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            <title type="main">Mittwoch, der 15. März 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_01">Mittwoch, 15. März 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_02">Die gereizte Stimmung im Nationalrat hält nach wie vor an. Der Präsident<lb/>
des Hauses in der Frage hat vergessen, das Mikrophon abzustellen, als<lb/>
es zu einer Brüllerei in der Fragestunde gekommen ist. Deshalb hörte<lb/>
man angeblich in den Couloirs wie er vor sich hinmurmelte: Halts die Go<lb break="no"/>schen, resp. schreits weiter ihr Trotteln. Da im Haus mehrere Tonbän<lb break="no"/>der mitlaufen, teilweise für den Rundfunk, teilweise für die Stenographen,<lb/>
insgesamt 4 Bänder, so soll diese Aufzeichnungen auf einem Band vor<lb break="no"/>#handen sein. Die ÖVP verlangte während des Tages dann sofort ein Sitzungs<lb break="no"/>unterbrechung. In der anschliessenden Präsidialbesprechung erklärte<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sofort bereit, sich zu entschuldigen. Bei der Klubsitzung<lb/>
ist sogar <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> erschienen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> meint zu mir, wenn es kriti<lb break="no"/>sche Stunden im Haus gibt, dann erscheint <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs>. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hat<lb/>
nämlich irgendwo ausgegraben, dass alle Vorstandsmitglieder des Partei<lb break="no"/>vorstandes das Recht haben, an Klubsitzungen teilzunehmen. Andere kommen<lb/>
gelegentlich einmal, er besucht uns sehr häufig. Ich kann mich erinnern,<lb/>
dass es auch in der ÖVP-Alleinregierung immer so war, dass man gesagt,<lb/>
hat, na Gott sei Dank, dass die eine Session schon zu Ende geht. Da<lb/>
sich gegen Ende einer jeden Session eine gewisse Spannung bemerkbar<lb/>
gemacht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs>, der Vertreter der Industriemühlen im Mühlenausgleichs<lb break="no"/>fonds, der mir untersteht, kam mit dem Gewerkschaftssekretär <rs type="person" ref="#per__115457">Panis</rs><lb/>
erkunden, ob ich bereit wäre, eine Verlängerung des Mühlengesetzes,<lb/>
welches 1974 abläuft, sowie eine Erhöhung der Mühlenabgabe an den<lb/>
Fonds zuzustimmen. Bis jetzt haben sie 400 Betriebe stillgelegt und<lb/>
eine Kontingentkürzung von 16,7 % erreicht. Bis 1974 können sie noch<lb/>
mit Einnahmen von 20 Mill. S rechnen, obwohl sie jetzt einige grössere<lb/>
Mühlen, zwei oder drei insgesamt mit 30 Mill. S stillegen könnten.<lb/>
Die Mühlen möchten deshalb die Abgabe auf Weizen von 1,70 S resp.<lb/>
Roggen von 1.20 S wesentlich erhöhen können. Dazu bedarf es aber einer<lb/>
Gesetzesänderung. Ich verwies darauf, dass die Voraussetzung für<lb/>
einen solchen Antrag von mir unbedingt eine Übereinstimmung der Inter<lb break="no"/>essenvertretungen sein müsste. Da diese im Mühlenfonds Sitz und Stimme<lb/>
haben, sollte er da eine diesbezügliche Aussprache führen. Wenn es<lb/>
nicht gelingt eine einvernehmlich Lösung zu erzielen, bin ich gerne<lb/>
bereit, mich wieder einzuschalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_04">Bei dieser Gelegenheit machte ich ihn auf Änderungen in der Getreide<lb break="no"/>wirtschaft aufmerksam, die ich anstrebe, und die ja bekanntlicher<lb break="no"/>weise auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dringend wünscht. Die Industriemühlen könnten sich<lb/>
sehr wohl, vorstellen, allerdings würde der Vorschlag niemals von ihnen<lb/>
kommen, dass das Mühlenausgleichsverfahren aufgehoben wird. <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs><lb/>
hat diesmal, sehr zum Unterschied von früheren Jahren, nicht mehr<lb/>
abgestritten, dass durch die hohe Weizenabgabe von 48.– S damit der<lb/>
Roggenzuschuss von 75.– S finanziert werden kann, die kleineren Müh<lb break="no"/>len zu Durchstechereien fast veranlasst werden. Dadurch dass die Weizen<lb break="no"/>preisstützung 10 Groschen beträgt, kann er wenn er eine solche<lb/>
Mühlenabgabe sich erspart, den Bauern die 10 Groschen Stützung leicht<lb/>
verkraften. Da bleibt ihm noch immer ein wesentlicher Betrag, wenn<lb/>
