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            <title type="main">Mittwoch, der  1. März 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_01">Mittwoch, 1. März 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_02">Rechtsanwalt Dr. <rs type="person" ref="#per__123312">Stern</rs> will unbedingt die Sprenggenehmigung für den<lb/>
Steinbruch Spitzes Eck in Hohenems erreichen. Seiner Meinung nach ist<lb/>
der grösste Gegner Landtagsabgeordneter <rs type="person" ref="#per__137049">Winder</rs> jetzt Landesrat<lb/>
und deshalb könnten wir leicht die Genehmigung erteilen. Ich erkläre<lb/>
ihm neuerdings dezidiert, dass ich solange keine Sprenggenehmigung<lb/>
geben werde, als nicht ein einwandfreies geologisches Gutachten vor<lb break="no"/>liegt, dass keine wie immer geartete Gefahr für die dort in der Nähe<lb/>
befindlichen Häuser ist. Das Handelsminister hat von der Landesre<lb break="no"/>gierung einen Befund der gesamten Wand verlangt und der ist bis jetzt<lb/>
nicht eingetroffen. Die geologischen Schreiben, die er vorlegt, sagen<lb/>
immer nur dass doch jetzt vielleicht, wenn die entsprechenden Zustim<lb break="no"/>mungen von anderen Geologen vorliegen, Probesprengungen durchgeführt<lb/>
werden könnten. Er möchte der Landesregierung wenigstens mitteilen, dass<lb/>
das Ministerium nichts gegen eine Probesprengung einzuwenden hat, wenn<lb/>
sie eine solche genehmigt. Auch dagegen erkläre ich dezidiert, dass wir<lb/>
eine solche Erklärung nicht abgeben. Voraussetzung für eine Sprengung<lb/>
ist, dass eine geologische Untersuchung der Wand durchgeführt wird und<lb/>
die Landesregierung uns dezidiert erklärt, dass keine wie immer gear<lb break="no"/>tete Gefahr besteht. Dann hat die Landesregierung ja selbst die morali<lb break="no"/>sche Rechtfertigung eine Sprenggenehmigung auszustellen. Wenn dann da<lb break="no"/>gegen keine Berufung eingelegt wird, sind wir sowieso nicht befasst<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__123312">Stern</rs> hat erreicht, was er will, ohne dass wir uns präjudiziert<lb/>
haben. Eine vorhergehende Erklärung kommt nicht in Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_03"><rs type="person" ref="#per__123312">Stern</rs> erzählt auch die Entwicklung der Strumpffabrik ARWA. Nach seiner<lb/>
Auffassung hat der seinerzeitige Besitzer <rs type="person" ref="#per__139699">Thierfelder</rs>, der die Fabrik<lb/>
jetzt an den grossen amerikanischen Strumpfkonzern Hudson verkauft<lb/>
hat, die Landesregierung, die 25 Mill. Landeshaftung gegeben hat,<lb/>
schwer getäuscht. Er wird deshalb, ohne einen Groschen dafür zu be<lb break="no"/>kommen, die entsprechende Vertretung übernehmen. Da er seinerzeit der<lb/>
Rechtsberater von <rs type="person" ref="#per__139699">Thierfelder</rs> gewesen ist, kann er erst dann auftreten,<lb/>
wenn er von der Landesregierung einen diesbezüglichen Auftrag be<lb break="no"/>kommen hat. Ich glaube, er dürfte deshalb erklären, dass er es umsonst<lb/>
macht, weil er sonst gegen den Anwaltskodex verstösst. Der Vertreter<lb/>
der Fa. Hudson in Österreich ist ein Salzburger, der dort ein grosses<lb/>
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produziert, er seines Gewinnes in Salzburg verlustig wird. Nach<lb/>
Auffassung <rs type="person" ref="#per__123312">Sterns</rs> hat die Fabrik gute Chancen, gewinnbringend zu ar<lb break="no"/>beiten. Er hätte angeblich mit der GÖC und auch mit Kunert vereinbart<lb/>
gehabt, dass sie die grössere Strumpfproduktionen abgekauft hätten.<lb/>
Dadurch wäre es möglich gewesen, den Umsatz von 40 Mill. auf 70 Mill.<lb/>
zu heben, womit die Rentabilitätsgrenze erreicht worden wäre. Er<lb/>
hat das Gefühl, aber man will gar nicht mehr eine entsprechende<lb/>
aktive Firma haben, sondern möchte sie als herabgewirtschafteten Betrieb<lb/>
günstig verkaufen können. Durch die Investition von 40 Mill. ist<lb/>
