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            <title type="main">Montag, der 21. Februar 1972</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band09_1972-02-21</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_01">Montag, 21. Feber 1972<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_02">Beim Jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erkläre ich, warum ich für<lb/>
die Wirtschaftskommission, Neusiedler AG, so viel Zeit aufwende.<lb/>
Die Sozialpartnerschaft könnte durch mehrere Wirtschaftskommissions<lb break="no"/>sitzungen ernstlich gefährdet werden, wenn es nicht zu einvernehmlichen<lb/>
Auffassungen kommen könnte. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meint, er wüsste warum die<lb/>
Chemiearbeitergewerkschaft, insbesondere Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> in der<lb/>
letzten Zeit jetzt so viele Schwierigkeiten macht. Er gibt mir aber<lb/>
keine Erklärung, sondern spielt nur auf eine scheinbare Bespre<lb break="no"/>chung, die er mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gehabt hat, an. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hängt gleich die lang<lb break="no"/>fristig nicht erledigten Preiswünsche für Zucker, Bier und Fleisch.<lb/>
Bei Fleisch besonders weise ich auf die Jahresfrist, die noch nicht<lb/>
abgelaufen ist, hin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_03">Ich mache neuerdings darauf aufmerksam auf die EWG-Verhandlungen und<lb/>
auf die immer grösser werdende Ablehnung der Bauernschaftsvertreter.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> will das innerhalb der ÖVP zur Sprache bringen, da <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
und er auf dem Standpunkt stehen, eine EG-Verhandlungsergebnis müsste<lb/>
auch von der Opposition akzeptiert werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, es müsste<lb/>
aber auch gleichzeitig eine Erstattungsregelung gefunden werden.<lb/>
Die Handelskammer würde sonst ihren Mitgliedern empfehlen, die<lb/>
Nachfolgeprodukte aus Vormerkverkehrimporten aus der EG zu bestreiten,<lb/>
um dorthin konkurrenzfähig zu bleiben. Ich stelle neuerdings fest,<lb/>
dass dies eine innerösterreichische Angelegenheit ist, die uns solange<lb/>
das Finanzministerium nicht überzeugt werden, kann, befriedigt gelöst<lb/>
werden könnte. Man hat bis jetzt maximalst von 60–80 Mill. gespro<lb break="no"/>chen und jetzt legt die Präsidentenkonferenz bereits ein Programm für<lb/>
101 Mill. S vor. Ich werde weiter versuchen, im vorparlamentarischen<lb/>
Raum dieses Problem zu behandeln und einer Lösung zuzuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_04">Fremdenverkehrsexperten für die Überprüfung der Hoteliers nach Iran<lb/>
sollen <rs type="person" ref="#per__111729">Skardarasy</rs>, <rs type="person" ref="#per__135640">Lissbauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__118737">Schimka</rs> sein, wenn das Handelsmini<lb break="no"/>sterium auch mehrere nominiert. Ich erklärte sofort, dass für uns<lb/>
maximalst ein Mann, <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, in Frage käme. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> will, dass wir<lb/>
dieses Problem später neuerdings besprechen. Er würde in seinem<lb/>
Fall auch nur einen Mann schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_05">Das Austria-Center in New York schlägt eine Besprechung zwischen<lb/>
Fremdenverkehrswerbung, AUA, <rs type="person" ref="#per__134288">Millwisch</rs>, Verkehrsbüro und andere<lb/>
Interessen vor. Er selbst und ich sollen daran teilnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Eine Sitzung aller, die ernstlich dafür in<lb/>
Frage kommen, bei mir einberufen.<lb/>
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<choice><choice><sic>dirt</sic><corr>die?</corr></choice></choice> gesamtvolkswirtschaftlichen Gesichtspunkte der Patente be<lb break="no"/>sprochen werden soll. Die wirklich konkrete Aufstellung der Patent<lb break="no"/>verwertungsgesellschaft wird eine Arbeitsgruppe, Dr. <rs type="person" ref="#per__98078">Winkler</rs>, Wissen<lb break="no"/>schaftliche Abteilung der Handelskammer, Dr. <rs type="person" ref="#per__113032">Reiger</rs>, vom Haus<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114532">Bolhar</rs>, <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizzi</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> nominiert, unverzüglichst und so schnell<lb/>
wie möglich ein Konzept ausarbeiten sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_08">Fibö möchten den Fachverband der Bauindustrie doch jetzt so schnell<lb/>
wie möglich gründen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> behauptet, seinerzeit hätte er ihnen zu<lb break="no"/>gesichert, er würde dem Handelsministerium einen positiven Vorschlag<lb/>
zur Stellungnahme einreichen und das Handelsministerium aber hätte<lb/>
erklärt, es könne auf Grund der derzeitigen gesetzlichen Lage dies<lb/>
nicht machen. <rs type="person" ref="#per__98100">Wohlgemuth</rs> hätte eine solche Auskunft immer wieder ge<lb break="no"/>geben und nun vertritt <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> die Meinung, dass dies sehr wohl möglich<lb/>
sei. Ich kann mich nur erinnern, dass ich seinerzeit erklärt<lb/>
habe, ein Zeitraum 1973, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meint bis Ende 1973 zur Überbrückung<lb/>
der Bundesinnung für das Baugewerbe noch zu geben, keinesfalls –<lb/>
daran kann ich mich wirklich nicht erinnern – hätte ich aber zugesagt,<lb/>
dass wenn die BHK bei uns positiv anfragt, ich erklären würde oder<lb/>
erklärt habe, dass ich dieses Ansuchen ablehne, weil es nicht be<lb break="no"/>gründet ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte Akt mit Stellungnahme <rs type="person" ref="#per__98100">Wohlgemuth</rs> vorlegen,<lb/>
da am nächsten Montag wieder beim Jour fixe darüber gesprochen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte den Direktor für das Thailänder Entwicklungsprojekt<lb/>