er dem Bauern mehr als 10 Groschen bezahlt, über. Ausserdem kann er<lb/>
mit diesem Weizen schwarzes Mehl erzeugen, da diese Mengen nicht<lb/>
über sein Mahlpostenbuch resp. über die Finanzbücher gehen muss.<lb/>
Dadurch kann er dann dem Bäcker und der wieder seinen Abnehmern z.B.<lb/>
Gastwirten günstig Mehl anbieten ohne dass es eben über deren Bücher<lb/>
ebenfalls läuft. Die Industriemühlen haben nur eine einzige Voraus<lb break="no"/>setzung, wenn er zur Abschöpfung des Getreidefonds käme, dass die<lb/>
Grenzen nicht für Getreide und für Mehl aufgemacht werden. Ich ver<lb break="no"/>sicherte, dass dies möglich wäre, ausser, es kommt zu so exorbitanten<lb/>
Steigerungen auf dem Mehlpreissektor. <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs> befürchtet nur, dass<lb/>
der Brotmehlpreis durch Wegfall des Roggenzuschusses steigen würde.<lb/>
Er wird dieses ganze Problem mit seinen Berufskollegen durchsprechen<lb/>
und mir gegebenenfalls Vorschläge erstatten. Wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine Auf<lb break="no"/>lockerung in den landwirtschaftlichen Gesetzen wünscht, dann ist es<lb/>
jetzt der günstigste Zeitpunkt, durch Qualitätsverbesserung, d.h.<lb/>
andere Ausmahlungssätze für Roggen und Weizen, die ebenfalls freige<lb break="no"/>geben werden müssten, kann der Konsument mit besserer Ware bedient<lb/>
werden. Ich glaube auch nicht, dass es zu einer so exorbitanten<lb/>
Steigerung des Brotmehlpreises kommen wird, nur bei echtem Roggen<lb break="no"/>brot, das heute bereits schon als Luxus-Brot teuer bezahlt wird, gäbe<lb/>
es eine wesentliche Erhöhung. BRO <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> hat mir erzählt, dass der<lb/>
Brotkonsum und die Produktion vor allem aber bei ihnen ständig zu<lb break="no"/>rückgeht. Es wird jetzt in ganz starkem Masse geformtes Gebäck<lb/>
aus besonderen Mischungen von Brotmehl verlangt und auch erzeugt.<lb/>
Landwirtschaftsminster <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> will eine Lockerung der Getreideablie<lb break="no"/>ferung erreichen. Hier müsste sich zumindestens erste Schritt zum Ab<lb break="no"/>bau der kriegswirtschaftlichen Lenkung und teilweise Bewirtschaftung<lb/>
nach 26 Jahren machen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_05">Direktor <rs type="person" ref="#per__127923">Bär</rs> von den Bregenzer Festspielen hat ersucht, ob es eine<lb/>
Möglichkeit gäbe, dass wir für das Bregenzer Festspielhaus einen Zu<lb break="no"/>schuss gewähren. Da der Bund sich seinerzeit bereiterklärt hat, ich<lb/>
war bei den Besprechungen ja anwesend, sowieso 40 Mill. S bereitzustellen,<lb/>
die restlichen müssten das Land und die Stadt tragen, sah ich dazu<lb/>
keine Möglichkeit. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> selbst erinnerte sogar daran, dass ja dies<lb/>
dann mit einem eigenen Bundesgesetz geregelt werden muss, wies dies<lb/>
auch z.B. bei dem Salzburger Festspielbau usw. durchgeführt wurde. Die<lb/>
Stadt, sagt <rs type="person" ref="#per__127923">Bär</rs>, ist durch die Spitalsaufwendungen derartig blockiert,<lb/>
dass keine finanzielle Kraft mehr zur Verfügung steht. Deshalb ist<lb/>
die Stadtgemeinde mit ihrer finanziellen Leistung zum Festspielbaus<lb/>
sehr im Rückstand. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat mich seinerzeit schon darauf aufmerksam<lb/>
gemacht, dass <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> eine grosszügige Planung der Stadt in Angriff<lb/>
nimmt, dass er die ganze Region Bodensee jetzt für Milliarden-Projekte<lb/>
zusammenfasst und hofft, dass er dafür auch für diese Milliarden-<lb/>
Projekte vom Bund entsprechende Unterstützung durch Zinsenzuschüsse<lb/>
usw. bekommt. Ich fürchte, dass er hier sehr enttäuscht sein wird über die<lb/>
finanziellen Möglichkeiten, die sich letzten Endes herausstellen werden.<lb/>
In Bregenz handelt es sich nicht um ein Notstandsgebiet, wo man so<lb/>
wie in Aichfeld-Murboden durch entsprechende Erschliessung zusaätz<lb break="no"/>liche Arbeitsplätze schaffen muss. Ich fürchte, dass sich hier <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
