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            <title type="main">Freitag, der  3. März 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_01">Freitag, 3. März 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_02">Die Fachzeitschrift "Elektrohandel" wollte in einem Interview<lb/>
unbedingt meine Stellungnahme zur Einkaufsgenossenschaft wissen.<lb/>
Die Einkaufsgenossenschaft besorgt derzeit für die einzelnen Elektro<lb break="no"/>händler von den Fabriken den Einkauf und erhält dadurch höhere Rabatte.<lb/>
Die AEG-Austria wehrt sich – wie mir der Direktor mitteilte – gegen<lb/>
diese Methode. Die AEG-Austria muss jetzt einen höheren Rabattsatz<lb/>
geben und meint, dadurch verteuert sich auf lange Zeit gesehen ja<lb/>
doch ihr Fabriksabgabepreis. Andererseits aber muss man doch berück<lb break="no"/>sichtigen, dass wenn diese Mengenrabatte richtig kalkuliert sind,<lb/>
für die Fabrik entsprechende Vorteile durch Kostenersparnis entstehen.<lb/>
Voraussetzung ist eben, dass der Mengenrabatt richtig kalkuliert<lb/>
wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte im Konsumentenbeirat genau untersuchen<lb/>
lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_04">Bei der 75-Jahr-Feier der Kabel- und Drahtwerke AG hat der Betriebsrats<lb break="no"/>obmann eine phantastische und revolutionäre Ansprache gehalten. Als<lb/>
konkrete Forderung verlangte er von der Gemeinde Wien Grundstück,<lb/>
damit sich der Betrieb ausdehnen könnte. <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>, der neben mir sass,<lb/>
meinte, er wird in seiner Rede auf dieses Problem eingehen und kurz<lb/>
andeuten, dass er glaubt, dass eine solche Transaktion möglich sei.<lb/>
Eine konkrete Zusage möchte er deshalb noch nicht geben, weil an<lb break="no"/>sonsten die Vertragsverhandlungen von seinem Standpunkt aus sich ver<lb break="no"/>schlechtern. Ich sah darin eine grosse Möglichkeit in meiner Rede<lb/>
diese positive Andeutung zu konkretisieren und erklärte <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>, dass<lb/>
ich dies machen würde. Da er dagegen keinen Einspruch erhob, habe<lb/>
ich seine Zustimmung angenommen. Natürlich erhielt sich dann bei<lb/>
dieser Stelle eine frenetischen Beifall- der gesamten anwesenden<lb/>
Belegschaft. <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> meinte nachher lachend, auf seine Kosten hätte ich<lb/>
einen ganz schönen Erfolg erzielt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_05">Bei diesem Festakt traf ich auch Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, er kam aber auf die<lb/>
sehr hart Kritik meines gestrigen Vortrages nicht mehr zurück. In<lb/>
der Früh hat er mich sofort angerufen, weil ihm angeblich ich nehme<lb/>
an es war <rs type="person" ref="#per__112988">Sepp Wille</rs>, mitgeteilt hat, dass ich in der Arbeitsgemein<lb break="no"/>schaft der soz. Direktoren und Betriebsräte der verstaatlichten Indu<lb break="no"/>strie verlangt hätte, es würden und müssten die Löhne dieser Lohn<lb break="no"/><pb n="10-0306" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-03_0306.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>runde um 2 und mehr Prozent gegenüber der letzten Lohnrunde erhöht<lb/>
werden. Durch die Preissteigerungen bedingt, so sollte ich ausge<lb break="no"/>führt haben, würden auch die Metallarbeiter mehr verlangen. Richtig<lb/>
ist, dass ich bei dieser Arbeitsgemeinschaft auf die steigenden Preise<lb/>
hingewiesen habe und dass ich vor allem erklärt habe, dass es kaum<lb/>
möglich sein wird, die Tariflöhne heuer so günstig abzuschliessen,<lb/>
wie dies bei der letzten Lohnrunde der Fall gewesen ist. Von <rs type="person" ref="#per__128059">Martinowsky</rs><lb/>
wurden damals die Brauereiarbeiterlöhne und überhaupt die Lebensmittel<lb break="no"/>arbeiter herangezogen und Tatsache ist, dass diese um ca. 2 % höher<lb/>
