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            <title type="main">Dienstag, der  4. April 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_01">Dienstag, 4. April 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_02">Die zweite Frühstücksrunde als Journalisteninformation wollte<lb/>
ich eigentlich schwänzen. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hatte in der Einladung darauf hin<lb break="no"/>gewiesen, dass ich noch auf Urlaub bin. Als Gag wollte er dann den<lb/>
Journalisten mitteilen, dass ich die höchste Verbrennungsanlage<lb/>
von Europa, nämlich am Reißeck 2.300 Meter, feierlich eröffne.<lb/>
Die RKH hat durch die Lehrwerkstätte und Eigenkonstruktion von <choice><choice><sic>Schrott<lb break="no"/>haufen</sic><corr>?</corr></choice></choice> der ÖDK durch die Lehrwerkstätten eine Verbrennungsanlage<lb/>
für die Abfälle gebaut, die sie bisher vor dem Hotel in einer offenen<lb/>
Tonne immer wieder verbrannten. Ein eingeholtes Offert für eine<lb/>
solche Verbrennungsanlage hätte 250.000 S Kostenaufwand bedeutet und<lb/>
nun haben sie mit nicht ganz 50.000 S eine solche selbst konstruiert<lb/>
und aus den Abfällen erbaut. <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs>, der ebenfalls am Reißeck<lb/>
mit war, meinte, dies hätte man müssten propagandistisch gut ausnützen.<lb/>
Ich selbst halte nicht sehr viel von solchen durch einen einzelnen Be<lb break="no"/>trieb zielführenden Gag und bin daher sehr froh, dass ich mich doch ent<lb break="no"/>schloss, zu dieser Journalistenrunde zu kommen. Zuerst war beabsichtigt,<lb/>
dass wir bei dieser Journalistenrunde den Propagandamann von der EWG<lb/>
vorstellen. Durch eine Überseereise war er aber verhindert. Ich er<lb break="no"/>suchte die Journalisten, da die meisten Redaktionen der anwesenden<lb/>
ja an dieser Pressefahrt teilnahmen, dass sie hier nicht eine Propa<lb break="no"/>gandastaffel der EWG von Brüssel sind. Die Aufgabe kann – und sonst<lb/>
hätte sich das Handelsministerium gar nicht eingeschaltet – nur darin<lb/>
bestehen, die österreichische Bevölkerung sachlich zu informieren und<lb/>
dazu seien eben die Massenmedien berufen. Da ich einen entsprechenden<lb/>
Angriff von Seiten der ÖVP erwarte, die behauptet wird, jetzt, wo ich<lb/>
endlich einmal nach Brüssel gefahren bin, hätte ich gleich die ganzen<lb/>
Journalisten mitgenommen, baute ich dahingehend vor, dass ich erklär<lb break="no"/>te und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat die richtige Sprachregelung dafür gefunden, dass dies<lb/>
ein Wunsch der EWG-Kommission war, bei einem sachlichen Anlass, aber<lb/>
doch aktuellen Anlass die Journalisten nach Brüssel einzuladen. Wenn<lb/>
die Journalisten mitspielen – und ich kann bei den Staatsbesuchen fest<lb break="no"/>stellen, dass sie dies meistens machen – kann man wirklich ein ver<lb break="no"/>hältnismässig gute inländische Presse bekommen. Ich hoffe schon allein<lb/>
durchndie Tatsache, dass ich mich in ihr Hotel begebe, dass ich mit ihnen<lb/>
daher ständig zusammen sein werde, ein gutes Klima vorzubereiten.<lb/>
Jetzt wird es dann nur mehr abhängen, wie wir ein vorbereitetes Papier<lb/>
bei den einzelnen Stellen in Brüssel anbringen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte auf dieses Papier besonders zu achten<lb/>
und zeitgerecht vorzubereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_04">Da wir hier die alleinige Kompetenz in diesen Fragen haben, ist es<lb/>
natürlich zielführend und für mich wesentlich leichter, eine Linie<lb/>
zu finden. Hoffentlich ist LWM <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> nicht beleidigt und hat das Gefühl,<lb/>
dass ich ihn ausschalten wollte. Mir kam es aber wirklich ausschließlich<lb/>
darauf an, dass wir nicht denselben Fehler machen, mehrere Minister<lb/>
gleichzeitig in Brüssel zu haben, damit dann die ausschließlich dasselbe Argument<lb/>
gegen uns verwendet, was ich bis jetzt immer vorbrachte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_05">Um der Dolchstoss-Legende der Landwirtschaft, dass ich mich nicht<lb/>