in der Fachschule nicht bestätigen. Im Akt steht nun, das Projekt<lb/>
betreuende Handelsministerium hätte schon zugestimmt. Ich erkläre<lb/>
den beiden, dass wir in dieser Frage im Handelsministerium eine<lb/>
neue Überprüfung des gesamten Komplexes durchführen, da wir für<lb/>
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Einflussmöglichkeiten haben. Ohne dass ich es aussprach, denke ich<lb/>
auch dabei, dass hier immer wieder Leute von der Handelskammer be<lb break="no"/>stellt werden, auf die wir auch keinerlei Einfluss haben und<lb/>
in Wirklichkeit nur alles decken müssen, was dort vorgeht. In<lb/>
diesem Fall passt es der Handelskammer nicht in ihr Konzept,<lb/>
dass der Direktor mehr Geld bekommen soll als der Handelsdelegierte,<lb/>
sonst hätten wir überhaupt nicht erfahren, dass dort ein Direktorenpo<lb break="no"/>sten frei wird und natürlich mit ihren Leuten besetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Personalpolitischen Einfluss sichern, viel<lb break="no"/>leicht könnten wir von uns einen Direktor, der nicht so viel ver<lb break="no"/>langt, stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_12">Betreffend den Wunsch der Wirtschaftstreuhänder auf Grund der neuen<lb/>
Richtlinien über Kommerzialräte hat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> einen Brief an die<lb/>
Handelskammer gerichtet, wonach sie diese jetzt berücksichtigen soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137271">Witek</rs> hat angeblich <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> zu erkennen gegeben, dass ein solches<lb/>
Schreiben zielführend wäre. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, bei der Richtlinien<lb break="no"/>änderung hätte man doch mindestens die Handelskammer fragen sollen.<lb/>
Ich erkläre mein neuerliches Desinteresse an allen Ordensverleihun<lb break="no"/>gen und Kommerzialratstitelverleihungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Interessant wäre, ob wir bei den Richtlinien<lb break="no"/>änderungen gefragt wurden. An dem konkreten Antrag für den Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder Fleischmann bin ich gar nicht interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_14">Gegen die Bestellung des Herrn <rs type="person" ref="#per__123324">Petrasch</rs> für die Statistik des Aussen<lb break="no"/>handels und damit des Kommerzialratstitels hat die Wiener Handels<lb break="no"/>kammer schärfstens protestiert, weil das Gremium nicht einmal ge<lb break="no"/>fragt wurde. <rs type="person" ref="#per__123324">Petrasch</rs> hat mit Aussenhandel überhaupt nichts zu<lb/>
tun und ist auch kein Funktionär.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte klären, ob die Wiener Handelskammer nicht<lb/>
wirklich in all diesen Fragen gehört werden müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_16"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte wissen, wieviele höchstens für eine Ausbildung in der<lb/>
Handelskammer sowie die Aussenhandelsstellenleiter in Frage kämen.<lb/>
Wir einigen uns auf maximal 3 HM-Delegierte pro Jahr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint<lb/>
auch, es wäre nicht sehr zielführend, wenn diese Delegierten auch die<lb/>
handwerklich kleinsten Details z.B.: Wie benimmt sich der Handels<lb break="no"/>delegierte, mitmachen müssten. Scheinbar will er ein gewisses Reservat<lb/>
für handelskammerinterne Besprechungen ausnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_17"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat meine Erklärung über die Autopreise im Fernsehen gesehen<lb/>
und beschwert sich, dass ich erklärt habe, die Handelskammer hätte<lb/>
uns kein besseres Instrumentarium gegeben. Zum Glück habe ich den<lb/>
Pressedienst der ÖVP, wo Abgeordneter <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> die Regierung wegen der<lb/>
Autopreise neuerdings angreift, bei der Hand und repliziere, dass<lb/>
wir eben doch so schnell wie möglich eine zweckmässigere Lösung zwischen<lb/>
Handelskammer und mir ausgehandelt werden müsste. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, solange<lb/>
er noch Schattenminister war, hätte er solche Aussendungen verhindern<lb/>
können. Dies stimmt allerdings auch nicht. Im Hinkunft werde ich eben<lb/>
mehr die ÖVP angreifen, da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärt, die Handelskammer ist<lb/>
nicht identisch mit der Kärntner Strasse. Bezüglich der Autopreise hätten<lb/>
sie im Vorjahr mit Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über dieses Problem in der Präsidenten<lb break="no"/>besprechung der Paritätischen Kommission eindeutig verhandelt und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hätte abgelehnt, dass die Autos ein Fall für den § 3a wären.<lb/>
Darauf repliziere ich, dass eben dann als nächsten Schritt, dass die<lb/>
Autohändler dies erfuhren, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> bestreiten natürlich,<lb/>
dass sie sie informiert haben, dann aber sofort die Preise mit Jahres<lb break="no"/>beginn heuer neuerdings wesentlich erhöht haben. Man sollte meinen,<lb/>
dass wir auf Sozialpartnerebene über Preisgesetze reden könne, ein<lb/>
Preisstop aber, wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ihn verlangt, komme nicht in Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_18">Bundesinnungsmeister <rs type="person" ref="#per__139534">Pawlin</rs> hat auch eine grosse Firma und die hat<lb/>
Schwierigkeiten, da das Homologisierungsabkommen noch nicht end<lb break="no"/>gültig beschlossen ist. Der Ministerrat hat es zwar schon genehmigt,<lb/>
aber es muss noch in New York hinterlegt werden und dauert zwei Monate<lb/>
bis dann bei uns in Österreich die Europa-Prüfungen durchgeführt werden<lb/>
können. 1970 hat uns die Innung einen Brief geschrieben, der angeblich<lb/>
unbeantwortet geblieben ist. Ich erkläre sofort, dass man mich<lb/>
