs> ? eine Auszeichnung geben<lb/>
sollten und ich habe sofort zugestimmt. Er wird jetzt ein über den<lb/>
Dienstweg entsprechendes Schreiben an das Handelsministerium richten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_07">Im flämischen Gebiet gibt es einen Geschäftsmann, der sich sehr um<lb/>
die österreichische Fremdenverkehrswerbung annimmt. Deshalb soll<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139811">Uhl</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> von der ÖFVW ihm in Aussicht gestellt haben,<lb/>
dass man ihn unterstützen wird, resp. man hat ihm sogar nach Wien<lb/>
zum Opernball eingeladen und ihn wissen lassen, dass er dafür Konsul<lb/>
werden kann. <rs type="person" ref="#per__139809">Fabrovsky</rs> sagt, dass dies eine Katastrophe wäre, wir<lb/>
haben bereits jetzt im flämischen Raum zwei Konsuln und im wallonischen<lb/>
nur einen. Es ist deshalb aus politischen Gründen ganz unmöglich,<lb/>
dass ein dritter Konsul im flämischen Gebiet ernannt wird. Es be<lb break="no"/>steht nämlich dafür auch gar keine Notwendigkeit. Abgesehen davon<lb/>
ist es wirklich ein Unfug, wenn die Fremdenverkehrswerbung hier in<lb/>
eine Kompetenz einmischt für die sie erstens gar nicht zuständig ist<lb/>
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Wenn nun der Botschafter sein Ansuchen ablehnt resp. negativ das<lb/>
Aussenamt dazu Stellung nimmt, dann ist die ÖFVW scheinbar die gute<lb/>
und das Aussenamt resp. <rs type="person" ref="#per__139809">Fabrovsky</rs> der böse Mann. Ausserdem erreicht<lb/>
man deshalb nichts, weil der Mann wird so verbittert sein, dass er<lb/>
dann ebenfalls für die ÖFVW kaum mehr etwas tun wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Vielleicht könnte man auch hier mit einem<lb/>
Orden diesen Fehler gutmachen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_09">Die Fremdenverkehrsstelle hat mit 5 Beschäftigten viel zu tun<lb/>
und mit Stolz verweist der Leiter darauf, dass er gegenüber der<lb/>
Schweiz, wo 16 Beschäftigte tätig sind, doch jetzt diese über<lb break="no"/>runden kann, weil wahrscheinlich heuer mehr Belgier nach Österreich<lb/>
fahren als in die Schweiz. Ich liess ihm keinen Zweifel, dass trotz<lb break="no"/>dem nicht daran zu denken ist, dass wir mehr Leute in den Zweigstel<lb break="no"/>len beschäftigen können. Wichtig ist, dass durch die Trennung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139813">Doré</rs> jetzt der neue Leiter sich voll entfalten kann und dass auch<lb/>
die Kolleginnen mit der jetzigen neuen Unterkunft sehr zufrieden<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_10">Die Aussprache mit dem Kommissar <rs type="person" ref="#per__139820">Borschette</rs> von der EG-Kommission und<lb/>
seinem Budgetisten <rs type="person" ref="#per__139821">Müller</rs> sowie mit <rs type="person" ref="#per__139822">Baker</rs>, der mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
bereits die Vorverhandlungen geführt hat über die Public-relations-<lb/>
Arbeit, war für mich ein bisschen enttäuschend. <rs type="person" ref="#per__139820">Borschette</rs> erklärte<lb/>
nämlich, dass man alle Anstrengungen Österreichs unterstützen würde,<lb/>
dass aber im Budget keine Mittel vorgesehen sind. <rs type="person" ref="#per__139821">Müller</rs> erklär<lb break="no"/>te, dass Österreich nur unter p.m., das heisst pro memoria, aufge<lb break="no"/>führt ist. Natürlich gibt es Möglichkeiten, aus anderen Budget<lb break="no"/>posten Österreich zu helfen. <rs type="person" ref="#per__139822">Baker</rs> meinte, dass drei Möglichkeiten<lb/>
in Frage kommen. Für die Stiftung, die wir in Österreich errichten<lb/>
wollen, könnte für die Dokumentation und der Bibliothek durch<lb/>
