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            <title type="main">Donnerstag, der 16. März 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_01">Donnerstag, 16. März 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_02">Der Stellvertreter des Berghauptmannes von Tirol, <rs type="person" ref="#per__117028">Mernik</rs>, berichtet mir,<lb/>
dass er den Betriebsabbauplan Magnesit Tux beeinspruchen wird. Aus Si<lb break="no"/>cherheitsvorschriften, wie mir auch Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> sagt, wird er ver<lb break="no"/>suchen, die Bestrebung des Betriebsrates nicht Raubbau zu betreiben auch<lb/>
zu unterstützen. Die Radentheiner Magnesit hat die Absicht, den Tuxer<lb/>
Bergbau stillzulegen. Dadurch würden 250 Arbeiter beschäftigungslos.<lb/>
Die Begründung ist darin zu suchen, dass sie erklären, sie hätten durch<lb/>
höhere Transportkosten durch die Bahnfrachterhöhung keine Möglichkeit<lb/>
mehr, den Betrieb rationell zu führen. <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> meint, dass das ganze ausge<lb break="no"/>löst wurde, als man seinerzeit die Scheelit-Abbau als der Wolframpreis ge<lb break="no"/>fallen war. Die dort beschäftigten 26 Arbeiter wurden zwar von der Magne<lb break="no"/>sitproduktion übernommen. Den wirklichen Grund verrät mir dann Dr. <rs type="person" ref="#per__117028">Mernik</rs>.<lb/>
Er hat mit einem Betriebsdirektor von Hochfilzen, einem zweiten Werk<lb/>
der Radentheiner gesprochen. In Tux wird kaustischer Magnesit herge<lb break="no"/>stellt. Dieser wird nach Limbach in Bayern, wo Platten daraus hergestellt,<lb/>
werden, exportiert. Die Jahresproduktion ist 87.000 t und kann in Hoch<lb break="no"/>filzen, wo 428 allerdings Sintermagnesit erzeugt werden leicht unterge<lb break="no"/>bracht werden. In Hochfilzen hat man 50 % Magnesit erzeugt, 50 % des ge<lb break="no"/>wonnenen Minerals hat man aber auf Halden gelegt, weil darin Kalk und<lb/>
andere Mineralien enthalten waren. Diese Halden kann man nun abbauen und<lb/>
daraus kaustischen Magnesit erzeugen. Allerdings müsste ein neuer Dreh<lb break="no"/>ofen aufgestellt werden und dies könnte aus Umweltschutz- und vor allem<lb/>
Fremdenverkehrsgründen hart bekämpft werden. Der Vorteil für die Raden<lb break="no"/>theiner liegt aber darin, dass eben der Haldenabbau wesentlich billiger<lb/>
kommt als die Produktion in Tux, wo man bergmännisch Magnesit gewinnen<lb/>
muss. Die Vorratslage ist so, dass mindestens noch 700 wahrscheinlich<lb/>
sogar auf 2,2 Mill. t vorhanden sind. Die Stillegungsabsicht von Tux<lb/>
ist damit ein reines Kostenproblem und keinesfalls die Frage, ob Magne<lb break="no"/>sitgestein noch vorhanden ist. Was so erfreulich ist bei dieser ganzen<lb/>
Angelegenheit, dass hausintern doch auch gleichzeitig jetzt eine Schnell<lb break="no"/>information gekommen ist, die vielleicht ein bisschen falsch aussagte,<lb/>
nämlich dass Radenthein die Magnesitproduktion einstellt und nicht<lb/>
darauf hingewiesen hat, dass es sich um das Werk Tux handelt, dass aber<lb/>
immerhin doch jetzt in dieser ersten Phase bereits eine erste Meldung<lb/>
weitergegeben wird. Sicher ist es so, dass eigentlich auch die OB eine<lb/>
Schnellmeldung hier durchführen hätte sollen. Die Sektion III hat es<lb/>
<pb n="10-0380" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-16_0380.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>über den Fachverbandssekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs> bekommen. Die Sektion IV<lb/>
hätte eigentlich über die Berghauptmannschaft vor längeren Zeit viel<lb break="no"/>leicht schon eine Schnellinformation weitergeben müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Die Schnellinformation sollte nicht nur auf die<lb/>