hätte damals auf dieses Problem persönlich aufmerksam machen müssen.<lb/>
Jetzt sei durch den Beschluss des Ministerrats auf meinen Antrag<lb/>
<pb n="09-0234" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-02-21_0234.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>das Problem rechtlich erledigt und ich könnte keinerlei Beschleu<lb break="no"/>nigung mehr durchführen. Im Aussenamt, erkläre ich Dr. <rs type="person" ref="#per__137268">Grubmann</rs> soll<lb/>
er sofort intervenieren, dass so bald als möglich die Hinterlegung<lb/>
erfolgt. Durch Erlass werden wir die prüfenden Stellen anweisen,<lb/>
jetzt bereits die Prüfung durchzuführen, damit nach Ablauf der<lb/>
zwei Monate, die Bestellungen sofort ausgestellt werden können. Die<lb/>
Arbeitsgruppe in der ECE betreffend Pannendreieck hat positiv abge<lb break="no"/>schlossen. Sobald ein Reglement vorliegt, wird von uns versucht, die<lb/>
Warneinrichtungsverordnung, die auf Grund der STVO und nicht des<lb/>
Kraftfahrgesetzes erlassen wurde, zu ändern. Um hier keine Zeit zu<lb/>
verlieren, wird die jetzige Novelle der Strassenverkehrsordnung<lb/>
schon eine zweckmässige Lösung, <rs type="person" ref="#per__137268">Grubmann</rs> wird das hausintern erledigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139534">Pawlin</rs>, Inhaber der Firma MEWAG, gibt mir ein erschütterndes Doku<lb break="no"/>ment. <rs type="person" ref="#per__134818">Storek</rs> hätte ihm empfohlen, er sollte in die CSSR prüfen gehen,<lb/>
da die österreichischen Stellen es ablehnen. Tatsache ist, dass<lb/>
allerdings, solange das Übereinkommen nicht in Kraft ist, natürlich<lb/>
keine Prüfbestätigungen ausgestellt werden können. Ich hoffe, dass<lb/>
sich die dafür jetzt festgelegten und von mir bestimmten Prüfstellen,<lb/>
Technische Hochschulen, Prüfanstalt usw., vorbereiten auf die<lb/>
Prüfungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte den ganzen Fall und insbesondere die<lb/>
garantierte Funktion der Anstalten zu überprüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_20">Bei der Handelsdelegiertenbesprechung, die ich immer mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> allein<lb/>
besucht habe, erscheint ganz unerwartet auch <rs type="person" ref="#per__97867">Reiterer</rs>. <rs type="person" ref="#per__139535">Kuncar</rs> erklärt<lb/>
für Grossbritannien, dass die Annahme in der dritten Lesung des<lb/>
Vertrages nicht sicher sei. durch den Bergarbeiterstreik 280.000<lb/>
hätten bald 24 Mill. Beschäftigte schwerst geschädigt, hätte sich<lb/>
das Klima sehr verschlechtert. Die Industriellenvereinigung hät<lb break="no"/>te mit einigen Ausmahmen, u.a. Curton<add>[?]</add> Textilkonzern, das seiner<lb break="no"/>zeit versprochene Preislimit von maximal 5 % eingehalten. Ich<lb/>
erkläre, dass allerdings die Lebenshaltungskosten um 9,5 % gestiegen<lb/>
sind und darauf die 20 %-ige Bergarbeiterforderung. Die englische<lb/>
Wirtschaft sei heute sehr geschwächt. Textil- und chemische Indu<lb break="no"/>strie, die früher einmal in England führend waren, hätten bezüglich<lb/>
des EG-Anschlusses grosse Bedenken. Nur die Auto- insbesondere LKW-<lb/>
Erzeugung rechnet sich gute Chancen aus. <rs type="person" ref="#per__139536">Lang</rs>, Schweden erklärt,<lb/>
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75 % Exportzuschüssen gefördert. Die Investitionen können auch<lb/>
aus Österreich stammen und werden damit auch Subventioniert. Die<lb/>
Arbeitgeber wünschen aber, dass die im Jahre 1970 erhöhte Arbeit<lb break="no"/>geberabgabe von 1 auf 2 % wieder auf 1 % zurückgeführt wird. Ebenso<lb/>
sollte die Mehrwertsteuer, die mit 1.1.1971 von 10 % auf 15 % er<lb break="no"/>höht wurde, wieder auf 10 % reduziert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_21">Dr. <rs type="person" ref="#per__139537">Möritsch</rs> von Dänemark erklärt, dass die 10 %-ige sur-charge<lb/>
den dänischen Import mit 50 % <choice><choice><sic>belag</sic><corr>?</corr></choice></choice> betrifft, Österreich aber<lb/>
mit 75 % belastet. Im September kommt zum Unterschied von Norwegen<lb/>
ein bindendes Referendum über den EG-Beitritt. Derzeit geschieht<lb/>
eine Aufklärungskampagne in den kleinsten Osten und in den klein<lb break="no"/>sten Betrieben. Meine Frage, ob dies die EG-Abteilung 10 public<lb/>
relations macht, kann <rs type="person" ref="#per__139537">Möritsch</rs> nicht im Detail beantworten. Offiziell<lb/>
tritt es zumindestens nicht in Erscheinung. Wenn Dänemark beitritt,<lb/>
ist der österreichische Bekleidungsexport sehr gefährdet, da die<lb/>
BRD wahrscheinlich auch diesen Markt erobert wird, derzeit liegen<lb/>
durch die Zollschranken die Österreicher noch in Dänemark geschützt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_22"><rs type="person" ref="#per__139538">Knoll</rs> von Belgien berichtet, dass die Regierung 3 Mia. belg. Franken<lb/>
für Investitionen zur Verfügung stellen wird. Die Regionalhilfe,<lb/>
die Belgien jetzt schon gewährt, wird allerdings von der EWG sehr<lb/>
kritisiert. Österr. Bekleidungsexporte sind nur mehr auf<add>[dem]</add> Stickerei-<lb/>
und Lodensektor möglich, alle anderen Märkte sind verloren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_23">Die weitere Diskussion kann ich nicht mehr mit anhören, da ich<lb/>
bereits zu Präsident <rs type="person" ref="#per__139539">Todorow</rs>, bulg. Fremdenverkehrsmann, gehen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_24">Bei der Besprechung ist österreichischerseits <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>,<lb/>
Verkehrsbüro <rs type="person" ref="#per__134288">Millwisch</rs>, Ruefa <rs type="person" ref="#per__136644">Figdor</rs>, sowie <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs><lb/>
anwesend. Bulgarischerseits <rs type="person" ref="#per__139539">Todorow</rs>, Handelsrat <rs type="person" ref="#per__139540">Teofilow</rs>, der<lb/>
Vertreter von Balkantourist in Wien und zwei Herren, die ich nicht<lb/>
kenne. Die Besprechung gibt keine neuen Gesichtspunkte. 300.000<lb/>