abschliessen als bei der letzten Lohnrunde. Damals betrugen sie um<lb/>
die 12 %, jetzt betragen sie 14 %. Bei uns sind die Tariflöhne gleich<lb break="no"/>zeitig auch die Ist-Löhne und daher gibt es dieses Problem nicht,<lb/>
das die Metallarbeitergewerkschaft hat. Dort sind die Tariflöhne wesent<lb break="no"/>lich tiefer als die Ist-Löhne und sicher werden auch die Tariflöhne um<lb/>
2 % höher abschliessen als das letzte Mal. Bei den Ist-Löhnen dagegen<lb/>
glaubt <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, dass es dies unmöglich sein wird und hat die Mittei<lb break="no"/>lung, wonach ich eine höhere Lohnpolitik angekündigt habe, als ein Konter<lb break="no"/>karieren ihrer Lohnpolitik aufgefasst. Er glaubt auch, dass deshalb<lb/>
1971 überall eine solche Ruhe und relative Zufriedenheit herrschte, weil<lb/>
die Betriebe in individuellen, d.h. betrieblichen Regelungen für ihre<lb/>
Arbeiter eine entsprechende zusätzliche Lohnerhöhung herausgeholt<lb/>
haben. Tatsächlich dürften bei den grossen starken Betrieben zwischen<lb/>
den Lohnbewegungen der Gewerkschaft, die ungefähr alle 15 – 16 Monate<lb/>
erfolgt, individuelle betriebliche Regelungen erfolgen. Das Endergebnis<lb/>
ist, dass er dadurch seine ursprüngliche Politik nämlich die Kollektiv<lb break="no"/>vertragslöhne auf die Ist-Löhne heranzuführen, nur geringe Aussicht<lb/>
auf Verwirklichung hat. Andererseits aber, wenn er eine Lohnbewegung<lb/>
für die gesamten Metallarbeiter führt, ist es unmöglich, dass<lb/>
dann nicht die einzelnen Betriebe sich zusätzliche Benefizien durch<lb/>
die Verhandlungen des Betriebsrates mit der Unternehmungsleitung heraus<lb break="no"/>holen. Dies ist ja eine der Gründe, warum <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und die Handelskammer<lb/>
immer wieder versuchen, diese betrieblichen Lohnforderungen auch in<lb/>
die Paritätische Kommission zu bringen. Andererseits ist es für mich<lb/>
vollkommen klar, dass keine Gewerkschaft und vor allem einmal keines<lb break="no"/>falls der Gewerkschaftsbund ein solches Vorgehen akzeptieren können.<lb/>
Zum Glück hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> den Tag vorher gerade seine 3 % Reallohnsteigerung<lb/>
verkündet. Wenn er nun selbst eine 6 %-ige Preissteigerung rechnet,<lb/>
oder selbst wenn er nur die 4,7 % des Vorjahres zur Grundlage nimmt,<lb/>
dann will er nach seiner eigenen Aussage noch 1,5 % für die Steuerbe<lb break="no"/><pb n="10-0307" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-03_0307.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lastung kalkulieren, so kommt er weit über den von ihm vorgesehenen<lb/>
Satz von 8 % hinaus. Diese Ziffer ist zwar offiziell noch nicht bekannt<lb/>
doch wird in den Spitzengremien der Metallarbeitergewerkschaft mit der<lb/>
anderen Seite auf dieses Basis bereits informell gesprochen. Dies hat<lb/>
mir zumindestens <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> mitgeteilt. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte nun sehr verärgert, wenn<lb/>
die Regierung die Lohnpolitik der Gewerkschaft machen will, dann muss<lb/>
sie auch die Konsequenzen daraus tragen. Er selbst würde unter diesen<lb/>
Umständen nicht mehr bereit sein, seine eigenen Leute zurückzuhalten.<lb/>
Nachdem ich ihm den Tatbestand und meine wirklichen Ausführungen ausein<lb break="no"/>andergesetzt habe, hoffe ich, dass er eingesehen hat, einer Fehlinforma<lb break="no"/>tion oder zumindestens einer falschen Interpretation unterlegen zu sein.<lb/>
Trotzdem war es für mich eine heilsame Lehre, dass man auch als Gewerk<lb break="no"/>schafter in einer Bundesregierung über die Lohnpolitik nirgends etwas<lb/>
sagen soll, zumindestens auch keine noch so vagen ziffernmässigen An<lb break="no"/>deutungen. Es wäre auch wirklich billig von mir, wenn ich auf Kosten<lb/>
