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            <title type="main">Mittwoch, der 22. März 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_02">Kranzniederlegung beim Arc de Triomphe ist ein ungeheures<lb/>
eindrucksvolles Schauspiel. Der ganze Champs-Élysées ist abgesperrt,<lb/>
man kann sich vorstellen, wie die Autofahrer fluchen. Fußgänger<lb/>
sieht man keine, oder fast keine. Anschließend wird das neue<lb/>
Büroviertel Défense besucht. 6.000 Menschen werden dort wohnen,<lb/>
aber 100.000 arbeiten. Alles ist sehr großzügig geplant und die<lb/>
Bauten entsprechen einem vielfachen des UNIDO-Projektes an der<lb/>
Donau. Das Verkehrsproblem wird durch eine Schnellmetro, die<lb/>
100 km fährt, wie ich mich selbst im Führerstand überzeugen konnte,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_03">Wichtig ist aber die Besprechung beim Mittagessen mit Minister<lb break="no"/>präsident <rs type="person" ref="#per__139470">Chaban-Delmas</rs>. Ich lerne den GenDir. und wichtigen<lb/>
Mann des Patronats <rs type="person" ref="#per__139802">Montet</rs> kennen. Er wird mit der Industriellen<lb break="no"/>vereinigung nach Wien kommen und ersucht, ob er nachher eine<lb/>
Privataudienz bei mir bekommen kann, was ich ihm selbstverständlich<lb/>
sofort zusage. Die Firma <choice><choice><sic>Usin perron pro gil</sic><corr>Ugine, Rhône Progil?</corr></choice></choice>, die wir<lb/>
Freitag besuchen, die Mutterfirma von Donau-Chemie. Ich versuche<lb/>
sofort herauszubekommen und Unterstützung zu bitten wegen Landeck.<lb/>
Der Generaldirektor ist sehr genau informiert und meint, er hätte<lb/>
hier keine Sorge wenn der Karbidabsatz jetzt zurückgegangen ist,<lb/>
man wäre mit anderen Produkten Ferrometall, die Produktion auf<lb break="no"/>rechterhalten können. Schwierigkeiten sieht er nur bezüglich Brückl.<lb/>
Hier kommt es sofort zu einer Diskussion über den Salz- und Energie<lb break="no"/>preis. Ich erkläre, warum der Finanzminister bei uns 310,–– gegen<lb break="no"/>über 110,–– bis 120,–– S Tonne Salz verlangt und warum der Energie<lb break="no"/>preis bei uns doch wesentlich höher ist als in anderen Ländern.<lb/>
Ich glaube aber darauf hinweisen zu können, daß wenn Brückl wir<lb break="no"/>lich zugrunde gehen würde, man sicherlich einen Ausweg aus dem<lb/>
Dilemma finden kann. Da die Produkte ja bei uns erzeugt werden<lb/>
und auch werden sollen. Anders, wesentlich schlechter beurteile<lb/>
ich die Situation in Landeck beim Generaldirektor ist es gerade<lb/>
umgekehrt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_04"><rs type="person" ref="#per__139804">Obletta</rs>, der ebenfalls bei diesem Dejeuner ist, erklärte mir,<lb/>
daß er sehr froh ist über unsere Industriepolitik. Er hat das<lb/>
Gefühl, daß das erste Mal im Handelsministerium man sich diesem<lb/>
Problem stärker widmet und er dadurch als Vertreter Österreichs<lb/>
bei der OECD einigermaßen positiv auftreten kann. Er möchte auch<lb/>
gerne wissen wieweit die Abgrenzung zwischen Gesundheitsministerium<lb/>
und Umweltschutzfrage und Handelsministerium ist. Ich kann ihm<lb/>
auseinandersetzen, daß natürlich die grundsätzlichen Beschlüsse<lb/>
jetzt im Gesundheitsministerium getroffen werden, im Einvernehmen<lb/>
mit den beteiligten oder betroffenen Ministerien, daß über die<lb/>
konkrete Arbeit natürlich im Handelsministerium erfolgen muß.<lb/>
Ich weise z.B. auf Lärmschutzbestimmungen aufgrund der neuen<lb/>
Gewerbeordnung, wo die Phonzahl der Maschinen gleich bei der Ge<lb break="no"/>nehmigung festgelegt wird. In der OECD gibt es jetzt als große<lb/>
Diskussion die Frage, wieweit der Umweltschutz durch Finanzierung<lb/>
der Verursacher oder durch die öffentliche Hand vorgenommen werden<lb/>
soll. Die OECD neigt eher zum Verursacherprinzip, möchte aber auf<lb/>
alle Fälle verhindern, daß dadurch Konkurrenzungleichheiten ent<lb break="no"/>stehen. Wenn z.B. in den nordischen Staaten die Papierindustrie<lb/>
die Umweltschutzauflagen nicht selbst bezahlen und kalkulieren<lb/>
müssen, sondern von der öffentlichen Hand geleistet wird, kommt<lb/>
es zu Konkurrenzverschiebungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_05">Beim Tisch sitze ich neben dem Ministerpräsidenten und nütze na<lb break="no"/>türlich die Gelegenheit, um unsere Integrationswünsche unterzu<lb break="no"/>bringen Der Ministerpräsident versichert dann auch in der Tisch<lb/>