trotz seiner spezifischen Vorliebe für Vorarlberg kaum zu grösseren<lb/>
finanziellen Leistungen wird bereitfinden können. Was wir noch ver<lb break="no"/>antworten konnten, war – und auch ich habe mich dazu nach reiflicher<lb/>
Überlegung entschlossen – dass man nicht jetzt die Autobahn an die See<lb break="no"/>ufertrasse legt, weil damit für Jahrzehnte zumindestens das Landschafts<lb break="no"/>bild zerstört wird. Zusätzlich aber noch die Eisenbahn abzusiedeln,<lb/>
was weitere Milliarden kosten würde, kann sich der Finanzminister kaum<lb/>
aufringen. Umso mehr als ja wieder für den Arlberg-Tunnel Milliarden<lb/>
Schilling aufgewendet werden müssen. Wenn auch der Arlberg-Tunnel als<lb/>
Mautstrasse geführt werden wird, bin ich nicht so sicher, ob sie genau<lb/>
so rentabel sein wird wie alle Nord-Süd-Verbindungen. In letzterem Fall<lb/>
haben ja die Fremden durch das Bestreben, nach dem Süden zu kommen, die<lb/>
Garantie gegeben, dass sie wahrscheinlich den kürzeren und schnellsten<lb/>
Weg benützen werden. Ob dies auch bei einer West-Ost-Verbindung zutrifft,<lb/>
wird erst die Zukunft lehren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_06">NR <rs type="person" ref="#per__139766">Kunstätter</rs> und der Architekt <rs type="person" ref="#per__139767">Krisch</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__139768">Umschaden</rs> intervenieren,<lb/>
damit sie für ihr Hotel-Appartement in Goding auf der Koralpe finan<lb break="no"/>zielle Unterstützung bekommen können. Es modernes Restaurant für 110<lb/>
Personen, Selbstbedienungsrestaurant für 260 Personen und ein Buffet<lb/>
<pb n="10-0374" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-15_0374.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine Schwimmhalle 14 mal 5 m und ein Hotel mit 95 Zimmern soll für<lb/>
einen Betrag von 25 bis 30 Mill. neu erstellt werden. Dieses neue<lb/>
Wintersportzentrum in der Nähe Wolfsbergs soll ein neues Skigebiet<lb/>
1.600 m hoch erschliessen. Da es sich bei der Koralpe um ein ausge<lb break="no"/>sprochenes Notstandsgebiet handelt, wäre es sehr zielführend, wenn<lb/>
tatsächlich dort etwas entstehen würde. Ich verweise deshalb sofort<lb/>
auf die Hoteltreuhand damit noch in die Finanzierung der ERP-Ansuchen<lb/>
gelangen können. <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> ist mit diesem Projekt sehr einverstanden, obwohl<lb/>
es sich um Appartementregelung handelt, da er angeblich dafür die<lb/>
Gewähr hat, dass nicht dann dieses Haus doch als Appartement an<lb/>
einzelne Mieter verkauft wird. Scheinbar kann er sich doch mit Hilfe<lb/>
eines privatwirtschaftlichen Vertrages absichern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte dies mit dem Kärntner Fremdenverkehrsmann<lb/>
besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_08">Der Saalbacher Genosse <rs type="person" ref="#per__113000">Pasterer</rs> sowie der Leoganger Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117629">Steidl</rs>, sicher kein Genosse, da er so bald wir fraktionell am Ende<lb/>
etwas besprechen, sofort sich diskret absondert, wollen liftmässig<lb/>
Leogang und Saalbach über die Asitz verbinden. Zu diesem Zweck soll<lb/>
ihnen <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> einen Sessellift, der in der ersten Station bereits<lb/>
errichtet ist, durch Ausbau der zweiten Strecke – der Doppelsessel<lb break="no"/>lift würde 8 Mill. S kosten – unterstützen. Oben würden sie dann<lb/>
zwei Schlepplifte von je 2.000 Mann Beförderungsleistung pro Stunde,<lb/>
der je 2 Mill. S kostet, von mir finanziert bekommen. Leoganger hoffen,<lb/>
dass sie mit der Erschliessung des Gebietes für den Wintergast mit<lb/>
einem Zuzug aus dem Münchner Raum rechnen können. Bei diesen Liften<lb/>
hoffen sie sich an die 5 Saalbacher Liftgesellschaften anschliessen<lb/>
zu können. Diese verschiedensten Gesellschaften haben sich schon<lb/>
zu einer einheitlichen Liftkarte durchgerungen. Ich erklärte sofort,<lb/>
dass dies die Voraussetzung sei, wenn wir überhaupt irgendwelche<lb/>
Zuschüsse geben würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_09">Der BRO <rs type="person" ref="#per__139769">Stöckl</rs> von der Radentheiner Magnesit hat grosse Sorge um<lb/>