Sektion III beschränkt bleiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_04">Bei der Klausurtagung in Vöslau hat <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> als Hausherr begrüsst.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit legte er umfangreiches Material über die<lb/>
Preisentwicklung vor. Insbesondere hat er die 6 Punkte, die mit der<lb/>
Einführung der Mehrwertsteuer auf dem Preissektor beachtet werden<lb/>
müssen, dargelegt. Als er <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz Robert</rs> den Vorsitzenden der Gewerk<lb break="no"/>schaftsfraktion sah, meinte er, er könne ja auch hierbleiben. <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs><lb/>
allerdings erwiderte sofort, dass er eingeladen wurde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat das<lb/>
zwar nicht gehört, aber nach dem Referat von <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> repliziert<lb/>
und darauf hingewiesen, dass er diese Bemerkungen deshalb macht, solange<lb/>
noch <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> anwesend ist. Dies war ein deutlicher Wink mit<lb/>
dem Zaunpfahl. Als ich <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> dann noch weiter in Vöslau auf<lb break="no"/>hielt, wurde er von den Journalisten bestürmt und hat, wie uns dann<lb/>
mitgeteilt wurde, das Material den Journalisten zur Verfügung ge<lb break="no"/>stellt. Da sich auch eine Preisprognose darunter befand, fürchtete<lb/>
ich das allerschlimmste. Zum Glück hat <rs type="person" ref="#per__139775">Frank</rs> <choice><choice><sic>mit</sic><corr>mir</corr></choice></choice> dann mitgeteilt,<lb/>
daß sie eigentlich nur die 6 Punkte ausgegeben hat. Diese 6 Punkte<lb/>
waren nämlich in genügender Anzahl vorhanden, das andere Material<lb/>
war so knapp bemessen, daß nicht einmal jeder Tagungsteilnehmer<lb/>
ein Exemplar bekommen konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_05">Die Preisdiskussion bildete auch die Hauptausführungen des <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>.<lb/>
Er meinte, daß die ÖVP ein Konzept entwickelt, die Lohnerhöhungs<lb break="no"/>forderungen des ÖAAB, die Budgetanforderung des ÖVP-Parlamentsklubs<lb/>
und die Preishysterie müßte man als ein ganzes sehen. Landeshauptmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> hätte wie ein Direktor ihm mitgeteilt hat, bei seinen Be<lb break="no"/>sprechungen oder Versammlungen sogar darauf hingewiesen, warum er<lb/>
noch sparen soll bei dieser Preisentwicklung. Die Leute sollten<lb/>
lieber für ihr Geld was kaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist davon überzeugt, daß ein Preisgesetz in Österreich sehr<lb/>
wirksam eingesetzt werden könnte, wenn wir eines hätten. Da wir uns<lb/>
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sind. Die Preisregelung würde nur versagen, wenn ein Mangel, d.h.<lb/>
wenn leere Lager, meistens infolge eines Krieges, existieren. Ich<lb/>
teile diese Meinung keinesfalls, denn die Erfahrungen der westeurop.<lb/>
Staaten, die ebenfalls alle bei vollen Lagern die Preisregelung ein<lb break="no"/>geführt haben, vom Preisstopp bis zur punktuellen Regelung, haben<lb/>
ein anderes Ergebnis gezeigt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte allerdings, daß auf<lb/>
alle Fälle ein Rückstau mit einem Preisstoppgesetz erreicht werden<lb/>
könnte und dies sei schon Erfolg. Darüber hinaus müßte man jetzt<lb/>
endlich die Konsumenten <choice><choice><sic>mopolisieren</sic><corr>mobilisieren?</corr></choice></choice> und die Konkurrenz fördern<lb/>
und überhaupt käme nur eine indikative Zollpolitik in Frage. Ohne<lb/>
die Polizei einzusetzen, meinte er, müßte man hergehen und Firmen<lb/>
denunzieren, wie er sich ausdrückte, wenn wie z.B. das Plattenwerk<lb/>
in Ferndorf eine Tariferhöhung der Bundesbahnen um 378,–– dazu be<lb break="no"/>nützt, um ihre Produkte um das 10-fache zu verteuern und dies<lb/>