rede, daß aus Brüssel gute Nachrichten für Österreich bestehen.<lb/>
Im Laufe der Besprechung stellt sich dann heraus, daß er scheinbar<lb/>
gemeint hat, daß der Ministerrat, der Vormittag getagt hat, sich<lb/>
mit Österreich beschäftigt hat. Ich versuche immer ohne lästig zu<lb/>
fallen und ohne den Eindruck zu erwecken, daß wir den Staatsbe<lb break="no"/>such ausschließlich dazu verwenden, um unsere kleinlichen Probleme<lb/>
jedem immer wieder zu präsentieren, dennoch natürlich die Integrations<lb break="no"/>fragen an der Spitze meiner Ausführungen zu stellen. Um es unauf<lb break="no"/>dringlicher zu machen erkläre ich, als wir Käse und Butter serviert<lb/>
bekommen, daß dieses köstliche franz. Produkt für unsere Landwirt<lb break="no"/>schaft auch eine große Bedeutung hat. Wenn z.B. jetzt England bei<lb break="no"/><pb n="10-0415" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-22_0415.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tritt und wir 60 % unseres Futterexportes die wir jetzt dorthin<lb/>
liefern verlieren würden, so ist dies für unsere Bauern natürlich<lb/>
eine fast unakzeptable Situation. Da in Brüssel gerade mit der<lb/>
Landwirtschaft ein riesen Krach war, meint der Ministerpräsident,<lb/>
daß es überall mit der Landwirtschaft Schwierigkeiten gibt. Er<lb/>
ist aber überzeugt, daß ich auch wie in Brüssel, die anderen land<lb break="no"/>wirtschaftlichen Probleme lösen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_06">Anschließend an das Mittagessen hätte eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs>, Aussenminister <rs type="person" ref="#per__139771">Schumann</rs> und mir stattfinden sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139771">Schumann</rs> hat aber neuerdings mir einen anderen Termin und hat<lb/>
sogar das Essen vorzeitig verlassen. Dafür ist dann der Regierungs<lb break="no"/>sprecher <rs type="person" ref="#per__139805">Arramon</rs> später gekommen. Da dieser neben mir sitzt, beginne<lb/>
ich natürlich auf sofort über die Integrationsfrage mit ihm zu disk<lb break="no"/>utieren. Es handelt sich doch um z.B. auch die Textil<lb break="no"/>regelung im schweiz.-österr.-brit.-Verfahren der EFTA, wie wir es<lb/>
jetzt handhaben. Hier es natürlich ein leichtes, daß ich <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard<lb/>
d'Estaing</rs> erklären konnte, wie eben ein kumulativer Ursprung zu<lb break="no"/>stande kommt. Zum Glücke hatte er die erste Äußerung noch nicht<lb/>
übersetzt bekommen, da aber auch gegenüber den Anwesenden für<lb/>
mich sehr blamabel. In diesem Fall war es ein echtes Übersetzungs<lb break="no"/>problem. In Hinkunft werde ich aber nie mehr zugeben, in dem Falle<lb/>
nichts zu wissen, sondern halt wie es sicherlich auch andere machen,<lb/>
herumreden. Als er meine Übersetzungsfrage auch noch geht, kann man<lb/>
wahrscheinlich ohne weiteres erklären, das nicht verstanden zu<lb/>
haben oder auf eine Anfrage eine Antwort zu geben, daß man dann wahr<lb break="no"/>scheinlich mehr oder minder der Übersetzung anlastet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114486">Giscard</rs> begleitete uns dann und <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wehrte dies zumindestens<lb/>
dies drei Mal ab, bis zum Ausgang.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_07">Die österreichischen Pressevertreter waren sehr interessiert über<lb/>
mein Ergebnis der Aussprache. Ich erklärte einzelnen von ihnen,<lb/>
dies war der Nachteil, daß die Presse dort von <rs type="person" ref="#per__139807">Stalnig</rs> nur sehr<lb/>
sporadisch betreut wurde, was natürlich <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> keine kon<lb break="no"/>kreten Zusagen machte, daß aber immer wir über das Elaborat sehr<lb/>
eingehend diskutiert haben. Der österr. Außenhandelsstellenleiter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146917">Kourimsky</rs> erklärte mir und auch den anderen, daß es noch niemals<lb/>
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Dies sei äußerst ungewöhnlich, dadurch trug mit dieser Aussage<lb/>
her an den Gefühl in der Presse bei, daß damit ein ganz großer<lb/>
Erfolg zu verzeichnen sei. Da die einzelnen Presseleute insbeson<lb break="no"/>dere der vom Kurier immer die Unterlagen längere Zeit behalten<lb/>
wollte, habe ich sie ihm und den anderen auch tatsächlich zur<lb/>