um ihre Probleme gekümmert habe und sogar vorzeitig ihre Forderung<lb/>
dass sie in den Vertrag einbezogen werden muss, vorzubeugen, habe<lb/>
ich den Journalisten noch einmal unsere Chancen für die Agrarregelung<lb/>
informativ dargelegt. Ich erklärte, dass wir überall offiziell die<lb/>
Forderung der Landwirtschaft unterstützen aber eben kaum eine Chance<lb/>
haben, sie wirklich durchzubringen. Es ist deshalb notwendig, dass<lb/>
wir den verantwortlichen Informationsträgern den wahren Sachver<lb break="no"/>halt darstellen. Ich bezeichnete dies als eine Inside-Information.<lb/>
Wir werden sehen, ob als Testfall dies jetzt tatsächlich als vertau<lb break="no"/>lich behandelt wird und wie die einzelnen Redaktionen auf etwaige An<lb break="no"/>griffe dann reagieren werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_06">Als zweiten Tagesordnungspunkt hatten wir uns vorgenommen, dass<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> vom Patentamt und Ing. <rs type="person" ref="#per__139566">Pilch</rs>, der die Computervorarbeiten<lb/>
geleistet hat, über das Weltdokumentationszentrum berichten. Bei<lb/>
einer Vorbesprechung hatte ich interessante neue Details erfahren.<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__139566">Pilch</rs> z.B. hat mir dort eine ausgedruckte Computerinformation<lb/>
über die Klassifizierung von Patenten gezeigt. Ich hatte angenommen,<lb/>
dass dies auf Grund von effektiv vorliegenden Unterlagen oder Magnet<lb break="no"/>bändern erfolgt ist. In Wirklichkeit sagte er mir, war dies nur ein<lb/>
Planspiel, welches die IBM für ihn veranstaltet. Er hat aber dann<lb/>
zugegeben, dass bei dieser Vorlage in Moskau z.B. nicht darauf hingewie<lb break="no"/>sen hat, dass es sich hier um ein konstruiertes Beispiel handelt.<lb/>
Ich hätte nicht angenommen, dass ein Beamter eigentlich solche Ge<lb break="no"/>schäftsmethode, die vereinzelt von unseriösen Firmen vorkommen,<lb/>
ebenfalls verwendet. Ich hoffe zumindestens, dass er bei den einzelnen<lb/>
Reisen in die Hauptstädte, wenn er schon nicht die Wahrheit sagt,<lb/>
zumindestens wenn er gefragt wurde, nicht noch ausgesprochen eine falsche<lb/>
<pb n="10-0422" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-04-04_0422.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Behauptung aufgestellt hat. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> machte bei der Vorbesprechung Andeutun<lb break="no"/>gen, dass er mit mir so schwer Kontakt bekommen könnte und als ich ihn<lb/>
darauf hinwies, dass er eben das Telefon benützen müsste teilte er da<lb break="no"/>rauf mit, dass dies von <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> nicht gern gesehen wird. Ich kann mir sehr<lb/>
genau erklären, warum, denn mit jeder schriftlichen Information oder<lb/>
jedem Akt, den er mir vorschreibt, ist er abgedeckt für alle Zukunft.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> wollte dann im Anschluss an die Journalistenbesprechung auch<lb/>
noch von mir eine mündliche Zusage, dass, wenn er in Genf jetzt über<lb break="no"/>morgen verhandelt, er auf alle Fälle das Pouvoir hat, den Vertrag noch<lb/>
in dem einen oder anderen Punkt abzuändern. Er befürchtet, dass bei<lb/>
dieser Besprechung von seiten der einzelnen Staaten doch Wünsche auf<lb break="no"/>tauchen, die derzeit im Vertragsentwurf nicht vorgesehen sind und dass<lb/>
er glaubt, man müsste die vorzeitig ohne Rückfrage womöglich erfüllen.<lb/>
Ich habe dies ganz entschieden abgelehnt, weil ich auf dem Standpunkt<lb/>
stehe, dass der Vertrag jetzt bereits weitestgehende Verpflichtungen,<lb/>
die ausschliesslich ihn<add>[?]</add> oder Österreich treffen, beinhaltet. Eine weitere<lb/>
Verschlechterung ohne entsprechende Rücksprache mit mir kommt daher<lb/>
nicht in Frage. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> hat eine Aussprache mit dem Leiter des französischen<lb/>
Patentamtes, er hat eine diesbezügliche Information mir zur Verfügung<lb/>