die Firma auf den letzten Stand der modernen Strumpfproduktion. Durch<lb/>
die Klimatisierunganlage bekommen die synthetischen Strümpfe einen<lb/>
Hauch von wolliger Geschmeidigkeit, der von den Hausfrauen sehr gewünscht<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__123312">Stern</rs> befürchtet auch, wenn sich die 300 Arbeiter verlaufen,<lb/>
dann sobald dort überhaupt niemand mehr eine Strumpfproduktion auf<lb break="no"/>nehmen kann. Die ganze Erklärung von <rs type="person" ref="#per__123312">Stern</rs> habe ich durch eine Bemer<lb break="no"/>kung ausgelöst, im Trend stand nämlich, dass er erklärt haben soll,<lb/>
jetzt werde ich auf meinen alten Tagen noch Industriekaufmann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Unter Hinweis auf Trend und die Erklärung <rs type="person" ref="#per__123312">Sterns</rs><lb/>
bitte von <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> überprüfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_05">Die Arbeitsgruppe des Beirates, welche über Arbeitsmarktpolitik und<lb/>
Abwanderung von Arbeitskräften die Studie ausgearbeitet hat, hat<lb/>
mit mir über die Ergebnisse diskutiert. Prof. <rs type="person" ref="#per__139700">Wolff</rs> vom Hauptver<lb break="no"/>band ist der Vorsitzende dieser Arbeitsgruppe gewesen. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> nützte<lb/>
die Aussprache um beim ersten Punkte: Regionale Förderung, vielleicht<lb/>
zu erreichen, dass das Handelsministerium diesen in der Grenznähe be<lb break="no"/>findlichen Betrieben durch entsprechende Richtlinienänderung beim<lb/>
Gewerbestrukturgesetz, ERP- und Fremdenverkehrsförderung zu helfen.<lb/>
In Wirklichkeit stellt sich das Problem aber anders dar. Diese Be<lb break="no"/>triebe in der Nähe der bayrischen Grenze haben natürlich einen starken<lb/>
Sog von Bayern. Trotzdem haben sie eine verhältnismässig günstige<lb/>
wirtschaftliche Situation. Der Einzelbetrieb mag durch die Arbeits<lb break="no"/>kraftabwanderung sehr oft in eine ganz kritische Produktionsphase kom<lb break="no"/>men. Er konnte mit Recht darauf hinweisen, dass von einem Kleinbe<lb break="no"/>trieb einmal von 4 Wekrmeistern 3 über Nacht den Betrieb verlassen<lb/>
haben. Trotzdem ist dieses Gebiet aber in einer guten wirtschaftlichen<lb/>
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österreichischen Arbeiter im bayrischen Grenzraum sich entspre<lb break="no"/>chende hohe Einkommen verschaffen, die sie letzten Endes, soferne<lb/>
sie nicht doch nach Bayern übersiedeln, wieder in Österreich aus<lb break="no"/>geben. Dieser Zustand war in der ersten Republik schon so,<lb/>
allerdings nur mit 40.000 und hat sich in der Zwischenzeit auf 80.000<lb/>
erhöht und <choice><choice><sic>wir 75 Jahren</sic><corr>wird im Jahr 1975?</corr></choice></choice> 120.000 betragen. Dafür ist die Abwande<lb break="no"/>rung in die Schweiz, wo in der ersten Republik und in den ersten<lb/>
Nachkriegsjahren 40.000 gewesen sind, jetzt auf 27.000 zurückgegan<lb break="no"/>gen. Ich habe ganz besonders darauf hingewiesen, dass man eine<lb/>
regionale Abgrenzung einer Förderung kaum verantworten könnte,<lb/>
ohne nicht an die wirkliche tote Grenze, das ist das Waldviertel<lb/>
teilweise das Mühlviertel und insbesondere natürlich das<lb/>
Burgenland und die Oststeiermark zu verweisen. Hier kommt allerdings<lb/>
ein richtiges Gegenargument von den Unternehmungen im bayerischen<lb/>
Grenzraum, dass hier eine entsprechende Bevorzugung dieser Gebiete<lb/>
ist, ohne dass es dabei einen Effekt hat. Denn die vorzeitige AfA<lb/>
führt ja nur dazu, dass grössere Betriebe vielleicht bereit sind,<lb/>
in diese Gegend zu gehen, ohne dass man einen vorherigen Erfolg<lb/>
erwarten kann. In diesem Fall fühlen sie sich sogar diskriminiert.<lb/>
Denn die Unternehmer im bayrischen Grenzraum bekommen diese AfA<lb/>