dann mit der Tariferhöhung begründet. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte in der Diskussion<lb/>
es müßte jetzt eine Aktion gestartet werden, wo man auf die dunklen<lb/>
Mächte der Preispolitik hinweist. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> ergänzt, daß seinerzeit<lb/>
die SPÖ-Frauen die Aktion "Hausfrauen wehrt euch" gegen <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> ge<lb break="no"/>führt haben, Es müßte jetzt eine solche Aktion für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gestartet<lb/>
werden. Ich erörtere unser Preiskonzept und weise darauf hin, daß<lb/>
außer dem Punkt 2, der sich mit den währungspolitischen Fragen be<lb break="no"/>schäftigt, wo <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mir kurz vorher erklärte, daß er dagegen<lb/>
Stellung nimmt, Einvernehmen mit den beteiligten Ministerien durch<lb/>
die Sekretäre vorliegt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, daß er zuerst dieses Papier<lb/>
nicht bekommen hätte, dann erinnerte er sich legt es aber als viel<lb/>
zu kompliziert ab. Er meinte, daß die Leute nicht daran interessiert<lb/>
seien hier die einzelnen Maßnahmen zu erfahren, spricht sich insbe<lb break="no"/>sondere jetzt ganz entschieden gegen weitere Zollsenkungen aus,<lb/>
weil kein Verzicht mehr von staatlichen Einnahmen hingenommen werden<lb/>
kann. Die preisdämpfenden Maßnahmen seien fehlgegangen, da die<lb/>
Millionen sinnlos geopfert wurden. Er überlegt, ob er für die Pro<lb break="no"/>pagandaaktion, die er jetzt starten will, durch Plakate, Anzeigen<lb/>
in der Zeitung, usw. nicht ein Werbebüro beauftragen sollte. Die<lb/>
Aufwendungen für eine solche Aktion, daß die Konsumenten erfahren,<lb/>
wo sie billiger kaufen können usw. sei keine Regierungspropaganda<lb/>
und deshalb könnten sie auch vom Staat bezahlt werden. Ein Hinweis,<lb/>
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das eingesetzte Preiskomitee noch nicht endgültig entschieden<lb/>
hat, wird nur teilweise akzeptiert. Insbesondere <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> meinten, sie hätten sich sehr für unsere Arbeit interessiert<lb/>
und hätten dieses Material unter dem Vermerk "streng vertraulich"<lb/>
gerne gehabt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> interessieren sich ebenfalls für<lb/>
diesen Entwurf, erklären allerdings, daß sie ihn bis jetzt noch<lb/>
nicht erhalten haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>:<lb/>
In Hinkunft werden wir ein solches Material entweder direkt an<lb/>
die Minister schicken, oder wenn es zielführend, weil noch ver<lb break="no"/>traulich, in einem kleinen Komitee behandeln, dann doch den Se<lb break="no"/>kretären unter der Hand zukommen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will auf diesem Sektor jetzt scheinbar eine andere Taktik<lb/>
einschlagen, als wir dies bis jetzt getan haben. Er wünscht kein<lb/>
umfassendes Konzept, meint, die Leute könnten sich unter Nettopreis<lb break="no"/>verordnung, usw. nichts darunter vorstellen, sondern eine große<lb/>
Aktion der Konsumenten gegen die Preiswelle. Er verfällt jetzt in<lb/>
denselben Fehler, den auch die Arbeiterkammerfunktionäre vor Jahren<lb/>
schon gemacht haben, daß sie glauben, man kann mit einer großange<lb break="no"/>legten Aktion die Bevölkerung dazu bringen, daß sie preisbewußter<lb/>
einkauft und daß dann diese Bevölkerung dies dann der Regierung<lb/>
danken wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> weist besonders darauf hin, daß die Lohn<lb break="no"/>politik jetzt explodiert. Die Bankangestellten hätten im Vorjahr<lb/>
15 % bekommen und verlangen jetzt 1972 bereits wieder eine 19 %-ige<lb/>
Gehaltserhöhung, auch die Bauarbeiterlöhne seien als überhöht zu<lb/>