seinen Betrieb. Er fürchtet, dass jetzt noch ein Raubbau betrieben<lb/>
wird, weil letzten Endes dann die amerikanische Gesellschaft den Be<lb break="no"/>trieb in ein paar Jahren vollkommen stillegen wird. Der Berghauptmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117029">Merlin</rs> ist derzeit krank und sein Stellvertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__117028">Mernik</rs> ist<lb/>
nach seiner Angaben sehr tüchtig. Da <rs type="person" ref="#per__117028">Mernik</rs> den Betrieb längere<lb/>
Zeit noch erhalten will, wird er den angeblich Raubbau dadurch be<lb break="no"/><pb n="10-0375" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-15_0375.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kämpfen, dass er den Betriebsplan nicht genehmigen will. Dadurch<lb/>
kann er meiner Meinung nach aber nur die Stillegung hinauszögern.<lb/>
Die Idee nämlich des Betriebsratsobmannes, die übrigens auch <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs><lb/>
gehabt hat, dass man in Tux eine Plattenfirma errichtet, wird grosse<lb/>
Schwierigkeiten haben. <rs type="person" ref="#per__139769">Stöckl</rs> meint, man könnte die Abnehmer in Tirol<lb/>
zusammenfassen und diese Verpflichten, dass sie die Platten aus Tux<lb/>
beziehen. Nach dem Motto: Tiroler kaufen nur bei Tiroler Firmen.<lb/>
Derzeit wird dieses Gebiet von Radenthein aus beliefert. Ich kann<lb/>
mir nicht vorstellen, dass sich wirklich eine Kapitalgruppe findet,<lb/>
um diese Investitionen zu tätigen. Darüber hinaus ist aber die Haupt<lb break="no"/>schwierigkeit, dass Radenthein einverstanden sein müsste, den Betrieb<lb/>
an einen zweiten zu verkaufen, hier müsste die Berechnung ergeben, ob<lb/>
überhaupt auf lange Sicht bei zeitgemässem Abbau der Magnesitvorräte<lb/>
eine solche Investition lohnend wäre. Hier wird es notwendig sein,<lb/>
dass wir eingehende Untersuchungen anstellen und vor allem aber ver<lb break="no"/>langen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> im Detail besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_11">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> hat versucht, eine Personalaufnahme (Stenotypistin)<lb/>
unter allen Umständen zu verhindern. Während alle Abteilungen klagen,<lb/>
dass sie keine Schreibkräfte haben, hat er eine Genossin, die uns<lb/>
empfohlen wurde, mit der Behauptung abgelehnt, dass sie nur 2.000<lb/>
Anschläge macht. Voriges Jahr nach Schulentlassungen, die bei uns<lb/>
angesucht haben, war er mit 1400 Anschlägen zufrieden. Er vertröstet<lb/>
uns nun auf das Schulende und meint, dann würden wir gute Kräfte be<lb break="no"/>kommen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat letzten Endes so heftig interveniert, dass <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs><lb/>
dann meinte, ob er eine Weisung bekommen würde. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat dies Gott<lb/>
sei Dank abgelehnt. Geschickt hat er damit den Ball an <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> zurückgegeben,<lb/>
allerdings gleichzeitig den Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> mit seinem berechtigten<lb/>
Wunsch auf Schreibkräfte auf <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> gehusst. Dieser musste letzten<lb/>
Endes dann doch der Aufnahme zustimmen. In der Mittagspause unter<lb break="no"/>hielten wir uns mit Vizegouverneur <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> über die Sabotagemöglich<lb break="no"/>keiten von Beamten. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> kennt durch seine jahrzehntelange Tätigkeit<lb/>
in Ministerien dieses Problem sehr genau. Er erörterte uns, dass<lb/>
ein Beamter stets die Möglichkeit hat, sich unzuständig zu erklären,<lb/>
überfordert zu sein, zumindestens überlastet zu sein, um sich diszi<lb break="no"/>plinär nicht einer Verfolgung auszusetzen wird er zwar nie zugeben,<lb/>
dass er etwas übersehen hat, wenn er aber etwas sabotieren wird,<lb/>
wird er von einem Missverständnis sprechen oder als letzter Ausweg<lb/>
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weisungsmässig vorzugehen. Die Hauptschwierigkeit besteht eben darin,<lb/>