Verfügung gestellt und bis jetzt, obwohl er mir's versprochen hat,<lb/>
noch nicht zurückgekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_08">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>:<lb/>
Bitte dies von <rs type="person" ref="#per__138749">Klima</rs> verlangen, ohne ihm einen Vorwurf zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_09">Presse war zwar nicht mit der ersten Garnitur, wie dies z.B. bei<lb/>
dem Staatsbesuch in Italien der Fall, vertreten, aber doch ver<lb break="no"/>hältnismäßig mit guten Redakteuren vertreten. <rs type="person" ref="#per__133398">Mahr</rs> - Kronen-Zeitung,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137288">Christian</rs> - Salzburger Nachrichten, <rs type="person" ref="#per__139810">Habig</rs> – Süd-Ost-Tageszeitung,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122298">Weissenberger</rs> – Kleine Zeitung, <rs type="person" ref="#per__139812">Ender</rs> – AZ, <rs type="person" ref="#per__138749">Klima</rs> – Kurier, <rs type="person" ref="#per__139815">Wink<lb break="no"/>warter</rs> – APA, <rs type="person" ref="#per__139816">Arton</rs> – Presse, <rs type="person" ref="#per__139817">Hamminger</rs> – Neue Zeit, <rs type="person" ref="#per__139818">Zilcher</rs> -<lb/>
OÖ. Nachrichten, <rs type="person" ref="#per__139819">Fluch</rs> – Wiener Zeitung. Das franz. Protokoll,<lb/>
aber ich glaube auch, daß unseres nicht ganz unschuldig ist,<lb/>
hat die Journalisten von den Bundespräsidenten und natürlich<lb/>
damit auch von uns systematisch getrennt. Sie schliefen in anderen<lb/>
Hotels, wurden zu den Empfängen fast nie geladen, was allerdings<lb/>
auch in Österreich nicht immer der Fall ist, und hatten ein wesent<lb break="no"/>lich anderes Programm. Nur bei den offiziellen Höhepunkten, w. Z.<add>[?]</add><lb/>
Empfang im Élysée oder Besichtigungen, waren sie mit uns gemeinsam,<lb/>
allerdings auch verschieden transportiert. <choice><choice><sic>Wo</sic><corr>Sowohl</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> als auch<lb/>
ich versuchten deshalb immer wieder die Presse bei jeder Gelegenheit<lb/>
zu informieren, und sie damit natürlich zu beeinflussen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
legte insbesondere größten Wert darauf, damit nicht dieser ganze<lb/>
Staatsbesuch in einer Bittstellung über EWG Detailfragen ausartete.<lb/>
In diesem Falle spielten wir gut zusammen. Ich selbst legte natürlich<lb/>
immer größten Wert darauf, daß dies meine Hauptaufgabe sei und dies<lb/>
wurde auch von der Presse anerkannt. Einmal meinten sie sogar wir<lb/>
spielen sehr gut auf verschiedenen Klavieren. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> meinte dazu,<lb/>
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Klavier. Als sicherlich in der Vergangenheit und Koalition oder<lb/>
ÖVP–Alleinregierung ein so gute Zusammenarbeit zwischen dem<lb/>
Aussenminister und dem Handelsminister nie gegeben hat, ist es<lb/>
natürlich besonders aufgefallen. Obwohl <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> natürlich<lb/>
eine andere Aufgabe und andere Fragestellungen und Politik als<lb/>
Aussenminister verfolgt, kann ich immer wieder feststellen, daß<lb/>
er auch in der Integrationsfrage und in Details sehr gute Kenntnisse<lb/>
hat. In meinen Augen ist er auch ein überragender Politiker, dessen<lb/>
Ideen und Führung ich mich gerne anschließe. <choice><choice><sic>Ein</sic><corr>In</corr></choice></choice> stundenlangen Aus<lb break="no"/>sprachen, die wir natürlich auch privat unter vier Augen führen,<lb/>
muß ich feststellen, daß ihm am meisten in der letzten Zeit die<lb/>
Abweichung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Aussenpolitik beunruhigt. Er selbst meinte,<lb/>
er sei angetreten, daß seine ideologiefreie, offene Politik<add>[?]</add> gemacht<lb/>
werden kann und dies hätte der Kanzler ihm auch zugesichert. Er<lb/>
glaubt nämlich, und da hat er vollkommen recht, daß man für Öster<lb break="no"/>reich nicht eine sozialistische oder ÖVP oder sonstige Aussen<lb break="no"/>politik machen könnte. Österreich könnte nur, und dies wird bei<lb/>
der österreichischen Bevölkerung auch anerkannt und ist einmal<lb/>
honoriert worden, eine Außenpolitik machen, die er vertritt und<lb/>
die am Neutralitätsstatus nichts ändert, doch eine gute Lösung<lb/>
für die österreichischen Probleme in der Welt geben sollte. Er<lb/>