betrachten. Hier kommt es zum ersten Disput zwischen <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der natürlich die Privatangestellten verteidigt und<lb/>
darauf hinweist, daß auch die Bauarbeiter in zwei Etappen ihre<lb/>
letzte Lohnbewegung mit 8 % in einem Jahr und 7 % im 2. Jahr ver<lb break="no"/>einbart hätten und damit im normalen Maße gelegen sein. Derzeit<lb/>
hätten die Unternehmer das größte Interesse, daß die Löhne wesent<lb break="no"/>lich erhöht werden, damit aus den westlichen Bundesländern die Bau<lb break="no"/>arbeiter nicht nach Deutschland, in den bayrischen Raum, arbeiten<lb/>
gehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_09">Zusammenfassend habe ich den Eindruck, daß die Preispolitik in<lb/>
Wirklichkeit als Zentralproblem von uns nicht in den Griff zu be<lb break="no"/>kommen ist. Die einzelnen dafür zuständigen Ministerien <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> haben sich an der Diskussion überhaupt nicht beteiligt,<lb/>
werden daher weiter ihre individuelle Politik machen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst möchte mit einer große angelegten Propagandaaktion die<lb/>
Bevölkerung beschwichtigen oder zumindestens neutralisieren.<lb/>
Maßnahmen, die etwas kosten, wie z.B. punktuelle Zollsenkungen,<lb/>
die ich vorgeschlagen habe, lehnte er glattweg ab, weil er meinte,<lb/>
im Rahmen des EWG-Vertrages wird sowieso eine Zollsenkung mit ent<lb break="no"/>sprechendem Ausfall des Staates eintreten. Da ich noch nicht die<lb/>
Kompetenz für Preisfragen tatsächlich habe, ist es glaube ich sehr<lb/>
gut wenn wir weiterhin unsere Taktik verfolgen, alles vorzubereiten<lb/>
um gegebenenfalls wirklich, insbesondere wenn sich herausstellt hat,<lb/>
daß die Propagandaaktion im Sande verlauft, oder sich zumindestens<lb/>
nicht so bewährt, um mit konkreten Maßnahmen dann einsteigen zu<lb/>
können. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist von der punktuellen Politik heute mehr über<lb break="no"/>zeugt als wie von allumfassenden Preiskonzepten. Er meinte, so wie<lb/>
er seinerzeit die Margarinepreiserhöhung verhindert hat, vergißt<lb/>
allerdings, daß er durch die Umsatzsteuersendung viel Geld geopfert<lb/>
hat, so sei auch seine Entscheidung jetzt gegen die Zuckerpreiser<lb break="no"/>höhung zu verstehen. Sicherlich sind so markante Maßnahmen für die<lb/>
Bevölkerung sehr eindrucksvoll. Andererseits darf man jedoch nicht<lb/>
vergessen, daß in Wirklichkeit hunderte Preise das Preisniveau<lb/>
beeinflussen, auch für den Konsumenten und natürlich auch letzten<lb/>
Endes die entsprechende Gesamtwirkung dem Konsumenten so verstimmt.<lb/>
Da kann man, wie die preisdämpfenden Maßnahmen zeigten, keine große<lb/>
spektakulären Erfolge erzielen, sondern vielleicht um zehntel Prozent<lb/>
den Index und die gesamte Preisentwicklung wirklich dämpfen und be<lb break="no"/>einflussen. Ich wies in meinem Diskussionsbeitrag insbesondere da<lb break="no"/>rauf hin, daß die Aktion des Innenministers gegen die Fleisch<lb break="no"/>preiserhöhung punktuell sehr wirksam war und wenn er jetzt auf<lb/>
Waschmittel oder Kosmetika umsteigen will, so kann dies auch nur<lb/>
gut sein, wobei allerdings dann eben der Apparat, der jetzt die<lb/>
Fleischpreise kontrolliert, dann für andere Produkte blockiert ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat mir mitgeteilt, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Waschmittel gar<lb/>
nicht so erfreut sei. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meinte allerdings, daß die Hausfrauen,<lb/>
wenn sie Kosmetika ebenfalls jetzt kontrolliert bekommen, dann für<lb/>
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gut, daß <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> jetzt noch die Preisregelung hat, denn er kann<lb/>
immerhin mit seinem Apparat ein bißchen Hand gegen die Preissteigerung<lb/>