Bücherankäufe eine indirekte Subvention erfolgen. Für die Heraus<lb break="no"/>gabe einer Basisbroschüre Fakten könnten die ca. 300.000 S kosten<lb/>
werden, 50.000 S von der EG zur Verfügung gestellt werden. Drittens<lb/>
könnten Seminare und Vortragende entweder in Wien oder vereinzelt<lb/>
auch in Brüssel durchgeführt werden. Dass das Budget beschränkt ist,<lb/>
möge man daraus ersehen, dass für Dänemark. welches beitreten wird,<lb/>
nur 400.000 bfrs. vorgesehen sind. Deshalb würden die Dänen zwar<lb/>
<pb n="10-0461" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-04-11_0461.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine ganz grosse Vortrags- und Seminartätigkeit in Brüssel ent<lb break="no"/>wickeln, 1.200 Personen nach Brüssel zur EWG bringen, aber<lb/>
auf ihre eigenen Kosten. Für Norwegen wäre nur ein Budget von 410.000<lb/>
bfrs. vorgesehen. Nur bei Grossbritannien wären 12,9 Mill. veran<lb break="no"/>schlagt. Darüber hinaus gibt es in Grossbritannien noch einen<lb/>
Presse- und Informationsdienst und ebenfalls eine eigene EG-Dele<lb break="no"/>gation in London. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> versuchte zu erklären, dass ja<lb/>
die Stiftung auch eine Art Stützpunkt für die EG in Wien sein<lb/>
könnte. Die Absichten Österreichs wurden als sehr positiv<lb/>
und sehr zielführend betrachtet, doch hat man leider zum Beispiel<lb/>
für diese Tätigkeit 10 Mill. angefordert und nur 300.000 bfrs.<lb/>
bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_11">Über die Wünsche Österreichs zum Vertrag konnte ich das Kommissions<lb break="no"/>mitglied <rs type="person" ref="#per__139820">Borschette</rs> sehr für uns einnehmen, da er als Luxemburger sich<lb/>
bereits immer als Freund Österreichs deklariert hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_12">Beim Mittagessen, das <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> für die ständigen Vertreter und<lb/>
die vier Botschafter der Beitrittsländer gegeben hat, benützte<lb/>
ich ebenfalls die Gelegenheit, natürlich auf den österreichischen<lb/>
Wunsch einen baldigen und für uns positiven Abschluss hinzuweisen.<lb/>
Insbesondere der Luxemburger Vertreter sicherte mir zu, er führt<lb/>
jetzt den Vorsitz, dass er alles unternehmen wird, um uns zu<lb/>
unterstützen, Genauso natürlich de deutsche Vertreter mit dessen<lb/>
Mission für sehr gute Beziehungen, wie mir Dr. <rs type="person" ref="#per__126251">Hausberger</rs> versicherte<lb/>
haben. Er ersuchte mich auch und ich kam diesem Ersuchen gerne nach,<lb/>
dass wir insbesondere auf die gute Zusammenarbeit angewiesen sind<lb/>
und ihm dafür entsprechend zu danken. Der italienische Botschafter<lb/>
hatte natürlich das grösste Interesse, wie er mir versicherte,<lb/>
dass die Landwirtschaft positiv erledigt wird, weil er sich<lb/>
ja selbst dafür eine gewisse Lösung der Wein-, Obst- und Gemüse<lb break="no"/>probleme von Italien, Export nach Österreich, erwartet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_13">Bei den Verhandlungen mit Präsident <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> war auch Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> von der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern<lb/>
anwesend. <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> war am Vormittag bereits aufgekreuzt und ich<lb/>
sagte, wenn er früher gekommen wäre, hätte er selbstverständ<lb break="no"/>lich auch bei den anderen Kommissionsmitglieder-Vorspachen anwesend<lb/>
sein können, wo ich immer die Landwirtschaftsforderung an die Spitze<lb/>
gestellt habe. <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> bezweifelt dies nicht, meinte nur, er hätte<lb/>