Übernachtungen, die Österreich 1971 in <choice><choice><sic>Rumänien</sic><corr>Bulgarien?</corr></choice></choice> gehabt hat, sind<lb/>
ihnen selbstverständlich zu wenig. ca. 30.000 Österreicher, die<lb/>
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ein zu geringer Anteil. Jugoslawien meint er, hätte 500.000. In<lb/>
den 1,2 Mill. sind allerdings auch die Kurzausreisen drinnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich möchte mir gerne einmal diese Fremdenver<lb break="no"/>kehrsstatistik von einem Fachmann erklären lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_26">Die Kritik an mangelndem Service, die bis 1970 sehr berechtigt war,<lb/>
hat zu dem Erfolg geführt, dass 1971 es besser funktioniert und kei<lb break="no"/>ne Beschwerden mehr vorliegen. Das Bon-System, der einzige Staat,<lb/>
der das noch in Europa handhabt, sollte nach Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__136644">Figdor</rs><lb/>
durch ein wahlweises Menüsystem in den einzelnen Hotels ergänzt wer<lb break="no"/>den. Mit Hilfe des Bonwertes werden nämlich Anfang des Urlaubes auch<lb/>
die Getränke bezahlt und dann am Ende ist kein Bon mehr dafür vor<lb break="no"/>handen. <rs type="person" ref="#per__139539">Todorow</rs> lädt meine ganze Familie im Anschluss an die Ge<lb break="no"/>mischte Kommission zu einem Urlaub am Schwarzen Meer ein, es wird<lb/>
von mir kategorisch abgelehnt und fadenscheinig mit Zeitmangel be<lb break="no"/>gründet. Aber <rs type="person" ref="#per__139539">Todorow</rs> erklärt, mit einem Auto könne man jetzt in<lb/>
Bulgarien phantastisch reisen und <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> sagt, dass ich immer<lb/>
als <rs type="person" ref="#per__137230">Harun Ar-Raschid</rs> alles kontrolliere, auch die österreichische<lb/>
Fremdenverkehrswerbungsaussenstellen, kündige ich an, ich werde mir<lb/>
vielleicht doch überlegen, eventuell mit dem Auto nach Sofia zu fah<lb break="no"/>ren.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_27">In der staatlichen Wirtschaftskommission liegt noch immer keine<lb/>
Einigung zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> als Neusied<lb break="no"/>ler AG-Vertreter vor. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> und <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> haben <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> wissen<lb/>
lassen, sie wünschen 800.000 S, dass ich erreiche, gleichzeitig<lb/>
aber das Verfahren weitergeführt werden soll, um den ganzen Komplex<lb/>
zwischen den Vertrags-, jetzt Streitpartnern besprechen zu können.<lb/>
Der Vorstand, der vollzählig erschienen ist, hat auch noch Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs>, den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, mitgenommen. Die<lb/>
Kommission wäre natürlich daran interessiert, sowohl <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs><lb/>
als auch <rs type="person" ref="#per__139552">Harmer</rs> drücken dies ausdrücklich aus, wenn es mir gelänge,<lb/>
eine einvernehmliche Regelung zu erzielen. Scheinbar hat man gehofft,<lb/>
mit 700.000 S, nachdem die Neusiedler 600.000 bereits angeboten hat,<lb/>
würde ich einen Kompromiss zustandebringen. Ich bemerke auch Zwischen<lb break="no"/>bemerkungen von Seiten der Arbeitgebervertreter, dass sie dies in<lb/>
einer Vorbesprechung festgelegt haben. In Detailverhandlungen<lb/>
gelingt es mir dann doch, die 800.000 S ,die die Gewerkschaft wünscht<lb/>
<pb n="09-0236" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-02-21_0236.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durchzusetzen, als Gegenkonzession hat <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> sofort<lb/>
zugesagt, dass sie die Einsprüche beim Einigungsamt wegen der<lb/>
Kündigungen zurückziehen werden. Sollte innerhalb der nächsten<lb/>
vier Wochen zu keiner einvernehmlichen Regelung des Problems kom<lb break="no"/>men, ein Einvernehmen Regelung der auch wie mir übereinstimmend<lb/>
mitgeteilt wird, dass da keine Möglichkeit einer Lösung besteht,<lb/>
dann müsste die Schiedskommission, d.h. die staatliche Wirtschafts<lb break="no"/>kommission endgültig entscheiden. Sollte aber bis zu diesem<lb/>
Zeitpunkt eine solche Lösung noch nicht möglich sein, was als<lb/>
wahrscheinlich gilt, dann wird <rs type="person" ref="#per__112582">Schönherr</rs> und unser Ministerium<lb/>
die rechtliche Seite behandeln, ob nicht eine Verlängerung möglich<lb/>
ist. Im Verfahren gibt es leider nicht wie z.B. im Rechtsverfahren<lb/>
ein Ruhen, wenn die Wirtschaftskommission allerdings glaube ich<lb/>
einstimmig eine Vertagung beschliesst, dann müsste es auch recht<lb break="no"/>lich irgendwelche Stützen geben, um dies zu ermöglichen,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte, dieses Problem eingehend überprüfen<lb/>
lassen. Eine neue Verordnung kommt derzeit allerdings nicht in<lb/>
Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_29">Beim Abschiedsempfang für Botschafter Escher fragte mich <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
ob ich mich bei den weiteren Verhandlungen, da es sich um das ge<lb break="no"/>samte Papierkonzept handelt, mit einschalten möchte. <rs type="person" ref="#per__139552">Harmer</rs><lb/>
steht leider in der Nähe und <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> meint, wenn er uns nicht<lb/>
verrät, könnte er ruhig zuhören. Ich versuche natürlich sofort zu<lb/>
erklären, dass ich daran nicht primär interessiert wäre, sondern<lb/>
nur, wenn die beiden Streitpartner nicht weiterkommen, dann<lb/>
sollte man sich an mich wenden. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> hat scheinbar wenig<lb/>
Verständnis dafür, dass ich als "objektiver Vorsitzender" doch<lb/>
nicht so eindeutig von einer Partei interpelliert und herange<lb break="no"/>zogen werden kann. Bis jetzt ist es mir noch gelungen, das Ver<lb break="no"/>trauen der anderen Seite nicht nur zu erhalten, sondern ich glaube<lb/>