meint, daß das schwedische Experiment, wo man geglaubt hat soz.<lb/>
Aussenpolitik machen zu müssen, dazu geführt hat, daß man die<lb/>
einen enttäuscht und die anderen verärgert hat. Nun beginnt in<lb/>
der letzten Zeit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> insbesondere auch über die Ideologie-<lb/>
Diskussion und im Hinblick auf den Parteitag hat er ja bei den<lb/>
Vorbesprechungen erklärt, auch die Aussen- und Wehrpolitik müßte<lb/>
man unter den sozialistischen Ideologiegesichtspunkt sehen und<lb/>
machen. Mich beunruhigt vielmehr, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> natürlich,<lb/>
da er immer mehr Agenten an sich zu ziehen glaubt, glaubt zumindestens<lb/>
dies machen zu müssen, so überarbeitet wird und daher natürlich<lb/>
dann mit den einzelnen Ressortministern immer mehr Reibungspunkte<lb/>
entstehen. Diese, habe ich das Gefühl, resignieren einer nach<lb/>
dem anderen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> meinte auch, daß die glatte Zusammen<lb break="no"/>arbeit, wie wir dies in der Minderheitsregierung gehabt haben,<lb/>
jetzt eigentlich schön langsam doch zu Ende geht oder gegangen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_10">Bei der Handelskammer in Paris war ein riesiger Empfang in<lb/>
einem herrlichen Palais, welches diese besitzt und ihren Sitz<lb/>
hat. Gelegenheit um einige bedeutende Persönlichkeiten kennenzu<lb break="no"/>lernen. Das Patronat ist zwar so wie bei uns als Industriellen<lb break="no"/>vereinigung eine eigene Organisation, hat aber politisch<lb/>
dort mehr zu reden. Die Handelskammer dürfte aber die reichere<lb/>
Organisation sein. Ich hatte ausdrücklich die Bundeshandelskammer<lb/>
ersucht, man möge mir ein Papier mitgeben, das ich dem Präsidenten<lb/>
der Handelskammer überreichen wollte. Ich hätte dies dann dazu<lb/>
benützt, um zu erklären, da auch die Handelskammer in Österreich<lb/>
sich über die Integrationsprobleme, die und die Vorstellungen<lb/>
gemacht hat und ich niemals Leiter der Bruderorganisation bitten<lb/>
würde, daß er dies berücksichtigt und auf die franz. Regierung<lb/>
Einfluß nimmt. Leider hat mir der österr. Außenhandelsstellen<lb break="no"/>leiter erklärt, daß ein solches Papier von ihm nicht vorbereitet<lb/>
werden konnte. Er hat zwar unser <choice><choice><sic>premer moria</sic><corr>Premier mémoire?</corr></choice></choice>, das sie <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard</rs><lb/>
und anderen überreichten, sehr gut glaube ich übersetzt und damit<lb/>
gute Arbeit geleistet hat, aber von Brüssel, wie er sich ausdrückt,<lb/>
ausdrücklich eine Weisung von Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs>, der sich bei der Be<lb break="no"/>sprechung dort aufhielt, bekommen, kein Papier vorzubereiten. Dies<lb/>
passte mir wieder sehr in meine Verhandlungstaktik. Wenn nämlich<lb/>
einmal die Handelskammer mich anschießen sollte, werde ich erklären,<lb/>
daß sie sich nicht einmal zu einer so notwendigen Schritt aufgerafft<lb/>
haben. Auf der einen Seite erwarten sie, daß wir große Erfolge er<lb break="no"/>zielen, auf der anderen Seite können oder wollen sie ihre Bruder<lb break="no"/>organisationen nicht mobilisieren. Dies ist ein 2. gutes Beispiels<lb/>
des mehr oder minder zumindestens optischen Verfahrens der Handels<lb break="no"/>kammer. Auch die Industriellenvereinigung, <rs type="person" ref="#per__97731">Mautner Markhof</rs>, hat seiner<lb break="no"/>zeit erklärt, er wird nach Paris fahren, um das Patronat zu beein<lb break="no"/>flußen. Ich habe ihn einige Male urgiert und er hat mir dann schriftl.<lb/>
sogar bestätigt, daß infolge der innerösterreichischen Schwierigkeit<lb/>
sich seine eigenen Leute ihm nicht die notwendige Ermächtigung ge<lb break="no"/>geben, dieser Schritt nicht getan werden könne. Jetzt hat die Handels<lb break="no"/>kammer eine gute Gelegenheit vorübergehen lassen, um ihre Wünsche<lb/>
durch mich dort deponieren zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_11">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>:<lb/>
Ich lege Dir, vielleicht aus taktischen Gründen brauchbar, die<lb/>
beiden Tischreden bei.<lb/>
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ich auf einer Flugreise von Grenoble bis Paris Gelegenheit<lb/>
hatte, den Industrieminister <rs type="person" ref="#per__139772">Ortoli</rs> zu sprechen. Auch diesem über<lb break="no"/>reichte ich das Memorandum und besprach einzelne Teile mit ihm.<lb/>