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Er hat mir auch die Abschrift eines Briefes gegeben, wo ausdrücklich<lb/>
festgehalten wird, dass er nur bei der Vorsprache bei <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs><lb/>
anwesend ist und damit keinesfalls die Stellungnahme der Präsiden<lb break="no"/>tenkonferenz präjudizieren werden soll. Scheinbar fürchtet man jetzt<lb/>
doch, dass durch das Mitziehen der Interessensvertretungen und jetzt<lb/>
ganz besonders durch den Wunsch <rs type="person" ref="#per__97686">Lanners</rs> mitzufahren, sich zu<lb/>
präjudizieren. <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs>, der ja jetzt nicht mehr die Landwirt<lb break="no"/>schaft betreut, ging aber doch sofort auf die Landwirtschaftlichen<lb/>
Forderungen ein. Er meinte, dass man natürlich Lösungen auch an<lb break="no"/>streben müsste, denn eine Aufnahme der Landwirtschaft in den<lb/>
Vertrag sei unmöglich. Ich meinte dazu, es müsste halt ein Wunder<lb/>
geschehen und wir hoffen noch immer auf dieses Wunder. Falls dies<lb/>
aber nicht eintritt so haben wir uns dann über die Rinder, Butter-<lb/>
und Vollmilchsituation sehr im Detail unterhalten. Es war doch<lb/>
auch sehr gut, dass <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> anwesend war, denn er konnte sicherlich<lb/>
noch bessere Detailinformationen <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> geben, als ich es im<lb break="no"/>stande gewesen wäre. Der Export betrug, wie ich richtig gesagt<lb/>
habe, 1.800 bis 2.000 t, aber <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> meinte, früher hätte er bis<lb/>
zu 3.000 t betragen und man müsste für diese Spezialbutter, die<lb/>
über Salisbury ein Spezialgeschäft in England importiert wird,<lb/>
vorsorgen, damit auch in Hinkunft diese Buttermengen verkauft<lb/>
werden können. Ebenso ist es bei Vollmilchpulver, wo wir ca.<lb/>
13.000 t hauptsächlich als Kakaomischung im Sprühverfahren herge<lb break="no"/>stellt nach England exportieren. Ich erwiderte, dass wir<lb/>
mit diesen Produkten niemals eine Schleuderkonkurrenz aufgebaut<lb/>
haben, denn kein Land, nicht einmal Dänemark hat sich über<lb/>
diese Exporte beschwert. <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> fragte nach den Preisen und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> erwiderte, dass selbst als die Weltmarktpreise 7 – 8.– S<lb/>
betrugen, Österreich noch immer 20.– S für diese Sauerrahm ungesalzene<lb/>
Spezialbutter verlangte. <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> wunderte sich, dass dies damals<lb/>
bezahlt wurde und auch in bin mir nicht ganz klar, ob tatsächlich<lb/>
eine solche höhere Preisrelation in England zu erreichen war. Die<lb/>
Preise konnten aber leicht deshalb von Österreich kontrolliert werden<lb/>
weil ja bekanntlicherweise nur die ÖMOLK exportieren kann und mit<lb/>
dem Bandwirtschaftsministerium darüber ein Spezialkontrakt besteht.<lb/>
Die Minimum-Preise können daher leicht garantiert werden. <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs><lb/>
empfahl der Landwirtschaft, sie sollte unverzüglich jetzt ein Ansuchen<lb/>
an die EG richten, wie man diese Export aufrechterhalten kann,<lb/>
nämlich wenn man sie als spezifische Produkte zu spezifischen Preise<lb/>
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bei <rs type="person" ref="#per__139823">Mansholt</rs> gesprochen, der scheinbar jetzt als Präsident doch<lb/>
mit vielen anderen Problemen beschäftigt ist und z.B. gar nicht<lb/>
erwähnt hat, dass wir ja Butter auf Grund der Übergangsbestimmungen<lb/>
in GB-Vertrag wahrscheinlich in der Übergangsphase dorthin exportieren<lb/>
können. Eine diesbezügliche Bemerkung wird ja im Kommissionsbericht<lb/>