auch – zumindestens drücken sie mir dies mir gegenüber immer aus<lb/>
– immer wieder zu bekräftigen. Ich muss weiter so durchlavieren,<lb/>
dass man mir nicht den Vorwurf macht, ich hätte die Industrie<lb break="no"/>politik z.B. auf diesem Sektor nur als dirigistische Massnahme<lb/>
mit Hilfe der Wirtschaftskommission begonnen. Der erste Schritt<lb/>
ist ja ganz gut geglückt. wie es weitergehen wird, weiss ich<lb/>
allerdings nicht. Da <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> auf alle Fälle Schlöglmühl und Weissen<lb break="no"/><pb n="09-0237" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band09/09_1972-02-21_0237.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bach stillegen will. Bis jetzt haben wir dieses ganze Problem ruhiger<lb/>
über die Bühne gebracht als <rs type="person" ref="#per__134507">Landegger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wird<lb/>
allerdings sagen, wir haben damit auch propagandistisch in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit gar nichts erreicht. Die Sachlösung muss allerdings vor der<lb/>
Propaganda stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_30">In der Arbeitsgruppe Wirtschaftsgesetze der Minister legt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ein Elaborat über die Marktordnungen vor, das meiner Meinung<lb/>
nach vollkommen unbrauchbar ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gehen auch gar<lb/>
nicht darauf ein, sondern meinen nur, es müsste jetzt die Marktordnungen,<lb/>
die für Mangelwirtschaften gebaut wurden und im Überschuss nicht<lb/>
mehr funktionieren, geändert werden. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> will nun auf dem Milchsektor<lb/>
im Erlassweg den Erzeugerpreis so fixieren, dass eine Bindung für<lb/>
die Molkereien besteht. Derzeit können Geschäftsanteile, Baukosten<lb break="no"/>zuschüsse von den Molkereien vom Erzeugerpreis nach Beschluss der<lb/>
Genossenschaften sofort abgezogen werden. Dadurch glaubt <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, das<lb/>
der Beschleunigungsprozess in der Stillegung der Molkereien vorange<lb break="no"/>trieben wird. Da die Molkereien eine 620 Mill. Stützung verlangen und<lb/>
478 Mill. immer im Budget nur vorgesehen sind, wird die Differenz<lb/>
durch eben Abzüge der Genossenschaften vom Erzeugerpreis herein<lb break="no"/>gebracht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bezweifelt, ob <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dies mit <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> überhaupt<lb/>
zustandebringen wird. Gleichzeitig will <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> auch den Wassertransport<lb/>
dadurch verhindern, dass er in den Produktionsgebieten Butter und Käse<lb/>
nur mehr erzeugen lässt. Die Stadtbetriebe sollen ausser Frischmilch<lb break="no"/>produkten wie z.B. Topfen <choice><choice><sic>us.</sic><corr>usw.?</corr></choice></choice> keinerlei Butter- oder Käseprodukte<lb/>
mehr erzeugen. Dann erklären sowohl <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> als auch ich, müsste<lb/>
allerdings er auch Vorsorge treffen, dass die Rohmilch nicht in den<lb/>
Landmolkereien einmal schon pasteurisiert wird und die städtischen Mol<lb break="no"/>kereien dann nur noch einen geringen Zuschuss für die zweite<lb/>
Pasteurisierung bekommen. Dann müssten nämlich Rohmilch aus der Um<lb break="no"/>gebung der Städte sofort den Stadtmolkereien zugeführt werden, damit<lb/>
sie nicht reine Abfüllbetriebe werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, dass dies<lb/>
ein Vernünftiges Konzept sei und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wird die Details in Kürze vor<lb break="no"/>legen. Er sagt allerdings, dass er dazu mindestens zwei Monate<lb/>
brauchen wird. Das nächste Mal sollen wir uns dann mit dem Getreide<lb break="no"/>problem beschäftigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_31">Auf meine Frage vor der Sitzung an <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, ob er ein Schreiben<lb/>
betreffend die Mehrwertsteuer bei der Messe für zweckmässig er<lb break="no"/>achte, meinte er, dass ich ihm ein solches Alibi-Schreiben ohne<lb/>
weiteres schicken könnte. Ich erkläre sofort, dass ich ihm noch<lb/>
niemals Alibi-Schreiben übermittelt habe, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> glaubt, dass<lb/>
wenn der Mehrwertsteuersatz von 16 % auf 8 % reduziert wird,<lb/>
dass im Interesse der Handelskammer und der Messen es vielleicht<lb/>
liegt, nicht aber im Interesse der Aussteller, Die Firmen<lb/>
können nämlich dann nicht den Vorsteuerabzug von 16 % in Anspruch<lb/>
nehmen. Dies ist sicherlich richtig, doch andererseits wieder<lb/>
würden die Preise für die Mieten auch nicht so erhöht werden, wenn<lb/>
nur 8 % Mehrwertsteuer zu bezahlen ist. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, es sollten<lb/>
sich die Herren des Handelsministeriums einmal im Finanzministerium<lb/>
über diese Mehrwertsteuerproblematik genau informieren. Ich glaube,<lb/>
dieses Anbot sollte man akzeptieren und von unserem Haus ein oder<lb/>
zwei Leute bestimmen, die eine genaue Information für diesen Fall<lb/>
nämlich Mehrwertsteuerregelung für die Messen mit dem Finanzmini<lb break="no"/>sterium besprechen sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> fragen, an wen sich unsere<lb/>
Leute wenden können. Ich selbst werde keinerlei Alibibrief abschik<lb break="no"/>ken.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_33">In der Ministerratsvorbesprechung erklärt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass er eine<lb/>
Personalausgleichsstelle errichten möchte. Dies richtet sich na<lb break="no"/>türlich gegen den § 67 des Beamtenschutzgesetzes. Der Sektionschef<lb/>
der die Personalfragen bearbeitet, hat ihm erklärt, dass er seiner<lb break="no"/>zeit Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> so etwas vorgeschlagen hat und der hat<lb/>