machen. Aus der ganzen Diskussion habe ich folgenden Schluß ge<lb break="no"/>zogen:<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_10"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will nach seinen Gesichtspunkten die Preispolitik gestalten.<lb/>
Er wird bis in die kleinsten Details, selbst die Propaganda im ein<lb break="no"/>zelnen ausarbeiten, ausarbeiten lassen vielleicht, aber letzten<lb/>
Endes bestimmen. In kürzester Zeit wird und muß es hier auch<lb/>
Spannungen mit dem ÖGB und der AK geben, weil diese in der Pari<lb break="no"/>tätischen Kommission doch Preiserhöhungen zustimmen. Die Regierung<lb/>
wird dann entweder sich auf die Paritätische Kommission ausreden,<lb/>
was früher oder später zu einem entsprechenden Eklat mit dem ÖGB<lb/>
insbesondere Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> führen muß oder er wird versuchen auf<lb/>
ihrem Sektor, d.h. bei den preisgeregelten Waren besonders hart<lb/>
verhandeln. Dies führt wieder zu ganz großen Spannungen innerhalb<lb/>
der Ministerien, da natürlich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> z.B. für Zuckerrübe, aber auch<lb/>
für Getreide gewisse Zusagen scheinbar gemacht hat. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> habe ich<lb/>
das Gefühl, hat längst schon die Konsequenzen gezogen und beteiligt<lb/>
sich weder an Diskussionen noch ist er bereit, wirklich entsprechende<lb/>
Informationen den anderen Ministern zu geben. Er wartete günstige<lb/>
Gelegenheiten ab und wird dann die Preiserhöhungen doch letzten<lb/>
Endes durchführen. Ich muß allerdings zugeben, auch durchführen<lb/>
müssen. Den wirklich möglichen preisdämpfenden Maßnahmen wie Zoll<lb break="no"/>senkungen usw. wird man die Zustimmung des Finanzministers<lb/>
brauchen, der kaum auf Grund der Äußerungen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf weitere<lb/>
Einnahmen durch Zollverlust zu verzichten. Gott sei Dank habe ich<lb/>
mich in dieser Frage nicht allzu sehr vorgewagt. Sicherlich wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> jetzt sagen, daß es unserem Ansehen im Hause sehr schadet<lb/>
und insbesondere in der Öffentlichkeit nicht gut aufgenommen wird,<lb/>
wie auch jetzt auf Sparflamme drehen. Viel schlimmer wäre es<lb/>
aber, wenn wir große Pläne ankündigen würden und da wir die Kompe<lb break="no"/>tenz dafür nicht haben, in Wirklichkeit nur einen Bruchteil, um<lb/>
nicht zu sagen gar nicht, durchsetzen zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_11">Für den Parteitag wollte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann von den einzelnen Ministern<lb/>
gerne hören, was sie eigentlich in ihrem Diskussionsbeitrag leisten<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> wies darauf hin, daß für ihn die Mitbestimmung von<lb/>
größter Bedeutung sei, daß er aber sehr vorsichtig operieren müsse.<lb/>
Wenn er nämlich am Parteitag ganz groß die Problematik aufzeigt und<lb/>
ankündigt, würde zwar die Linke des Parteitages sehr zufrieden<lb/>
sein, er sich aber dadurch die Kodifikation noch mehr erschweren<lb/>
würde. Der Widerstand von Seiten der Unternehmer würde nur noch<lb/>
größer werden. Von meinem Beitrag erwartet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, daß ich über die<lb/>
Konsumentenpolitik sprechen soll und insbesondere wird er in seinem<lb/>
Referat auf die europäische Wirtschaftsgemeinschaftsverhandlungen<lb/>
eingehen und die sollte ich ergänzen. Natürlich könnte ich unter<lb/>
dem gesellschaftspolitischen Aspekt unter denen der Parteitag steht,<lb/>
über die Konsumentenpolitik einiges sagen, aber ich würde mir noch<lb/>
genau überlegen, wie ich "den 5. Zwerg" anlegen werde. Ich werde<lb/>
natürlich vor allem warten wie die Diskussion läuft und ob nicht die<lb/>
Regierung auf Gebieten, wo ich zuständig bin, attackiert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_12"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat den ersten Entwurf einer Budgetvorschau fertig, die<lb/>