nicht, obwohl sie sich dringend bräuchten, um Rationalisierungs<lb break="no"/>investitionen vorzunehmen. Trotzdem lehnte ich eine jedwede Be<lb break="no"/>vorzugung, z.B. dass man in den Gewerbestrukturverbesserungsrichtli<lb break="no"/>nien vorsieht, dass anstelle des 3 %-igen Zinsenzuschusses ein<lb/>
4,5 %-iger Zinsenzuschuss gegeben wird, ganz kategorisch ab. Ich<lb/>
bin froh, dass ich die seinerzeit von meinem Amtsvorgänger für<lb/>
die Mühlen eingeführt Sonderaktion wieder zeitgerecht, d.h. bei<lb/>
meiner Amtsübernahme sofort wieder abstoppen konnte. Die Handels<lb break="no"/>kammer – <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> – hat deshalb dann auch gemeint, man müsste halt<lb/>
vielleicht eine besonderes Förderung ohne regionale Begrenzung<lb/>
einführen. In diesem Fall, erwiderte ich, müsste man halt doch<lb/>
dann primär wieder die Gebiete, die wirkliche Notstandsgebiete<lb/>
sind, vorerst entsprechend fördern. Ich habe das Gefühl, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> durch seine Aussprachen im bayrischen Grenzraum mit den<lb/>
Unternehmungen hier eine Pflichtübung gemacht hat, weil er genau<lb/>
weiss, dass ich nicht bereit bin, hier irgendwelche regionalen<lb/>
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Das hauptsächlichste und wirkliche einzige offene Punkt, der erledigt<lb/>
gehört von dem ganzen Förderungsprogramm ist die Schaffung eines<lb/>
modernen Fremdarbeiter- oder Ausländerbeschäftigungsgesetzes. Hier<lb/>
erklärte Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114573">Lehner</rs> vom Sozialministerium, dass er jetzt endgültig<lb/>
hofft, dass die Sozialpartner einen diesbezüglichen Vorschlag unter<lb break="no"/>breiten werden. Ich habe dies seit Monaten urgiert und komme im ÖGB<lb/>
und in der AK nicht weiter. In Wirklichkeit ist die Nichterfüllung<lb/>
dieses Forderungspunktes der Handelskammer das einzige Argument, dass<lb/>
die Arbeitnehmerseite eine Massnahme unterlässt, wo den Unternehmern<lb/>
angeblich dann entsprechende Entlastung gewährt werden könnte. In<lb/>
Wirklichkeit ist es so, dass sich jetzt die Arbeitskräfte nicht mehr<lb/>
als Exogene den Wirtschaftsforschungsmodellen darstellen, sondern als<lb/>
Endogene <choice><choice><sic>stat</sic><corr>?</corr></choice></choice>. Mit anderen Worten, die Kontingente werden nicht mehr<lb/>
von den Gewerkschaften mit den Unternehmerverbänden festgesetzt,<lb/>
sondern ergeben sich eigentlich automatisch schon aus dem Bedarf<lb/>
der Wirtschaft. Trotzdem war – soviel ich weiss – nur die Lebens-<lb/>
und Genussmittelarbeitergewerkschaft bereit, seit mindestens drei<lb/>
Jahren eine Vereinbarung zu treffen, wonach die Unternehmer jede<lb/>
Arbeitskraft bekommen können, ohne dass wir eine Kontingenthöchst<lb break="no"/>grenze vereinbart haben. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> hofft, dass es doch nun zu einem<lb/>
solchen Entwurf kommen wird, da die Sozialpartner jetzt übereingekommen<lb/>
sind, in den anderen Ländern, die Schweiz, Deutschland und ich glaube<lb/>
noch ein paar anderen, das Problem der Gastarbeiter zu studieren.<lb/>
Es wäre das erste Mal, dass solche Studienreisen dann dazu führen,<lb/>
dass sehr schnell ein Entwurf kommt, normalerweise setzt man solche<lb/>
Studienreisen dann an, wenn man eben materiell in der Frage nicht<lb/>
weiterkommt und Zeit gewinnen will oder sich vielleicht doch durch<lb/>
die Anregung im Ausland eine oder andere Streitfrage oft aus der<lb/>
Welt zu schaffen. Zum Abschluss dankte ich noch der Arbeitsgruppe,<lb/>
leider war ein Vertreter der Arbeiterkammer und des ÖGB anwesend,<lb/>
und versicherte, dass das Ministerium als Grundlage seiner weiteren<lb/>
Tätigkeit diese Studie verwenden wird. Ähnliche haben wir es ja bei<lb/>
der Industriestudie gemacht und ich glaube, dass befriedigt die In<lb break="no"/>teressenvertretungen sehr. Bei dieser Gelegenheit wies ich darauf hin,<lb/>