es ganz kategorisch abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint aber, wenn wir uns auch<lb/>
gegen die Beamten in diesem Fall stellen, es muss eine beweglichere<lb/>
Personalpolitik gemacht werden können. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> meint bei dieser Ge<lb break="no"/>legenheit gleich, dass im Ausschreibungsgesetz eine Kommission vor<lb break="no"/>gesehen ist und dass es hier doch eine gewisse Einschränkung der<lb/>
Ministermöglichkeiten dann geben sollte. <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, der scheinbar<lb/>
jetzt als Gewerkschaftsvertreter immer an Sitzungen teilnehmen wird,<lb/>
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Verhandlungen mit der Bürokratie in diesem Punkt ist und daher<lb/>
die Kommission kaum mehr entfernt werden könnte. Überhaupt stellt<lb/>
er fest, dass die Bürokratie sich bei den Verhandlungen mit der<lb/>
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die Minister alles ablehnen müssen. Ich schlage vor, man sollte<lb/>
doch die in den einzelnen Ministerien Verantwortlichen für die Per<lb break="no"/>sonalpolitik im BKA zusammenrufen, um fraktionell diese Probleme<lb/>
zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> lehnt deshalb, ab, weil er sagt, die Ver<lb break="no"/>handlungen gehen ununterbrochen auf verschiedenste Probleme im<lb/>
BKA vor sich und er könnte die nicht alle mit jedem koordinieren.<lb/>
Gleichzeitig aber muss er zugeben und macht aufmerksam, dass<lb/>
die Zulagen in jedem Ministerium nach anderen Gesichtspunkten<lb/>
scheinbar gegeben wurden. Im BKA haben die der CV-Verbindung<lb/>
des Personalleiters angehörigen Mitglieder eine höhere Zulage<lb/>
als die anderen CV-Brüder und die Liberalen haben entweder<lb/>
nur als Alibi und sonst auf alle Fälle aber eine wesentlich ge<lb break="no"/>ringere Zulage bekommen. Die Zulagen gehen im BKA bis zu 5.000 S.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_34">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte unsere Zulagen einmal analysieren<lb/>
und mir dann berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_35"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist der Meinung, dass der CV jetzt neue Aufgaben hat,<lb/>
nämlich Positionen zu halten und dass der ÖAAB jetzt das grosse<lb/>
Wort in den Personalvertretungen spricht. Die Beamten in seinem<lb/>
Ressort haben sich z.B. ausserstande erklärt, das Wehrersatzdienst<lb break="no"/>zeitgesetz infolge Arbeitsüberlastung zu formulieren. Deshalb<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgeschlagen, es soll eine Arbeitsgruppe geschaf<lb break="no"/>fen werden und der einzige dafür Zuständige sei <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, denn<lb/>
das Innenministerium sei für alle Fragen zuständig, wo andere<lb/>
keine Kompetenz mehr haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_36">Der Verein für gehirngeschädigte Kinder, der 1,2 Mill. S Umsatz<lb/>
hat, hat eigentlich keinerlei positive Arbeit geleistet. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
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Das BKA hat diesem Verein 60.000 S Beihilfe überwiesen, wollte<lb/>
aber, wie sich dann herausstellte, den Verein Lebenshilfe, der uns<lb/>
nahesteht, subventionieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_37"><rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> soll nun zur Bregenzer Bahnverlegung Stellung nehmen.<lb/>
Die Landesregierung macht dies abhängig, da sie ansonsten der Trassen<lb break="no"/>führung der Autobahn nicht zustimmt, resp. keine Stellungnahme abgeben<lb/>
will. Der Bahnhof soll entweder verschoben werden oder die Bahntrasse<lb/>
tatsächlich hinter Bregenz legen, dann müsste <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sehr viel Geld<lb/>
dafür reservieren und jetzt schon Zusagen machen, wenn dieses<lb/>
Problem auch erst in 9 bis 10 Jahren spruchreif wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint,<lb/>
die Landesregierung wird sowieso das ganz Projekt ablehnen, was <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
bestreitet und man sollte deshalb mit Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> von<lb/>
Bregenz noch einmal reden.<lb/>
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gesellschaftspolitische Bedeutung und Strukturwandlung" auch vom<lb/>
Standpunkt der Regierung beleuchten wird. Es müsste dann jedes<lb/>
einzelne Ressort in der Diskussion noch dazu Stellung nehmen.<lb/>
Er beabsichtigt nicht, so wie dies beim letzten Parteitag der Fall<lb/>
war, wo er das Programm der Minderheitsregierung erklären musste, auf<lb/>
alle einzelnen Vorschläge der Ressorts im Detail einzugehen. Um nun<lb/>
die Diskussion nicht ausschliesslich den Theoretikern und Wustdis<lb break="no"/>kutierern<add>[?]</add> bei den Parteitagen zu überlassen, müsste eben die Regierungs<lb break="no"/>mannschaft die gesellschaftsverändernden Massnahmen in der Regierungs<lb break="no"/>politik herausstreichen. Er erwähnt insbesondere das Assanierungsgesetz<lb/>
die Sozial- und Steuerpolitik sowie die Rechts- und Schulpolitik. Grenz<lb break="no"/>bereiche für solche gesellschaftspolitische Strukturwandel sei die<lb/>
Agrarpolitik, die Handels- und Gesundheitspolitik. Auch das Innen<lb break="no"/>ministerium, das eigentlich für den Charakter des Staates zuständig<lb/>
sei, könnte noch einiges dazu betreiben. Bezüglich Landesverteidigung<lb/>
und Äusseres will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><add>[und]</add> <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> noch<lb/>
Aussprachen führen, da diese Kaum das Wort auf dem Parteitag ergreifen<lb/>
können und sicherlich aber auch nicht wollen. Die Ideologie-Diskussion<lb/>
müsse geführt werden, denn in Schweden hätte sich gezeigt, dass die<lb/>
Regierung und die Partei mit ihrem Pragmatismus zu Ende sei. Die<lb/>
Volkspartei hätte nun auch erkannt, dass eine Ideologie-Diskussion<lb/>