er wahrscheinlich dem Beirat, zur Stellungnahme übermitteln wird.<lb/>
Er weist insbesondere darauf hin, daß er jetzt als Inflationsge<lb break="no"/>winner dargestellt wird und nur 30 % seiner Einnahmen, nämlich<lb/>
die Einkommen und Lohnsteuer in Wirklichkeit von dieser Entwicklung<lb/>
profitieren. Die Ausgaben, wo er Inflationsverluste durch die Dy<lb break="no"/>namisierung der Gehälter z.B. erleidet, sind aber nach seiner<lb/>
Meinung nach 70 %. In seiner Vorschau nimmt ein 9 %-iges Wachstum<lb/>
nominell an und kommt für 73 auf 13 Milliarden, 74 15 und 75 19 Md.<lb/>
Defizit. Für 73 meinte er könnte diese Ziffer die Maximalziffer<lb/>
sein, aber dann für die Ressorts dann fast kein Bewegungsspielraum<lb/>
mehr hat. Die Personalkosten würden um 6 Md. steigen und auch<lb/>
das gesetzliche Sozialverpflichtungsaufwand um 3 Md. In dieser<lb/>
Prognose hat er eine Steuersenkung von 2 Md. und eine Zoll<lb break="no"/>senkung von 1 Md. eingebaut. Die Steuersenkung soll aber seines<lb/>
Dafürhaltens 5 Md. ausmachen. Er möchte einen Arbeitnehmerfreibetrag<lb/>
davon ca. 2,5 Md. opfern. Hier entspannt sich dann die zweite Dis<lb break="no"/>kussion zwischen <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meint, daß zuerst<lb/>
festgestellt werden muß, wieviel von den 5 Md. für die Lohnsteuer<lb/>
und wieviel für die Einkommensteuer zur Verfügung gestellt werden<lb/>
<pb n="10-0386" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-16_0386.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>soll. In den vergangenen Jahren hat die Lohnsteuer eine exorbitante<lb/>
Steigerung erfahren. 70 auf 72, 10–15 Md., während die Einkommen<lb break="no"/>steuer von 7,4 auf 9,2 gestiegen ist. Die größte Diskussion entwickelte<lb/>
sich aber dann über die unmittelbaren steuerlichen Maßnahmen, die<lb/>
durch die Vorausleistung erbracht werden soll. Der ÖGB beharrt<lb/>
auf den 1. Juli und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte dies sehr verschieben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst aber erklärt dann, daß dieser Termin unbedingt eingehalten<lb/>
werden muß. Weitere große Streitfrage ist, daß der ÖGB jedes Monat<lb/>
einen entsprechenden Absetzbetrag will, während <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> im Sept.<lb/>
Oktober einen einmaligen Betrag auszahlen möchte. Dies steht im<lb/>
glatten Widerspruch zu den Zusagen, die scheinbar <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
gegeben hat mit Jahresmitte etwas zu machen und vor allem aber<lb/>
gegen den Beschluß der Gewerkschaftsfraktion, wo die Angestellten<lb/>
zwar dagegen waren, aber doch die Mehrheit dann beschlossen hat,<lb/>
es sollte alle Monat diese Vorleistung in Abzug gebracht werden.<lb/>
Die Regierungsmitgliederneigen natürlich mehr zur <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>-Lösung,<lb/>
einen einzigen Betrag einmal auszugeben, weil dadurch sich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
ja doch noch etwas erspart und er argumentiert ja sehr geschickt,<lb/>
daß er dann die Ressorts entsprechend nicht so kürzen muß, als wenn<lb/>
der ÖGB-Vorschlag angenommen wird. Ich sehe einen einzigen Ausweg<lb/>
und schlage deshalb vor, es hätte keinen Sinn jetzt hier einen<lb/>
Beschluß zu fassen sondern es wäre zielführend, wenn eine kleine<lb/>
Gruppe mit ÖGB in diesem Falle verhandeln würde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
es wird ja in der <choice><choice><sic>Klaus</sic><corr>Klausur?</corr></choice></choice> hier nichts beschlossen und zu diesem Zeit<lb break="no"/>punkt muß ich dann leider die Sitzung schon verlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_13"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auch vorher angekündigt, daß er den § 67 des Beamten<lb break="no"/>schutzgesetzes jetzt bearbeiten läßt, um diese unmögliche Bestimmung,<lb/>