in diese wichtige Personalpositionsstelle entsprechende Vertrauens<lb break="no"/>personen zu bekommen. Die Frage ist nur, wie kann man dies bewerkstel<lb break="no"/>ligen. Ein mühseliger Weg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_12">In der Paritätischen Kommission wurde der Streit wieder beigelegt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärte einleitend, dass es sich hier um eine freiwillige<lb/>
Institution handelt, die auch auf dieser freiwilligen Basis bleiben<lb/>
muss und sich ausschliesslich mit den Problemen zu beschäftigen hat,<lb/>
die sie bis jetzt ebenfalls bearbeitet hat. Auch <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> schloss sich<lb/>
mit einer solchen Erklärung an. Die Autonomie der Paritätischen Kom<lb break="no"/>mission wurde von beiden besonders herausgestrichen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wies<lb/>
darauf hin, dass dieses Phänomen der österreichischen Sozialpartner<lb/>
selbstverständlich erhalten bleiben sollte und als aussergewöhnlich<lb/>
in der Welt betrachtet wird. Er hatte keine Absicht, die Zusammenarbeit<lb/>
zu gefährden, doch müsste er feststellen, dass man dies nicht für<lb/>
Amt der Politik betrachten dürfte. Als Vorsitzender habe er nur die<lb/>
Möglichkeit, zum ersten Tagesordnungspunkt autonom Erklärungen abzu<lb break="no"/>geben. Dass sich daran eine Kritik entfesseln kann zu diesen Erklärungen<lb/>
betrachtet er als selbstverständlich. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollte sich mit dieser<lb/>
Erklärung nicht ganz zufrieden geben und meldete sich deshalb zu Wort,<lb/>
um neuerdings auf die Tatsache hinzuweisen, dass nicht aus politischen<lb/>
Gründen die Arbeit blockiert werden dürfte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war aber nicht be<lb break="no"/>reit, eine andere Erklärung abzugeben. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> flüsterte mir, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> eigentlich auch nichts anderes mit anderen Worten gesagt hatte,<lb/>
als bereits er in seiner Erklärung zu erkennen gegeben hat. Beide<lb/>
erkundigten sich nachher bei mir, ob sie vielleicht zu schaff gefragt<lb/>
hätten. Man sieht, dass sie doch ein ungutes Gefühl gehabt haben,<lb/>
weil ich letztes Mal sie sehr hart attackiert habe und unter vier resp.<lb/>
sechs Augen sagte, dass sie doch nicht ganz einfach den Saal verlassen<lb/>
könnten und durch Sitzungsunterbrechungen den starken Mann spielen.<lb/>
Und damit die Zusammenarbeit ernstlich gefährden. Es dürfte also der<lb/>
Handelskammer tatsächlich an einem weiteren Bestehen der Paritätischen<lb/>
Kommission sehr viel liegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_13">Auf der Tagesordnung war eigentlich nur der Punkt Fleisch- und<lb/>
Wurstpreise interessant. Die Bundeskammer verpflichtete sich, auf<lb/>
5 % Preiserhöhung, gerechnet per 1.7.1971 die Fleischpreise zurück<lb break="no"/>zuführen, damit der Landwirtschaftsminister auf eine Preisregelung ver<lb break="no"/>zichtet. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hatte ihnen seinerzeit in einem Schreiben mitgeteilt,<lb/>
<pb n="10-0377" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-15_0377.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass unter diesen Umständen eine Verordnung für Rind- und Schweine<lb break="no"/>fleisch nicht erlassen würde. Eine Zeit lang flüsterten bei mir herüben<lb/>
die Bundeskammervertreter, dass sie eine solche Preisanordnung eben<lb break="no"/>falls zur Kenntnis nehmen würden. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> meinte nämlich, dass<lb/>
eine Erhöhung um 5 % nur dann zugestanden werden könnte, wenn vorher<lb/>
die Bundeskammer die Preise tatsächlich auf dieses Ausmass zurückge<lb break="no"/>führt hat. Da <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> bei der Sitzung zeitweise abwesend war konnte sich<lb/>
ein so eigentlich sinnloser Dialog entspinnen. Ob ich die 5 %-ige<lb/>
Preiserhöhung auf Juni 1971 gleich anerkenne und damit sage, aber<lb/>
auf dieses Ausmass muss sie zurückgeführt werden oder zuerst die<lb/>