notwendig sei und sie kopiere die SPÖ bis in die kleinsten Details.<lb/>
So weist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf hin, dass auch er in Krems mit einem Raum<lb break="no"/>ordnungskonzept begonnen habe. Das ist sicherlich ein Zufall, doch<lb/>
zweifelsohne für die ÖVP ein unangenehmer, da ich umso mehr darauf<lb/>
hinweisen kann, dass auch wir den Begriff ländlicher Raum, an dem<lb/>
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bereits vorkommt und wir ihn eigentlich vor Jahrzehnten bereits in<lb/>
der Arbeiterkammer bereits geprägt haben. Auf alle Fälle wird am<lb/>
Donnerstag, 16. März, in Vöslau eine ganztägige Ministerklausur<lb/>
sein, die sich mit aktuellen Fragen aber ganz besonders mit dem<lb/>
Parteitag und den ideologischen Stellungnahmen der einzelnen<lb/>
beschäftigen soll. Da ich ein ausgesprochener Pragmatiker bin,<lb/>
habe ich in der Diskussion nur erklärt, wenn man von Seiten des Partei<lb break="no"/>tages angegriffen wird, was sicherlich von einigen Zu erwarten ist,<lb/>
dann müsste man als Minister dort in der Antwort so gereiht werden,<lb/>
dass dies auch noch eine Sinn hat, darauf im einzelnen zu replizie<lb break="no"/>ren. Die englische Vorsitzführung, wie wir es ja auch in der Ge<lb break="no"/>werkschaften pragmatisieren, soll im Präsidium auch tatsächlich<lb/>
vereinbart werden. Ich verlasse mich für meinen Diskussionsbeitrag<lb/>
auf die Angriffe, die gegebenenfalls gegen die Wirtschaftspolitik<lb/>
von Seiten d. Ideologen gestartet wird. Ich weiss, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und vor<lb/>
allem <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> werden mit diesem meinem Vorschlag nicht sehr einver<lb break="no"/>standen sein, denn sicher könnten sich beide vorstellen, dass auch<lb/>
wir einen ideologischen Teil zur Debatte am Parteitag beitragen.<lb/>
wenn ihnen wirklich ein neuer zündender Punkte einfällt, bin ich<lb/>
gern bereit – so wie immer – den zu übernehmen. Sicherlich darf<lb/>
nicht im Pragmatismus versumpern und ich selbst habe deshalb schon<lb/>
vor Monaten, lange bevor ich wusste, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen solchen<lb/>
Parteitag der Ideologie sozusagen in Aussicht nimmt, unsere Ideo<lb break="no"/>logen in der Wirtschaftskommission aufgefordert, sie sollten doch<lb/>
ein neues Konzept sich überlegen. Ich selbst kann mich auch erinnern,<lb/>
dass ich einmal eine solche Anregung noch in der Oppositionszeit<lb/>
gegeben habe. Ich selbst kann oder besser gesagt, will eigentlich<lb/>
dazu nichts beitragen. Vielleicht bin ich nicht ideologisch genug<lb/>
gefestigt. Mein Beitrag hat dann noch einen ganz guten Lacherfolg<lb/>
ausgelöst, da es <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, wenn die Handelskammer angegriffen<lb/>
wird, dann werde ich sicherlich als Verteidiger auftreten. Ich meinte<lb/>
irgendwer muss natürlich auch diese Ideologie dort vertreten. Aber<lb/>
Spass beiseite, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erfasst hier glaube ich genauso wie seinerzeit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131768">Victor Adler</rs>, dass man die Linke nur dann in die Partei binden kann,<lb/>
wenn man ihr eine Chance gibt, über ihre Probleme nicht nur zu dis<lb break="no"/>kutieren, sondern auch ihre Anregungen ernst nimmt. Neuer moderner<lb/>
Linker <rs type="person" ref="#per__139557">Andre Gorz</rs> hat hier nun gemeint, dass nur mehr Reformen,<lb/>
aber andere Strategie bezüglich der Staatspolitik nicht mehr möglich<lb/>
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hat bereits festgestellt, dass ein intakter Staat mit intakter<lb/>
Exekutive nicht mehr zu besiegen sei. Deshalb müsste eben die<lb/>
Sozialdemokratie ihre ganze Politik auch in der Staatspolitik auch<lb/>
auf Reformen abstellen. Trotzdem könnte sie aber noch so gebaut<lb/>
werden, dass auch die ideologischen linken Kreise dagegen nichts<lb/>
einzuwenden hätten. Dies sollte eben auf dem Parteitag klar und deutlich<lb/>
ausdiskutiert werden, um auf der einen Seite vielleicht Dampf abzulas<lb break="no"/>sen und auf der anderen Seite aber vielleicht doch ein gemeinsames<lb/>
Ideologiekonzept neuerdings zu erstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band09_1972-02-21_39">Ins Büro um 3/4 7 Uhr zurückgekehrt, habe ich niemanden mehr ange<lb break="no"/>troffen. Zuerst wollte ich gleich zur Verabschiedung von <rs type="person" ref="#per__139559">Escher</rs> fahren,<lb/>
aber zum Glück kehrte ich ins Handelsministerium zurück. Unmittelbar<lb/>
nach meinem Eintreffen war ein Anruf von <rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> aus Brüssel gekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> wollte über das Ergebnis der Arbeitsgruppe III berichten und<lb/>
gleichzeitig festhalten, wie sie pressemässig vorgehen sollen. Nachdem<lb/>
wir in der letzten Sektionsleiterbesprechung resp. bei den inter<lb break="no"/>ministeriellen Besprechungen erklärt haben, dass wir in Hinkunft hier<lb/>
besser organisatorische Vorbereitungen treffen werden, damit nicht<lb/>
die Presse falsch informiert wird, wäre dies riesig blamabel gewesen,<lb/>
wenn bei uns niemand abgehoben hätte. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> berichtet, dass Öster<lb break="no"/>reich ganz gut weggekommen sei. Ausser beim Dringlichkeitsverfahren,<lb/>
wo die Österreicher auf dem Standpunkt stehen, dass die Schutzklausel<lb/>
nur bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten sofort angewendet werden können,<lb/>
wünscht die EWG noch, dass auch bei sektioralen, regionalen Dis<lb break="no"/>paritätien und allgemeinen Beschwerdefällen diese sofort angewendet<lb/>
werden kann. Die allgemeine Beschwerdeklausel heisst aber nicht, dass<lb/>
es bei jeder Beschwerde, sondern wenn eine ausdrückliche Verletzung<lb/>
von Vertragsbestimmungen vorliegt, dann die Schutzklausel sofort wirken<lb/>
dürfte. Nur über diesen Punkt bezüglich Dringlichkeitsverfahren<lb/>