daß wir einen Abteilungsleiter oder Sektionsleiter wenn er unfähig<lb/>
ist, nicht versetzen können, zum Verschwinden gebracht werden soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> meinte, es könnte nur im Einvernehmen mit der Fraktion von der<lb/>
öffentl. Bediensteten besprochen und in Angriff genommen werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dagegen meinte, die könnten niemals zustimmen und er werde trotzdem<lb/>
diese Lösung anstreben. Hier meinte <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> mit Recht, daß er doch<lb/>
nicht gegen die Gewerkschaft einen solchen Beschluß herbeiführen<lb/>
sollte. Ich sehe in der versteiften Haltung eine sehr sehr große<lb/>
Gefahr. Ein Vorschlag, daß die Gewerkschaft ja doch vielleicht ak<lb break="no"/>zeptieren kann, wenn sich dies nur auf Sektionsräte aufwärts beziehen<lb/>
<pb n="10-0387" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-16_0387.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sollte, wird aus verfassungsrechtlichen Gründen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
abgelehnt und er meinte, daß auch B-Beamte in eine Position<lb/>
kommen können, wo man sie gar nicht brauchen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_14"><rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> berichtet, daß die Gebäudereparaturen aller Bundesgebäude<lb break="no"/>verwaltung 9,2 Md. betragen würden. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> berichtet, daß<lb/>
die Schulbücher, die man jetzt doch ins Eigentum übergeben würde,<lb/>
das Leihsystem, wie es in Wien gehandhabt wurde, würde zu we<lb break="no"/>sentlich höheren Aufwendungen bei den Lehrern führen, ca. 500 Mio.<lb/>
kosten müßten. Es sind 1 Mio. Schüler und von der 2. Kl.<lb/>
Volksschule mit 250,–– bis zur 5. Kl. Mittelschule mit Pausen 200,––<add>[?]</add><lb/>
Bücherbons, würde der Durchschnitt ca. 500,–– betragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-16_15">Das unerfreulichste an dieser Tagung war, daß es scheinbar zwischen<lb/>
Gewerkschaft öffentlicher Dienst und der Verwaltung, die <rs type="person" ref="#per__98066">Robert<lb/>
Weisz</rs> mitteilte, zu weitestgehenden Einvernehmen zu Personal- und<lb/>
Besoldungsfragen kommt. Dann soll <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> immer bremsen, um<lb/>
die Linie zu halten. <rs type="person" ref="#per__97587">Jankowitsch</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>, von dem <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> nicht genug warnen<lb/>
kann ist der Feschak und macht entsprechende Zugeständnisse, wo<lb break="no"/>rauf dann die Regierungsmitglieder, insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und letzten<lb/>
Endes auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ablehnen sollen. Dadurch entsteht der umgekehrte<lb/>
Eindruck, die Bürokratie ist Forderungen der Gewerkschaft zugänglich,<lb/>
aber die bösen Minister sind dagegen. Was im kleinen, die Personalab<lb break="no"/>teilung MR. <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> geschieht, wird eben im Bundeskanzleramt und in den<lb/>
anderen Ministerien auch gespielt.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 16.3.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>[unklar; Klausurtagung Vöslau 1972, Material an Journalisten; Frank habe
                  JS zum Glück mitgeteilt, sie habe nur bestimmte Unterlagen
                  ausgeteilt]</occupation>
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               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <occupation>GF Fachverband Bergwerke; evtl. Falschidentifikation</occupation>
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