einer Gewerkschaft irgendwo Andeutungen machen würde, die letzten Endes<lb/>
dem Arbeiter das Gefühl geben, dass ich der bessere Gewerkschaftsver<lb break="no"/>treter sei, der auch anderen einen höheren Lohnsatz bringen würde.<lb/>
So waren angeblich einige Reaktionen von Betriebsräten bei dieser Aus<lb break="no"/>sprache. In der Diskussion haben sie sich allerdings nicht zu Wort ge<lb break="no"/>meldet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_06">Bei der Festansprache für <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> erwähnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr geschickt,<lb/>
dass die Bundesregierung die Kandidatur <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheims</rs> ganz unabhängig<lb/>
von den innerpolitischen Fragen so unterstützt hat, dass letzten Endes<lb/>
auch ein erfolgreicher <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> als Generalsekretär aus der Wahl hervor<lb break="no"/>gegangen ist. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder, wie wenig<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> ein Politiker ist, denn in seiner Antwort ging er auf diese<lb/>
Bemerkung im einzelnen ein, bedankte sich für die Haltung der Bundes<lb break="no"/>regierung, die anwesenden ÖVP-ler, insbesondere Bundesparteiobmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>, der schräg mir gegenüber sass, machte ein süss-saures Gesicht.<lb/>
Das mindeste hätte er sicher erwartet, dass auf diesen sehr geschickten<lb/>
Vorbringen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> entweder überhaupt nicht reagiert<lb/>
oder wenn er darauf geantwortet hätte, es doch als eine Selbstverständ<lb break="no"/>lichkeit hingestellt hätte, die doch ausser jeder Diskussion stehen<lb/>
muss. Wir wissen allerdings nicht, wie sehr im damaligen Präsident<lb break="no"/>schaftswahlkampf <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheims</rs> um den Bundespräsidentenposten Differenzen<lb/>
innerhalb der österreichischen Volkspartei oder gar mit der Führungs<lb break="no"/>spitze dieser Partei zwischen <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> und den einzelnen ÖVP-lern ge<lb break="no"/>wesen sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_07">Die Vorbereitungen für die Brüssel-Verhandlungen gestalten sich<lb/>
wegen der landwirtschaftlichen Nachfolgeprodukte und wegen der Er<lb break="no"/>stattungsfrage ganz besonders schwierig. Es gelingt zwar durch Be<lb break="no"/>sprechungen mit den einzelnen Interessenvertretungen die Standpunkte<lb/>
einigermassen aufzuweichen und letzten Endes vielleicht sogar doch<lb/>
zu einem gemeinsamen zu bringen.Voraussetzung für eine wirklich alle<lb/>
befriedigende Lösung wäre, wenn in der Erstattungsfrage das Finanz<lb break="no"/>ministerium wenigstens eine grundsätzliche Erklärung abgeben würde.<lb/>
Ich kann es aber andererseits verstehen, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hier auf alle<lb/>
Fälle unbedingten Widerstand leistet, da er erwartet, dass daraus<lb/>
eine grosse budgetäre Belastung erwachsen wird. Zu meiner grössten<lb/>
Verwunderung hat er aber die fiskalische Seite bei Aussprache, die<lb/>
die Handels- und Landwirtschaftskammer mit ihm geführt hat, als nicht<lb/>
primär bezeichnet, sondern sich aus prinzipiellen Gründen gegen diese<lb/>
Erstattung gewehrt. Damit bringt er dieses ganze Problem auf eine<lb/>
Linie, die mehr oder minder eine prinzipielle Entscheidung der Bun<lb break="no"/>desregierung notwendig macht. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, so versichern mit die Agrarier<lb/>
aber auch die Handelskammer, hat ihnen eine positive Zusage bereits ge<lb break="no"/>geben. Bei meiner letzten Vorbesprechung in der Regierungsfraktion<lb/>