gibt es konträre Auffassungen. Alle anderen Einwände der EWG konnten<lb/>
zerstreut werden. Dies ist zumindestens der Eindruck von <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>,<lb/>
der allerdings gleichzeitig zugibt, dass im Plenarverfahren es dann<lb/>
ohne weiteres möglich ist, dass die Kommission wieder neuerliche Ge<lb break="no"/>sichtspunkte berichtet. Vielleicht, meint <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>, ist die Kommission<lb/>
auch schon müde, da die Schweiz und Schweden genau dieselbe Stellungnah<lb break="no"/>me releviert haben. Vielleicht aber auch hat die Kommission jetzt einge<lb break="no"/>sehen, dass dieses Verlangen der Neutralen berechtigt sei und wird<lb/>
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es bereits über 7 Uhr abends ist und kaum anzunehmen, dass die Presse<lb/>
heute noch etwas aufnehmen wird, kamen wir überein, dass nun jetzt<lb/>
in Brüssel ein gemeinsames Kommunique in der Delegation erarbeiten<lb/>
werden, das morgen um 10 Uhr den Pressevertretern geben. Die Arbeits<lb break="no"/>gruppe war ja für zwei Tage vorgesehen und hat wider erwarten bereits<lb/>
heute ihre Arbeit abschliessen können. Dadurch war auch keine<lb/>
Presse anwesend, um das Resultat der Aussprache zu erfahren. Wir<lb/>
brauchen deshalb auch von Seiten des Ministeriums heute nichts mehr<lb/>
veranlassen, morgen wird <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> sofort fernschriftlich dieses<lb/>
Kommunique heruntergeben und <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> – so habe ich ihm versprochen –<lb/>
wird es dann überarbeiten und der Presse als offizielle Handels<lb break="no"/>ministeriumsaussendung bekanntgeben. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> wollte dann auch noch<lb/>
wissen, ob es deshalb die Arbeit in der Mission mehr nach der propa<lb break="no"/>gandistischen d.h. der pressemässigen Seite oder mehr dem sachlichen<lb/>
Inhalt widmen sollte. Ich erklärte ihm, dass natürlich in Wirklichkeit<lb/>
die Information für mich jetzt am Telefon vollkommen genügt, den<lb/>
Sachverhalt zu kennen und er kann deshalb bereits die schriftliche<lb/>
Abfassung des Berichtes unter dem Gesichtspunkt für die Presse<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Mayer, Fritz (Politiker)</persName>
               <persName><surname>Mayer</surname><forename>Fritz (Politiker)</forename></persName>
               <occupation>Bgm. Bregenz</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Ortmann, Johann</persName>
               <persName><surname>Ortmann</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Escher, A</persName>
               <persName><surname>Escher</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>wurde am 21.2.1972 verabschiedet</occupation>
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               <persName type="label">Schimka, Paul</persName>
               <persName><surname>Schimka</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Skardarasy, Ernst</persName>
               <persName><surname>Skardarasy</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Präs. Hoteliervereinigung</occupation>
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               <persName type="label">Frühbauer, Erwin</persName>
               <persName><surname>Frühbauer</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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               <persName type="label">Leitner, Franz Helmut</persName>
               <persName><surname>Leitner</surname><forename>Franz Helmut</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter EWG</occupation>
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               <persName type="label">Figdor, Walter</persName>
               <persName><surname>Figdor</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>RUEFA</occupation>
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               <persName type="label">Reiterer, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Reiterer</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Sektionschef HM, Diplomat, Verteter bei der EG</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">König, Friedrich</persName>
               <persName><surname>König</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <persName type="label">Möritsch, A</persName>
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               <occupation>öst. Handelsdelegierter Kopenhagen; Falschschreibung?</occupation>
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               <persName type="label">Langer-Hansel, Harald</persName>
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               <persName type="label">Wohlgemuth, A</persName>
               <persName><surname>Wohlgemuth</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>MR HM [ev. Falschschreibung; 1972 lt. JS bereits
                  pensioniert]</occupation>
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               <persName type="label">Ottahal, Georg</persName>
               <persName><surname>Ottahal</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, u.a. zuständig f. Protokollfragen</occupation>
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               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
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               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
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               <persName type="label">Reiger, Herbert</persName>
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               <occupation>Präsidialist HK</occupation>
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               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
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               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
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