Da ich vorher bereits in Grenoble von seinem Referenten <rs type="person" ref="#per__139824">Kergal<lb/>
Allin</rs> begleitet wurde, hatte ich diesem auch ein Memorandum ge<lb break="no"/>geben und auch hier Detailunterhaltungen geführt. <rs type="person" ref="#per__139824">Kergal</rs> erklärte<lb/>
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sondern wahrscheinlich eher von den Gewerkschaften kommt. Er<lb/>
selbst als Industrieleiter sei nur für Papier z.B. in den Elaborat<add>[?]</add><lb/>
zuständig und für diesen Fall gilt, was wir schon wußten, daß<lb/>
nämlich Schweden und Finnland für sie eine große Gefahr aber auch<lb/>
für Deutschland ganz besonders, bedeutet. Aus diesem Grunde würde<lb/>
die Arbeiterschaft in Frankreich gegen eine Lockerung der schon<lb/>
jetzt, wie er meinte, unzureichenden Schutzmaßnahmen, schärfstens<lb/>
protestieren. <rs type="person" ref="#per__139772">Ortoli</rs> zog dann seinen Referenten zur Besprechung<lb/>
zu. Detailerklärungen hat er natürlich nicht abgegeben. Da Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__138758">Lemberger</rs> als Dolmetscher fungierte, erklärte sich dieser<lb/>
mir gegenüber bereit, nach einiger Zeit mit <rs type="person" ref="#per__139772">Ortoli</rs> neuerdings zu<lb break="no"/>sammenzukommen, um das Problem zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-22_13">Ich glaube, daß wir auf dieser Reise optisch zumindestens das<lb/>
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Ministern und mit dem Ministerpräsidenten der Republik über Inte<lb break="no"/>grationsprobleme gesprochen und auf österreichische Wünsche auf<lb break="no"/>merksam gemacht. Wir haben zwar keine konkreten Zusagen erhalten,<lb/>
aber sowie <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard</rs> als auch die anderen versicherten, daß sie<lb/>
jetzt mehr Verständnis für die österreichische Frage hätten.<lb/>
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die Minister mit dieser Frage so eingehend zu befassen. Einen<lb/>
großen positiven Einfluß erwarte ich mir aber kaum, da ihnen<lb/>
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               <persName><surname>Kergal</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[Referent des franz. Industrieministers, 1972; einmal als Kergan Allin,
                  dann nur Kergal genannt - ev. Doppelname?; den Namen Kergal gibt es; vorerst nicht
                  weiter gesucht]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139815">
               <persName type="label">Winkwarter, A</persName>
               <persName><surname>Winkwarter</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Journalist, APA [1972, so nicht gefunden, ev. Tippfehler und er heißt
                  vielleicht Winiwarter?]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139818">
               <persName type="label">Zilcher, Heinrich</persName>
               <persName><surname>Zilcher</surname><forename>Heinrich</forename></persName>
               <occupation>Journalist, OÖ Nachrichten</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139805">
               <persName type="label">Arramon, A</persName>
               <persName><surname>Arramon</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[unklar; lt. JS Regierungssprecher; Staatsbesuch 1972; der
                  Regierungssprecher lt. Wikipedia hieß Jean-Philippe Lecat, es gab einen Sts. Léo
                  Hamon (schon in der Datenbank), der vielleicht gemeint ist?]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139812">
               <persName type="label">Ender, Berndt</persName>
               <persName><surname>Ender</surname><forename>Berndt</forename></persName>
               <occupation>Journalist, AZ</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139771">
               <persName type="label">Schumann, Maurice</persName>
               <persName><surname>Schumann</surname><forename>Maurice</forename></persName>
               <occupation>frz. Außenmin. bis 1973</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97731">
               <persName type="label">Mautner Markhof, Manfred sen.</persName>
               <persName><surname>Mautner Markhof</surname><forename>Manfred
                  sen.</forename></persName>