Zurückführung verlange und nachher zu sagen, ich werde sie anerkennen,<lb/>
ist doch in Wirklichkeit vollkommen gleich. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> aber auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> machen manchmal so komplizierte Systeme auf, die <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> in<lb/>
Wirklichkeit sehr ärgern. Letzten Endes einigten wir uns, dass inner<lb break="no"/>halb einer Woche die Preise zurückgeführt werden sollen, die anhängigen<lb/>
Verwaltungsstrafverfahren davon unberührt bleiben, wenn die Preisent<lb break="no"/>wicklung nicht gestoppt, resp. die Preiserhöhung nicht zurückgenommen<lb/>
werden, wird der Landwirtschaftsminister unverzüglich eine Preisan<lb break="no"/>ordnung erlassen. Auf das leichtfertige Spiel mit einer Preisregelung<lb/>
von Seiten der Handelskammer habe ich die Herren aufmerksam gemacht<lb/>
dass dies für die Fleischhauer ein Zustand, der sie sehr noch be<lb break="no"/>lasten wird. Ich erkenne die Schwierigkeiten aus einer Preisbestimmung<lb/>
zeit, mache daher besonders darauf aufmerksam, dass dann unendliche<lb/>
Strafverfahren zu erwarten sind. Am meisten fürchte aber ich, dass<lb/>
es uns nicht gelingen werde, einen wirklichen Kontrollapparat aufzu<lb break="no"/>bauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_14">Am Ende der Sitzung habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> noch einmal über das<lb/>
Problem Neusiedler AG gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> meint, wenn es zu<lb/>
keiner befriedigenden Regelung für die Betriebsräte kommt, die Wirt<lb break="no"/>schaftskommission dann eine ganz harte Verurteilung der Firma durch<lb break="no"/>führen sollte. Dies könne ich durch eine Weisung an den Vorsitzenden<lb/>
Sekt.Chef. <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> erreichen. Trotzdem strebe ich auf alle Fälle an,<lb/>
dass man versucht, eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Ich werde<lb/>
bei der nächsten Sitzung nicht anwesend sein und habe deshalb schon<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass entsprechende Vorarbeiten<lb/>
bereits jetzt geleistet werden müssten. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> verspricht seit<lb/>
Tagen einen Entwurf vorzulegen. Am liebsten wäre ihm, wenn wir eine<lb/>
Vertagung der Sitzung erreichen könnten. Ich habe mich seinerzeit<lb/>
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einer solchen Lösung zustimmen. Ich handle dann zwar noch immer contra<lb/>
legem, habe dies auch <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> mitgeteilt, doch der will das nicht<lb/>
zur Kenntnis nehmen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der zeitweise bei diesem Gespräch mithörte,<lb/>
meinte, <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> könne sich ja gar nicht vorstellen, unter welchem<lb/>
Druck jetzt die Regierung und insbesondere die soz. Seite im Parlament<lb/>
jetzt kommt. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschkas</rs> Auffassung, dass niemand, wenn ich hier so<lb/>
contra legem entscheide, den Fall aufgreifen würde, wird von mir<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nicht geteilt. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass irgend<lb break="no"/>eine Konstruktion gefunden wird, um mich dann im Parlament deshalb anzu<lb break="no"/>schiessen. Ich fürchte aber einen solchen Angriff deshalb nicht, da<lb/>
ich ja dann wenn beide Seiten einverstanden sind, darauf hinweisen<lb/>
kann, dass sich bestrebt war, über die 8 Wochen hinaus eine gemeinsame<lb/>
friedliche Regelung zu finden, wie dies z.B. eben bei Stuppach der<lb/>
Fall gewesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-15_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diesen Plan verfolgen, insbesondere aber<lb/>
endgültig schauen, eine Formulierung zu finden, die gegebenenfalls,<lb/>
wenn er nicht zustande kommt, einen gemeinsamen Beschluss doch noch<lb/>
ermöglicht.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 15.3.1972</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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