hat allerdings <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sich überhaupt nicht geäussert. Ich bin auch über<lb break="no"/>zeugt, dass früher oder später <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auf Einfluss <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, der<lb/>
momentan auch noch ganz entschieden eine Erstattung ablehnt, nachgeben<lb/>
wird. Wenn es nämlich dann darauf ankommt, dass die Bauern mit aller<lb/>
Konsequenzen sei es im Parlament oder gar vielleicht in vorhergehenden<lb/>
Besprechungen beim Bundeskanzler das Problem auseinandersetzen werden,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann entsprechend nachgeben wird. Derzeit aber sind beide<lb/>
noch auf einem absoluten Nein und ich habe deshalb auch ganz ent<lb break="no"/>schieden bei jeder Besprechung abgelehnt, mich für eine Lösung einzu<lb break="no"/>setzen, da ich ein solches Versprechen nicht einhalten könnte. Die<lb/>
Arbeiterkammer hat sogar eine Zeitlang mit der Idee gespielt, die<lb/>
gesamten landwirtschaftlichen Nachfolgeprodukte aus der Integration<lb/>
auszunehmen. In diesem Fall glaubt sie würde der Zollschutz günstiger<lb/>
sein für die Konsumenten als wenn ein Abbau des fixen Teilbetrages vom<lb/>
neuen System in der Integration durchgeführt wird. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> selbst ist<lb/>
über diese Scheidung sehr unglücklich. Er ist davon fest überzeugt,<lb/>
dass wenn die landwirtschaftlichen Nachfolgeprodukte nicht in die<lb/>
Integration einbezogen werden, daraus eine ganz schwere Belastung auf<lb/>
lange Sicht für die Konsumenten entstehen wird. Ich selbst muss<lb/>
bei diesem Problem äusserst vorsichtig taktieren. Auf die Frage der<lb/>
<pb n="10-0309" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band10/10_1972-03-03_0309.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Handelskammer bei der Vorbesprechung mit dieser Interessen<lb break="no"/>vertretung, welche Stellung ich als Handelsminister einnehme,<lb/>
habe ich deshalb ausgesprochen laschiert. Der Grund ist, dass<lb/>
wenn ich mich für ein System entscheide, dann der Verdacht entsteht,<lb/>
dass ich als Obmann der Lebens- und Genussmittelarbeiter den<lb/>
höheren Schutz für die dort Beschäftigten über die Gesamtinter<lb break="no"/>essen stelle. Da ich eine solche Haltung wirklich nicht einnehme,<lb/>
sehe ich nicht ein, dass ich mich durch eine konkrete Aussage, dann<lb/>
in einer Richtung präjudiziere. Ausserdem erscheint es mir dann voll<lb/>
kommen unmöglich, eine gemeinsame Linie noch zu erreichen. Die<lb/>
Anti-Integrationslösung, wie sie derzeit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139676">Kretschmer</rs><lb/>
vom Finanzministerium vorschlägt, hat vielleicht die Zustimmung<lb/>
des Finanzministers ist aber glaube ich auch keine Ideal-Lösung.<lb/>
Sie läuft in Wirklichkeit auf die Herausnahme aller dieser Produkte<lb/>
aus der Integration hinaus. Die Landwirtschaft will nun, da sie die<lb/>
Abschöpfung bereits ziemlich in der Tasche hat, die ergänzende Er<lb break="no"/>stattung in der jetzigen Phase durchsetzen. Deshalb hat sie dann<lb/>
auch bei der interministeriellen Besprechung immer wieder darauf<lb/>
hingewiesen und alles offen lassen wollen, auch die Abschöpfungspunk<lb break="no"/>te, wo wir uns einigen konnten und auch teilweise geeinigt haben.<lb/>
Als stärkste Drohung hat sie darauf hingewiesen, dass sie in diesem<lb/>
Punkt der Sitzung verbleiben will. Scheinbar gedenkt also die<lb/>
Landwirtschaftskammer nicht die Sitzung überhaupt zu verlassen,<lb/>
sondern nur bei diesem Punkt in Brüssel durch Abwesenheit ihren<lb/>
Protest zu demonstrieren. Sie hofft, dass bis am Mittwoch, den<lb/>
8. März, wo die nächste Verhandlungsrunde in Brüssel steigt, eine<lb/>
prinzipielle Zusage von seiten der Bundesregierung zu erhalten. Da<lb/>