gestellt, wo klar und deutlich ersichtlich ist, dass de Franzosen sich<lb/>
gegen unsere Absicht wenden werden. Sie möchten, dass das Institut in<lb/>
Den Haag diesen Auftrag bekommt. <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> war zur selben Zeit wie ich in<lb/>
Paris und hat diese Verhandlungen geführt. Ich habe ihm deshalb sofort<lb/>
vorgeworfen, warum er mir nicht in Paris bereits eine telefonische In<lb break="no"/>formation zukommen liess, damit ich gegebenenfalls bei dem Staatsbesuch<lb/>
versucht hätte, auch diesen Wunsch bei den Ministern zu deponieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> war sehr erstaunt, dass ich eine solche Möglichkeit überhaupt<lb/>
in Erwägung zog. Als einzige Entschuldigung führte er aus, dass wir uns<lb/>
ja doch in Paris nur kreuzten. Ich glaube auch hier kam es primär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> und dem Patentamt darauf an, mich jetzt durch Informationen<lb/>
einzudecken und vor allem einmal schriftlich immer wieder alles fest<lb break="no"/>zulegen, wie sich die Situation entwickelt.. Wenn es schiefgehen sollte,<lb/>
dann sind alle Beamten herrlich abgedeckt. Die wichtigste Frage wird<lb/>
aber werden und darauf hat <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__139566">Pilch</rs> hingewiesen, dass<lb/>
die Gesellschaft unmittelbar nach Ministerratsbeschluss und Vertrags<lb break="no"/>unterzeichnung errichtet werden muss. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> vom Finanzministerium<lb/>
hat mich auf telefonischem Wege verständigt, dass er meinen Brief,<lb/>
den ich ihm in dieser Sache schrieb, als positiv beantwortet und be<lb break="no"/>stätigen wird. Wen sollen wir, wen werden wir in diese zu errichtende<lb/>
Gesellschaft schicken. Vielleicht wäre dies eine Möglichkeit, <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs><lb/>
ins Spiel zu bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_07">Die Landwirtschaft befürchtet, nachdem jetzt die Gewerbeordnung in das<lb/>
Endstadium der Vorbereitungen kommt, dass sie doch durch ihren systema<lb break="no"/>tischen Boykott und Ausschaltung, die sie zu verantworten haben, ins<lb/>
Hintertreffen gerät. Während ich mit der BHK in dieser Frage sehr<lb/>
guten Kontakt habe, ist es mir bisher nicht gelungen, denselben<lb/>
Draht zur Landwirtschaftskammer zu legen. Ich bin deshalb sehr positiv<lb/>
berührt, dass Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ersuchte um eine<lb/>
Aussprache ausserhalb unseres Hauses. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> informierte mich über<lb/>
dieses Treffen vorher und meinte, er könnte vielleicht bei dieser Ge<lb break="no"/>legenheit, die Stellungnahme der Landwirtschaft noch einmal herauskristal<lb break="no"/>lisieren und zum Positiven wenden. Tatsächlich hat <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs>, wie er<lb/>
mir nachher berichtet, grosse Angst, dass eben jetzt eine Lösung kommt.<lb/>
die für sie unakzeptabel ist. Er weiss, dass wir Keine Verfassungsbestim<lb break="no"/>mungen in die Gewerbeordnung aufnehmen wollen, ich habe eine diesbe<lb break="no"/>zügliche Forderung der Landwirtschaft glattwegs abgelehnt, dass wir<lb/>
nun eventuell mit einfacher Mehrheit beschliessen können. Scheinbar hat<lb/>
die ÖVP ins sich beschlossen, dass sie gegen die Gewerbeordnung gegebe<lb break="no"/>nenfalls opponieren will und da befürchtet <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> jetzt am allermei<lb break="no"/>sten, dass eine Lösung zustande kommt, die sich gegen die Landwirtschaft<lb/>
richtet. Er hat deshalb als Vermittlungsvorschlag empfohlen, die Aus<lb break="no"/>dehnung der Gewerbeordnung auf sämtliche Genossenschaften zuzustimmen,<lb/>
wenn die Handelskammer und die Landwirtschaftskammer sich die Umlagen von<lb/>
diesen teilen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sofort ersucht, er möge vom verfassungs<lb break="no"/>rechtlichen Standpunkt, ohne eine Verfassungsbestimmung wird es nach<lb/>