sein. Interessant war, dass er auch über die positive Rinderpreis<lb break="no"/>erstellungserledigung im Kommissionsbericht nichts wusste. Er hat<lb/>
sogar befürchtet, dass doch eine negative Bemerkung ist und den<lb/>
Kabinettsdirektor beauftragt, dass man diese Stelle beeinspruchen<lb/>
sollte. Ich selbst und insbesondere auch <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> ersuchten ihn,<lb/>
wir durften ja den Kommissionsbericht noch nicht kennen, dass wir<lb/>
doch gehört hätten, dass dieses Problem ja für Österreich positiv ge<lb break="no"/>löst werden soll. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es manchmal<lb/>
zugeht, wenn zwei Politiker zusammenkommen, die ja nicht Zeit und<lb/>
die Möglichkeit haben, sich über Details zu informieren, wie sie dann<lb/>
oft wirklich irgendwelche Dinge vorschlagen, die genau konträr den sind<lb/>
die sie eigentlich beabsichtigen. Wieder einmal hat sich bestätigt<lb/>
für mich, dass man eben Detailkenntnisse haben muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_14">In der anschliessenden Pressekonferenz ersuchte <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs>, dass er<lb/>
sich unbedingt absentieren könne. Ich erklärte sofort, dass ich<lb/>
ihn nicht daran hindern werde, sondern ganz im Gegenteil so wie<lb/>
immer es im Ermessen jedes einzelnen liegt, ob er an Aktionen teil<lb break="no"/>nehmen will oder nicht. Die Pressekonferenz war verhältnismässig<lb/>
sehr harmlos. Ich hatte angenommen, dass harte Fragen kommen werden.<lb/>
doch hat <rs type="person" ref="#per__132606">Rome</rs> gleich einleitend bemerkt, es wäre doch sehr gut, wenn<lb/>
ich die einzelnen Arten gerne und vor allem die Punkte, die ich<lb/>
verhandelt habe, detailliert schildere. Die Journalisten sind über<lb/>
das Seminar, das sie bei der EG gehabt haben, nicht sehr begeistert.<lb/>
Einige von ihnen, insbesondere <rs type="person" ref="#per__137160">Grabner</rs> und <rs type="person" ref="#per__97507">Hacker</rs><add>[evtl. Falschidentifikation]</add>, die ja Detailkenntnisse<lb/>
haben, waren über das tiefe Niveau erschüttert. Obwohl die Journalisten<lb break="no"/>reise 200.000 bfrs. gekostet hat, war der Erfolg für die EG damit<lb/>
eigentlich nicht sehr positiv. Wir werden sehen, wie die Berichterstat<lb break="no"/>tung über meinen Besuch sein wird, dann haben wir immerhin eine<lb/>
16-Mann-Delegation zur Ministerbegleitung auf Kosten der EG gehabt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_15">Bei dem Empfang der Handelskammer, wo wir stundenlang herumge<lb break="no"/>standen sind, es waren ja nur die Journalisten anwesend mit<lb/>
den Botschaftern und den Handelskammerangestellten, ergab sich<lb/>
Gelegenheit über verschiedenste Probleme mit Journalisten<lb/>
zu reden. Was mir gefallen hat, war, dass alle ganz besonders<lb/>
herausgestrichen haben, dass zwar zuerst die SPÖ die ÖVP<lb/>
angegriffen hat wegen der Pressereferenten, jetzt aber und sie<lb/>
ja sehr positiv damals und jetzt schon dafür gewesen, stellt<lb/>
sich heraus, dass dort wo gute Pressereferenten des Ministers<lb/>
vorhanden sind, ein phantastischer Kontakt existiert. Insbesondere<lb/>
die Arbeit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppes</rs> wurde ganz besonders herausgestrichen. Ich<lb/>
selbst erklärt gleich grosszügig, dass ich eben alles das zu tun<lb/>
habe, was <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> mir anschafft und <rs type="person" ref="#per__114471">Steinacker</rs> selbst sagte bei<lb/>
ihm in der Handelskammer sei gerade das Gegenteil der Fall,<lb/>
aber <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> allein nicht nur p.R.-Arbeit zu erfüllen hat. Ich ver<lb break="no"/>kaufte wieder unsere Idee, dass eben nur durch eine Stabsführung wie<lb/>