ich eine solche Zusage nicht sehe, habe ich keine wie immer gear<lb break="no"/>tete Erklärung abgegeben, sondern die Erstattung als ein inner<lb break="no"/>österreichisches Problem behandelt und auch dezidiert mitgeteilt,<lb/>
dass in Brüssel nur eine einzige Bemerkung gemacht werden sollte.<lb/>
Da die EWG an unserer Erstattung in einem einzigen Punkt inter<lb break="no"/>essiert ist, soll die Delegation nur erklären, dass wenn es zu<lb/>
einer Erstattung kommt, diese keinesfalls bis unter den Weltmarkt<lb break="no"/>preis gehen würde. Nur eine solche Erklärung erwartet die EWG von<lb/>
uns und die kann auch ohne weiters von der gesamten Delegation gegeben<lb/>
werden. Wenn die Landwirtschaft geschickt ist, wird die diese Er<lb break="no"/>klärung als Anhaltspunkt für den weitere innerösterreichische Dis<lb break="no"/>kussion verwenden. Da die Handelskammer heute bereits weiss, dass<lb/>
sie dem Vertrag zustimmen muss, wird sie und setzt sie alles<lb/>
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innerparteilich nicht zu grosse Schwierigkeiten bereiten. Deshalb<lb/>
solidarisiert sich die Handelskammer, nicht zuletzt aber auch wegen<lb/>
der Interessen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit dem Vor<lb break="no"/>schlag der Landwirtschaftskammer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_08">Während der Sitzung der interministeriellen Kommission wurde deshalb<lb/>
ausschliesslich dieses Problem bis in die Details diskutiert und für<lb/>
die Abschöpfungsliste doch eine generelle Linie gefunden. Interessant<lb/>
war, dass <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> als Gegenforderung gegen die EWG eine entsprechende<lb/>
Erweiterung der Liste z.B. Zuckerwaren usw. verlangte, aber von der<lb/>
Handelskammer in dieser Frage gar nicht unterstützt wurde. Dr. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs><lb/>
vom Fachverband meinte nur, man hätte die Gegenforderungen innerhalb<lb/>
der Süsswarenindustrie besprochen und man ist übereingekommen, dafür<lb/>
wie er sich ausdrückte, nicht auf die Barrikaden zu steigen. <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs><lb/>
war erschüttert über diese Stellungnahme, da er noch immer glaubt,<lb/>
handelspolitisch mit Gegenforderungen und Abtauschen von Positionen<lb/>
eine gute Ausgangslage zu haben. In Wirklichkeit meint der Fachverband<lb/>
heute und wahrscheinlich auch schon die Handelskammer, je weniger man<lb/>
von der Europäischen Gemeinschaft verlangt, desto weniger muss man<lb/>
natürlich Gegenkonzessionen machen und der jetzige Status wäre für<lb/>
sie der beste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-03_09">Während der Abendsitzung wurde ich von Brüssel, Dr. <rs type="person" ref="#per__114800">Michitsch</rs>, ange<lb break="no"/>rufen, der mir mitteilte, dass in der Frage der Ursprungszeugnisse<lb/>
doch eine Lösung sich jetzt abzeichnet. Die Kommission wird zwar den<lb/>
kumulativen Ursprung nicht akzeptieren, doch hat sie Argumente ge<lb break="no"/>sucht, damit sie den Rat davon überzeugen kann, dass er gewisse Zuge<lb break="no"/>ständnisse machen wird müssen. Ich habe diese Mitteilung sofort der<lb/>
interministeriellen Kommission zur Kenntnis gebracht.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Slavik, Felix</persName>
               <persName><surname>Slavik</surname><forename>Felix</forename></persName>
               <occupation>Wr. Bgm. bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <persName type="label">Schleinzer, Karl</persName>
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               <persName><surname>Michitsch</surname><forename>Hugo</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
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               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>Vorstandsdirektor VEW</occupation>
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