seiner Auffassung leider nicht gehen, prüfen, ob wir einen solchen ver<lb break="no"/>nünftigen Kompromiss vorschlagen können. Da mir <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> seinerzeit<lb/>
zugesichert hat, dass dieses Problem zwischen Wirtschaftsbund und Bauern<lb break="no"/>bund dahingehend geregelt werden soll, dass die Einnahmen der Land<lb break="no"/>wirtschaftskammern zumindestens zum grössten Teil erhalten bleiben sollen<lb/>
müsste von der Handelskammer ein solcher Kompromissvorschlag ebenfalls<lb/>
akzeptiert werden. Eine solche Lösung wäre nämlich zielführender, als wenn<lb/>
wir durch eine Gewerbeordnungsgsetz die Genossenschaften trennen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_08">Einerseits würden die Ein- und Verkaufsgenossenschaften auf alle<lb/>
Fälle der Gewerbeordnung unterliegen und die Produktionsgenossenschaften<lb/>
müssten dann aufgeteilt werden. Die Landwirtschaft wünscht, dass alle<lb/>
früher von den Bauern vorgenommenen Produktionsstufen wie z.B. Buttern,<lb/>
Käseerzeugen, Wein produzieren, aber auch Vieh erzeugen als landwirt<lb break="no"/>schaftliche Produktion auch bei den Genossenschaften als landwirt<lb break="no"/>schaftliche Tätigkeit zu werten und damit nicht der Gewerbeordnung<lb/>
zu unterwerfen seien. Diese Philosophie bedeutet, dass wir nun einen<lb/>
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Dadurch würden sich Streitprobleme mit der Landwirtschaft aber<lb/>
auch mit der Handelskammer ergeben. Ich neige deshalb dazu, dass<lb/>
wir versuchen sollten, eine generelle Einbeziehung der Genossenschaf<lb break="no"/>ten in die Gewerbeordnung mit einer eventuellen Teilung der Umlagen<lb/>
zwischen der Handelskammer und der Landwirtschaftskammer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_09"><rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> befürchtet, dass jetzt von Seiten der ÖVP die Oppositionsrolle<lb/>
dahingehend aufgefasst wird, auch gegen alle Gesetze, die einiger<lb break="no"/>massen von Bedeutung sind, sich zu stellen und die unzufriedenen Wirt<lb break="no"/>schaftstreibenden dann umso mehr an eine ÖVP-Wählerschaft neu zu<lb/>
binden. Ich weiss nicht, ob er recht hat. Sicher ist, dass die<lb/>
Koalitionsgesinnung von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wahrscheinlich innerhalb der<lb/>
ÖVP auf immer grösseren Widerstand stossen wird. Ähnlich ergeht es<lb/>
ja auch mir auf unserer Seite. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> liegt aber Gott sei Dank auf<lb/>
derselben Linie wie ich, dass wir uns bemühen sollten, ein Gesetz<lb/>
zustande zu bringen, dem auch die ÖVP und die FPÖ zustimmen können.<lb/>
Da wir ja letzten Endes dieses Gesetz mit der ÖVP-Institution Handels<lb break="no"/>kammer vollziehen müssen, wäre es nicht sehr zielführend, wenn wir ein<lb/>
Lösung ohne Zustimmung der ÖVP durchsetzen müssten. Dann allerdings<lb/>
habe ich <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> erklärt, soll er sich entsprechende Gesetzesformulie<lb break="no"/>rungen vorbereiten, wo wir dann ganz extreme Wünsche unsererseits,<lb/>
die die ÖVP zur Raserei bringen, in das Gesetz aufnehmen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-04-04_10">Der chinesische Botschafter mit dem Handelsrat kam, um festzuhalten,<lb/>
dass jetzt die konkreten Verhandlungen über ein Handels- und Zahlungs<lb break="no"/>abkommen zwischen beiden Staaten beginnen sollten. Ein chinesischer<lb/>
Entwurf wurde uns vor einigen Tagen übermittelt. Die Vorbesprechung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> ergab, dass wir ihn eigentlich im Grunde genommen, akzeptie<lb break="no"/>ren können, da er nur zwei Punkte beinhaltet, die von unserem Stand<lb break="no"/>punkt aus unakzeptabel sind, der erste ist ein rein formeller, wo<lb/>
China will, dass die beiden Regierungen diesen Vertrag abschliessen,<lb/>
während bei uns nur der Bundespräsident lt. Verfassung, ermächtigt<lb/>