dass ich ganz besonderen Wert darauf lege, so schnell wie möglich die<lb/>
Preisstudie vom Wirtschaftsbeirat zu bekommen, weil auch diese eine<lb/>
entsprechende Grundlage für unsere Tätigkeit sein würde. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> versicherte<lb/>
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dem Wirtschaftsbeirat unter Beiziehung der Generalsekretäre des<lb/>
Gewerkschaftsbundes und der Handelskammer stattfinden würde. <rs type="person" ref="#per__97868">Reithofer</rs><lb/>
hat mir dann im Kautsky-Kreis beim Vortrag <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mitgeteilt,<lb/>
dass diese Aussprache zu einem Abschluss der Arbeiten geführt hat.<lb/>
Die Empfehlungen konnten zwar nicht alle einstimmig gefasst werden,<lb/>
es werden deshalb zwei Meinungen für gewisse Punkte in der Studie<lb/>
aufscheinen, doch ist jetzt endgültig eine Formulierung gefunden,<lb/>
die in den nächsten Tagen bekommen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_06">Die Fahrschulkonzessionen bereiten mir immer mehr Ärger. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat<lb/>
seinerzeit bei uns interveniert, damit wir einem Ansuchen von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139701">Dubovszky</rs>, einem Fahrschulleiter aus Liezen und Gröbming, im Bezirk<lb/>
Voitsberg nicht entsprechen sollen. Andere haben wieder interveniert<lb/>
und erklärt, dass die derzeitige Fahrschule <rs type="person" ref="#per__139702">Baumgartl</rs> mit 647 Schülern<lb/>
pro Jahr ohne weiteres eine zweite Fahrschule vertragen würde. Der<lb/>
Verwaltungsgerichtshof hat seinerzeit festgehalten, dass ca. 25.000<lb/>
Einwohner auf eine Fahrschule entfallen sollen. In Voitsberg <choice><choice><sic>bit</sic><corr>sind?</corr></choice></choice><lb/>
es 57.000 und ausserdem meinte der Verwaltungsgerichtshof, dass 300<lb/>
Schüler für eine Fahrschule, deren Lebensfähigkeit garantiert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139701">Dubovszky</rs> meinte nun, weil er von Sozialisten eine entsprechende Em<lb break="no"/>pfehlung bekommen hat, wurde der Akt zur Zeit wo ich in Italien ge<lb break="no"/>wesen bin, sofort vom Ministerium bearbeitet und innerhalb von drei<lb/>
Tagen negativ entschieden. <rs type="person" ref="#per__139701">Dubovszky</rs> wird nun neuerdings ein Ansuchen<lb/>
richten, da in der Stadt Weiz nur 2 Fahrschulen sind, obwohl 80.000<lb/>
Einwohner im Bezirk wohnen. <rs type="person" ref="#per__139701">Dubovszky</rs> meint, in dieser Beziehung<lb/>
glaube ich mit recht, dass er jetzt 18 Jahre als Fahrschulleiter ge<lb break="no"/>arbeitet hat und in der Steiermark von 33 Betrieben sich 7 Witwenbetriebe<lb/>
befinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Man sollte wirklich ein anderes System ver<lb break="no"/>suchen zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_08">Bei der Eröffnung des neuen Werkes von Siemens, es handelt sich als erst<lb/>
Ausbauetappe zuerst um ein Bürogebäude könnte ich mit unseren Betriebs<lb break="no"/>räten von der Landstrasse einige Worte wechseln. Ich habe mich demon<lb break="no"/>strativ zu ihnen gesellt, da ich weiss, dass sie über die Entwicklung<lb/>
in ihrem Konzern gar nicht glücklich sind. Sowohl <rs type="person" ref="#per__126864">Fenzl</rs>, der Arbei<lb break="no"/>terbetriebsrat, als auch <rs type="person" ref="#per__139703">Berger</rs>, der Angestelltenbetriebsrat, haben<lb/>
das Gefühl, dass die neue Firmenleitung unterstützt durch die deutsche<lb/>
Mehrheit heute ein System der Ausschaltung der Betriebsräte schön<lb/>
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Platz gegriffen hat. In der verstaatlichten Phase waren die Betriebsrä<lb break="no"/>te eigentlich wie wir in Wien sagen würden, die Machatscheks. Die<lb/>