in unserem Büro organisiert, ein Minister imstande ist, überhaupt<lb/>
seine Arbeit leisten zu können. Ich habe die Arbeit von <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
natürlich primär den Charakter des Pressemanagers, darüber hinaus<lb/>
aber glaube ich muss man wirklich der Journalistengruppe und auch de<lb/>
Öffentlichkeit immer wieder mein Büro als die Stabsstelle präsentiert,<lb/>
was sie auch tatsächlich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_16">Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__114471">Steinacker</rs>, obwohl er scheinbar in der Presse<lb/>
in Wien und auch im Ausland nicht viel zu reden, insbesondere<lb/>
seine Funktionäre kaum beeinflussen kann, hat dafür ein umso<lb/>
grösseres Budget zur Verfügung. Er hat daher die Delegation<lb/>
in ein ungeheuer nobles Restaurant am schönsten Platz der Welt, der<lb/>
herrlich beleuchtet war, eingeladen. Dies nützte ich gleich wieder<lb/>
um zu sagen, da sieht man eben den Unterschied, der Handels<lb break="no"/>minister lädt die Journalisten in eine Tenne ein, es war wirklich<lb/>
ein umgebauter Gutshof, und die Handelskammer eben in das teuerste<lb/>
Lokal von Brüssel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-11_17">Ich bin sehr froh, dass ich jetzt zu demselben Zeitpunkt hier<lb/>
bin, wo die Journalisten da sind, denn dadurch nützte ich<lb/>
jede Gelegenheit, um mit ihnen zusammen zu sein. Das beginnt bereits<lb/>
beim Frühstück, wo ich mich stundenlang mit ihnen unterhalte,<lb/>
auch jede Autobusfahrt wird von mir mit ihnen mitgemacht und<lb/>
ich versuche immer den engsten Kontakt mit ihnen zu halten.<lb/>
Schon allein, weil ich mich wirklich bei ihnen wohl fühle und<lb/>
darüber hinaus aber weiss, wie empfindlich gerade Journalisten<lb/>
in dieser Hinsicht sind. Ein Journalist hat mich gefragt, wie<lb/>
ich denn und was ich von der EG-Kommissionsbürokratie halte. Ich<lb/>
selbst erklärte sofort, dass ich viel zu wenig Kontakt habe und<lb/>
nach zwei Tagen, wo ich doch nur mit den Spitzenleuten zusammen<lb break="no"/>gekommen bin, überhaupt kein Urteil abgeben könnte. Er meinte,<lb/>
dass ich hier vielleicht doch kneife, doch haben alle anderen einge<lb break="no"/>sehen, dass dies nicht der Fall ist. Nachher hat man mir erzählt,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> glaube ich irgendwo in Genf einmal über die EFTA-<lb/>
Bürokratie eine Bemerkung gemacht hat, wahrscheinlich, da er sehr<lb/>
angerührt war, ist er irgendwo nicht entsprechend bevorzugt be<lb break="no"/>handelt worden und das Endergebnis war, dass man von ihm nur mehr <choice><choice><sic>von</sic><corr>als</corr></choice></choice><lb/>
Jux-Baron mit der Zigarre geredet hat. P.R.-Arbeit, die man sich<lb/>
für sich macht, besteht primär darin, dass man nicht überheblich sein<lb/>
soll, sondern vielleicht auch wenn es gegen das Protokoll ver<lb break="no"/>stösst, was bei mir immer sehr passt, eben mehr Tuchfühlung mit<lb/>
den Kolleginnen und Kollegen des Journalismus halten muss.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 21. Ministerratssitzung, 11.4.1972</head>
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               <occupation>öst. Botschafter EWG</occupation>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <occupation>öst. Handelsdelegierter Brüssel</occupation>
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               <occupation>EG-Wettbewerbskommissar bis 1976</occupation>
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               <occupation>führte 1972 mit Koppe Vorverhandlungen über PR-Arbeit, Zusammenhang
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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