ist, einen Minister zu beauftragen, damit ein solcher Vertrag abge<lb break="no"/>schlossen wird, und der zweite Punkt ist die Frage der Zollämtermäch<lb break="no"/>tigung, die die Chinesen ebenfalls im Vertrag bereits geregelt haben<lb/>
wollen. Österreich hat seinerzeit zwar im russischen Handelsvertrag<lb/>
dies noch nicht statuiert gehabt, aber dann im Laufe der Zeit natürlich<lb/>
der Sowjetunion zugestanden. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> meint nun, dass wir nicht umhin<lb break="no"/><pb n="10-0425" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-04-04_0425.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kommen werden, ebenfalls den Chinesen diese Erleichterung zu ge<lb break="no"/>währen. Ich selbst bin der Meinung, dass wir dies auf alle Fälle<lb/>
tun sollten, denn ich sehe in der Zollämterermächtigung keine<lb/>
wesentliche Zugeständnisse, die man den Chinesen aus irgendwelchen<lb/>
Gründen verwehren könnte. Der Botschafter wollte wissen, auf Grund<lb/>
welchen Vertragsentwurfes die Verhandlungen beginnen, welche Herren<lb/>
daran teilnehmen werden und ob ich einer Einladung nach China Folge<lb/>
leisten werde zur Unterzeichnung des Vertrags. Da Österreich als erstes<lb/>
einen Vertragsentwurf den Chinesen zukommen liess, haben wir den<lb/>
Gegenentwurf der Chinesen in demselben Aufbau bekommen, der sich auch<lb/>
nur unwesentlich von unserem unterscheidet. Deshalb erklärte ich sofort,<lb/>
dass über beide Verträge verhandelt werden soll und wir wahrscheinlich<lb/>
in kürzester Zeit ein gemeinsames Kompromiss finden könnten. Die Lei<lb break="no"/>tung unserer Verhandlungsdelegation ist Min.Rat Dr. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, der auch<lb/>
eine interministerielle Sitzung für 18. April einberufen hat und un<lb break="no"/>verzüglich danach die Besprechungen zwischen der Botschaft, dem Han<lb break="no"/>delsrat und ihm in einem kleineren Kreis beginnen können. Der Botschafter<lb/>
wollte dann nur noch feststellen, ob die derzeitige Vertragslage nämlich<lb/>
der Abschluss zwischen der Handelskammer Österreichs und der chinesi<lb break="no"/>schen Handelskammer dann ausser Kraft gesetzt wird. Ich konnte, da der<lb/>
Entwurf ja auch von der Handelskammer approbiert wurde, darauf hinwei<lb break="no"/>sen, dass in unserem Entwurf sogar eine diesbezügliche Bestimmung aufge<lb break="no"/>nommen wird. Da die Chinesen dies in ihrem Entwurf aber nicht mehr<lb/>
haben und einen Briefwechsel nur darüber wollten, konnte ich leicht<lb/>
diesem Verlangen zustimmen. Die Handelskammer wir dann, so erklärte ich,<lb/>
überhaupt nicht beleidigt sein, resp. erwartet, dass ihr Handelsabkom<lb break="no"/>men dann hinfällig wird. Für die Einladung nach China dankte ich und<lb/>
erklärte, dass ich aber höchstens im September kommen könnte, da im<lb/>
Oktober bereits die Parlamentssession beginnt.<lb/>
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               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Pilch, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Pilch</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>Patentangelegenheiten</occupation>
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               <persName type="label">Auracher, Otto</persName>
               <persName><surname>Auracher</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>erst AK, dann GF INPADOC</occupation>
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               <persName type="label">Lorenz, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lorenz</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation>Hofrat Patentamt; evtl. Falschidentifikation</occupation>
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               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Brandstätter, Ernst</persName>
               <persName><surname>Brandstätter</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>GS Präs.konf. LWK AR Verbund</occupation>
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