Direktion hat sich ausschliesslich nach ihren Wünschen gerichtet,<lb/>
da sie Angst gehabt haben, vielleicht in der ÖIAG oder den Vorläufern<lb/>
oder gar vielleicht beim Minister für verstaatlichte Betriebe ansonsten<lb/>
haben. Jetzt beginnen die Kapitalbesitzer und natürlich ganz beson<lb break="no"/>ders die Deutschen ihr System hier einzuführen. Sie haben sicher<lb break="no"/>lich nicht die Absicht, das Mitspracherecht der Betriebsräte auszuschal<lb break="no"/>ten, aber schränken es garantiert nur auf die im Gesetz vorgesehenen<lb/>
Möglichkeiten ein. Das Gebäude ist ein reiner Zweckbau und hat richtige<lb/>
grosse Büroräume. Es wird in Wirklichkeit nur von einem Aufzugskern<lb/>
und Stiegenkern gebildet und dann wird rundherum ein einheitlicher<lb/>
grosser Saal, der durch keine Wände getrennt ist, von den Angestellten<lb/>
besetzt. Die Abtrennung erfolgt nur durch Bürokästen. In Deutschland<lb/>
hat man wenigstens, da die Bürokästen im Mittelteil untergebracht wur<lb break="no"/>den, Blumen zur Abgrenzung. Die Angestellten, behauptet Gen.Direktor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97528">Hecke</rs>, seien mit dieser Grossbürolösung sehr einverstanden. Ich er<lb break="no"/>widerte, dass man doch vorerst einmal abwarten sollte, wie die Ange<lb break="no"/>stellten, wenn sie dem wirklich zustimmen, in ein paar Monaten oder<lb/>
ein paar Jahren auf diese Grossbüros reagieren werden. Die Vorstands<lb break="no"/>direktoren und ich habe grössten Wert darauf gelegt, mir auch diese<lb/>
Zimmer anzuschauen, haben also Büroräume im herkömmlichen Sinne.<lb/>
Nicht sehr bombastisch eingerichtet, aber doch immer hin abgetrennt,<lb/>
mit eigenen Sitzungssälen und eigenen Sekretärinnen, die ebenfalls<lb/>
in abgetrennten Räumen sitzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_09">Meine Eröffnungsansprache hielt ich natürlich wieder in meinem<lb/>
eigenen Stil, d.h. die anderen Vorredner hatten bereits alles Gute<lb/>
über die Firma Siemens gesagt. Ich selbst konnte deshalb, wenn ich<lb/>
jetzt viele Firmendetails gewusst hätte, kaum etwas Neues dazu sagen.<lb/>
Mit dem Schmäh habe ich mich glaube ich wieder über diese Schwierig<lb break="no"/>keiten hinweggeholfen. Die Abteilung hat mir auf unser Verlangen<lb/>
wenigstens einige Geschäftsberichte geliefert, wodurch ich einige<lb/>
technische Details erfahren habe. Nur mit dem Schmäh allein geht<lb/>
es ja auf keinen Fall. Wie gut könnte es aber gehen, wenn ich jetzt<lb/>
wirklich von all diesen Firmeneröffnung vorher wenigstens ein oder<lb/>
das andere exklusive Informationsmaterial über irgendwelche Gags er<lb break="no"/>fahren könnte. Ich fürchte dies wird ein Wunschtraum von mir bleiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_10">Im Kautsky-Kreis berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über seine Arbeit und ins<lb break="no"/>besondere über die zukünftigen Pläne, er hat dort klar und deutlich<lb/>
über das Kreditwesensgesetz, Sparkassengesetz usw. referiert und ich<lb/>
hatte erwartet, dass in der Diskussion die Genossen, die sich bei<lb/>
mir beschwert haben, dass er hier viel zu sehr die Intentionen<lb/>
der Banken vertritt, sich dort zu Wort melden werden. zu meiner<lb/>
grössten Überraschung hat kein Einziger auch nur eine Spur einer<lb/>
Kritik geübt. Wenn Wortmeldungen waren, so waren sie sehr zahm und<lb/>
haben in Wirklichkeit ihm nur immer recht gegeben. Es ist unwahrschein<lb break="no"/>lich wie eine Funktion einen Menschen vor Angriffen schützt. Wäre er<lb/>
nicht der Finanzminister, vor dem doch scheinbar der eine oder andere<lb/>
immer wieder etwas braucht, dann wäre er sicher wegen seiner Detail<lb break="no"/>entscheidung in dem einen oder anderen Fall glatt in der Luft zer<lb break="no"/>rissen worden. So aber, denkt sich jeder, er will es sich mit ihm<lb/>
nicht verscherzen und kritisiert daher höchstens hinten herum, wenn<lb/>