               <occupation>u.a. Präs. ÖAMTC, Wr. Messe, bis 1972 Vizepräs. IV</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139804">
               <persName type="label">Obletta, A</persName>
               <persName><surname>Obletta</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[unklar; franz. Politiker oder Industrievertreter beim Staatsbesuch in
                  Paris 1972]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Klima, Arnold</persName>
               <persName><surname>Klima</surname><forename>Arnold</forename></persName>
               <occupation>Journalist, Kurier</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139807">
               <persName type="label">Stalnig, A</persName>
               <persName><surname>Stalnig</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>[unklar; Staatsbesuch 1972 in Paris; Stalnig habe die Presse dort nur
                  sehr sporadisch betreut]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__139816">
               <persName type="label">Arton, A</persName>
               <persName><surname>Arton</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Journalist, Die Presse [1972, so nicht gefunden]</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Gleißner, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gleißner</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Leiter Abt. Handelspol./Außenhandel BWK</occupation>
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            <person xml:id="per__139772">
               <persName type="label">Ortoli, François-Xavier</persName>
               <persName><surname>Ortoli</surname><forename>François-Xavier</forename></persName>
               <occupation>frz. Minister bis 1972, ab 1973 EG-Kommission</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Giscard D'estaing, Valéry</persName>
               <persName><surname>Giscard D'estaing</surname><forename>Valéry</forename></persName>
               <occupation>frz. Staatspräs.</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Christian, Gerold</persName>
               <persName><surname>Christian</surname><forename>Gerold</forename></persName>
               <occupation>Salzburger Nachrichten</occupation>
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               <persName type="label">Weißenberger, Herbert</persName>
               <persName><surname>Weißenberger</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>erst Kleine Zeitung, dann ORF</occupation>
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               <persName type="label">Montet, Jean</persName>
               <persName><surname>Montet</surname><forename>Jean</forename></persName>
               <occupation>GD Fa. Rhône-Progil, Vertr. frz. Unternehmerverb. CNPF [Staatsbesuch
                  Paris März 1972; lt. JS frz. GD des Patronats; soll anschließend mit der IV nach
                  Wien kommen]</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Lemberger, Ernst</persName>
               <persName><surname>Lemberger</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>österr. Botschafter in Paris</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118723189</idno>
               </person>
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               <persName type="label">Mahr, Hans</persName>
               <persName><surname>Mahr</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Kronen-Zeitung</occupation>
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               <persName type="label">Chaban-Delmas, Jacques</persName>
               <persName><surname>Chaban-Delmas</surname><forename>Jacques</forename></persName>
               <occupation>frz. Politiker</occupation>
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               <persName type="label">Fluch, A</persName>
               <persName><surname>Fluch</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Journalist, Wiener Zeitung [1972, Vorname ev. Harald, aber Google-Snippet
                  nicht sicher]</occupation>
               </person>
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               <persName type="label">Habig, A</persName>
               <persName><surname>Habig</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Journalist, Süd-Ost-Tageszeitung</occupation>
               </person>
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