er nicht dabei ist<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band10_1972-03-01_11">Anschliessend hatte ich mit ihm eine Diskussion über die Filmför<lb break="no"/>derung, er wollte, bevor er überhaupt eine Ziffer nennt, zuerst das<lb/>
vollständige Konzept sehen. Ich selbst erklärte, dass ich dies erst<lb/>
dann ausarbeiten könnte und wollte, wenn ich grössenordnungsmässg<lb/>
wüsste, welchen Betrag er bereit ist, nächstes Jahr ins Budget ein<lb break="no"/>zusetzen. Wir einigten uns dann, dass dieser Betrag 10 Mill. S<lb/>
betragen soll. Da ich ihm ja nur erklärt habe, dass die andere<lb/>
Seite bereit ist denselben Betrag aufzubringen, ich beabsichtigte<lb/>
ja wenn es geht eine Drittelung, so hätten wir jetzt mindestens<lb/>
20 Mill. S zur Verfügung, wenn wir wirklich Dritteln könne, sogar<lb/>
30 Mill. Damit müsste man ein System der Filmförderung tatsäch<lb break="no"/>lich aufbauen können.<lb/>
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               <persName><surname>Baumgartl</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Fahrschulinhaber/in in Voitsberg</occupation>
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               <persName type="label">Dinzl, Gottfried</persName>
               <persName><surname>Dinzl</surname><forename>Gottfried</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Thierfelder, Hans</persName>
               <persName><surname>Thierfelder</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Eigentümer Strumpffabrik ARWA</occupation>
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               <persName type="label">Klose, Alfred</persName>
               <persName><surname>Klose</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>Leiter Wirtsch.pol. Abt. HK</occupation>
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               <persName type="label">Dubovszky, Ladislaus</persName>
               <persName><surname>Dubovszky</surname><forename>Ladislaus</forename></persName>
               <occupation>Inh./Gründer einer Fahrschule [seit 1973 in Graz]</occupation>
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               <persName type="label">Berger, I</persName>
               <persName><surname>Berger</surname><forename>I</forename></persName>
               <occupation>Ang.-BR Siemens [1972]</occupation>
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               <persName type="label">Wolff, Karl-Heinz</persName>
               <persName><surname>Wolff</surname><forename>Karl-Heinz</forename></persName>
               <occupation>Hauptverband der SV-Träger</occupation>
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               <persName type="label">Hecke, Hans R.</persName>
               <persName><surname>Hecke</surname><forename>Hans R.</forename></persName>
               <occupation>GD Siemens</occupation>
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               <persName type="label">Fenzl, Anton</persName>
               <persName><surname>Fenzl</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ehem. BRO Siemens</occupation>
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               <persName type="label">Winder, Ernst</persName>
               <persName><surname>Winder</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Landesparteisekr. SPÖ Vorarlberg, LT-Abg., Landesrat</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Lenert, Franz</persName>
               <persName><surname>Lenert</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>SC Sozialministerium</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Stern, Michael</persName>
               <persName><surname>Stern</surname><forename>Michael</forename></persName>
               <occupation>Rechtsanwalt</occupation>
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